Archiv für April 2007

Eigene Nachrichten

Samstag, 21. April 2007

Gestern habe ich hier einiges an Widgets geändert. Mit Hilfe von neun zur Verfügung stehenden RSS-Feeds auf der rechten Seite informiere ich nun mich selbst und meine Leser über aktuellste Nachrichten und neueste Blogeintragungen. An der Liste werde ich wohl noch arbeiten. Kritische Kommentare sind erwünscht. :-)

Nebenbei möchte ich festhalten, dass unterhaltsame und skandalversprechende Blogeintragungen die meisten Lesungen bekommen. Tja.

Erste Oettinger-Witze

Donnerstag, 19. April 2007

Harald Schmidt hat gestern gemerkt:

“Entschuldigt gefehlt hat der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger. Er bereitete die Geburtstagsrede für den 20. April vor…”

Noch einen hat das Leben geschrieben:

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Ist das keine gute Verarbeitung der Geschichte?

just a world press provocation

Donnerstag, 19. April 2007

Ein russischer Putin-Fan hat mein Posting in einem amerikanischen Forum verlinkt und verbreitet dort die Desinformation über die Demo: “that rally was not a opinion of suppressed people but just a provocation oriented on the world press.” (Link) Die KGB-Jugend lernt mit dem Internet umzugehen. Die Realität sieht anders aus.

A Russian Putin fan refered to my post in an American forum and spreads some disinformation about the protests in Russia. The KGB youth learns to deal with the Internet. The reality looks completely differently.

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Suchmaschinen ohne Ende

Montag, 16. April 2007

Eine unendliche Auflistung der aktuellen Suchmaschinen - von Charles S. Khight angefertigt - habe ich soeben (Link) via Media-Blog (Link) gefunden. Seine xls-Tabelle wird ständig gepflegt (Link). Wenn noch die Auswertung im Artikel und Kommentar(Link) vollständig wäre… :-)

Dann müsste ich meine Gewohnheiten neu überdenken (Link). Zum Beispiel, GoshMe ist vielversprechend. Vielleicht Boardreader auch?

Susanne Schild wird berühmt

Montag, 16. April 2007

Eine bei der WAZ angestellte Journalistin wurde beim Abschreiben erwischt. Der betroffene Blogger Peer hat einen Artikel bei der FAS geschrieben, vier Tage später stand sein Zwilling, frisiert und gepudert, bei der WAZ. Seine zwei Berichte zum Ereignis sind gut lesbar (hier und hier). In den zahlreichen Kommentaren dazu fand ich zwei gute Verweise. Einmal auf eine ähnliche Geschichte eines anderen Bloggers azrael74 (Link) und von einem Tim - noch schöner - auf das journalistische Credo von Susanne Schild (Link):

Einen guten Journalisten machen nicht ein guter Abischnitt oder ein 1a-Studium aus. Was zählt ist, die Persönlichkeit. Man muss ein Gespür dafür haben, über welche Themen die Leute reden, einfach pfiffig sein. Dazu kommt ein Gefühl für Sprache.
Mit schlechter Rechtschreibung hat man direkt verloren. Und: Man muss ordentlich Biss haben! Nur wer sich traut, Leute anzusprechen und sich durchzusetzen, hat Erfolg. Unglaublich viele junge Leute wollen Journalist werden und leider schaffen es nur die wenigsten tatsächlich in ihren Traumberuf.

Besser kann man das nicht ausdrücken! *g*

UPDATE: Die Geschichte entwickelte sich zu einem Knüller. Kein anderer Beitrag wird so viel abgefragt. Deswegen drei Ergänzungen:

  • Das vorläufige Ende der Story ist bei Peer selbst nachzulesen (Link).
  • Ein interessanter Kommentar von Thomas Knüwer samt einer ausgiebigen Diskussion dazu (Link).
  • Ein in derselben Diskussion von Thomas Mrazek empfohlener Link zu einer Beratungskonferenz der beklauten Journalisten samt Tipps von Stefan Jacobasch und Ulrich Hottelet (Link).

Oettingers Stationen

Montag, 16. April 2007

Oettinger am 11.4: 

Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes.

Am 13.4: 

Meine Rede war öffentlich, ernst gemeint und die bleibt so stehen.

Am 14.4. vormittag:

Ich glaube, dass Hans Filbinger ein Gegner der Diktatur war.

Am 14.4 nachmittag:

Es gehört in unserem Kulturkreis zu den üblichen und angemessenen Gepflogenheiten einer Traueransprache, Verdienste und das Lebenswerk des Verstorbenen positiv zu würdigen und ihm die schwierigen Phasen seines Lebens - ohne sie zu verschweigen - nicht nachzutragen.

