Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Is Israel too nice to win? Sonntag, 30. Juli 2006

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 16:27 Uhr
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Diese Frage hat John Podhoretz am 25.7.2006 in der “New York Post” (Link) gestellt:

Could Israel – even hardy, strong, universally conscripted Israel – possibly stomach the bloodshed that would accompany the total destruction of Hezbollah?

If Lebanon’s 300-plus civilian casualties are already rocking the world, what if it would take 10,000 civilian casualties to finish off Hezbollah? Could Israel inflict that kind of damage on Lebanon – not because of world opinion, but because of its own modern sensibilities and its understanding of the value of every human life?

Where do these questions lead us?

What if Israel’s caution about casualties among its own soldiers and Lebanese civilians has demonstrated to Hezbollah and Hamas that as long as they can duck and cover when the missiles fly and the bombs fall, they can survive and possibly even thrive?

What if Israel has every capability of achieving its aim, but cannot unleash itself against a foe more dangerous, more unscrupulous, more unprincipled and more barbaric than even the monstrous leaders of the Intifada it managed to quell after years of suicide attacks?

And as for the United States, what if we have every tool at our disposal to win a war – every weapons system we could want manned by the most superbly trained military in history – except the ability to match or exceed our antagonists in ruthlessness?

Is this the horrifying paradox of 21st century warfare? If Israel and the United States cannot be defeated militarily in any conventional sense, have our foes discovered a new way to win? Are they seeking victory through demoralization alone – by daring us to match them in barbarity and knowing we will fail?

Are we becoming unwitting participants in their victory and our defeat? Can it be that the moral greatness of our civilization – its astonishing focus on the value of the individual above all – is endangering the future of our civilization as well?

Der tragische Vorfall der letzten Nacht bestätigt die Richtigkeit der gestellten Perspektive. Aus den Meldungen kann man leicht verstehen, wie es dazu gekommen ist (Link): Ein Dorf, aus welchem hunderte von Raketen durch die Hisbollah auf Israel abgeschossen werden. Warnungen an die zivile Bevölkerung, die die israelische Armee tagelang verbreitet, um Leute dazu zu bewegen, das Dorf vor der angekündigten Bombardierung zu verlassen. Am Abend wird ein Convoi der Flüchtlinge im Dorf für die Übernachtung gelassen, am Abend der bevorstehenden Bombardierung. In der Nacht werden aus der unmittelbaren Nähe des Hauses, in dem Flüchtlinge untergebracht werden, weitere Raketen abgeschossen. Die Bombardierung erfolgt. Das Haus stürzt (UPDATE: erst 7 Stunden später!) ein. Es sterben (UPDATE!) 26 Menschen, darunter viele Kinder:

In contrast to Lebanese claims, the International Red Cross is reporting that only 26 people were killed in the Kfar Qana attack, NOT more than the reported 60 dead.

[UPDATE: Und hier die Originalmeldung (Link):

In today's military operations by the Israel Defense Forces against the village of Qana, a building sheltering civilians was directly hit. At the time of writing, the Lebanese Red Cross Society and the Lebanese Civil Defense have extracted 28 bodies from the rubble, 19 of whom are children.]

Politiker beschuldigen Israel dafür weltweit, ohne die Hisbollah zu erwähnen. Kann Israel diesen Krieg unter diesen Umständen gewinnen? Hat er noch die Zeit dazu?

 

Ulrich W. Sahm belehrt den Ex-Aussenminister Fischer Samstag, 29. Juli 2006

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 23:08 Uhr
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Beim n-tv passieren Wunder. Ulrich W. Sahm hat da den Friedensplänen eine klare und glänzend argumentierte Absage erteilt, die Joschka Fischer in der “Süddeutschen” formuliert hatte, bevor dieser in den Iran abreiste. Meisterhaft!

 

Krieg gegen Israel 8

Ein ganz besonderes Kapitel dieses Kriegs ist die Rolle der UNO und persönlich des Generalsekretärs Kofi Annan. Sowohl bei der ersten Story als auch bei der aktuell zweiten Story glänzt Annan durch das Unkenntnis der Sachlage und eine voreilige einseitige Deutung der Ereignisse. Eine unrühmliche Fortsetzung der langen Tradition, wie die UNO Israel behandelt.

