Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Ackermanns Gehalt und Medien Donnerstag, 29. März 2007

Am 27.3.2007 wurden die Gehälter von Top-Managern für das Jahr 2006 bekanntgegeben. Darunter Josef Ackermann von der Deutschen Bank, mit seinen 13 200 000 Euro. Wie wurde diese Nachricht journalistisch verarbeitet?

Die meisten Zeitungen vermeldeten es und beließen es dabei, ohne Kommentare. In einigen Fällen wurden Forenbeiträge zugelassen, so dass die Leser mit ihren Meinungen die Aufgabe der Redakteure übernommen haben, einige sogar sehr gut. Fast alle Blogger haben diese Nachricht ignoriert. Sollte man das noch kommentieren?

Eine merkwürdige Mischung aus Neid und Bewunderung gegenüber Ackermann selbst einerseits und aus feiger Verschwiegenheit und Resignation in der Bewertung der Nachricht und deren Hintergründe andererseits ist das Resultat der Stöberns durch die Publikationen im Internet. Insgesamt sieht das nicht gut aus.

Und jetzt die Beispiele.

Die einzige Zeitung, die Ackermann der Sittenwidrigkeit überführt (Link), ist die TAZ. Jan Feddersen und Klaus-Peter Klingelschmitt verteilen die Rollen untereinander: Der erste mischt Ironie mit Heuchelei:

Wir wollen ihn nicht noch weiter ehren mit unserem Neid. Das Schlimmste steht ihm ja noch bevor: eine Entourage voller Devotlinge und Schleimgeister, die wollen, was er hat. Dieser Ackermann bekommt die Kohle ohnehin weitgehend als Schmerzensgeld – weil er all die Rivalen ausgestochen hat, die nicht so gruppendynamisch, also karrieregeschmeidig operierten wie er. Und nun ihre Missgunst verstecken. Nein danke, ohne uns! 

Der zweite geißelt:

Das waren 36.164,38 Euro pro Tag. In der Stunde “verdiente” Ackermann 1.506,84 Euro. Und in der Minute immerhin noch 25 Euro und 11 Cent. Sittenwidrig? Ja. Und diese (Be-)Wertung hat mit Neid nichts zu tun. [...] Mit 1 Million Euro, “dem Spitzengewinn bei Jauch”, wären beide angemessen ausgestattet. Alles darüber hinaus ist Verschleuderung von Volksvermögen, das doch, “wenn es schon nicht an alle Beschäftigten ausgeschüttet wird”, wieder investiert werden könnte.

Merken wir uns: Klingelschmitt zählt 365 Arbeitstage à 24 Stunden :-)

Die “Tagesschau” stellt zwei Beiträge zum Thema online und erklärt auf diese Weise zwei Sachen. Erstens den Grund für die astronomisch hohe Entlohnung Ackermanns (Link):

Die Bank hatte für 2006 den höchsten Gewinn ihrer Geschichte ausgewiesen.  

Zweitens zeigt Marc Dugge im Vergleich die Situation in den USA und widerlegt damit die Argumentation der Ackermann-Verteidiger (Link):

Befürworter hoher Managergehälter verweisen gern auf die USA, wo derartige Spitzengehälter angeblich völlig normal sind. Stimmt das? [...] Die Mega-Einkünfte der Wirtschaftsbosse sind ein Dauer-Aufreger in den USA – und alles andere als allgemein akzeptiert. Rodger Hodgson vom wirtschaftskritischen Forschungsinstitut “Corporate Library”: [...] In zwei Dritteln der US-Unternehmen ist der Firmenchef gleichzeitig Vorsitzender des Aufsichtsrats – und der darf die anderen Mitglieder des Aufsichtsrats vorschlagen. Das sind in der Regel Menschen, die ihm genehm sind. Und die ihm aus Dankbarkeit ein ordentliches Gehalt gönnen. Von Kontrolle also keine Spur. [...] “Ist die Höhe des Gehalts bei dem Unternehmensergebnis gerechtfertigt? Es wird wohl eher um solche Fragen gehen als darum, ob 30 Millionen Dollar Gehalt zuviel oder zuwenig sind.”

Genau das ist die Sichtweise vieler Amerikaner: Wenn jemand ein Unternehmen zum Erfolg führt und den Aktienkurs steigen lässt, darf er ruhig Millionen verdienen. Aber auch nur dann.

Die FAZ (Link), die Süddeutsche (Link) und die Rheinische Post (Link) überlassen ihren Online-Lesern die ehrenvolle Aufgabe, die Sache zu kommentieren. Und wie gesagt, einige schaffen das ganz gut, die Journalisten können sich inzwischen wichtigeren Themen widmen. Ein Florian Kraus schreibt in der SZ online – aus meiner Sicht – sehr treffend:

Kaum jemand wird in einer Marktwirtschaft etwas dagegen haben, wenn ein Unternehmer, der ein Unternehmen erfolgreich aufbaut oder leitet und persönlich das Risiko des Scheiterns trägt, sich diese Leistung in sieben- oder achtstelligen Einkommen vergüten lässt, wenn der Markt es hergibt. Das Gleiche gilt auch für Vorstände, die es schaffen, dass ein Unternehmen seinen Wert steigert, auch sie können und sollen gerne an dieser Wertsteigerung partizipieren.

Nur, genau da hakt es in unserer Wirtschaft! Wie sonst konnte eine Niete in Nadelstreifen wie Schrempp, unter dessen Führung der Aktienkurs von Daimler in den Keller ging, dennoch zu den bestverdienenden Topmanagern gehören? Wie sonst können Vorstände, die durch unnötige Fusionen oder andere Fehlentscheidungen Milliarden in den Sand gesetzt haben unter den Topverdienern auftauchen?

