Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Vergessliche Mona Lisa Freitag, 28. August 2009

Filed under: Kunst,Medien,TV,YouTube — peet @ 8:39 Uhr
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Eine faszinierende Ausstellung in China – lebendig gewordene Gemälde und Skulpturen. Gut und mit gutem Geschmack gemacht:

In den aktuellen Nachrichten wird das Einmalige der Idee betont – noch nie da gewesenes usw.
Mit einem Klick bei youtube lässt sich eine andere Information finden: Dieselbe Ausstellung war schon Anfang 2008 in Seoul (SüdKorea) erfolgreich präsentiert und wurde vor Neuem nach China verkauft (“Wang Hui, who brought the exhibition to China from South Korea, says the show required an investment of more than $7 million”):

Irgendwann wird das Projekt auch nach Europa kommen – sollen wir auch dann von der Einmaligkeit informiert werden?

 

Robert J. Aumann: Spieltheorie des Friedens Sonntag, 23. August 2009

Zu der Debatte über den “Friedensprozess” im Nahen Osten passt sehr gut, was Robert J. Aumann in einem Interview sagt. Für seine Arbeit auf dem Gebiet der Spieltheorie hat er seinen Nobelpreis 2005 bekommen. Ursprünglich in einer israelischen Wochenzeitung am 23.6.2009 veröffentlicht, dann ins Englische übersetzt und im “American Spectator” am 2.7.2009 publiziert (Link):

Throughout history, peace was never achieved — neither from a scientific-theoretical perspective, nor from a common sense perspective — through concessions and demonstrations of flexibility — never. In conflict situations, it has first of all been necessary to demonstrate resolve, and only afterwards to sit down at the negotiating table — but not in the wake of concessions. [...] If you’re succeeding in whatever business you undertake, it’s obvious that you’ll step up your efforts. If you’re succeeding by blowing yourself up, you’ll continue to blow yourself up. That is to say: the young people who up themselves and us aren’t crazy; they’re idealists. They’re people who are prepared to sacrifice their lives for something they believe in. I don’t share their beliefs, but they do believe, and there’s a certain insight from game theory here, that in order to play a game effectively you need to understand what the other side is doing. If you’re playing chess, and the other side makes a move that you don’t understand, if you say: “I don’t get it, it’s all nonsense, I’m going to continue my attack” — you’ll lose. First of all, you need to ask yourself why he made his move and after you’ve understood, you need to adjust your behavior accordingly.
And it’s not just in chess, it’s in everything. If you think that the other side is irrational, blowing themselves up for no good reason, so let’s ignore their behavior and keep making concessions for the sake of peace — you won’t achieve your goal. Because all those tales about 70 virgins and such-like — they’re nonsense. The young people who are prepared to lay down their lives to advance what they regard as an exalted goal are idealists — let’s understand that.[...]
We’re threatening ourselves, and that’s the greatest threat; we, and our insane race after peace, that’s what brings war. When Chamberlain returned to Great Britain from Munich in 1938, he said, “I have brought peace in our time.” Back then, too, everyone was racing madly after peace, and Chamberlain brought war. [...] What will bring peace is our readiness for war. The Romans already knew this: If you want peace, prepare for war, not just materially, but also psychologically. You should be psychologically prepared for war, and not go around all the time yelling, “When will peace finally come?” The other side wants war? Fine, bring it on! Only then will peace come, only when the other side is convinced that we mean it. We’re not doing anything to convince them. On the contrary, we’re doing precisely the opposite, which is why we are the greatest threat to ourselves.

 

Horst Schlämmer als Spiegel der deutschen Politik Samstag, 22. August 2009

Der Film von Hape Kerkeling über seine langjährige Kunstfigur Horst Schlämmer ist ein Ereignis. Künstlerich amateurhaft konzipiert und geschnitten, mit meist schwachen (oder gar keinen) Schauspielern besetzt, reißt er kaum Masken von den großen politischen Tieren nieder. Es sind sehr wenige gelungene Verballhornungen, die im Gedächtnis bleiben wie beispielhaft blöde Manifeste von gewissen realen Parteivertretern (“bedingungsloses Grundeinkommen”), die unendliche sinnlose Begeisterungsfähigkeit von Bushido, die Pofalla-Parodie, die Merkel-Parodie, die Ulla-Schmidt-Parodie. Ansonsten ist es sehr schade, dass die effektvolle Pressekonferenz Horst Schlämmers nicht einmontiert wurde (obwohl das doch deren Sinn war!). Auch klar ist es, dass die lebendigen Improvisationen Kerkelings immer kunstreicher und wirkungsvoller als der gestellte Film sind, und Horst Schlämmers Fernsehauftritte der letzten Jahre im Film nicht übertroffen werden. Kerkeling erreicht die Höhe des großen Provokateurs Sasha Baron nicht, so schafft er nicht, Rüttgers vorzuführen. Bei Özdemir gibt es nichts vorzuführen, der macht einfach mit, weil er doch so nett ist.

Was der Film klar macht, das ist die allgemeine politische Misere Deutschlands. Schlämmer entspricht der Trostlosigkeit des realen politischen Lebens, er spiegelt sie. Damit ist schon alles gesagt. Am Rande will ich eins noch nicht vergessen: Dass die festangestellten Moderatoren der Fernsehnachrichten im Film mitmachen, ist aus meiner Sicht die Verletzung der ethischen Vorschriften, was aber auch nur auf dasselbe hinaus läuft. Bettina Schausten vergisst das, wenn sie den anderen Spiegel vorhält.
Ich verlinke hier noch lesenswerte Kritiken von Rüdiger Suchsland, Peter Zander, Oliver Jungen:

Horst Schlämmer heißt nicht nur fast genauso wie der jetzige Kölner Oberbürgermeister, Fritz Schramma, er sieht auch fast genauso aus und redet fast genauso. Aber blitzgescheit ist er, so gescheit wie sein Hochleistungsdarsteller Hape Kerkeling eben. Und nach dieser Intelligenz, mag sie hier auch weggegrunzt werden, dürstet es das ausgetrocknete Land. Denn es ist nicht der Egoismus der Politik und nicht der Zynismus des Showgeschäfts, der in Kerkelings grundsolidarischem Humor seinen Ausdruck findet, sondern das zutiefst Menschliche, das man ansonsten zu verstecken gelernt hat in der Schamgesellschaft. Denn was macht Horst Schlämmer, dieses schnaufende Lamm Gottes? Er sieht Marotten und nimmt sie an, damit man mit Schlämmer über Schlämmer lacht, nie über die anderen. Horst Schlämmer, zur Schande für alle anderen Mitglieder der Kaste sei es gesagt, wäre der Politiker, dem man sich anvertraut. Denn Horst Schlämmer, das sind wir.