Nun sind vier tote Militärbeobachter der UNO beim Einsturz des beschossenen Hauses der Inspektion zu bedauern. Über diese zweite Geschichte haben schon viele geschrieben, ich verweise auf den Bericht von Gudrun Eussner (Link) und auf den redaktionellen Kommentar der “New York Daily News” (Link), auf das Foto (hier – mit einer lesenswerten Diskussion dazu – und hier) aus dem Buch von Jed Babbin, auf welches der Autor selbst am 18.7.2006 hingewiesen hat (Link), also fast zehn Tage vor dem Zwischenfall. Man sieht sich an die alte Videoaufzeichnung von 2004 erinnert (Link), auch wenn es dabei um die “friedliche Zusammenarbeit” zwischen der UNO und militanten Palästinensern im Gazagebiet handelte. Weitere Infos sind genauso berauschend (Link).

Eine aufschlussreiche Auflistung der Angriffe der Hisbollah auf Israel seit 2000 bringt Mitchell Bard (Link).

Den Wunsch, dass Israel in diesem Krieg siegt, äußert der Kommentar der Zeitung “Washington Times” (Link).

For all the blathering about Israel’s “disproportionate” response in defending itself (and the reality that from a public-relations perspective, it can be good to be a victim), and notwithstanding Americans’ moral sentiments, they also prefer to be with a winner. Moreover, even Israel’s enemies in the Middle East and Europe begrudgingly respect Israel’s hardwon record of invincibility on the battlefield since her founding.

In the long run, Israel does itself no favors by listening to those — both civilians and military — whose response to state-supported terrorism consists of half-measures that ensure Islamofascists an opportunity to survive and fight another day.

If a large-scale Israeli ground operation proves necessary to do the job against Hezbollah, Mr. Olmert should go forward — with strong support from Washington.

Die “Haaretz” stellt die Meinungen der führenden Offiziere des israelischen Armeenachrichtendienstes und des Mossad gegenüber, die ziemlich auseinander gehen (Link):

The heads of two Israeli intelligence agencies disagree over how much the IDF assault has damaged Hezbollah, although both say the group has been weakened.

The Mossad intelligence agency says Hezbollah will be able to continue fighting at the current level for a long time to come, Mossad head Meir Dagan said.

However, Military Intelligence chief Amos Yadlin disagrees, seeing Hezbollah as having been severely damaged.

The IDF believes that at least 200 Hezbollah operatives have been killed since the fighting began more than two weeks ago, a military source said Friday.

Both intelligence chiefs agree that Hezbollah remains capable of command and control and still holds long-range missiles in its arsenal, they said at a security cabinet meeting Thursday.

Die “Süddeutsche” übersetzt heute den jüngst erschienenen Artikel von Alan M. Dershowitz (vom 20.7.2006, Link) und lässt dabei nur ein kleines Fragment aus:

Israel will — and should — take every precaution to minimize civilian casualties on the other side. On July 16, Hasan Nasrallah, the head of Hezbollah, announced there will be new “surprises” and the Aska Martyrs Brigade said that it had developed chemical and biological weapons that could be added to its rockets. Should Israel not be allowed to pre-empt their use?

Dagegen sieht das Ende des Textes nach einer authorisierten Ergänzung aus, da sie im Original nicht vorhanden ist:

Vor einigen Wochen hatte die israelische Regierung noch angekündigt, sich auch aus weiten Teilen der Westbank zurückzuziehen. Aber wie kann von Israel erwartet werden, damit fortzufahren, wenn es im Gegenzug nur mehr Terrorismus und mehr internationale Verurteilung erhält – bloß weil es Terroristen verfolgt, die die geräumten Gebiete als Abschussrampen benutzen?

Die Diskussion zu dem Text kann man auf der Homepage von Dershowitz lesen (Link).

 

Zwei Filmchen aus dem Krieg Freitag, 28. Juli 2006

Einsortiert unter: Israel,Politik — peet @ 10:59 Uhr
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Auf der Seite der israelischen Botschaft werden zwei kleine Filmdateien angeboten, die zeigen, wie die Hisbollah ihre Raketenbatterien in der Dichte der Stadt platziert und wie diese Batterien in den zivilen Häusern versteckt werden. Außerdem wird hier gezeigt, dass die beiden gezeigten Katjuschas präzise vernichtet werden.

Direkte Links:

Video 1, Video 2

 

Die wiederhergestellte Ehre der Anne Frank Donnerstag, 27. Juli 2006

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 11:13 Uhr
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Diese Nachricht würde ich als das erste positive Resultat des Pretzien-Vorfalls betrachten. Sie wird eine langfristige Wirkung haben, und sie ist eine gute Verarbeitung.  Das Bundeskriminalamt hat nämlich ein Zugeständnis gemacht. Was wir alle längst ahnten: Sein Papier vor zwanzig Jahren war unsauber.