Persönliches Risiko? Fehlanzeige! Die Vorstände, die wegen massiver Mißwirtschaft ohne Abfindung nach Hause geschickt wurden, lassen sich an einer Hand abzählen, diejenigen, von denen gar Regress gefordert wurde, müssen erst noch geboren werden. Welcher Arbeitnehmer erhält noch eine Abfindung, wenn ihm Fehler zur Last gelegt werden, die eine Kündigung rechtfertigen? Bei Vorständen jedoch ist es üblich, dann mit goldenem Handschlag in eine kurze Ruhepause geschickt zu werden, bevor ihm ein anderes Unternehmen großzügig Asyl und Salair anbietet (Pischetsrieder ist nur ein Beispiel). Man kennt sich in diesen Kreisen ja und irgend ein Pöstchen findet sich da immer.

Und was die Spitzenergebnisse der Unternehmen betrifft – gleich, ob Deutsche Bank oder Allianz, es ist nicht so schwer, ertragreich zu arbeiten, wenn man Personalkosten durch Entlassungen sozialisieren und Gewinne privatisieren kann. Denn wer zahlt denn die Kosten für die Entlassungen? Letztendlich die Beitrags- und Steuerzahler, also die Allgemeinheit. Gleiches geschieht auch in anderen Branchen: auch die just in time-Produktion bürdet die Lagerhaltung z.B. über den LKW-Verkehr den Bürgern auf, die Folgen des hohen Risikos der AKW wird nicht etwa durch risikogerechte Versicherungsprämien gedeckt, sondern euphemistisch als “Restrisiko” auf die
Gesellschaft verlagert.

Auch der Vergleich mit den USA hinkt, denn dort stellen sich viele Spitzenverdiener wesentlich stärker auch ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, indem sie sich in Stiftungen und als Mäzene engagieren. Aber hier nehmen die zwar gerne die Vorteile amerikanischer Gepflogenheiten in anspruch, wenn es um deren Nachteile (Veröffentlichung etc.) geht, werden die deutschen Regeln vorgezogen.

Niemand neidet Spitzenkräften – egal ob in Sport, Unterhaltung oder Wirtschaft – ihre Einkommen. Wasser zu predigen (Lohzurückhaltung und noch mehr Einsatz, um die Position zu stärken) und Wein zu trinken (Einkommensteigerung +10% und mehr) und das auf Kosten der Gesellschaft – das sind die Rahmenbedingungen, die der Frage, ob solche Einkommen gerechtfertigt sind oder nicht, auch eine ethische Dimension verleihen.

“Hindylop” predigt nicht weniger schön:

Ackermanns Aufgabe ist nicht nur, den Gewinn “seines” Unternehmens sicher zu stellen. Aufgabe Ackermanns (und jedes anderen in ähnlicher Position) ist auch, sich an die Gesetze zu halten. Und, da in prominenter Position, nicht nur an den nackten Wortlaut, sondern an Sinn und Absicht der Gesetze (als Symbolfigur, die er nun mal ist).
In einem dieser Gesetze steht: “Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll ZUGLEICH dem Wohle der Allgemeinheit dienen.” [...] Über dieser Verpflichtung, das eigene Unternehmen optimal zu positionieren, stehen in einem Rechtsstaat doch aber sicher die Grundgesetze. Für die BWLer und andere, die es nie gelesen haben: GG Art. 14,2. überhaupt stehen da noch viele andere schöne Sachen drin, an deren Einhaltung durch die hochbezahlten Symbolfiguren unserer Wirtschaftswelt man beim Lesen der Wirtschaftsseiten so seine Zweifel haben kann. [...] Reine Ideologien führen eben IMMER zu menschenunwürdigen Ungerechtigkeiten – das gilt für die angeblich sozialistischen Staaten ebenso wie für die kapitalistischen. Der Unterschied ist, dass die ersteren ihre Ideologie stolz vor sich her tragen, um sie zu ignorieren. Die zweiteren leugnen, eine Ideologie zu haben (“neutral”), und setzen sie fleißig und mit allen schädlichen Wirkungen in die Tat um.

Die Wirtschaft und ihre Logik sind eben nicht die höchsten gesellschaftskonstituierenden Normen. Stattdessen stehen in unserem Grundgesetz ganz vorn Worte wie: Verantwortung, Würde, Menschenrechte, menschliche Gemeinschaft … – soviel zum Thema, wofür Wirtschaftsführer in erster Linie Verantwortung tragen (sollen). Dass sie diesbezüglich vermehrt in die Kritik geraten und zur Verteidigung selten mehr als “unsere Verantwortung gilt dem Gewinn des Unternehmens” vorgebracht wird – also vom Thema komplett abgelenkt wird – lässt auf die fragwürdige Machtposition schließen, in der sich diese Personen befinden.

“XLarge” bei der RP-Online zählt den Stundenlohn von Ackermann anders als oben:

Dass bei der Debatte um einen Mindestlohn ein Herr Ackermann bei 60h/Woche und 44 Arbeitswochen einen Stundensatz von 5000 EUR hat, gibt mir zu denken – das ist das 666fache des vorgesehenen Mindestlohns von 7,5 EUR (ein Schelm …) Am ersten Arbeitstag hat Herr Ackermann also mindestens das doppelte ”verdient” wie der Mindestlöhner im ganzen Jahr – von 1€Jobs fangen wir besser gar nicht an – aber nur wenn Herr Ackermann nur bei einem Unternehmen beschäftigt wäre, aber er sitzt ja in diversen Firmen in Aufsichtsräten/Vorständen…  

Ein Hans-Peter (auch bei der RP-Online) ist anderer Meinung:

Josef Ackermann war und ist für die Deutsche Bank und die deutsche Wirtschaft ein Glücksfall. [...] ”Deutschland krankt daran, dass es nicht noch mehr Ackermänner hat!”

