Bitterböse witzig, pathetisch, schmerzvoll - wie immer bei Vonnegut. Einiges wirkt wie ein Gespräch mit dem Autor. Die Form des Buchs aus mehreren Essays erinnert stark an das Bloggen - der Text besteht aus vielen einzelnen Blogeinträgen sozusagen.
Von vielen Themen, die Vonnegut dabei berührt, sprechen mich einige ganz besonders an. Zum Beispiel, wie er Nietzsche umdeutet (”Nur der tief Gläubige kann sich den Luxus des Atheismus leisten”, vgl. “Götzen-Dämmerung” über Carlyle). Oder wie er zur Selbsterkenntnis kommt, er sei ein Maximalist und Langweiler. :-) Fast gleich darauf erzählt er eine köstliche Geschichte über ein Konzert:
Das Orchester spielte ein Werk, in dessen einem Satz die Musik allmählich lauter und dann plötzlich abgebrochen wird. Nun saß in meiner Reihe eine Frau. Während das Crescendo dauerte, erzählte sie ihrer Freundin irgendetwas. Weil die Musik immer lauter wurde, musste sie auch immer lauter werden. Die Musik hörte auf. Und dann erklang ein weiblicher Schrei: “Und ich brate in Öl!”
Oder wie er über Shaw spricht und kommentiert, er selbst wäre vorsichtiger mit Witzen und möchte nicht, dass sich jemand wegen ihm wie der letzte Dreck fühlt. Oder seine Bewunderung für das Stück Wilders “Unsere kleine Stadt”. Oder diese Bemerkung:
Im realen Leben [...] ändern sich die Menschen nie, sie ziehen keine Schlüsse aus ihren Fehlern und entschuldigen sich nicht. In der Literatur tun das mindestens zwei Drittel der Personen.
Oder diese:
Ich halte jeden Menschen für einen Heiligen, der sich anständig benimmt, auch wenn er in einer unanständigen Gesellschaft lebt.
Oder:
Verfassungsänderung XXVIII: Jeder Neugeborene muss gewünscht sein und man soll sich um ihn bis zu seiner Volljährigkeit kümmern.
Die Idee, die Zeit und die Psyche der Menschen zu beherrschen, hat Philip K. Dick in dem Roman “Und die Erde steht still” viel stärker entwickelt. Interessant, beide Humanisten zu vergleichen! Vonnegut erzählt hier Geschichten, so in etwa wie Schwejk.
Ein großartiges Buch, kaum zu glauben, dass es im Jahr 1998 publiziert wurde. Die große Literatur ist nicht ausgestorben. Danke, Kurt.