Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Elfriede Jelinek verteidigt Peter Handke Mittwoch, 31. Mai 2006

Filed under: Allgemein — peet @ 12:35 Uhr
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Die Debatte über die Verleihung oder doch Nicht-Verleihung des Heinrich-Heine-Preises an Peter Handke ist zu einer bemerkenswerten Posse geworden. Nun ist die nobelgepriesene Granddame der destruktiven Literatur auf die Barrikade gegangen. Der Text ist typisch Jelinek. Einmal möchte ich mich an ihren Text doch heranwagen. Der Anlass ist viel zu gut dafür, der Text steht online.

Aus gegebenem Anlaß, aber ich habe ihn nicht gegeben, ich habe ja nichts zu geben, und ich habe nichts zuzugeben

Der Titel ist sehr schön, lässt sich fein aussprechen und, wie immer will die Autorin ihre Distanz zum Thema betonen: Der Anlaß ist da, und sie sagt dazu alles, was sie meint, gibt aber vor, es nicht zu tun.

(Handke/Heine)

Der Untertitel weist darauf hin, was das eigentliche Thema ist. Das wollen wir noch prüfen.

Was soll man sagen? Ich überlege, was ich zu Handke sagen könnte, während das Geheul und Gebell rundherum anschwillt. Ich bin versucht damit anzufangen, daß ich politisch in Bezug auf Serbien nicht seiner Meinung bin, daß ich das Eingreifen fremder Mächte bei drohendem Völkermord, den ich damals am Balkan gesehen hatte, auch völkerrechtlich gedeckt fand und immer noch finde, aber schon das ist eine Falle, in die ich nicht laufen müßte, nicht einmal dürfte. Ich muß meine politische Position nicht darlegen, um meine Besorgnis über die wachsende hysterische Hetze gegen einen Dichter artikulieren zu dürfen. Auch sollte ich nicht eigens drauf hinweisen müssen, daß ich nicht seiner Meinung bin, aber, nein, sterben würde ich für seine Meinung nicht, das muß nicht sein, es sterben schon viel zuviele, aber daß ich jedenfalls alles täte, damit er diese Meinung äußern darf.

Zuerst bezieht Jelinek ihre politische Position. Sie sei mit Handke nicht einverstanden, mit seiner politischen Meinung, der politischen Position eines Dichters. Sie sieht sich dabei in der Rolle eines Voltaires, Handke dürfe seine Meinung äußern, als würde ihm einer das verbieten wollen.

Ich muß auch nicht darauf hinweisen, wie oft Heine seine politische Meinung veröffentlicht – und wieder geändert – hat, mit großer Leidenschaft, und darauf kommt es an.

Heines politische Meinung war ein der Hauptstränge seiner Dichtung, und nicht – wie bei Handke – ein expansiver Zusatz, kurz vor dem Ausbruch der Gedanken über die Rente. Der zweite große Unterschied – Heine bekam keine Preise, und schon gar keine offizielle Würdigung für seine politische Position. Seine Texte wurden zensiert, verboten und sogar verbrannt, es fanden sich deutschsprachige Kritiker, die seine Sprache für eine Schande hielten usw.

Er hat den Kommunismus begrüßt, im Wissen, daß Leute wie er (und ihre Werke) die Ersten wären, die ihm zum Opfer fallen würden. Also da gibt es im Schreiben immer das Trotzdem. Und das Dazwischen.

Ist es eine Parallele zwischen Heine und Handke? Hat Heine den Kommunismus im Wissen der künftigen blutigen Katastrophen begrüßt? Wo nimmt Jelinek ihr Wissen über dieses Wissen her? Und andererseits – wo findet sie das Trotzdem und Dazwischen bei Handke, konkret in seinen “politischen” Texten? Gibt es überhaupt so etwas Subtiles bei ihm? Ist seine Dichtung der von Heine darin vergleichbar?

Und dort hinein haben wir uns zu begeben, auch wenn es dort eng wird. Indem wir erkennen, was für jeden einzelnen von uns notwendig ist zu sagen. Aber soll nicht mehr drin sein als das zu bejahen, was allgemein Konsens ist, das, was doch nicht zu ändern ist („glücklich ist, wer vergißt!“) einfach zu übernehmen?

Und seit wann haben wir uns dorthin zu begeben, wo Jelinek selbst zu eng wird? Warum überhaupt nimmt jemand auf sich etwas zu sagen, was für jeden einzelnen von uns notwendig zu sagen ist? Ist die Abweichung von einem allgemeinen Konsens, sollte es einen geben, gleich seine vollständige Umkehr? Und sollen wir jetzt alle Wiener werden, indem wir uns zurück ins Neunzehnte Jahrhundert versetzen lassen, im Walzer, um jegliche Revolution zu vermeiden? Ist dann eine Änderung gleich einer blutigen Revolution, ist denn jeglicher Konsens, zum Beispiel auch über eine politische Position eines Dichters, in Frage zu stellen, nur weil ein einzelner Dichter für seine unakzeptable politische Position einen ganz speziellen Preis bekommen möchte, zu allen anderen, die er schon hat, angewidert von der ganzen Maschinerie der Preisverleihungen?