Noch eifriger verteidigt ein “Baguette” (auch RP-Online) den Großverdiener:

Trotz ungünstigen Rahmenbedingungen hat Herr Ackermann weiterhin viel für den Standort Deutschland getan. Er hat entgegen vielen Mutmaßungen den Sitz der Bank nicht nach London verlegt und hat dabei viele Arbeitsplätze in Deutschland erhalten. Ferner war er fast permament Attacken durch deutschen Medien und Neidern ausgesetzt. Auch in dieser Zeit hat er das Schiff nicht verlassen, sondern die Bank in Ruhe weitergeführt. [...]  Nichtaktionäre mögen sich bitte aus der Diskussion heraushalten, schliesslich handelt es sich dabei nicht um ihr oder um Allgemeineigentum. 
 

Diese letzte Bemerkung finde ich besonders köstlich. Und nun zwei Zitate aus Blogs. Mehr gibt es leider nicht, wie gesagt. Im Blog “Textpool” wird schon wieder der Stundenlohn Ackermanns neu errechnet (Link):

13,2 Millionen Euro stehen bei dem Schweizer auf dem Gehaltszettel, heruntergerechnet sind das rund 4500 Euro in der Stunde. 

Ich glaube, in Minuten und Sekunden wäre das anschaulicher. :-) Und zum Schluss die einzige Blogmeldung, die mich angesprochen hat. Dazu noch vor der Verkündigung der guten Nachricht: Schon am 12.2.2007 hat Klaus J.Stöhlker in seinem Blog den besten Kommentar zum Thema abgegeben (Link). Ich zitiere den kurzen Text vollständig:

Unser Joe Ackermann hat es den Deutschen und allen Kollegen in der Schweiz gezeigt: Die Deutsche Bank verdient wieder richtig Geld. Der Mann mit dem “V”-Zeichen vor Gericht ist nun schon wieder gestolpert, sagte er doch zur Rechtfertigung seines Jahreseinkommens: “Wir werden nicht von Deutschland bezahlt, sondern von unseren Aktionären.” Ist das die ganze Wahrheit? Die Deutsche Bank, einst das Herz der deutschen Wirtschaft, von Abs (”A wie Abs, B wie Abs und S wie Abs”) zur heutigen Grösse herangeführt, kann ohne Deutschland nicht leben. Sie ist Teil des wirtschaftlichen Körpers unseres nördlichen Nachbarn. Joe will nur den Aktionären Rechenschaft ablegen, nicht der deutschen Wirtschaft und nicht dem deutschen Volk, mit dem die Bank ihr Geld verdient. Da ist noch einer, der seine Ansprüche zu Jahresbeginn eingetrieben hat. Anshu Jain ist Statthalter Ackermanns in London, von wo er das grosse Geld hereinbringt. Er verdient mit Sicherheit mehr als Euro 50 Mio. pro Jahr. “Joe”, unser Goldjunge aus dem St. Gallischen, hat Glück, dass Anshu ihm die Stange hält.

Für die Hinweise auf journalistische Beiträge, die ich übersehen habe, wäre ich dankbar. Sonst kann man auf die Meinung wie “armselig” kommen, was ich doch vermeiden möchte.

 

Journalisten versus Blogger 1 Dienstag, 27. März 2007

Filed under: Blogging,Lesefutter,Medien — peet @ 7:01 Uhr
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Noch ein Beispiel korporativen Denkens: Journalisten verteidigen ihren Revier. Zum Glück, nicht alle. Die Erde, auch die deutsche, dreht sich weiter.

Als Nebenprodukt der Kämpfe sind mehrere lesenswerte Texte entstanden. Davon eine kleine Auswahl zum Thema:

Die viel rezipierten Thesen von Jochen Wegner (“Focus”) wurden bei Moe besprochen (Link), anbei ein treffender Kommentar von anobella (Link).

Markus Pirchner (Link) und Thomas Knüver (Link) nehmen die Bemühungen von Thomas Leif, die deutsche Presse zu retten, auseinander.

Erik (Link) macht Christoph Neuberger fertig. Dieser arbeitet allerdings weiter und bringt weitere soziologisch gefärbte Untersuchungen. Seine neueste, aus meiner Sicht gut brauchbare Sammlung statistisch bewerteter Meinungen mit dem Titel “Weblogs und Journalismus: Konkurrenz, Ergänzung oder Integration?” ist als pdf-Datei online (Link). Dazu gehört auch ein Blogeintrag bei Jan Schmidt (Link).

Fünf Thesen von Jörg Kantel (Link) sind eine beeindruckende positive Erscheinung. Einige weiterführende Beispiele sind bei Thomas Mrazek (Link), Timo (Link) und Jan Tißler (Link) zu finden.

 

Schweinehund auf die feine englische Art

Filed under: Allgemein — peet @ 3:53 Uhr
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Fast zwei Wochen zurück liegt ein  Bericht der Zeitung “Daily Mail” über das angepasste Märchen: Aus Angst, Gefühle der Moslems zu verletzen, hat eine Lehrerin das Märchen “Three Little Pigs” in “Three Little Puppies” umbenannt (Link). Die Story ist echt süß.

