Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Unsere Freunde bei Al-Dschasira Montag, 11. Dezember 2006

Filed under: Allgemein — peet @ 8:47 Uhr
Tags: , , ,

Voll begeistert ist die “Süddeutsche” über eine Al-Dschasira-Reporterin, die zur Zeit ihr Praktikum in Deutschland macht, nämlich beim “Kinderkanal” in Erfurt. Sie träumt davon, mal auch im Bunker und auf dem Kriegsplatz zu drehen (Link). Hoffentlich hat der Kinderkanal auch etwas davon.

Nebenbei wird der Al-Dschasira im Artikel lobend “der einzige unabhängige Sender im Nahen Osten” genannt. Glückwunsch! Zum Vergleich empfehle ich das großartige Interview mit dem Chef-Redaktor des Senders, Ahmed Sheikh, das Pierre Heumann in der “Weltwoche” publik gemacht hat (Link). Der Abschluss davon ist hervorragend:

Der Tag, an dem Israel gegründet wurde, legte das Fundament für unsere Probleme. Der Westen sollte das endlich verstehen. Es wäre viel ruhiger, wenn die Palästinenser zu ihrem Recht kämen.

Wollen Sie damit sagen, dass es ohne Israel plötzlich Demokratie in Ägypten gäbe, dass die Erziehung in Marokko besser wäre, dass die staatlichen Kliniken in Jordanien effizienter wären?
Ich glaube schon.

Erklären Sie mir doch bitte, was diese Probleme mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt zu tun haben.
Die palästinensische Sache ist zentral für das arabische Denken.

Geht es am Ende etwa um Selbstwertgefühle?
Genau. Es geht darum, dass wir stets gegen Israel verlieren. Die Leute im Nahen Osten wurmt es, dass ein so kleines Land wie Israel mit rund 7 Millionen Einwohnern die arabische Nation mit 350 Millionen Bürgern besiegen kann. Das schadet unserem kollektiven Ego. Das palästinensische Problem ist in den Genen eines jeden Arabers. Und das Problem des Westens ist es, dass er dies nicht versteht.

Na ja, die “Süddeutsche” versteht das ganz gut.

 

Kasparow bei Christiansen ausgeladen

Bei der wie immer spannend substanzlosen Show mit Sabine Christiansen wurde noch ein politisch brisantes Thema zerredet: Russland. Ein realer Kritiker wurde dabei vorsorglich ausgeladen, nämlich Garri Kasparow (Link). Werden wir je erfahren, warum? Denn die vorgegebenen “technischen Gründe” sind wenig glaubwürdig.

Mich interessiert allerdings die Reaktion der Medien. Wird sie genauso oder wenigstens vergleichbar ausfallen, wie neulich in der Tony-Judt-Affäre, als die deutschen Zeitungen ausser sich waren(Link)? Bis jetzt habe ich nur eine entsprechende Meldung, eher klatschreportähnlich, in der “Welt” gefunden (Link) und eine Erwähnung bei der “Süddeutschen”.

 

Julian Nida-Rümelin überführt Samstag, 9. Dezember 2006

Filed under: Allgemein — peet @ 17:16 Uhr
Tags: ,

Auch wenn die FAZ ihr spezielles Süppchen aus der gelungenen Provokation der Zeitschrift “Tempo” kocht, die Tatsache selbst ist peinlich: Der ehemalige Minister Nida-Rümelin zeigte sich mit den Idealen einer erfundenen deutsch-nationalen Akademie konform und wollte mitmachen, ohne Hitlers Zitate erkannt zu haben etc. Wird diese Enthüllung Folgen haben? (Link)

Nida-Rümelins Reaktion ist ein Symptom der voranschreitenden Entkopplung akademischer Eliten von der bundesrepublikanischen Wirklichkeit, in der die Demokratie eben nicht wie eine geographische Gegebenheit in der Landschaft liegt, sondern täglich neu aufgestellt werden muß.

 

Hamburger versus Verleger

Ich wette, der offene Brief von Arno Hamburger (Link) wird von keiner deutschen Zeitung übernommen. Rolf Verleger wird weiter im Rampenlicht stehen und verkünden, Kritik an Israel sei unerwünscht. Alles nach dem bekannten Muster.

 

Rolf Verleger ist nicht zu vernachlässigen Montag, 4. Dezember 2006

Nach dem medialen Spektakel mit dem “guten Juden” Verleger, den die TAZ und die “Süddeutsche” vor einigen Monaten installiert haben, läuft die Sache wie von selbst weiter. Der Prof. reist durchs Land, sammelt Unterschriften und hält Vorträge. Zeitungen sind ausser sich vor Begeisterung. Ein schönes Beispiel ist heute bei der HNA (Kassel) nachzulesen. Die Zeitung heißt “Hessisch-Niedersächsische Allgemeine”, der Autor trägt den Namen Stefan Löwer und berichtet unter anderem (Link):

Die Zahl der Toten durch palästinensische Raketenangriffe auf Israel nennt Verleger “eine vernachlässigbare Größe gegenüber der Zahl der Opfer der israelischen Anti-Terror-Politik”.

Ich bin auf die weiteren Perlen gespannt, die noch kommen werden. Drei Leserbeiträge dazu verteilen sich folgendermaßen: Der eine macht Prof. Verleger auf seine Widersprüche aufmerksam. Der andere wünscht dem ersten den schnellen Weg nach Israel und die dritte ist noch verlegerischer als Verleger:

endlich stehen Juden auf und wehren sich gegen die Bevormundung durch den Zentralrat der Juden in Deutschland und üben Kritik an der israelischen Palästinenserpolitik. Wenn das israelische Volk nicht langsam aufwacht,gibt es bald nur noch Gewalt im Nahen Osten.

Prof. Verleger kann zufrieden sein. Seine Gefolgschaft wird sehr schnell wachsen. Ist sein Interview mit der “Jungen Freiheit” schon geplant?

 

 
Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 25 Followern an