Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Drei Seiten einer Medaille Freitag, 8. Juni 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 13:51 Uhr
Tags: , , , ,

Die Diskussion über die Proteste um die G8, Heiligendamm, Rostock, Greenpeace und Schlauchboote, von der Polizei gerammt, dreht sich im Kreise. Die Politik wird von den meisten Medien fein rausgehalten, viele Blogger machen da mit und schieben die volle Verantwortung für alles, was bei den Protesten schief geht, den Protestierern in die Schuhe. Die anderen, die die Polizei bei jedem Missgriff kritisieren, sehen dann nur der Polizei Schuld.

Und schon kann Merkel majestätisch witzeln (Link):

“Greenpeace hat auch schon seriösere Unterfangen gemacht im Zusammenhang mit dem Klimaschutz”, sagte Merkel vor Journalisten am Rande des G-8-Gipfel am Donnerstag. “Ich hoffe, sie werden nicht allzu viel CO2 emittieren mit ihren Bootsfahrten dort auf der Ostsee”, fügte die Kanzlerin hinzu.

Die Unfähigkeit zu kommunizieren zeigt sich immer wieder. Watzlawick lässt grüßen. Ich darf Marie Antoinette zitieren (Link):

S’ils n’ont pas de pain, qu’ils mangent de la brioche

Es gibt wenige Blogger (bis jetzt keine Journalisten), die den Ablauf und sich selbst hinterfragen, anstatt der Politik und deren Medien kopflos zu folgen. Die Mehrheit will ich hier also nicht zitieren, denn sie ist überall. Von den wenigen anderen sind mir aufgefallen:

Ich finde es nicht mehr witzig, was sich in Heiligendamm abspielt. ERSTENS: Immer mehr Polizei wird die Atmosphäre immer weiter aufheizen. ZWEITENS: Ich halte es für legitim, durch gewaltfreie Aktionen in die Sperrzone einzudringen um so darauf aufmerksam zu machen, dass sie bei weitem übertrieben, kontraproduktiv und ein Ausdruck der Angst der Mächtigen vor dem demokratischen Protest ist (die Aktivitäten des schwarzen Blocks sind kein demokratischer, gewaltfreier Protest, sondern Straftaten). Bilder, dass ein Polizeiboot ein Greenpeace-Schlauchboot überfährt, obwohl dessen Insassen signalisiert haben, dass sie aufgeben, möchte ich nicht mehr sehen müssen. [Link]

warum bin ich nicht nach heiligendamm gefahren?

warum demonstriere ich nicht?

wo ist meine stimme gegen die armut?

wie kann mein kopfschütteln alles sein, was gegen l ä c h e r l i c h e aussagen wie “wir ziehen ernsthaft in betracht blablabla” steht?

wie kann ich so ein wischiwaschi und nichtssagendes, aussagen für das jahr 2050 usw einfach so hinnehmen, während so viele andere vor ort sind und ihre meinung kund tun? [Link]

100 Millionen Euro. Illegaler Einsatz der Bundeswehr im Inneren. Gerichtlich bescheinigte Verfassungsverstöße beim Demonstrationsrecht. Serienweiser Mißbrauch von Platzverweisen. Mordversuch an Greenpeace-Schlauchbootfahrern.

Und Angela kommt mit Glasperlen zurück.

Nein, Mädel, das ist nicht die Wende in der Klimapoltik. Heiligendamm war die Wende in der Innenpolitik. [Link]

Die Spießer unter den Protestierern hat ein russischer Journalist Andrej Kolesnikov (“Kommersant”) mit der einmaligen Ironie beschrieben (Link):

Ein TV-Team drehte die Sendung über die in Schwarz gekleideten Motorradfahrern, die einen Kampf mit Polizisten suchten. Die haben es tatsächlich getan und bekamen Stöcke zu spüren. Dann wollte ein mutiger Kameramann von einem Mofatypen in die Richtung der nächsten Gruppe der Polizisten mitgenommen werden. [...] Die Jungs waren zuerst bereit ihn mitzunehmen, dann haben sie festgestellt, dieser habe keinen Helm bei sich, und empört abgesagt: “Das ist doch eine Straftat!”

Gehören die drei Seiten zueinander, unzertrennlich?

About these ads
 

4 Responses to “Drei Seiten einer Medaille”

  1. Boche Says:

    “Ich darf Marie Antoinette zitieren…”

    Na, mit historischen Zitatfälschungen (mehr darüber auf der Wiki-Seite, die du selbst verlinkt hast) stärkst du deine Position aber nicht. ;-)

  2. peetgp Says:

    Ich weiß um die Geschichte des Spruchs. “Nur nicht denken!” *g*

  3. Boche Says:

    Ach, dann war das ironisch gemeint und du wolltest das Gegenteil ausdrücken? Dass Frau Merkel sehr wohl kommunikationsfähig ist?

  4. peetgp Says:

    Ich befürchte, das ist zu kompliziert für dich. Ich buchstabiere:
    Merkel benimmt sich königlich und macht sich lustig über ihre Untertanen. Das lässt sich durch den Vergleich mit dem berühmten Spruch klarmachen, der Marie Antoinette zugeschrieben wird, in dem in derselben Manier dem gemeinen Volk gutgemeinte, in der Tat aber heuchlerische Ratschläge erteilt werden.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 25 Followern an