Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Is Israel too nice to win? Sonntag, 30. Juli 2006

Filed under: Allgemein — peet @ 16:27 Uhr
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Diese Frage hat John Podhoretz am 25.7.2006 in der “New York Post” (Link) gestellt:

Could Israel – even hardy, strong, universally conscripted Israel – possibly stomach the bloodshed that would accompany the total destruction of Hezbollah?

If Lebanon’s 300-plus civilian casualties are already rocking the world, what if it would take 10,000 civilian casualties to finish off Hezbollah? Could Israel inflict that kind of damage on Lebanon – not because of world opinion, but because of its own modern sensibilities and its understanding of the value of every human life?

Where do these questions lead us?

What if Israel’s caution about casualties among its own soldiers and Lebanese civilians has demonstrated to Hezbollah and Hamas that as long as they can duck and cover when the missiles fly and the bombs fall, they can survive and possibly even thrive?

What if Israel has every capability of achieving its aim, but cannot unleash itself against a foe more dangerous, more unscrupulous, more unprincipled and more barbaric than even the monstrous leaders of the Intifada it managed to quell after years of suicide attacks?

And as for the United States, what if we have every tool at our disposal to win a war – every weapons system we could want manned by the most superbly trained military in history – except the ability to match or exceed our antagonists in ruthlessness?

Is this the horrifying paradox of 21st century warfare? If Israel and the United States cannot be defeated militarily in any conventional sense, have our foes discovered a new way to win? Are they seeking victory through demoralization alone – by daring us to match them in barbarity and knowing we will fail?

Are we becoming unwitting participants in their victory and our defeat? Can it be that the moral greatness of our civilization – its astonishing focus on the value of the individual above all – is endangering the future of our civilization as well?

Der tragische Vorfall der letzten Nacht bestätigt die Richtigkeit der gestellten Perspektive. Aus den Meldungen kann man leicht verstehen, wie es dazu gekommen ist (Link): Ein Dorf, aus welchem hunderte von Raketen durch die Hisbollah auf Israel abgeschossen werden. Warnungen an die zivile Bevölkerung, die die israelische Armee tagelang verbreitet, um Leute dazu zu bewegen, das Dorf vor der angekündigten Bombardierung zu verlassen. Am Abend wird ein Convoi der Flüchtlinge im Dorf für die Übernachtung gelassen, am Abend der bevorstehenden Bombardierung. In der Nacht werden aus der unmittelbaren Nähe des Hauses, in dem Flüchtlinge untergebracht werden, weitere Raketen abgeschossen. Die Bombardierung erfolgt. Das Haus stürzt (UPDATE: erst 7 Stunden später!) ein. Es sterben (UPDATE!) 26 Menschen, darunter viele Kinder:

In contrast to Lebanese claims, the International Red Cross is reporting that only 26 people were killed in the Kfar Qana attack, NOT more than the reported 60 dead.

[UPDATE: Und hier die Originalmeldung (Link):

In today's military operations by the Israel Defense Forces against the village of Qana, a building sheltering civilians was directly hit. At the time of writing, the Lebanese Red Cross Society and the Lebanese Civil Defense have extracted 28 bodies from the rubble, 19 of whom are children.]

Politiker beschuldigen Israel dafür weltweit, ohne die Hisbollah zu erwähnen. Kann Israel diesen Krieg unter diesen Umständen gewinnen? Hat er noch die Zeit dazu?

 

Ulrich W. Sahm belehrt den Ex-Aussenminister Fischer Samstag, 29. Juli 2006

Filed under: Allgemein — peet @ 23:08 Uhr
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Beim n-tv passieren Wunder. Ulrich W. Sahm hat da den Friedensplänen eine klare und glänzend argumentierte Absage erteilt, die Joschka Fischer in der “Süddeutschen” formuliert hatte, bevor dieser in den Iran abreiste. Meisterhaft!

 

Krieg gegen Israel 8

Ein ganz besonderes Kapitel dieses Kriegs ist die Rolle der UNO und persönlich des Generalsekretärs Kofi Annan. Sowohl bei der ersten Story als auch bei der aktuell zweiten Story glänzt Annan durch das Unkenntnis der Sachlage und eine voreilige einseitige Deutung der Ereignisse. Eine unrühmliche Fortsetzung der langen Tradition, wie die UNO Israel behandelt.