 

Drei alte Juden Montag, 26. März 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 14:58 Uhr
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Fast am selben Tag sind drei Interviews erschienen, in welchen ich den Bezug zu einem immer wiederkehrenden Thema erkenne, und alle drei betrachten die Lage anders. Wer von ihnen hat Recht? Alle drei?

Isaak Behar, dem die Polizeischule in Berlin für die Gespräche auf eine merkwürdige Weise dankte, sagte Folgendes (Link):

Wie schätzen Sie die Gefahr des Rechtsextremismus heute ein? Wird genug dagegen getan?


Nein, es ist eine Minute nach zwölf. Man hat es lange Zeit nicht ernst genommen, und es hat sich hochgeschaukelt, mit dem Ergebnis, daß die Rechtsextremen heute in der Mitte der Gesellschaft sind, in Parlamenten vertreten sind und an manchen Orten zehn Prozent der Wählerstimmen erhalten. Sie sind auch brutaler geworden; sie begnügen sich nicht mehr damit, Friedhöfe zu schänden und Hakenkreuze an Fassaden zu malen.

Wie geht man nach Ihren Erfahrungen am besten dagegen vor?

Wenn ich das wüßte. Ich kann Ihnen nur eins sagen: Den Antisemitismus und die Fremdenfeindlichkeit zu bekämpfen ist eine Kollektivaufgabe. Jeder einzelne Bürger ist aufgerufen zu erkennen, daß der Mensch, der neben ihm steht, ein Mensch ist – egal, welche Hautfarbe er hat, ob er rechts oder links wählt, ob er diese oder jene Religion für sich in Anspruch nimmt, welcher ethnischen Herkunft er ist. Der Mensch als solcher verdient Respekt –Existenzrespekt.
Interview: Sebastian Wessels 

Charlotte Knobloch, die neulich durch ihren Vergleich der aktuellen Situation mit der Zeit “vor 1933″ überraschte, musste sich wieder positionieren (Link):

Sie haben im Herbst letzten Jahres für Schlagzeilen gesorgt, als Sie äußerten, vieles was Juden jetzt erleben, erinnere Sie an die Zeit ab 1933. Für diesen Vergleich gab es nicht wenig Kritik, halten Sie ihn dennoch aufrecht?

Selbstverständlich, leider. Ich wäre gerne von etwas anderem überzeugt. Aber ich habe die Zeit damals miterlebt, ich kenne die Situation und weiß viel über Dinge, die Gemeindemitglieder heute erleben. Hoffen wir nicht, dass wir noch solche Erlebnisse besprechen müssen, die ich als Kind erlebt habe.

Das sind seismographisch wichtige Alarmmeldungen, die Sie geben. Haben Sie den Eindruck, die Gesellschaft nimmt das auch ernst genug – oder überhaupt wahr?

Ich bin sehr optimistisch, dass die Mehrheit in unserer Gesellschaft mit mir einverstanden ist.
[Von Holger Kulick] 

Yitzhak Ehrenberg, einer der angesehensten Rabbiner Deutschlands, wurde von Jens Anker zu seiner Meinung befragt (Link):

In den vergangenen Wochen gab es auch in Berlin neue antisemitische Anfeindungen und Übergriffe. Nimmt der Antisemitismus in Deutschland zu?

Das kann ich nicht sagen. Ich finde es jedenfalls schade. Das sind Menschen, die mit sich selbst unzufrieden sind. Wer mit sich selbst zufrieden ist, respektiert auch andere Menschen. Ich fühle mich in Deutschland aber sicher. Natürlich, der Antisemitismus ist da, und man muss ihn mit allen Mitteln bekämpfen.

Wie kann das geschehen?

Das muss schon in der Kita und den Schulen anfangen, in denen mehr Wert auf Toleranz und Respekt gelegt werden muss. Neulich hatte ich ein ganz anderes Erlebnis. Ich bin mit der S-Bahn gefahren und neben mir saß ein junger Mann, der nervös wurde, als er mich sah. Nach einer Weile stand er auf, kam zu mir und sagte: Ich möchte mich im Namen des deutschen Volkes für die Taten bei Ihnen entschuldigen. Auch so etwas erlebt man.

 

Schlammschlachten 1 Samstag, 24. März 2007

Sehr-sehr problematisch, darüber zu schreiben, ich weiß. Bei den Recherchen zu medienkritischen Themen stoße ich aber immer wieder auf – aus meiner bescheidenen Sicht – lesenswerte Diskussionen in Blogs, die vielleicht noch nicht jeder mitgekriegt hat, auch wenn sie nicht so ganz neu sind.

Eine erste davon soll hier verlinkt werden ( ich bin davon überzeugt, sie wird nicht die letzte sein). Hier wird – das ist das Unterschiedsmerkmal – der Hauptakzent auf die persönlichen Animositäten gelegt. Inhalte erscheinen fast ausschließlich nur im Hintergrund, obwohl sie viel wichtiger und für Meinungsverschiedenheiten ausschlaggebend sind. Es ist also nicht nur eine Parade der Eitelkeiten und nicht nur ein Streit darüber, wer von sich behaupten kann, er sei eine höhere Moralinstanz.

Es gibt einen hervorragenden Journalisten, Henryk M. Broder. Seine Bücher sind gut, aktuell und bringen nicht nur zum Nachdenken, sondern führen auch zu Diskussionen. Seine Auftritte im Fernsehen sowie im Internet sind mehr ein Nebenprodukt, wie es mir scheint, dafür erzeugen sie allerdings mehr Echo, aus verständlichen Gründen (hier und hier).