Was wäre das für ein Denken, ich meine ein Fortdenken im Hinblick auf das Hinschreiben, das nur im Hinblick auf ein feststehendes Ergebnis denkt und schreibt und nicht dagegen? Dagegen auch, wenn es weiß, daß es vielleicht falsch ist? Das, was von der Allgemeinheit gesagt wird und also gesagt werden muß (der berühmte Konsens über etwas), läßt dem Dichter keine Möglichkeit mehr übrig, etwas zu sagen, da alles schon ausgerechnet, zusammenaddiert und saldiert ist. Das, was allgemein und der Allgemeinheit (und die Gemeinheit bereits enthält) gesagt werden muß, entscheidet nicht darüber, ob einem Dichter etwas zu sagen nötig scheint, und wäre es das absolut Unnötige, Überflüssige, Sinnlose. Der Dichter hat, was er zu sagen hat, zu sagen, weil es ihm notwendig ist, es zu sagen, aber er hat nicht das Notwendige zu sagen, sonst hätte er gar nichts mehr zu sagen. Sonst hätte er nur noch zu erledigen, was erledigt werden muß. Das ist zuwenig.

Dasselbe noch einmal in Grün, Jelinek schreibt immer gerne in Umschreibungen des Geschriebenen. Klar, de Sade und Genet dürfen vom Konsens der Gemeinheit abweichen. Die Liste der Beispiele könnte man fortsetzen. Wurden sie dafür gepriesen, speziell für ihre politische Position?
Und klar auch, die Literatur soll nicht nur nützlich sein, dienen, erledigen. War denn darüber die Rede?

So, und jetzt darf ich mich endlich Handke und seiner Stellungnahme anschließen, die Lügen und Halbwahrheiten von der Rechnung abziehen (die rote Rose auf Milosevics Sarg – also wirklich! Vielleicht macht man aus ihm noch einen Sargspringer wie in der großartigen US-Familienserie „six feet under“!), die längst getätigten Klarstellungen noch einmal vom tiefen ins seichte Wasser ziehen, damit man sie genauer sieht (Handke hat das alles selber längst richtiggestellt, vor allem den entsetzlichen Vergleich des Schicksals der Serben mit der Vernichtung der Juden), das hätte man alles längst nachlesen können.

Hier bezieht sich die Schriftstellerin offensichtlich auf den Text von Handke in der FAZ vom 29.5.2006. Jelinek schreibt unter dem Eindruck davon, am nächsten Tag, zutiefst betroffen. Sie glaubt ihm so sehr, dass all seine anderen, von dem Selbstverteidiger Handke darin nicht erwähnten Faupas ausgeblendet werden, sie werden somit auch von der Rechnung abgezogen.

Was an dem, was er geschrieben hat, richtigzustellen ist, ist nichts, denn er darf alles schreiben. Was an dem, was er gesagt hat, richtigzustellen war, hat er getan, und das Vor-Sich- Hin-Denken, in dessen Verlauf das Niederschreiben (nicht das Nieder-Schreiben) von Gedanken entsteht, das schreibende Denken über etwas, das Denken im Zeitablauf, muß immer ein Anfang sein, es muß bei Null anfangen, nicht bei der veröffentlichten Meinung, es hat sich nicht an irgendwelche Lehren zu halten, es muß immer wieder neu anfangen, als wäre davor nie etwas gedacht worden. Mich hat immer gewundert und auch geärgert, daß Handkes Schlüsselstück über das ehemalige Jugoslawien, „die Fahrt im Einbaum“, in der Debatte kaum je erwähnt worden ist. Ich habe das Stück gelesen und die Aufführung in Wien (in der Regie Claus Peymanns) gesehen: In diesem Stück ist doch alles drin. Es ist doch alles gesagt. Da steht es ja. Es ist mehr (und gleichzeitig weniger) als alles gesagt.

Er darf in der Tat alles schreiben, das tut er übrigens auch. Und er darf genauso gerne sein Schlüsselstück weiter auf die Bühne bringen, falls die Regie alle Hintergründe aufzudecken vermag. War das das Thema?

Der Dichter sagt alles, indem er nicht alles sagt, und gerade darin ist alles gesagt.

Das würde sogar ich unterschreiben. Im Bezug auf Handke ganz insbesondere. Hätte er weniger gesagt, sich weniger deutlich als Dichter politisch auf die Seite des Milosevic gestellt, hätte man das vielleicht weniger in Frage gestellt. Dann wäre es Dichtung und nicht die blamable Politik.

