Archiv für die Kategorie ‘Blog’

Es brodert bei Niggemeier

Dienstag, 4. März 2008

Zum Thema selbst habe ich mir erlaubt, alles Notwendige schon vor Monaten auszusprechen (Link). Bei den neuesten Versuchen Niggemeiers, Broder ein Aufmerksamkeitszeichen zu entlocken, sammeln sich Hunderte von Interessenten. Antisemitische Wortmeldungen sind selten, einige wagen es sogar, Niggemeier selbst für seine Haltung und für die Erschaffung einer unwürdigen Plattform  für den tobenden Mob zu kritisieren. Wie auch immer, einer der Kommentatoren gehört offensichtlich zu dem besonderen Volk, welches an Broder Briefe schreibt. Der Kommentator rühmt sich mit Broders Antwort auf den “empörten” Leserbrief und zitiert diese Antwort voller Stolz (Link):

ich bin erschüttert. gerade auf ihre bewertung kam es mir ganz besonders an.

Herrlich!

Broder über Neudeck über Oestreicher

Samstag, 29. Dezember 2007

Ein witziger, bisweilen angenehm bissiger Text - Broder in Höchstform. Lesenswert. Außerdem schön, wie hier Rupert Neudeck vorgeführt wird.

P.S. Wie will man das Lesenswerte von dem Müll unterscheiden und hervorheben? Tja. Immer wieder diese Frage…

Tagesschau in der Kritik

Freitag, 28. Dezember 2007

Eine Nachrichtensendung ist auch eine Institution. Die Redaktion bekommt irgendwann das Gefühl der eigenen Wichtigkeit und verteidigt sich gegen Kritik, indem sie auf Argumente verzichtet. Das geschieht jetzt mit dem Buch von Walter van Rossum. Wie die FR meldet, kommt die bissige Kritik beim Sender nicht gut an (Link). Es wird im internen Blog zurückgeschossen, der von den meisten Teilnehmern wie ein Fanclub verstanden wird. Ein Beispiel der korporativen Identitätsbildung vom feinsten.

Van Rossum:

Wenn man sich das ganz akribisch anschaut, muss man einfach feststellen, dass da wahnsinnig viel Unsinn versendet wird.

Im tagesschau-blog.de wird mehr von Kommentatoren als von Autoren dazu geschrieben (Link). Die einen bestätigen die Treffsicherheit van Rossums, so z.B. ein “Textkoch” im Kommentar 36:

Im Politik-Studium haben wir uns schon vor über zehn Jahren der Tagesschau-Analyse gewidmet, mit nahezu den gleichen Ergebnissen: (zu) häufig (zu) wenig Hintergrund bei den einzelnen Themen (auch für eine Nachrichtensendung), die Zerstückelung von Zusammenhängen in Einzel-Meldungen, (zu) viel Raum für offizielle Parteivertreter und immer wieder die Projektion und letzlich Reduktion von Themen auf einen Parteienstreit und - das fehlte in diesem Feature - hohe Anteile an Unterhaltung: Zweiminütige Beiträge über Messeeröffnungen mit bunten Bildern, die Bundesliga oder Badebilder über den kurzen Sommer 20007 wie neulich in den Tagesthemen haben eher unterhaltenden als informativen Charakter und sie stehlen die Zeit, die Hintergundinfos brauchen.

Auch nicht im Mittelpunkt dieses Features: Wie häufig eigentlich die Bild- und Textinformation auseinanderklaffen oder besser: Die Information steckt im Text, nicht im Bild, letzteres hinterlässt aber den nachhalterigen Eindruck beim Zuschauer. Zugegeben ein Grundproblem des Fernsehens: Bebildere mal die Gesundheitsreform.

So ist ein Teil der Kritik auch nicht Tagesschau-spezifisch, sondern weist auf ein weiteres grundsätzlichen Problem von Journalismus hin: Der insgesamt enge Blick auf die ruckartigen Veränderungen der Welt. Nur ein Beispiel: Tankerkatastrophe, 100.000 Tonnen Öl fließen ins Meer. Das ist fraglos ein relevantes Thema, das aber jährlich sowieso mehrere 100.000 Tonnen Öl in unzählichen Kleinstmengen abgelassen werden, ist hingegen keine Meldung, für die Meeresverschmutzung indes problematischer.

Journalisten und insbesondere Fernsehjournalisten interessiert vor allem die plötzliche und - wegen der Bilder - möglichst sichtbare (Ölpest !) Veränderung, weniger die stetige oder schleichende, was insofern ein Zerrbild der Wirklichkeit ergibt, als das die langsame Veränderung der Normalfall ist, ob nun in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft oder Natur. Die plötzlich Veränderung markiert die Ausnahme, definiert so gesehen auch Nachricht. Aber das ist eben genau kein Abbild der Welt oder des Tages. Ein stetiges (sic) Bemühen immer wieder auch langsame Veränderungen zu thematisieren, wäre daher bereits ein großer Fortschritt.

Die anderen denunzieren ihn mit biographischen Hinweisen (so “Goldstein” mit einem Link zum Artikel von Wolfgang Eßbach aus dem Jahr 1993).

Die dritten sind vollkommen damit zufrieden, dass der DF-Radiobeitrag van Rossums durch sie, Kommentatoren, besprochen wird. Und die vierten fragen munter weiter nach, wann kommt denn eine inhaltliche Antwort auf die Kritik? Das war der Stand Juli 2007.

Das Buch wird von der Redaktionsgarde weiter ignoriert.

Qualitätsjournalismus bei der Süddeutschen

Montag, 24. Dezember 2007

Wer noch nicht gelesen hat, soll es nachholen - die ruhig entlarvende Analyse eines Interviews von Bernd Graff, dem inzwischen berühmt gewordenen stellvertretenden Chefredakteur der süddeutsche.de, von Thomas Knüver meisterhaft durchgeführt (Link).

TOP 50 und kein bisschen leise

Montag, 3. Dezember 2007

Kollegen von dem Blog “Medienlese” haben mir die Ehre erwiesen, meinen Blog in die Medienblogcharts aufzunehmen (Link). In dem wunderschönen Monat November durfte “Sendungsbewusstsein” also die Liste der 50 meistverlinkten deutschsprachigen Blogs auf dem Gebiet abschliessen. Toll!

Ich bedanke mich bei meinen aktiven Lesern und nutze die Gelegenheit, um sie zu mehr Kommentaren und Anregungen zu animieren.

Allen Interessenten empfehle ich übrigens diese Charts zu studieren und wenigstens einmal durchzublättern.

Russische Dissidenten und die Presse: Bukowski und Jusik

Montag, 5. November 2007

Ein bemerkenswerter Skandal in der russischen Blogszene. Der Fall beginnt damit, dass Wladimir Bukowski, der große Veteran der Dissidenten, der Autor des großartigen Buchs “Moskauer Prozess”, nach Moskau kam, um sich an dem politischen Kampf 2007 zu beteiligen. Die überwiegend Pro-Putin-gestimmte Presse machte sich über ihn lustig, unter anderem die “Komsomolskaja Prawda”, die infolge der Glasnost-Politik zu einer Boulevardzeitung der schlimmsten Sorte wurde. Unter dem billigen verlogenen Text steht die Unterschrift einer vergleichsweise jungen Journalistin Julia Jusik, die inzwischen in Deutschland durch zwei Bücher zu tschetschenischen Themen bekannt ist.

