Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Und ewig grüßt Heinrich Böll Montag, 30. April 2007

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 22:29 Uhr
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Schon wieder wird ein Mensch von der Bild-zeitung gejagt. Und die CDU-Bremen macht mit. Die Zeitschrift “Fokus” auch.

Vor einigen Wochen wurde ein vorbestrafter, aber resozialisierter Professor (Hans-Christoph Jahr) nicht zum Rektor der Hochschule Bremen erkoren, unter anderem durch den SPD-Senator.

Jetzt darf eine vorbestrafte, aber resozialisierte Lehrerin (Susanne Albrecht) nicht anonym bleiben, nur weil sie keinen Schutz vor der “Bild” bekommt.

Katharina Blum und Heinrich Böll lassen grüßen (Link).

UPDATE: Genau, die Namen derjenigen, die jagen, sollen hier stehen. Das sind der Bild-schreiber H.-J. Vehlewald, der Fokus-mitmacher Jens Bauszus, der CDU-Opa Hartmut Perschau.

 

Sandmonkey hört auf

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 12:19 Uhr
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Der kultige Blogger aus Egypten meldete sich am 28. April mit einem erschütternden Posting ab (Link). Dazu sind inzwischen 257 Leserkommentare eingetroffen. In der deutschen Blogosphäre findet sich nur ein Verweis darauf (Link), allerdings aus Israel.

 

Blogger verstehen Journalisten Sonntag, 29. April 2007

Einsortiert unter: Blogging,Lesefutter,Medien — peet @ 23:03 Uhr
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Jan Schmidt hat in dem Bamblog seinen Vortrag zum Thema “Öffentlichkeit im WEB 2.0″ online gestellt (Link). Ein kluger und inhaltsreicher Text. Ich würde sagen, drin ist alles, was zum Thema aktuell zu sagen wäre, inklusive eine selbstredende Tabelle:

Die meisten Blogger, Podcaster oder YouTube-Nutzer wenden sich eben nicht an eine generelle Öffentlichkeit, sondern wollen Gedanken, Informationen und Meinungen mit anderen teilen. „Öffentlich“ heißt im neuen Internet nicht mehr zwangsläufig „gesellschaftsweit relevant“, sondern oft einfach nur: „für alle zugänglich, die es interessiert“. 

Journalisten sind leider noch nicht so weit…

 

Schlammschlachten 2

Der Trend, für sich bzw. für seine Firma mit einem Chef-Blog zu werben, festigt sich. Nach dem Blog der Springer-Akademie (dazu mehr in dem Posting zu Schlammschlachten 1) kommen die nächsten: Ein Blog der Tagesschauredaktion (Link) und – seit einigen Tagen – einer des Chefredakteurs der “Welt” (Link).

Die Zeit wird zeigen, ob das mehr mit einer Parade der Eitelkeiten verbunden ist oder mit der Fehleinschätzung des Mediums. In allen drei Fällen tappen Chefs in eine mediale Falle, munter und zielstrebig. Dieses Sich-selbst-bloßstellen – im neuen Königskleid – ist einerseits eine gute Kolportage-Lektüre, andererseits zeigt es Untiefen heutiger Sitten, wahlweise auch Tiefen heutiger Unsitten. Fein.

Die ersten Angriffe sind online. Mit jep und seinem jepblog hat sich wie gesagt Stefan Niggemeier ausführlich beschäftigt. Kein Wunder beim Bildblogbetreiber. Die am meisten gelesenen Beiträge beim jepblog sind die, in denen beide Herren samt ihrer Armeen aufeinander losgehen.

Im zweiten Fall teilen sich die Meinungen noch. Ich habe daraus schon mal zitiert (Link), mit einem beträchtlichen inhaltlichen Gewinn, auch gegen die ursprüngliche Intention des Originaltextes. Stefan Niggemeier ist offensichtlich mit dem Produkt zufrieden (Link), Fabian Mohr ist dagegen untröstlich (Link) - für mich eher überzeugend.

