Im heutigen Interview, das das österreichische “Standard” mit einer Kulturhistorikerin Anna Bergmann geführt hat, wird Thilo Sarrazin schon wieder für das Übel Deutschlands verantwortlich gemacht. Besonders klar wird das im letzten Satz:
Armut wird als parasitärer Lebensstil gedeutet, der immer mehr als eine negative Charaktertypologie und nicht mehr als ein Ergebnis unserer gesellschaftlichen Misere im Sinne eines Strukturmerkmals des neoliberalen Globalisierungsprozesses wahrgenommen wird.
Wie es für heutige Geisteswissenschaftler leider üblich ist, gedeutet werden nicht Fakten der Kultur, sondern Interpretationen. Eine nicht genehme Deutung wird als richtig oder falsch beschildert, argumentiert dagegen wird gar nicht. Anders gesagt, es werden Argumentationsfehler des Gegners aufgelistet, der Gegner selbst wird reichlich beschimpft, die Realität nicht aber neu analysiert, Hypothesen werden nicht einmal ausprobiert oder zumindest angesprochen.
Dass nicht Sarrazin, sondern die sozial-staatliche Förderung die generationsübergreifende Armut fördert, wird dabei ausgeblendet.
Und wofuer plaedieren Sie? Fuer Hegels von Sarrazin begeistert zitierte Empfehlung, “die Armen dem oeffentlichen Bettel zu ueberlassen”?
Ich persönlich plädiere für die Hilfe zur Selbsthilfe. Wer diese allerdings nicht annimt, soll mit Konsequenzen leben.