Es gibt einen ausgezeichneten Blogger, Stefan Niggemeier, der mit seinem Bildblog einen Meilenstein im deutschen Web gesetzt hat. Ohne das zu wollen, hat er zur Qualitätsverbesserung der Zeitung beigetragen, die dadurch nicht lesenswerter wurde, und ein Produkt geschaffen, welches ein Teil der deutschen Medienlandschaft geworden ist.

Warum auch immer, gefällt dem zweiten die Tätigkeit des ersten nicht. Broder steht Niggemeier sozusagen im Wege. In seinem zweiten Blog greift Niggemeier Broder persönlich an und erlaubt seinen Kommentatoren antisemitische Äußerungen (Link, insgesamt 62 Kommentare).

Das ist noch nicht alles. Die Axel-Springer-Akademie hat neulich einen Weblog installiert, der vom Direktor, Jan-Eric Peters, geführt wird, welcher früher die “Welt” leitete. In dem Moment, als Niggemeier diesen Blog unter die Lupe nimmt (Link), antwortet Peters in seinem Blog darauf (Link). Kommentare gehen in beide Richtungen sehr bissig und aneinander vorbei (bei Niggemeier 134 Kommentare, bei Peters – 38). Parallel dazu schreibt Thomas Knüwer zum selben Thema inhaltlich bezogen (Link), sein Text wird kaum beachtet (3 Kommentare).

Das ist immer noch nicht alles. Der selbe Artikel von Broder (Link), auf welchen sich Niggemeier bezieht, findet viel später noch einmal eine Reaktion, diesmal von Robert Misik in der TAZ (Link), worauf Broder selbstverständlich auch antworten musste (Link). Ich meine, alle verlinkten Diskussionen bilden eine reife Kolportage-Lektüre. Die thematische Verknüpfung ist nicht immer offensichtlich und den Beiteiligten nicht so ganz ersichtlich. Aber auch daraus kann man viel Denkstoff abgewinnen. Ist es nun nur eine Schlammschlacht?

 

So sieht ein Embargo aus Donnerstag, 22. März 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 12:47 Uhr
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Laut der Zeitung “International Herald Tribune” hat die Palästinensische Autonomie im Jahr 2006 mehr als US $ 1.35 Milliard bekommen. Was für ein Embargo für die Hamas-Regierung!

The International Monetary Fund and the United Nations say that the Palestinians got $1.2 billion in aid and budgetary support in 2006, compared with $1 billion in 2005.

They estimate that direct budgetary support was about $740 million in 2006, more than double the $350 million it got in 2004 and 2005.

But Salam Fayyad, finance minister in the new Palestinian unity government, says he thinks the Palestinians got about $140 million more than that in 2006 when cash from Muslim nations is counted as well as the amount smuggled in by Hamas officials from trips abroad.

“I say the minimum for direct budgetary support was $880 million in 2006 compared to about $350 million the year before,” Fayyad said. He estimates total aid in 2006 was closer to $1.35 billion.

Steven Erlanger beschreibt weitere Einzelheiten und bezieht sich auf seine Quellen, wenn auch nicht verlinkt und auch nicht namentlich genannt (nur Organisationen wie Internationaler Währungsfonds). Angesichts der aktuellen Lage sehr lesenswert! (Link)

 

Jeder kann die Welt retten – in nur 15 Schritten Mittwoch, 21. März 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 22:05 Uhr
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In der Zeitung “DailyTelegraph” werden 15 einfache Methoden vorgestellt, wie man zur ökologisch besseren Welt beiträgt. Zum Teil bekannte Sachen (Plastiktüten sparen, Heizung runter usw.), einiges allerdings schlau bemerkt, auf jeden Fall es ist gut, sich daran zu erinnern (Link). Am Ende des Artikels wird ein Buch empfohlen, aus welchem sie stammen und in dem noch mehr Sparmaßnahmen zusammengefasst wurden:

‘1001 Ways You Can Save the Planet’ by Joanna Yarrow (Duncan Baird) 

 

Bassam Tibi noch einmal Dienstag, 20. März 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 12:48 Uhr
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In dem bei dem “Perlentaucher” online gestellten Artikel beschreibt Bassam Tibi noch einmal seine Thesen über den Euro-Islam, die Europäisierung des Islams, Tariq Ramadan etc. Vielleicht etwas zu persönlich im Ton, aber lesenswert auf jeden Fall (Link). Einiges ist darin ziemlich brisant, wie zum Beispiel:

weder die heutige, von AKP-Islamisten regierte Türkei noch der von Milli Görüs beherrschte Islam-Rat Deutschlands mögen diese Idee; sie erfüllen dieses Kriterium der Europäisierung nicht – dies sehen aufgeklärte Türken auch so, mit denen ich bei mehrfachen Besuchen in Ankara kommuniziert habe.

Frühere Texte von ihm zum selben Thema habe ich schon mal referiert: hier und hier.

