Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Bilde dir die Bild-Moral Freitag, 27. Oktober 2006

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 10:27 Uhr
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Tagelang beschäftigen sich Medien und Politiker mit den Fotos, die die Bild-Zeitung publik gemacht hat. Alles dreht sich um die Soldaten, moralische Predigten füllen die Luft, schonunglose Untersuchungen werden angekündigt. Alle machen mit. Nur weil die dafür seit Jahrzehnten bekannte Ausgabe schon wieder denunziert hat.

Die einzige rühmliche Ausnahme erschien heute in dem “Tagesspiegel”: Eine mutige Lehrbeautragte an der Universität Potsdam hat das gesamte Gerede als eine Heuchelei entlarvt und die Politik dafür verantwortlich gemacht (Link). Sybille Tönnies hat darin Recht. Nur wie gesagt, ich würde die “Bild” dabei nicht vergessen. Leserkommentare im Anschuss zum Artikel sind übrigens lesenswert.

 

Politische Unkultur Donnerstag, 26. Oktober 2006

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 17:31 Uhr
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Die Zeitschrift “Cicero”, angeblich für die politische Kultur verantwortlich, will mit der “Bild” konkurrieren und greift zu unkorrekten Methoden, um die Leserschaft zu gewinnen. Die Bilanz: Boulevard der politischen Unkultur.

Ein Journalist namens Jürgen Busche saugt sich eine Denunzierung aus den Fingern und aus den Erinnerungen eines anderen Journalisten namens Joachim Fest – gegen Jürgen Habermas gerichtet. Auf dem Cover sieht man groß “Vergesst Habermas!”, der Artikel heißt “Hat Habermas die Wahrheit verschluckt?”, Busche fragt sich: “Gerücht oder Ungeheuerlichkeit?” Das wäre alles eher etwas für die “Titanic” – leider meint die “Cicero” das wohl im Ernst.

Der Text von Busche ist eine Schande für die Zeitschrift. Wer will, kann ihn lesen (Link). Mich hat die folgende Passage besonders beeindruckt:

Es war kein anderer als der junge Jürgen Habermas, der Anfang der fünfziger Jahre als einer der Ersten und mit Durchschlagskraft in der FAZ auf die Nähe von Heideggers Denken zu den Grundlagen der NS-Ideologie hinwies, nicht ganz zu Recht, aber mit Folgen, die heute noch spürbar sind.

“Nicht ganz zu Recht”! Ein Journalist, der einmal ein Buch über Helmut Kohl publizieren durfte, weiß über Heidegger besser Bescheid als Habermas. Ha-ha!

Der Brief von Habermas an die Redaktion ist dagegen sehr wohl zu empfehlen (Link). Ironisch, klar, würdevoll, schön bissig. Ich zitiere daraus den Anfang und den Abschluss:

Jürgen Busche betätigt sich als Denunziant, indem er auf der Grundlage von längst widerlegten Gerüchten Unwahrheiten insinuiert. Wenn man sich den Kreis derer vergegenwärtigt, von denen man weiß, dass sie das Gerücht kolportiert haben – Fest, Lübbe, Koselleck, und (nun erst?) Busche – erkennt man die erneute Denunziation als das, was sie ist: als Fortsetzung einer politischen Hetze, der ich vonseiten der FAZ insbesondere in den 70er und 80er Jahren ausgesetzt war. Fest hat mir offenbar die Kritik an jenen Vordenkern des NS-Regimes übelgenommen, die er in seinem Blatt rehabilitieren ließ. (…)

Wenn der Umstand, dass ich von Herrn Fest posthum – und von dessen ehemaligem Angestellten Busche genötigt werde, mich über diese Lappalien zu äußern, eines lehrt, dann etwas von der Ranküne, die das Klima der Bundesrepublik Jahrzehnte lang vergiftet hat.

Die “Cicero” dreht das um, legt nach und setzt die Verleumdung fort:

Habermas beschuldigt nicht Fest, sondern Busche. Eigentlich beschuldigt Habermas nicht, sondern verteidigt sich gegen die Verleumdung. Das “Politmagazin” geht dem nicht nach, sondern gibt einem jeden seine Meinung oder findet einen, der mutig genug ist, um die Verleumdung auszusprechen. Oder wie war es mit den Bild-Parolen? Machen das nächste Heft von “Cicero” Gäste von der “Bild”? Ist es schon soweit?

UPDATE: Wie ich gerade entdeckt habe, hat Markus Schwering schon am 24.10 im “Kölner Stadt-Anzeiger” die Story zu Ende recherchiert (Link). Joachim Fest sieht anschliessend nicht gut aus. Die “Süddeutsche”will dieselbe Recherche erst heute gemacht haben, ohne sich auf Schwering zu beziehen (Link). Lehrreich!

