Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Vorbildlich Freitag, 30. Juni 2006

Filed under: Allgemein — peet @ 10:41 Uhr
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Die Idee von diesem Posting möchte ich ausdrücklich unterstützen. Das Bild spricht Bände, in der Tat. Ähnlich aufklärend ist auch ein anderes Bild im selben Blog. Bilder sagen manchmal mehr als Worte!

 

Kinderliebender Putin Donnerstag, 29. Juni 2006

Filed under: Russland,TV — peet @ 14:16 Uhr
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Eine kurze Videonachricht aus Russland, die noch keine Schlagzeilen erreicht hat. Putin küsst einen kleinen Knaben auf den Bauch vor Kameras. Wie soll man das verstehen? Noch ein Beitrag zu dem intuitiven Selbstverständnis eines Tyranns? Sie mögen doch alle Kinder und müssen ihre Omnipotenz unbedingt zeigen, sie mit ihrem Kuss segnen.

Ich habe das Filmchen bei Google und bei YouTube gestellt, der Text der russischen Nachrichten wird (wer hätte es gedacht) auf Russisch gesprochen, das Bild aber ist selbstredend (interessant sind dabei auch andere Teilnehmer der Szene – ein Mitarbeiter, der das Kind dreht, damit es besser in das Bild passt; andere Kinder, die dabei sind und auch nur staunen können):

YouTube

Video Google

 

Peter Schäfer im Dienst der Hamas

Telepolis bei Heise beschäftigt weiter den bekennenden Vertreter der Hamas. Peter Schäfer gibt es zu bzw. sieht das als seine Aufgabe, deren Propaganda auf Deutsch zu verbreiten:

Von palästinensischer Seite aus stellt sich die Lage allerdings anders dar.

Ein authentischer Bericht mit einem kritischen Kommentar wäre in der Tat eine wichtige und wünschenswerte Quelle. Wie das professionell gemacht werden kann, habe ich schon einmal zitiert. Schäfer ist allerdings nicht nur unkritisch, er macht da voll mit. In seinem neuesten Beitrag zeigt es sich absolut eindeutig:

Hamas beendete am 9. Juni ihren einseitigen Waffenstillstand, nachdem die israelische Marine eine palästinensische Familie am Strand tötete.

Es wurde nachgewiesen, dass diese Darstellung nicht stimmt. Die Explosion erfolgte nicht durch den israelischen Beschuss. Schäfer geht nicht auf die Resultate der Analysen ein, diskutiert sie nicht, wischt sie einfach vom Tisch.

Die Gegendarstellung der Armee wurde mittlerweile durch den Bericht eines israelischen Krankenhauses ausgehöhlt. Die Ärzte fanden israelische Granatsplitter im Körper eines Verletzten.

Bemerkenswert, dass Schäfer, der sonst so gerne seine Texte mit Links versieht, gerade zu dieser Behauptung keinen Hinweis gibt. Die Auflösung ist ganz einfach – es gibt keine Quelle für diese Behauptung, sie ist eine schlichte Lüge. Die bis heute letzte Information über die Aufklärung bestätigt, dass auch Splitter aus dem Körper des zweiten untersuchten Verwundeten der Explosion, der in einem israelischen Krankenhaus behandelt wird, nicht von den israelischen Geschossen stammen.

Major General Meir Kalifi, head of the IDF investigation into the deaths of the Ghalia family, announced that the IDF had definitive proof that an IDF 155 millimeter shell was not fired at the beach. [...] “At this point we cannot say what the source of the shrapnel is; we have a number of different evaluations. There is the possibility that it is a military dud, or a device planted by the Palestinians. Everything is being checked,” Kalifi said. [...] Major General Kalifi added that he met with American expert Mark Garlasco, a military advisor to the Washington-based Human Rights Watch organization. “After talking to him, it became clear that he has no authentic findings,” said Kalifi. Garlasco had alleged that an Israeli shell was behind the blast.

Lieutenant Colonel Eren Toval, who commands the IDF’s technological division, explained: “We carried out a check for metal and found the explosives that were on it. In total we carried out three independent analyses. The result was that the explosive was standard, but not characteristic with Israeli or American explosives in IDF service, and is not an IDF 155 millimeter shell.

Es ist sehr traurig, dass sich das Nachrichtenportal an der Lügenverbreitung beteiligt.