 

vox populi II Montag, 19. März 2007

Wie vorausgesagt, in den Zeitungen erscheinen weitere antisemitische Leserbriefe. Der Trigger – Publikationen über die Äusserungen der Bischöfe – arbeitet reibungslos. Gestern also zwei Stück (der zweite ist besonders hübsch) – im “Tagesspiegel” (Link):

Moralisch versagt

Berichterstattung über kritische Äußerungen deutscher Bischöfe in Israel

Ob man die Äußerungen der katholischen Bischöfe zu Israels Palästinapolitik unpassend, undiplomatisch oder als persönliche Meinung gerechtfertigt findet, mag jeder selbst entscheiden. Die Äußerung des Generalsekretärs vom Zentralrat der Juden ließ mich jedoch aufhorchen. Er sagt: „Die Nachfahren von Holocaust-Opfern zu Tätern zu machen, ist nicht akzeptabel.“ – Warum kann ein Opfer nicht zum Täter werden? Haben die Nachfahren von Holocaust-Opfern einen Freibrief für ihr gegenwärtiges Tun? Ein friedensbewegter Israeli sagte mir im Jahr 2000, er schäme sich für seine Landsleute, weil aus dem Volk der Opfer nun ein Volk der Täter geworden sei.– Es ist gut, dass es gelegentlich auch diese Sicht gibt!

Claudia Metzner, Berlin-Zehlendorf

Wann werden es die Israelis und Juden lernen, dass wir Deutschen ein Recht auf freie Meinungsäußerung haben, ohne dass immer und immer wieder ein Bezug auf die Vergangenheit genommen wird? Wann werden sie endlich registrieren, dass wir es satt haben, immer wieder an den Holocaust erinnert zu werden? Wann werden sie erkennen, dass die ständige Erinnerung an das Vergangene dazu führt, dass man es nicht mehr wahrhaben will? Die kritischen Äußerungen der deutschen Bischöfe bei ihrem Besuch im Heiligen Land sind doch nur die Reflektionen der unmittelbaren Erlebnisse von Menschen, denen man wohl eine objektive Betrachtungsweise zugestehen sollte. Wenn Schimon Stein diese nun ins Abseits stellt und ihnen unterstellt, sie hätten alles vergessen, nichts gelernt und moralisch versagt, so ist das mehr als ein Affront gegenüber den Bischöfen, es ist eine glatte Unverschämtheit. Wenn dann auch noch der Zentralrats-Vizepräsident Graumann von Antisemitismus spricht, ist das Maß voll. Ich frage mich, warum wir uns das immer wieder gefallen lassen müssen, ohne dass sich einmal Gegenstimmen erheben. Ist irgendwann einmal der Punkt erreicht, wo wir die Dinge ohne Berücksichtigung der besonderen Belange der Juden betrachten können? Die Zeit ist reif dafür, es gibt auf dieser Welt andere Probleme, Israel hat ein gerüttelt Maß an Anteil daran und sollte dafür sorgen, das in seinem Bereich diese Probleme gelöst werden, bevor es immer wieder andere anklagt oder beschuldigt.

Gerhard Roscher, Berlin-Lichterfelde 
 

 

dpa dir deine Meinung Sonntag, 18. März 2007

Fast zeitgleich stellte die dpa zwei “Analysen” online zur Verfügung – beide bewerten die Lage nach der Vereidigung der “elften” palästinensischen Regierung. Zeitungsredaktionen dürfen sich die passende Analyse aussuchen. Unterschiede sind minimal, fast nur im unterschwelligen Ton. Bewundernswert, dass die Zeitungen sofort erkannt haben, welcher der Texte für sie besser passt. Sicherheitshalber kopiere ich beide Texte hier hinein. Der Leser darf raten, welcher der Texte also häufiger erscheint. :-)

Analyse: Ohne Kurswechsel der Hamas droht neue Nahost-Eiszeit – Tel Aviv (dpa)

Nach dem blutigen Machtkampf der rivalisierenden Parteien Hamas und Fatah knüpfen die Palästinenser jetzt große Hoffnungen an die neue Einheitsregierung. In Israel gilt die von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas vereinbarte Koalition mit der Hamas dagegen als Sieg von Islamisten.

Auf dem Weg hin zu einer Friedenslösung wird das Bündnis als Rückschritt bezeichnet. So könnte dem Durchbruch bei den Palästinenser nun umgehend eine neue politische Eiszeit folgen.

Der israelische Regierungssprecher Mark Regev sagte, in den Leitlinien der

Ohne Kurswechsel der Hamas droht neue Nahost-Eiszeit
Fröhliche Schneeballschlacht zwischen palästinensischen Sicherheitsleuten: Im Konflikt zwischen Israel und Palästinensern droht aber möglicherweise eine neue politische Eiszeit.

palästinensischen Regierung werde «keine der internationalen Forderungen» erfüllt. Er kündigte an, es werde keine Zusammenarbeit mit der Einheitsregieung geben. Israel will verhindern, dass einige europäische Staaten den Boykott der Hamas auch ohne eine ausdrückliche Anerkennung des Existenzrechtes Israels aufheben könnten.

Denn eine direkte Anerkennung findet sich in dem Programm nicht. Die palästinensische Regierung kündigt in ihren Leitlinien aber an, internationale Resolutionen und die von der PLO unterzeichneten Friedensverträge respektieren und die Waffenruhe mit Israel ausbauen zu wollen. Zugleich beharrt die Einheitsregierung aber auf dem Widerstand gegen die israelische Besatzung.

«In Israel wird gefordert, dass (Regierungschef) Hanija öffentlich auf die Knie fällt und sagt, wir akzeptieren Israel. Das wird nie passieren. Aber Abu Masen (Präsident Abbas) ist es gelungen, die Hamas in eine politische Übereinkunft einzubinden, bei der sie frühere politische Abkommen mit Israel akzeptiert. Das ist eine schrittweise Anerkennung», sagt dazu ein palästinensischer politischer Beobachter in Gaza.