Das ist nichts Neues, würde der erfahrene Leser sagen. Ja, aber jetzt wird’s spannend. Frau Jusik vermerkt in ihrem Blog am selben Abend, als der Artikel erschienen ist, dass ihre Skrupel ihr keine Ruhe lassen, und offenbart dabei, dass der Text in der Redaktion bis zur Unkenntlichkeit umgeschrieben wurde. Am nächsten Tag wird sie, bis dato eine freie Mitarbeiterin der Redaktion, vom Chef höchstpersönlich aus der Zeitung wegkomplementiert. Dann erzählt sie das in ihrem Blog und… wird auf einmal berühmt. Blogger kommentieren ihre Eintragungen zu Hunderten, zwingen die geplagte junge Dame einige der Texte vom Netz zu nehmen, kopieren die verschwundenden Bekenntnisse und streiten sich unermüdlich weiter.

Ist es schon alles? Nein. Der Artikel wird inhaltlich auf Lügen analysiert, ihre Bücher der engen Verbindung zum KGB bezichtigt, sowohl in den Inhalten als auch in der Botschaft, ihre Moral nach dem Motto “Ich war junge Mutter und brauchte das Geld” in den “gelöschten” Blogpostings auseinandergenommen. Eine kostbare Geschichte, würde ich meinen. Wenn noch dazu die eigentümlich  schmutzige Tagebuchsprache der versierten Autorin in Betracht gezogen werden könnte, wäre das Bild noch kompletter.

Wie auch immer, was ich sagen wollte, ist ganz einfach: Das wichtigste Buch von Bukowski, grundlegend für die Geschichte der Sowjetunion, ist noch nicht ins Deutsche übersetzt worden, von Jusik gibt es zwei. Warum nur? Nebenbei gemerkt, auch das epochale Buch von Juri Schtschekotschichin “Die Sklaven der Staatssicherheit”, für das er vergiftet wurde, ist auch nicht erhältlich, zwei Bücher einer Julia Jusik schon.

Für russisch versierte Leser gibt es mehr Links:

Der Artikel selbst, vom 17. Oktober (Link) - der gebliebene Beitrag Jusiks in ihrem Blog am 20. Oktober(Link) - noch ein Kommentar von ihr in ihrem Blog vom 18. Oktober (Link) - ihre von ihr gelöschte Selbstbezichtigung in einem anderen Blog (Link) - Sprachanalyse des Artikels (Link) - Aage Borchgrevink über Jusik (”Mit lügenden Grüßen aus Russland”, ein norwegischer Link, russische Übersetzung - Link)

UPDATE: Ein Buch von Bukowski in Deutsch ist zum Thema doch erschienen und heißt Abrechnung mit Moskau (2000). Siehe einen Beitrag bei “Gegenstimme” (Link). Ob es rezipiert wird?

Schirrmacher-Debatte verblasst

Freitag, 2. November 2007

Die brillant installierte Debatte - Schirrmachers Rede in drei online-Fassungen (Link), eine kritische Replik im Spiegel online und eine kritische Kritik des grimmigen Schirrmachers (Link) auch beim Spiegel online - läuft ins Leere. Weder konnte sich der FAZ-Mitherausgeber erklären, noch interessieren sich Blogger genug für seine Invektiven. Auch die großen Chefs beim Fernsehen und Verlagen sind nicht viel weiter gekommen. Ach, wie schade.

In der Zwischenzeit habe ich im Netz recherchiert und habe nur vier Beiträge gefunden, die ich meinen Lesern in diesem Zusammenhang empfehlen darf:

  • Eine geißelnde Kritik bei Spiegelfechter (Link), insbesondere im Kommentar 33.
  • Eine kurze vernichtende Bemerkung von Martin Welker (Link).
  • Eine witzige Beobachtung zum Thema “Aufschreibsysteme” bei onlinejournalismus.de (Link).
  • Es ist bemerkenswert, dass der von mir begrüßte Text von Falk Lüke umgezogen ist (Link). Sollen wir uns Gedanken machen?..

Ein großer Denker zu sein ist schwer, manchmal hört keiner zu.

Am dritten Tage nach dem Eva-Herman-Fall

Sonntag, 14. Oktober 2007

Inzwischen sind es mehr als 770 Blogeintragungen, die sich alle um den medialen Skandal “Eva Herman” drehen und stark divergierend voneinander im heftigen Streit miteinander liegen. Es ist schier unmöglich, sie alle zu lesen. Keine Suchmaschine hilft, sie zu filtern, denn es geht nicht mehr um Stichworte, sondern um die Qualität der Texte, Originalität des Blicks, die Schärfe der Argumente, die Beachtung dessen, was von anderen geschrieben wurde.

Ich nehme experimentellerweise die je ersten 20 Treffer bei den wichtigsten Suchmaschinen (spezialisiert auf dem Gebiet deutschsprachiger Blogs) und betrachte sie etwas aufmerksamer, ohne alle gleichberechtigt zu behandeln. Das kann etwas länger werden, bitte um Geduld. Ein paar Kekse vielleicht? :-)

I. Clusty:

Die absolute Mehrheit der bloggenden Bürger dieses unseres Landes verteidigt das zu unrecht leidende Opfer der Politik, der Medien etc. Töne und Färbung unterscheiden sich nur minimal. Besonders krass sind folgende Beiträge - auf der evangelischen Seite idea.de (Link):

Kerner behandelte Herman wie bei der Inquisition. [...] Doch Herman blieb standhaft. [...] Ein Geschichtsprofessor hatte sich nicht entblödet, Herman mit Belehrungen über das Dritte Reich zu konfrontieren, die jeder Sechstklässler kennt, und bekanntzugeben, dass er die Frage „Hat Eva Herman recht?“ an seiner Universität als Prüfungsfrage eingeführt habe. [...] Broder nannte die Sendung „die längste Antifa-Sitzung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen“. [...] Politisch korrekte Meinungsführer in Medien und Politik schließen auf beängstigende Weise die Reihen. Deutschland rückt ein Stück näher an das heran, was Martin Walser die „gestoppte Demokratie“ nannte.

Eine Reaktion darauf kommt noch später - bei der Technorati-Linksauswertung.
Eine empörte “Flashlink30″ verkündet in ihrem Blog (Link):

Wir lassen uns nicht verarschen. [...] Mich erfreut es aber tierisch, wenn ich landauf, landab in jedem Forum und in hunderten von Kommentaren die Volksmeinung lese. Es herrscht Einhelligkeit in der Verurteilung der beschämenden Hexenjagd. [...] eins steht fest: Dieses Blog unterstützt Eva Herman. Jetzt erst recht.

Um Ausgeglichenheit bemüht sich Sebastian in dem Blog “Aufschrei” (Link). Er liefert die beste Analyse des Spruchs über die Autobahn und kommt zum Schluss:

Es ist erschreckend, wie groß die Distanz zwischen diesen beiden Sphären geworden ist. Sie zeigt sich, wenn Journalisten die Show nun als eine »Sternstunde des Fernsehens« bezeichnen und triumphieren, Herman habe eine Niederlage eingesteckt und sich unmöglich gemacht. Weit gefehlt. Da, wo Antifaschismus nicht gegenstandslos wäre, sondern dringend nötig, ist sie beliebter und stärker denn je. Und selbst wenn sie bald von der Bildfläche verschwinden sollte, was ich für unwahrscheinlich halte – der Nerv, den sie getroffen hat, wird nicht so schnell wieder verstummen. Und dem ist es auch relativ egal, was sie nun eigentlich gemeint hat.