 

Eine nette Ente Mittwoch, 25. Oktober 2006

Deutsche Medien berichten über den angeblichen Zwischenfall vor Libanons Küste. Zuerst “Der Tagesspiegel”, dann die anderen. Zum Beispiel auch “Die Süddeutsche” (Link):

Am Dienstag um 10.11 Uhr hätten sechs israelische F-16-Jäger ein deutsches Marineschiff der UNIFIL-Flotte vor Libanons Küste in geringer Höhe überflogen und „Infrarot-Täuschkörper“ abgeworfen. Aus einer der Maschinen seien aus der Bordkanone zwei ungezielte Schüsse in die Luft abgefeuert worden. Es gebe bereits Gespräche mit Israel auf Regierungsebene, sagte Raabe. Beide Seiten seien an einer weiterhin guten Zusammenarbeit interessiert.

In Wahrheit wurden nur Täuschkörper abgeworfen, da ein Hubschrauber von einem deutschen Marineschiff unangemeldet in Richtung der israelischen Grenze flog. Die unerfahrenen deutschen Offiziere haben die Täuschkörper für Raketen gehalten. Die weitere Ente ist ein Selbstläufer. Glückwunsch!

UPDATE: Die “Tagesschau” korrigiert im Bericht vom 26.10 (Link):

Es habe sich herausgestellt, dass ein Marine-Hubschrauber von Bord des Einsatzgruppenversorgers “Frankfurt am Main” aufgestiegen sei. Der Pilot des deutschen Helikopters habe zuvor seine Flugdaten nicht dem israelischen Koordinationshauptquartier mitgeteilt, zudem habe er nicht das Identifikationssystem seines Hubschraubers eingeschaltet, das auf einer vereinbarten Frequenz eine rasche Erkennung des Flugobjekts erlaube.

Die beiden israelischen Kampfflugzeuge hätten auf den Marine-Hubschrauber zugehalten und über die Frequenz, die der deutsche Pilot nicht eingestellt hätte, vergeblich versucht, Kontakt aufzunehmen. Nachdem keine Antwort gegeben worden sei, seien die F-16-Jets auf den Helikopter zugeflogen und hätten – nachdem sie die deutschen Hoheitskennzeichen am Hubschrauber erkannt hätten – abgedreht. Im Verlauf dieses Manövers seien von den Kampfflugzeugen so genannte “Infrarot-Tauschkörper” zur Raketenabwehr abgeworfen worden. Die Deutschen hätten deswegen wohl geglaubt, dass die Jets auf sie geschossen hätten.

Die “Süddeutsche” will davon selbstverständlich nichts gewußt haben (Link).

 

Historische Kleinigkeiten, wie Daniel Koerfer sie sieht Samstag, 21. Oktober 2006

Einsortiert unter: Antisemitismus,Deutschland,Geschichte,TAZ — peet @ 20:48 Uhr
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Noch ein Professor der Geschichte macht auf sich aufmerksam. In einer Buchbesprechung bei der TAZ zeigt sich Daniel Koerfer in einem merkwürdigen inneren Dialog mit sich selbst und in einem noch seltsameren versteckten Streitgespräch mit Daniel Goldhagen (Link).

Das Thema ist das vergleichsweise neue Buch von Peter Longerich mit dem Titel “»Davon haben wir nichts gewusst!«Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933–1945″; Siedler Verlag, München 2006. Fast alle Zeitungen haben sich gemeldet. Der Dialog der Kritiken ist lesenswert, denn die einen loben das Buch, die anderen sind mit ihm unzufrieden. Nur positiv sieht “Die Zeit” (Link) das Buch, von Volker Ullrich geschrieben. Durchaus ausgewogen sieht Hans Mommsen das Resultat in der FR (Link). Etwas skeptischer ist Norbert Frei in der NZZ (Link). Äußerst negativ beurteilt Daniel Goldhagen das Buch in der “Welt” (Link).

Wenn jetzt noch ein Interview mit dem Autor in derselben TAZ berücksichtigt werden könnte (Link), wäre das Bild dann ziemlich rund. Denn am Ende des Interviews will die Zeitung endlich wissen:

Die Deutschen haben auf die Ermordung der Juden erst mit Missbilligung, dann mit Verdrängung reagiert. Die Missbilligung dementiert Daniel Goldhagens These, dass der Holocaust “ein nationales Projekt” der deutschen Gesellschaft war – oder?

Goldhagens These vom Vernichtungsprojekt war als Provokation für die Forschung nützlich, aber viel zu pauschal. Wer sind denn die Deutschen? Die Gesellschaft war ja nicht homogen. Es gab schon in der Weimarer Republik ein völkisch-nationalistisches Milieu, das in der Tat eine Gesellschaft ohne Juden wollte. Diese extreme Gruppe ist im NS-Staat hegemonial, umfasst aber wohl etwa 15 bis 25 Prozent der Gesellschaft. Andererseits erfordert ein so gewaltiges Unternehmen wie der Judenmord eine gewisse Kommunikation. Die Führung muss der Basis ja vermitteln, dass das richtig ist, was sie tut. Und es muss auch zumindest der Anschein eines gesellschaftlichen Konsenses inszeniert werden.