Mit Spannung wird erwartet, ob das Ausland die palästinensische Einheitsregierung akzeptiert. Aus Europa sind zunächst abwartende Stimmen zu hören. Frankreich hat eine Einheitsregierung früh als Schritt in die richtige Richtung bezeichnet. Unter den Vermittlerstaaten hat sich bisher nur Russland für ein Ende der Blockade-Politik gegen die Palästinenserregierung ausgesprochen.

«Die Führer der Fatah hatten nur die Wahl zwischen Kämpfen oder einem Kompromiss mit der Hamas. Fatah hat den Kompromiss gewählt», was Hamas-Sicht einen Sieg bedeute, sagte der palästinensische Politik-Professor Naschat Aktasch in Ramallah. Muhannad Abdel Hamid, ein im Westjordanland lebender politischer Experte, ist skeptisch. Die pragmatischen Töne der Hamas seien nur taktisch begründet. «Hamas steht da, wo die PLO 1974 war», sagt er. «Wir haben die Uhr 30 Jahre zurückgedreht, anstatt nach vorn zu gehen.» 

Analyse: Israel fürchtet Zusammenbruch des Hamas-Boykotts – Tel Aviv (dpa)

Nach dem Amtsantritt der Einheitsregierung von Hamas und Fatah fürchtet Israel nun den völligen Zusammenbruch des internationalen Boykotts gegen die Palästinenser.

«Die diplomatischen Bemühungen Israels sind gescheitert», urteilte die auflagenstärkste Zeitung «Jediot Achronot» am Sonntag bereits. «Der Boykott der Palästinenser ist zu Ende.»

Dabei hatte die deutsche EU-Ratspräsidentschaft die Vereidigung der neuen Regierung zwar begrüßt, jedoch betont, die EU-Hilfe für die Palästinenser werde auf direkte Zahlungen für soziale

Israel fürchtet Zusammenbruch des Hamas-Boykotts
Fürchtet den Zusammenbruch des internationalen Boykotts gegen die Palästinenserregierung: Israels Außenministerin Liwni.

Projekte beschränkt bleiben. Eine Zusammenarbeit sei erst möglich, wenn die neue Regierung ein Programm verabschiede, das die Grundsätze des so genannten Nahost-Quartetts – neben der EU die UN, Russland und die USA – widerspiegele.

Doch Israel, das nur mit Abbas Kontakte aufrechterhalten will, sieht seine Felle davonschwimmen. Neben Frankreich und Russland will auch Norwegen wieder direkte Kontakte mit der neuen Palästinenserregierung aufnehmen. Nur die USA zeigten sich offen «enttäuscht» von der neuen Regierung und machten klar, sie würden keine Palästinenserregierung anerkennen, die nicht die Bedingungen des Nahost-Quartetts akzeptiere. Die israelische Außenministerin Zipi Liwni telefonierte nach Medienberichten am Wochenende mit EU-Außenministern, darunter Frank-Walter Steinmeier, um für die israelische Position zu werben.

Das Quartett verlangt von den Palästinensern eine Abkehr von der Gewalt sowie eine Anerkennung des Staates Israel und der unterzeichneten Verträge. Dies lehnt die neue Palästinenserregierung von Präsident Mahmud Abbas (Fatah) und Ministerpräsident Ismail Hanija (Hamas) jedoch weiter ab.

Der neue palästinensische Außenminister Siad Abu Amir warf Israel am Sonntag vor, es verbeiße sich in der Anerkennungsfrage in Semantik und verpasse möglicherweise eine Chance für einen Neubeginn in Nahost. Ebenfalls am Sonntag stimmte die Regierung in Jerusalem offiziell gegen eine Anerkennung des neuen Kabinetts von Hanija.

Eine Aufhebung des internationalen Boykotts wäre nach Ansicht des israelischen Strategieexperten Professor Uzi Arad «ein sehr bedeutsamer Erfolg» für Hamas. Seit dem Wahlsieg vor mehr als einem Jahr habe die radikale Organisation «immer mehr militärische Macht aufgebaut, ihre Kontrolle auf der Straße verstärkt». Nun ernte die Bewegung «politische und internationale Erfolge, ohne dass sie ihre politische Linie ändern müsste».

Ein Kommentator der israelischen Zeitung «Haaretz» sah die palästinensische Regierungsbildung als «Begräbniszeremonie» für die Fatah-Organisation. Indem sie das Bündnis mit der rivalisierenden Hamas eingegangen sei, habe Fatah alle Chancen verspielt, «eine angemessene politische und kulturelle Alternative zu Hamas darzustellen».

«Die Mauern der Isolation und der Blockade gegen uns beginnen zu bröckeln, und Israel muss ein unbequemes und unangenehmes Gefühl verspüren», triumphierte der palästinensische Außenminister Amir im Gespräch mit dem israelischen Online-Dienst «ynet». Israel beharre nur auf der Anerkennungsforderung, um eine Wiederaufnahme des Friedensprozesses zu verhindern, meinte er.

 

Die elfte Regierung

Filed under: Allgemein — peet @ 9:41 Uhr
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Das Programm der neuen palästinensischen Regierung ist in der englichen Übersetzung zu lesen (Link). Mit den Kommentaren von Ulrich W. Sahm (hier und hier) kann man diesen Text ganz gut verstehen.

