Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Zwei Enthüllungstexte über den russisch-georgischen Krieg Donnerstag, 28. August 2008

Filed under: Uncategorized — peet @ 14:50 Uhr
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Die Propaganda ist immer einseitig. Um an die Wahrheit ranzukommen, muss man heutzutage lange recherchieren. Zwei englischsprachige Empfehlungen zum Thema russisch-georgischer Krieg 2008 sind

  • ein Blogbeitrag von Michael J. Totten (Link). Dem sollen offensichtlich weitere Berichte des Journalisten folgen;
  • ein Artikel von Melik Kaylan in Wall Street Journal (Link).

Die beiden stimmen überein.

 

Erfolg der russischen Diplomatie Mittwoch, 27. August 2008

Filed under: Allgemein — peet @ 17:42 Uhr
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Nach der Anerkennung der “Unabhängigkeit” der ehemaligen georgischen Territorien – Abchasien und Südossetien – durch den russischen Präsidenten Medwedew hat man gespannt gewartet, wer wohl als erster – und ob überhaupt – diese Entscheidung gutheißen würde.

Die Antwort auf diese Frage erfolgte gestern abend – die Hamas hat als die erste und bis dato die einzige “Großmacht” die russische “friedliche” Initiative unterstützt (Link in Englisch, Link in Russisch, georgische Reaktion darauf – Link in Englisch).

Ein überwältigender Erfolg!

Nebenbei gemerkt, der “Spiegel” hat gestern einen seht guten Artikel von Matthias Schepp über die Hintergründe des russisch-georgischen Krieges online gestellt, mit richtigen Fragen, besser ausgewogen als woanders (Link). Und für Leser, die kein Problem mit Spanisch haben, empfehle ich noch eine sehr gute Analyse der Lage, die José Ignacio Torreblanca, director de la Oficina en Madrid del European Council on Foreign Relations in der Zeitung “El Pais” geschrieben hat (Link – Falls der Text verschwindet, bitte Bescheid sagen, dann stelle ich ihn hier als Kopie rein). Insbesondere:

Aunque ha habido un intenso debate acerca de quién comenzó las hostilidades el 9 de agosto, ese debate pierde ahora bastante sentido: la inclusión de Abjazia en el mismo lote demuestra a las claras que Moscú ni siquiera tiene interés en apoyar su posición en argumentos. Para los que insisten en el precedente de Kosovo, lo ocurrido estos días debería ser la prueba definitiva de que estos dos casos están en las antípodas del derecho internacional. El decreto de Medvédev iguala los 10 años de mandato de Naciones Unidas en Kosovo con 10 días de ocupación rusa y, en el colmo del cinismo, resuelve el caso unilateral e injustificadamente con lo que no es sino una pura y llana anexión.

 

Perlentaucher erwischt die FAZ beim Qualitätsjornalismus Dienstag, 26. August 2008

Filed under: Allgemein — peet @ 23:12 Uhr
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Thekla Dannenberg hat beim Perlentaucher einen netten und bei aller Knappheit doch starken Säbelhieb gegen die FAZ-Redaktion platziert. Es geht um Broder und seine/ihre Hintergedanken. Lesenswert! (Link)

UPDATE: Und hier antwortet Broder der FAZ in der FAZ, so ist die Story komplett, auch wenn die FAZ selbst einer anderen Meinung bleibt!

 

Chodorkowski aktuell Freitag, 22. August 2008

Filed under: Medien,Russland — peet @ 11:36 Uhr
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Ich verlinke hier auf einen selten guten Beitrag über die Lage in Russland, mit speziellem Blick auf die Situation von Michail Chodorkowski (Link). In der letzten Zeit melden sich bei mir ziemlich viele empörte Leser, die zu Krone-Schmalz und ihrem Russland-Bild stehen. Extra für sie: Die Mehrheit der Bevölkerung Russlands ist laut der aktuellen Umfrage dafür, dass Chodorkowski im Gefängnis bleibt. Die Quiz-Frage wäre, warum denken die Leute so?