Jetzt heißt es,

“Kriminaltechnisches Gutachten von 1980 begründet keine Zweifel an der Echtheit der Anne-Frank-Tagebücher”. <…> Das Gutachten, teilte die Behörde unter anderem mit, könne “nicht dafür in Anspruch genommen werden, die Authentizität der Tagebücher der Anne Frank in Zweifel zu ziehen. Das BKA distanziert sich entschieden von allen in eine solche Richtung zielenden Spekulationen.”

Die weitere kleine Geschichte ist ein feines Beispiel, wie es zuerst ausgesehen hat:

Dr. Werner, leitender wissenschaftlicher Direktor beim BKA, hatte in einer Expertise notiert, bei seiner Untersuchung der Tagebuch-Manuskripte seien ihm mehrere mit farbigem Kugelschreiber verfasste Korrekturen aufgefallen – Kugelschreiber, der erst nach dem Krieg auf den Markt gekommen war. Das sollte er den niederländischen Fachleuten erklären.

Gut zwanzig Jahre sind seit dem Besuch des BKA-Mannes in Amsterdam vergangen. David Barnouw hat die Begegnung nicht vergessen.

“Wir haben dem BKA-Mann gesagt: ,Bitte schön, hier sind die Originale der Anne-Frank-Tagebücher – zeigen Sie uns, wo sehen Sie Kugelschreiber?’” Barnouw schweigt einen Moment, dann lacht er säuerlich. “Er hat sehr lange in dem Manuskript gesucht und schließlich gesagt: Er findet nichts mehr. Er konnte sein eigenes Gutachten nicht mehr erklären! Das war natürlich ziemlich peinlich für einen wissenschaftlichen Sachverständigen.”

Die TAZ schließt ab:

Eine schlechte Nachricht für alle Rechtsextremen, die seit Jahren die Legende um das BKA-Gutachten politisch ausschlachteten. Eine gute Nachricht aber für alle anderen.

So ist es!

 

Tagesschau macht mit – Beirut sei Dresden Mittwoch, 26. Juli 2006

Einsortiert unter: Antisemitismus,Deutschland,Israel,Medien,Tagesschau — peet @ 21:28 Uhr
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In dem Beitrag eines reisenden Journalisten, der von Amman aus Süd-Beiruts Ruinen in der netten Begleitung der Hisbollah-Reiseführer besichtigt hat, wird die Lage folgendermaßen zusammengefasst:

Als die Gefahr vorüber ist – die israelischen Kampfflugzeuge bombardieren statt Haret Hreik wieder in der Nähe des Flughafens – ist auch der Rundgang zu Ende. Bevor wir die schützende Durchfahrt verlassen, werfen wir einen letzten Blick auf die hintere Seite des Hauses, wo sich eine Gasse anschließt. Am Ende des Zweiten Weltkrieges haben die Bilder aus Dresden kaum anderes geboten.

Der Autor Björn Blaschke sagt damit Folgendes: Hisbollah-Milizen und ihre libanesischen Geiseln seien den leidenden Deutschen des letzten Kriegsjahres des Nazireiches gleichzusetzen. Gelitten haben sie an demselben Feind. Der Feind heißt …usw.

Es spielt dabei keine Rolle, ob der Korrespondent darüber nachgedacht hat, was er schreibt oder nicht. Es sind authentische Gedanken. Ich glaube ihm, dass er darauf gekommen ist. Das sind fast Reflexe, wie in der berühmten Geschichte über einen Musiker, der bei seiner ersten und letzten Reise nach Israel seine Rechnung an der Hotelbar mit Hitler unterschrieben und sich für witzig gehalten hat.

Und die beiden waren nüchtern. Der witzige Kontrabassist wie der einfühlsame Journalist. Wie seltsam.

 

Krieg gegen Israel 7

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 19:23 Uhr
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Mich beschäftigt die aktuelle Kriegspropaganda mithilfe von Fotos. Ohne jetzt Susan Sontag zu zitieren und in die Tiefe bis Benjamin und Kracauer zu gehen, nehme ich nur die Publikationen der letzten Tage.

Bei der mehrttägigen Darstellung der Zerstörungen in Beirut wurden viele Bilder gezeigt. Jetzt kann man deutlich sehen, dass diese Bilder aus den sehr begrenzten Stadtgebieten entstammen, ohne dass die Medien es erwähnen. Ich verweise auf die klärenden Richtigstellungen in der “New York Times”.