Es ist eine klare Gewichtsverteilung: Die Wirtschaft steht auf dem Platz 6. “Märtyrer” sind wichtiger. Die EU – der beste Freund. Von den bekannten Forderungen des Nahostquartetts ist nur die eine formal erfüllt worden, mit der Formel “respect the international legitimacy resolutions and the agreements that were signed by the PLO”. Die Orwellsche Sprache ist in jedem Satz zu bewundern, in ihrer Widersprüchlichkeit, Unlogik und Selbstbeweihräucherung. Ach, wie schön.

 

Auch Ilan Pappe wird vorgestellt Samstag, 17. März 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 14:41 Uhr
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In derselben “Washington Post” beschreibt derselbe Scott Wilson auch den weniger interessanten und grob politisierenden Historiker Ilan Pappe (Link). Leider nicht so gut gelungen, zu wenig Aussagen über ihn, zu viel von ihm selbst, somit eher eindimensional. Seine Sebsteinschätzung ist manchmal niedlich:

“The debate [über sein Buch] that year prepared the way for the big battle — the second intifada,” Pappe says. “I looked around and I was alone.”

Seine Einseitigkeit spiegelt sich auch in den Kommentaren – diesmal ausschließlich antizionistisch.

Bezeichnend scheint mir der Unterschied zu Benny Morris (Link) in der Behandlung der Karriere:

He has accepted a post at the University of Exeter in England and will move there later this year.

Ich gehe davon aus, dass Pappe tatasächlich nach England geht. :-) 

Noch mehr Pappe gibt es in diesem Blog auch (Link).

 

Benny Morris kurz vorgestellt

Filed under: Allgemein — peet @ 8:59 Uhr
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In der Zeitung “Washington Post” vom 11.3.2007 fand ich ein gelungenes Portrait des Historikers Benny Morris (Link). Mit Pro et Contra, lesenswert. Geschrieben von Scott Wilson.

Ein Fragment daraus:

Despite his book’s critical success, which came mostly outside the country, Morris could not secure a university post in Israel after its publication. He announced in a 1996 newspaper interview his intention to leave for the United States.

Ezer Weizman, a hero of the 1948 war and Israel’s president at the time, summoned Morris to his office that afternoon. He asked him if he supported Israel’s right to exist as a Jewish state. After receiving Morris’s word that he did, the president arranged a post for him at Ben-Gurion University in Beersheba, where he lectures today.

Kommentare der Leser wirken beruhigend -alles wie immer, ich meine, die meisten sind antisemitisch, ohne das zugeben zu wollen. Den Pro-Israel-Schreibern ist Morris und seine Darstellung nicht zionistisch genug, den Pro-Palästinenser-Kommentatoren ist das alles die zionistische Propaganda pur usw.

 

vox populi Donnerstag, 15. März 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 17:56 Uhr
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Antisemiten schreiben besonders gerne Leserbriefe, Zeitungen können da nicht nein sagen. Heute sind bei der “Süddeutschen” gleich mehrere solche Texte erschienen, ohne Widerrede, ohne Gegenmeinungen. Darunter auch von den “guten Juden”, die rein zufällig immer dieselben sind.

Das sind Wellen des von der “Süddeutschen” installierten Skandals der Bischöfe. Wie lange wird die Zeitung das noch ausschlachten? Bei der “Berliner Morgenpost” gibt es auch zu naschen (Link):

Integration ist die wesentliche Aufgabe

Zum Artikel: “Zuwanderung: Zentralrat sieht Wortbruch” vom 12. März Der Zentralrat der Juden sollte mehr für das Miteinander deutscher Bürger jüdischen und anderen Glaubens oder Nicht-Glaubens tun. Das ist seine wesentliche Aufgabe, für die er nur Dank ernten kann. Mit Kritik hingegen sollte er sehr sparsam umgehen und nicht die Ablehnung unserer jüdischen Mitbürger herausfordern. Es sind viele Juden aus dem Ostblock in unser Land gekommen, die nicht selten überhaupt keine Herkunftsbeziehungen zu unserem Land hatten, aber sehr viel Hilfe erhalten haben und sich heute unter uns wohlfühlen.

Dr. Dankwart Peter, Zehlendorf

Auch heute hat sich die schweizerische Wochenzeitung “Zeit-Fragen” dem großen Thema gewidmet. Schon der Titel ist eine Perle für sich (Link):

Friedensbemühung der Deutschen Bischofskonferenz wird vom israelischen Botschafter gestört

Insgesamt findet die Zeitung den Platz für nicht weniger als drei Texte, denn die Empörung braucht diesen Platz. Zum Glück für die hier gepriesenen Zeitungen und auch für ihre “guten Juden” sind sie nicht alleine: Derselben Meinung ist auch die NPD in der “Nationalzeitung”. Dort sagt eine Rita Hoffmann fast das Gleiche wie eine inzwischen bundesweit anerkannte Berufstochter. Entschuldigung, wenn ich keinen Link gebe. Meine Leser können den Text bestimmt auch selbst finden, wenn sie möchten. Und dann – Guten Appetit! Und nicht vergessen – Hände waschen, ich meine – nach der Lektüre…

 

Sprachgefühl in großen Mengen Mittwoch, 14. März 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 10:59 Uhr
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Die TAZ hat uns heute einen schönen Spruch beschert (Link). Eine freie Publizistin schreibt dort:

Das Wort zum Sonntag ist im allgemeinen kein Thema, geschweige denn eine Sendung, die größere Mengen von Libido bei mir freisetzt. Geht vermutlich vielen so.

So eine Libido muss nicht jeder haben. Ich hoffe, meinen Lesern geht es besser als Hilal Sezgin. :-)

 

 
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