Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Krauthammer schon wieder Freitag, 19. Juni 2009

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Charles Krauthammer ist eine schillerne Persönlichkeit unter den Journalisten, er ist ein Meinungsmacher, eine wahre Thinkmachine. Ich verfolge immer  gerne seine Kolumne bei der Washington Post.

Seine neueste Kolumne ist Obama gewidmet (Link):

For all of his philosophy, the philosopher-king protests too much. Obama undoubtedly thinks he is demonstrating historical magnanimity with all these moral equivalencies and self-flagellating apologetics. On the contrary. He’s showing cheap condescension, an unseemly hunger for applause and a willingness to distort history for political effect.

Distorting history is not truth-telling but the telling of soft lies. Creating false equivalencies is not moral leadership but moral abdication. And hovering above it all, above country and history, is a sign not of transcendence but of a disturbing ambivalence toward one’s own country.

Vor einigen Tagen hat die “Jerusalem Post” ihn interviewt, und den Text möchte ich auch empfehlen (Link):

[...] you defined Jewish music broadly as based on a sensibility rather than DNA. The lineup included the non-Jewish Dmitry Shostakovich’s so-called “Jewish finale,” itself one of the only pieces that featured recognizably Jewish melodies. What, then, did you mean by a Jewish sensibility?

It’s music that’s either consciously or unconsciously drawn from the folk, the klezmer, the liturgical, the shtetl. Shostakovich, interestingly, absorbed that through his fellow musicians without having experienced it firsthand.

In music it would be drawn from the music of the folk. In literature it’s an interesting question, what’s a Jewish novel? Again, it has to do with whether there’s an attachment to or a feeling of or a concern with the Jewish experience and Jewish destiny, though that’s to put it very broadly and bluntly and crudely.

We’re not going to do Felix Mendelssohn. He was genetically Jewish, but he was so consciously Christian, and he tried to be European. That’s fine – he’s one of the great composers and he’s in the European canon – but he’s not particularly of interest to us simply because he happened to be genetically Jewish.

[...] In Europe I think it is that the era of Holocaust guilt is over. It was a generational phenomenon. Now that it’s over, Europe is reverting to its natural anti-Semitism – not with the virulence obviously that we saw in the early 20th century, but the norm for the 19 centuries before that – Jews as alien, Jews as troublesome, Jews as not quite trustworthy. And it’s writ large for Israel. The Jewish people have lost Europe. Israel’s lost Europe. The one place it hasn’t been lost is America, where there are tens of millions of Americans who are strongly Zionist and many other who are sympathetic. One of the things I try to do is make the case, which I find a very easy case to make, to oppose the fashionable anti-Israeli trend.

[...] How do you see the ultimate resolution?

Everyone knows what the resolution will be. It will be along the lines of the Clinton-Barak proposal in 2000 at Camp David. And I can give you the terms of the agreement on the back of an envelope right now. It will be 5 percent of the West Bank, which will involve some of the larger Israeli settlements, which Israel will take. Israel will give Palestinians equivalent territory out of Israel proper. There will be a Palestinian state, a Jewish state, and Jerusalem will be divided along the lines Ehud Barak offered, and that’s what it’s going to look like. [...]

 

Integration, wie sie bei Springer auszusehen hat Montag, 15. Juni 2009

Na da habe ich doch noch etwas entdeckt: Bei dem berüchtigten Springer-Akademie-Blog, mehr als jepblog bekannt. Der große Spezialist der großen Kaderschmiede ließ seine Zöglinge am 21.3.2009 bei der Boulevardzeitung B.Z. das Thema “Integration” groß kochen. Die Kinder waren sehr aufgeregt und anschließend voll des Selbstlobes (Link):

Eine gelungene Mischung von Integrationsgeschichten, in sämtlichen Ressorts, fast durchgehend positiv, aber trotzdem ohne moralischen Zeigefinger.

Ist das nicht niedlich?

Blättern wir das Heft durch (Link).
Zuerst große Politik: Schäuble erzählt Märchen über die gelungene Integration – keine Nachfrage, kein Nachhaken seitens der jungen Garde. Fast durchgehend positiv. Und ohne moralischen Zeigefinger, jep behüte. Dazu folgt noch ein Kommentar eines vielversprechenden jungen Journalisten:

Die ganz überwiegende Mehrheit ist hier politisch, wirtschaftlich und kulturell angekommen.