Und das ist gelungen?

Ja, das ist der NS-Führung gelungen. Insofern haben die Deutschen so funktioniert, wie die NS-Führer es wollten.

Das ist viel zu einfach für Stefan Reinecke und Christian Sammler, die das Interview führten. Deswegen wird wahrscheinlich Daniel Koerfer geholt, der gleich aufklärt:

Da der Antisemitismus nicht tief verwurzelt war, wollte das NS-Regime die Deutschen zu Mitwissern des Völkermords machen.

Nicht tief genug? Das ist aber schade. Als einer von mehreren durch Koerfer aus dem Buch zitierten Beweisen soll hier ein Fragment genügen:

Im August 1942 gibt die SD-Außenstelle Leipzig etwa folgende Stimmen weiter: “Die Judenfrage konnte Hitler auch anders lösen. Menschlicher! Kein Mensch hat das Recht, ein Volk ausrotten zu wollen. Gewiss haben die Juden uns viel geschadet, aber die hat man von 1933 bis 1941 abreisen lassen.”

Das ist eben nicht tief genug. Der Höhepunkt des Artikels klingt so:

Sorgfältig beschreibt Longerich noch etwas anderes: das Bemühen des NS-Regimes, die zunehmend gleichgeschaltete Öffentlichkeit auch im Bereich der “Judenpolitik” auf Linie zu bringen, die Bevölkerung zu einem aggressiv ausgrenzenden Verhalten, zum “Hass auf Juden” anzustacheln. Und er beschreibt das Scheitern dieser massiven Indoktrinationsversuche. Es ist also kein Wunder, das Daniel Goldhagen für diese Studie nur Verachtung übrig hatte, denn von einem verbreiteten, in der deutschen Gesellschaft tief verwurzeltem “eliminatorischen Antisemitismus” findet sich nichts bei Longerich.

Goldhagen ist ein Profi und arbeitet mit Argumenten, er nennt Quellen, die Longerich ausblendet oder nicht kennt, und verweist auf methodische Versäumnisse Longerichs. Koerfer sucht keine Argumente, er polemisiert. Hitlers Versuch scheiterte – sowas aber. Der Artikel von Goldhagen ist trotzdem noch da. Das sieht für Koerfer nicht gut aus. Kein Zufall, dass Professor Koerfer seine Studenten mit Fest-Büchern versorgt.

In den anderen Zeitungsartikeln schreibt Koerfer viel über das Thema (ohne zum Beispiel Götz Aly auch nur einmal zu erwähnen, was für ein Zufall!). So bei der “Zeit” in einer Buchbesprechung (Link):

Selbst wenn man Browning gegenüber einwenden mag, dass in einem totalitären Regime – das Wort „Diktatur“ findet sich nur an einer Stelle im ganzen Buch – Widerstandshandlungen und Solidarität mit Verfolgten und Bedrohten ein besonderes Maß an Zivilcourage erfordern, es „die“ Deutschen als einheitliche Tätergruppe nicht gegeben hat, liest man diese beeindruckende Darstellung über ihre Verstrickung in den Massenmord mit Bedrückung.

Koerfer ist hier beeindruckt und bedrückt. Wusste er das als Professor auf dem Gebiet noch nicht?

In einer anderen Buchbesprechung teilt Koerfer die Deutschen sogar in eine Mehrheit und eine Minderheit, und zwar anders als in der Longerich-Kritik (Link):

Manche wie die Retter der jungen Charlotte Knobloch im bayrisch-bäuerlichen Milieu werden sogar noch Jahrzehnte später wegen ihrer Handlungen diskriminiert, sodass sie die Gerettete im Jahr 2002 bitten, jeden Kontakt zu ihnen abzubrechen. Tatsächlich erwuchs vor allem den vielen, die nicht geholfen hatten, aus dem Wirken der Retter ein fundamentales Problem – hatte deren Engagement doch bewiesen, dass man etwas tun konnte gegen den NS-Terror und ihn nicht passiv hinzunehmen brauchte. Auch deshalb neigten die vielen nach 1945 dazu, das Wirken der wenigen gegen das Regime zu verdrängen.

Genau wie bei Joachim Fest – keine Täter, nur passive Zuschauer, die dann ihr Mitwissen noch verdrängen. Fein. Longerich hat offensichtlich weniger Probleme mit der Kritik seitens Goldhagen als die TAZ und ihre Historiker.

 

Eine Diskussion über Tariq Ramadan beim SWR

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 7:44 Uhr
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Im Blog “Transantlantic Forum” ist eine Diskussion über Tariq Ramadan und seinen geplanten Auftritt beim SWR gerade am aufblühen (Link). Ob es mehr daraus wird?

Ich darf an dieser Stelle noch einen älteren Artikel aus der TAZ dazu empfehlen (Link) und auf einen Diskussionsbeitrag von mir in einem Forum (Link) hinweisen.