Einen direkten Vergleich zwischen der Kunstfigur Schlämmer und den realen Politikern zieht der Politikberater Michael Spreng durch. Es gibt auch Zeitungen, die bei der Berichterstattung zu dem Thema Fehler machen. Zum Beispiel Jörg Schindler im Kölner Stadt-Anzeiger und genauso in der Frankfurter Rundschau, der Ursula Kwasny zur “immerhin CDU-Bürgermeisterin von Grevenbroich” leichter Hand kürt. In derselben Zeitung kann Ute Diefenbach den Regisseur des Films Angelo Colagrossi bei der Pressekonferenz nicht identifizieren (“ein Italiener, den niemand verstehen kann”).

Extra sei hier noch erwähnt, dass sich offensichtlich auch solche Leute finden, die mit der Spiegel-Bedeutung der Kunstfiguren Kerkelings nicht viel anfangen können. Es gibt darunter hochgebildete Snobs, die auch “Hurz” für gute Musik halten und sich wundern, dass diese von Kerkeling selbst runtergemacht wird (Link). Es gibt auch Politiker (Ramsauer), die schon im “Zirkus” das eigentliche Problem der Politik entdecken. Ich glaube, davon wird im Laufe der Tage noch mehr kommen. Das ist einerseits amüsant, andererseits bestätigt noch einmal mehr die triste Atmosphäre im Lande, in dem eine satirische Darstellung der Misstände für schlimmer gehalten wird als diese Misstände selbst. Exemplarisch dafür ist insbesondere der neidische Hajo Schumacher, der sich im Offenen Brief direkt an Horst Schlämmer wendet:

Sie sind nicht relevant. Sie saugen sich einfach nur fest an diesem Land, Sie sind eine Zecke am Allerwertesten der Demokratie. Sie nutzen deren Freiheiten, um sie lächerlich zu machen. Das ist nicht komisch, sondern schwach.

Auf eine verrückte Weise bestätigen solche Invektiven nur, dass der Schlag ins Gesicht die Richtigen trifft. Wie das auch immer mit der Satire ist. Die Folgen werden von Stefan Niggemeier (hier und hier, das Meiste wird wie oft bei ihm in den Kommentaren ausformuliert) besprochen, wobei Hajo Schumacher da erstaunlicherweise mitmacht und sich vorführen lässt. Kerkeling (als Schlämmer) erscheint da auch und macht den Klamauk komplett:

also liebe freunde
isch existieren wirklich – da muss ich dem hajo recht geben!
achim steht auch voll auf hasenpauer als dauerläufer, weiste.
und immer schön wähln gehn oder laufn …
euer horst

und bitte: Streit euch nich meinetwegen, weiste.
Lohnt doch nich, Schätzeleyen

Zum Schluss verlinke ich noch YouTube-Clips, die zu diesem Posting passen. Zuerst die Pressekonferenz zum Film:

Und weil die schönsten Auftritte Schlämmers dazu auch gehören, noch drei davon. Das sind die Preisverleihung 2006 (mit Anke Engelke als Ricky):

Die Begegnung mit Claudia Schiffer und Thomas Gottschalk:

und zuletzt den Klamauk mit Damen Herman und Tietjen:

 

Bodo Thiesen als Stolperstein der Piratenpartei Mittwoch, 19. August 2009

Die Piratenpartei hat ein Glaubwürdigkeitsproblem und ähnelt einer Schnecke. Das Problem hat einen Namen, das ist Bodo Thiesen. Seine Position und sein Umgang mit der Kritik wurden im Netz schon genug besprochen. Der Parteivorstand hat auf die Kritik reagiert, auch wenn das sehr langsam und häppchenweise geschehen durfte. So wurde der gute Mann seines Parteiamtes enthoben und sein Ausschluss beantragt.

Schön und gut, nach Monaten wird es auch nicht jeder mehr wissen, wie es abgelaufen ist. Es bleibt nur ein kleines Hacken an der Story. Bodo Thiesen steht immer noch auf der Wahlliste. Kann mir einer das erklären: Ein so gut wie ausgeschlossenes Mitglied kandidiert im Namen der Partei?

Piraten Thiesen 19.08.2009

Links zum Artikel:
Aufmerksam auf die Story wurde ich durch eine sarkastische und etwas rätselhafte Eintragung bei bov. Den ersten Überblick bekommt man in der Auflistung von mjuenemann sowie bei der Netzeitung. Klarheit verschaffen die dokumentierten Stellungnahmen des Revisionisten Thiesen. (Gerade in dieser ehrlichen Dokumentation liegt ein Plus der Piraten, die Kinder des Internets sind.) Darunter Thiesens Unterscheidung zwischen Überfall und Angriff. Im selben Text glänzt ein Satz, der bis jetzt von keinem der Beobachter extra bedacht wurde. Und zwar eine Aussage über

“ein faschistisches Regime, das aufgrund einer mangelhaften Verfassung in Deutschland von 1933-1945 für 12 Jahre an die Macht kommen konnte[...]“

Aus dem Satz kann man schliessen, die “mangelhafte Verfassung” sei der einzige Grund gewesen, warum Hitler an die Macht gekommen ist. Hmm…
Dokumentiert sind auch Stellungnahmen des Vorstandes (hier, hier und hier), zickige Reaktion des Helden selbst (Link), der in der Distanzierungskunst geübt ist, wie seine frühere Stellungnahme zeigt. Einige Diskussionsbeiträge dazu sind auch lesenswert (hier, hier und hier). Das Thema wird auch bei Spreeblick diskutiert, darunter mit der rechtsradikalen Beteiligung, die eine verdiente Abfuhr bekommt. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, dass die Debatte zum Thema im Forum der Piratenpartei weniger heiß läuft (dafür aber lang).