Ich sage nur: LOL
Es folgen die üblichen Sonntagsworte von Michel Friedman, Bilder-bla-bla über eine WG mit EU-Mitbewohnern, ein Schulzeitungsbericht über ein Box-Studio für Jugendliche, eine typische Bild-Reportage über eine psychisch kranke Finnin, weiteres Bla-bla über die französische Bulette, über eine “Halbperserin” als “amtierende Miss Berlin”, über eine “VIVA-Moderatorin mit indisch-portugiesisch-ungarischen Wurzeln im Tugend-Check”, über sechs “exotische” Restaurants. Die ARD-Serie “Türkisch für Anfänger” wird als Beispiel der gelungenen integrativen Arbeit vorgestellt, obwohl sie “keine überragenden Quoten erreichte”. Viel weiter kann man einen Geschichtsartikel mit dem schlichten Untertitel “Die Hauptstadt ist schon seit Jahrhunderten das Zuhause von Franzosen, Juden, Polen und Russen” bewundern. Darin glänzt die Aussage:

Die Vertreibungen und Deportationen der Nazizeit zerstören die Immigranten-Kultur Berlins.

Nicht weniger köstlich ist das Frage-und-Antwort-Spiel, das ein besonders raffinierter junger Student erfand:

Warum Klitschko Deutschland liebt? [...]
Hier kann er mehr Geld verdienen als in Kiew [...]

“Sehr gut” passt zum Thema auch die Erwähnung einer Einbürgerung, und zwar eines Fußballspielers, und zwar – einer rumänischen! Bar jeglicher Ironie ist auch die Geschichte eines erfolgreichen und im Sinne der Integration exemplarischen türkischen Fußballvereins:

Vergangenes Wochenende standen sieben Deutsche, zwei Japaner und ein Gambier in der Startaufstellung – und bloß ein Türke.

Es darf auch nicht die gelungenste Integration fehlen, nämlich eine volle Seite der Bordellanoncen, mit typischen Namen, wie es sich gehört. “Damen aus zwölf Nationen”, schwärmt die junge Redaktion auf der anderen Seite. Dazwischen findet sich ein merkwürdiges Portrait eines Bauunternehmers, über dessen Erfolge wir lesen:

„Cheffe hat’s geschafft“, lobten ihn seine Angestellten. Aus dem Tagesgeschäft seines Betriebs hat sich Yüksel jetzt zurückgezogen. „Ich bin nur noch zwei, drei Tage im Monat in Berlin.“ Dann wohnt er in Schöneberg. Und die übrige Zeit mit seiner türkischen Ehefrau auf der Insel Tenedos in der Ägäis, „fernab von Baustellen“. Aus erster Ehe hat er drei Kinder. Die leben in der Türkei – mit deutschem Pass.

Ein Wunder der Integration, nicht wahr?

Der Umgang mit anderen Kulturen wird folgendermaßen vorgestellt:

Gläserne Reichstagskuppel: Die wurde vom englischen Architekten Sir Norman Foster entworfen. [...]
Der Döner wurde 1971 in Kreuzberg von einem Türken erfunden. [...]
Der amerikanische Polizist William Potts hatte die Idee für die erste elektrische Verkehrsampel. [...]
Der Architekt des Gebäudes [das Neue Museum] ist David Chipperfield aus England.

Darüber der Titel: “Was wir ohne Ausländer nicht hätten”. Alles klar?

Bei der Aufzählung von allerlei ausländischen Merkmalen Berlins wird Carl von Ossietzky leichter Hand zum Franzosen gemacht:

FRANKREICH 13 133 Im Haus der Paris Bar in Charlottenburg lebte einst der Schriftsteller Carl von Ossietzky

Die griechische Verbindung ist noch rätselhafter:

GRIECHENLAND 9582 Mit 48 Stadtgemeinden hat Athen viermal so viele Bezirke wie Berlin

Spanien?

SPANIEN
7044 Der Stern von Schwimm-Star Franziska van Almsick ging 1992 bei den Olympischen Spielen in Barcelona auf

Thailand?

THAILAND 5772 Bei der Tsunami-Katastrophe 2005 starb in Thailand ein Berliner, der in Deutschland wegen versuchter Vergewaltigung gesucht wurde

Kongo?