 

Wer wagt es, Wieczorek-Zeul über Streubomben der Hisbollah zu informieren?

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 7:09 Uhr
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Laut Angaben der “Human Rights Watch” (Link) benutzte die Hisbollah Streubomben gegen die zivile Bevölkerung Israels, und dazu noch viel früher, als Israel – gegen die Hisbollah. Diese Nachricht wurde am 19.10.2006 von der Zeitung “The Guardian” übernommen (Link). Deutsche Medien folgten der Darstellung. Jetzt folgt die Quizfrage: Wann erfährt die flammende Kämpferin gegen die Streubomben, Wieczorek-Zeul, dass ihre Israel-Invektiven, milde ausgedrückt, einseitig waren und sind?

 

Broder über Biermann über Oz über Shakespeare Freitag, 20. Oktober 2006

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 10:47 Uhr
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In einer der neuesten Eintragungen im Blog “Die Achse des Guten” fand ich eine bemerkenswerte Erzählung, die ich zitieren möchte (Link):

Biermann erzählt von seinem Freund Eran Banuel vom Khantheater, der ihn nach dem „ersten Weltkrieg”, Biermann korrigiert sich und meint „ersten Golfkrieg”, zum ersten Mal nach Jerusalem eingeladen habe. Der habe ein Projekt gemacht mit arabischen und jüdischen Schauspielern: „Romeo und Julia”.

“Ich hab mir das hier angeguckt. Die Hälfte des Publikums bestand aus Sicherheitsleuten. Und das war leider auch nötig. Und ich verstand auch sofort, was er mir erklärte, dass die Julia unbedingt eine Jüdin sein muss und der Romeo ein Araber. Umgekehrt geht es nicht. Das muss ich Ihnen nicht erklären, das wissen Sie viel besser als ich. Und als ich das dem Amos Oz erzählte, eurem berühmten Romanschriftsteller, da kriegte er einen sehr interessanten Wutanfall. Ich komme als kleiner Deutscher dahin und höre natürlich, was sagen die, was erzählen die, und der Amos Oz, der sagt: ‘Die Juden und die Araber, die sollen nicht in ein Bett, sondern in zwei Staaten.’

UPDATE: Der Text stammt von Ulrich W.Sahm (Link).

 

Haben wir Tony Judt vergessen?

Einsortiert unter: Antisemitismus,Tony Judt — peet @ 10:35 Uhr
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Der Lieblingsautor der “Süddeutschen”, wenn es um die moralische Verurteilung des Staates Israel geht, durfte einmal über sein Thema, immerhin das wichtigste Thema weltweit, nicht referieren. Ein polnisches Konsulat in den USA hat ihn ausgeladen, weil sein Referat über den allmächtigen jüdischen Lobby zeitlich zu der Reise des polnischen Präsidenten in Israel nicht passte. Sonst wäre das eigentlich kein Problem. Das will Tony Judt nicht einsehen und beklagt sich, selbstverständlich über den allmächtigen jüdischen Lobby usw.

Darüber hat Leon Wieseltier, sein ehemaliger Freund und Kollege, amüsant geschrieben (Link):

The censorship of Tony Judt is not working. He is one of the least suppressed, repressed, and oppressed intellectuals who ever lived. If there is life on Mars, it knows what he thinks. The fact that a position is unpopular does not mean that it is unknown. Dissidents should have thicker skins.

Der komplette Text von Wieseltier ist in einem Blog zu sehen (Link). Eine empfehlenswerte Lektüre.

 

Titanic über die Familienministerin Leyen Dienstag, 17. Oktober 2006

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 18:20 Uhr
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Ein selten guter Treffer der Zeitschrift “Titanic” (Link):

Nach dem einen Fall und diesem anderen da nun der dritte mit einem toten Kind: Offenbar ist in Sachsen ein Vierjähriger zu Tode mißhandelt worden. Jetzt reagiert Berlin: Familienministerin Ursula von der Leyen will diese Woche prüfen, ob Kinder auch Menschen sind und Menschenrechte auf Kinder ausgedehnt werden müßten. Erste Versuche hätten ergeben, daß Kinder es nicht mögen, mit Steinen beworfen zu werden und stundenlang nackt im Garten stehen zu müssen; genauere Forschungsergebnisse bleiben aber abzuwarten. Nächstes Jahr solle evtl. ein Gesetz erlassen werden, das es verbiete, Kinder totzuhauen, so von der Leyen, dann werde alles besser.

 

Ulrich W. Sahm im n-tv-Chat Mittwoch, 11. Oktober 2006

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 20:42 Uhr
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Damit keiner das verpasst, weise ich auf den Link hin. Am 10.10 hat Ulrich W. Sahm die Fragen im moderierten Chat bei n-tv beantwortet. Eine witzige Lektüre und ein gutes Beispiel des offensiven Journalismus (Link).

