Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Eldad Beck: Die deutschen Medien gehören vors Gericht Donnerstag, 18. September 2008

Während der kleine Antisemitismusstreit 2008 in Deutschland ganz gemütlich geführt wird, sagt Eldad Beck in der israelischen Zeitung “Yediot Achronot” direkt und geradeaus, was er dazu denkt. Die deutsche Botschaft in Tel-Aviv war so nett, seinen Artikel am 17.9. 2008 zu referieren:

Ein Kölner Gericht musste vor kurzem über eine ziemlich schwierige Frage entscheiden: Hat ein Jude das Recht, einen anderen Juden als Antisemiten zu bezeichnen?

Und so gelangte diese absurde Frage ausgerechnet vor ein deutsches Gericht: Evelyn Hecht-Galinski ist die Tochter von Heinz Galinski, einem Holocaustüberlebenden, der nach dem 2. Weltkrieg die unmögliche Aufgabe auf sich genommen hatte, die jüdische Gemeinde in Deutschland wieder zu beleben. 43 Jahre lang stand er der jüdischen Gemeinde von Berlin vor, und er fungierte auch als erster Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

In Israel war Galinski nicht unbedingt beliebt. Der Gedanke, dass im Land der deutschen Mörder wieder jüdisches Leben entsteht, erschien vielen fremd und sogar pervers. Galinski nahm den Israelis ihren Standpunkt nicht übel, er glaubte jedoch daran, dass Juden auch nach dem Holocaust in der Diaspora leben können, sogar in Deutschland.

Seine Tochter Evelyn führt seit Jahren einen bitteren Krieg gegen Israel. Bei öffentlichen Auftritten und in unzähligen Interviews behauptet sie: „Israel will alles, nur keinen Frieden”, „Die israelische Gesellschaft ist autistisch”, „Die Holocaustopfer werden von Israel zu politischen Zwecken missbraucht” und auch „Die jüdische Gemeinde wurde zum Sprachrohr der israelischen Propaganda”.
Wegen dieser Einstellung zu Israel wurde Hecht-Galinski zum Star in den deutschen Medien. Immerhin spricht sie ja aus, was viele Deutsche denken, sich jedoch nicht sagen trauen: Israel ist schrecklich, fürchterlich und hat eigentlich überhaupt kein moralisches Existenzrecht. Wenn die Tochter des ehemaligen Präsidenten der jüdischen Gemeinde so etwas sagt, dann erhalten diese Äußerungen einen
„Koscherstempel”.

Die übertriebene Aufmerksamkeit, die Hecht-Galinski in Deutschland erhält, begann Henryk Broder, einem jüdisch-deutschen Schriftsteller, der ihre Meinung nicht teilt, auf die Nerven zu gehen. Nach einem weiteren Interview, das sie einem der staatlichen Rundfunksender Deutschlands gab, schickte Broder ein Protestschreiben an die Leitung des Senders, in der er Hecht-Galinski anti-israelische und antisemitische Haltungen vorwarf. Der Brief wurde an sie weitergeleitet, und sie reichte sofort eine
Verleumdungsklage gegen Broder ein.

Die juristische Auseinandersetzung zwischen den beiden wurde zu einem heißen Thema in der deutschen Presse, die haufenweise Kommentare veröffentlichte, die zum Großteil Hecht-Galinski in Schutz nahmen. Das Gericht legte fest, dass Broder das Recht habe, Hecht-Galinski als Antisemitin zu bezeichnen, wenn er diese Aussage beweisen könne. Beide Seiten werteten dieses Urteil als Sieg.
Hecht-Galinski hat natürlich das Recht, ihre Meinungen frei zu äußern. Das Problem liegt darin, wie die deutschen Medien, sowohl die privaten als auch die staatlichen, von ihr und ihresgleichen Gebrauch machen. Seit Jahren stellen die deutschen Medien den Auffassungen radikaler Linker, jüdischer und deutscher, eine sehr breite Bühne zur Verfügung, damit diese Israel schlecht machen können. Einige von ihnen machen daraus in Deutschland eine Karriere und auch ein Vermögen.
Man bezeichnet sie als „die andere jüdische Stimme”, die Stimme der Vernunft und der Logik, des Verzichts und der Zurückhaltung, der Versöhnung und des Friedens.

Andere Stimmen, in Israel und in der jüdischen Gemeinde, können in Deutschland ihre Haltung nur selten zum Ausdruck bringen. Sie gelten von vornherein als rechts, kämpferisch und faschistisch, und, bitteschön, kommt den Deutschen bloß nicht mit Tatsachen.

Das ist das traditionelle antisemitische Konzept: Der „gute” Jude tut, was man von ihm erwartet. Der „schlechte” Jude besteht auf seinem Standpunkt und ist streitsüchtig. Wer vor Gericht gestellt werden sollte, das sind die deutschen Medien.

Quelle: Medienspiegel der Deutschen Botschaft Tel Aviv

 

2 Responses to “Eldad Beck: Die deutschen Medien gehören vors Gericht”

  1. 30 Jahre TAZ Sagt:

    tazkongress 2009: Eldad Beck…

    Links
    Über deutsche Medien im Bundestag
    Debattenbeitrag
    Kosovo in Galiläa
    Eldad Beck in der taz …

  2. gwunderi Sagt:

    “Das Problem liegt darin, wie die deutschen Medien, sowohl die privaten als auch die staatlichen, von ihr und ihresgleichen Gebrauch machen.”

    Genau und einzig darum geht es; nicht, ob Israel kritisiert werden darf oder nicht (die Frage ist ja schon lachhaft), sondern einzig darum, was daraus gemacht wird, und durch wen.


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