 

Inge Günther mit der Hamas-Poesie Montag, 17. August 2009

Noch eine unermüdliche Hamas-Propagandistin bei der Frankfurter Rundschau. Trotz Dutzende der kritischen Berichte in der deutschen Blogosphäre. Inge Günther macht ihren Job, wir machen unseren. Zwei Realitäten. Die arme Leserschaft.
Nur einige Stellen, damit alles klar ist (Link):

Die Hamas funktioniert erstens als uneingeschränkte Ordnungsmacht und verfolgt vor allem nationale Ziele.

Geschickt formuliert: “nationale Ziele”. Ein Euphemismus für die “Vernichtung Israels”.

Schon aus Eigeninteresse gibt sie zweitens eine Art Bollwerk gegen den ultraradikalen globalen Dschihad ab. Eine Unterscheidung, die reichen sollte, um mit den palästinensischen Islamisten zu sprechen.

Nein, mit den Terroristen sollte man nicht sprechen, auch wenn eine nette Journalistin ihnen verfallen ist.

Der Hamas selbst scheint mehr denn je daran gelegen, aus der internationalen politischen Isolation auszubrechen. Seit geraumer Zeit kehrt ihre Führung, inklusive Exilchef Khaled Meschal, die pragmatische Seite raus. Sie signalisiert, dass sie sich mit einer Zwei-Staaten-Lösung arrangieren könnte, und richtet den Blick dabei nach Washington aus, weg vom Iran.

Das stimmt nicht, eine glatte Lüge.

Mit der Niederschlagung einer El-Kaida-Zelle hat die Hamas gezeigt, wo sie im Kampf gegen den globalen Terror steht – ein Angebot an Obama.

Sehr erfinderisch, ganz in der Logik der Hamas. Selbst darauf gekommen, Frau Hamas-Botschafterin?

Damit verknüpft ist allerdings auch eine Warnung, wohin es führen könnte, wenn sich der abgeschnürte, kriegszerstörte Gazastreifen weiter radikalisiert. Vielen jungen Militanten dort ist die Hamas längst zu lahm, zu etabliert. Wenn die Welt nicht reagiert, wird sie eines Tages noch die Hamas vermissen.

Stockholm-Syndrom? Aha. Was mich allerdings wundert, und das mit einer gewissen Prise Zinismus, warum die Hamas-Freundin eine ziemlich große Zahl der Toten und Verwundeten nicht extra beklagt? Haben sie etwa keine Menschenrechte? Sind es keine Palästinenser?

Ansonsten alles in Ordnung, Frau Günther? Wann verreisen Sie nach Gaza? Oder ist es in Jerusalem bequemer?

 

Alpha-Blogger im eigenen Medium Sonntag, 16. August 2009

Filed under: Blogging,In eigener Sache,Lesefutter — peet @ 18:49 Uhr
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Einige Tage lang habe ich die Listen bei rivva studiert. Verlinkte, vertwitterte Artikel angelesen, hier und da kommentiert und mich dabei ertappt, dies zu wichtig genommen zu haben. Wieder der Versuchung Widerstand geleistet, mich bei Twitter anzumelden.
Und dann wollte ich einer Idee nachlaufen, die nicht gleich klar war. Rivva, technorati, deutsche Blogcharts und andere wertende Suchmaschinen können nur Leser(=Klick)- und Linkzahl berechnen, nicht Inhalte. Was hilft es mir, wenn ich dem Pfad folge, den ich letzten Endes gar nicht gehen will?
Bei google, icerocket und anderen Tag-orientierten Suchmaschinen kann ich nur jeweils ein Thema verfolgen, und das bedeutet immer wieder Zeitaufwand und richtige Arbeit. Auch hier sind Perlen sehr-sehr selten. Auch wenn diese ihrerseits die Belohnung sind. Meist findet sich eine mir verwandte oder mich weiterbringende Meinung, Äußerung erst in einem weit versteckten Kommentar eines Users, der gar keinen Blog führt und nur einmalig da ist. Die vox populi ist zur Genüge präsent. Alpha-Blogger dienen in diesem Sinne als Katalysatoren, Medien, selten als Think-Thanks.
Das Gesagte ist bestimmt auch nicht neu. Ich probiere doch jetzt etwas weiter zu gehen. Selbst führe ich keinen Blogroll – für mich wäre es zu umständlich, einen solchen zu pflegen. Ein Blogaggregat, wie ich es mir wünsche, gibt es nicht. Man ist gezwungen, ständig durch die Blogrolls der anderen durchzuklicken, in der Hoffnung, Personen und Aussagen zu finden, die einen begleiten können. Was soll mit der Atomisierung des Netzes, wenn schon das reale Leben längst so weit ist?

Die Fragestellung ist also, was steht auf den Blogrolls der Alphas?
Von oben nach unten: Sascha Lobo, aktuell ganz oben, Platz drei. Auf der Seite selbst finde ich nichts für mich. Von den 28 personenbezogenen Blogs auf dem Blogroll kenne ich die wenigsten, die (fast) alle aufeinander verlinken. Nach dem Durchklicken stelle ich fest – alles stimmt. Nicht meine Nische. Keiner von denen wird auch meinen Blog lesen, klar. Die meisten von ihnen interessieren sich sowieso nur für sich, berichten von sich, sehen das Medium Blogging als öffentliches Tagebuch. Das führt mich, der ich sie persönlich nicht kenne, kaum weiter. Das meiste, was sie schreiben, interessiert mich ziemlich wenig, auch weil die persönliche Note darin viel zu stark ist. Oder zu gering. Viel Privates – Menschen, die dem Blogrollbetreiber nahe stehen. Sein Recht, klar. Darüber hinaus einige Entdeckungen – ein anspruchsvoller Blog von Bov Bjerg, ein Sammelsurium an Fundstücke von Peter Glaser. In einem der anderen Blogs – ein gutes Posting über Twitter. Noch weiter wurde ein Fragment aus dem Blog von Dave Winer übersetzt:

People come back to places that send them away. Places like Google, Yahoo, Craigslist, Youtube, even Twitter. These are the mainstays.