Im “Bildblog” wird mit großem Staunen festgestellt, dass die große MeinungsBILDnerin baff ist und auf der Spur der Schadensbegrenzung wandert. Dabei wird ein sprachlich lehrreiches Fragment aus dem Interview mit dem inzwischen berühmtesten Geschichtsprofessor Deutschlands zitiert (Link).

Ich wundere mich meinerseits über diesen Proporz - die zwei zuletzt verlinkten Beiträge sind eine (rühmliche) Ausnahme. Und doch ist dieses Verhältnis glaubwürdig.

II. Icerocket

Hier sieht es alles noch schlimmer aus. G. Arentzen postuliert (Link):

Wie steht es nun mit den Aussagen von Eva Herman, man könne nicht über den Verlauf unserer Geschichte sprechen, ohne in Gefahr zu geraten?
Nun, das ist natürlich falsch. Man kann sehr wohl über das Dritte Reich sprechen. Man kann sagen, dass das alles Scheiße war, Hitler ein Arschloch, die Nazis verrückt - nichts passiert. Man kann sagen, dass er die Autobahnen nur für den Krieg bauen ließ, all die Nachteile aufzählen, die Judenvernichtung und den Krieg - nichts passiert.
Problematisch wird es erst, wenn man über diese Zeit spricht, ohne deutliche Abscheu zu zeigen oder wenn man Begrifflichkeiten benutzt, die auch von den Nazis benutzt wurden. Dann haftet einem schnell der Geruch des Braunen an. Man hat schließlich alles zu verdammen, denn alles kann irgendwie negativ behaftet sein. [...] Es gibt keine sachliche Debatte über diese Zeit, keine emotionslose Bestandsaufnahme, kein “vielleicht gab es durchaus gute Ansätze, die dann ins Schreckliche abwichen”. [...] Geht jemand hin und sagt, dass etwas gut war in dieser Zeit, ist er ohnehin ein Nazi und somit der öffentlichen Verdammnis anheim gefallen. Würde Dante seine Göttliche Komödie heute schreiben, der erste Ring der Hölle wären die Medien, der zweite der Boulevardjournalismus. [...] Ob Eva Herman nun nationalsozialistisch denkt oder nicht, maße ich mir nicht an zu entscheiden. In gewisser Weise kann man aber sicher von einer “gleichgeschalteten Presse” sprechen.

Als Beispiel einer neutral angelegten Beschreibung verlinke ich hier den Text aus dem Blog “Moglispears” (Link). Nur eine nichtige Posse sieht ein “Antón” in der Sendung (Link). Am Ende eines langweiligen Textes erkennt “woonde” plötzlich (Link):

Allerdings ist natürlich eine pseudowisschenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen höchst wissenschaftlichen Theman provokant und gewagt - von mir und von Frau Herman.

“Dennis” weiß alles bestens und spricht sich wortgewaltig aus (Link):

Frau Hermann ist kein Nazi und sie hat auch nicht die Absicht einer zu werden. Eine Formulierungsschwäche zu haben und ein Buch zu veröffentlichen mag zu kritisieren sein. Eine Fernsehkollegin einzuladen und sie aus meiner Sicht öffentlich zu fünft gewaltsam zu diskreditieren, ist für mich zu verachten. Kerner hat so im deutschen Fernsehen für mich nichts mehr zu suchen. Und die anderen Quotenhuren kann er gleich mitnehmen.

“SyranodeBonn” formuliert noch böser und ist (Link)

geneigt, von einer gewissen Gleichschaltung der Presse zu sprechen. Bis auf einen hervorragenden Artikel in der „Süddeutschen“ über Johannes B. Kerners Volksgerichtshof, später umgeändert in Laiengericht, wird die übliche Routine abgespult, wenn man jemanden in die rechte Ecke stellen will.

Noch einen Schritt weiter. Da sind wir schon bei den ganz schlimmen Beispielen. Normalerweise ignoriere ich diese “konservative” Ecke. Bei dem Thema sind sie aber so stark im augenblicklichen Aufwind, dass es unvermeidlich ist, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Der im vorigen Posting von mir schon erwähnte André F. Lichtschlag schwingt mit seiner Tastatur und - o-ho-ho - dabei kommt viel Euphorie raus (Link):

Warum sind sich alle einig darin, dass man öffentlich mit niemanden auch nur diskutieren darf, der etwa sagt: „Aber der Bau der Autobahnen damals war gut.“ Oder: „Die Olympischen Spiele von 1936 waren ein Erfolg.“ Das größte Tabu ist der Satz, dem insgeheim 95 Prozent der Menschen zustimmen, den aber nun wirklich keiner offen sagen darf: „Das meiste war schlimm, aber es war nicht alles schlecht!“

Natürlich war nicht alles schlecht. [...] Deutschland schreitet mit großen und schnellen Schritten voran auf dem Weg in einen totalitären Staat, der ideologisch mit Ökowahn, Radikalfeminismus und „Antifaschismus“ luftdicht abgesichert wird. Früher nannte man das Nationalismus und Sozialismus.

Die rechtsradikale Zentrale “Störtebecker.net” jubelt (Link):

Man darf in Deutschland keinen individuellen Standpunkt zu gewissen prägenden historischen Geschehnissen vertreten - nicht einmal zu kleinen Details jener Epoche, ohne sofort an den Pranger gestellt zu werden. Das bleibt haften, und zwar in einer Art und Weise, wie es hunderte von Demonstrationen des Nationalen Widerstands bislang nicht zu vermitteln vermochten.

Die NPD, DVU und die Nachfolge der Schillpartei sind offensichtlich brennend interessiert. Im letzten Fall ausdrücklich:

Aus der Hamburger Zentrumspartei, der bislang keinerlei Bedeutung beigemessen wird, könnte in diesem Fall ganz schell die „Herman-Partei“ werden. Denn neben Nockemann gibt es mal abgesehen vom christlichen Hardliner Udo Ulfkotte, ansonsten lediglich namenlose Windgestalten. Kein Wunder, dass man so erpicht darauf ist, Eva Herman für sich zu gewinnen.

Am Ende fällt ein noch besseres Wort:

Wenn es hier keine Absprachen gegeben hat, dann war nicht Herman naiv, sondern Kerner, der aus politisch-korrekten Gründen die Dissidentin wieder zu neuem Ruhm verholfen hat.

Ziemlich einsam steht dazwischen mein eigener Überblick der ersten Blogreaktionen da(Link). Andere “normale” Texte sind unter den ersten 20 nicht zu sehen.

III. google

Google zählt schon ca. 1140 Beiträge zum Thema auf. Überschneidungen zu clusty und icerocket sind zahlreich: mindestens vier Beiträge sind dieselben. Von zwanzig - ist es gut oder mangelhaft?

Hartmut Hannaske sieht in den Medien den wahren Übeltäter, so wie sie mit “Frau Herman” umgehen (Link), die

als einzige in ruhiger und sachlicher Art ihre Intelligenz unter Beweis stellend den Nachweis erbracht hat.

Seine Folgerung ist noch globaler:

Das Medien bei Wahlen und politischen Entscheidungen ein entscheidendes Wort mitreden ist eine Binsenweisheit. Problematisch wird es nur dann, wenn alle “Experten” in den großen Medien einer Mainstreammeinung hinterherlaufen und überall der Mut oder der Verstand fehlt, sich dieser entgegenzustellen und den Mainstream zu verändern. Das ist auch der wahre Grund für das peinliche Ausmaß von Antiisraelismus und Antiamerikanismus in Deutschland.

