Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Isolde Charim – Lieblingsautorin der TAZ für schwierige Themen Donnerstag, 8. März 2007

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 15:38 Uhr
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Auch die TAZ sammelt ihre Autoren für bestimmte Zwecke. Haben die da eine Kartei auf Abruf? Wie funktioniert das?

Wenn wir nur drei wortgewaltige Beiträge der gebildeten Philosophin nehmen, dann kann man schon sehen, wie diese Methode aussieht. Die Geltungssucht, vanitas vanitatis, sonst nichts.

Nach der Publikation “So ist die Israelkritik politisch korrekt” (Link) hätte ein normaler Mensch sich für immer aus dem Zeitungsgeschäft verabschieden müssen. Der Ton und die Intention des Textes sind so beschämend, dass einige Blogger fast ausser sich waren, am deutlichsten lisarosa (Link) und ulp (Link).

Vor zwei Tagen hat Charim ihr Expertenwissen auf dem Gebiet noch einmal bewiesen. Im Artikel “Emanzipation der Diaspora” (Link) hat sie den Juden weltweit erklärt, wie es bei ihnen aussieht und wie es weiter lang geht. Besonders entzückend finde ich ihre Feststellung, dass nach dem neuesten antizionistischen Manifest

sieht man, worum es letztlich bei dieser Auseinandersetzung geht: um die Definition dessen, was Judentum ist. Unabhängigkeit bedeutet in diesem Zusammenhang auch, den öffentlichen Organisationen die Definitionshoheit abzusprechen. In diesem Sinne kommt die britische Initiative, die mit ihrem Manifest auch ein – überlaufendes – Diskussionsforum eröffnet hat, der Gründung einer Gegengemeinde gleich.  

Eine jüdische Gegengemeinde mit Harold Pinter an der Spitze, das möchte ich erleben. Liebe TAZ, bitte mehr solche Witze! Und bitte weiterhin die Philosophin einsetzen, allerdings besser kann sie über Uschi Obermaier und Paris Hilton dozieren (Link), ich glaube, das ist ihr Format – die beruflich geprägte philosophische Sprache und die Begeisterung für das Thema sind deutlich und versprechen eine neue Boulevard-Begabung. Eine TV-Karriere steht bevor, nicht wahr? Ach, wie nett!

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11 Responses to “Isolde Charim – Lieblingsautorin der TAZ für schwierige Themen”

  1. Lisa Rosa Sagt:

    Vielen Dank für den interessanten Hinweis auf und die Interpretation neuen Isolde-Unnsinns. “Emanzipation der Diaspora” – meine Güte! Als wären nicht schon immer 3 Juden-5 Meinungen gewesen. Es sind die Nichtjuden, die “den Juden” eine Kollektivmeinung unterstellen – und es so haben wollen, weil sie “die Juden” nur als Kollektiv wahrnehmen wollen. Das ist übrigens eine uralte antisemitische Denkfigur! Und nur auf dieser Folie kann man auf die Idee einer angeblich separatistischen kollektiven Neukonstruktion jüdischer Identität kommen, die sich von Israel emanzipiere. Als hätten nicht schon spätestens seit Herzl die heftigsten Identitätsdiskussionen – übrigens öffentlich und überall in Quellen zugänglich – stattgefunden …

  2. Ari Sagt:

    Ich verstehe die Aufregung um die beiden Artikel nicht.
    Kann es sein, daß da jemand was falsch versteht?

    Zitat
    … der Rückgriff aufs eigene Jüdischsein sei “die einzige Möglichkeit, dem Alleinvertretungsanspruch§ des organisierten Judentums, sprich der Gemeinden, zu begegnen. …
    Zitat Ende

    und weiter

    Zitat
    … Tatsächlich werden kritische Positionen zur israelischen Politik innerhalb der jüdischen Gemeinde als Illoyalität gewertet und dementsprechend behandelt. …
    Zitat Ende

    Das sind Aussagen, die ich im täglichen Leben bestätigt finde.

    Jedenfalls behauptet Frau Charim nicht etwa eine Kollektivmeinung des Judentums. Im Gegenteil, sie wehrt sich dagegen.

    Zitat:
    Unabhängigkeit bedeutet in diesem Zusammenhang auch, den öffentlichen Organisationen die Definitionshoheit abzusprechen.
    Zitat Ende

    Bei dem zweiten Artikel ist es ähnlich.
    Die dort aufgelisteten Punkte geben recht anschaulich wieder, in welcher Weise sowohl von pro-arabischen als auch von pro-israelischen Gruppen auf Stellungnahmen zum Nahostkonflikt reagiert wird.

    Fazit: Viel Lärm um nichts.

