Archiv für April 2006

Brie sagt, was Avnery denkt, Avnery denkt, was Brie sagt

Freitag, 21. April 2006

In der Zeitung “Freitag” von heute gibt es zwei Beiträge zum israelisch-palästinensischen Konflikt. Die Zahl ist schon nicht schlecht, ich meine, nur zwei ist schon in Ordnung. Andere deutschsprachige Zeitungen schaffen an einem Tage auch nicht, sich ihrem Lieblingsthema weniger zu widmen.

André Brie erzählt über eine Begegnung mit einem Hamas-Politiker und zitiert ihn:

Der Holocaust gegen die Juden hat sechs Jahre gedauert, der Holocaust gegen die Palästinenser währt bereits sechs Jahrzehnte.

Brie vermerkt dazu:

Wer so denkt, kann keine Lösung herbeiführen.

Scharf bemerkt, nicht wahr? Was folgt für André Brie aus diesem Schluss? Noch einmal also - er spricht mit einem verantwortlichen Politiker einer Terror gutheißenden Regierung und stellt fest, sie kann keine Lösung herbeiführen. Was folgt daraus für einen schreibenden Politiker? Wie geht man mit einer Regierung um, die keine Lösung herbeiführen kann? Das geht bei ihm ganz einfach - man identifiziert diese Regierung mit dem Volk und verzichtet auf Forderungen, weil man ja dem Volk helfen möchte. Mit anderen Worten, die Hamas nimmt das palästinensische Volk als Geisel und beansprucht für sich die Bevormundung des Volkes - durch die Geschichtslügen, durch die Verbreitung falscher Meldungen und somit die verbrecherische Propaganda des Terrors. Und wenn die Hamas das will, wie kann man ihr das verbieten? Man sagt, sie würden doch von der Mehrheit des Volkes gewählt, das Volk wolle das so. Das muss man respektieren. Ab nun heißt sie nicht mehr Hamas-Regierung, sondern “die Palästinenser-Regierung”:

Wer die Palästinenser-Regierung boykottiert, begünstigt neue Gewalt

Das ist zwar ein Umkehrschluss, aber wer will da schon was dagegen sagen…

Dass ein großer Teil eines derart gedemütigten Volkes Fundamentalisten wählt, ist nur zu erklärlich. Aber statt die Ursachen zu beseitigen oder abzuschwächen, wird das ganze Volk jetzt für das Ergebnis einer demokratischen Wahl bestraft, die in der arabischen Welt ihresgleichen sucht. Der Finanzboykott der Autonomiebehörde trifft nicht die Hamas-Regierung, sondern die Bevölkerung. [...] Insofern ist die Blockade der Finanzhilfen für das palästinensische Volk verbrecherisch, inhuman und kontraproduktiv.

Das klingt gut, zwar mehr als nur einseitig, aber wer will da schon über Feinheiten reden…

Der Westen applaudiert Israel und nimmt die verheerenden Konsequenzen in Kauf, obwohl sie auch ihn selbst erreichen werden.

Eine Prophezeiung des Horrors kommt auch gut an, egal, dass sie von falschen Prämissen ausgeht…

Richtig ist, dass die Hamas-Regierung das Existenzrecht Israels und den Gewaltverzicht anerkennen muss - Gleiches muss aber endlich auch mit klarer Stimme von den Israelis gefordert werden.

So wird die Propaganda gemacht. Einige besonders erfolgreiche Beispiele dieser Art kennen wir schon. Das Wörtchen “endlich” haben wir in diesem Zusammenhang gut in Erinnerung, oder?

Für den blutigen Anschlag am Montag in Tel Aviv gibt es keine Rechtfertigung. Und ebenso keine für die brutalen israelischen Angriffe auf den Gazastreifen.

Es gibt zwar keine “brutale israelischen Angriffe auf den Gazastreifen”, insbesondere nach dem blutigen Anschlag in Tel Aviv. Aber wer will das schon wissen? Will das André Brie wissen?

Er sagt, was er denkt, nicht das, was wahr ist.

In der Zeitung findet sich noch ein Beitrag zum Thema, geschrieben zwar viel-viel indirekter, geschickter, aber immer noch einseitig. Allerdings kann Avnery das auch viel besser als Brie. Er schreibt:

Derzeit gibt es drei Lager in Israel: Das erste rekrutiert diejenigen, die wirklich mit den Palästinensern verhandeln wollen, um die Zwei-Staaten-Lösung zu ermöglichen. Das zweite umfasst all jene, die einen “einseitigen” Rückzug wünschen, um Teile der Westbank zu annektieren und deren Rest den Palästinensern zu überlassen, nachdem dort die Siedlungen aufgelöst wurden. Schließlich gibt es die dritte Gruppe, die solch einen “einseitigen” Rückzug unter dem Vorwand ablehnt, den Palästinensern werde Land gegeben, ohne dass die selbst etwas dafür geben müssten. Tatsächlich wird von dieser Seite jedes Abkommen mit den Palästinensern und jede Rückgabe von Land ausgeschlossen. Amir Peretz gehört zur ersten Fraktion, Olmert zur zweiten, Lieberman samt Yishai zur dritten. Die “Grundlegenden Richtlinien” sollen sie alle zufrieden stellen!
Wie? - Die Antwort liegt im britischen Witz. Das heißt, Israel wird zunächst die Palästinenser zu einem Frieden aufrufen, der auf einer Zwei-Staaten-Lösung beruht. Wenn dann klar wird, dass es keinen Partner für solch einen Frieden gibt, wird man sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen und die Grenzen einseitig festlegen. In seiner Rede am Wahltag wandte sich Olmert bekanntlich mit klingendem Pathos direkt an den palästinensischen Präsidenten Abbas und bot ihm an, mit Friedensverhandlungen zu beginnen.