DR KONGO 310 Unter Reichskanzler Bismarck fand 1884 eine Kongokonferenz in Berlin statt

Togo?

TOGO 207 Von 1884 bis 1914 war Togo deutsche Kolonie

Burundi?

BURUNDI 32 Für 33 Jahre gehörte das heutige Burundi als Urundi zur Kolonie Deutsch-Ostafrika

Ruanda?

RUANDA 27 Auf der Kongokonferenz in Berlin wurde 1884 beschlossen, Ruanda zu einer deutschen Kolonie zu machen

Papua?

PAPUA-NEUGUINEA 4 Zwischen 1899 und 1914 hießen Teile des Inselstaates Deutsch-Guinea

Keine besonderen Gedanken beim Leser dazu?

Was sagen “Experten” in der Zeitung selbst?
Klaus Schütz:

Ich glaube allerdings nicht, dass sie sich bei uns wirklich elend behandelt fühlen. Aber sie sehen sich benachteiligt. Sie sind nun mal im Durchschnitt mehr arbeitslos als andere. Und ihre Kinder haben wohl auch nicht genug Perspektiven für die Zukunft. Aber es ist nun mal so, dass die Struktur der Berliner Wirtschaft nicht genug industrielle Arbeitsplätze bietet.

Eberhard Diepgen:

Wichtig erscheint mir aber auch ein Mentalitätswandel in der deutschen Öffentlichkeit. Wer die Probleme richtig beim Namen nennt wird allzu leicht als ausländerfeindlich beschimpft. Wir müssen auch Forderungen an die Migranten stellen und durchsetzen. Wer dreißig Jahre in Berlin lebt und immer noch kein Deutsch versteht kann dafür nicht die “böse” deutsche Gesellschaft verantwortlich machen.

Die Frage dazu “Wie können Deutsche und Migranten besser zusammenleben?” im Titel wird von der Redaktion mit den Untertiteln beantwortet:

Migranten müssen Beitrag dazu leisten

und

Migranten müssen sich besser integrieren

Na wunderbar.

Dann folgt eine Hetzjagd auf zwei “libanesiche Zwillingsbrüder”, die ganz im Bild-Stil “KaDeWe-Zwillinge” genannt werden. Und die Moral der Geschichte lautet:

Empörung auch bei Eberhard Schönberg, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Er schimpft: „Im Fall der Zwillinge ist die Integration missglückt, in vielen anderen Fällen auch.“ Schönberg ist überzeugt, dass Integration zwar nicht in der ersten, aber oftmals in der zweiten Generation gescheitert ist.

Wieso müssen die beiden vermutlichen Verbrecher sich integrieren lassen, wenn sie weiterhin staatenlos bleiben sollen? Wenn sie allerdings tatsächliche Verbrecher sind, dann warum sollten sie nicht integriert sein? Gibt es keine deutschen Verbrecher? Andersherum – wenn sie Verbrecher sind und über gute Kenntnisse in der Ausnutzung der rechtlichen Lücken besitzen, sind sie nicht integriert? Über welche Integration redet der Mann? Und warum soll die Integration der ersten Generation, die keine ist, ein Vorbild für die zweite Generation sein? Ist das bei der Gewerkschaft immer noch nicht angekommen? Migranten sollten uns bedienen und unterhalten, das sagt die Statistik, das sagt die B.Z., das meint auch die Springer-Akademie.

Die einzige nützliche Information kommt auf der Seite 21 – über den mehrsprachigen Dienst “Call a doc”. Au weia, ich will den Doc auch :-)

 

Vanity Fair ist verschwunden Sonntag, 14. Juni 2009

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…und ich habe das nicht einmal gemerkt, wie schön. Zum Glück stolperte ich über eine Meldung dazu beim Blog medienrauschen (Link). Wo waren Tränen der Leserschaft?..

