Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Regietheater in der Oper Donnerstag, 22. Februar 2007

Filed under: Bremen,Medien,Musik,Theater — peet @ 8:43 Uhr
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Warum erscheint der folgende Text nur als Leserbrief? Ich möchte den Autor unterstützen und zitiere ihn, denn schon morgen ist der Text verschwunden. In Kürze: Das Problem des Regietheaters in der Oper ist nicht die Freiheit eines Regisseurs, sondern der Missbrauch dieser Freiheit. Der leider anstatt eine Ausnahme zu sein zur Norm gemacht wird. Medien loben oder zerreißen, zweifeln an der Sache selbst keinesfalls. Das Publikum kann sich kaum wehren. Nur in der Form eines Leserbriefs wie dieser (Link):

Zum Thema “Die Macht des Schicksals”:
Eine Verhöhnung

Wer gibt eigentlich Regisseuren das Recht, Meisterwerke von Genies nach ihren eigenen abwegigen Ideen völlig zu verfremden und oft gegen den gesungenen Text zu inszenieren? Nach dem Motto “das Publikum versteht ja doch den italienischen Text nicht!” Eine Verhöhnung des Publikums.

Immer wird das mit dem Recht auf Freiheit der Kunst verteidigt. Hat der Komponist denn kein Recht auf Wiedergabe seines Werkes, so wie er es gedacht und geschrieben hat? Wir erleben gerade in Berlin, wie ein schöpferischer Künstler um die Ausführung seiner Idee kämpft. Der Architekt des Hauptbahnhofes klagt vor Gericht gegen die Bahn AG, weil sie seinen Entwurf eigenmächtig und ohne ihn zu fragen abgeändert und in seinen Augen verschlechtert hat. Er findet viel Zustimmung in der Öffentlichkeit und hat auch gute Chancen, vor Gericht zu gewinnen.

Und in der Oper? Eine weitere Feststellung: In der Musik hat sich seit etwa dreißig Jahren mehr und mehr durchgesetzt, alte Stile ihrer Entstehungszeit und mit den Instrumenten der Zeit aufzuführen, so wie der Komponist sich das gedacht hat. Und in der Oper? Jeder Regisseur darf heute mit abartigen Ideen ein Meisterwerk verstümmeln. Was hat eine Vergewaltigung und Kindesschändung mit Verdis Oper zu tun? Genügt nicht der verknöcherte Stolz des alten Vaters, der eine Verbindung seiner Tochter mit einem Mestizen empörend findet und die krankhafte Ehr- und Rachsucht des Bruders? Aber der kann sich ja nicht einmal erklären, denn seine entsprechende Arie wurde gestrichen. Und genügt für das Trauma der Leonore nicht ihr Gefühl der Mitschuld, weil sie ja Alvaro zu ihrem Vater gebracht hat, den Alvaro dann aus Versehen erschießt als er die Pistole wegwirft?

Und was hat in der Klosterszene eine Vergewaltigung zu suchen? Bei Verdi wissen die Mönche doch gar nicht, dass eine Frau vor ihnen steht. Und der Pater Guardian verflucht bereits im Voraus denjenigen, der das Geheimnis um die arme Seele, wie er Leonora nennt, zu erkunden wagt. Und zu diesem Text dann eine Vergewaltigung! Dazu beten die Mönche dann in einer wunderschönen abgeklärten Musik, Gottes heiliger Engel möge das neue Mitglied des Ordens beschützen. Man kann sich doch nur noch an den Kopf fassen! Weshalb muss überhaupt immer mit den Keulenschlägen der Sexualität auf das Publikum eingedroschen werden? In der Hamburger Inszenierung von Don Carlos genügt es nicht, dass die Eboli der Königin ihren Ehebruch mit dem König beichtet. Nein, in der großen Szene des Königs liegt die Eboli neben ihm auf einer Matratze und zieht sich gerade den Träger ihres BHs hoch. Dazu singt der König dann “Sie hat mich nie geliebt!” Und weshalb muss im Kerker, in dem Florestan im “Fidelio” im Hungerfieberwahn eine Vision von seiner Frau als Rettungsengel hat, ein nacktes Mädchen auftauchen? Man könnte noch stundenlang weitere Beispiele abartiger Inszenierungen anführen.