Peter Glaser gibt es so weiter (Link):

Die Menschen kommen immer wieder zu Sites zurück, die sie wegschicken. Sites wie Google, Yahoo, Craigslist, YouTube, auch Twitter. Das sind die Hauptumsatzbringer.

Es geht um Wegbereitung, Wegerschließung. “Tragende Säule” wäre hier besser als “Hauptumsatzbringer”. Noch näher wäre etwas in der Art wie Hauptvermittlung oder Plätze, wo man sich am meisten aufhält. Den Gedanken wollen wir aber aufnehmen. Places sind übrigens auch nicht Sites. Na gut…

So funktioniert die Suche nach dem Brauchbaren. Ich folgte den Spuren der Alphas, bekam am Ende der Kette einen wundervollen Gedanken über die Rolle des Netzes, wobei Sascha Lobo nicht einmal davon weiß. Dazwischen, bei dieser Schnitzeljagd liegen 4 Glieder – und viel Recherchezeit. Wie bekannt, die populärsten Seiten weltweit sind die Sammlungen von skurillen Links wie z.B. Boing Boing. Aktuell eine Fotostory über eine “lebenslustigeEvelyn. Ich stoppe hier die weitere Recherche bei Rivva und deutschen Blogcharts. Es genügt vorerst.
Wir lernen daraus: einerseits gibt es weiterführende Verweise, die den Besucher auf einen Weg bringen. Sie sind auch ein Magnet, wieder zu uns zu kommen. Andererseits selbstreferenziell sind sie meist, ob der Eitelkeit geschuldet oder dem Medium selbst. Dritterseits enden sie irgendwann bei einem Content, welches ein Gefühl festhält und reproduziert. Um diesem Gefühl nachzukommen, brauchen wir Zeit und Bereitschaft darauf einzugehen. Geistiges Futter brauchen wir im Netz. Dann gehen wir allerdings auf die Jagd nach den nächsten Verweisen. Wenn wir das ständig tun, wer wird eigentliche Inhalte produzieren? Und wenn wir uns weiter im Kreise drehen und dafür Alphablogger beschuldigen, ist das denn richtig?

Soll ich vielleicht doch einen Blogroll herstellen?

 

Demokratie für Langweiler Samstag, 15. August 2009

Für demokratische Prozesse ist Charisma keine signifikante Kategorie.

So schreibt in der heutigen Frankfurter Rundschau Harry Nutt (Link). Ich bin damit nicht einverstanden. Es muss nicht gleich ein Führer sein, aber die Überzeugungskraft braucht jede Macht, die Anarchie inclusive.
Max Weber ist nicht alles. Es gibt Überlegungen auch nach Weber, zum Beispiel hier.
Eine totlangweilige Demokratie wird genauso untergehen wie eine personalisierte.

 

Wohltuende Wirkung des Lengsfeld-Plakats

Filed under: Blogging,Deutschland — peet @ 12:13 Uhr
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Nach der gestrigen Schreiberei zum Thema Wahlkampfsexus habe ich mich heute durch Tags gegoogelt. Was sonst noch dazu geschrieben wird… Und einiges entdeckt. Eine lesbische Schriftstellerin ist von dem Plakat vollkommen begeistert. Sie kündigt an (Link):

Für den nächsten Lesbischen Herbst sollten wir unbedingt Merkel & Lengsfeld einladen. Denn auch wir haben viel zu bieten.

Ein schöneres Paar als Angela Merkel & Vera Lengsfeld haben wir wohl seit Anne Wills und Miriam Meckels denkwürdigem Coming Out nicht mehr gesehen. Dieses neckische Einvernehmen! Ich weiß, es ist nur eine Fotomontage, und dennoch: wie anheimelnd und aussagestark.

Herrlich! Entschuldigung, ich hätte sagen sollen: Femmlich! Oder so…

 

Wahlkampfsexus Freitag, 14. August 2009

Die aktuelle Orgie der Publikationen zum Plakat von Vera Lengsfeld dreht sich um ein kulturelles Phantom. Die meisten Schreiber haben keine Zeit für Recherche und glauben, dies Kunstprodukt sei einmalig. Davon halten es wiederum die meisten für eine politische Aussage und empören oder freuen sich, je nach eigenem Blickwinkel. Männer argumentieren mit Katharina der Großen (Link) und Canetti (Link), Frauen gehen auf die Palme (Link), zum Teil gar mit Sloterdijk. Der Rest hält das für Pornographie oder findet es ekelhaft.
Noch keine einzige Publikation, wo die Meinung eines Werbungs- (eine Ausnahme!) oder Kunst- oder zumindest Medienexperten gefragt worden wäre. Schauen wir uns doch die folgende Reihe der Produkte an. Zuerst ein “Titanic”-Cover von 1994

Zwei klare Botschaften sind daraus zu lesen. Eine Frau, in diesem Fall die ehrliche und gewissenhafte inzwischen ehemalige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher, wird es in der sexistisch geprägten Männergesellschaft schwer haben, eine einwandfreie politische Karriere zu entwickeln. Und: Die Boulevard-Methoden (einer Bild-Zeitung et C°) erschaffen den (fetischisierten) Warencharakter einer Frauenkörperdarstellung und verhindern eine politische Aussage sowie Wahrnehmung. Unterm Strich eine harte kulturpolitische Kritik.

Im selben Jahr kam das Plakat mit Thomas Krüger heraus
Thomas Krueger Plakat
Die Aussage: Der sei ehrlich und witzig, hat nichts zu verbergen, fähig zur Selbstironie.

Autoren des Plakats spielen aktiv mit der Darstellung des Adam in der christlichen Ikonographie, zum Beispiel bei Hugo van der Goes
oder gar bei Jan van Eyck:

 
Unterm Strich – typisch postmodernes Spiel mit Inhalten und Epochen, frei von politischen Aussagen, im bewußten Widerspruch zur Person des dargestellten Politikers. Vergessen wir aber nicht, dass dieser mediale Auftritt Thomas Krüger zu seiner Politkarriere verholfen hat und er muss sich dafür nicht schämen. Auch von der Presse wurde er nicht in die Ecke gestellt.