Der dritte Fall sieht besonders vielversprechend aus:

Warum wird ein Thema Aufmacher und ein anderes nicht? Welche Argumente bewegen die Redaktion bei ihren Entscheidungen? Davon handelt dieser Blog.

Oder:

Zu unseren Regeln gehört, Meldungen anderer Medien nicht ungeprüft weiterzuverbreiten. 

Oder:

Wir sind Makler zwischen den Blöcken, aber kein eigener Machtfaktor mit eigenen Interessen.

Falscher könnte Europas Außenpolitik nicht sein. 

Kommentare zu diesen Offenbarungen von Christof Keese lesen sich zunehmend schärfer. Richtig spannend wird es wohl sein, wenn er darauf antwortet. Nur Geduld… Stefan Niggemeier wartet darauf (Link). :-)

Zum Schluss noch ein Hinweis auf die Recherchekunst von Stefan Niggemeier (Link): Diesmal geht es nicht um die Bild-Zeitung, sondern um die “Süddeutsche”. Darin möchte ich Stefan ausdrücklich unterstützen. Auf seine Fragen (zum typischen Bild-Fall mit Angelina Jolie) hat Hans-Jürgen Jakobs, Chef von sueddeutsche.de, folgendermaßen geantwortet:

Gibt es bei sueddeutsche.de Regeln für den Umgang mit Quellen im Allgemeinen und „Bild” im Besonderen?

Der Umgang mit Quellen unterscheidet sich bei sde nicht von den Prinzipien der Süddeutschen Zeitung oder anderer etablierter Medien. In der Regel werden Nachrichten mit Quellenangaben zitiert, wie auch in dem von Ihnen betrachteten Fall.

Gelten vermeintliche „Bild”-Exklusiv-Meldungen bei sueddeutsche.de grundsätzlich als vertrauenswürdig? Und sogar so vertrauenswürdig, dass die Redakteure auf eine Plausibilitäts-Kontrolle durch eine kurze Google-Suche verzichten können?

Die Meldung beruhte auf einer „Bild”-Geschichte, die am Samstag erschien. Am Wochenende sind in der Regel die Personen aus den Ressorts Panorama und Leben & Stil nicht im Büro. Zu einer gesonderten Überprüfung kam es in diesem speziellen Fall nicht. Die sde-Seite, auf die BildBlog zunächst verlinkt hat, ist längst gelöscht.

Weitere Kommentare sind herrlich und lesenswert. Vielleicht folgt der Chefredakteur der “Süddeutschen” dem Trend und macht einen Blog auf? *g*

 

Megan Case und Mstislav Rostropovich Samstag, 28. April 2007

Einsortiert unter: Musik — peet @ 17:25 Uhr
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All die triefenden Nachrufe für Jelzin und Rostropowitsch sind nicht mehr zu ertragen. So viele Russophile, offensichtlich weltweit. Die Russen sollten sich freuen.

(Ich merke, meine Ironie kommt nicht immer an, so versuche ich diesmal etwas deutlicher zu sein.)

Mich hat die Blogeintragung von Megan Case beeindruckt (Link). Zuerst wie sie zu der Liebe zur russischen Musik gekommen ist:

I’ve known the name Rostropovich since I was really small. When he and his family were in exile in the U.S., they lived in upstate New York and sometimes gave concerts in my hometown. I remember going to see him and his wife perform when I was 7 or 8 years old. I remember my mother telling me, on the way to the concert, about why they had left the Soviet Union. I think that this was one of the formative experiences that made me curious about Russia, which made me choose to study Russian in junior high school, which led to a whole long chain of events.
 

Wie wir sehen - die Musik spielt dabei keine Rolle. Entschuldigung, dass ich darauf aufmerksam mache. Ich meine nur, das ist für die meisten Rostropowitsch-Nachrufe gültig. Hauptsache, politisch korrekt.

