Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Hitler- und Judengeschäft bei “Freitag” Sonntag, 30. November 2008

Beide Themen verkaufen sich immer gut, das weiß auch die “Freitag”-Redaktion. Und beides unter einem Hut noch besser. So hat die Wochenzeitung jetzt, also am 28.11.2008 einen Artikel aus der “Guardian” vom 6.8.2008 übersetzt. Warum so spät? Tja, warum überhaupt, das wäre die richtige Frage.

Tanya Gold schreibt darin über ihre Begegnungen mit Konvertiten, mit deutschen Täter-Nachkommen, die nach Israel gingen und dort zum Judentum konvertierten. In der typischen für die “Guardian” leicht aufgeregten israelneugierigen Sprache, mit leichtem Anti-Ton, mit der Verwunderung, warum denn diese Menschen überhaupt bereit sind, interviewt zu werden, wo sie doch im Geiste leicht krank sind. Alles leicht und unverbindlich, nett plauderig.

In der deutschen Übersetzung sind zwei Unebenheiten schwerwiegend. Erstens bezieht sich Tanya Gold ständig auf die Telefonate mit Dan Bar-On, dem großen Mann der israelischen Psychologie, der mit seiner TRT-Methode eine Epoche geschrieben hat. Das kann sie nicht wissen, sie plappert nur nach. Nur ist er leider am 4.9.2008 gestorben. Das wird nicht einmal erwähnt, peinlich.

Zum zweiten, klingen alle Leichtigkeiten Golds in der deutschen Sprache und im Kontext der Zeitung anders, noch peinlicher eigentlich.

Es bleibt noch zu erwähnen, dass die englische Originalfassung von Yaacov Lozowick nüchtern und klug auseinandergenommen wurde (Link):

the idea that people want to belong to a victim group, because being a victim carries moral weight. I suppose if you believe that circumstances make of us what we are and human choice is at best of secondary importance, it’s better to be weak and incapable of bettering your condition, than strong and perhaps responsible for your deeds. After all, the end result is that people are flawed, and realilty is never perfect, so the less responsibility you have, the more you can shove onto some others who are stronger, the better.

Aber das ist für die “Freitag” zu kompliziert, sorry.

 

Billige Zeitungskritik Samstag, 29. November 2008

Einsortiert unter: Kulturzeit,Literatur,Medien,NZZ — peet @ 11:51 Uhr
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In der NZZ von heute schreibt ein Michael Schmitt (Literaturredaktor bei 3sat-Kulturzeit) über Ray Bradbury (Link):

«Fahrenheit 451» ist vermutlich das problematischste, weil «zu gut gemeinte» dieser drei frühen Bücher.

Ein deutlicheres Bild für das ideal gedachte «Gespräch mit Büchern» kann es kaum geben – es ist zudem eine Liebeserklärung Bradburys an all die Bibliotheken, in denen er sich als Autodidakt die eigene Bildung angeeignet hat –, aber es ist auch, von heute aus gesehen, nicht weit weg von einer mittlerweile billig zu habenden Bildungsnostalgie.

Jetzt wissen wir, wie es dazu kommt, dass die “Kulturzeit” zu vernachlässigen ist.

 

Sozialismen, Kommunismen… Mittwoch, 26. November 2008

Wie immer, auf Umwegen findet man etwas bis dato Unbekanntes. Mit einem Interview stellt “Die Welt” den ach-wie-linken Schriftsteller Ditmar Dath vor (Link). Es wird geplaudert. Unter anderem:

Für mich, den linken Westler, war die DDR vor allem die Garantie dafür, dass meine Regierung sich ihren eigenen Linken gegenüber nicht allzu schlecht benimmt: Man schlägt die Gattin nicht vor den Augen der feministischen Nachbarin. Was jener Staat für Nachteile hatte, steht überall zu lesen; die Vorteile aber stehen nur bei den größten deutschen Schriftstellern mehrerer letzter Jahrzehnte, Peter Hacks und Ronald M. Schernikau.

Von Hacks habe ich früher einiges gelesen, von Schernikau habe ich erst jetzt also erfahren und mich im Internet informiert. Alle drei – Dath, Hacks, Schernikau – sind Literaten, die von der Zeitschrift “Konkret” promotet werden.
Unterm Strich und in Kürze: Schon wieder ein ästhetischer Blick auf die Geschichte, die Gegenwart und die Zukunft. Die Realität wird ausgeblendet oder neu gedichtet. Dazu der Pathos eines Weltverstehers und -verbesserers.

Dann muss man wohl wiederholen:

Es gab nie einen Sozialismus.
Es gibt keinen Sozialismus.
Es wird nie einen geben. Genauso mit einem Kommunismus.

Die Utopien – wie auch Antiutopien – sind dazu da, zum Nachdenken und vielleicht sogar zum Handeln zu animieren. In der Pubertät und Adoleszenz mehr als später. Nur dass es nicht weh tut. Ich meine, selbst nicht und den anderen erst recht nicht. Diese Mantras sollten sich einige vielleicht öfter wiederholen.

 

Der sterbende Qualitätsjournalismus Dienstag, 4. November 2008

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… ist also immer noch schneller und informativer als Blogger: Über eine Tagung in Potsdam konnte ich nur einen gedruckten Beitrag finden und keinen Blogeintrag. Und das zum Thema “Die Zukunft des (Print-)Journalismus in der digitalen Medienwelt”. Waren keine Blogger dabei?

Wie auch immer, das, was Kai-Hinrich Renner darüber berichtet, ist lesenswert. Unter anderem (Link):

Philip Meyer, Journalismusprofessor an der University of North Carolina, rechnet damit, dass die letzte Ausgabe einer Papierzeitung spätestens 2040 herauskommt.

Oder:

Das Modell Pro Publica ist laut Kramp und Weichert allerdings nicht direkt auf Deutschland übertragbar, da es hierzulande kein mit den USA vergleichbares Mäzenatentum gebe.

 

Helge Schneider zur TV-Krise

Einsortiert unter: Allgemein — peet @ 13:30 Uhr
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Wer kann, der kann. Die Plaudertasche spricht die Wahrheit aus (Link):

Gottschalk hat in dem Fernseh-Talk mit Reich-Ranicki gesagt, man solle das Niveau ruhig senken, um mehr Quote zu machen. Das finde ich nicht richtig. Wenn man so was macht wie Showgeschäft, muss man doch das, was man macht, selbst gut finden. Man hat ja den Auftrag, dass man das anderen zuteil werden lässt, man hat einen erzieherischen Auftrag. Wenn man aber denkt, für die Zuschauer mache ich jetzt was Doofes, damit die einschalten, ist das am Thema vorbei, geht das in einer Endlos-Schleife immer weiter nach unten. Der Zuschauer ist sowieso schon entmündigt. Der Fernsehmacher geht auf Nummer sicher. Aber so ist das ja überall. Eigentlich fände ich es schön, wenn TV auch etwas mit Qualität zu tun hätte. Aber ich glaube, das fängt schon vor dem Einschalten des Fernsehers an.

Das tut gut.

 

 
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