 

Warum gehen Bassam Tibi und Ayaan Hirsi Ali? Samstag, 7. Oktober 2006

Einsortiert unter: Deutschland,Islam,Medien,Politik — peet @ 18:26 Uhr
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Diese Frage beantworten sie unabhängig voneinander, aber auf eine ähnliche Weise. Monolithische Kulturen, in diesem Fall Deutschland und Holland, werden hier mit ihren dunklen Seiten konfrontiert. Es ist bitter, dass die beiden gehen (immerhin in die USA und dazu noch in gute Hände). Es ist damit zu rechnen, dass der Präsident der Universität in Gottingen nicht zurücktritt wie seine holländische Minister-Kollegin. Dies wird aber offen gelegt und klar sichtbar als große Schande für Deutschland gezeigt. Angeprangert. Das tut gut.

Die wichtigsten Texte der letzten Tage in diesem Zusammenhang:

ein Interview mit Bassam Tibi bei “Spiegel” (Link). Daraus einige Fragmente:

Selbst die verhältnismäßig moderate türkische Organisation Ditib sagt, es gebe keinen Islamismus, es gebe nur Islam und Muslime – alles andere sei Rassismus. Dann können sie Religionskritik nicht mehr leisten. Der Rassismusvorwurf ist eine in Deutschland sehr wirksame Waffe. Das wissen die Islamisten: Wenn sie den Vorwurf erheben, jemand schüre das “Feindbild Islam”, macht die europäische Seite einen Rückzieher. Mich hat man auch mit diesem Dreck beworfen, dabei kann meine Familie ihre Genealogie zurückverfolgen bis Mohammed, und ich selbst kann den Koran auswendig. (…)

Die Muslime müssen sich von drei Dingen trennen, wenn sie Europäer werden wollen, und zwei Dinge neu definieren. Sie müssen Abschied nehmen von der Pflicht, andere zu missionieren, und vom Dschihad. Denn das bedeutet nicht nur Pflicht zur Selbstanstrengung – Dschihad heißt auch Einsatz von Gewalt zur Verbreitung des Islam. Und die dritte Sache ist die Scharia, das islamische Rechtssystem, das unvereinbar ist mit dem Grundgesetz. (…)

Pluralismus und Toleranz sind Bestandteil der Moderne. Damit muss man sich arrangieren. Aber Pluralismus heißt nicht nur Vielfalt, sondern dass wir dieselben Regeln und Werte teilen, aber dennoch anders sind – auf dieser Basis. Im Islam gibt es das nicht. Genauso wenig wie Toleranz. Im Islam bedeutet Toleranz, dass Christen und Juden unter der Herrschaft der Muslime als Schutzbefohlene leben dürfen, aber niemals als gleichberechtigte Bürger. Was die Muslime Toleranz nennen, ist nichts anderes als Diskriminierung. (…)

Wir brauchen auch bei den Deutschen einen Kulturwandel. Es kann nicht sein, dass nur der, der hier geboren ist und ethnisch deutsche Eltern hat, als Deutscher gesehen wird. Dabei haben schon fast 20 Prozent der Menschen, die in Deutschland leben, einen Migrationshintergrund. Das Problem ist: Deutschland kann den Fremden keine Identität anbieten, weil die Deutschen selbst kaum eine haben. Das ist wohl eine Folge von Auschwitz. Die Stärke Amerikas ist, dass es in eine Gemeinschaft aufnehmen kann.

ein Artikel von Bassam Tibi im “Tagesspiegel” (Link). Daraus:

Auf Dauer fühle ich mich fremd in diesem Land und werde entsprechend behandelt. Ich wandere aus, weil ich dieses Fremdsein nach 44 Jahren nicht mehr ertrage. Klar ist, dass ich, der schwer Integrierbare, kein Einzelfall bin. Die Mehrheit der hier lebenden „Ausländer“ ist als fremd einzuordnen; selbst ethnisch Deutsche aus Zentralasien, die auf der Basis ihres angeblich deutschen Blutes hineingelassen wurden, entdecken hier ihr Russischsein und fühlen sich genauso wie ich. Warum? Weil uns dieses Land keine Identität gibt. Dem „Spiegel“ sagte ich: „Wenn die Deutschen nach Auschwitz keine Identität haben, wie können sie dann Fremden eine geben?“ Statt zusammen mit uns Fremden an der Entfaltung einer zivilgesellschaftlichen Bürgeridentität zu arbeiten, entwickeln sich „die Deutschen“ – so der prominente Deutsche Mario Adorf – zu einem „Volk von Miesmachern“.

