Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Spannendes Interview mit Thilo Sarrazin Samstag, 28. August 2010

Einsortiert unter: Deutschland,Medien,Politik — peet @ 21:31 Uhr
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…hat soeben die “Berliner Morgenpost” online gestellt (Link). Die vielleicht stärksten Sätze:

Wir haben heute keinen Mangel an Abiturienten, sondern einen Mangel an Abiturienten, die eine ausreichende Bildung besitzen, um Mathematik oder Ingenieurwissenschaften zu studieren. [...]
Künftige Zuwanderung nach Deutschland wird zu 90 Prozent aus Afrika, dem Nahen und Mittleren Osten und der Türkei erfolgen. [...]
Ich habe mal ausgerechnet: Dem Land Berlin habe ich über sieben Jahre als Finanzsenator 870 000 Euro Personalkosten verursacht und dafür den Haushalt saniert. Für den Betrag können Sie ein mittelstarkes McKinsey-Team, das die Verwaltung im Axel-Springer-Verlag untersucht, drei Monate bezahlen. Ich war für den Staat ein Schnäppchen. [...]
Dass ich mit meinem bürgerlichen Hintergrund sage, mit drei in die Kita, danach Ganztagsschule, zack, zack, das ist ein purer Schrei der Hilflosigkeit. In den Schulklassen sehen wir: Ein ganz großer Teil der deutschen Unterschicht und ein großer Teil der Migranten – Ausnahme Kinder aus Osteuropa und Fernost – machen in der Schule nicht ausreichend mit, und das Elternhaus fällt als Stütze weitgehend aus. Der einzige Weg, diese Probleme anzugehen, ist, für diese Kinder den negativen Einfluss des Elternhauses und des übrigen sozialen Umfeldes weitgehend zu kompensieren, um den umweltbedingten Anteil des Begabungspotenzials möglichst zu optimieren. Auch die beste Schule macht leider nur einen kleinen Teil der Umweltbedingungen aus, der Staat hat aber keine anderen Hebel. [...]
Warum gibt es in fast jedem europäischen Land eine wachsende muslimische Minderheit, die wesentlich größere Integrationsprobleme hat als andere Minderheiten? Und dann ist die Frage, warum es in keinem Land auf dieses sich seit 30 Jahren abzeichnende Problem eine zukunftsweisende Antwort gibt? Erst die dritte Frage sind die sich daraus ergebenden politischen Bewegungen. [...]
Das Problem der islamischen Welt ist doch gerade, dass sie an diesem Austausch wesentlich weniger interessiert ist als das Abendland. In der ganzen Geschichte der arabischen Sprache wurden weniger Bücher ins Arabische übersetzt, als in einem Jahr ins Spanische übersetzt werden. Das heißt, die islamische Welt ist zu großen Teilen in sich abgeschlossen. Diese Abgeschlossenheit des Islam macht vielen Angst, weil sie die kulturelle und philosophische Grundlage dieser Länder ist und gleichzeitig die Quelle der islamistischen Aggression. Sie führt auch dazu, dass diese Staaten ökonomisch zurückgeblieben sind. [...]
In einer Welt, in der jeder Integrationsbeauftragte hundertfach seine Erfolgsquoten herunterbetet, würde mein Buch langweilen, wenn es nur den Integrationsbericht der Bundesregierung nachvollzöge.

Die blödesten:

Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden. [...]
Die Wissenschaft ist sich einig darin, dass die gemessene Intelligenz zu 50 bis 80 Prozent erblich ist.

 

Ein Videogedicht? Montag, 16. August 2010

Einsortiert unter: Blogging,Film,Kunst,USA,YouTube — peet @ 13:51 Uhr
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Seit einigen Tagen wird ein Videoclip verlinkt, mit Begeisterung weiter empfohlen. Die eine Version ist bei Vimeo zu sehen, die andere, etwas reifere bei Youtube:


Autoren sind Daniel Mercadante und Will Hoffman. Bei den Bewertungen und Beschreibungen wird diese Produktion als Videogedicht (“modernes Gedicht“) gelobt, als “eine Art assoziativer Montage” “im Sinne von Eisenstein” klassifiziert. Oder als “a visual interpretation of stream-of-consciousness“. Noch konkreter wird es im Kommentar von der Hoepp (bei iGNANT):

Wie der Titel schon sagt, geht es um Worte und unterschiedliche Bedeutungen. Es fängt mit “Play” an, geht über “Blow”, “Break”, “Split”, “run”, “fly”, “fall”, “light” zu “space”. Ich finds wunderbar, besonders Fly und Fall.

Die Notwendigkeit, die englische Sprache zum Verständnis des Clips mitzubringen, betont auch Cinematze.
Dazu:
1. Die Poesie lebt nicht nur von Reimen. Diese Art, die Haiku- oder Hokku-Technik in die Videomontage zu verwandeln, erinnert mich viel mehr an die übliche Krankheit der Prosachreibenden – Alliteration. Ich mag das auch, all Wortspiele, Klangspiele, Wortdrehungen, Buchstabenumstellungen usw. In der wahren Poesie sind sie ein Sprachmittel von vielen. In der Prosa werden sie normalerweise vom erfahrenen Lektor wegredigiert. Die Entscheidung darüber, ob ein Text poetisch ist, auch wenn es ohne Reime auskommt, ist manchmal schwer, für sich aber kein Problem. Es kommt auf die Intention des Autors an.
In der Videokunst ist dieser “Words”-Clip ein Ereignis, da Bilder assoziiert werden, die eine optische Ähnlichkeit haben. Faszinierend allemal.