Im Jahre 1997 wurde viel über die Plakataktion einer Protestpartei in Belgien geredet:

Nee Plakat1
Wie bekannt, später wurden aus 400.000 Jobs 40.000 Blowjobs gemacht, mit noch größerem medialen Erfolg. Wie auch beim Titanic-Beispiel oben, wird hier mit dem Sexismus eine Parodie auf das Politgeschäft betrieben, mit solchen unsinnigen Versprechen wie dem aktuellen Slogan des SPD in Deutschland (4.000.000 Jobs). Noch viel früher (1987) kam die Pornodarstellerin Ilona Staller ins italienische Parlament mit der entsprechenden Selbstentblößung. In diesem Fall also völlig ernsthaft.

2002 hat die Grüne Partei mit dem Plakat für die Gleichberechtigung der Lesben, Schwulen und Heteros Wirbel gemacht:

Grüne 2002 Plakat

Auch hier sieht man eine Anlehnung an die alte Malerei, und zwar an das berühmte Gemälde von 1594:

Schon wieder gehen hier die Aussage und Intention völig auseinander. Auf dem Gemälde sind keine lesbischen Frauen dargestellt – die Berührung weist auf die Schwangerschaft hin. Die erotische Andeutung kommt von der Art der Beziehung, in der die Frauen leben, nämlich als Maitressen. Auf dem Plakat wird das pervertiert und die Erotik der gleichgeschlechtlichen Liebe wird in den Vordergrund geholt. Weil auf dem Plakat die Darstellung der Heteros fehlt, ist die Aussage mitnichten die des Begleittextes. Es wird vielmehr gesagt, dass sich die Lesben und die Schwulen durch ihr sexuelles Leben definieren, was der einzige Grund sei, sie politisch zu unterstützen. Tja…

Wer noch weniger Geld (für die Arbeit mit postmodern denkenden Fotographen) und kaum Geschmack hat, greift in die Kiste der eigenen Erfahrungen mit der bildenden Kunst. So die Junge CSU in der Stadt Grafing, die ihre Inspiration 2008 in Modezeitschriften holte

JU CSU Grafing Plakat

Bieder und geschmacklos, politisch selbstentwertend. Die Junge Union Wittmund ist noch sexbesessener, ihre Quellen sind noch eindeutiger:

JU Wittmund Plakat 1JU Wittmund Plakat 2

 
Auf das letzte Bild haben sich die Grünen in Kaarst eine nicht weniger sinnlose Antwort ausgedacht:

Grüne Kaarst Plakat

Das schwarze weibliche Körper mit weißen weiblichen Händen angefasst, ach, ach. Das soll offensichtlich den politischen Gegner kritisieren, nämlich den Sexismus und den Rassismus der CDU. Die Autoren des Plakats sehen sich selbst dabei völlig unschuldig.

Im Vergleich zu dieser Fetischisierung der Massenware sieht das Plakat von und mit Vera Lengsfeld harmlos aus:

Lengsfeld Werbung
Immerhin präsentiert sie ihr eigenes Gesicht, ihren Körper und ihren Schmuckgeschmack: Lengsfeld in Sankt Petersburg

Die Ideengeberin des Plakats bedient sich bei Angela Merkel, deren souveränen Art so zu sein, wie sie ist, ihren Bekanntheit, suggeriert eine Nähe zwischen den beiden und erzeugt daraus einen “Wir”-Slogan gegen die männlich dominierte Welt. Auf dem Plakat bieten Frauen mehr oder haben viel zu bieten. Ein Spiel mit dem Sexismus, welches sexistisch anläuft. So in etwa wie der Kampf der Emma-Herausgeberin für die Pornographie für Frauen.
Insofern ist das noch ein eitler Versuch, auf sich aufmerksam zu machen.
Ähnlich wie die Protestaktion im Bundestag, die Vera Lengsfeld schon einmal durchgeführt hat (“In einer Bundestagsdebatte zum Zweiten Golfkrieg 1991 drückte sie auf außergewöhnliche Weise ihre Kritik daran aus, indem sie eine Minute ihrer Redezeit mit Schweigen füllte, bis ihr Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth das Wort entzog“). Die Verbindung des eigenen Körpers mit der Eitelkeit entspricht in etwa dem oben zitierten Plakat mit und für Thomas Krüger. Es geht hier also nur um die Aufmerksamkeit des verehrten Publikums.

Auch deswegen irrt sich Carolina Fetscher, wenn sie sagt (Link):

Aber ambitioniert ist die Idee auf alle Fälle, die hartgesottene Kreuzberger Klientel mit einem Touch „Titanic“ gewinnen zu wollen.

Den große Unterschied zwischen dem “Titanic”-Cover und diesem Plakat sollten wir klar sehen. Dort eine brutale Kritik der Gesellschaft auf Kosten einer Frau, hier ein angepasstes Flehen um Aufmerksamkeit, auch um den Preis der Sebstausstellung und -leugnung.
Erstaunlicherweise im selben Stadtbezirk mit Vera Lengsfeld plakatieren sich noch zwei komische politische Tiere. Halina Wawzyniak, immerhin stellvertretende Vorsitzende ihrer Partei, verteidigt ihr Plakat
halina_plakat
mit einfachen Worten (Link):

das plakat bin halt ich, was sagt denn ein gesicht aus? soll ich wirklich, nur weil es vielleicht mehr wähler/innen anspricht rüschenbluse anziehen? und ja, diese mediengesellschaft funktioniert leider so, dass ich durch dieses plakat die möglichkeit habe, meine positionen rüber zu bringen.

Der massive Einsatz von Photoshop lässt ihren Körper zum Fetisch verkommen, das stört die Politikerin der Linken nicht. Sie fügt sich, weil alle so tun, und sie verzichtet auch auf eigenes Gesicht. Die Werbephilosophie setzt sich durch.