LEONHARD HUCHTING, BREMEN

 

Grosser Skandal Sonntag, 18. Februar 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 11:11 Uhr
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Als ich mich am 3.2.2007 über den Grosser-Text in der TAZ monierte, konnte ich nur ahnen, dass dahinter ein nächster antisemitischer Skandal der neuesten deutschen Geschichte heranwächst (Link). Die Wirklichkeit ist wie immer erfindungsreicher als die Phantasie.

Der in die Farben der heiligen Empörung getünchte Grosser-Brief ist am 3.2. erschienen, so weit so gut. Aber den großen Grosser-Text, der im Februar-Heft der Zeitschrift “Internationale Politik” veröffentlicht wurde, hat die Redaktion seit dem 3.1 bearbeitet und am 26.1 fertiggestellt (Link). Kann man davon ausgehen, dass die TAZ und die “Internationale Politik” gemeinsam arbeiten? Ist es eine selbständige Initiative eines rüstigen 83-jährigen?

Der große Grosser-Artikel ist ein neuer Beitrag zur antisemitischen Literatur, an prominenter Stelle platziert, eine Schande und ein Skandal. Kaum eine Reaktion in den Medien. Zwei würdige Verrisse in Blogs – kurz bei Clemens Wergin (Link), ausführlich bei Hector Calvelli (Link).

Das Broder-Grosser-Thema interessiert das Publikum offensichtlich viel mehr. So erlaubt sich Christian Bommarius in der “Berliner Zeitung” Töne, die viel mehr über ihn selbst offenbaren als über die betroffenen Personen (Link). Dass aber in der Zeitung ein professioneller Journalist so ausrastet, ist ein Symptom.

 

Ausgrabungen live Freitag, 16. Februar 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 12:05 Uhr
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Wer sonst nichts zu tun hat, kann die Ausgrabungen  unter der Fussgängerbrücke an der Tempelmauer in Jerusalem über drei Webcameras verfolgen (Link). Die Seite baut sich langsam auf: Offensichtlich ein großer Anlauf der besorgten Gläubigen und Ungläubigen. :-)

Die Seite beinhaltet übrigens weitere Infos zum Thema.

Ansonsten würde ich noch drei Webcams empfehlen, die einem das jüdische Leben um dieselbe Mauer, eigentlich an den Resten des Tempels, nahebringen (Link). Eigentlich sehr lehrreich.

 

Eine Brücke in Jerusalem als Politikum Sonntag, 11. Februar 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 15:44 Uhr
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Auch wenn ich davon ausgehe, dass die meisten Leser mündig sind und sich in dieser Sache selbständig informiert haben, fasse ich doch lieber kurz zusammen, was dazu gehört.

Eine Touristenattraktion an der Tempelmauer in Jerusalem ist reparaturbedürftig geworden. Entsprechende Ministerien und Behörden haben die Umbaumaßnahmen geplant und untereinander abgesprochen. Die Arbeit wurde aufgenommen. Nun ist der Verteidigungsminister Peretz beleidigt, er wurde zu wenig informiert, meint er. Anstatt die Information, die er braucht, direkt anzufragen, schreibt er einen Offenen Brief. Die Presse ist glücklich, schließlich ist das ein Beweis dafür, dass der Verteidigungsminister mit dem Premier-Minister des Landes gar nicht kommuniziert. Noch mehr haben sich militante Muslimbrüder gefreut und schnell daraus ihre eigene Suppe gekocht. Die Brücke, die hinter der Mauer repariert wird, wurde kurzer Hand zu einer heiligen muslimischen Stätte umdefiniert, die Hetze ging los. An sich nichts Neues, nur berichten darüber so viele Medien und dies so einstimmig falsch, dass es schon wieder übel wird.