 

Efraim Inbar bei ARD Mittwoch, 28. Juni 2006

Auf der Internetseite der Tagesschau kann man heute ein inhaltsreiches und authentisches Interview mit einem anerkannten Politologen aus Israel zu aktuellen Themen lesen. Das will ich mal loben. Einfach formuliert, für schlichte Gemüter soll es auch verdaulich sein. :-)
Gut gemacht, Christian Radler!

Die anderen Aufsätze Inbars kann man auf seiner Homepage verlinkt finden.

 

Blog des Tages Montag, 26. Juni 2006

Filed under: Allgemein — peet @ 12:43 Uhr
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Soeben habe ich erfahren, dass der Blogportal Bloxbox meinen Blog zum Blog des Tages ernannt hat. So sieht es dann aus:
Das Team schreibt über seinen Katalog:

Der Blox-Katalog umfasst Weblogs, die inhaltlich interessant, optisch schön oder laufend aktuell sind.

Na, dann danke schön! :-)

 

Ulrich W. Sahm zeigt die Rolle der Presseagenturen

Filed under: Allgemein — peet @ 6:18 Uhr
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Die neu gestaltete Homepage von Ulrich W. Sahm ist noch nicht ganz fertig. Ich stelle fest, dass er dabei einen Vortrag, den er 2003 im Bundestag gehalten hat, neu gestellt hat. Sehr empfehlenswert.

Kurz gesagt, er berichtet über die subtile Propaganda durch die Pressagenturen wie ap, dpa, afp, Reuters, insbesondere ihre deutschsprachigen Redaktionen. Nämlich, wie sie die Meldungen über die Ereignisse im israelisch-palästinensischen Konflikt verfälschen.

Sein neuester Beitrag bei n-tv korrespondiert übrigens mit meinem Text von vorgestern.

 

Shepperd oder Avenarius: Wer hat Recht? Samstag, 24. Juni 2006

Filed under: Allgemein — peet @ 16:37 Uhr
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Bleiben wir beim Thema. Tomas Avenarius gibt in der heutigen “Süddeutschen” gutgemeinte Ratschläge an die Hamas. Er macht sich so richtig Sorgen:

Damit die Palästinenser auch international die Initiative ergreifen können, müssen ihre Ziele so glaubwürdig und simpel dargestellt werden, dass sie in Fernsehnachrichten und Zeitungsschlagzeilen passen. Nach dem Motto: Hamas sagt Nein zu Gewalt gegen Zivilisten. Für Fußnoten im Sinne eines “ja aber” und “nur wenn, dann auch” ist angesichts der desolaten Lage der Palästinenser kein Platz mehr.

Avenarius meint das wirklich gut, er kennt sogar die Lösung:

Nur eine klare Einigung auf der unverwässerten Basis des “Gefangenenplans” bringt die Palästinenser voran. Der Plan, ausgearbeitet von Militanten in israelischen Gefängniszellen und Grundlage der Konsensgespräche, sieht die Zweistaatenlösung vor. Mit der Unterschrift unter dieses Konzept würde die auf Terror setzende Hamas den Staat Israel in den Grenzen von 1967 de facto anerkennen – und somit implizit nach der Bildung eines Palästinenserstaates jeder Gewalt abschwören.

Das sagt Avenarius, und jetzt lesen wir uns ein. Vor einigen Tagen hat Robin Shepperd in der “Financial Times” einen, aus meiner Sicht viel besseren Artikel geschrieben, der den Titel trägt:

Abbas’s Palestinian referendum offers only false hope

In dem Text erklärt Shepperd:

What has caused the most excitement is the proposal, in Article 1 of the so-called National Accord Document, for a Palestinian state “with holy Jerusalem as its capital on all territories occupied in 1967″. References across the global media to the “implicit recognition” of Israel which that statement supposedly carries have been practically ubiquitous.

It is difficult to believe that many people making such claims have actually read the document in question, let alone faced up to the fact that its support by Palestinian prisoners means it is directly associated with some of the most violent and radicalised activists in the Middle East. The central problem is hardly confined to the fine print and comes immediately after theproposal for statehood with a call for “the right of the refugees to return”. The same point is repeated with greater emphasis in Article 9.

What this amounts to is a demand for all refugees and their descendants from the period around the Israeli war of independence in the late 1940s to have the option of relocating to Israel proper. It is not hard to see that what is at work here is simply the same old coded message for the destruction of Israel as a Jewish state that has blown all previous peace efforts out of the water. Add the 3.5m to 4.25m people claiming such refugee status to the more than 1m Arabs who already reside in Israel and the result would be an Israel with almost equal Jewish and Arab populations. To use the heated, though apt, idiom of the Israeli right, the call is still “annihilationist” in character.