Ein “Vergißmeinnicht” (”Frau im Zielgruppen-Alter von Eva Hermans Büchern”) ist eher neutral in ihrer Bewertung, fragt dann aber - in der schönen Vogel-Strauss-Art - nach dem Sinn der Sendung (Link):

musste das ZDF die Sendung dann wirklich ausstrahlen? Haben sie nicht diesen Eklat zu eigenem Nutzen verwendet? Hätten sie nicht einfach auf diese Sendung verzichten können? Dann könnte sich Deutschland jetzt wichtigen Themen widmen und rechts gerichtete Vereinigungen hätten kein neues Futter mit dem sie demonstrieren können. Damit hätte man der Sache und dem Fernsehzuschauer wirklich einen Gefallen getan.

Im (nach der begeisterten Meinung “Muslimmarktes” “äußerst Israelkritischen und insbesondere NeoCons-kritischen”) ”Politblog” wird von “pony_huetchen” über “Schauprozess”, “Rufmord” gesprochen und irgendwann die letzte Wahrheit präsentiert:

Die Ursachen, und da sitzt die unerwünschte Sprengkraft des Herman’schen Ansatzes, liegt in der Arbeitswelt der neoliberalen Wirtschaft. Was, wenn die Menschen feststellen, dass in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein Handwerker - zwar bescheiden, aber dennoch ausreichend - eine Familie ernähren konnte. [...] Sie verharrt mit ihrer Kritik bei dem Phänomen, erkennt nicht die wahren gesellschaftspolitischen Implikationen. Dann hätte sie eine glasklare Erklärung - und darin liegt die Brisanz! Ein Schritt - und Herman erkennt die wahren Zusammenhänge der von ihr sehr genau analysierten gesellschaftlichen Probleme.

In den zahlreichen Kommentaren wird diese Sicht mehrheitlich unterstützt. Eine einzige Iris Bleyer stellt sich dagegen:

Entschuldigt mal, aber die Art und Weise, wie das wirre Gequatsche, das E.H. von sich gab jetzt durch diesen Artikel von links vereinnahmt wird, kotzt mich echt an. Das finde ich fast noch widerlicher, als die Umarmung der blonden Mutterkreuzritterin aus den katholisch-konservativen und rechtsextremen Lagern.

Unter den unzähligen Verschwörungsspezialisten und antiisraelischen Kapitalismuskritikern glänzt einsam ein Kommentarbeitrag von Jens Berger:

Ich halte sie (wie mehrfach geschrieben) nicht für eine Vertreterin von Rechtsaußén-Positionen, dass sich ihr Familienbild mit dem der Rechtsaußen überschneidet, dafür kann sie erst einmal nichts. Man erinnere sich an die Debatte über gemeinsame Schnittpunkte in den Positionen Lafontaines mit der NPD. Was bei Frau Herman offen zu Tage tritt, ist ihr grundnaiver Umgang mit der deutschen Vergangenheit. Sie sagt es selbst, wenn sie ihren “historischen Ansatz” formuliert - „Ich habe mit meiner Großmutter, die sehr alt geworden ist, vor kurzer Zeit darüber diskutiert, und ich habe gesagt: Wie konnte das passieren, warum habt ihr nicht unternommen?“

Genau dies sind die Fragen, die die 68er ihren Eltern und Großeltern gestellt haben - aber zwischen der “Vergangenheitsbewältigung” der meisten Menschen, die sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen und Frau Herman liegen nicht nur 30 Jahre, sondern auch wissenschaftliche Welten. Wenn sie in dem umstrittenen Zitat beiläufig “den einen bösen Mann” erwähnt, so ist dies genau die Ausrede, die die 68er von ihren Eltern zu hören bekamen. “Ein paar böse Männer” und 80 Mio. Mitläufer. Zwischen den Zeilen verbirgt sich mehr, als man oberflächlich denken mag. Ihre dämliche Anspielung auf die “Autobahnen” ist genau in diesem Kontext zu sehen - dummnaives Geplapper, das im besten Sinne aus mangelnder Bildung, im schlimmeren Sinne als Krawall-PR für ihr Buch und im schlimmsten Sinne als Überzeugung zu verstehen ist. Letzteres schliesse ich aus. [...]

Wenn Sie hysterisch faucht “WIR sterben aus” und bei Kerners Kontra “Naja – dann gibt es ein paar mehr Chinesen” angewidert mit den blauen Äuglein rollt, so ist dies für mich verabscheuenswert. Sorry, für die harten Worte. [...]

Wer beim “Forum Deutscher Katholiken” - einer erz(!)konservativen Einrichtung für “seine Sache” Brandreden hält, hat (wenn er nicht mit diesen Kreisen sympathisiert) seinen persönlichen faustischen Pakt geschlossen. Und das es nach hinten losgeht, wenn man (für welche Sache auch immer) mit dem Teufel ins Bettchen steigt, lehrt uns die Geschichte in unzähligen Fällen.

Im Ulis’s Blog (Link) werden die vorhandenen Meinungen etwas anders sortiert als in diesem Blog (hier), berücksichtigt werden dabei nur Alphablogger - vielleicht fühlt sich da der eine oder der andere Leser besser aufgehoben. :-)

IV. Technorati

Hier werden ca. 750 Posts aufgezählt. Man kann bei Technorati nicht mehr nach Rankings sortieren, so dass man dem Verlauf nur chronologisch folgen kann. Auch bei diesem unvermeidlich simplen Vorgang entdecke ich hier einige höchst interessante Beiträge. So stellt sich Haso gegen die Position der idea.de-Seite (siehe oben) mit deutlichen Worten (Link):

Wir dürfen nicht vergessen, dass konservative Christen zu denen gehörten, die im Dritten Reich verführbar waren. Die Nazis verstanden es, Begriffe in den Raum zu werfen, die auch zum christlichen Vokabular gehörten, und sie verbanden diese Begriffe mit einer Intonation, die ähnliche emotionale Sentimente ansprach wie eine pathetische Predigt. Viele schauten nicht mehr näher hin, ob sich hinter Sprache und Tonfall nicht ganz andere Motive verbargen, die eine Allianz unmöglich gemacht hätten.

Und so spüre ich die Möglichkeit, dass konservative Christen auch heute verführbar sein können, wenn nur passende Partner sich anbieten, die mit den richtigen Schlagworten aufwarten und die richtigen Saiten erklingen lassen. Aufgrund solcher Zusammenhänge ist es nötig, “jeden Vergleich mit dem Dritten Reich” zwar nicht “unter Strafe zu stellen”, aber zu meiden wie der Teufel das Weihwasser. Es geht nicht an, aufgrund der Besorgnis um “unsere”, “christliche” oder “biblische” Werte auch nur in die geringste Nähe zu Leuten zu kommen, die auf der Klaviatur solcher Werte eine ganz andere Sonate spielen.

Ein Teil des Problems liegt übrigens darin, dass viele Christen mit Rückzugsgefechten auf gesellschaftliche Entwicklungen reagiert haben, bis sie mit dem Rücken an der Wand standen, anstatt die Chancen und Möglichkeiten gesellschaftlicher Entwicklungen zu entdecken und aufzugreifen. Wer mit dem Rücken an der Wand steht, hat sich immer selbst dorthin gestellt.

Diese Position kann man gewiß kritisieren, es ist aber noch eine Stimme in diesem Chor, die ich so bis jetzt nicht wahrgenommen habe.

Ganz anders geht es auch: Im Blog “Gedankendeponie” (Link) wird eine Diskussion über die Familie geführt, streng im Rahmen der Vorgaben, die Eva Herman predigt. Der Autor und seine Kommentatoren distanzieren sich munter und bisweilen in großer Sorge von Phantomen und Popanzen und erzählen dabei viel aus dem Familienalltag.