So kann ich mit Handke nur das Mindeste erwarten, was zu erwarten ist, nämlich möglichst alles zu lesen, was er in den letzten Jahren zum Balkankonflikt und seinen blutigen Kriegen, Nachbar gegen Nachbarn, geschrieben hat. Lesen und dann reden, aber nicht hetzen. Sonst wagt man sich zu weit vor, und dann haben sogar die Hunde, die treuen, einen verlassen (ihr klagendes Gebell hört man allerdings noch lang), und die guten Geister verlassen einen auch irgendwann, und dann wird es nur noch geistlos.

Das einzige Problem hier bleibt, dass es ein anderes Thema ist: Handke wird nicht gejagt und nicht verjagt, nur die Verknüpfung Handke-Heinepreis will nicht akzeptiert werden. Heine hat nie einen Diktator verteidigt oder gelobt. Heine schaffte es immer, seine Ironie für alle zugänglich zu gestalten, begreiflich, pointiert, unmißverständlich. Ich möchte mit seiner politischen Position im Konsens sein und nicht mit der von Handke, umsomehr dass ich – genauso wie Jelinek – sie, die politische Position von Handke, nicht teile. Und noch was: Ich habe diese Aussage bis zum Ende des geschriebenen Schreibens nicht vergessen.

 

Feine Unterschiede in der Darstellung

Filed under: Allgemein — peet @ 10:25 Uhr
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Ein und dieselbe Nachricht zweimal:

Die israelische Botschaft informiert (Link):

Bei der ersten Operation mit Bodentruppen der israelischen Armee seit der Abkoppelung im vergangenen Sommer haben israelische Spezialeinheiten am Dienstag im Gazastreifen vier bewaffnete Mitglieder des „Islamischen Jihad“ getötet. Acht weitere wurden verletzt. Die Männer waren auf dem Weg, Qassam-Raketen von Beit Lahiya im nördlichen Gazastreifen auf Israel abzuschießen. Unterschützt von Kampfhubschraubern eröffneten die Soldaten am Boden das Feuer.

Die Truppen rückten etwa 3 km in den Gazastreifen vor. Abgesehen von vereinzelten Aktionen zur Minensuche entlang des Sicherheitszauns hatte die Armee bis jetzt palästinensische Raketen-Angriffe lediglich aus der Luft und mit Artillerie von israelischem Staatsgebiet abgewehrt.

Die “Süddeutsche” schreibt:

Israelische Truppen sind erstmals seit ihrem Abzug vor acht Monaten wieder in den Gazastreifen eingedrungen und haben dort vier Palästinenser getötet. [...] Israelische Soldaten überschritten die Grenze zu Gaza am Dienstag vor Morgengrauen und setzten sich in der Nähe der früheren jüdischen Siedlung Dugit fest. Dort eröffneten sie das Feuer auf Kämpfer der Organisation Islamischer Dschihad. In dem Gefecht kamen drei Mitglieder des Islamischen Dschihads ums Leben. Bei dem vierten getöteten Palästinenser handelt es sich um einen Polizisten der Truppe 17, die für den Schutz des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas zuständig ist. Die israelischen Truppen, Boden wurden aus der Luft von Kampfhubschraubern unterstützt. Die Truppen verließen den Gazastreifen nach etwa fünfstündigen Kämpfen.
Die Militäraktion stellt eine Änderung der bisherigen Strategie Israels im Kampf gegen Raketenangriffe dar. In den vergangenen Monaten gingen die Streitkräfte mit gezielten Luftangriffen gegen Extremisten vor, konnten die Angriffe auf israelisches Territorium aber nicht stoppen. [...]

Die Zeitung beruft sich auf Meldungen der Agenturen AP und dpa. Bei AP steht allerdings (Link):

An Israeli helicopter fired a missile in northern Gaza early Tuesday, killing three militants and wounding four, Palestinian security and hospital officials said.

The officials said the incident began with a gun battle across the border, and then the helicopter fired the missile.

The Israeli military had no immediate comment.

The area where the clash took place is a frequent flashpoint. Palestinian militants fire rockets and Israel from there, and there are frequent infiltration attempts by unarmed Palestinians seeking work in Israel and armed militants trying to carry out attacks.

Und die dpa-Meldungen bei anderen Zeitungen sehen so aus (Link):

Bei dem ersten tieferen Vorstoß Israels in den nördlichen Gaza-Streifen seit dem Abzug im vergangenen Sommer sind vier Palästinenser getötet worden.

Eine Armee-Einheit drang bis in den Bereich Beit Lahia im nördlichen Gaza-Streifen vor. Ein Sprecher des Islamischen Dschihad sagte, Mitglieder seiner Gruppierung hätten dort einen Raketenangriff auf israelische Grenzorte vorbereitet.

Die israelische Einheit lieferte sich ein heftiges Gefecht mit den Kämpfern. Dabei setzte die Armee den Angaben zufolge auch einen Hubschrauber ein, der Raketen auf die militanten Palästinenser feuerte. Mindestens 13 weitere Palästinenser wurden verletzt.