 

stefan-niggemeier.de bessert sich

Da ich eine Weile blogmäßig inaktiv war, muss ich jetzt viel nachlesen. Inzwischen habe ich meine Liste der Alphablogger fast durch. Eine positive Überraschung möchte ich hiermit vermelden: Bei Stefan Niggemeier hat sich eine inhaltliche Qualitätssteigerung getan. In vorigem Jahr waren da unter anderem einige provozierende Postings, die erwartungsgemäß auch pöbelnde Kommentare nach sich zogen. Ab Januar 2009 sieht das anders aus. Weil Stefan keine Auflistung der besonders gelungenen Beiträgen führt, will ich hier meine Favoriten in dem ersten Halbjahr 2009 hervorheben, in der zeitlichen Folge:

12.1. Beitrag über die Schlamperei bei der “Tagesschau” (Link), mit der wundervollen Reaktion des allpräsenten Kai Gniffke (Link):

Ich halte die Sache nach intensiver Recherche nicht für so dramatisch [...]

Unterm Strich sei angemerkt, dass die übliche propalästinensische/proisraelische Debatte in den Kommentaren auf akzeptablem Niveau verläuft, wenn man das mediale Umfeld mitbedenkt.

30.1. Information über die Gerichtserfolge, die Eva Herman Schmerzensgeld bescherten (Link). Darunter auch ein gelungener Seitenhieb:

die deutsche Nachrichtenagentur dpa meldet grundsätzlich nichts, was „Bild” nicht gefallen könnte[.]

Oder die Feststellung,

dass eine Meldung, die weder von dpa noch von der „Bild”-Zeitung verbreitet wird, für 98 Prozent der deutschen Medien gar nicht existiert.

Auch hier in den Kommentaren kann man sehen, dass die typische JF-Leserschaft eher gering ihre Widerlichkeiten platzieren kann.

Am 20.3. und am 3.4. – zwei Artikel über die unmenschliche Behandlung der Opfer bei RTL in der Berichterstattung über den Winnenden-Amoklauf (Link und Link). Hohe Empörungswellen, wertvolle Kulturkritik.

19.4. Hinweis (Link) auf die vernichtende Kritik über die unsägliche Politsendung “Hart aber fair”, die Carolin Emcke in der “Zeit” (Link) publizieren durfte. Die Polemik in Kommentaren ist übrigens lesenwert. Frank Plasberg soll hier dementsprechend erwähnt werden, auch wenn ich es lieber genauso vermeiden würde, wie ich seine prollig-demagogische Sendung vermeide.

17.5. Brandmarkung (Link), die der plumpe Entertainer Wladimir Kaminer redlich verdient hat. Einige halten ihn für einen Schriftsteller…

In der medialen Kulturkritik ist es sehr leicht, über alles zu meckern und sich auf das große Podest zu stellen. Stefan Niggemeiers Auftritt bekommt Züge einer dringlichen und zu unterstützenden moralischen Botschaft, wendet sich gegen die mächtigen Bosse der Presse und bekommt langsam exemplarischen Charakter – wird sein Kreuzzug von der Branche verdaut und einverleibt oder weggestoßen? Wenn er sich das ganze Jahr lang kein einziges Mal verbrodert, wäre ihm das Beste zu wünschen :-)

 

Obama und seine Rede in Kairo Freitag, 12. Juni 2009

Bis jetzt hab ich vermieden, mich über den Präsidenten Obama zu äußern. Die medial erzeugte Obamania war von Anfang an klar, seine eigene Position viel weniger. Die ersten Monate seiner Regierung haben gezeigt, dass er die Politik seines Vorgängers fortsetzt, nur oft mit anderen Worten. Insofern darf man gespannt sein, wann die Medien und mit ihnen auch das gemeine Volk davon Wind bekommen. Vorerst aber scheint dieselbe Obamania zu herrschen, sie macht viele blind und verunmöglicht eine Diskussion.

Nach der Rede in Kairo ist aber eine deutliche Wende festzustellen. Ein Teil der Medien wagt es ganz offen, Obama zu kritisieren. Argumente sind klar und unterm Strich bedeuten sie: Der neue Präsident hat sich neue und politisch unerfahrene wie geschichtlich ungebildete Berater geholt, ohne sie ist er stumm, mit ihnen macht er Fehler. Wie er in dieser Rede das Thema Israel angeht, zeigt das sehr deutlich, wie das auch die zeitgleich hoch gegangene Protestwelle im amerikanischen Kongress tut.

Positiv ist außerdem anzumerken, dass sich diesmal einige deutsche Blogger sehr schnell und aktiv (im Unterschied zu journalistischen Profis) eingemischt haben. Man kann sich also im englisch- und deutschsprachigen medialen Raum gut informieren – man muss es nur wollen.