Diese Offerte ist von einem großen Augenzwinkern gegenüber dem israelischen Publikum begleitet. Jeder versteht, dass dies eine Phase ist, die wir durchlaufen müssen, bevor wir zur eigentlichen Sache kommen. Das Manöver bedient vielfältige Absichten: Es soll Amir Peretz mit einem Feigenblatt versehen, wenn er darum gebeten wird, die einseitigen Schritte zu unterstützen - und es soll die Amerikaner zufrieden stellen, wenn sie darum gebeten werden, der Annexion großer Teile der Westbank zuzustimmen, und Lieberman wie der Shas-Partei Zeit geben, in der sie sich an der Regierung erfreuen, bevor Ehud Olmert den “Plan des Zusammenlegens” erfüllen wird.

Das ist allen klar. Darum diskutiert keiner - absolut keiner - das Angebot an Mahmoud Abbas, während jeder über die Annexion redet, die danach kommt. Wie jener britische Wachsoldat: Rufe einmal, rufe zweimal, rufe ein drittes Mal - und dann schieße.

Zuerst wird die politische Situation gezeichnet, richtig gezeichnet. Es gibt sie, diese drei Lager, es gibt auch strategische sowie taktische Überlegungen und Schritte, wie gesagt. Am Ende wird aber ganz fein interpretiert - mit Witz wird der israelischen Regierung das “große Augenzwinkern” unterstellt. Sie reden vom Frieden? Ha-ha, und das soll Avnery dieser Regierung glauben? Auf gar keinen Fall. Das letzte Wort in dem feinen britischen Witz kommt deswegen nicht aus dem zu Beginn des Artikels erzählten Witz selbst - es soll geschossen werden, meint Avnery. Das mit dem Humor ist aber eine heikle Sache.

Uri Avnery nimmt den Witz über einen blöden Wachsoldaten zur Hilfe als eine rhetorische Figur. Der Wachsoldat schießt, ohne nachzudenken. Man lacht darüber, weil es ein Zeichen blinden Gehorsams und mangelnder Urteilsfähigkeit ist. Avnery unterstellt der israelischen Regierung dasselbe: Sie tue aus seiner Sicht genauso. Avnery muß dabei nichts beweisen, weil es das nicht direkt sagt, er deutet das nur an. Er denkt dabei das, was Brie sagt.

Im Grunde geht es um die Propaganda, die neulich an einem treffenden Beispiel gut entlarvt wurde. Ein amerikanischer Professor für Philosophie, Michael Neumann, hat diese Position selbtsagend (die Darstellung des Falls siehe hier und hier) offenbart:

My sole concern is indeed to help the Palestinians, and I try to play for keeps. I am not interested in the truth, or justice, or understanding, or anything else, except so far as it serves that purpose…I would use anything, including lies, injustice and obfuscation, to do so. If an effective strategy means that some truths about the Jews don’t come to light, I don’t care. If an effective strategy means encouraging reasonable anti-Semitism or reasonable hostility to Jews, I don’t care. If it means encouraging vicious racist anti-Semitism, or the destruction of the State of Israel, I still don’t care.

Zu viel hinein interpretiert?

Schäuble am Pranger

Freitag, 21. April 2006

Eigentlich nichts Neues. Wolfgang Schäuble meldet sich zu Wort und sagt:

Es werden auch blonde blauäugige Menschen Opfer von Gewalttaten, zum Teil sogar von Tätern, die möglicherweise nicht die deutsche Staatsangehörigkeit haben. Das ist auch nicht besser.

Er darf das (Tätervolk-Spezialist-Hohmann lässt grüßen). Warum? Weil die kritische Reaktion darauf, einen vollen Tag darauf, sehr bescheiden aussieht - einige Stimmen aus der Opposition (das typische Beispiel kommt aber von den Jusos. Der Text ist gut - besser, als von den Grünen oder derPDS, nur warum wohl kommt er von den Jusos?), kaum von der Presse, erfreulich viele Blogger. Mal abwarten, wie und ob das Ausland kommentiert.

Bis dahin dürfen die Blogger meckern. Von den Texten, die mir persönlich zusagen, verlinke ich hier die folgenden (in chronologischer Reihenfolge):

Man schnappt als aufgeklärter Mensch bei solcher Argumentation doch manchmal hörbar nach Luft. (Link)

Wie absurd, zynisch und offen rassistisch jemand wie Schäuble agiert. (Link)

Mein lieber Herr Schäuble: Ein Mensch ringt auf der Intensivstation mit dem Tod. Ein Mensch, der von den Tätern deutlich vernehmbar “Nigger” genannt wurde. Und sie, Herr Schäuble, entblöden sich nicht, anzumerken, dass die Hintergründe dieser Tat ja noch gar nicht eindeutig klar seien.

