Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Celan-Bachmann-Briefwechsel Samstag, 16. August 2008

Filed under: Allgemein — peet @ 21:30 Uhr
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Zwei Zeitungen informieren über den herausgegebenen Briefwechsel zwischen zwei großen Dichtern. Romantische Gefühle im unromantischen Zeitalter, zum Scheitern vorverurteilt.

Die Unterschiede zwischen beiden Einführungen sind für sich bemerkenswert: Dirk Knipphals nennt alles beim Namen, lässt Poeten selbst sprechen und hat unbequeme Fragen an die Herausgeber (Link). Jürgen Serke bemüht eine schwülstige hochgestelzte Sprache und bringt deswegen etwas weniger Licht in das schwierige Verhältnis zwischen der Literatur und den Autoren (Link).

Zum Vergleich zwei Stellen über das Scheitern selbst.

Knipphals:

Eine von ihm als zutiefst antisemitisch empfundene Besprechung seines Gedichtbandes “Sprachgitter” von Günter Blöcker, die ihn ins Herz seiner Existenz trifft (ein wie die bald darauf von Claire Goll losgetretene sogenannte Plagiats-Affäre zentrales Thema in der Celan-Forschung), schickt er im Oktober 1959 mit einem einzigen Begleitsatz zu ihr: “Liebe Ingeborg, die beiliegende Besprechung kam heute früh – bitte lies sie und sag mir, was Du denkst. Paul.” Als ihre Reaktion nicht exakt so ausfällt, wie er es sich erwünscht hatte, kündigt er ihre Freundschaft mit großer Geste auf. Wie daraufhin alle Beteiligten, auch Max Frisch ist involviert, zu kitten versuchen, was noch zu kitten ist, liest sich hochdramatisch. Aber wirklich erholen wird sich die Freundschaft nicht mehr. Sie tippt noch zwei Jahre später einen eingehenden Analysebrief in die Schreibmaschine, aber an ihn abschicken wird sie ihn nicht.

Serke:

In dieser Phase sucht Celan Hilfe bei Frisch und der Bachmann in seinem Kampf gegen die Plagiatsvorwürfe der Witwe von Ivan Goll, gegen antisemitische Tendenzen von Kritikern in der Bundesrepublik, gegen die von ihm empfundene Geringschätzung Heinrich Bölls. Die Antworten der beiden sind jammervoll.

In aller Schärfe sind sie zusammengefasst in einem Brief, den Ingeborg Bachmann nicht abschickt: “Das ist Dein Unglück, das ich für stärker halte als das Unglück, das Dir widerfährt. Du willst das Opfer sein, aber es liegt an Dir, es nicht zu sein.” Der Briefwechsel endet.

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