Nach bekanntem Muster folgen nun einige Beispiele und Links.

Ed Morrissey weist darauf hin (Link), dass

Obama defended American positions on Israel and Afghanistan with more strength than he does here at home. [...] However, I don’t hear anything in this speech that Bush didn’t say himself.

Ähnlich sieht das “Wall Street Journal” die Lage, der redaktionelle Artikel heißt “Barack Hussein Bush” (Link):

The President also stooped to easy, but false, moral equivalence, most egregiously in comparing the U.S. role in an Iranian coup during the Cold War with revolutionary Iran’s 30-year hostility toward the U.S. He also compared Israel’s right to exist with Palestinian statehood. But while denouncing Israeli settlements was an easy applause line, removal of those settlements will do nothing to ease Israeli-Palestinian tensions if the result is similar to what happened when Israel withdrew its settlements from Gaza. We too favor a two-state solution — as did President Bush — but that solution depends on Palestinians showing the capacity to build domestic institutions that reject and punish terror against other Palestinians and their neighbors.

Hanging over all of this is the question of Iran. In his formal remarks, Mr. Obama promised only diplomacy without preconditions and warned about a nuclear arms race in the Middle East. Yet surely Iran was at the top of his agenda in private with Mr. Mubarak and Saudi Arabia’s King Abdullah, both of whom would quietly exult if the U.S. removed that regional threat. They were no doubt trying to assess if Mr. Obama is serious about stopping Tehran, or if he is the second coming of Jimmy Carter.

It is in those conversations, and in the hard calls the President will soon have to make, that his Middle East policy will stand or fall.

Am kräftigsten widerspricht dem Präsidenten Melanie Phillips in einem wie gewohnt ausgezeichneten Artikel (Link):

Obama has equated genocidal terrorism by the Palestinians with the civil rights movement in America and the true resistance against apartheid in South Africa. Thus the moral bankruptcy of the moral relativist. [...] there was some positive stuff in this speech – but it was outweighed by the United States President’s shocking historical misrepresentations, gross ignorance, disgusting moral equivalence between aggressors and their victims, and disturbing sanitising of Islamist supremacism.

In short, deeply troubling.

Richard Landes schließt daraus - eher rhetorisch als im Ernst (Link):

I suggest that President Obama demand, publicly, and in the same strong terms with which he addresses the Israelis, that the PA begin immediately building settlements for Palestinian refugees on the lands available to them in the West Bank, so that they can begin living decent lives. This would be an enormous boon to the Palestinian economy, it would mobilize the significant talents the Palestinians have in the building industry, and would signal to the Israelis that the “right of return” — i.e., the demand that Israel commit demographic suicide — is not lurking in the background of the “Arab Peace Plan.”

Nothing prevents the Palestinians from doing this. They would surely get a great deal of (Western) funding to do it. And it would embody President Obama’s call for Arab governments that are “by the people and for the people.”

Nicht weniger stark ist auch der Auftritt von Charles Krauthammer (Link):

In his much-heralded “Muslim world” address in Cairo yesterday, Obama declared that the Palestinian people’s “situation” is “intolerable.” Indeed it is, the result of 60 years of Palestinian leadership that gave its people corruption, tyranny, religious intolerance and forced militarization; leadership that for three generations rejected every offer of independence and dignity, choosing destitution and despair rather than accept any settlement not accompanied by the extinction of Israel.

That’s why Haj Amin al-Husseini chose war rather than a two-state solution in 1947. Why Yasser Arafat turned down a Palestinian state in 2000. And why Abbas rejected Olmert’s even more generous December 2008 offer.

In the 16 years since the Oslo accords turned the West Bank and Gaza over to the Palestinians, their leaders built no roads, no courthouses, no hospitals, none of the fundamental state institutions that would relieve their people’s suffering. Instead they poured everything into an infrastructure of war and terror, all the while depositing billions (from gullible Western donors) into their Swiss bank accounts.

Obama says he came to Cairo to tell the truth. But he uttered not a word of that. Instead, among all the bromides and lofty sentiments, he issued but one concrete declaration of new American policy: “The United States does not accept the legitimacy of continued Israeli settlements,” thus reinforcing the myth that Palestinian misery and statelessness are the fault of Israel and the settlements.