Zudem: Welchen Eindruck haben jetzt die Menschen, die möglicherweise keine deutschen Staatsangehörigen sind und trotz dieses von Ihnen offensichtlich als Makel empfundenen Zustands trotzdem ganz normale, anständige Menschen sind? Ist das Ihr Verständnis von Integration? [...] Hat sich damals, als Sie das Opfer eines Attentäters wurden, jemand hingestellt und geblökt: “Es werden auch andere Menschen als Politiker Opfer von Gewalttaten, zum Teil sogar von Tätern, die möglicherweise nicht die deutsche Staatsangehörigkeit haben.” Wie hätten Sie wohl auf einen solchen Spruch reagiert?

Wie wäre es mit einer sofortigen, bedingungslosen Entschuldigung bei der Familie des Opfers? Und mit einem sofortigen Rücktritt, da Sie offensichtlich nicht mehr in der Lage sind, Ihr Amt angemessen auszuüben?

Jetzt leiste ich mir nämlich mal einen Spruch: Es ist bekannt, dass Opfer von Attentaten möglicherweise lebenslang von Verfolgungsängsten und Paranoia gepeinigt werden. Kann es wohl sein, Herr Schäuble, dass Ihre Urteilsfähigkeit durch diese besonderen Umstände getrübt ist? Ist dies der Fall, wäre Ihre Äußerung natürlich entschuldigt und Ihnen könnte geholfen werden. In verantwortungsvoller Position sind Sie dann aber nicht länger tragbar.
(Link)

was soll denn diese anspielung? es werden auch grünäugige deutsche und ausländer opfer. offenbar soll diese bemerkung relativieren und anspielungen und andeutungen in den raum stellen, warum? deutsche werden opfer von deutschen und nicht-deutschen, banal, allerdings ist der rassismus eine typische inländermotivation (in unserem land eben i.d.r. deutsch).
daß andere gewalttaten besser seien, hat niemand behauptet! das ist mal wieder typisch plumpe rhetorik, etwas in den raum stellen, was niemand behauptet hat, um dann gegen diese nullaussage zu argumentieren. ein selbst inszeniertes und selbstgerechtes schattenboxen. gleichzeitig werden blond-blauäugige sprachbilder verwendet, die eindeutig aufgeladen sind, andeuten aber nicht direkt aussprechen, was sich die hörerInnen selbst daraus zusammenreimen sollen. übrigens herr schäuble, das opfer in potsdam ist ein deutscher!

Niemand dürfe in Deutschland diskriminiert werden, weder Ausländer noch Deutsche. wieder so ein platter allgemeinsatz, der den konkreten, rassistischen überfall relativiert und verwässert. seit der vereinigung deutschlands wurden über 100 menschen wegen ausländerfeindlicher, rassistischer motive ermordet. tausende brutale ausländerfeindliche gewalttaten mit schwersten körperverletzungen wurden begangen. als meister der relativierung möchte ich jetzt mal die statistik von herrn schäuble sehen, in der eine entsprechende anzahl blonder und blauäugiger wegen ihrer deutschen nationalität ermordet, geschändet oder gequält wurden. (Link)

Daß Schäuble sich meiner Ansicht nach mit seinen blonden und blauäugigen Sprüchen in der logischen Struktur des “Bomben-Holocaust”, im Rahmen dieser Nietzeanischen Umkehr- und Verdrehungssprüche bewegt, sollte als Grund für einen Rücktritt wohl reichen … der Mann hat in einer Regierung im Jahre 2006 einfach nichts zu suchen. Zudem ein Schäuble sowas nicht einfach so dahersagt, als einer der wenigen Intellektuellen unter den Politikern Deutschlands (Link)

Schäubles Versuche, die Tat zu relativieren, sie – ebenso wie ausgerechnet Brandenburgs Innenminister Schönbohm - trotz des aufgrund der Aufzeichnung der Handy-Mailbox, auf der das Opfer als “dreckiger Nigger” [extern] beschimpft wurde, von einem rassistischen Motiven zu lösen und sie auch dann, wenn er sie mit Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus zusammenbringt, nur dem Osten Deutschlands zuzuschanzen, sind ebenso erbärmlich wie entlarvend. Schäuble hätte ein Zeichen setzen können, gerade weil die Situation gewissermaßen auch für seine Position günstig war. Schließlich ist das Opfer ein gut integrierter Wissenschaftler, der mit seiner Familie in Potsdam lebt, also ein Wunschzuwanderer, der nicht dem Sozialsystem auf der Tasche liegt. Schäuble forderte aber nicht die Deutschen dazu auf, ihren Teil zur Integration beizutragen, sondern monierte im Kontext der Gewalttat einmal wieder, dass “Versäumnisse über Jahrzehnte” gemacht worden seien, die größtenteils bei den Zuwanderern liegen. Überdies hatte Schäuble erst noch vor kurzem [extern] gemeint, dass die “Friedfertigkeit und Freiheitlichkeit unserer Gesellschaft” durch Zuwanderung nicht verloren gehen dürfe. Andersherum scheint dies nicht zu gelten. Vielleicht müssten auch deutsche Politiker erst einmal einem Test unterworfen werden, durch den sie beweisen können, dass sie integrationsfähig sind.
(Link)

Das ist schon mal was - ja, nicht sehr viel, aber mehr als Nichts in den übrigen Medien.