Ich wandere auch aus, weil ich glaube, Deutschland mehr zu lieben, als viele Deutsche es je getan haben. Aber ich habe es satt, ein „Syrer mit deutschem Pass“ zu sein, der seinem miesepetrigen Gastvolk dafür danken soll, dass ihm die Erfüllung des „deutschen Bürgertraums“ (laut „Zeit“-Artikel) gewährt wurde. Das Leben als C3-Professor an der Provinzuniversität Göttingen als „deutschen Bürgertraum“ zu bezeichnen, ist erbärmlich. Vor 1933, als jüdische Gelehrte an ihr wirken durften, hatte diese Universität einen großen Namen. Seit deren „Ausmerzung“ ist sie nicht mehr das, was sie einmal war. Warum habe ich es so lange in Göttingen ausgehalten? Ich blieb aus Liebe zu meiner Göttinger Frau, die an ihre Familie gebunden war. Und: Deutschland ist größer als Göttingen, bloß nicht für Ausländer. Auch meine Liebe zur deutschen Sprache und Kultur hat mich in diesem Land gehalten.

Was den Fremden – und vielen deutschen Weltbürgern – in der politischen Kultur Deutschlands fehlt, ist das, was die Amerikaner „sense of belonging“ (Zugehörigkeitsgefühl) nennen. Wenn nach 40 Jahren des Schaffens an einem modernen Islam, an Konzepten der Integration und an einem zivilgesellschaftlichen Konsens meine Bücher als „semi-wissenschaftlich“ tituliert werden, wenn der Bundestagspräsident die Leitkulturdebatte – ohne meinen Namen als Schöpfer des Begriffs zu nennen – neu beleben will, die Kanzlerin mich von ihrem Integrationsgipfel ausschließt und der Innenminister einen verhunzten deutschen Islam dem europäischen Islam vorzieht, dann frage ich mich, was ich hier noch soll.

ein “Lebensbericht” von Bassam Tibi (Link). Daraus:

Meine Liebe zu Deutschland und seiner Universität wurde in den vergangenen Jahrzehnten nicht mit Gegenliebe, sondern mit Ausgrenzung und Verachtung erwidert. (…) Wie bereits ausgeführt, folgte ich 1973 der Berufung an die Universität Göttingen ohne zu ahnen, dass ich nach 32 Jahren Lehr- und Forschungstätigkeit in Göttingen selbst Gegenstand einer Aktion werden würde, die von dem angeführten Universitätspräsidenten Kurt von Figura öffentlich mit den in der demokratischen Presse mit Befremden aufgenommenen Worten „Schwachstellen ausmerzen“ tituliert wurde. Es folgten Diffamierungen in Bezug auf die erbrachten wissenschaftlichen Leistungen. Bemerkenswert und erstaunlich ist, dass sich keiner der Professoren aus anderen sozialwissenschaftlichen Fächern über den Jargon der „Ausmerzung der Schwachstellen“ empört hat. Das ist auch Göttingen! (…) Hätte ich nicht das oben beschriebene Doppelleben, das mich an 30 Universitäten auf vier Kontinenten geführt hat, wäre ich in Göttingen geistig verarmt. Mich ermutigt es und es erhält trotz allem meine Liebe zu Deutschland, dass es außer dem Göttinger Universitätspräsidenten und der ihn unterstützenden Lokalzeitung in der Bundesrepublik noch eine demokratische Presse gibt, die sich wie ich über die beschriebenen Anklagen des Universitätspräsidenten von Figura aufregt. Die Zeit, die FAZ, der Tagesspiegel, die SZ etc. haben empörte Artikel über die Göttinger Politik der „Ausmerzung von Schwachstellen“ veröffentlicht. Das ist ein guter Aspekt des demokratischen Deutschlands. (…) Zum Abschluss kündige ich in Trauer an, dass ich  nach meiner Pensionierung 2009 nicht mehr zur Universität Göttingen gehören möchte. Die Cornell University gibt mir eine Identität. Sollte es keine große Wende vor meiner Pensionierung geben, die mich zur Versöhnung veranlasst, dass ich Göttingen in guter Erinnerung verlassen kann, würde mir nur übrig bleiben, mit den Worten Heinrich Heines von Stadt und Universität Abschied zu nehmen: Beide sind „am besten mit dem Rücken“ anzusehen. Das ist die traurige Lebensbilanz eines Ausländers and der Georg-August-Universität und ich wünsche mir von Herzen, sie wäre anders.

ein Interview mit Ayaan Hirsi Ali in der FAZ (Link). Daraus:

Ich unterscheide grundsätzlich zwischen der Philosophie des Islam und den Muslimen. Ich rede nicht über die Muslime, sondern über die Religion. Und da steht für mich fest, daß der Islam mit der liberalen Gesellschaft, wie sie sich im Gefolge der Aufklärung herausgebildet hat, nicht vereinbar ist. Wenn man diese Feststellung für plausibel hält, dann ist es nur richtig, die Muslime auch damit zu konfrontieren. Stattdessen verirren sich die Debatten im Taktischen, alles Problematische wird in Nebel gehüllt und am Ende läßt man sich darauf ein, zu sagen: Der Islam ist Frieden, Mitgefühl, Barmherzigkeit. Weil man Mitleid mit Minderheiten hat, die im Alltag nicht selten massiven Diskriminierungen ausgesetzt sind, glaubt man, es sei besser, die Dinge nicht beim Namen zu nennen. Das ist falsch. Es wäre erwachsener, sich gegenseitig die Wahrheit zu sagen. (…)