Blaming Israel and picking a fight over “natural growth” may curry favor with the Muslim “street.” But it will only induce the Arab states to do like Abbas: sit and wait for America to deliver Israel on a platter. Which makes the Obama strategy not just dishonorable but self-defeating.

Eine ausführliche kritische Analyse bietet Gudrun Eussner (Link). Sie referiert dabei zum Teil mehrere Quellen. Unter anderem:

Als selbstverständlich geht aus der Rede hervor, daß die Araber in allen Fällen durch die Israelis vertrieben worden sind, warum sie in Flüchtlingslagern warten, über die Jahre subventioniert mit Millionen und Milliarden Dollar und Euro, anstatt von ihren muslimischen Glaubensbrüdern in die arabischen Staaten eingebürgert zu werden, ist nicht der Rede wert. [...] Vergleich und Gleichsetzung der Ansprüche Israels und der Palästinenser durchziehen die Rede, es gibt weder Ursache noch Wirkung, es gibt keine Geschichte. [...] Die Präsidentschaft Barack Hussein Obamas ist eine einzige Lüge, angefangen bei seiner bis heute nicht im Original veröffentlichten Geburtsurkunde über Ergebnisse seiner Studienzeit, seine politischen und privaten Freundschaften bis zur Zusicherung, er werde sich immer dafür einsetzen, daß Ostjerusalem zu Israel gehöre und Jerusalem ungeteilt bleiben solle.

Witzig ist die Reaktion von Martin Kramer (Link):

“Peoples of Egypt, you will be told that I have come to destroy your religion; do not believe it! Reply that I have come to restore your rights, to punish the usurpers, and that I respect more than the Mamluks God, His Prophet, and the Quran.” So spoke Bonaparte when he arrived in Egypt, in a proclamation of July 2, 1798. Substitute “Islam” for Egypt, “we Americans” for I, and “violent extremists” for the Mamluks, and you’ve got the core message of President Obama’s speech.
[...] There is the Third Worldism: Muslims are victims of our colonialism (Obama has read Fanon) and the Cold War (has he been reading Khalidi again?) The primacy of the West is over: “Any world order that elevates one nation or group of people over another will inevitably fail.” There is the implicit comparison of the Palestinians to black Americans during segregation, a familiar trope (Carter and Condi went for it too). Israel comes across as an anomaly. There is no appreciation of Israel as a strategic asset—its ties to the United States are “cultural and historical,” and thus not entirely rational. (That validates Obama’s other former Chicago colleague, Mearsheimer.) All of this has the ring of conviction—and of a Third Worldist sensibility.
[...] Were I a Muslim, this 6,000-word manifesto would have me worried stiff. This man wants to be my president as much as he is America’s.

Auch witzig ist die Idee von Yaacow Lozowick, er meint sie allerdings ernst (Link):

A wise Israeli Prime Minster such as we don’t have, would have gone on air two minutes after Obama’s speech and said “As the elected leader of Israel and foremost political figure in the Jewish world, I welcome President Obama’s speech wholeheartedly. He speaks for us, too, in our joint aspirations for peace dignity freedom and well-being in the Middle East and everywhere. We will do whatever we can to assist him in realizing his fine vision”.

Let the Arabs wriggle and squirm. Why should we be defensive after such a positive speech? Of course much of what he asked for will never happen. Let the enemies of the vision stand forth and reject it. How did we paint ourselves into their camp?

Dagegen klar und deutlich spricht Caroline Glick ihre Meinung aus, und zwar in der “Jerusalem Post” (Link):

Unfortunately, a careful study of his statements shows that Obama was actually accepting the Arab view that Israel is a foreign – and therefore unjustifiable – intruder in the Arab world. Indeed, far from attacking their rejection of Israel, Obama legitimized it.

The basic Arab argument against Israel is that the only reason Israel was established was to soothe the guilty consciences of Europeans who were embarrassed about the Holocaust. By their telling, the Jews have no legal, historic or moral rights to the Land of Israel.

This argument is completely false. The international community recognized the legal, historic and moral rights of the Jewish people to the Land of Israel long before anyone had ever heard of Adolf Hitler. In 1922, the League of Nations mandated the “reconstitution” – not the creation – of the Jewish commonwealth in the Land of Israel in its historic borders on both sides of the Jordan River.