Noch besser ist allerdings die Fortsetzung, wobei Megan beschreibt, welche Rolle Rostropowitsch in der Musikkultur gespielt hat:

In 2002, when I went to Russia for the first time and spent three months in St. Petersburg, I went to the philharmonic several times a week. The music was amazing, the tickets were cheap, and I didn’t know many people so I had to occupy myself in the evenings somehow. Aunt Kelly came to St. Petersburg for a business trip/visit that summer, before we ever dreamed we’d live there together. We went to the philharmonic one evening. During the performance, an old man sitting across the aisle from us opened some noisy cellophane candy wrappers. I was horrified and annoyed, and rolled my eyes at Aunt Kelly. During the intermission, people started lining up to talk to this old man. “Isn’t that Rostropovich?” said Aunt Kelly. I looked closer. “I think so, actually.” I felt so guilty for being annoyed. If anyone has the right to open candy wrappers in the philharmonic, I suppose it’s Mstislav Rostropovich.  

So bleibt Rostropowitsch im Gedächtnis der Weltkultur. Meine Geschichten über ihn sind noch schlimmer, so verkneife ich sie mir lieber. :-)

 

Vaclav Havel mit menschlichem Gesicht

Die heutige SZ glänzt mit einem Interview mit Vaclav Havel (Link). Mittendrin, beim Thema “wir und die russischen Bären” sagt der Präsident-Dichter:

Ein freundlicher Umgang ist nie ein Fehler, aber man darf nicht lügen. Man darf es nicht verbergen, wenn einen Morde an Journalisten und solche verschiedenartigen merkwürdigen Dinge beunruhigen. Das ist etwas, das man offen ansprechen muss, wenn auch mit menschlichem Gesicht. Und da wäre vielleicht zu sagen, dass es zwar nett ist, wie wunderbar sich Bundeskanzler Schröder mit den Putins angefreundet hat, aber ich gestehe gleichzeitig, dass mir Bedenken kommen wegen der Rohrleitung durch die Ostsee, die Polen umgehen soll. Das kann in diesem ganzen Teil Europas Unruhe hervorrufen oder zumindest zur Unruhe beitragen.
 

Das ist schon eine Klasse für sich, aber trotzdem: Weil der eine oder andere zu schnell liest, wiederhole ich hier noch einmal seinen besonders hübschen Satz:

Das ist etwas, das man offen ansprechen muss, wenn auch mit menschlichem Gesicht.

Schön gesagt!

 

Wahlkampf auf die bremische Art

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 13:03 Uhr
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Die Zeitung “Weser Kurier” hat heute zwei Fotos verglichen. Ganz lustig: Beide Bürgermeister der Stadt Bremen verwenden dasselbe Foto mit der Bundeskanzlerin als Werbemittel für sich, allerdings mit einer Retusche. Da der Beitrag der Zeitung nicht online gestellt wurde, mache ich das noch einmal nach:

Das ist das Ausgangsfoto, drei Personen (auf der Homepage des Rathauses – Link):

So sieht sich der amtierende Bürgermeister Jens Böhrnsen (auf seiner Wahlseite – Link), nachgezählt zwei Personen:

Und so sieht sich der andere Bürgermeister Thomas Röwekamp (auf seiner Wahlseite – Link) – geschätzt zwei Personen:

Na wunderbar!

 

Mediamarkt soll sich schämen Freitag, 27. April 2007

Einsortiert unter: Blogging,Deutschland,Medien — peet @ 13:01 Uhr
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Eine Satire wurde verboten, und die Presse- bzw. Meinungsfreiheit hat gelitten. Ein grausiger Fall. Rainer Kohnen, der über die Werbung des Konzerns  lachen wollte, hat gegen Mediamarkt verloren. Sein Bericht ist erschütternd (Link1, Link2). “Der Spiegel” hat darüber berichtet, ohne jegliche Wirkung (Link). Wellen der Empörung schlagen weiter, zum Beispiel hier und hier.