Und zwar, in der Beilage zum Artikel vom 25.7.2006 sehen wir zwei Fotos und die Stadtkarte (ich verlinke, in der Hoffnung, dass die Links länger erreichbar sind):

At the De Prague Cafe in Beirut, it is possible to have a quiet beer and conversation. A few miles away, Israeli jets are leveling Shiite districts.

Die Karte der Stadt:

Genauso beim Blog Israpundit (Link):

Auch bei der “New York Times” kann man ein Foto finden, auf welchem festgehalten wurde, wie die Flugblätter fallen, in denen die Bevölkerung Beiruts dazu aufgefordert wird, die Hisbollah-Viertel zu verlassen:

Weniger erfreulich dagegen ist die antisemitische Karikatur in der britischen “Guardian”, der Lieblingsquelle für die “Süddeutsche” (Link).

Am interessantesten waren die Diskussionen der letzten Tage zu der Fotoserie des israelischen Journalisten Sebastian Scheiner. Lesenwert sind (zusätzlich zu den schon genannten Links) noch folgende Beiträge bzw. Meinungen – bei Ilana Mercer (Link) und Adloyada (Link). Noch kürzer und absolut treffend hat der Blogger Greg die Moral der Geschichte formuliert (Link):

Israeli children write on munitions which are intended to kill terrorists.

israelikids&bombs.jpg

Muslim children strap on munitions which are intended to kill civilians.

Palestiniankid&bomb.jpg

Damit bin ich vollkommen einverstanden. Ich würde noch ein Foto (aus der Zeitschrift “Time”) dazu nehmen.

Nebenbei würde ich trotzdem die Rolle der 12 Journalisten betonen, die mindestens durch ihre Präsenz Kinder dazu verleiteten, zu posieren, sich zu inszenieren. Diese Fotos werden jetzt in den islamistischen Medien und Blogs weltweit umbetitelt und für die antiisraelische Propaganda eingesetzt. Lässt sich denn alles für Kriegspropaganda mißbrauchen?

Dann vielleicht noch ein Foto (aus dem Jahr 2000)?

Sind die Personen bekannt? Mögliche Unterschriften kommen von alleine?

An dem Tag, an welchem sich die große deutsche Journalistik schon wieder aufbaut, um Israel zu belehren, was moralisch ist (es geht um die Verwendung der Streubomben, die von NATO in Jugoslawien reichlich eingesetzt wurden, ohne dass Israels Zeitungen das irgendwie vermerkt hätten), lohnt es sich den Inhalt der Raketen der Hisbollah und ihre Wirkung zu betrachten, um die Einseitigkeit der TAZ und der Kollegen wieder mal zu bewundern:

Erklärungen dazu gibt der Blog “Little green footballs” (Link), aus welchem die Fotos stammen.

Zum Schluss nur noch eine kurze Information aus erster Hand (Link):

Mr. Crumpton, the American official, said that resupply of small arms was impossible to stop, but that American intelligence reports indicated that the Israelis had blocked the resupply of larger missile systems.

“We haven’t seen anything in the last few days of missiles coming from Syria across the border into southern Lebanon,” he said. “Right now it’s very difficult for any kind of movement into southern Lebanon because of the Israeli efforts.”

Mr. Crumpton said Israel was damaging Hezbollah’s infrastructure. “It’s not just about the missiles and launchers,” he said, “it’s about the roads and transport, the ability to command and control. All that is being degraded. But it’s going to take a long time. I don’t believe this is going to be over in the next couple of days.”

Diese Information will ergänzt werden, und zwar folgenderweise (Link):

the United Nations is busily repairing damaged roads in Hizballah-controlled areas—roads the IAF bombed specifically to impede Hizballah movement—right in the middle of the war.

 

Krieg gegen Israel 6 Dienstag, 25. Juli 2006

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 14:58 Uhr
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Ich bewundere Menschen, die jeden Tag dasselbe lesen, sich empören und sich dagegen äußern. All die Unwahrheiten, die ständig wiederholt werden, immer aufs Neue richtigzustellen, im Wissen, dass die wenigsten das zur Kenntnis nehmen, ist eine Sisyphosarbeit.

Ausserdem braucht das viel Zeit, man möchte doch nicht irgendeinen Müll schreiben. Tja.

Also heute nur kurz.

Gudrun Eussner hat an zwei Beispielen vorgeführt, wie das läuft. Ein französischer Abgeordneter und eine Christiansen-Sendung bekommen darin, was sie verdient haben.

Der Blogger Lisa hat einen Artikel von Heribert Prantl in der “Süddeutschen ” vernichtend analysiert. Seine Analyse ist hart.