But in his self-described exercise in truth telling, Obama ignored this basic truth in favor of the Arab lie. He gave credence to this lie by stating wrongly that “the aspiration for a Jewish homeland is rooted in a tragic history.”

He then explicitly tied Israel’s establishment to the Holocaust by moving to a self-serving history lesson about the genocide of European Jewry.

Even worse than his willful blindness to the historic, legal and moral justifications for Israel’s rebirth, was Obama’s characterization of Israel itself. Obama blithely, falsely and obnoxiously compared Israel’s treatment of Palestinians to white American slave owners’ treatment of their black slaves. He similarly cast Palestinian terrorists in the same morally pure category as slaves. Perhaps most repulsively, Obama elevated Palestinian terrorism to the moral heights of slave rebellions and the US civil rights movement by referring to it by its Arab euphemism, “resistance.”

BUT AS disappointing and frankly obscene as Obama’s rhetoric was, the policies he outlined were much worse. While prattling about how Islam and America are two sides of the same coin, Obama managed to spell out two clear policies. First, he announced that he will compel Israel to completely end all building for Jews in Judea, Samaria, and eastern, northern and southern Jerusalem. Second, he said that he will strive to convince Iran to substitute its nuclear weapons program with a nuclear energy program.

Obama argued that the first policy will facilitate peace and the second policy will prevent Iran from acquiring nuclear weapons. Upon reflection, however, it is clear that neither of his policies can possibly achieve his stated aims. Indeed, their inability to accomplish the ends he claims he has adopted them to advance is so obvious, that it is worth considering what his actual rationale for adopting them may be.

The administration’s policy toward Jewish building in Israel’s heartland and capital city expose a massive level of hostility toward Israel. Not only does it fly in the face of explicit US commitments to Israel undertaken by the Bush administration, it contradicts a longstanding agreement between successive Israeli and American governments not to embarrass each other.

Moreover, the fact that the administration cannot stop attacking Israel about Jewish construction in Jerusalem, Judea and Samaria, but has nothing to say about Hizbullah’s projected democratic takeover of Lebanon next week, Hamas’s genocidal political platform, Fatah’s involvement in terrorism, or North Korean ties to Iran and Syria, has egregious consequences for the prospects for peace in the region.

As Fatah leader Mahmoud Abbas made clear in his interview last week with The Washington Post, in light of the administration’s hostility toward Israel, the Palestinian Authority no longer feels it is necessary to make any concessions whatsoever to Israel. It needn’t accept Israel’s identity as a Jewish state. It needn’t minimize in any way its demand that Israel commit demographic suicide by accepting millions of foreign, hostile Arabs as full citizens. And it needn’t curtail its territorial demand that Israel contract to within indefensible borders.

In short, by attacking Israel and claiming that Israel is responsible for the absence of peace, the administration is encouraging the Palestinians and the Arab world as a whole to continue to reject Israel and to refuse to make peace with the Jewish state.

[...] By his words as well as by his deeds, not only has Obama shown that he is not a friend of Israel. He has shown that there is nothing that Israel can do to make him change his mind.

Ira Stoll ist auch traurig. Sein Text bei “Commentary” ist insofern besonders wertvoll, dass es auch durch Selbstkritik glänzt (Link):

This places the Palestinian Arabs as the victims, equating their plight to that of enslaved American blacks, Poles subjected to Communist tyranny, or blacks under apartheid. In these analogies, the assumption, just barely left unsaid, is that Israeli Jews are the oppressors. Never mind that that doesn’t accurately portray the moral or historical situation. It isn’t even accurate. Violence is not a dead end. American slavery was ended by the Civil War. “America’s founding” was accomplished not by a peaceful insistence on ideals but by a war of independence. And, sadly, were it not for ongoing terrorist attacks against American and Israeli targets, President Obama would not be in Egypt comparing the Palestinian Arab cause to that of the captive nations of Eastern Europe or American blacks.

During the campaign I had actually defended Obama against those who felt he would be a disaster for Israel. This speech makes me think that may have been a mistake. The only chance now is that this speech will be mere rhetoric, like so much in the Middle East, intended only for public consumption. But if Obama really means it, it is bad news for the Jews in Israel and America, not to mention for American national security.