Die Hamas spricht

Mittwoch, 19. April 2006

Die “Frankfurter Rundschau” hat einen merkwürdigen Text publiziert. Der Text stammt von Andrea Nüsse und ist nicht besonders lang - nehmen wir ihn hier doch auseinander. Vielleicht fühlt man sich nachher besser.

Es geht mit dem Untertitel los.

KOMMENTAR: ISRAEL/HAMAS

Aus dieser Benennung geht hervor, Israel und Hamas seien zwei Konfliktparteien. Nicht die Palästinensischen Autonomiegebiete: mit der Hamas an der Regierung heißt das künftige Land für die Zeitung ab nun Hamastan, so? Gibt es eine andere mögliche Deutung?

Der Titel ist noch besser:

Im Würgegriff

Gemeint ist ein Satz aus dem weiteren Text, den ich hier gleich vorwegnehme, weil es sonst nicht klar ist:

Die vom [israelischen] Kabinett beschlossenen Maßnahmen töten nicht. Aber sie stärken den Würgegriff um die Gurgel der Palästinenser.

Die Zeitung kommentiert den palästinensischen Terrorakt in Tel-Aviv am 17.04.2006 und die Reaktion der israelischen Regierung darauf. Opfer und Verwundete werden nicht erwähnt, die Reaktion der Weltöffentlichkeit auch nicht. Nicht Israelis wurden getötet, Palästinenser seien “im Würgegriff”. Sie würden langsam gewürgt. Das solle die Deutung des Anschlags sein. So meint die Hamas, so schreibt die Arabistin aus Kairo.

Die Tragödie nimmt ihren Lauf. Die von der Hamas geführte palästinensische Regierung hat sich nicht von dem Terroranschlag in Tel Aviv distanziert. Im Gegenteil.

Wir hätten es so gerne, dass die Hamas sich davon distanzieren würde. So wie Arafat und Abbas es immer getan haben. Im Gegenteil, die Hamas begrüßt die Anschläge. Das soll doch gewürdigt werden, ehrlich sind sie, stehen dazu, was sie meinen und tun.

Und die Reaktion der israelischen Regierung wirkt nur auf den ersten Blick zurückhaltend. Premier Olmert und sein Kabinett verzichten zwar zunächst auf eine militärische Offensive als Antwort auf den Selbstmordanschlag des Islamischen Dschihad.

Die Reaktion der Hamas ist somit nicht so schlimm. Sie halten sich nicht zurück und das ist auch gut so. Die israelische Reaktion dagegen ist verdächtig zurückhaltend. Sie verzichten auf eine militärische Offensive. Ein leichtsinniger Leser würde das vielleicht gutheißen. Die Fachfrau für die Hamas-Ideologie deutet an: Dem ist nicht zu glauben. Nebenbei erfahren wir, dass die Hamas mit dem Anschlag eigentlich nichts zu tun hat, das waren die anderen. Was kann die Hamas-Regierung da tun? Klar, nichts. Die Leute wollen das doch so.

Doch die bereits stark eingeschränkte Bewegungsfreiheit innerhalb der Palästinensergebiete soll weiter beschränkt werden. Auch Mitglieder der Regierung können ermordet werden, falls Israel das für nötig hält. Und drei Ministern und Abgeordneten der Hamas, die aus Ost-Jerusalem stammen, soll die Aufenthaltsgenehmigung in ihrer Heimatstadt entzogen werden. Dies ist eine der schärfsten und symbolträchtigsten Waffen, über die Israel verfügt. Denn systematisch versucht Israel die Zahl der Palästinenser im besetzten Ost-Jerusalem gering zu halten oder zu reduzieren, um den Streit um die Stadt durch demografische Fakten zu lösen.

Das ist der Kern der Aussage. Das ist die Tücke der israelischen Antwort auf das Morden: Sie wollen die Bewegungsfreiheit der künftigen Attentäter beschränken. Die vollkommen unschuldigen Mitglieder der Hamas-Regierung, die wie wir hoffentlich schon erfassten, mit dem Anschlag nichts gemeinsam haben, können ermordet werden. Drei Hamas-Politiker dürfen nicht mehr in Israel wohnen, wo sie doch nur das Beste dem Staat Israel wünschen. Auf diese Weise wolle Israel sein Hauptziel erreichen, die Zahl der Palästinenser in Israel gering zu halten. Mit anderen Worten, drei Hamas-Politiker in Israel weniger ist drei Palästinenser weniger. Wer kann jetzt noch etwas über die Opfer des Anschlags reden? Wer wagt das, angesichts dieses “schärfsten und symboltrachtigsten” Waffeneinsatzes?

Die vom Kabinett beschlossenen Maßnahmen töten nicht. Aber sie stärken den Würgegriff um die Gurgel der Palästinenser.

Ja, das habe ich schon vorweg zitiert. Jetzt klingt es aber noch klarer. Die Hamas sei die Gurgel der Palästinsenser, und israelische Maßnahmen wollen an das Heilige, an die Hamas versuchen.

Gaza ist laut UN-Angaben bereits von einer Hungersnot bedroht, weil Israel seit Januar kaum Waren in das abgeriegelte Gebiet hineinlässt. 150 000 staatliche Angestellte werden kein Gehalt bekommen, weil Israel palästinensische Steuergelder zurückhält und der Westen seine Zahlungen einstellt. Eine Politik der Nadelstiche, die in der Vergangenheit jeweils zu neuer Gewalt führte.