Derselbe Lisa hat mich auf den Beitrag von Lisa Goldmann aufmerksam gemacht. Darin handelt es sich um eine Fotoserie, auf der israelische Mädchen Raketen “für” Nasrallah bemalen. Darauf möchte ich vorerst nur verweisen. Wenn die Zeit da ist, möchte ich darüber nachdenken. Bei der Analyse stimmt nicht alles, glaube ich.

Ein Zeitungsmensch wagte es, sich hinter den Leserbriefen zu verstecken. Darüber sollte man auch ausführlicher schreiben. Das wird also noch ein Thema demnächst.

Berichte über den Lauf des Krieges sind zugänglich. Ich denke, vorerst gibt es da nichts Neues – im Vergleich zu den ersten Tagen.

 

Inzwischen in Bremen Freitag, 21. Juli 2006

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 20:10 Uhr
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In der TAZ-Teilauflage vom 22.7. (also für morgen) wird über eine Demo der Hamas- und Hisbollah-Patrioten erzählt, die in Bremen am 18.7 gelaufen ist. 600 Teilnehmer, fast alle von auswärts eingetroffen, skandierten Parolen wie “Vernichtet Israel” und zeigten Plakate desselben Inhalts in Arabisch und Deutsch. Im Bericht der Polizei wurde die Sache runtergespielt, eine ähnliche nächste Demo ist für diesen Samstag, (also auch für morgen!) angekündigt worden.

Passanten sind angewidert, Politiker sind woanders unterwegs. Christian Weber, der Bürgerschaftpräsident, reist an diesem Wochenende nach Haifa, um seine Solidarität zu bekunden. Das ist medienwirksam. Wir Blogger, genauso wie Journalisten, sind sehr gewissenhaft damit beschäftigt, gut gemeinte Ratschläge zu verteilen, am besten direkt nach Israel, da dort ohne unsere geistige Beihilfe nichts geht, wie bekannt.

Währenddessen beginnt es langsam, in unserer unmittelbaren Nähe zu kochen. In Berlin kam es zu einer vergleichbaren Demo mit 1200 Teilnehmern. Die Sache ist augenscheinlich wunderbar organisiert. Die Polizei weiß davon selbstverständlich immer noch nichts.

Anlage (Der Text aus der TAZ):

Dubiose Friedensfreunde

Mit wenig pazifistischen Transparenten zeigten sich auf einer Anti-Kriegs-Kundgebung in Bremen Hisbollah-Anhänger. Anstoß genommen an der Israel-Hetze hat nur die jüdische Gemeinde

Von Christian Jakob

Grund, über mangelnde Beteiligung zu klagen, gab es für die Organisatoren keinen: Über 600 Menschen folgten am Dienstagnachmittag einem Demonstrationsaufruf libanesischer Gruppen. Sie protestierten auf dem Bahnhofsvorplatz gegen die seit einer Woche andauernden israelischen Angriffe auf den Libanon. Den Passanten hielten die überwiegend libanesisch- und palästinensischstämmigen Demonstranten Transparente mit der Aufschrift “Endlich Frieden im Libanon” oder “Wir bitten die deutsche Regierung um Vermittlung” entgegen.

Was sich Betrachtern auf den ersten Blick nicht erschloss: Viele der Protestierer trugen Fahnen der radikalen Organisationen Hisbollah und der schiitisch-libanesischen Amal-Miliz. Die Hisbollah ist wegen anhaltender Raketenangriffe auf israelisches Territorium Ziel der israelischen Offensive.

Zudem, so berichtet eine Zeugin, habe auf Transparenten in arabischer Schrift “Tötet Israel” gestanden. Ein Beobachter, der von einer “Anti-Kriegs-Demonstration” gehört hatte und deshalb zum Bahnhofsplatz gekommen war, sagt, es sei “ziemlich schnell klar” gewesen, dass es sich um eine Unterstützungs-Kundgebung für die Hisbollah gehandelt habe. Hisbollah-Parolen seien skandiert worden.

Einen Gesetzesverstoß, zumindest was die Fahnen betrifft, haben die Hisbollah-Anhänger nicht begangen. Zwar ist eine Aufnahme der Organisation in den EU Terrorismus-Index beantragt, das Zeigen von Symbolen der Organisation in Deutschland aber legal. Gleiches gilt für die seit 1991 mit der Hisbollah verbündete Amal-Miliz.