Nun sind vier tote Militärbeobachter der UNO beim Einsturz des beschossenen Hauses der Inspektion zu bedauern. Über diese zweite Geschichte haben schon viele geschrieben, ich verweise auf den Bericht von Gudrun Eussner (Link) und auf den redaktionellen Kommentar der “New York Daily News” (Link), auf das Foto (hier – mit einer lesenswerten Diskussion dazu – und hier) aus dem Buch von Jed Babbin, auf welches der Autor selbst am 18.7.2006 hingewiesen hat (Link), also fast zehn Tage vor dem Zwischenfall. Man sieht sich an die alte Videoaufzeichnung von 2004 erinnert (Link), auch wenn es dabei um die “friedliche Zusammenarbeit” zwischen der UNO und militanten Palästinensern im Gazagebiet handelte. Weitere Infos sind genauso berauschend (Link).

Eine aufschlussreiche Auflistung der Angriffe der Hisbollah auf Israel seit 2000 bringt Mitchell Bard (Link).

Den Wunsch, dass Israel in diesem Krieg siegt, äußert der Kommentar der Zeitung “Washington Times” (Link).

For all the blathering about Israel’s “disproportionate” response in defending itself (and the reality that from a public-relations perspective, it can be good to be a victim), and notwithstanding Americans’ moral sentiments, they also prefer to be with a winner. Moreover, even Israel’s enemies in the Middle East and Europe begrudgingly respect Israel’s hardwon record of invincibility on the battlefield since her founding.

In the long run, Israel does itself no favors by listening to those — both civilians and military — whose response to state-supported terrorism consists of half-measures that ensure Islamofascists an opportunity to survive and fight another day.

If a large-scale Israeli ground operation proves necessary to do the job against Hezbollah, Mr. Olmert should go forward — with strong support from Washington.

Die “Haaretz” stellt die Meinungen der führenden Offiziere des israelischen Armeenachrichtendienstes und des Mossad gegenüber, die ziemlich auseinander gehen (Link):

The heads of two Israeli intelligence agencies disagree over how much the IDF assault has damaged Hezbollah, although both say the group has been weakened.

The Mossad intelligence agency says Hezbollah will be able to continue fighting at the current level for a long time to come, Mossad head Meir Dagan said.

However, Military Intelligence chief Amos Yadlin disagrees, seeing Hezbollah as having been severely damaged.

The IDF believes that at least 200 Hezbollah operatives have been killed since the fighting began more than two weeks ago, a military source said Friday.

Both intelligence chiefs agree that Hezbollah remains capable of command and control and still holds long-range missiles in its arsenal, they said at a security cabinet meeting Thursday.

Die “Süddeutsche” übersetzt heute den jüngst erschienenen Artikel von Alan M. Dershowitz (vom 20.7.2006, Link) und lässt dabei nur ein kleines Fragment aus:

Israel will — and should — take every precaution to minimize civilian casualties on the other side. On July 16, Hasan Nasrallah, the head of Hezbollah, announced there will be new “surprises” and the Aska Martyrs Brigade said that it had developed chemical and biological weapons that could be added to its rockets. Should Israel not be allowed to pre-empt their use?

Dagegen sieht das Ende des Textes nach einer authorisierten Ergänzung aus, da sie im Original nicht vorhanden ist:

Vor einigen Wochen hatte die israelische Regierung noch angekündigt, sich auch aus weiten Teilen der Westbank zurückzuziehen. Aber wie kann von Israel erwartet werden, damit fortzufahren, wenn es im Gegenzug nur mehr Terrorismus und mehr internationale Verurteilung erhält – bloß weil es Terroristen verfolgt, die die geräumten Gebiete als Abschussrampen benutzen?

Die Diskussion zu dem Text kann man auf der Homepage von Dershowitz lesen (Link).

 

Zwei Filmchen aus dem Krieg Freitag, 28. Juli 2006

Filed under: Israel,Politik — peet @ 10:59 Uhr
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Auf der Seite der israelischen Botschaft werden zwei kleine Filmdateien angeboten, die zeigen, wie die Hisbollah ihre Raketenbatterien in der Dichte der Stadt platziert und wie diese Batterien in den zivilen Häusern versteckt werden. Außerdem wird hier gezeigt, dass die beiden gezeigten Katjuschas präzise vernichtet werden.