Der Rest entspricht dem, was wir bei clusti und Icerocket vorgefunden haben.

V. Rivva

Hier sind nur und ausschließlich Alphablogger im Angebot. All diese Artikel wurden von mir schon im vorigen Posting berücksichtigt.

Fazit: Clusti sortiert am besten. Google bringt die meisten Quellen. Icerocket zeigt mehr Details. Technorati ist zuverlässiger im Ranking-Hinweis. Wenn wir mit dem Blick auf eine Uhr feststellen, dass die Auswertung der Texte Stunden dauert und dass die Suchmaschinen nur bedingt helfen, bleibt die Frage im Raum stehen:

Wie kann ein unvoreingenommener Leser a) das gesamte Spektrum der Meinungen abtasten? b) seine eigene Meinung vorfinden, von einem anderen vorformuliert, besser als er selbst es kann? c) eine Diskussionsplattform finden, wo seinesgleichen im regen Austausch tummeln?

Die deutsche Blogszene erweitert sich schneller als die traditionellen Medien, Leserbriefredaktionen und auch Alphablogger es sich vorstellen. Was für ein Chaos! :-)

Ich postuliere:
1. Keine einzige Suchmaschine bietet zur Zeit den ausreichenden Überblick im Meinungsfeld der Blogoszene.
2. Der individuelle Prinzip herrscht - jeder vertritt sich selbst, seine Meinung, sorgt sich um sein Ranking etc.
3. Die meisten Autoren lesen nur Kommentare im eigenen Blog und weiterführende Links darin.
4. Die meisten Leser folgen den Rankingtabellen ihrer Blogplattform.
5. Die meisten Vereinigungen bzw. Blognetzwerke halten nicht das, was sie versprechen, und unterliegen dem menschlichen Bedürfnis, mehr Lesungen (Aufmerksamkeit etc.) zu erreichen.

Gerade bekomme ich eine wenig erbetene wöchentliche Portion der stressfreien und spirituellen Selbstfindung und Jobzufriedenheit (brrr :-). Darunter eine Perle (im Enkelmann-Original selbstverständlich ernst gemeint *g*):

Alles wird gut. Alles wird immer besser und besser.

Oder mit anderen Worten (Dominik Hennig hat absolut Recht):

In diesem Lande sind einmal wieder sämtliche Schränke tassenfrei.

Eva Herman bei Kerner als Thema der Blogoszene

Freitag, 12. Oktober 2007

Mehr als 670 Texte sind dem Thema gewidmet, in nur zwei Tagen, nur von deutschen Bloggern. Technorati und Google versagen - man kann kaum den Überblick behalten. Hier kommt Web 2.0 an seine Grenzen. Wie kann man sinnvolle Beiträge noch herausfiltern? Das Meistgelesene und Meistkommentierte ist aus meiner Sicht weniger relevant als die Texte, die ich im weiteren zitieren werde, obwohl sie von wenigen beachtet wurden. Wir müllen uns selbst zu, eine bittere Perspektive. Wenn man bedenkt, dass vor einigen Tagen blogscout.de geschlossen wurde, und wenn man sich den Überblick zu dem Thema dieses Postings bei rivva.de verschafft hat (am Ende komme ich dazu noch einmal), dann zeigt dieser Einzelfall noch mehr, wie schwer oder fast unmöglich es wird, sich die gesuchte Information direkt zu holen.

Zurück zur vox populi im Bezug auf Eva Hermans Auf- und Austritt bei der Kerner-Show. Die ersten Reaktionen habe ich für mich folgendermaßen sortiert:

I. Pro Herman

1. Die Unterstützung aus ideologischen Gründen, überwiegend von neuen Rechten und erzkonservativen Autoren und Lesern, die immer aktiver werden und nicht nur in Foren, sondern sich zunehmend mehr in eigenen und fremden Blogs verbreiten. Besonders ausgewachsene Beispiele verlinke ich, hoffentlich als Abschreckung und nicht als Werbung.

André F. Lichtschlag stellt Eva Herman bei ef-online (Link) auf das Opferpodest zusammen mit Hohmann in der Sprache der “Jungen Freiheit”:

Eva Herman wurde wie zuvor Martin Hohmann federführend von Springers „Bild“-Imperium in die braune Ecke geschrieben.

Weitere Loblieder mit den unzähligen Umschreibungen der “herrschenden” “Gesinnungsdiktatur” sind zum Beispiel bei Daniel P. Schuster (Link) zu lesen:

Und warum Sie sich nicht entschuldigt? Mensch! Spricht ja wieder für die Nazis - Die haben sich auch nie entschuldigt! Vielleicht hat Sie aber auch das Medientheater einfach nur satt. Es wäre verständlich. 

Insbesondere sind sie aber [update] in den darauf folgenden ausführlichen Kommentaren 21 und 22 von einem condorare zu bedauern oder bei abstrusen Ausschweifungen in Kommentaren wie:

der Bürgerkrieg in diesem Lande geht in die heiße Phase über. (Link)

In dem zuletzt zitierten Organ der Neuen Rechten werden Armin Mohler und Broder in einem Atemzug positiv erwähnt. Dazu komme ich später noch zweimal.

2. Noch viel mehr Beispiele fand ich für eine diffuse Unterstützung, weniger aus ideologischen Gründen, mehr aus Mitleid oder Mitgefühl. In der Art, wie man eine sympathische Person in einem Reality-Show unterstützt. So im Blog matziberlin (Link), wo unter anderem auch Fanpostings für Eva Hermans Position und auch nur Haltung wiedergegeben werden. Medienblogger fragt sich (Link),

warum es Kerner nicht gelingt, sie vor sich selbst zu schützen [...]

Im No-Angel-Inside’s-Weblog heilt der Autor seine Schlaflosigkeit durch die ausführliche Beschreibung des Showablaufs und empört sich (Link):

Sagst Du was gegen Ausländer, bist Du ein Rechter! Kommt Kritik gegen Israel oder die Juden im Allgemeinen, bist Du ein Rechter! DAS kann so nicht sein und auch hier sehe ich ein übles Defizit, was die Diskussionskultur in Deutschland angeht. So würgt man Diskussionen ab, schränkt bewusst die Meinungsfreiheit ein und schadet damit einem konstruktiven Dialog auf vielen Feldern der Gesellschaft. Kurz zur Erinnerung und dazu gibt es einige Beispiele in der Vergangenheit: Wenn dann mal wieder der Druck des Zentralrates der Juden in Deutschland zu groß wird, müssen Politiker zurück treten oder andere Menschen verlieren ihren Job!

So nähern wir uns der berüchtigten vox populi schon wieder - Broder lässt grüßen, auch wenn er in diesem Fall nicht erwähnt wurde.

Noch eindeutiger für Herman, aus Empörung über die Medien und die Politik, tritt ein Manfred Bartl auf, der selbst gerne Politiker werden will. Er zitiert dabei die katholische “Tagespost” (Link):

Ob Joachim Kardinal Meisner oder Eva Herman – gnadenlos dreschen die Medien auf jene ein, die es wagen, ihre Popularität auch dazu zu nutzen, vermeintlich Unpopuläres zur Sprache zu bringen.

Eine Mitarbeiterin des Außenministerium, die sich von allem distanziert, was ihr Schwierigkeiten im Job bringen kann, steigert sich noch mehr hinein (Link):

Eine Frau so im Fernsehen vorzuführen ist pervers und nicht angebracht. [...] So vorgeführt wurden nicht einmal NS-Kriegsverbrecher in Nürnberg.