Man hätte wählen können:

1. Nennt man die Getöteten “bewaffnete Mitglieder einer terroristischen Organisation, die einen Raketenangriff vorbereiteten”, oder einfach nur “Palästinenser”. Die Zeitung entschied sich für die überbetonte Gegenüberstellung: Hier – friedliche Widerstandskämpfer, dort – eine Armeeinvasion.
2. Erwähnt man die Vorbereitung des Raketenangriffs überhaupt oder nicht. Die Zeitung erwähnte die Raketenangriffe erst am Rande des Berichts ohne den Zusammenhang herzustellen. Der Eindruck des Lesers – Israelis hätten ohne jeglichen Grund angegriffen.
3. Geht man den Berichten vor Ort über den Vorfall nach oder nicht. Die Zeitung hat den poetischen Ton gewählt (“Morgengrauen”), Fakten nicht recherchiert und zum Teil verschwiegen.

Zur Verfügung stehen zum Beispiel

“Jerusalem Post” (Link):

Operating on precise intelligence, the troops laid an ambush in the northern Gaza village of Beit Lahiya. Backed up by IAF helicopter fire, they opened fire at a terror cell they spotted on its way to launch Kassam rockets. Four Palestinians were killed and eight were wounded during the clash, which lasted close to five hours and ended just before dawn.[...]

Oder “Haaretz” (Link):

[...] an Israeli special forces unit killed four Palestinian members of a Qassam-launching cell in northern Gaza as they were preparing to fire a rocket at Ashkelon.

The IDF said that small special forces teams have been operating in northern Gaza for about two months, but it finally decided to publicize it Tuesday, because the results of Tuesday’s operation were impossible to hide. The senior officers explained that such operations generally have a cumulative effect, by undermining the Qassam-launching cells’ sense of security and restricting their freedom of action.

“The IDF’s large-scale activity against Qassam rocket launches in the Strip will continue by air, sea and land, in order to stop the firing,” Defense Minister Amir Peretz pledged at the cabinet meeting Tuesday.

The IDF believes that infiltrating Gaza does not place the soldiers at unreasonable risk, since they are skilled, experienced teams and operate with a broad backup network. The senior officers also noted that this practice enables Israel to hit terrorists with precision, reducing the risk of civilian casualties, which sometimes occur during aerial strikes or artillery bombardments. No civilians were killed in Tuesday’s operation.

Es gibt eigentlich noch eine ganze Reihe weiterer feine Unterschiede (eine Rakete wurde abgefeuert, landete auf dem Gazagebiet; der angebliche Polizist eilte den Jihad-Leuten zur Hilfe anstatt seinen Aufgaben nachzugehen, unter den Verletzten befanden sich zwei palästinensische Reporter etc.), aber die wichtigsten habe ich schon aufgelistet.

 

Pallywood 1

Filed under: Falschmeldungen,Lesefutter — peet @ 7:05 Uhr
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Eine bebilderte Sammlung der präparierten und umbeschrifteten Fotos, kommentiert von Lee Kaplan (Link). Darunter auch der Link zum berühmten Film über die inszenierte Tötung des Mohammed al Durra (andere Schreibweise Al-Dura), ein Kommentar ist bei Gudrun Eussner zu lesen..

 

Robert James Woolsey über die Situation in Palästina Montag, 29. Mai 2006

Filed under: Allgemein — peet @ 17:43 Uhr
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Einige Publikationen werden sofort von allen aufgegriffen, zitiert, diskutiert. Die anderen werden ignoriert oder verschwiegen. Warum nur? Kann man das voraussagen? Die Situation im Krisengebiet “Israel-palästinensische Autonomie” lädt zur Diskussion ein. Neulich ging es darum, den eventuellen Einfluss der Israel-Lobby zu ergründen, die Politik der israelischen Regierung zu kritisieren. Jeder der zum Thema erschienenen Aufsätze wurde genau verfolgt.

Zu den realen Verhandlungen des israelischen Ministerpräsidenten Olmert mit dem Präsidenten der USA Busch erschien ein Artikel, der mit der seltenen Emphase die Beschleunigung des Verhandlungsprozesses um die Bildung des palästinensischen Staates in Frage gestellt hat. Dieser Artikel wurde von dem ehemaligen CIA-Direktor Woolsey in “The Wall Street Jornal” am 23.5 geschrieben. Keine Diskussion, keine Besprechung, sogar unter den Bloggern – nur zwei-drei Meldungen. Kann mir das einer erklären?