Die deutsche Presse ist insgesamt voll in der Obamania, es sind kaum kritische Töne zu entdecken. Der einzige, der etwas mehr wagt, ist Richard Herzinger in der Welt (Link).:

Erst bei näherem Hinsehen aber kommen Zweifel auf, ob all das tatsächlich so gut zusammenpasst, wie es Obamas welthistorisches Großgemälde suggeriert. [...] Dass Obama auf seiner Reise zwar abstrakt für Demokratie und Frauenrechte warb, aber damit keine konkrete Kritik an den Unterdrückungspraktiken arabischer Diktaturen verband, nährt einen Verdacht: Hinter dem spektakulären Bekenntnis zum kulturellen Dialog könnte sich doch nur die Rückkehr zur alten “realistischen” Schule amerikanischer Außenpolitik verbergen, derzufolge man es mit Menschenrechten nicht allzu genau nehmen muss, solange man sich dafür den einen oder anderen strategischen Verbündeten warmhalten kann.

Am Ende wird trotzdem alles wieder zurückgenommen:

Doch auch wo Obama vereinfacht und Widersprüche übergeht, geschieht dies weder aus Naivität noch aus opportunistischer Gefälligkeit heraus.

Die “Deutsche Welle” ist gespalten (Link): Mirjam Gehrke meint, der Präsident habe “alles richtig gemacht”. Inhaltlich nichts Konkretes, bedauert allerdings ihr Kollege Bernd Riegert. Patrick Martin von der trotzkistischen Internetseite WSW beklagt, dass Obama über “das jüngste Abschlachten von Palästinensern durch Israel in Gaza” geschwiegen habe (Link).
Glücklich über die Rede sind Uri Avnery (ausgerechnet bei Hagalil – Link) sowie Gideon Levy (in Haaretz – Link). Fern der Realität ist wie immer der unermüdliche “Experte” Udo Steinbach (Link):

Ganz vorn steht das israelisch-palästinensische Problem. Hier ist klar, was erfolgen muss. Da hat sich Obama auf einen umgehenden Siedlungsstopp festgelegt. Wenn dieser durch einen entsprechenden Druck erfolgt – und ohne Druck wird es nicht gehen -, dann wird auch die palästinensische Seite bereit sein, ihre Hausaufgabe zu machen, das heißt, eine neue legitime Führung zu suchen.

Zwei Beispiele fehlerhafter Äußerungen Obamas bringen spanische und französische Medien, berichtet der Spiegel (Link).

Gründlich informiert seine Leser heplev (Link), zum Teil mit denselben Autoren wie ich in diesem Posting und sogar mit deutscher Übersetzung, extra hat er auch den Artikel von Krauthammer übersetzt (Link); eine richtige Stimmung erzeugt auch Liza (Link). Besonders beeindruckend scheint mir aber der Text von Joachim Steinhöfel zu sein, eine seltene Erscheinung im deutschen Blogolande (Link):

Nun ist Obama gewiss kein Bush. Er kann seine Politik deutlich besser verkaufen. Was nichts daran ändert, dass die Rede von geradezu sprachlos machender Naivität und mit Platitüden gesättigt war. Noch schlimmer als die bemerkenswerte Unbefangenheit, mit der Obama die Geschichte der Region verfälscht, ist der Umstand, dass ihm ein moralischer Kompaß fehlt. Er feiert(e) den moralischen Relativismus. Alle sind schuld und keiner ist schuld. [...] Der Holocaust war schlimm, aber das gelte auch für die Besetzung Palästinas durch Israel. Dem Präsidenten fehlen jegliche moralischen Kategorien. Kein Wort über die Kriege, die die Araber gegen Israel begonnen haben, kein Wort darüber, dass die Palästinenser 2000 das Angebot eines eigenen Staates ausgeschlagen und mit Terror (der Intifadah) auf die ausgestreckte Hand der Israelis geantwortet haben. Die Palästinenser stellt Obama in der Rede als Opfer mit den schwarzen Sklaven in Amerika gleich. Als wären sie Sklaven Israels und die Juden die Unterdrücker. Die Palästinenser müssen der Gewalt abschwören und Israel anerkennen, Israel müsse mit dem Siedlungsbau aufhören. Es ist alles gleich schlimm und alles das Gleiche. Es gibt keine moralischen Unterschiede, egal ob man ein Haus auf umstrittenen Grund und Boden baut oder Zivilisten mordet und die Anhänger einer Religion vernichten will. [...]

 

 
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