In Bremen war besonders eine Unterschrift zum Foto in der Zeitung “Weser Kurier” am 9.2.2007 interessant. Auf dem Foto der dpa sieht man einen Passanten, der an den Bauarbeiten vorbei geht. Die Zeitung empört sich:

Ungeliebte Bagger: Araber protestieren gegen Bauarbeiten nahe Klagemauer und Al-Aksa-Moschee in Jerusalem. Der orthodoxe Jude, der die Bauzäune passiert, scheint davon unbeeindruckt zu sein.

Ich stelle fest: Die Bauarbeiten laufen nahe der Klagemauer, aber nicht in der Nähe der Moschee. Der orthodoxe Jude kann  die Proteste nicht sehen – sie laufen nämlich ganz woanders, denn die Polizei arbeitet und lässt die Randalierer nicht in die Nähe der Bauarbeiten. Die Zeitung wirft also dem orthodoxen Juden vor, dass er der dpa über den Weg lief. Hat die Zeitung so wenig Phantasie? Zum selben Foto würde auch so eine Unterschrift passen: “Der orthodoxe Jude wendet sich von dem Anblick der Bauarbeiten ab aus Solidarität mit den Protesten seitens der UNESCO und Moslembrüder”. Oder: “Der orthodoxe Jude bereitet sich auf die Belagerung der Moschee vor”. Oder: “Ein als orthodoxer Jude verkleideter deutscher Friedenskämpfer besichtigt heimlich Bauarbeiten”. Weitere Varianten kann jeder nach diesem Rezept erfinden. Sie werden alle passen oder auch nicht – je nach der Einstellung.

Genauso wie neulich nach dem Selbstmordattentat in Eliat haben deutsche Zeitungen brav das Foto und den Namen des Mörders auf die erste Seite platziert und ihn zu den Opfern gezählt. Die Namen der israelischen Opfer wurden verschwiegen.

 

Die FAZ über Heinrich Böll Montag, 5. Februar 2007

Filed under: FAZ,Literatur,Medien — peet @ 16:46 Uhr
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Beim Perlentaucher – über die FAZ von heute – aufgelesen (Link), die Kollegen sind wieder in der Höchstform:

Jochen Hieber gibt im Aufmacher anlässlich der jüngsten Neuauflage der RAF-Debatte noch mal sachdienliche Hinweise im aktuellen Kampf gegen Katharina Blum: “Bölls Untertitel lautet: ‘Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann’. Dieses Versprechen löste ‘Die verlorene Ehre der Katharina Blum’ schon Mitte der siebziger Jahre nicht ein. Denn beide, Buch wie Film, sehen die Hauptverantwortlichen für die ‘Gesinnungslage der Nation’ nicht in den Terroristen, sondern bei Staat, Massenmedien und Gesellschaft.”

Köstlich!

 

Nächster Broder-Skandal Samstag, 3. Februar 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 18:35 Uhr
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Die Taz übertrifft sich selbst. Weil Broder einen Ludwig-Börne-Preis bekommt, kann sie nicht schweigen. Genauso wie Biermann, wird Broder massivst angegriffen. Der heutige Artikel von einem 83-jährigen Juden, der für die Pressfreiheit auftritt und Broder verbieten will, ist in der besten Tradition geschrieben (Link). Man kann davon ausgehen, dass die nächsten “guten Juden” in ihren Startlöchern fleißig sind. Ein guter Jude da, ein böser hier, und die Taz erfüllt ihren Job, man darf gespannt sein – auf die Fortsetzung der nächsten antisemitischen Story. Die Taz weiß, was für die Juden besser ist, wie sie sein müssen…

 

 
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