Nehmen Sie ein paar Beispiele: Im Islam beginnt das Leben erst im Jenseits. Sie müssen sterben, um zum Leben zu gelangen. In unseren Rechtsstaaten schützt der Staat das Leben. Dazu verpflichten ihn die Gesetze, und die Gesetze werden vom Volk gemacht. Das ist ein vernünftiger Aufbau, ein säkulare Verfassung. Im Islam gibt es so etwas nicht. Der Islam anerkennt individuelle Rechte nicht als Wert an sich. Man unterwirft seinen Willen dem Willen des Propheten und erhält erst dadurch Rechte und Pflichten. (…)

Die erste Stufe von Dschihad meint tatsächlich den inneren Kampf, die eigene Unterwerfung zu bewerkstelligen, also fünfmal am Tag beten, den Koran lesen, am Ramadan fasten und nach Mekka pilgern. Dann gibt es die Stufe der Mission, friedlich zuerst. Aber die problematische Dimension des Dschihad ist dann erst die nächste Stufe. Sie folgt dem Koran, der sagt, Friede sei erst dann möglich, wenn alle dem Glauben unterworfen sind. Wenn der von Ihnen zitierte Islam-Vertreter ehrlich wäre, müßte er sagen: Letzteres schreibt uns unsere Religion vor, aber wir werden es nicht tun. So wird die Frage nach der Friedlichkeit des Islam zu einer Frage des Vertrauens. Hier im Westen nehmen die Leute erst einmal an, die Aussage eines Gesprächspartners sei auch so gemeint. Die Generalunterstellung ist erst einmal die, daß man sich die Wahrheit sagt. Im arabisch-islamischen Raum ist das nicht unbedingt so, denn es gibt keine Notwendigkeit, einem Ungläubigen gegenüber wahrhaftig zu sein. Es führt nicht weiter, an diesen fundamentalen Punkt nicht rühren zu wollen. (…)

Ramadan sagt, was wir alle hören wollen. Ich habe seinen letzten Text über den Papst gelesen. Im ersten Absatz verurteilt er die gewalttätigen Proteste, schreibt, Muslime dürften sich darüber nicht in dieser Form aufregen. Da dachte ich: Wow! Musik in meinen Ohren. Aber wenn man dann weiterliest, fällt auf, was er nicht sagt. Ramadan weicht konsequent der Auseinandersetzung um die aufgeworfene Gewaltfrage aus. Das finde ich nicht in Ordnung. Er gehört für mich zu den Vertretern des Islam, die die Diskussion einäugig führen möchten. Die einfach weglassen, was nicht in die friedliche Wunschvorstellung paßt. Ich kann mir nicht vorstellen, wie er bei einer derart einseitigen Argumentation irgendjemanden überzeugen will, daß Islam und westliche Lebensweise zu versöhnen wären. Es muß doch nur eine junge muslimische Frau ankommen und sagen: Ich möchte mit einem nicht beschnittenen Nicht-Muslim zusammenleben. Da würde die Vision des Euro-Islam schon erste Kratzer kriegen. Ramadan redet über den Islam, wie er sein sollte, nicht über den Islam, wie er ist. Man kann aber kein ehrliches Gespräch auf der Basis von Verdrängungsleistungen führen. (…)

Der Ausgangspunkt muß der Prophet sein. Er hat sich selbst als Bote Gottes bezeichnet. Er ist nicht gottgleich, sondern fehlbar, eben ein Mensch, der Gottes Wort verkündet. Wir sollten also alle mit den Menschenrechten vereinbaren Bestandteile seiner Lehre behalten, aber den Rest eben in seinem historischen Kontext, der arabischen Halbinsel des siebten Jahrhunderts belassen. Der zweite Schritt wäre festzustellen, daß auch der Koran nicht von Gott stammt, sondern 150 Jahre nach dem Tod Mohammeds von Menschen verfaßt wurde. Darin stehen viele Dinge, die wir heute überwinden sollten. Die Menschheit hat sich schließlich seitdem enorm entwickelt. Und der dritte Punkt ist die Sexualdoktrin. Ich spreche vom Dogma der Jungfräulichkeit vor der Ehe. Wenn wir das überwinden, werden die Frauen frei sein. (…)

Statt die Hamas mal regieren zu lassen, eine Verwaltung betreiben zu lassen, wo sie recht schnell in Konflikte mit ihrer Scharia geraten würde, hilft die Europäische Union, die Widersprüche aufzulösen, in dem sie zahlt, so daß die Hamas das Geld nur zu verteilen braucht. Wir nennen die Hamas völlig zurecht eine kriminelle Vereinigung, aber werfen ihr auch noch das Geld hinterher! So halten wir die Palästinenser und die anderen arabischen Bevölkerungen in erbärmlichen und rückständigen Verhältnissen. (…)