Bei der jüdischen Gemeinde Bremen sieht man die Kundgebung kritisch. Gemeindevorsitzende Elvira Noa ist empört über einige der Parolen. “Gegen jede Demokratie” sei es, wenn Forderungen nach dem “Tod Israels” erhoben würden, sagt sie. Zudem seien Bekannte von ihr, die Fotos von der Aktion machen wollten, gewaltsam daran gehindert worden, zu fotografieren.

Noa hat sich wegen der Kundgebung beim Innensenator beschwert. Dort allerdings habe man die Sache “runtergespielt” und ihr gesagt, im Polizeibericht sei von “keinen besonderen Vorkommnissen” die Rede gewesen, so Noa.

An der Legitimität des Anspruchs auf das Demonstrationsrecht von Libanesen und Palästinensern will Noa ausdrücklich keine Zweifel aufkommen lassen. “Natürlich sollen sie demonstrieren dürfen und das schließt ein, dass sie gegen Israel demonstrieren dürfen,” sagt Noa. Allerdings erwarte sie dabei die Einhaltung demokratischer Standards.

Ihre Forderung ist kein unverbindlicher Appell: Für Samstag haben Libanesen eine weitere Aktion angemeldet. Diesmal ist keine Kundgebung, sondern ein Marsch vom Bahnhof zur Marktplatz geplant. Die Organisatoren rechnen erneut mit rund 600 Teilnehmern. Nach Angaben von Markus Beyer, Sprecher von Innensenator Thomas Röwekamp (CDU), ist der Anmelder ein “Verein zur Betreuung der Libanesen” aus Syke. Der ist allerdings nicht identisch mit dem Anmelder der Dienstags-Demo. Diese wurde laut Beyer von einer Privatperson registriert.

Noa erwartet, dass die Behörden darauf achten, dass keine Parolen oder Symbole mit verhetzendem Charakter gerufen oder gezeigt werden, sagt sie. Dies habe sie auch beim Innensenator deutlich gemacht.

Dessen Sprecher sagte, man habe Verständnis für das Unbehagen der jüdischen Gemeinde. Die Polizei sei mit Blick auf die Samstagsdemo sensibilisiert. Für besondere Auflagen fehle jedoch eine rechtliche Grundlage.

 

Krieg gegen Israel 5 Sonntag, 16. Juli 2006

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 19:51 Uhr
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Erste Analysen der israelischen Kriegsführung sind da. Die meisten sind eher negativ, was auch verständlich ist. Unterschiede in der Einschätzung sind auch deutlich, und doch bewilligen die meisten Analysten die Strategie und die Taktik. Nur die Ausführung und das Tempo lassen bis jetzt Besseres wünschen.

Ich nenne schnell die Autoren der Texte, die aus meiner Sicht lesenswert sind. Abraham Rabinovich in der “The San Diego Union-Tribune” ist eher hoffnungsvoll (Link), Yaakov Katz in der “Jerusalem Post” beschreibt die aktuelle Lage (Link):

About 25 percent of Hizbullah’s capabilities have been hit, a high-ranking IDF officer estimated on Sunday night at the end of the fifth day of Operation Just Reward.

Barry Rubin erklärt die Strategie, auch in der “Jerusalem Post” (Link). Nadav Shragai beklagt politische Fehler in der “Haaretz” (Link), wofür er gleich von Bloggern heftig kritisiert wird (Link), obwohl er in etwa dasselbe sagt wie Michael Freund (Link) oder Shibley Telhami (Link). Der Unterschied besteht darin, dass es für Freund nichts Neues ist, während Shragai offensichtlich erst jetzt zu dieser Gemütswandlung kommt.

Die unausgewogene Darstellung der Ereignisse in den deutschen Medien ist ein Thema für Henryk M. Broder (Link), der die Sache selbst in etwa genauso sieht wie der von mir schon mehrfach zitierte Ulrich W.Sahm (Link). Auf dem globalen Level bespricht das Thema auch David Brooks in der “New York Times” (nachzulesen bei vielen Bloggern, zum Beispiel hier). Noch globaler stellt John Arquilla die Aufgabe für die Weltpolitik der USA in der “San Francisco Chronicle” (Link):

We don’t have the luxury of time in this war, so we must transform both our military strategy and our statecraft to a quicker pulse. We must win before terrorists acquire WMD.

The choice is whether to “stay the course” and endure growing risk of losing a protracted conflict, or to make radical changes now, changes that engender little risk but have an enormous potential to crush terrorism soon.

We should choose to fight a smart, short war and not continue this long, wrong one.