  3. peetgp Sagt:

    Tja, da haben wir gleich den Bumerang: In welcher Eigenschaft “wehrt sich” Frau Charim gegen eine “Kollektivmeinung des Judentums”?

  4. Ari Sagt:

    Zitat
    Tja, da haben wir gleich den Bumerang: In welcher Eigenschaft “wehrt sich” Frau Charim gegen eine “Kollektivmeinung des Judentums”?[/quote]
    Zitat Ende

    Ich weiß nicht.
    Welche Eigenschaft muß man denn vorweisen, um sich gegen “BEHAUPTETE Kollektivmeinungen” wehren zu dürfen? (Entschuldigung – “verwehren” wäre vielleicht die bessere Formulierung gewesen.)

    Das es eine jüdische Kollektivmeinung nicht gibt wird ja auch von Frau Charims Kritikern bestätigt.
    Warum dürfen die das, und Frau Charim darf es nicht? (Stattdessen unterstellt man ihr sogar, sie wolle eine konstruieren.)

    Müßte sie dafür selbst jüdisch sein? – Ich weiß nicht, vielleicht ist sie das ja auch. Dann wären wir bei einer weiteren Kernfrage ihrer (ihres) Artikel(s):
    Muß man sich erst als Jude deklarieren, damit einem eine differenzierte Meinung zu manchen Themen zugestanden wird?

    Oder ist man automatisch kein Jude mehr, wenn man sich kritisch über Aussagen aus jüdischer Quelle äußert?
    Diese Frage ist nicht ironisch gemeint – ich könnte eine Menge Fallbeispiele dafür nennen, in denen mir mein Judesein von Leuten abgesprochen wird, die der Ansicht sind, ich müßte aus Solidarität jegliche Aussage aus jüdischer Quelle bekräftigen, egal wie idiotisch sie auch ist.

    Ich will da auch keinen Blogger Bosheit unterstellen – es ist einfach ein trauriger Reflex geworden, sofort mal zu polemisieren, wenn eine Aussage bei oberflächlicher Betrachtung auch nur den Anschein erweckt, die israelische Flagge nicht mindestens 150 cm über dem Kopf flattern zu lassen.

  5. peetgp Sagt:

    @ Ari
    ich habe weder (d)eine Frage noch deine Antwort auf meine Frage verstanden. Wenn du in einem Dialog mit dir selbst dich wohl fühlst, ist mir auch Recht. Magst du bitte formulieren, worum es dir geht? Wenn du die Aufregung um Texte Charims nicht verstehst, muss es unbedingt an den liegen, die sich aufregen? Kannst du dir auch eine andere Erklärung vorstellen? Magst du vielleicht auch deine Meinung zum eigentlichen Thema aussprechen, bevor du dich über die Leute ärgerst, die dir deine Kompetenz absprechen?
    Mit einem Popanz kann man schwer streiten. :-)

  6. Ari Sagt:

    Es ging mir darum, daß ich die Aufregung um die Artikel nicht verstehe.

    Ich kann in diesen keine anti-jüdische Tendenz erkennen und finde, daß die Vorwürfe den Artikeln nicht gerecht werden.

    Auf die Frage, in welcher Eigenschaft sich Frau Charim gegen eine “Kollektivmeinung des Judentums” wehrt (hier habe ich “behauptete Kollektivmeinung” ergänzt, habe ich nicht geantwortet, sondern die Gegenfrage gestellt, die ich gerne nochmals konkretisiere:

    Muß man eine bestimmte “Eigenschaft” sein eigen nennen, um sich zu Behautungen äußern zu dürfen?

    Im übrigen kenne ich Frau Charim nicht und bin nur durch den mir zugesandten Link zu diesem Blog überhaupt erst auf das Thema aufmerksam geworden.
    Eine kurze Internet-Recherche ergab jedoch, daß sie Philosophin und Publizistin ist. Als solche philosophiert und publiziert sie halt. :)

    Die Frage “In welcher Eigenschaft …” habe ich vielleicht mißinterpretiert als “Wer ist Frau Charim, daß sie sich dazu äußern darf?”

    Meine eigene Meinung zu den Artikeln habe ich oben schon dargelegt, wenn wir also darüber weiterschreiben wollen würde mich interessieren, was davon nicht nachvollziehbar ist.