2. Eine Montage in der Art von Eisenstein ist das aber nicht, da gerade die dynamische und parallele Montage fehlt. Eher eine Skizze. Es gibt kaum eine Idee, die mehr als nur eine witzige Assoziation wäre. Die Erhebung zum Höheren am Ende des Clips ist toll, keine Frage. Ein Haiku neben einem Poem wie ein Clip im Vergleich zu einem Film wie Beshinwiese (“Beschin lug”)?
3. Als ich den Titel “Words” gesehen habe, dachte ich zuerst irrtümlicherweise an den berühmten Song von F.R.David. Überhaupt die Notwendigkeit, Worte zwischen den Bildern und deren Verknüpfung einzubringen, dazwischen zu schalten, scheint mir ein Problem zu sein. Ich bin der Meinung, optische Reize sollten für sich sprechen. So zum Beispiel, wie es von einem Youtube-Meister mit einfachen Mitteln gepflegt wird, den man unter dem Nicknamen eggman913 kennt (eigentlich Philip Scott Johnson):

Andere Beispiele dieser Art habe ich schon erwähnt. Trotzdem die Vorstellung, bei der Geburt einer neuen Gattung – Videogedicht – dabei zu sein, ist großartig.

 

Bremer Datenschützerin gegen Street View Sonntag, 15. August 2010

Einsortiert unter: Blogging,Bremen,Deutschland,Medien — peet @ 11:27 Uhr
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Der Kampf der Unwissenden und Rückständigen geht weiter. Blogger schreiben über die Angst der Politiker vor digitaler Modernisierung (Link) sowie über die unsäglichen Medienkampagnen (Link).
Aber auch Profis der Datenschutzkorporation haben keine Ahnung. Im “Weser Kurier” von heute wird die lokale Datenschutzbeauftragte Imke Sommer interviewt (Link). Frappierend blöde Argumentation:

Jemand kann sehen: Ist die Markise am Haus alt? Lohnt es sich vielleicht, dem Besitzer ein Angebot für eine neue zu schicken. Darin liegt die Gefahr.

Oder:

Also kann es doch sein, dass Sie eines Tages mit Street View Ihren Urlaub planen?
Keine Ahnung. Das schöne am Urlaub is doch, dass man sich überraschen lässt von dem, was einen erwartet. Ich weiß nicht, ob ich mir dieses Gefühl nehmen möchte.

Also wirklich, blöder als im Sommerloch erlaubt.

 

Özoguz als Niemöller der Muslime Sonntag, 1. August 2010

Man kennt inzwischen Yavuz Özoguz gut genug, um zu wissen: Der Betreiber der Seite Muslimmarkt.de ist ein geschickter Propagandist der islamistischen Strömung, mit direkten Verbindungen zu iranischen Regierungskreisen. Daraus folgt für deutsche Muslime das Gebot einer klaren Distanzierung von Özöguz und seiner Tätigkeit. Insbesondere für die Muslime, die mit pauschalen Anfeindungen zu kämpfen haben und nicht mit Islamisten verwechselt werden wollen. So weit so klar.
Und doch erlebt man hin und wieder wundervolle Blüten wie folgt (Link). Es geht um das Verbot der deutschen IHH, der angeblichen Hilfsorganisation, die für die Hamas Spenden sammelte. Es ist bekannt, dass die IHH in Deutschland nur eine von mehreren ähnlichen Organisationen ist. Es hat sie diesmal getroffen, weil sie mit ihrer Abkürzung dem türkischen Original verblüffend nahe kommt. Dass die türkische IHH seit Jahrzehnten den Terror weltweit unterstützt, ist auch hinlänglich bekannt, stört aber die Kämpfer gegen Israel nicht.
Wie auch immer, schreibt der Islam-Blogger, der sich explizit so nennt und ansonsten eifrig gegen jegliche Pauschalisierung auftritt, wenn es die Mehrheit der friedensliebenden Muslime trifft, über die Rolle von Özoguz in der Debatte um das Verbot der deutschen IHH (Link):

[...] hier zeigt ein einzelner Mann, wie man es richtig macht. Ich bin zwar kein Freund von Herrn Özoguz, aber er hat meinen hochachtungsvollen Respekt!

Eine einzige Kommentatorin meldet sich zu Wort und bestätigt den Islam-Blogger (Link):

[...] es ist beschämend, dass die anderen muslimischen Organisationen sich wegducken. Ob sie Niemöller kennen?
Özoguz – ich teile nicht immer seine Meinung, schätze ihn aber für seinen aufrechten Gang. Gerade in dieser Angelegenheit beweist er mal wieder, was es bedeutet, wenn ein Muslim wirklich nur Allah fürchtet und nicht die Menschen.

Noch einmal langsam: Özöguz wird hier direkt mit Niemöller verglichen. Führen wir den Gedanken zu Ende: Niemöller hat gegen die Nazis eine einsame Position bezogen. Özöguz kämpft gegen das deutsche Grundgesetz. Alles klar? Noch mehr Demokratie für Islamisten?
Die soeben zitierte Kommentatorin alien59 ist inzwischen unter demselben Nicknamen als eine aktive judenfeindliche Propagandistin in der Freitag-Community bekannt und sorgt für Klicks und aufgeregte Schmierereien bei dem Vorzeigeprojekt des Jakob Augstein. Kennt er Niemöller?

 

 
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