Besonders interessant ist das Verhalten der Verbraucherzentrale (Link1, Link2, Link3).

 

Nicht nur Filmkritik

Einsortiert unter: Film,Medien — peet @ 9:40 Uhr
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In der Zeitung “The Christian Science Monitor” von heute lese ich gerade einen netten Artikel “In defence of film critics” von Peter Rainer (Link). Fragmente daraus:

Why do we need film critics? It’s a question that movie executives, publicists, and even readers often ask around this time of year, as we edge into summer, and the studios haul out their extravaganzas – the types of films often panned by reviewers. [...]

My larger point here is that movie criticism, as a profession, cannot be looked at apart from the megabillion dollar industry to which it is tethered. [...]

Part of the reason for the increasing vehemence toward movie critics is the rise of the Internet. Blogginess has overtaken critical discourse on the Web. But this opinion-making – I’m being polite in calling it that – is not the same thing as real criticism. Because movies are such an accessible and relatively cheap form of entertainment, as opposed to, say, the opera or ballet, everybody can feel like a movie critic.

I’m not saying that film critics should only come in one size – that only through years of cogitating on the classics can one be properly certified. Sometimes the most interesting pieces on a movie are written by the nonprofessionals: by sociologists and political writers or critics from the other arts. Or by just plain folks. The problem with much so-called serious movie criticism today is that it is too self-referential and insular. Too much of it reads like it was written by people who only know movies and haven’t lived a life.

The same is true, of course, of the moviemakers themselves. One reason, for example, why I am repelled by some of the violence I see in movies is that it looks to have been perpetrated by directors who haven’t lived much of a life, either. They know how to film violence but not its consequences.

My approach to criticism – and I’ve been at it since the 1970s – is simple. I write to please myself and hope that it will please you too, too. And I don’t mean by this that you must always, or even often, agree with me. Movies, even trashy ones, often affect us deeply, which is why disagreements over their quality can become highly charged and personal.

This is as it should be. I can only practice my profession honestly if I am true to my own feelings. I want to convey why a movie matters to me, or why it disgusts me, or leaves me cold. And everybody’s experience is unique. That’s why there is no such thing as “objective” criticism. Criticism is an art, not a science.

And if I happen to love a movie that’s a box-office hit, so much the better. From “The Godfather” movies to “Jaws” to “Dumb and Dumber” to “The Lord of the Rings,” I’ve often been on the right side of the cash register. But this is tangential to what I do. If it wasn’t, I’d be in the advertising business instead of the movie critic business. I’d like to think there is still a difference between the two.

Gut gesagt, finde ich. Und das passt nicht nur zur Filmkritik.

 

Suchmaschinen noch einmal

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 8:11 Uhr
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An einem Tag stoße ich auf zwei Meinungen, die einander zumindest widersprechen. Robert Basic meint, Google sowie die Suchmaschinen als solche sind dazu verdammt, in 10 Jahren zu untergehen (Link). Seine Argumentation, die er in der anschließenden Diskussion verdeutlicht, basiert auf seiner Erfahrung im Umgang mit dem Netz:

Ich darf mich als Beispiel eines aktiven Bloggers nehmen: bei der Recherche zum Barcamp Frankfurt habe ich Google kein einziges Mal verwendet. Ich habe mich auf die Tags “barcamp”, “barcamp frankfurt” und “barcampfrankfurt” via Technorati konzentriert. Dann bin ich durch die einzelnen Blog-Artikel und habe mir dort die Linkverweise zu anderen Barcamp-Artikeln angeschaut. Ich habe mir Plattformen wie Flickr und Sevenload angeschaut. Eigene und fremde Trackbacks wie auch Referrerstatistiken. Google? Wozu? Brauche ich nicht mal ansatzweise. 

