Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Strenger General und netter Schriftsteller Dienstag, 29. Mai 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 23:23 Uhr
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Am selben Tag, am 24.5.2007 sind zwei Texte über die Lage im Nahen Osten erschienen, einmal von Giora Eiland, einmal von Amos Oz.

Giora Eiland ist ein ehemaliger Sicherheitsberater der israelischen Regierung, er schlägt zwei Lösungen vor (Link):

Option A: Capturing areas in the Gaza Strip, particularly the Philadelphi Route – while not sufficing with capturing the Route, which is too narrow to protect, and widening it. [...]

Option B: Israel announces that as far as it is concerned Gaza is a political entity (separate from the West Bank,) which is ruled pragmatically and formally by Hamas. As this entity is in a state of war with Israel, Israel would have to take three measures:

  • Immediately close off border crossings between Israel and Gaza (as Gaza is open to Egypt, supplies to and from Gaza could be transferred through there.)
  • Announce that in several months Israel would cease to supply water, electricity and fuel.
  • Since Gaza is an enemy state in a state of war with Israel, every governing institution in Gaza and the infrastructure serving the belligerent effort against us, including roads and bridges, should be targeted.

Amos Oz ist ein bekannter Schritsteller, im Interview mit der italienischen Zeitung “Corriere della sera” schlägt er vor, die gesamte Befriedung der Lage im Gazagebiet der ägyptischen Armee zu überlassen (Link):

Gaza, sfortunatamente, è in mano a bande armate di gangster. L’Autorità Palestinese non ha più il controllo del territorio. E non ce l’hanno nemmeno Fatah, Hamas e Jihad. A questo punto, mi pare necessario un intervento dell’esercito regolare egiziano. [...] Per neutralizzare le milizie armate le forze di sicurezza palestinesi non bastano. Ci vuole un esercito regolare. Secondo me c’è una sola via d’uscita: un accordo trilaterale tra governo palestinese, Israele ed Egitto per l’invio di soldati egiziani a Gaza e la loro permanenza per uno o due anni. [...] Se Hamas prende di mira i civili israeliani, a Sderot e altrove in Israele, penso sia normale che l’esercito israeliano prenda di mira i capi di Hamas.

Amos Oz hat offensichtlich mitgekriegt, was der ägyptische Präsident Mubarak neulich gesagt hat (Link):

He said that the Egyptian government is at a loss regarding the future of the Gaza Strip. However, he also proclaimed that Egypt is making great efforts to end the Hamas government and support Palestinian Authority Chairman Mahmoud Abbas.

“With Hamas no way,” he reportedly said.

Mubarak painted a dark picture of the situation with Hamas and said there was no chance for peace with the organization. “Hamas will never sign a peace agreement with Israel if it stays in power,” the Egyptian president said.

Der eine ist sehr hart, wie es einem General auch zusteht, der andere – sehr nett, wie wir es von einem friedlichen Literaten auch erwarten. Ist eine Annäherung in Sicht?

 

Animierte Architektur Montag, 28. Mai 2007

Filed under: Kunst,YouTube — peet @ 14:56 Uhr
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Die Konkurenz zwischen den Kulturen produziert Weltwunder. Die heutige Generation kennt das meist erst aus dem Spiel “Civilisation”. Nun kann man am Beispiel Dubai-Stadt sehen, wie ein neues Weltwunder entsteht.

Hier eine schnelle Einführung:

Hier mehr über den rotierenden Wolkenkratzer:

Besonders beindruckend finde ich den Tanz in letzen Sekunden der Animation. Einzelheiten, Fotos und weitere Links sind hier gesammelt. Der Architekt von dem Twirling Tower heißt David Fisher. Aus seiner Homepage kann man Details der “dynamischen Architektur” besser verstehen (Link).

Noch ein ambitioniertes Projekt wird in Dubai gebaut -The Pad (Link). Im iPad Tower sind Innenräume dynamisch, im Unterschied zum Twirling Tower. So nennt der Architekt James Law seinen Stil “Cybertecture” (Link):

Wir können dankbar sein, dass wir wenigstens ein Phaeno von Zaha Hadid in Wolfsburg haben:

Ich bewundere diese Mischung aus Arche Noah und Enterprise. :-)

 

Das ewig Weibliche in der Animation Sonntag, 27. Mai 2007

Filed under: Kunst,YouTube — peet @ 11:34 Uhr
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Ein neuer Künstler bei YouTube mit einem bescheidenen Nicknamen eggman913 arbeitet mit dem Programm Abrosoft FantaMorph 3. Seine zwei Animationen sind bewundernswert, denn sie bewundern das ewig Weibliche gebührend:


Mit der ähnlichen Methode schafft er eine Hommage an Picasso:

Aus seinem anderen Video über eine Reise durch die exotischen Gebiete der USA kann man eine natürliche Gabe sehen, die von der Montage im Geiste Eisensteins zeugt:

Zum Vergleich würde ich ein vergleichbares kunstvolles Projekt eines jungen Mannes ziehen, der sich jeden Tag sechs Jahre lang fotographierte und daraus eine Animation bastelte:

Ein anderer – sogar 8 Jahre lang:

Das sind zwei Methoden mit der Zeit umzugehen. Bei eggman913 geht es um die Ewigkeit, bei Noah und Jonathan – um die Vergänglichkeit.