Dasselbe auf dem lokalen Level des aktuellen Krieges würde ich auch empfehlen, wenn ich gefragt worden wäre…

 

Krieg gegen Israel 4

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 7:48 Uhr
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Der moderne Krieg (Link):

Aljazeera broadcasting live feed of Haifa being bombed

Israel Radio correspondent Mickey Gurdis complained in a live report of what he termed a major security failure that the Arab news station, Aljazeera, is broadcasting a live television feed of the bombing of Haifa from a camera located at the top of the Carmel mountain in Haifa.

This enables the Hezbollah rocket teams to adjust their aim.

Diese Nachricht bedeutet für mich eine neue Dimension dieses Kriegs, eine neue Rolle der Medien.

17.6. Update
Da hat jemand etwas daraus gelernt (Link):

“Echtzeit-Berichterstattung über den genauen Ort eines Raketeneinschlags muss strikt vermieden werden!”

 

Krieg gegen Israel 3 Samstag, 15. Juli 2006

Meldungen und Überlegungen zu Ereignissen und Hintergründen sind auch heute lesenwert, nur sind sie schwieriger herauszufinden. Es wird verständlicherweise viel mehr geschrieben, aber nicht alles ist brauchbar.

Ulrich W. Sahm gibt eine klare Antwort auf die Frage nach der proportionalen oder “überproportionalen” Reaktion Israels (Link).

Über den offenen Bund zwischen der Hamas und der Hisbollah schreibt vk in der NZZ (Link). Unter der Abkürzung steckt Victor Kocher, der bis jetzt also objektiver ist als seine Selbstbeschreibung auf der Impressum-Seite der Zeitung zu denken gibt.
Robert Sattloff entlarvt die Mechanismen dieses Krieges, der von Iran gesteuert wird. Wertvoll ist zum Beispiel seine folgende Beobachtung:

If that happens, then Hamas and its fellow quartet members may achieve what Yasser Arafat was not able to accomplish with two intifadas–to regionalize the Israeli-Palestinian conflict and thereby radically alter the strategic balance. And if Iran is able to exploit this crisis to show that its nuclear program earns it and its allies special treatment on the terrorism front, Tehran will have proven precisely how beneficial the decision to invest in a nuclear program really was. As the Iranian newspaper Kayhan, close to Supreme Leader Ali Khamenei, editorialized last Thursday, “Nuclear Iran is eradicating the nuclear prestige of Israel.” That’s the sort of rising star to which Syria would like to be hitched.

Mit solcher Klarheit wurde die Atompolitik Irans noch nie ausgedrückt.

Der Kommentator der libanesischen Zeitung “Daily Star” Rami G. Khouri stellt berechtigte Fragen ganz anderer Art:

The US for its part is strangely marginal. Its chosen policies have lined it up squarely with Israel, it has sanctioned and thus cannot even talk to Iran, Hizbullah and Hamas, and it has pressured and threatened Syria for years without any real success. The world’s sole superpower is peculiarly powerless in the current crisis in the Middle East.

[...] The way to break this cycle is for all actors to negotiate a political solution that responds to their legitimate grievances and demands. Everyone involved seems prepared to do this, except for Israel and the US, who rely on military force, prolonged occupations, and diplomatic sanctions and threats. What will Israel and the US do when there are no more Arab airports, bridges and power stations to destroy? The futility of such policies should be clear by now, and therefore a diplomatic solution should be sought seriously for the first time.

Über die französichen Interessen im Libanon sagt Gudrun Eussner die Wahrheit (Link).

Thomas O’Dwyer bringt einen authentischen Einblick in die Situation in Israel (Link), Steven Plaut auch, aber einen ganz anderen (Link); Michael J. Totten gewährt einen Einblick in die Lage im Libanon (Link1, Link2). Wie immer bei Totten, ist auch die Diskussion höchst anspruchsvoll und informativ.

Einen scharfen Pamphlet kann man bei Tammy Bruce nachlesen (Link). Chirac, Zapatero, Blair und Benedict bekommen da ihr Fett ab.

Von vielen negativen Beispielen nenne ich hier nur eines, ein Interview mit Andreas Paulus, einem Völkerrechtler aus München, bei der Tagesschau. Er lächelt sehr nett und vermeidet direkte Worte. So lange, bis er sich doch nicht mehr halten kann und dann kommts:

Die Konsequenz ist, dass das Verhalten Israels als rechtswidrig gebrandmarkt werden kann – vor internationalen und nationalen Gerichten, vor allem aber der Weltöffentlichkeit. Aber es kann das Land auch politisch in die Isolierung treiben, wenn man ihm begründet vorwerfen kann, völkerrechtliche Maßstäbe außer Acht zu lassen.