Das sieht nach einem “entweder oder” aus. Die Zeitschrift “The Economist” hat einen interessanten Artikel publiziert, in dem die neuesten Resultate der Internetbeobachtung durch Hitwise dargestellt werden (Link), wobei das Internetverhalten von 25 Millionen User berücksichtigt wird (Link). Das eigentliche Thema des Artikels sind Trends in der Gewichtung zwischen den angeklickten  Seiten weltweit. Es wird durch eine Tabelle am Beispiel der Daten aus den USA wunderbar verdeutlicht:

Genauso wie Robert ist der Autor des “Economist”-Artikels davon fasziniert, wie stark das Interesse für die Communities und Chat-Plattforme wächst. Das ist auch richtig. Nur wird dabei ausgeblendet, dass auch das Interesse an Suchmaschinen parallel steigt. Und dazu noch nicht nur bei mir zu Hause. :-)

Also ich würde sagen – “sowohl als auch”.

 

Das Blog oder der Blog? Donnerstag, 26. April 2007

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 20:56 Uhr
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Auf einmal merke ich, dass die Blogger-Existenz immer noch zwischen sächlich und männlich schwankt. Ich meine, soll man das Blog oder der Blog schreiben bzw. denken?

Statistisch gesehen sagt uns google kaum etwas klar:

“das Blog” 1070000

“der Blog” 1020000

Laut Wikipedia war es vor einem Jahr in etwa ähnlich (Link):

1.330.000 Ergebnisse gegen 888.000 Ergebnisse für “der Blog”.

Clusty sagt:

“das Blog” 439677

“der Blog” 226637

A9 sagt:

“das Blog” 231419

“der Blog” 164672

Technorati meint, in den Blognamen sind vertreten

“das Blog” 279 mal

“der Blog” 390 mal

Die Blogger-Szene ist auch unschlüssig. Siehe hier (2004), hier (2005), hier (mit einem Verweis auf den Duden 2006 – “das, auch der” Blog), hier (2007).

Sogar die Tagesschau hat sich zum Thema 2006 gemeldet (Link). Auch heute noch wird darum gekämpft, zum Beispiel so. Oder man schreibt seinen Satz in die witzige Vorlage – so oder anders – und ärgert die anderen.

Wenn wir die lebendige Sprache (beim Leipziger Wortschatz) nachprüfen, bekommen wir ein genauso verwirrendes Bild: Die einen schreiben das Weblog, die anderen, sogar in derselben Zeitung, – der Weblog, z.B. “Der Spiegel”:

  • Seitdem gehört der Weblog von Salam Pax zu den meistbesuchten Quellen über die Situation in Bagdad. (Quelle: Der Spiegel ONLINE)
  • Als ideales Format dafür entpuppt sich das “Weblog“. (Quelle: Der Spiegel ONLINE)

Offensichtlich bleibt das Thema weiterhin aktuell, der Streit – lebendig. 

 

Alpha Journalisten Samstag, 21. April 2007

So heißt ein Buch, welches bald, laut der Verlagsmeldung am 3.Mai erscheint. Die ersten zwei Leseproben sehen vielversprechend aus. Im guten alten Klatschtantenton werden eitle Personen dargestellt, hinter denen auch das System deutlich durchschimmert.

Einige Fragmente daraus:

Roger Boyes über Kai Diekmann (Link):
 

Wie jeder kundige Boulevardjournalist sammelt Diekmann Gefälligkeiten und Verpflichtungen von Politikern. Früher oder später löst er die Schuldscheine ein und veröffentlicht die Geschichte, aber manche Politiker stehen noch jahrelang in seiner Schuld.
[...]

Das riecht nach Zynismus. Ist in Wirklichkeit aber Eitelkeit und Größenwahn.