 

Celan-Bachmann-Briefwechsel Samstag, 16. August 2008

Filed under: Allgemein — peet @ 21:30 Uhr
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Zwei Zeitungen informieren über den herausgegebenen Briefwechsel zwischen zwei großen Dichtern. Romantische Gefühle im unromantischen Zeitalter, zum Scheitern vorverurteilt.

Die Unterschiede zwischen beiden Einführungen sind für sich bemerkenswert: Dirk Knipphals nennt alles beim Namen, lässt Poeten selbst sprechen und hat unbequeme Fragen an die Herausgeber (Link). Jürgen Serke bemüht eine schwülstige hochgestelzte Sprache und bringt deswegen etwas weniger Licht in das schwierige Verhältnis zwischen der Literatur und den Autoren (Link).

Zum Vergleich zwei Stellen über das Scheitern selbst.

Knipphals:

Eine von ihm als zutiefst antisemitisch empfundene Besprechung seines Gedichtbandes “Sprachgitter” von Günter Blöcker, die ihn ins Herz seiner Existenz trifft (ein wie die bald darauf von Claire Goll losgetretene sogenannte Plagiats-Affäre zentrales Thema in der Celan-Forschung), schickt er im Oktober 1959 mit einem einzigen Begleitsatz zu ihr: “Liebe Ingeborg, die beiliegende Besprechung kam heute früh – bitte lies sie und sag mir, was Du denkst. Paul.” Als ihre Reaktion nicht exakt so ausfällt, wie er es sich erwünscht hatte, kündigt er ihre Freundschaft mit großer Geste auf. Wie daraufhin alle Beteiligten, auch Max Frisch ist involviert, zu kitten versuchen, was noch zu kitten ist, liest sich hochdramatisch. Aber wirklich erholen wird sich die Freundschaft nicht mehr. Sie tippt noch zwei Jahre später einen eingehenden Analysebrief in die Schreibmaschine, aber an ihn abschicken wird sie ihn nicht.

Serke:

In dieser Phase sucht Celan Hilfe bei Frisch und der Bachmann in seinem Kampf gegen die Plagiatsvorwürfe der Witwe von Ivan Goll, gegen antisemitische Tendenzen von Kritikern in der Bundesrepublik, gegen die von ihm empfundene Geringschätzung Heinrich Bölls. Die Antworten der beiden sind jammervoll.

In aller Schärfe sind sie zusammengefasst in einem Brief, den Ingeborg Bachmann nicht abschickt: “Das ist Dein Unglück, das ich für stärker halte als das Unglück, das Dir widerfährt. Du willst das Opfer sein, aber es liegt an Dir, es nicht zu sein.” Der Briefwechsel endet.

 

Worüber schweigen deutsche Medien gerne? Freitag, 15. August 2008

Filed under: Deutschland,Medien,Politik,Russland,TV — peet @ 21:33 Uhr
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Nach den üblichen Zielscheiben für die mediale Kritik wie Israel und die USA ist zur Zeit Russland der Lieblingsprügelbär. Die Rolle Südossetiens im Zünden der kriegerischen Auseinandersetzung wird von den wenigsten Journalisten erwähnt – die “Expertin” Gabriele Krone-Schmalz findet dafür kein einziges Wort (Link). Ach, was soll’s…

Interessanter scheint mir in dem Zusammenhang festzustellen, dass die Kritik an der fremdenfeindlichen Politik der deutschen Regierung und an der fremdenfeindlichen Einstellung der deutschen Gesellschaft, die bei der Sitzung des UN-Komitees zur Beseitigung von Rassismus (CERD) am 6.8.2008 in Genf verlautbart wurde, in nur zwei Meldungen erwähnt wurde und zwar heute, d.h. fast 10 Tage danach (bei n-tv – Link und bei der Deutschen Welle – Link). Der Text der Medienberichts auf Englisch (Link) wurde von keiner deutschen Medienstelle übersetzt und für die deutsche Öffentlichkeit kommentiert.

Wir sind eben sehr mutig und kritisieren lieber Putin, Olmert und Bush, das ist unser Niveau und nichts darunter!

 

 
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