Der Mann gehört dank seiner Tätigkeit zu den informiertesten Politikern. Wenn er etwas sagt, und das tut er nicht so oft, dann soll es einen Sinn haben. Ist es schon wieder die Israel-Lobby? Ist es ein Falke, der da spricht? Oder ist es eine ernstzunehmende Warnung? Ich zitiere einige Fragmente:

Israel’s Prime Minister Ehud Olmert is in Washington, where he will be asking for advice and assistance in financing the withdrawal of 50,000 to 100,000 Israeli settlers from 90% to 95% of the West Bank and major portions of Jerusalem, and for the Israeli Defense Forces (IDF) to be repositioned largely near the security barrier Israel is constructing. Most Americans are inclined to believe that such disengagement may be a reasonable step toward a two-state solution, even if some territorial disputes remain to be negotiated. It is also widely assumed that Palestinian hostility to Israel is fueled by despair that can only be reduced by Israeli concessions. Both assumptions, however, may be fundamentally flawed.

The approach Israel is preparing to take in the West Bank was tried in Gaza and has failed utterly. The Israeli withdrawal of last year has produced the worst set of results imaginable: a heavy presence by al Qaeda, Hezbollah and even some Iranian Revolutionary Guard units; street-fighting between Hamas and Fatah and now Hamas assassination attempts against Fatah’s intelligence chief and Jordan’s ambassador; rocket and mortar attacks against nearby towns inside Israel; and a perceived vindication for Hamas, which took credit for the withdrawal. This latter almost certainly contributed substantially to Hamas’s victory in the Palestinian elections.

The world now needs to figure out how to keep Palestinians from starving without giving funds to a Hamas government in Gaza resolutely focused on destroying Israel. Before his massive stroke last year Ariel Sharon repeatedly said he would not replay the Gaza retreat in the West Bank. With good reason: Creating a West Bank that looks like today’s Gaza would be many times the nightmare. How would one deal with continuing launches of rockets and mortars from the West Bank into virtually all of Israel? (Israel’s Arrow missile defense will probably work against Iranian Medium Range Ballistic Missiles but not against the much shorter-range Katyushas.) A security barrier does no good against such bombardment. The experience in Gaza, further, has shown the difficulty of defending against such attacks after the IDF boots on the ground have departed. Effective, prompt retaliation from the air is hard to imagine if the mortar rounds and Katyushas are being launched, as they will be, from schools, hospitals and mosques. [...]

Three major Israeli efforts at accommodation in the last 13 years have not worked. Oslo and the 1993 handshake in the Rose Garden between Yitzhak Rabin and Yassir Arafat produced only Arafat’s rejection in 2000 of Ehud Barak’s extremely generous settlement offer and the beginning of the Second Intifada. The Israeli withdrawal from Southern Lebanon in 2000 has enhanced Hezbollah’s prestige and control there; and the withdrawal from Gaza has unleashed madness. These three accommodations have been based on the premise that only Israeli concessions can displace Palestinian despair. But it seems increasingly clear that the Palestinian cause is fueled by hatred and contempt.

Israeli concessions indeed enhance Palestinian hope, but not of a reasonable two-state solution — rather a hope that they will actually be able to destroy Israel. The Iranian-Syrian-Hezbollah-Hamas axis is quite explicit about a genocidal objective. When they speak of “ending Israeli occupation” they mean of Tel Aviv. Under these circumstances it is time to recognize that, sadly, the Israeli-Palestinian issue will likely not be the first matter settled in the decades-long war that radical Islam has declared on the U.S., Israel, the West and moderate Muslims — it will more likely be one of the last.

Someday a two-state solution may become possible, but it is naive in the extreme to believe that this can occur while the centerpiece of the radical Islamic and Palestinian agendas is maximizing Jewish deaths. [...]

Today we cannot envision the 250,000 Jewish settlers who live outside Israel’s pre-1967 borders being permitted to live at all, much less live free and unmolested, in a West-Bank-Gaza Palestinian state. But some 1.2 million Arabs, almost all Muslim, today live in Israel in peace among some 5 million Jews — about double the percentage of Jews now in the West Bank as a share of the Muslim population there. Israel’s Arab citizens worship freely — one hears muezzins calling the faithful to prayer as one walks around Tel Aviv. They vote in free elections for their own representatives in a real legislature, the Knesset. They give every evidence that they prefer being Arab Israelis to living in the chaos and uncertainty of a West Bank after Israeli withdrawal.

A two-state solution can become a reality when the Palestinians are held to the same standards as Israelis — to the requirement that Jewish settlers in a West Bank-Gaza Palestinian state would be treated with the same decency that Israel treats its Arab citizens. Until then, three failures in 13 years should permit us to evaluate the wisdom of further concessions.

 

Peter Schäfer “informiert” Sonntag, 28. Mai 2006

Filed under: Allgemein — peet @ 11:51 Uhr
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Im neuesten Beitrag zur Situation in den palästinensischen Autonomiegebieten stellt sich Peter Schäfer wieder viel zu deutlich auf die propalästinensische Seite. Auch wenn das nicht mehr neu ist, bleibt es trotzdem kritikwürdig. Er schreibt:

Zum gleichen Zeitpunkt befand sich Ramallah in Trauer. Läden, Restaurants und Cafés waren geschlossen, weil die israelische Armee am Mittwoch um die Mittagszeit ins Stadtzentrum [extern] einrückte, vier Menschen erschoss und über 60 verletzte. Ein Angriff von vielen. So zeigt Israel bisher kein Interesse am Friedensvorschlag der palästinensischen Gefangenen.