But taking a broader view, what is in the document to be set before the Palestinian people on July 26 is far less worrying than what is left out. The point is this: nearly six decades since the Jewish leadership accepted the United Nations’ decision to establish two states, we are still dealing with a Palestinian leadership that will not offer its people a document for popular ratification that explicitly recognises Israel’s legitimate right to exist as a Jewish state. In the context of all that has gone before, “implicit” recognition is, at best, meaningless. At worst, it is yet another subterfuge along the lines of the famous letter sent by the Palestine Liberation Organisation to Yitzhak Rabin, the then Israeli prime minister, on September 9, 1993. In this letter, the PLO said it recognised the right of Israel to exist in peace and security – a promise whose emptiness was revealed by Yassir Arafat’s subsequent rejection of the Bill Clinton-brokered Camp David accords and the bloody intifada he launched after it.

Outside the region, it is perhaps understandable that many in Europe and the US have chosen not to delve too deeply into what Mr Abbas is, and is not, proposing. The referendum gets them out of a hole. It would allow the west to participate in a polite fiction, letting them restore aid to the Palestinians and thus regain some much sought after moral authority in the greater Middle East.

But inside the region, there is no substantive reason to doubt the assertion of Ehud Olmert, Israel’s prime minister, that, as far as peace prospects are concerned, the referendum is basically pointless. That conclusion is bolstered by the fact that, even as some polls show it would be passed by the Palestinian people, two other recent polls published by the Palestinian Wafa news agency’s website show more than 60 per cent of them opposed to the proposition that Hamas should recognise Israel in return for the resumption of foreign aid. In other words, most Palestinians will not even recognise Israel if they are paid to.

In the end, all people of goodwill feel for the suffering of both sides in this conflict, perhaps the more so for the Palestinians whose national tragedy has been to such a great extent of their own making. But sentimentality, like the raising of false hopes, will get us nowhere. The problem is what it has always been and Mr Abbas has yet to prove that he really wants to solve it.

Nun – entweder ist der “Gefangenenplan” ein Schritt zum Frieden oder eben nicht. Jeder kann das Dokument lesen und sich selbst überzeugen. Ich kommentiere nur die Sprache:

In dem Text wird im Namen der Palästinenser von der “Befreiung ihres Landes” gesprochen, inclusive Jerusalem und den Landesteilen, die Israel 1967 besetzt hat. Von zwei Staaten wird im Text nie gesprochen. Alles weitere ist mehr oder weniger interessant – eher als Beispiel der aktuellen propagandistischen Rhetorik – “the Judaization of the Jerusalem”, “continuation of popular and mass resistance against the occupation in its various forms and policies and making sure there is broad participation by all sectors and masses in the popular resistance”, “the sanctity of the Palestinian blood”, “the battle for freedom” usw.

Sich selbst vergessen die Terroristen nicht: Sie stellen Folgendes als die wichtigste Aufgabe hin – “To liberate the prisoners and detainees is a sacred national duty that must be assumed by all Palestinian national and Islamic forces and factions and the PLO and the PNA as President and government and the PLC and all resistance forces.”

Die Aufgabe, im Gazagebiet den künftigen Staat aufzubauen, wird nicht gestellt. Der Auftrag lautet viel mehr – “the steadfast Gaza Strip a real support force to steadfastness and resistance of our people in the West Bank and Jerusalem as the national interest stipulates reassessing the struggle methods to seek the best methods to resist occupation.” Wozu es führt bzw. schon geführt hat, hat Efraim Karsh bereits Ende 2005 beschrieben.

Das Dokument erwähnt “the right of the refugees to return and to be compensated” mehrfach. Vollkommen ausgeklammert wird die Zahl der Flüchtlinge von 1948, die Zahl der Palästinenser, die längst zurück kamen und aufgenommen wurden, die Zahl deren, die ihre Kompensationen bekommen haben. Das alles wird völlig ignoriert.

Kurzum, ich glaube – Shepperd hat Recht und Avenarius sollte sich fragen, schreibt er für die Hamas, die von ihm eine Beratung ersucht, oder für die deutsche Leserschaft, die informiert und nicht desinformiert werden möchte.

 

 
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