Jeder muss sich auf das Spiel mit Bild einlassen – oder er wird untergehen. Diekmann tarnt es als notwendigen demokratischen Auftrag: »Das ist doch die Aufgabe der Medien, Wachhund der Öffentlichkeit zu sein und Mächtige zu kritisieren.« Außerdem, wie Diekmann richtig bemerkt, buhlen Politiker um die Aufmerksamkeit der Bild und ihrer 11 Millionen Leser. »Wenn Christian Wulff ganz bewusst Politik mit dem schönen Satz gemacht hat: ›Ich bin ein langweiliger Politiker. Ich bin seit 18 Jahren verheiratet‹, war das natürlich indirekt auf seinen Amtsvorgänger Schröder gemünzt, um sich von anderen Politikern abzugrenzen. Er hat auch mit seiner Frau Wahlkampf gemacht, und dann ist es natürlich von öffentlichem Interesse, wenn er sich von seiner Frau trennt und auf einmal eine ganz junge, neue Frau an seiner Seite ist – dafür müssen wir uns interessieren.«

Schön und gut. Aber was wäre, wenn Bild schon sehr lange von dieser Liaison gewusst und sich mit Wulff darauf verständigt hätte, diese brisante Enthüllung erst nach der Wahl an die Öffentlichkeit zu bringen, als sie politisch nicht mehr so heikel war? Könnte es sein, dass hier eine Hand die andere gewaschen hat? Dass es eine Übereinkunft mit Westerwelle gegeben hat, als der sich entschloss, seine Männerliebe öffentlich zu gestehen? Wäre das nicht bewusste Irreführung der Leser – und der Wähler? Wie mächtig doch die Kraft des Schweigens ist.

Alexander Kühn über Franz Josef Wagner (Link):

Diekmann sagt, selbst an nicht so guten Tagen sei die Post noch ein funkelnder Edelstein in seinem Blatt.

Über die Bild-Zeitung haben wir somit schon alles online. Wenn die anderen 28 Helden mindestens genauso wahrhaftig abgebildet sind, dann will ich das Buch lesen. Die Presse als Ware und die gesamte Parade der Eitelkeiten – das sind zwei Themen von Rang.

UPDATE: Noch zwei Beiträge sind im “Tagesspiegel”, wenn auch gekürzt, erschienen – über Maybrit Illner (Link) und über Hans-Ulrich Jörges (Link). Beide Portraits sind weniger gelungen, flacher, eindimensionaler.

 

Eigene Nachrichten

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 7:13 Uhr
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Gestern habe ich hier einiges an Widgets geändert. Mit Hilfe von neun zur Verfügung stehenden RSS-Feeds auf der rechten Seite informiere ich nun mich selbst und meine Leser über aktuellste Nachrichten und neueste Blogeintragungen. An der Liste werde ich wohl noch arbeiten. Kritische Kommentare sind erwünscht. :-)

Nebenbei möchte ich festhalten, dass unterhaltsame und skandalversprechende Blogeintragungen die meisten Lesungen bekommen. Tja.

 

Erste Oettinger-Witze Donnerstag, 19. April 2007

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 11:07 Uhr
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Harald Schmidt hat gestern gemerkt:

“Entschuldigt gefehlt hat der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger. Er bereitete die Geburtstagsrede für den 20. April vor…”

Noch einen hat das Leben geschrieben:

news2.jpg

Ist das keine gute Verarbeitung der Geschichte?

 

just a world press provocation

Einsortiert unter: Blogging,Falschmeldungen,In eigener Sache,Medien,Russland,USA — peet @ 6:18 Uhr
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Ein russischer Putin-Fan hat mein Posting in einem amerikanischen Forum verlinkt und verbreitet dort die Desinformation über die Demo: “that rally was not a opinion of suppressed people but just a provocation oriented on the world press.” (Link) Die KGB-Jugend lernt mit dem Internet umzugehen. Die Realität sieht anders aus.

A Russian Putin fan refered to my post in an American forum and spreads some disinformation about the protests in Russia. The KGB youth learns to deal with the Internet. The reality looks completely differently.

reuters-russia-april-2007.png

 

 
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