Israel und der Westen sind an allem schuld, wie immer bei der Hamas. Der Westen soll gefälligst zahlen, sonst knallt es. Sofort zahlen, hört ihr? Die Hamas spricht.

Als ich den Kommentar von Andrea Nüsse gelesen habe, musste ich mich räuspern. Dann habe ich recherchiert. Die Jornalistin ist eine anerkannte Arabistin, hat über die Hamas geschrieben. Im Jahre 2000 soll sie bei einer Tagung (”Arabisch-islamische Judenfeindschaft. Die Entstehung von Feindbildern im Konflikt um Palästina”) über “Die Haltung der Hamas-Bewegung zu Israel und den Juden” referiert haben (weiß jemand davon mehr? Das wäre interessant…) Jetzt und auch im März 2006 in der Zeitung “Tagesspiegel” hat sie die bewundernswerte Ideologie der Hamas dargestellt. Mit einem Unterschied - im März-Artikel ist die Darstellung der fremden Ideologie noch spürbar. In dem FR-Kommentar fehlt jegliche Distanz.

Warum? Eine mögliche Antwort gibt Andrea Nüsse in ihrem Weblog selbst:

Ich fühle mich manchmal schon wie ein Vorzeigebürger der neuen, globalisierten Gesellschaft [...] Irgendwann setzt die totale Verwirrung ein, wenn man so tut, als sei man in allen Kulturen gleichzeitig zu Hause.

In der Tat!

Alvin H. Rosenfeld über den Neoantisemitismus

Dienstag, 18. April 2006

Ein wissenschaftlicher Text, mit Zitaten und Widerlegungen, gut geschrieben, leicht leserlich. Und traurig…

Der Autor - Alvin H.Rosenfeld - ist eine anerkannte Größe auf dem Gebiet, ein von seiner Bücher ist übersetzt worden. Also lesen und nachdenken.

Ein paar Fragmente?

“German fascism came and went. Soviet Communism came and went. Antisemitism came and stayed.” [...]

Is there a new antisemitism today? There is, and while much of it resembles the antisemitisms of the past, certain features of present-day hostility to Jews and sometimes also to Judaism do seem new. One is that, like so much else today, Jew-hatred has been globalized and effortlessly leaps across borders. In the past, antagonism to Jews tended to take the form of localized activities, but thanks to the internet and other global media, antisemitism now belongs to the world at large.

Like all states, Israel at times makes costly mistakes. Its policy of large-scale settlement in Gaza and the West Bank has long been a flashpoint of dispute, and its sometimes harsh treatment of Palestinian Arabs living in those areas has also drawn a great deal of negative attention.
Criticizing such policies and actions is, in itself, not antisemitic. To call Israel a Nazi state, however, as is commonly done today, or to accuse it of fostering South African-style apartheid rule or engaging in ethnic cleansing or wholesale genocide is to go well beyond legitimate criticism. Apart from the United States, to which it is almost always linked by its enemies, no country on earth is as vilified as the Jewish state. Moreover, those who denounce it as an outlaw or pariah nation are found on both the left and the right, among the educated elites as well as the uneducated classes, and among Christians as well as Muslims. In some quarters, the challenge is not to Israel’s policies but to its legitimacy and right to an ongoing future. Thus, the argument leveled by Israel’s fiercest critics is no longer about 1967 and the country’s territorial expansion following its military victory during the Six Day War, but 1948 and the alleged “crime,” or “original sin,” of its very establishment. The debate, in other words, is less about the country’s borders and more about its origins and essence. One of the things that is new and deeply disturbing about the new antisemitism, therefore, is precisely this: the singling out of the Jewish state, and the Jewish state alone, as a political entity unworthy of a secure and sovereign existence. [...]

As if the foregoing were not bad enough, to point up how tainted Zionism is, Rose reaches for the ultimate weapon in the arsenal of the anti-Zionists–the alleged link between the Jewish national movement and Nazism–and offers this gratuitous and altogether baseless anecdote:
“It was the same Paris performance of Wagner,” she writes, “when– without knowledge or foreknowledge of each other–they were both present on the same evening, that inspired Herzl to write Der Judenstaat and Hitler Mein Kampf “ (pp.64-65). Inasmuch as Herzl died in 1904 and Hitler never set foot in Paris until his triumphal entry into the French capital in 1940, this story is entirely apocryphal. Even if there were some historical basis for placing Hitler in the Paris opera house at the time when Herzl attended–and there is not–Hitler would have been a mere child then and hardly likely to draw inspiration for the writing of Mein Kampf. Surely Rose would have known that. Why, then, did she make this glaringly mendacious linkage between the father of Zionism and the father of Nazism? [...]

in left-wing rhetoric, including that of many “progressive” Jews, “Zionism” has now become a term of abuse, meant to convey a dangerous and defiled ideology that has given rise to a corrupt and evil state. To bring this state to its knees by aligning it with the most atrocious behavior of the past century’s most notoriously criminal states is the aim of the anti-Zionists. [...]

The fact that anti-Zionism–the rejection of the long-established Jewish right to a secure national homeland in Israel–is essentially nothing more than a version of antisemitism either eludes or fails to trouble Jews who identify with these political tendencies.