3. Die nächste Steigerung führt zur Verurteilung Kerners. Weiter als alle anderen geht Florian K. bei Kreuz.net (Link), der diesen ”Hinrichtungsjournalist” nennt:

Ein ZDF-Talkshowmaster hat gestern Eva Herman in eine Falle gelockt, um sie anschließend mit einem in Deutschland schon länger nicht mehr öffentlich zelebrierten Sadismus zu Hackfleisch zu verarbeiten. [...] Das von Kerner unter dem Schein einer Talk-Show veranstaltete Tribunal gegen Frau Herman vollzog sich im aufgeheizten Klima eines Schauprozesses. Frau Herman wurde zum Beispiel auf den Begriff „gleichgeschaltete Presse“ angesprochen, den sie früher einmal erwähnt hatte. Kerner wußte, daß dieser Ausdruck ein „Begriff des Nationalsozialismus“ sei.

Ob es an diesem Punkt überhaupt noch angebracht war, in der Sprache Adolf Hitlers († 1945) weiterzureden? [...] Moderator Kerner heuchelte nach der Aufzeichnung, er hätte die Hoffnung gehegt, daß Frau Herman „ihre problematischen Äußerungen im Gespräch relativieren würde“.

„Als klar war, daß wir dabei nicht weiterkommen“, habe ich das Gespräch mit ihr beendet und mit meinen anderen Gästen fortgesetzt, erklärte er. In der Sendung hatte er ein Zitat aus dem Herman-Buch „Das Eva-Prinzip“ wirkungsvoll mit einem Zitat des NS-Chefideologen Alfred Rosenberg († 1946) verglichen.

Diese Todesdaten wie auch die verdammende Sprache sind selbstredend.

II. Eher gegen Herman, aber eigentlich allgemein gemeint, dazu noch im Plauderton schreiben Autoren, die am meisten gelesen und verlinkt werden. Deren Texte werden offensichtlich von allen Seiten als eine Projektion der eigenen Gedanken aufgenommen und kontrovers diskutiert im schieren Glauben, der Autor sei deren Meinung, auch wenn das gar nicht stimmt. Vorbildlich populistisch hier ist wie immer “Politically Incorrect” mit 561 Kommentaren in einem Fall (Link), ohne dass der Ausgangstext eine Position benennt, und mit 208 Kommentaren im anderen Fall (Link), mit einer deutlichen Positionierung für Herman und einer Anstiftung zur Hetze gegen ihre Gegner.

1. An der Spitze steht hier der Text im Basic Thinking Blog (Link):

Spannend zu sehen, wie Medien arbeiten, Lapalien aufbauschen und der Öffentlichkeit präsentieren. [...] JBK hat mit Eva eben gespielt und die Situation nicht deeskaliert, als es soweit war. Dass dann ein sich in die Ecke gedrängter Mensch im Adrenalinoverflow Dummheiten sagt, kann man oW entschuldigen. Man sollte bei der ganzen Story eben das Menschsein nicht vergessen. Ganz schön linke Titte dieser JBK. Und Eva hat sich wie ein kleiner Doofie verhalten, der noch nie im Fernsehen war. Einige Kommentatoren meinen, dass JBKs Verhalten quotenangepasst sei, es sei also kein Zufall, was da passiert sei.

Es menschelt halt, unter der Rubrik “Kurioses”, eben Lappalien. Stellvertretend für Dutzende anderer Postings und Kommentare.

2. Eher gegen die Institution Fernsehen und Medien allgemein wendet sich der Artikel bei telepolis, der auch sehr populär geworden ist (Link). Schon im Titel werden die Weichen gestellt (”Die neue Antifa”). Mit großer Wucht werden hier die “Scheindiskussion”, der “Entrüstungszirkus” etc. angeprangert. In der Tat ist der Artikel aber die Folge des wichtigsten Wortbeitrages über den ganzen Skandal, nämlich von Henryk M. Broder. Eigentlich hat er zwei Artikel geschrieben, einmal im Spiegel (Link), einmal im Tagesspiegel (Link). Die meisten Leser sind vom ersten begeistert, egal ob links oder rechts. Das mag verwundern:

Als Eva Herman nach genau 55 Minuten von Kerner aus dem Studio komplimentiert wurde (”Ich entscheide mich für die anderen drei Gäste und verabschiede mich von Eva Herman”), hatten sich alle Selbstgerechten nicht nur am falschen Objekt abgearbeitet, es endete auch eine der längsten Antifa-Sitzungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Es ist ein Antifaschismus, der sich von seinem eigentlichen Gegenstand längst verabschiedet hat und dort am besten gedeiht, wo es keinen Faschismus gibt: in einem virtuellen Raum des wohlfeilen Widerstands.

Johannes Gross hat es so formuliert: “Je länger das Dritte Reich zurückliegt, umso mehr nimmt der Widerstand gegen Hitler und die Seinen zu.”

Die konservativen nehmen daraus die Beschimpfung der oberflächlichen Antifa-Bewegung und ignorieren den Rahmen bzw. lassen ihn aus. Die geißelnde Kritik nehmen sie für sich.

In jedem Fall ist der Eva-Herman-Fall hier nur eine Vorlage, um über die (unvollkommen oder ganz schief laufende) Verarbeitung der deutschen Geschichte in der Gesellschaft zu schwadronieren. Auch sie, samt dröhnenden Tönen, wird einverleibt, durchgekaut und - mehr oder weniger verdaut - weitergegeben. Für meine Begriffe sind beide Texte Broders etwas zu schnell geschrieben, ohne die aktuelle Rezeption zu berücksichtigen.

III. Gegen Herman

1. Reißerische Töne schmücken meist die journalistischen Beiträge. Der meist zitierte Text von dieser Sorte stammt von Carin Pawlak (”Fokus“) und wurde von den Neuen Rechten mit Jubel aufgenommen (Link):

Ihre [Eva Hermans] Thesen sind so dumm, dass man an Ihre Bücher sofort mit dem Feuerzeug dran möchte. So ein bisschen anbrennen will.

2. Etwas ruhiger kommen bloggernde Journalisten, die an der Spitze der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen. Unterhaltsam, deutlich und in einer gewissen Konkurenz zueinander klären sie das lesende Publikum auf und stellen sich bereit zum Dialog mit Lesern - egal, ob klug oder dumm. Hier nenne ich vier Beiträge. Beim “Spreeblick” (Link) wird nicht nur die Story nacherzählt, sondern auch die Meinung sehr deulich ausgesprochen, begleitet von 109 Kommentaren:

Das, was Eva Herman gesagt hat, gibt die Lebenslüge der deutschen Konservativen wieder. Ein böser, böser Mann hat das grundgute deutsche Volk ins Verderben geführt. [...] Verharmlosen Konservative den Nationalsozialismus? Nein. Sie wehren sich dagegen, Lehren aus dieser Zeit zu ziehen. [...]

Im Versuch, Eva Herman von der rechten Ecke, in der sie mit Überzeugung steht, in die rechtsextreme Ecke zu drücken, zeigt sich die Feigheit vor der Debatte ebenso wie die Sensationslüsternheit der Mainstream-Medien, die wissen, dass Nazis sich gut verkaufen, die alten Verführer. Dieser Versuch ist durchsichtig, wird durch penetrante Wiederholung nicht besser und nutzt niemandem.