Die beiden netten Damen werden gegen ihren männlichen Gegner verlieren, obwohl sie auf ihre Weiblichkeit setzen oder gerade deswegen, jede Wette! Auch wenn Plakate, die Christian Ströbele von Gerhard Seyfried bekommt, in ihrer Comic-Art, ziemlich dumm sind:
Ströbele Seyfried1 Ströbele Seyfried 2
Oder anders gesagt, sie sind genauso dumm wie der eitle Politiker selbst, nur stört es offensichtlich weniger. Sein zweifelhaftes Charisma wiegt immer noch mehr.

Zum Schluss seien noch einige Worte zum Plakat für und mit Angela Merkel erlaubt. Genauso wie ihr altes Plakat 2005 (Link), setzt ihre Agentur auch heute auf die nette Menschlichkeit der Bundesmutter:
Merkel Plakat

Im Grunde braucht Merkel keine Kampagne, sie kann unter diesen Umständen nur gewinnen. Im Unterschied zu Obama muss sie nicht einmal viel reden, es genügt, wenn sie schweigt, weil die anderen eben zu viel Blödsinn reden. Ihr Lächeln auf dem Plakat verbindet einen ungewöhnlichen Profilblick mit einem Obama-angelehnten Slogan. Wir dürfen allerdings nicht vergessen, dass Obama auch nach dem teuersten Wahlkampf aller Zeiten da steht, wo seine Inkompetenz ihn führt. “Yes, we can.” Und ob. Auch dieser Slogan ist eine Lüge. Seine Umfragewerte sind jetzt schon genauso tief, wie die seines Vorgängers. Die Enttäuschung an der Politik-Maschinerie wird sich weiter verbreiten. Die Politik hat kaum fähige und charismatische Personen zu bieten, das Politgeschäft wird an die Berater und Designer abgegeben. Alles geht auseinander, in diese Uneigentlichkeit. Und da hilft kein Sexus, ob mit oder ohne Oberkörper. (Die Zustände in der Schweiz sind vielleicht etwas weniger bekannt, als die in Russland.)

 

Russischer Propagandasieg im Krieg gegen Georgien Samstag, 8. August 2009

Bei der Auswertung der zahlreichen Publikationen zum Jahrestag des russisch-georgischen Krieges 2008 fällt sofort auf, dass sich die überwiegende Masse der deutschen Medien auf die Seite Putins-Medwedews stellt. Ohne Respekt vor Fakten, ohne minimales Verständnis für die Folgen des Krieges wird dabei Saakaschwili beschuldigt, diesen Krieg angefangen zu haben. Alle Fakten sprechen dagegen, sie werden ignoriert.

Der “ausgewiesene Russland-Experte” Gerhard Mangott erfindet in dem “Standard” (Link):

Ein wesentlicher Grund, warum Saakaschwili im vergangenen Sommer die Konfrontation mit Russland gesucht hat, war die Überlegung, dass es möglicherweise ein sehr enges Zeitfenster für Georgien geben könnte, der NATO beizutreten oder sich ihr längerfristig anzunähern. Es war klar, dass das mit John McCain auch gegen deutschen und französischen Widerstand funktionieren würde, wie dieser mehrfach deutlich gemacht hat. Aber es war im August schon relativ klar, dass die Wahl eher von Obama gewonnen wird. So hat Saakaschwili versucht, durch die Niederschlagung der Separatisten Fakten zu schaffen, die eine Annäherung an die NATO erleichtert hätten.

Gesine Dornblüth bei der “Deutschen Welle” (Link) schildert die Sichtweise der beiden Seiten, erwähnt aber auch:

Das deutsche Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” berichtete vorab, die Kommission komme zu dem Ergebnis, dass die Georgier den Krieg begonnen hätten.

Manfred Bleskin bei n-tv (Link) ist von der russischen Sicht der Abläufe vollkommen geblendet:

Präsident Michail Saakaschwili verhält sich so, wie vor dem 7. August 2008: Er schwadroniert von – neuerlichem – Krieg. So laut, dass sich US-Vizepräsident Joseph Biden gezwungen sah, den immer lästiger werdenden Verbündeten telefonisch in die Schranken zu weisen.

David Nauer im Tagesanzeiger (Link) geht noch weiter:

Inzwischen steht fest: Den Krieg losgetreten haben die Georgier. In der Hoffnung auf einen schnellen Sieg schickten sie Panzer gegen Zchinwali, feuerten ganze Raketenschwärme auf Wohnhäuser. Die Russen, auch nicht zimperlich, hatten auf eine solche Dummheit der Georgier nur gewartet und schlugen brutal zurück.

Bei allen hinterlistigen Absichten des Kremls: Die Verantwortung für diesen Krieg trägt Georgiens Präsident Michail Saakaschwili. Der einstige Hoffnungsträger ist zum Kriegstreiber verkommen. Er hatte sein ganzes Renommee an die «Heimholung» der abtrünnigen Gebiete geknüpft und war am Schluss bereit, dafür über Leichen zu gehen.

Die anderen Medien versuchen ziwschen zwei Stühlen zu sitzen und schreiben im betont neutralen Ton, dass beide Seiten am Krieg ihre Schuld tragen. So Sonja Zekri in der Süddeutschen Zeitung (Link), Michael Ludwig in der FAZ (Link), Silvia Stöber bei der Tagesschau (Link).
Etwas klarer sieht Alice Bota in der “Zeit” (Link):

die Lehre aus einer dauerhaften Politik der Verdrängung wäre verheerend: Ist ein Land nur unwichtig genug, darf Russland einfach alles.

Aber auch sie ist überzeugt:

Als Michail Saakaschwili in den ersten Kriegstagen zufällig gefilmt wurde, wie er sich wirr vor Sorge seine Krawatte in den Mund stopfte, dürfte er geahnt haben, dass er im Westen bald schon kein gern gesehener Gast mehr sein würde. Immerhin war er derjenige, der bei Nacht den Befehl zum Angriff auf Südossetien gab und so den Konflikt provozierte.