Webdesign 2

Donnerstag, 13. April 2006

Noch eine Änderung. Kategorien sind da. Wie Blogger wissen, ist es nicht bei jedem Weblog-Betreiber leicht, Tags und Categories einzuprogrammieren. Einige sind deswegen zum WordPress umgestiegen. Ich möchte beim Blogger bleiben, da ich auf die Dienste der Suchmaschine google angewiesen bin. Mit Technorati und Furl und Clipmarks lässt sich mein Blog gut führen. Oder besser gesagt, so denke ich im Moment. :-)

So oder so, beim Blogger ist es tatsächlich kaum möglich, Kategorien so einzuführen, wie ich es haben möchte. Es gibt viele Hacks, die über die Umwege arbeiten - meist über del.icio.us oder über andere Hosts. Mir ist es lieber, alles parat zu haben und den Besucher nicht umzuleiten.

Diese Lösung hat mir Gaby de Welde ermöglicht, dem ich dafür sehr dankbar bin. Immerhin hat es gedauert und es war offensichtlich nicht leicht, von seinen Opera-Erfahrungen auf Firefox umzudenken. Auf das endgültige Resultat kann man stolz sein. Empfehlenswert!

Link

Webdesign 1

Montag, 10. April 2006

11.7.2006. Update

Ob das auch bei WordPress geht? 

Viele Wochen lang suchte ich nach einer Lösung für meinen Wunsch, längere Beiträge auf der Hauptseite nicht komplett zu zeigen, sondern nur einleitend, damit diese nicht überlastet wird. Mehrere Lösungen wurden ausprobiert. Heute habe ich endlich die flexible und komfortable Methode gefunden und - leicht bearbeitet - übernommen. Mein Dank an Julie Meloni!

Der Link

Warten auf Beckett

Samstag, 8. April 2006

In Zeitungen von heute steht viel zum Jubiläum von Samuel Beckett. Einige Literaten sind selbstredend, ich meine, sie sagen mehr über sich selbst (ich zitiere aus der “Welt” und NZZ):

Elfride Jelinek

Beckett ist für mich der Autor der radikalen Reduktion. Das macht ihn zu einem sehr männlichen Autor, denn die Souveränität, etwas wegzunehmen, indem man erschafft, hat die Frau nicht und bekommt sie auch nicht.

Joachim Unseld

Mir ist vom Whiskey und der Hitze schon etwas mulmig, Beckett ist nichts anzumerken. Das Zimmer ist völlig verraucht und unser Gespräch inzwischen weit entfernt vom Thema Literatur beim Sport gelandet. “Bum Bum Becker” hat es ihm angetan, zum Beispiel. Welchen Sport ich mache. Schwimmen. Und seit neuestem für die Gesundheit Yoga. Beckett zeigt sich amüsiert: Da würde man doch auf dem Kopf stehen und ob ich das könne? Ich nicke. Er fragt: “Hier?” - “Wie: Hier?”, frage ich zurück. “Na, hier eben.” Und er deutet lächelnd vor sich auf den Dielenboden. “Hier?” frage ich erneut “Aber ja!” bestimmt er: Ich habe nichts anderes zu tun, als mich in einem Pariser Altersheim und mit drei Gläsern Whiskey im Blut vor dem großen Autor und Nobelpreisträger Samuel Beckett auf den Kopf zu stellen. Beckett betrachtet den Kopfstand mit fachmännischem Interesse. Darauf stoßen wir - zurück auf den Füßen - gleich nochmal an.

Jean-Philippe Toussaint

Anfang der achtziger Jahre schrieb ich einen Brief an Samuel Beckett. Ich erklärte ihm, dass ich mich als Schriftsteller versuchte, fügte an, vermutlich wendeten sich viele Unbekannte an ihn, und statt ihn um sein Urteil über einen meiner Texte zu bitten, schlug ich ihm eine Partie Fernschach per Brief vor, bei der ein Theaterstück von mir auf dem Spiel stehen sollte. Gewänne ich, würde er das Stück lesen und mir seine Meinung dazu sagen; gewänne er, würde ich selber mit ausgeruhtem Kopf das Stück nochmals durchgehen. Mein Brief endete so: Falls ja, 1. e4. Postwendend antwortete Beckett: Schwarz gibt auf. Schicken Sie das Stück. Herzlich, Samuel Beckett.

Ich schickte ihm das Stück, und nach einer oder zwei Wochen meldete er sich erneut: Er hatte das Stück gelesen und riet mir, es zu kürzen.

So viel zu Beckett. :-)

Rabbi Zusha

Donnerstag, 6. April 2006

Ein Blogger (Rishon Rishon) hat mich auf den entzückenden chassidischen Zaddik Zusha aufmerksam gemacht. Geschichten über ihn erinnern stark an Gedichte eines Angelus Silesius oder an die (ebenfalls mündlich überlieferten) Geschichten über Anton Bruckner. Dieser naive und vollkommene Glaube hat einerseits etwas von Stoa und aber andererseits von der Kunst glücklich zu sein. Aus verschiedenen Quellen will ich hier einige Geschichten über den Rabbi Zusha übersetzen. Sein Name soll eigentlich Sussja ausgesprochen werden. Er lebte 1718 bis 1800, war Zaddik in der kleinen Stadt Annopol (damals Galizien, heute Polen). Seine Biographie liest sich wie ein Märchen. Hier aber nun einige Geschichten:

Wenn Reb Sussja beim Studieren der Thora, des Talmudes oder anderer Schriften nicht weiter kam, beklagte er sich: “O du, der Unaussprechliche! Sussja will deine Lehre erkennen, kann es aber nicht. Hilf ihm doch dabei!” In der darauffolgenden Nacht erschien ihm stets dann der Autor der entsprechenden Stelle und erklärte ihm den Sinn des Geschriebenen.
*
Zwei Brüder, Elimelech und Sussja, waren auf einer langen Reise und mussten einmal auf einem Gasthof in einem kleinen Städtle übernachten. Sie hatten kein Geld in der Tasche und mussten nun zusehen, wie da gerade eine Hochzeit gefeiert wurde. Betrunkene Gäste fanden nichts Besseres, als zwei Unbekannte zu bespotten und dann auch zu beschimpfen. Sie machten sich ausgerechnet an Sussja heran und zwangen ihn zu tanzen und springen und anschliessend verprügelten ihn, bevor sie ihn in Ruhe liessen. Eine Stunde später dennoch wollten sie ihn schon wieder sich vornehmen, so dass es auch diesmal gedauert hatte, bevor er zurück in die Ecke zu seinem Bruder durfte. “Warum musst du immer alles abkriegen, immer nur du? - flüsterte Elimelech zu ihm. - Das ist Gottes Wille, - schwach stöhnte Sussja.” “Weißt du, was wir machen müssen? Lass uns Plätze tauschen. Sie sind so volltrunken, dass sie es nicht merken werden. So werden sie beim nächsten Mal mich verprügeln, und du kannst dich ein wenig erholen.” Elimelech hat sich getäuscht. Als die Säufer wieder zu ihnen kamen, sgaten sie zueinander: “Schaut mal her, die sind doch zu zweit. Und wir ehren nur einen von denen. Das ist ungerecht. Diesmal soll sein Freundchen etwas abbekommen…” Später sagte Sussja zu seinem Bruder: “Hast du verstanden? Von uns hängt nichts ab: Wir sind machtlos. Es steht alles aufgeschrieben.”
*
Zwei [andere, auch chassidischen Rabbiner] Brüder kamen aus Frankfurt zu seinem [Sussjas] Lehrer und fragten ihn, warum es im Talmud stehe, man solle den Gott nicht nur für das Gute lobpreisen, sondern auch für das Schlechte. Wie ist es nun möglich? Der Lehrer [Maggid von Mezeritsch] schickte sie zu Sussja. Die Brüder fanden ihn in größtem Elend, arm und krank. Auch seine Familie litt offensichtlich unter Armut und Krankheiten. Brüder waren unentschlossen, ob sie herein dürften, wurden aber von Sussja herzlich begrüßt. So stellten sie ihre Frage, warum es im Talmud denn stehe, man solle den Gott nicht nur für das Gute preisen, sondern auch für das Schlechte. Sussja wunderte sich über seinen Lehrer, dass der die beiden Männer zu ihm geschickt hat und bat um die Zeit zum Nachdenken. Anschliessend entschuldigte er sich bei den Brüdern, er könne ihre Frage leider nicht beantworten, da er in seinem Leben noch nie Schlechtes erlebt habe.
*
Kurz von seinem Tod sagte Reb Sussja: “Wenn ich vor dem Himmelsgericht stehe, wird keiner mich fragen: «Sussja, warum warst du kein Abraham, Jakob oder Mose?» Man wird mich anschauen und fragen: «Na, Sussja, warum warst du kein Sussja?»”

Wie schade, dass das Buch über den Rabbi Sussja aus dem Hebräischen nicht übersetzt wurde.

Volltreffer

Samstag, 1. April 2006

Helen Thomas ist 85 Jahre alt, eine erfahrene Journalistin beim Weißen Haus in Washington. Drei Jahre lang (!) bekam sie keine Möglichkeit, eine Frage an den Präsidenten Bush Jr. zu stellen. Am 21.März durfte sie fragen.

THE PRESIDENT: Helen. After that brilliant performance at the Grid Iron, I am — (laughter.)

Q You’re going to be sorry. (Laughter.)

THE PRESIDENT: Well, then, let me take it back. (Laughter.)

Q I’d like to ask you, Mr. President, your decision to invade Iraq has caused the deaths of thousands of Americans and Iraqis, wounds of Americans and Iraqis for a lifetime. Every reason given, publicly at least, has turned out not to be true. My question is, why did you really want to go to war? From the moment you stepped into the White House, from your Cabinet — your Cabinet officers, intelligence people, and so forth — what was your real reason? You have said it wasn’t oil — quest for oil, it hasn’t been Israel, or anything else. What was it?

THE PRESIDENT: I think your premise — in all due respect to your question and to you as a lifelong journalist — is that — I didn’t want war. To assume I wanted war is just flat wrong, Helen, in all due respect –

Q Everything –

THE PRESIDENT: Hold on for a second, please.

Q — everything I’ve heard –

THE PRESIDENT: Excuse me, excuse me. No President wants war. Everything you may have heard is that, but it’s just simply not true. My attitude about the defense of this country changed on September the 11th. We — when we got attacked, I vowed then and there to use every asset at my disposal to protect the American people. Our foreign policy changed on that day, Helen. You know, we used to think we were secure because of oceans and previous diplomacy. But we realized on September the 11th, 2001, that killers could destroy innocent life. And I’m never going to forget it. And I’m never going to forget the vow I made to the American people that we will do everything in our power to protect our people.