Beim “Coffee and TV” entwickelt sich eine Folge aus drei Beiträgen, die nur von wenigen Kommentaren begleitet werden, - zuerst ziemlich plauderig (Link), dann folgt eine etwas ernstere Medienbeobachtung (Link) und anschliessend eine ausgezeichnete Sprachanalyse (Link), die er absolut genau beendet:

Eva Hermans Weltsicht ist eine [...] verquastete Melange aus Kapitalismuskritik, Schöpfungslehre und Fortschrittsfeindlichkeit.

Stark ausholt auch “Der Spiegelfechter” (Link). Wie beim “Telepolis”, wird hier auch der “Medienzirkus” angeprangert, das “Volksgericht” etc. Alle kriegen ihr Fett ab:

Frau Herman ist von Medien in die Gesellschaftspolitik gewechselt und sie beherrscht die Klaviatur des „Skandals“ sehr gut. Die üblichen Verdächtigen standen schon Gewehr bei Fuß. BILD hat seine Schlagzeilen und die Zielgruppe ein neues Idol - in einer Online-Umfrage auf BILD.de fraternisieren 60% der Leser mit dem Blondchen. Auch der Zentralrat der Juden ist sich nicht zu schade, auf diese Gossen-Kampagne aufzuspringen. Herman lässt sich derweil - kalkuliert provozierend - von erzkonservativen Papisten feiern.

Jemand, der wie Herman, anlässlich des Geburtenrückgangs hysterisch eifert “Wir sterben aus“, der trägt mehr im Sinne als nur ein konservatives Familienbild, das gesellschaftlich durchaus diskutabel ist. Hier geht es um nationalistische Deutschtümelei, eingepackt in eine Familienbilddiskussion, die überfällig erscheint.

Leser bedanken sich für so viel Projektionsfläche mit 91 Kommentaren. Der Sieger dieses Wettbewerbs ist eindeutig Stefan Niggemeier, der mit vier Beiträgen zum Thema die meisten Leser um sich herum versammelt hat, insgesamt mehr als 550 Kommentare! Erfolgreich in der Werbung himself, zielt er auf das eine Thema:

Das eigentlich Erschreckende ist, wie dumm jemand sein kann, wie ahnungslos, wie dilettantisch und laienhaft in einer Medienwelt, in der sie sich seit vielen Jahren professionell bewegt.

Wäre sie kein Profi, es wäre fast mitleiderregend gewesen, mitanzusehen, wie sich Eva Herman immer weiter um Kopf und Kragen redete. (Link)

In den Kommentaren zeigt sich Stefan noch besser:

Ein Wort zum Thema „Gleichschaltung”: Da ist Frau Herman schon wieder selbst in die Opferrolle geschlüpft, und viele hier scheinen ihr die Behauptung abzunehmen, dass man nun nichtmal das Wort „Gleichschaltung” benutzen darf, ohne in die Nazi-Ecke gestellt zu werden. Das ist Unsinn. Der Punkt war, dass sie schon (ob zu Recht oder zu Unrecht) in der Nazi-Ecke stand. Und zur Verteidigung und zur Beteuerung, dass sie da zu Unrecht steht, benutzt sie ein Wort, das vor allem und ursprünglich von den Nationalsozialisten benutzt wurde?! Wie dumm kann man denn sein?

Natürlich „dürfen” andere Leute in anderen Zusammenhängen von „Gleichschaltung” reden. Was „erlaubt” ist und was sanktioniert wird, hängt nicht nur von einem Wort ab („Autobahnen!”) oder von einem Thema („Drittes Reich!”), wie uns Frau Herman glauben machen möchte und womöglich selbst glaubt, sondern vom Kontext, vom Sprecher, von der Klarheit der Intention. (Link)

3. Fast komplett vergisst Thomas Knüwer Eva Herman und beschäftigt sich mit Kerner (Link). Sein Thema:

Wenn ich an diesem Morgen einen Wunsch frei hätte, dann wäre es ein Frühstück allein mit Kerner. Denn zu gern würde ich von ihm hören, was ihm durch den Kopf ging. So ganz ehrlich, nur unter uns beiden. Ob sein Deo versagte, in dem Moment, als er versucht hatte, die unselige Diskussion zu beenden, seine Gäste minus Herman partout nicht zur Tagesordnung übergehen wollten? Ob er befürchtete, die Hinausgebetene würde austicken, eine große Show machen, herumschreien? Ob ihm bewusst war, wie unendlich surreal das sich anschließende Geplänkel über Handtaschenkauf und Reiseerlebnisse war?

Zum Glück findet sich ein Kommentator, der diese Vorlage ausnutzt:

Journalist Kerner wird bei Journalist Beckmann sitzen um über sein Interview mit der Journalistin Herman zu sprechen und die Journalisten des Landes, unter ihnen Niggemeier und Knüwer werden darüber schreiben: Journalisten-Parallelgesellschaft. [Jörg Friedrich]

4. Die Beiträge, die den Fall korrekt beschreiben und vernünftig kommentieren, sind eher in der Mitte der Gesellschaft zu finden. Ich habe die folgenden für mich gerne entdeckt.

Beim fixmbr (Link) hat Chris den Verlauf der Show gut beschrieben, bevor der komplette Text online gestellt wurde. Ein “Khaos-Jabber” hat ausführlich und korrekt die historischen Hintergründe erleuchtet (Link). Kurz und knackig sind Postings von Marcel (Link) und einem “Endlichraucher” (Link). Christian, ein Politologiestudent hat das Thema auch nicht verfehlt (Link), aber besonders schön im Kommentar ergänzt (Link):

Ein Politikstudent lernt im Grundstudium, daß eine der Voraussetzungen für das Funktionieren der Demokratie die allgemeine Bereitschaft zum Verzicht auf gewaltsame Konfliktlösung ist. Das schließt psychische Gewalt, also auch das verbale Fertigmachen auf persönlicher Ebene, mit ein. Wenn ein Moderator einen Gast vor laufender Kamera rausschmeißt, andere Gäste mehrfach Dinge kreischen wie “Ich halte es nicht aus, mit dieser Frau in einem Raum zu sitzen!” und das alles von einem johlenden, applaudierenden Publikum begleitet wird, dann hat das für mich nichts mehr mit einer sachlichen Auseinandersetzung zu tun. Die Dummheit der Eva Herman ist keine Rechtfertigung für so ein demütigendes, zutiefst ekelhaftes Spektakel.

Ich möchte an dieser Stelle noch einige Kommentare zitieren, die mir gefielen:

Man sieht am Beifall, den sie bekommt, von einem kleinen Teil sehr konservativer Katholiken, der NPD oder der „Jungen Freiheit”, dass da Menschen sind, die nur auf solche Äußerungen warten. Dann muss man aber die Argumentationen präzise widerlegen. Das ist im Fall Eva Herman nicht so schwer, aber es muss getan werden. Nicht, um die NPD-Anhänger zu überzeugen, sondern diejenigen, die ehrlich keine Ahnung haben. Herman hat eben den riesigen Vorteil, extrem bekannt zu sein und in den traditionellen Medien regelmäßig aufzutauchen. Das ist für die Zurück-zum-Herd-Fraktion viel mehr wert als tausend Unbekannte, die lautstark dasselbe fordern. [JochenK]

Ich kenne diverse rechtspopulistische Professoren und um das zu erkennen benötigst du die Kenntnis der Materie. Falls diese nicht verhanden ist läufts du diesen vielleicht sogar unwissend hinterher. Ein immenses Gefahrenpotential.

Ich lehne mich sogar soweit heraus, das ich die Lehre der Geschichtslehrer selbst in der Oberstufe als bestenfalls Halbwissen bezeichne.