Ganz witzig meint sich “Die Welt”, indem sie einerseits auf Saakaschwili schimpft – das übernimmt Manfred Quiring (Link):

Gröber kann man die Tatsachen kaum verdrehen.

und andererseits – im Leitartikel von Richard Herzinger (Link) – die Schuldfrage richtig stellt:

Zum ersten Mal seit dem Ende der Sowjetunion drangen russische Truppen wieder in das Staatsgebiet einer souveränen Nation ein. Und mit der offiziellen Anerkennung der Scheineigenstaatlichkeit der beiden Provinzen durch Russland erfolgte die erste De-facto-Annexion fremden Territoriums durch Moskau seit Ende des Zweiten Weltkriegs. [...] Das Wiederaufflackern des Konfliktes zeigt jedoch drastisch, dass sich auch unter Obama schroffe Interessengegensätze zwischen Russland und dem Westen nicht in Luft aufgelöst haben. Umso mehr darf der Westen in Georgien nicht nachgeben. Er muss mit weitaus offensiveren diplomatischen Mitteln als bisher auf eine Lösung des Streits um die abtrünnigen Provinzen hinwirken, die ein tragfähiges Autonomiestatut für sie mit der Wiederherstellung der territorialen Integrität Georgiens verbindet. Zugleich muss der Westen jedem Anschein entgegentreten, er gebe Georgien an die russische Einflusssphäre preis. Das hätte fatale Auswirkungen auf das Vertrauen anderer einstiger Sowjetrepubliken und Satellitenstaaten, bis hin zu den baltischen und osteuropäischen Ländern, in die westlichen Sicherheitsversprechen. Nato-Generalsekretär Rasmussen, der Russland gemahnt hat, die Souveränität seiner Nachbarn zu respektieren, und US-Vizepräsident Joe Biden, der bei seinem Besuch in Tiflis das Recht Georgiens unterstrich, der Nato beizutreten, haben deshalb die richtigen Signale gesetzt. [...] Es war richtig, dass Joe Biden in seiner Rede vor dem Parlament in Tiflis bei der umstrittenen georgischen Regierung entschiedenere Schritte in Richtung echter Demokratie angemahnt hat. Doch gerade diese könnten unter dem Schirm des Mitgliedschaftsaktionsplans (MAP) der Nato wesentlich intensiviert werden. Die Ukraine und Georgien möglichst bald in den MAP aufzunehmen wäre der Stabilität in der Region förderlich. Ängstliche Rücksicht auf Russlands Dominanzanspruch hingegen bewirkte das Gegenteil.

Ein authentische Stimme der Wahrheit darf nur in der “Presse” komplett ertönen – im Interview mit dem richtigen Experten Pawel Felgenhauer (Link):

Der Kreml sagt sich, nach einem halben Jahr wird der Westen wieder mit uns sprechen. Nach dem letzten Krieg gab es auch Kritik. Dann hat der Westen sich angepasst und erklärt, mit Russland gebe es wichtige Fragen zu besprechen. Die schwache Antwort des Westens auf den russischen Angriff im vergangenen Jahr spornt Russland zu einer Fortsetzung an. [...] Ich habe persönlich mit Heidi Tagliavini, der Vorsitzenden der EU-Kommission gesprochen, die den Kriegsbeginn im letzten Jahr untersucht. Sie hat mir gegenüber erklärt, dass die Veröffentlichung im deutschen Nachrichtenmagazin „Spiegel“, wonach die EU-Kommission angeblich herausgefunden hat, Georgien habe den Krieg begonnen, nicht den Tatsachen entspreche. Der „Spiegel“-Bericht sei Unsinn und wahrscheinlich von Moskau bezahlt.

Natürlich haben sich auch die Georgier auf den Krieg vorbereitet. Von georgischer Seite war es aber eine Improvisation, ausgelöst durch eine russisch-ossetische Provokation. Russland hat seine militärische Aggression ein halbes Jahr lang vorbereitet.

Es gibt noch mehr solche Stimmen, auch in Russland, sie werden nicht gehört und nicht übersetzt, zum Beispiel von Andrei Illarionov, warum nur?

 

Link zu Mankells Intifada Freitag, 7. August 2009

Völkerspezialisten haben den Artikel gelöscht (siehe Kommentare zum Posting Henning Mankell im Lager der Israelhasser angekommen).
Der Mankell wurde aber schon viel früher verdeutscht. Das Original in Schwedisch wurde am 2.6.2009 publiziert. Dann bei tlaxcala, schon am 26.6.2009, in der Übersetzung von Einar Schlereth. Davor allerdings schon bei der Seite Hintergrund, und zwar am 11.6.2009. Erstaunliche Geschwindigkeit! Und erst am 30.7.2009 bei der Gesellschaft für bedrohte Völker, allerdings ohne Erwähnung der Quelle und des Namen des Übersetzers. Man muss also nicht bei google cache suchen :-)

 

Henning Mankell im Lager der Israelhasser angekommen

Wir erleben eine vollkommene Entwertung der Menschenrechte. Das Thema wird von den Terrorverstehern besetzt. Man kann sich kaum mehr zu der menschenrechtlichen Prolematik äußern, weil der Begriff umgepolt ist. Im Lager der Israelkritiker herrscht jetzt bestimmt eine große Freude: Henning Mankell hat Israel delegitimiert. In offener und absoluter Deutlichkeit spricht er dem Staat Israel das Recht auf Existenz ab. Ein widerlicher Text.
Die zweifelhafte Ehre der deutschen Publikation gehört den Menschenrechtlern in Berlin (Link). Schande über euch!

Dank an Daniel Leon Schikora, der in seinem Blogbeitrag auf diese Selbstentlarvung eines Krimiauthors aufmerksam gemacht hat (Link).

 

Alltäglicher Qualitätsjournalismus Dienstag, 4. August 2009

Filed under: Bremen,Deutschland,Medien — peet @ 21:36 Uhr
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In heutigem “Weser Kurier” kann man auf der ersten Seite bewundern:

Der Protest gegen das von Neonazis besetzte Landhaus in Faßberg wächst.

Entzückend!

 

“Die israelkritische Tochter” als “Publizistin” Montag, 3. August 2009

Raimund Weible im Schwäbischen Tagblatt hat etwas Neues erfunden (Link):

Hecht-Galinski ist die israel-kritische Tochter des verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden Heinz Galinski und lebt im Kreis Lörrach.