In Wahrheit (unzählige Quellen weltweit sind sich darin einig) kam eine israelische Einheit nach Ramallah, um einen Führer des Islamischen Jihad zu verhaften (diese terroristische Organisation führt ununterbrochen Anschläge gegen Israel aus). Während Soldaten das Haus von Schobaki (Schubaki, nach anderen Quellen) umzingelten, wurden sie angegriffen, mit Steinen beworfen und beschossen. Verstärkung musste eingefordert werden. Nach einer Stunde ergab sich Schubaki und die Armee zog sich zurück. Dabei ergab sich ein skurilles Beispiel für die Zusammenarbeit der Feinde: Al-Jazeera war begeistert über die Möglichkeit, die Straßenkämpfe live zu übertragen. Israelis konnten dank dieser Übertragung die Position der Angreifer orten und sie blockieren.
Also eine Verhaftung, kein Angriff!

Außerdem: Zu dem Friedensvorschlag haben Israelis auch beigetragen, indem sie die Vorschläge der Terroristen, die in lebenslanger Haft nach der gerichtlichen Verurteilung sitzen, an Abbas weitergeleitet haben. Laut Schäfer sagte Abbas über sie Folgendes:

Die Gefangenen sind sauber und nur Gott weiß, wann sie freikommen.

Sauber! Die Gefangenen! Schreibt Peter Schäfer nicht zu propagandistisch? Den Gipfel seiner Nachforschungen bildet sein Interview mit einer besonderen Autorität:

“Die Fatah hat Israel damals anerkannt, und es hat uns überhaupt nichts eingebracht”, so ein Hamas-Mitglied gegenüber Telepolis.

Soll man jede Desinformation publik machen?

 

Michael J. Totten über Ramallah Samstag, 27. Mai 2006

Filed under: Israel,Lesefutter,Medien — peet @ 21:48 Uhr
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Vor einigen Wochen habe ich mit Interesse Reisenotizen einer deutschen Journalistin bei Perlentaucher gelesen, und daraus sogar zitiert. Ute Ruge beschreibt darin viel, lässt die Straßen und Menschen mit ihren Augen sehen. Am Ende bleibt leider nicht viel übrig – zu wenig Substanz.

Im Vergleich dazu sind Eintragungen von Michael J.Totten eine enorm dichte, anregende, sehr informative Quelle. Konkret: Der neueste Text über seine Reise nach Ramallah ist einfach toll. Seine Gespräche, u.a. mit führenden Politikern darin sind viel sagend, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. So lobe ich mir einen Journalisten!

Nur ein kleines Beispiel, das Gespräch mit einem Palästinenser:

“Did the intifada help or hurt the Palestinian cause?” I said.

“Both intifadas were created by the Israelis,” he said. “They fed it and benefited from it. It was very bad for us. Daily life changed. Roadblocks. Factories closed down. Officials lost their respect among us. They lie all the time and won’t help us.”

 

Günter Grass: schnörkellos oder nicht? Freitag, 26. Mai 2006

Filed under: Deutschland,Günther Grass,Literatur,Medien,Politik — peet @ 9:06 Uhr
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Nichts ist es mehr so, wie es mal war. Schriftsteller wollen Politiker sein, Pamphlete schreiben, große Reden halten, Moral predigen. Oder auch umgekehrt. Einmal alt geworden, merken sie plötzlich, dass sie nicht so politisch aktiv sind, wie Seneca, Dante oder Leo Tolstoj ihrerzeit. Schriftsteller sind auch Menschen, wie auch Blogger, sie müssen halt nur nicht so genau sein. Die neueste Rede, die Günter Grass gehalten hat, liefert ein schönes Beispiel dafür.

Ein deutscher Schriftsteller Grass sieht seine Aufgabe darin, die Politik der USA-Regierung zu kritisieren. Bei ihm zu Hause ist dagegen alles sauber. Ach nein, ein Kritiker hat sich doch erlaubt zu mucksen. Grass prangert an:

Im Dezember des letzten Jahres wurde in Stockholm die Nobelpreisrede Harold Pinters veröffentlicht. In seinem beispielhaft schnörkellosen Text sprach sich der Dramatiker zuerst als Schriftsteller, dann als englischer Staatsbürger aus. Als seine bittere, niemanden schonende, also unser aller Versagen und rücksichtsvolles Bemänteln offenlegende Rede vorlag, löste sie hierzulande bis ins Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung blindwütige Attacken aus. Ein Theaterkritiker namens Stadelmaier versuchte Pinter als Altlinken, dessen Bühnenstücke längst passé seien, lächerlich zu machen und abzutun. An der Offenlegung von Wahrheiten, die hinter Beschwichtigungen und einem Gespinst von Lügen versteckt waren, wurde Anstoß genommen.