Direkte Links:

Video 1, Video 2

 

Die wiederhergestellte Ehre der Anne Frank Donnerstag, 27. Juli 2006

Filed under: Allgemein — peet @ 11:13 Uhr
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Diese Nachricht würde ich als das erste positive Resultat des Pretzien-Vorfalls betrachten. Sie wird eine langfristige Wirkung haben, und sie ist eine gute Verarbeitung.  Das Bundeskriminalamt hat nämlich ein Zugeständnis gemacht. Was wir alle längst ahnten: Sein Papier vor zwanzig Jahren war unsauber.

Jetzt heißt es,

“Kriminaltechnisches Gutachten von 1980 begründet keine Zweifel an der Echtheit der Anne-Frank-Tagebücher”. <…> Das Gutachten, teilte die Behörde unter anderem mit, könne “nicht dafür in Anspruch genommen werden, die Authentizität der Tagebücher der Anne Frank in Zweifel zu ziehen. Das BKA distanziert sich entschieden von allen in eine solche Richtung zielenden Spekulationen.”

Die weitere kleine Geschichte ist ein feines Beispiel, wie es zuerst ausgesehen hat:

Dr. Werner, leitender wissenschaftlicher Direktor beim BKA, hatte in einer Expertise notiert, bei seiner Untersuchung der Tagebuch-Manuskripte seien ihm mehrere mit farbigem Kugelschreiber verfasste Korrekturen aufgefallen – Kugelschreiber, der erst nach dem Krieg auf den Markt gekommen war. Das sollte er den niederländischen Fachleuten erklären.

Gut zwanzig Jahre sind seit dem Besuch des BKA-Mannes in Amsterdam vergangen. David Barnouw hat die Begegnung nicht vergessen.

“Wir haben dem BKA-Mann gesagt: ,Bitte schön, hier sind die Originale der Anne-Frank-Tagebücher – zeigen Sie uns, wo sehen Sie Kugelschreiber?'” Barnouw schweigt einen Moment, dann lacht er säuerlich. “Er hat sehr lange in dem Manuskript gesucht und schließlich gesagt: Er findet nichts mehr. Er konnte sein eigenes Gutachten nicht mehr erklären! Das war natürlich ziemlich peinlich für einen wissenschaftlichen Sachverständigen.”

Die TAZ schließt ab:

Eine schlechte Nachricht für alle Rechtsextremen, die seit Jahren die Legende um das BKA-Gutachten politisch ausschlachteten. Eine gute Nachricht aber für alle anderen.

So ist es!

 

Tagesschau macht mit – Beirut sei Dresden Mittwoch, 26. Juli 2006

In dem Beitrag eines reisenden Journalisten, der von Amman aus Süd-Beiruts Ruinen in der netten Begleitung der Hisbollah-Reiseführer besichtigt hat, wird die Lage folgendermaßen zusammengefasst:

Als die Gefahr vorüber ist – die israelischen Kampfflugzeuge bombardieren statt Haret Hreik wieder in der Nähe des Flughafens – ist auch der Rundgang zu Ende. Bevor wir die schützende Durchfahrt verlassen, werfen wir einen letzten Blick auf die hintere Seite des Hauses, wo sich eine Gasse anschließt. Am Ende des Zweiten Weltkrieges haben die Bilder aus Dresden kaum anderes geboten.

Der Autor Björn Blaschke sagt damit Folgendes: Hisbollah-Milizen und ihre libanesischen Geiseln seien den leidenden Deutschen des letzten Kriegsjahres des Nazireiches gleichzusetzen. Gelitten haben sie an demselben Feind. Der Feind heißt …usw.

Es spielt dabei keine Rolle, ob der Korrespondent darüber nachgedacht hat, was er schreibt oder nicht. Es sind authentische Gedanken. Ich glaube ihm, dass er darauf gekommen ist. Das sind fast Reflexe, wie in der berühmten Geschichte über einen Musiker, der bei seiner ersten und letzten Reise nach Israel seine Rechnung an der Hotelbar mit Hitler unterschrieben und sich für witzig gehalten hat.

Und die beiden waren nüchtern. Der witzige Kontrabassist wie der einfühlsame Journalist. Wie seltsam.