Köstlich. Der restliche Text ist auch voll der Peinlichkeiten. Die israelkritische Tochter ist inzwischen von der Jungen Welt zur Publizistin mit einer Leserbriefpublikation geschlagen. Im pluralis majestatis geht da hart zur Sache (Link):

Man fragt sich allerdings, ob der Zentralrat noch für alle deutschen Juden oder nicht viel mehr für Israel spricht. Haben nicht auch die Vorstandsmitglieder deutsche Pässe? Es wird Zeit, daß sich deutsche Juden gegen diese ständigen und beleidigenden Maßregelungen der deutschen Öffentlichkeit, Medien und Politik zur Wehr setzen. [...] Auf Journalisten und Korrespondenten, die ständig Unwahrheiten und falsche Anschuldigungen verbreiten, können wir sehr gut verzichten. Das gleiche gilt für die Websites und Netzwerke jüdischer und israelischer Interessenvertreter, die Hetze gegen alle Israel kritischen Stimmen verbreiten. Neuerdings sogar professionell und gegen Bezahlung betrieben, initiiert von der israelischen Regierung.

Evelyn Hecht-Galinski, Publizistin

Noch ein recht amüsanter Text wurde von derselben Jungen Welt verewigt, nämlich von Wolfgang Richter, im Namen der Menschenrechtskämpfern in der ehemaligen Uniform (Link). Ihm

fällt übrigens keine Menschenrechtsorganisation in Deutschland ein, die einen höheren prozentualen Anteil jüdischer Bürger unter ihren bislang 13 Preisträgern hätte als die GBM. Das kann auch niemanden verwundern, der der GBM die DDR-Herkunft der meisten ihrer Mitglieder vorwirft. In der DDR waren in Regierung wie übrigens auch im Zentralkomitee der SED (nach einer Untersuchung von Mario Kessler) bis 1967 sieben bzw. acht jüdische Bürger vertreten, während in der Bundesrepublik bis dahin nicht ein einziger an der Regierung beteiligt war. Das war wohl nicht nur der Schatten Globkes, sondern Ausdruck offizieller Staatspolitik der Adenauer-Ära und eines unbewältigten Faschismus. Gänzlich haltlos ist der heute in diesem Zusammenhang von David Harris vorgebrachte Vorwurf, die GBM werde durch ehemalige Stasi-Mitglieder geleitet. Das ist ein ähnlicher Vorwurf wie der, auf dessen Wiederholung Anne Will angesichts unserer beabsichtigten Klage dagegen in ihrer Talk-Show seither verzichtete. Was aber soll dieser Vorwurf nun gar noch im Zusammenhang mit Israel, ganz unabhängig von seiner Absurdität, wo doch das MfS bei der Verfolgung der Eichmänner gewißlich an der Seite Israels stand?

Man wirft Felicia Langer gewissermaßen jüdischen Antisemitismus vor. Auch das ist grotesk, ist ihr gesamtes Denken und Handeln doch von tiefer Liebe zu allen Menschen erfüllt. (…)

Es bleibt uns der mahnende Satz Felicia Langers: »Wer in Deutschland aus Furcht vor einem Beifall von der falschen Seite zu Israels verbrecherischer Politik gegenüber den Palästinensern schweigt, ist schon wieder ein bißchen Mittäter.«

Unzählige Kostbarkeiten, so gut wie in jedem Satz. Tja, so geht das weiter.

 

Ein Gedanke, auf den ein Qualitätsjournalist nie kommen würde Samstag, 1. August 2009

Filed under: Blogging,Medien — peet @ 11:59 Uhr
Tags: , ,

Für einen folgenden Gedanken, genauer gesagt, für seine allgemeine Ausformulierung bin ich Felix Schwenzel dankbar (Link). Für die anderen nicht :-) Zum Beispiel damit bin ich nicht einverstanden:

das doofe ist ja, ich finde werbung auf blogs und in zeitungen und zeitschriften gut. werbung finanziert leute wie heribert prantl, günter wallraff, jens weinreich und ermöglicht ihnen das zu schreiben was wir alle schätzen.

Ich bin gegen die Werbung in Medien, sie macht Zeitungen und andere Medien korrupt. Ausserdem schätze ich nicht alles, was geprantlt wird. Und dazu noch gehe ich davon aus, dass ausgerechnet Wallraff weniger durch die Werbung finanziert wird.

ich glaube zwar, dass die meisten blogger die trennung von werbung und redaktionellen inhalten sehr ernst nehmen, nur funktoniert die wahrnehmung dieser trennung nicht so wie ich und andere werbetreibende blogger sich das vielleicht wünschen. blogs sind (meistens) so persönlich, so abhängig von ihren machern, dass die geschaltete werbung — in der aussenwahrnehmung — zwangsläufig einfluss auf die redaktionellen inhalte hat.

Das trifft die Sache aus meiner Sicht genauer, bzw. entspricht meiner Position. Deswegen bin ich prinzipiell gegen die Werbung in Blogs.

werbung färbt leider ab.

ich bin mittlerweile so weit, dass ich nur noch werbung von unternehmen schalten möchte die ich OK finde und die ich zur not auch verteidigen würde. [...] anders gesagt: ich glaube mittlerweile, dass man in blogs nicht keine haltung zu der werbung die bei einem geschaltet ist haben kann. keine haltung zu artikulieren geht auch nicht; man kann als blogger nicht keine haltung kommunizieren. alles in einem einem blog, von der gestaltung der überschriften bis zu auswahl der links, der worte, der kommentarmoderaration, der diskussionsweise drückt eine bestimmte haltung aus. da wirkt es genauso wenig glaubhaft wie die pseudo-distanzierung von links auf externe seiten per „disclaimer“, wenn man behauptet mit der werbung nichts zu tun zu haben, obwohl man sich bewusst dafür entschieden hat.

Korrekt! Ein Blogger ist, denke ich, für den gesamten Kontent seiner Seite ideell verantwortlich, zumindest in der eigenen Reflexion. Leider geht die Diskussion in Kommentaren zum wirres-Posting sowie in dem denselben Text referierenden Blog Zivilschein in eine andere Richtung. Das ist aber nicht so schlimm. :-) Schlimm ist es, wenn Qualitätsjournalisten das Thema gar nicht artikulieren. Und sich korrumpieren lassen.

 

 
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