Harold Pinter hat tatsächlich einen brisanten politischen Text geschrieben, der in seiner Abwesenheit vorgetragen wurde, nämlich am 7. Dezember 2005. Das stimmt. Ob dies zu der Zeremonie der Nobelpreisverleihung passt, ob es sozusagen nobel ist, sei dahingestellt. Ich würde sagen, das darf ein Literat tun. Pinter hat dabei keinen Kritiker für die Kriegsverbrechen verdammt. Und hat seine Rede nicht schlechter geschrieben, als ein Michael Moore das tun würde, eben schnörkellos.

Zurück zu Grass. Der Aufsatz von Gerhard Stadelmaier, in dem der Kritiker die Verleihung des Nobelpreises in Frage gestellt hat – aus Gründen der Qualität, – ist in der FAZ am 13. Oktober 2005 erschienen. Nicht nach der Rede, sondern fast zwei Monate früher! Darin ironisiert Stadelmaier:

Wenn die Schwedische Akademie Harold Pinter für dessen Dramen zu dessen längst vergangener, also im besten und obenzitierten Sinne unmoralischer Zeit mit dem Literaturnobelpreis geehrt haben will und wenn sie das merkwürdigerweise im Jahr 2005 tut, dann muß die Akademie, deren peinliche Zwischendurch-Fehlentscheidungen sich langsam zu einer komischen Liste addieren, vor dem Pinter, wie er heute und seit gut zwanzig Jahren leibt und schreibt, derart die Augen verschlossen haben, daß es fast schon an Blindheit grenzt – oder an Ratlosigkeit. Oder an eine Privatmarotte eines der Akademiemitglieder. Alles zusammen beschädigt langsam, aber sicher den Ruf der Akademie. Oder die allgemeine Hochschätzung des Literaturnobelpreises hätte ihr Äquivalent allein in der hohen Dotierung – nicht in hoher Qualität.

Denn wenn es inzwischen einen Autor gibt, der einem sein „Anliegen” aufzudrängen versucht, der keinen Zweifel an seinem menschlichen Wert, an seiner Nützlichkeit, seinem Altruismus, seiner politischen Güte und Korrektheit aufkommen läßt, der sein Herz auf dem rechten, das heißt hier natürlich linken Fleck zu haben behauptet, und das exakt dort pulsiert, wo man in seinen Arbeiten Charaktere sehen müßte, aber nur noch leere Definitionen und hohle Klischees sieht – dann ist dies Harold Pinter. Er hat unsagbare banale, aber halt auch unsäglich brave, aufrechte, wütende Gedichte gegen den Irak-Krieg geschrieben. Er hat Mr. Blairs „Arschlecken gegenüber dem Big Business” gegeißelt. Er hat die Vereinigten Staaten von Amerika für einen GULag (ein einziges Straflager) gehalten. Er hat Freiheit für den braven serbischen Freiheitskämpfer Milosevic gefordert, den andere für einen Diktator und Schlächter halten. [...]

Harold Pinter ist zu einem intellektuellen Stammtisch-Dramatiker geworden, der mit der Faust auf den Tisch haut und: „Das mußte einfach mal gesagt werden!” dröhnt. Daß die Papiere wackeln. Und die Moral überschwappt. Hier spreizt und produziert sich ein eingebildet Engagierter. [...]

Wahrscheinlich weiß die Schwedische Akademie selbst nicht so recht, was sie will. Sie greift weniger nach Literatur. Sie greift mehr nach irgend einem Namen. Und hält sich daran fest. Der Name Pinter ist ein Halm, der stark und streng nach trocken Stroh riecht.

Ähnlich kritisch, wenn auch milder in der Beurteilung der Stücke von Pinter ist Peter Münder, der sich am 11. November 2005, also vier Wochen vor der Rede, in einem Internetforum äußerte:

Wie erklärt sich nun Pinters radikales Umdenken, seine Flucht aus dem Elfenbeinturm hin zum dezidierten Polit-Engagement?