Am 15.4 für die Bild-Zeitung:

Mit meiner Trauerrede wollte ich das Lebenswerk von Hans Filbinger würdigen. Aber es war nie meine Absicht, die Verfolgten und die Opfer zu verletzen. Sollte das geschehen sein, tut es mir leid. Und dafür entschuldige ich mich auch. Betroffen macht mich, wie mir unterstellt wird, ich hätte Hans Filbinger zum Widerstandskämpfer erklärt. Er war es nicht und ich habe das nie behauptet. Die Öffentlichkeit hat meine Rede anders wahrgenommen, als ich sie vor den versammelten Trauernden gemeint habe. Dies bedaure ich und würde heute eine andere Formulierung wählen. [...] Hans Filbinger hat sich wie Millionen anderer dem NS-Regime angepasst. Daran besteht kein Zweifel. Aber so, wie ich ihn später kennengelernt habe, war er ein zutiefst christlicher und konservativer Mensch mit einer belegbaren inneren Distanz zum NS-Regime.

UPDATE:

Am 16.4:

Ich halte meine Formulierung nicht aufrecht und distanziere mich davon. 

Spannend. So ein Mehrteiler!

Norman Finkelstein will Prof werden

Sonntag, 15. April 2007

Der Lieblingsgast von Sabine Christiansen ist nämlich noch kein Professor - ach, was für ein Problem. Wie auch immer, baut sich eine große Protestwelle dagegen auf, die von Alan Dershowitz angeleitet wird (Link). Einen ausführlichen Bericht über den aktuellen Stand der Dinge hat Jennifer Howard geschrieben (von einigen Bloggern zitiert, wie z.B. hier).

Jetzt werden Unterschriften online gesammelt, als ob es von Bedeutung wäre. Pro Finkelstein sind zur Stunde schon 3930 Unterschriften, contra Finkelstein - 2504. Die Sinnlosigkeit des Unternehmens (darf ich auf Links zu beiden verzichten?) kann mit einem Beispiel gut belegt werden. Zwischen den Unterschriften gegen die Berufung Finkelsteins findet sich unter der Nummer 2494 ein seit Jahren im amerikanischen Internet wütender Antisemit. Dieser LanceThruster stellt seine Unterschrift also gegen Finkelstein und schreibt dazu:

Viva Dr. Finkelstein! He is certainly one of the great truth-tellers of our time. 

Das will heißen, der Typ ist so blöd, dass er dagegen auftritt, obwohl er dafür meint. Sein “schönster” Auftritt (darunter auch die fulminante Entlarvung samt seinem realen Namen) ist in einem englischsprachigen Forum aus dem Jahr 2005 zu bewundern (Link). Wirklich exemplarisch! Sein anderer Spruch ist selbstredend (Link):

Hamas and Hezbollah are legitimate resistance movements as per international law. As an atheist, I sincerely wish them godspeed.

Das ist Finkelsteins Brut, wie er sie sich wünscht und verdient.

Lupenreine russische Demokratie

Sonntag, 15. April 2007

Von den Ereignissen in Moskau gestern hat man schon geschrieben. Zwei Aspekte wurden, glaube ich, dabei wenig beachtet. Parallel liefen zwei Demos, einmal - unerlaubt - die demokratische Protestdemo mit Kasjanow und Kasparow, bei welcher 9000 Ordnungshüter mehr als 250 Menschen verhafteten. Und einmal eine erlaubte Faschistendemo, die von der Miliz geschützt wurde.

Und zweitens, während die staatliche Übermacht Rentner und Jugendliche maßregelte, durften deren Gegner sich mit beleidigenden, den öffentlichen Frieden störenden Plakaten auf dem Dach eines Gebäudes stundenlang ungehindert aufstellen. Zwei Fotos vom Sender “Echo Moskau”:

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Der Text auf dem Plakat lautet: “Gruß an den Marsch der politischen Huren”. Das sind Provokateure, die dürfen.

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Das sind Renter, die nicht dürfen.

“Zeitbeben” gelesen

Samstag, 14. April 2007

Bitterböse witzig, pathetisch, schmerzvoll - wie immer bei Vonnegut. Einiges wirkt wie ein Gespräch mit dem Autor. Die Form des Buchs aus mehreren Essays erinnert stark an das Bloggen - der Text besteht aus vielen einzelnen Blogeinträgen sozusagen.

Von vielen Themen, die Vonnegut dabei berührt, sprechen mich einige ganz besonders an. Zum Beispiel, wie er Nietzsche umdeutet (”Nur der tief Gläubige kann sich den Luxus des Atheismus leisten”, vgl. “Götzen-Dämmerung” über Carlyle). Oder wie er zur Selbsterkenntnis kommt, er sei ein Maximalist und Langweiler. :-) Fast gleich darauf erzählt er eine köstliche Geschichte über ein Konzert:

Das Orchester spielte ein Werk, in dessen einem Satz die Musik allmählich lauter und dann plötzlich abgebrochen wird. Nun saß in meiner Reihe eine Frau. Während das Crescendo dauerte, erzählte sie ihrer Freundin irgendetwas. Weil die Musik immer lauter wurde, musste sie auch immer lauter werden. Die Musik hörte auf. Und dann erklang ein weiblicher Schrei: “Und ich brate in Öl!”

Oder wie er über Shaw spricht und kommentiert, er selbst wäre vorsichtiger mit Witzen und möchte nicht, dass sich jemand  wegen ihm wie der letzte Dreck fühlt. Oder seine Bewunderung für das Stück Wilders “Unsere kleine Stadt”. Oder diese Bemerkung:

Im realen Leben [...] ändern sich die Menschen nie, sie ziehen keine Schlüsse aus ihren Fehlern und entschuldigen sich nicht. In der Literatur tun das mindestens zwei Drittel der Personen.