 

Darfur und Israel als Stichworte Samstag, 26. Mai 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 16:29 Uhr
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Von Idan Gazit (Link).

UPDATE: Eine Reihe von Interpretationen bietet David Bogner an, in seinem Blog “Treppenwitz” (Link).

 

Noch einmal zu Giordanos Burken Freitag, 25. Mai 2007

Filed under: Deutschland,Medien — peet @ 15:03 Uhr
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Die FAZ von heute setzt die Debatte um die Äußerungen Ralph Giordanos fort (Link) - aus einer ganz anderen Perspektive heraus (Link). Christian Geyer ist im Namen der Zeitung darauf neidisch, dass Giordano deren moschee- und islamkritische Position besetzt, und will ihn zurückdrängen. Nicht besonders humorvoll und stellenweise sogar einer nicht besonders feinen Unterstellung verdächtig, dafür aber mit einer interessanten Leserdiskussion im Anschluss.

Geyer:

Wenn er das Recht, die Burka zu tragen oder eine Moschee zu bauen, vom Mehrheitswillen der deutschen Bevölkerung abhängig machen will (“Politiker, die für den Bau einer Moschee sind, missachten Volkes Stimme“), dann wird sich der Schrifsteller bald umschauen, welche Themen sonst noch auf der Mehrheitsagenda landen, mit dem Ziel, verbriefte Grundrechte per Plebiszit ausser Kraft zu setzen. 

Ein Leser:

Wer ein Problem mit der Burka hat, der hat ein Problem mit sich selbst!

Ein anderer Leser: 

Im Koran steht eindeutig, dass die Frau sich zu verschleiern hat, und zwar um sich von den Ungläubigen abzugrenzen.

Eine dritte:

Nirgendwo im Koran befindet sich eine Passage die die Ganzkörperverhüllung für Frauen vorschreibt. 

Eine vierte:

Die Burqa oder einen Schleier jeglicher Art mit Argumenten von Menschenrechten zu verbannen ist unlogisch, immerhin wuerden Rechte der Frauen verletzt werden die das Burqa aus freien Stuecken tragen.

Ein fünfter:

Kampf gegen Burka = Kampf gg. Zwangsverheiratung = Kampf gg. Zwangsprostitution

Ein sechster:

Warum ist es (fast) unmöglich, in Ländern, in denen der Islam Staatsreligion ist, Kirchen zu bauen?

Leser sind weiter als die Zeitung, ist das nicht schön?

 

Nebenbei antisemitisch Donnerstag, 24. Mai 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 18:49 Uhr
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Zwei kleine Beispiele, an sich alltägliche Lektüre. Nur passen sie irgendwie gut zusammen.

In der heutigen “Süddeutschen” belehrt Sonja Zekri einen alten Mann (Link). Sie hat Ralph Giordano bei der übertrieben harten negativen Einstellung hinsichtlich der geplanten Moschee in Köln erwischt, jawohl. Nur ist das zu wenig für die Zeitung, da muss man doch auch Juden ins Spiel bringen, sonst ist das tägliche Pensum nicht erfüllt. Das geht so:

Der deutsche Antisemitismus steht singulär in der Tradition eines biologistischen Judenhasses, der im Mord an sechs Millionen Juden kulminierte.

Der muslimische Judenhass ist dagegen ohne die Krisen im Nahen Osten undenkbar. 

Dieser Plural und die Gegenwartsform des Satzes sind eine hohe Kunst. Das muss man können!

Viel plumper ist das Beispiel aus dem “Titel-magazin”, erschaffen von Christoph Pollmann (Link). Eine große antisemitische Welle begleitet den Rücktritt des Weltbankschefs Paul Wolfowitz. Da kann ein Literat nicht schweigen:

Dieses Gesicht und dieser Name – als hätte sich das ein angetrunkener Komödienschreiber ausgedacht! Und dazu diese schmierige BRISK-Haartolle [...] Gekrönt wird das Ganze von einer Nase, die glatt die hirnweiche NPD-Politelite auf die Idee bringen könnte, Rassenkunde wieder als Pflichtfach an Hauptschulen einzuführen.

Das ist einerseits viel zu offensichtlich braun, andererseits meckert doch so gut wie keiner (nur David Harnasch). Na, Christoph, hast du schon probiert, “schmierige” Nasen und “Annäherungsversuche” für die SZ zu belächeln?

 

Yegor Gaidar erklärt den Untergang der UdSSR Montag, 21. Mai 2007

Filed under: Geschichte,Politik,Russland — peet @ 22:38 Uhr
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In einem Vortrag hat Yegor (Jegor) Gaidar, der ehemalige Premierminister Russlands unter Jelzin 1991-1994, wirtschaftliche Hintergründe erklärt, wie das Sowjetreich zugrunde gegangen ist (Link). Der Vortrag wurde am 13.11.2006 gehalten, in English, aber erst am 19.5.2007 online gestellt. Sehr empfehlenswert!

 

 
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