 

Krieg gegen Israel 7

Filed under: Allgemein — peet @ 19:23 Uhr
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Mich beschäftigt die aktuelle Kriegspropaganda mithilfe von Fotos. Ohne jetzt Susan Sontag zu zitieren und in die Tiefe bis Benjamin und Kracauer zu gehen, nehme ich nur die Publikationen der letzten Tage.

Bei der mehrttägigen Darstellung der Zerstörungen in Beirut wurden viele Bilder gezeigt. Jetzt kann man deutlich sehen, dass diese Bilder aus den sehr begrenzten Stadtgebieten entstammen, ohne dass die Medien es erwähnen. Ich verweise auf die klärenden Richtigstellungen in der “New York Times”.

Und zwar, in der Beilage zum Artikel vom 25.7.2006 sehen wir zwei Fotos und die Stadtkarte (ich verlinke, in der Hoffnung, dass die Links länger erreichbar sind):

At the De Prague Cafe in Beirut, it is possible to have a quiet beer and conversation. A few miles away, Israeli jets are leveling Shiite districts.

Die Karte der Stadt:

Genauso beim Blog Israpundit (Link):

Auch bei der “New York Times” kann man ein Foto finden, auf welchem festgehalten wurde, wie die Flugblätter fallen, in denen die Bevölkerung Beiruts dazu aufgefordert wird, die Hisbollah-Viertel zu verlassen:

Weniger erfreulich dagegen ist die antisemitische Karikatur in der britischen “Guardian”, der Lieblingsquelle für die “Süddeutsche” (Link).

Am interessantesten waren die Diskussionen der letzten Tage zu der Fotoserie des israelischen Journalisten Sebastian Scheiner. Lesenwert sind (zusätzlich zu den schon genannten Links) noch folgende Beiträge bzw. Meinungen – bei Ilana Mercer (Link) und Adloyada (Link). Noch kürzer und absolut treffend hat der Blogger Greg die Moral der Geschichte formuliert (Link):

Israeli children write on munitions which are intended to kill terrorists.

israelikids&bombs.jpg

Muslim children strap on munitions which are intended to kill civilians.

Palestiniankid&bomb.jpg

Damit bin ich vollkommen einverstanden. Ich würde noch ein Foto (aus der Zeitschrift “Time”) dazu nehmen.

Nebenbei würde ich trotzdem die Rolle der 12 Journalisten betonen, die mindestens durch ihre Präsenz Kinder dazu verleiteten, zu posieren, sich zu inszenieren. Diese Fotos werden jetzt in den islamistischen Medien und Blogs weltweit umbetitelt und für die antiisraelische Propaganda eingesetzt. Lässt sich denn alles für Kriegspropaganda mißbrauchen?

Dann vielleicht noch ein Foto (aus dem Jahr 2000)?

Sind die Personen bekannt? Mögliche Unterschriften kommen von alleine?

An dem Tag, an welchem sich die große deutsche Journalistik schon wieder aufbaut, um Israel zu belehren, was moralisch ist (es geht um die Verwendung der Streubomben, die von NATO in Jugoslawien reichlich eingesetzt wurden, ohne dass Israels Zeitungen das irgendwie vermerkt hätten), lohnt es sich den Inhalt der Raketen der Hisbollah und ihre Wirkung zu betrachten, um die Einseitigkeit der TAZ und der Kollegen wieder mal zu bewundern:

Erklärungen dazu gibt der Blog “Little green footballs” (Link), aus welchem die Fotos stammen.

Zum Schluss nur noch eine kurze Information aus erster Hand (Link):

Mr. Crumpton, the American official, said that resupply of small arms was impossible to stop, but that American intelligence reports indicated that the Israelis had blocked the resupply of larger missile systems.

“We haven’t seen anything in the last few days of missiles coming from Syria across the border into southern Lebanon,” he said. “Right now it’s very difficult for any kind of movement into southern Lebanon because of the Israeli efforts.”

Mr. Crumpton said Israel was damaging Hezbollah’s infrastructure. “It’s not just about the missiles and launchers,” he said, “it’s about the roads and transport, the ability to command and control. All that is being degraded. But it’s going to take a long time. I don’t believe this is going to be over in the next couple of days.”

Diese Information will ergänzt werden, und zwar folgenderweise (Link):

the United Nations is busily repairing damaged roads in Hizballah-controlled areas—roads the IAF bombed specifically to impede Hizballah movement—right in the middle of the war.

 

 
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