Beweise bringt er nämlich nicht, weil er im gesamten Interview nur um den heißen Brei herum redet. Es gibt keine Begründung. Da er dabei keine Widerrede findet, ist er hoffentlich auch glücklich. Die Tagesschau auch. Amen.

 

Stefan Raab als Spiegel der Nation

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 10:39 Uhr
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Da habe ich offensichtlich etwas verpasst:

Wie es um die Partylaune bestellt war, führte uns Stefan Raab in seiner Sendung »WM-Total« vor. Nach dem 0:2 kauerte der Mensch gewordene Lachsack in eine Fahne gehüllt stumm auf der Bank wie Hermann Göring nach der Kapitulation in Stalingrad. Lähmendes Entsetzen herrschte im Saal. Sogar Raab geriet für kurze Zeit ins Stammeln: »Tja, welche Sendung erwarten Sie jetzt von mir? Traurig, eine der bittersten Sendungen. So eine Scheiße. Ich weiß jetzt nicht, wie ich Sie aufmuntern soll!« Doch dann brüllte er los: »Uns kotzt Italien an! Uns kotzt Italien an! … Alle mitmachen! Uns kotzt Italien an!«

Irgendwie nicht nur glaubwürdig. Das hat Rainer Trampert in der “Jungle World” beobachtet.

 

Zwei Gedanken

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 8:53 Uhr
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Mich hat eine Nachricht erreicht: Noch ein Forum wurde sauber gemacht. Das heißt, aus dem Respekt vor den Rechtsradikalen haben die Vertreter der sogenannten Mitte deren Gegner verjagt, man wolle doch Israel und die Juden im allgemeinen zivilisiert und ungestört belehren, wo die Moral ist.

Warum nur sind sie, all diese falschen Moralisten und Moralapostel, so kämpferisch und beklagen sich ob ihrer Unterdrückung und der Zensur? Insbesondere wenn sie tagtäglich ihre Tribune haben? Sind ihre Ängste so groß? Ist ihr Unterbewusstsein so mächtig?

In der heutigen “Süddeutschen” macht der Maler Georg Baselitz darauf aufmerksam, wie es mit der Diskussion um die deutsche Identität steht:

Im Ernst, die Diskussionen um deutsche Identität, egal ob damals oder jetzt wieder, finde ich müßig. Weil die Leute damit ihr Unwohlsein immer wieder neu kaschieren und maskieren. Nur in Deutschland gibt es so viele Neugeborenen mit jüdischen Namen. Das ist ein Versuch, sich aus der Geschichte zu stehlen. Ein Rechtvertigungsversuch.

Ich würde noch einen Schritt weiter gehen und fragen, warum dabei überwiegend weibliche hebräische Namen gegeben werden und fast keine männlichen. Stimmt es? Was kann es bedeuten?

Wenn ich schon das Baselitz-Interview, welches Eva Karcher geführt hat, zitiere, dann noch einen heftigen Ausdruck, ohne ihn allerdings zu kommentieren:

Innerhalb des Themas der nationalen Identität gibt es ja noch ein anderes, viel gravierenderes, nämlich das Vater-Sohn-Problem. Das haben alle, wie jedoch in einer verschärften Weise. Weil wir alle unsere Väter verdächtigen. In den wenigsten Familien kommen Mörder vor, bei uns gleich millionenfach. Das ist eigentlich das Hauptproblem. [...]

 

Krieg gegen Israel 2 Freitag, 14. Juli 2006

Einsortiert unter: Israel,Krauthammer,Medien,Politik — peet @ 12:34 Uhr
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Hier liste ich lesenwerte Beiträge auf, sowohl aus Zeitungen als auch aus Blogs:

  • Meryl Yourish nennt israelische Blogger, die aktuell berichten (Link)
  • Sie zeigt an einem Beispiel, wie die AP über den Krieg berichtet (Link)
  • Melanie Phillips nennt den Krieg beim Namen am 13.7 (Link)
  • Melonyce McAfee referiert arabische Blogs am 13.7 (Link)
  • J. Peter Pham und Michael I. Krauss erklären den casus belli beim “TCS Daily” am 13.7 (Link)
  • Charles Krauthammer ist wütend in der “Washington Post” von heute (Link)
  • Michael Oren legt die Strategie Israels dar, auch in der “Washington Post” von heute (Link)
  • Einzelheiten direkt aus Libanon kann man in der “Daily Star” nachlesen (Link)
  • Gedanken eines syrischen Bloggers Ammar (er lebt in den USA) sind auch interessant (Link)
 

 
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