Sein entscheidendes politisches Erweckungserlebnis hatte Pinter 1985 während eines Besuchs in der Türkei, als er zusammen mit Arthur Miller im Auftrag von PEN-International die Lage verfolgter Autoren und die Situation der Kurden untersuchte und dabei mit brutalen Foltermethoden der damaligen Militärdiktatur konfrontiert wurde. In seinem einfühlsamen Nachruf auf den im Frühjahr verstorbenen Arthur Miller evozierte er noch einmal die deprimierenden Gespräche mit den verfolgten Autoren und erinnerte an ein Dinner beim amerikanischen Botschafter in Ankara, das mit dem Rauswurf der beiden prominenten kritischen Beobachter endete. Der Botschafter hatte die US-Unterstützung für das brutale türkische Regime mit den “besonderen Bedingungen vor Ort”, vor allem auch mit der Bedrohung durch die Sowjets begründet, während Pinter vehement gegen dieses merkwürdige Demokratieverständnis protestierte und den US-Diplomaten mit der Frage provozierte: “Wie würde es Ihnen denn gefallen, wenn Ihr Penis mit Stromschlägen traktiert würde?” Als Pinter sich dann mit der Bemerkung “Ich glaube, jetzt hat man mich rausgeworfen” an Arthur Miller wandte, reagierte der ebenso prompt wie entschieden und sagte nur “Dann gehe ich mit”. Pinter beendete den Nachruf mit dem Satz: “Mit Arthur Miller aus der amerikanischen Botschaft in Ankara rausgeworfen zu werden, das war einer der stolzesten Momente in meinem Leben”.

Zweifellos hat diese emotional aufwühlende Erfahrung, die Begegnung mit gefolterten türkischen und kurdischen Autoren wie auch die Konfrontation mit der Arroganz der Macht in Gestalt eines ignoranten amerikanischen Diplomaten, bei Pinter einen Prozess der politischen Neuorientierung ausgelöst und aus dem ehemaligen Laissez-Faire-Briten einen radikal denkenden Demokraten gemacht. In Stücken wie “One for the Road” (“Noch einen Letzten”) und “Mountain Language” (“Bergsprache”) hatte Pinter dann diese Eindrücke thematisiert, indem er das brutal-bedrohliche Verhalten von Folterknechten und die Diskriminierung eines Bergvolkes sowie den Verlust einer eigenen Sprache beschrieb.

Sicher sind manche Attitüden und Proteste des Angry Old Man, der seinen Speiseröhrenkrebs nur knapp überlebte, überzogen. Man wird sich auch damit abfinden müssen, dass Harold Pinter seine Dankrede anlässlich der Preisverleihung in Stockholm als eher drastische Gardinenpredigt gestalten dürfte, in der Präsident Bush und Tony Blair als unerträgliche Bedrohung für den Weltfrieden angegriffen werden. Doch die Diskussionen über das politische Engagement dieses streitbaren Preisträgers haben die Auseinandersetzung mit dem literarischen Werk in den Hintergrund treten lassen – dabei sollte der Nobelpreis doch vor allem der Würdigung des Gesamtwerks gelten.

Sicher sind Pinters große Stücke – wie ja auch die faszinierenden Drehbücher der Filme “Accident”, “The Servant”, “The French Lieutenant’s Woman” – schon vor etlichen Jahrzehnten verfasst worden. Doch welcher zeitgenössische Autor hat sich schon so souverän und eindrucksvoll mit dem seit Eugene O’Neill (“Der Eismann kommt”) und Ibsen (“Die Wildente”) altvertrauten Motiv der Lebenslüge auseinandergesetzt wie Pinter im “Hausmeister”? Da suggeriert sich der obdachlose Hausmeister-Aspirant Davies, dem vom gutmütigen Aston ein Quartier angeboten wird, zwar selbst permanent, eines Tages werde er bestimmt seine Papiere aus Sidcup holen und sich dann einen herrlichen Schuppen bauen. Doch er verstrickt sich in bösartige Intrigen, spielt Aston gegen dessen geschäftstüchtigen Bruder Mick aus und hat am Ende alles verspielt – ohne Zukunftsperspektive und Quartier muss diese zum ewigen Vagabundieren verdammte tragische Figur wieder von vorn anfangen und sich neue Lebenslügen zurechtzimmern, um sein Scheitern zu rechtfertigen.

In diesem frühen Stück demonstriert Pinter schon seine große Kunst, hinter banalen Alltagsphrasen bedrohliche Dimensionen ungefilterter, bis ins Paranoide gesteigerter Ängste und Aggressionen aufflackern zu lassen. Seit Tschechow hat sicher kein Dramatiker so nuanciert und elektrisierend den Subtext unterhalb konkreter Inhaltsebenen mit dramatischen Spannungsmomenten aufgeladen und damit auf eine bedeutungsschwangere Beziehungsebene transponiert. Das ergibt dann wohl den immer wieder beschworenen “pinteresken” Aspekt der Stücke, der zwar mehr oder weniger diffus an Kafka erinnert, der aber immer noch ganz unvergleichlich ist.

Grass irrt sich also: Kritiker haben nicht die Rede Pinters lächerlich gemacht. Sie haben die Nobelpreisverleihung in Frage gestellt. Dafür sind sie da, die Kritiker. Wer hat sich nun lächerlich gemacht?

Sein Verteidigungsobjekt Pinter sagte in der Rede:

Moralpredigten gilt es unter allen Umständen zu vermeiden. Objektivität ist unabdingbar.

Oha, wen meinte Pinter denn?

 

 
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