Die liebe Eva bei dieser Hexenjagd ist ein eklatantes Beispiel für das mangelnde Geschichtsbewußtsein, welches bei gesamten Volk offenbar ist. Das Gros weiß wo es die Klappe zu halten hat, meist jedoch aber nicht warum. Wissen ist etwas völlig anderes … [Oliver]

Als Gegenbeispiel auch ein Kommentar, einfach köstlich:

Ich als Mutter denke auch oft über die Dummheit von Vorgesetzten und Chefs nach und über die Dummheit vieler Menschen die nicht sehen was Mütter alles können. [Link]

IV. Nachbesprechung

Seit der Text der Sendung schriftlich vorliegt (Link), wird daran neu gearbeitet, zum Teil mit einer beeindruckenden Akribie, auch wenn das nicht unbedingt hilft (Link):

Ich muss lernen: Man darf über den Verlauf der deutschen Geschichte nicht sprechen, um nicht in Gefahr zu kommen. Womit sie absolut recht hat, wie man sieht!

Tja, so geht das weiter. Ich möchte hier abbrechen und noch einmal die Anfangsfrage wieder aufrollen.

1. Die besten Texte kommen nicht von den Zeitungsprofis, sondern von bloggernden Journalisten.

2. Keine Suchmaschine hilft die Spreu vom Weizen zu trennen. Rivva erschwert die Suche, da der kumulative Effekt diejenigen Texte nach oben bringt, die von meistgelesenen oder meistverlinkten Autoren stammen, was nicht immer und nicht unbedingt eine gute Qualität bedeutet.

3. Eva-Herman-Fall ist der erste öffentliche Skandal, der mehr und genauer in der Blogoszene besprochen wurde als in den “alten” Medien.

4. Die meiste Zahl der Lesungen bekommen Beiträge mit einem marktschreierischen Titel, dann rollt die Lawine von alleine. Im Dashboard vom WordPress kann man das, glaube ich, sehr klar sehen.

Stimmt das alles oder habe ich Recht? :-)

Ulrich Speck schliesst den Kosmoblog ab

Donnerstag, 23. August 2007

Ulrich Speck hat seinen Blog bei der Zeit online beendet (Link). In dem Abschiedstext formuliert er seine Position, eine betont liberale wohlgemerkt.  Einige seiner Formulierungen möchte ich kommentieren:

Der politische Diskurs erfordert ein gewisses Maß an Kühle, an Abgeklärtheit.

Nicht unbedingt. Unter anderem, ja. Aber nicht ausschließlich. Manchmal muss man Leidenschaft zeigen, offen und kampflustig auftreten.

Ein guter Text ist ein guter Text, ob er in einer Zeitung erscheint, im Rundfunk gesendet wird oder als Rede auf einer Versammlung gehalten wird.

Auch hier - es gibt rhetorisch bedingte Unterschiede dazwischen. Genau diese drei Anwendungsbeispiele sehe ich vollkommen unidentisch. Das will heißen, für eine Zeitung, für das Radio und für eine öffentliche Rede würde ich denselben Text völlig anders zubereiten.

Verantwortung ist dabei ein Schlüsselbegriff. Noch viel zu oft erschöpft sich das Reden über Außenpolitik in Deutschland in der Kritik an echten oder vermeintlichen Fehler von anderen, insbesondere der Führungsmacht USA.

Absolut richtig. Einverstanden. Schön, dass ein professioneller Journalist das einmal laut ausspricht. Die Medien und Blogs in Deutschland leiden darunter erheblich.

Die Exekutive muss lernen, offen und klar für ihren Standpunkt zu werben. Das beinhaltet das Risiko der Ablehnung, es eröffnet aber auch die Chance zu einer nachhaltigen, von der Wählerschaft getragenen Außenpolitik. Je besser die Argumente der Exekutive, um so größer die Chance, auf Zustimmung zu stoßen.

Auch das ist prinzipiell richtig. Nur wenn die Medien da nicht mitziehen, haben die Politiker schlechte Karten. Und das ist momentan status quo.

Ansonsten schade, dass sich ein Profi aus der Blogszene zurückzieht…

Der Posener-Fall hat ein Nachspiel

Sonntag, 5. August 2007

Im Mai 2007 wurde ein Zensurfall bei der “Welt Debatte” aufgedeckt, in diesem Blog unter dem Titel “Schlammschlacht 3″ beschrieben (Link). Darin habe ich vermutet,

dass die meisten Mitarbeiter des Springer-Verlags über eine Überlebenskompetenz verfügen und keine Mahnung oder Belehrung benötigen.

Auch darin wurde ich jetzt eines Besseren belehrt. Einer der nebenberuflich beschäftigten Moderatoren wurde entlassen (Link), weil er eine interne Information zu diesem Zwischenfall, den eigentlichen Beweis der Zensur, veröffentlicht hat (Link). Philip Steffan, so heißt der mutige junge Mann, findet die Entlassung ganz in Ordnung und will nicht bemitleidet werden. Die Reaktion der Öffentlichkeit ist aber so gering, dass man sich fragt, ob wir mit einer Öffentlichkeit überhaupt noch rechnen dürfen.

Der Kreis zum Blogeintrag “Keine Schlammschlacht (4) mehr” schliesst sich (Link).

Finkelstein wurde DePault

Sonntag, 17. Juni 2007

Die Geschichte um die professoralen Träume Norman Finkelsteins, Liebling heutiger Antisemiten weltweit, ist zu einem vorläufig guten Ende gekommen: Er ist raus aus dem Spiel, das heißt die DePaul-Universität in Chicago ist an ihm nicht weiter interessiert. Der Anfang dieser Bataille wurde in diesem Blog vorgestellt (Link).

Wie immer, soll hier kurz auch die Reaktion der deutschen Medien begutachtet werden. In der einzigen Zeitung fand die Misere ein Nachspiel - Christoph von Marschall hat für den “Tagesspiegel” die Story in eine seltsame Verpackung gebracht (Link). Das Wort “israelkritisch” ist bei ihm deutlich ein Euphemismus für “antisemitisch”. Finkelstein scheint ein unschuldiges Lamm zu sein, die jüdische Weltverschwörung droht aus allen Ecken zu strömen. Ansonsten seien das alles nur Reibereien unter “jüdischen Intellektuellen”, nicht weiter schlimm. Beim Thema Tony Judt war ein Beitrag von demselben Journalisten ausgewogener (Link). Warum jetzt voll aus den Rudern?

Die positive Darstellung entdecken wir bei heplev (Link), der auch bei PI (Link) darüber mit Zitaten gut informiert. Da bei dem PI keine Zensur der Kommentare stattfindet, können sich auch Antisemiten da günstig austoben, was bei einem solchen Anlass kein Wunder ist. Insbesondere Nr.8 ist für eine Sammlung antisemitischer Sprüche druckreif:

Wie Ihr seht, ich kritisiere in der Sache, von Anti- oder Philo-Semitismus keine Spur. (Ob das von Euch akzeptiert wird?).

Ach ja, die Einordnung des Holocaust: Als eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte, das ein gutes Beispiel von mehreren als Mahnung für alle Menschen ist, wohin es kommen kann, wenn man sich ideologisch vergaloppiert.

Noch weiter geht politblog.net selbstverständlich (Link). Diesen letzten verlinke ich in diesem Fall ausnahmsweise, empfehle allerdings, nach der Lektüre die Hände zu waschen.

Ich erwarte weitere Beschimpfungen seitens LanceThruster & Co im Namen des “international bekannten Politologen” (Marschall). :-)