Part of that meant to make sure that we didn’t allow people to provide safe haven to an enemy. And that’s why I went into Iraq — hold on for a second –

Q They didn’t do anything to you, or to our country.

THE PRESIDENT: Look — excuse me for a second, please. Excuse me for a second. They did. The Taliban provided safe haven for al Qaeda. That’s where al Qaeda trained –

Q I’m talking about Iraq –

THE PRESIDENT: Helen, excuse me. That’s where — Afghanistan provided safe haven for al Qaeda. That’s where they trained. That’s where they plotted. That’s where they planned the attacks that killed thousands of innocent Americans.

I also saw a threat in Iraq. I was hoping to solve this problem diplomatically. That’s why I went to the Security Council; that’s why it was important to pass 1441, which was unanimously passed. And the world said, disarm, disclose, or face serious consequences –

Q — go to war –

THE PRESIDENT: — and therefore, we worked with the world, we worked to make sure that Saddam Hussein heard the message of the world. And when he chose to deny inspectors, when he chose not to disclose, then I had the difficult decision to make to remove him. And we did, and the world is safer for it.

Am nächsten Tag hat die “New York Times” den nächsten Zug gemacht:

But behind closed doors, the president was certain that war was inevitable. During a private two-hour meeting in the Oval Office on Jan. 31, 2003, he made clear to Prime Minister Tony Blair of Britain that he was determined to invade Iraq without the second resolution, or even if international arms inspectors failed to find unconventional weapons, said a confidential memo about the meeting written by Mr. Blair’s top foreign policy adviser and reviewed by The New York Times.

“Our diplomatic strategy had to be arranged around the military planning,” David Manning, Mr. Blair’s chief foreign policy adviser at the time, wrote in the memo that summarized the discussion between Mr. Bush, Mr. Blair and six of their top aides.

“The start date for the military campaign was now penciled in for 10 March,” Mr. Manning wrote, paraphrasing the president. “This was when the bombing would begin.”…
The memo also shows that the president and the prime minister acknowledged that no unconventional weapons had been found inside Iraq. Faced with the possibility of not finding any before the planned invasion, Mr. Bush talked about several ways to provoke a confrontation, including a proposal to paint a United States surveillance plane in the colors of the United Nations in hopes of drawing fire, or assassinating Mr. Hussein.

In weiteren Weblogs wurde die Story komplett zu Ende geführt. Eine Zusammenfassung der (wohl gemerkt anders klingenden!) Bush-Äußerungen zum Thema hat ein Blogger aus Pittsburgh online gestellt. Verschiedene Videoaufnahmen runden das Bild ab. Hier - die offizielle Aufnahme, hier - eine qualitativ bessere Fernsehübertragung, hier - eine Satire. Einige Kommentare sind auch nicht schlecht - hier ein Artikel aus der “Washington Post” mit einigen Hintergrundinfos, hier - ein Versuch, hinter den Zeilen zu schauen. Und hier kann man noch mehr von Helen Thomas lesen, die jetzt Dutzende von Rosen bekommt…

Und “Der Spiegel” will von der Brisanz der Story nicht viel wissen:

Der oberste Befehlshaber der US-Army klingt neuerdings weniger martialisch: Der Irak-Krieg habe seinem Ansehen geschadet, räumte Präsident Bush nun erstmals ein. Er selbst habe den Krieg nicht gewollt.

Na gut. Dann lesen wir halt mehr in Weblogs weiter. :-)

Feministische Pointe

Samstag, 1. April 2006

Martin Buchholz beschliesst seinen aktuellen “Wochenschauer” (vom 31.3.2006) mit einigen entzückenden Wort-witzen (und -spielen):

Der “Spiegel” mausert sich dabei immer mehr zum Zentralorgan des patriarchalen Revanchismus. In der Titelgeschichte über die kinderlosen Ego-Männinnen werden einmal mehr die Ur-Instinkte des Sippenhaften als arterhaltend gepriesen. Entsprechend wird die achtundsechziger Anti-Sippe nur noch als eine entartete wahrgenommen. Das ist die neue, alte Botschaft des “Spiegel”: “Das Stammhirn sagt: Blut ist dicker als Wasser.” Das eigene Blut ruft nach völkischer Gemeinschaft und entsprechender Über-Zeugungskraft. Wie gehabt: Blut und Hoden.

Die Rollenverteilung ist stammesgeschichtlich klar vorgegeben: Als genetische Kleistermasse benötigen wir das Weibliche. “Frauen werden gebraucht als sozialer Kitt”, dumpft es aus den Stammhirnen der “Spiegel”-Autoren heraus, denn dazu hätten sie “die Gabe der Selbstlosigkeit und Aufopferungsfähigkeit”. Ähnlich hatte es Stammvater Helmut Kohl schon in seiner damaligen geistig-moralischen Wende-Erklärung formuliert: “Die Frauen sind und waren stets unser Mittelpunkt.”

Man muß den Satz nur richtig betonen, um die volle patriarchale Wahrheit zu vernehmen:

Die Frauen sind und waren stets unser Mittel.

Punkt.