 

Viermal lebenslang Dienstag, 3. Oktober 2006

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 6:46 Uhr
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Am 27.9. berichteten israelische Zeitungen, dass Ascher Weisgan, ein israelischer Terrorist, zur viermaligen lebenslangen Strafe verurteilt wurde. Keine Meldung darüber ging durch die deutsche Presse. Nur die Newsletter der israelischen Botschaft in Deutschland, Nachrichten vom Israelnnetz (Link) und ein Blogger namens Eliezer brachten diese wichtige Nachricht weiter. Das Posting des Bloggers wurde sofort zugemüllt (Link). Kein Wunder, denn da wurde die Frage gestellt, wann denn werden palästinensische bzw. arabische Terroristen von ihren eigenen Gerichten verurteilt? Dieselbe Frage in einem amerikanischen Blog blieb unkommentiert (Link).

 

Genug Klesmer, gebt uns Matisyahu Sonntag, 1. Oktober 2006

Einsortiert unter: Musik,YouTube — peet @ 17:31 Uhr
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Passend zu den jüdischen Festlichkeiten verlinke ich ein wunderbares Musikvideo mit einem hassidischen Reggaesänger Matisyahu:

 

Volkmar Sigusch über das sexuelle Verhalten in Deutschland

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 17:09 Uhr
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In einem Interview für die “Süddeutsche” skizziert Volkmar Sigusch, nach seiner Schilderung einer der letzten Sexualwissenschaftler dieses Landes, die Lage auf seinem Gebiet. Einige Fragmente daraus (Link):

Es ist vor allem schwierig, Liebe zu stabilisieren. Und viele Menschen sind unbefriedigt! 95 Prozent der sexuellen Ereignisse finden in festen Beziehungen statt – und die 24 Prozent Singles müssen mit ein paar Prozent zurechtkommen. Gleichzeitig wird von den Medien und der Werbung vorgemacht, es könnte jeder Mann die tollsten Frauen haben. Das ist alles nicht die Realität!
(…) Es gibt nur noch das Institut in Hamburg, das zur Psychiatrie gehört, aber immerhin selbstständig ist. An der Berliner Charité gibt es ein kleines medizinisches Institut, das aber Positionen vertritt, die ich nicht teile. Und in Kiel gibt es eine kleine Forschungs- und Beratungsstelle. Alles in der Hand der Medizin. Die Sozialwissenschaft ist raus.

In einem (allerdings ansonsten vulgärmarxistischen) Artikel kann man nachlesen (Link):

Wenn aktuelle Erhebungswerte zutreffen, haben 35jährige Singles eine geringere Koitusrate als eine verheiratete 60jährige Hausfrau. Neueste Untersuchungsergebnisse lassen selbst daran zweifeln, ob zwischen den Jugendlichen der sexuelle Umgang unkomplizierter geworden ist, als es vor drei Jahrzehnten der Fall war. Sie wissen mehr über sexuelle Techniken, ohne aber daß von Aufklärung gesprochen werden kann, die ein erweitertes Maß an Selbstbestimmung ermöglichte.

Der Sexualforscher Volkmar Sigusch zeichnet die Welt der gegenwärtigen Sexualbeziehungen mit ihrem Egoismus und Dispersionen, ihren bizarren Ersatzhandlungen und narzißtischen Inszenierungspraktiken, ihrem kalten Selbstbefriedigungsdrang (der Kinderprostitution, Sextourismus und Gewaltpornographie mit einschließt) und ihrer ästhetisierten Lustlosigkeit als ein Horrorgemälde in der Tradition Hieronymus Boschs.

Siguschs Kommentar zu der WM-Kampagnie gegen Zwangsprostitution ist auch lesenwert (Link):

“Prostitution gehört in diese Gesellschaft wie das Amen in die Kirche”, sagte Volkmar Sigusch, international renommierter Sexualwissenschaftler der Frankfurter Universität. Die WM-Kampagne gegen Prostitution sei “an Bigotterie nicht mehr zu überbieten”. Die Debatte sei “von A bis Z verlogen, was mich schrecklich aufregt”, gestand Sigusch. Prostituierte seien nicht würdelos, betonte er. Sie leisteten vielmehr “eine Art Sozialdienst”, indem sie vor allem “aggressiv veranlagte junge Männer besänftigen”. Wer von Zwang und Menschenhandel spreche, sollte seinen Blick auf den Bereich der privaten häuslichen Kranken- und Altenpflege richten, wo ebenfalls viele ausländische Frauen ohne Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis “zum Teil wie Sklaven behandelt und schlecht bezahlt werden”. Würde die Polizei dort einmal Razzien machen, müsste sie in viele “gut bürgerliche Haushalte eindringen”, vermutet Sigusch.

 

 
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