Oder diese:

Ich halte  jeden Menschen für einen Heiligen, der sich anständig benimmt, auch wenn er in einer unanständigen Gesellschaft lebt. 

Oder:

Verfassungsänderung XXVIII: Jeder Neugeborene muss gewünscht sein und man soll sich um ihn bis zu seiner Volljährigkeit kümmern. 

Die Idee, die Zeit und die Psyche der Menschen zu beherrschen, hat Philip K. Dick in dem Roman “Und die Erde steht still” viel stärker entwickelt. Interessant, beide Humanisten zu vergleichen! Vonnegut erzählt hier Geschichten, so in etwa wie Schwejk.

Ein großartiges Buch, kaum zu glauben, dass es im Jahr 1998 publiziert wurde. Die große Literatur ist nicht ausgestorben. Danke, Kurt.

Bei ARD über die CDU ausgeplaudert

Samstag, 14. April 2007

Der Fall Oettinger geht weiter. Inzwischen haben Reuters, CNN und UPI darüber berichtet, na ja, eigentlich erst als Merkel sich eingemischt hat. Den Namen Oettinger erwähnen sie nicht, der ist eine zu kleine Figur für sie. Der Höhepunkt ist noch nicht überschritten, würde ich sagen. Oettinger selbst erklärt, er habe nur das Gute für die Nächsten des Verstorbenen sagen wollen. Das sei doch alles nur ein Missverständnis. Aber klar. Wolfgang Schäuble wird das bestätigen.

Von weiteren Meldungen zum Thema hat mich deswegen ein Blogeintrag bei der ARD-Tagesschau-Redaktion neugierig gemacht (Link):

Meine Herren, das hat man wirklich selten, dass eine Kanzlerin (wenn auch in der Eigenschaft als Parteivorsitzende) einem MP über den Mund fährt. Wir klären sofort, ob es weitere Reaktionen aus der CDU gibt. Gibt es nicht. Keine Christdemokrat möchte sich öffentlich zur Filbinger-Rede Oettingers äußern. [...]

Die Kanzlerin möchte wohl gerade in der Zeit der deutschen EU-Ratspräsidentschaft eine internationale Diskussion über die umstrittenen Äußerungen vermeiden und geht deshalb früh in die Offensive.

Also wird Wolfgang Schäuble doch nichts bestätigen? Wie schade.

Oettinger, Filbinger, Gillessen etc.

Samstag, 14. April 2007

Mindestens zwei Leser fordern mich auf, Texte zu verlinken bzw. verlinken zu lassen, die Filbinger genauso weißwaschen wie es Oettinger in seiner Rede getan hat. Tja, nun ist mein Blog keine neurechte Plattform.

Warum soll man sich auf Gillessen und seinesgleichen beziehen, wenn es um Filbinger geht? Nur weil die Zeitschrift der Konrad-Adenauer-Stiftung sein Plädoyer 2003 publiziert hat? Ich sehe keine Veranlassung, einfach so dem Polemiker zu glauben, der als erfahrener Revisionist die Kampagne gegen die Wehrmachtsausstellung einleitete und 1996 in der FAZ (also unter Joachim Fest) für die saubere Wehrmacht schwadronieren durfte und nach seiner Pensionierung jahrelang gerne bei der “Jungen Freiheit” schreibt (ohne dass es die FAZ stören würde, bei der er sich auch zeigt). Kein Zufall - 1988 durfte er in der FAZ die Mähr verbreiten, dass

die deutsche Wehrmacht hier an traditionellen Maximen gemäßigter Kriegführung bis zuletzt festhielt [...]

Das sind Unbelehrbare! Dazu wurde schon alles mehrfach gesagt, zum Beispiel hier. In einem Kommentar zum “Fall Oettinger” (Link) habe ich meine persönliche Einschätzung geäußert, Leser dürfen ihre Meinungen aussprechen. Bitte nicht mit JF-Müll, sondern mit eigenen Gedanken.

@ Boche

Ich sehe keine “charakterlose Kampagne” gegen Oettinger, sondern - ganz im Gegenteil - eine politische Auseinandersetzung. Oettinger hat sich positioniert und wird für seine Ansichten als Politiker scharf kritisiert. Für meine Begriffe, wie gesagt, zu milde. Das sage ich auch nach der Kritik seitens Merkel.

Fall Oettinger

Freitag, 13. April 2007

Die Wette steht. Nämlich wird Günther Oettinger im Amt bleiben oder geht? Jenninger ist für viel weniger gegangen, nämlich für die falsche Intonation bei dem Vortrag einer harmlosen Rede. Und hier ist eine Trauerrede, die eines hohen Amtträgers unwürdig ist. Zwei Tage nach dem Ereignis bedauern Medien seine Worte, für meine Begriffe, viel zu milde. Ich wette, Oettinger wird bleiben und der Ruf Deutschlands trägt Schaden davon. Andere Meinungen?