  7. peetgp Sagt:

    @ Ari
    Zuerst zu deiner Tendenz-Frage:
    Weder Frau Charim noch die TAZ haben etwas gegen die Juden, höchstens gegen zwei oder drei. Sie haben sogar ihre Lieblingsjuden. Sie haben nur nicht genug im Schilde gegen Antisemiten. Im ersten verlinkten Artikel wird ein Antisemit beraten, sich bei den weiteren Aussagen verdeckter zu halten und nicht direkt das sagen, was er meine. Alles nach dem Motto, seien Sie doch nett zueinander. Du musst dich darüber nicht aufregen, das werden die anderen tun, Ari.
    Im zweiten Artikel beweist Frau Charim, dass sie keine Ahnung vom Judentum hat. Auf diese Weise erübrigt sich die Frage, ob sie dazu gehört oder nicht. Sie darf als Expertin nicht auftreten. Auch darüber musst du dich nicht aufregen, Ari, wenn es dich nicht interessiert.
    So beantworte ich auch deine Frage nach “Eigenschaften”: Ein gewisses Wissen muss man haben.
    Auf meine Frage zu “Wehr” hast du immer noch nicht geantwortet. Eine Gegenfrage als Antwort lasse ich nicht gelten. Dagegen wehre ich mich! *g*

  8. Ari Sagt:

    Ich hatte den Artikel nicht als “Beratung für Antisemiten verstanden”, sondern als kleinen – leicht satirischen – Leitfaden für konstruktive Kritik.

    zB
    2. Bevor sie argumentieren, hüten sie sich vor Emotionen.
    5. Vermeiden Sie Klischees
    6. Vermeiden Sie den Schulddiskurs
    usw.

    Was ist dagegen zu sagen?

    oder
    4. Glauben sie nicht, mit der Forderung nach Ausgewogenheit wären sie aus dem Schneider.
    Ihre Kritik ist dann zwar politisch korrekt, aber sie wird mit ziemlicher Sicherheit nicht als solche anerkannt. Denn von Ihrem womöglich proarabischen Umfeld werden Sie sehr schnell zu hören bekommen, dass vordergründige Ausgewogenheit eigentlich eine verkappte Parteinahme sei.

    Auch das kann ich aus Erfahrung bestätigen – obwohl in dem Nachsatz sogar nicht einmal pro-jüdische, sondern pro-arabische Antagonisten angenommen werden.

    Was den zweiten Artikel angeht kann ich mit der Behauptung, Frau Charim beweise, daß sie keine Ahnung hat, nichts anfangen.
    Sie kritisiert eine “behauptete Kollektivmeinung des Judentums”.

    Schon in der Überschrift “Emanzipation der Diaspora” steckt für mich der Kern dieser Frage:
    Muß ich als Jude mit allem einverstanden sein, was im Staat Israel vorgeht?

    (In meiner Gemeinde gibt es eine Fraktion – von den anderen liebevoll “Israelmafia” genannt – die hier zustimmen würde )

    In dem Artikel schien mir die Frage der “Gegengemeinde” eher akademisch. Sie war insofern ein Mißgriff, als sie unnötigen Angriffspunkt lieferte – der ja auch genutzt wurde. :)

    Ich hatte gedacht, das “Wehren” wäre hinreichend erklärt – immerhin habe ich es bereits relativiert.
    Ich bin überzeugt, daß jeder das Recht hat, einer Meinung, mit der er nicht konform geht, eine Gegenmeinung gegenüber zu stellen.

    Voraussetzung ist natürlich, daß er dabei nicht aus dem Rahmen fällt.
    Dies konnte ich in den beiden Artikeln nicht beobachtet.

  9. peetgp Sagt:

    @ Ari
    Du bist ein dankbarer und wohlwollender Leser. Mir wäre es lieber, du würdest die andere – in deinen Augen vielleicht nur eventuell mögliche – Lesart der beiden Texte zulassen, als eine Art Gegenmeinung zu deiner. Ich glaube, das wäre etwas, worauf wir uns einigen könnten :-) Bringe ich dich zu noch mehr Relativierung?

  10. Ari Sagt:

    Diese Logik ist mir zu glatt.

    Weil ich versuche, den Text sachlich zu bewerten, soll ich meine Sichtweise überdenken?
    Unsachlichkeit ist für mich keine alternative Leseart.

    Aber ich bin ja zu wohlwollend – da muß ich noch an meiner Mieselsucht arbeiten.
    Offenbar fehlt es mir an “Sendungsbewußtsein” – ich werde mal in/auf einschlägigen Blogs und websites weiterbilden müssen.

  11. peetgp Sagt:

    Die Kommunikation mit dir, Ari, geht irgendwie schief. Du hast die Aufregung über die zwei Texte, die ich angeprangert habe, nicht verstanden. Das ist dein Recht. “Nicht verstehen” ist aber noch keine sachliche Bewertung. Argumente, die ich und die anderen eingebracht haben, hast du leicht zur Seite gewischt. Auch dein Recht. Nur ist dies auch keine sachliche Art. Meine Vermutung ist es, du liest nicht das, was ich geschrieben habe, sondern einen Popanz-Text einer “Israelmafia”, mit der du dich im Streit siehst. So gehen meine Argumente und dein Unbehagen aneinander vorbei.


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