Archiv für die Kategorie ‘Falschmeldungen’

Russland-Experte Kaminer

Samstag, 1. März 2008

In der heutigen “Frankfurter Rundschau” kann man Wladimir Kaminer bewundern, wie er sich in die Reihe der Russland-Versteher stellt (Link):

Sicher, es steht wenig zur Wahl. Das heißt aber nicht, dass es keine Demokratie ist. Es ist eine andere Form davon. [...] Ich habe in Moskau sehr viel kritisches Material gelesen, in verschiedenen Zeitungen. Das ist nicht zu vergleichen mit der Atmosphäre in der Sowjetunion. Damals hat das Dissidententum tatsächlich für große Aufregung gesorgt. Es gehörte sehr viel Haltung und eine gewisse Heldenhaftigkeit dazu, sich gegen das Regime zu stellen. Heute werden die Oppositionellen vom Volk oft verspottet. [...] Die Medien waren nie besser gestellt als heute. [...] Der tragische Mord an der Journalistin Anna Politkowskaja hat dem Ansehen Russlands viel mehr geschadet, als ihre Arbeit es je konnte. [...] Ich bin gar kein Fan von Putin. Er war halt die einzige Alternative zu dem, was vorher war.

Eine seltene Mischung aus Unwissenheit, unverdauten Resten offizieller Putin-Propaganda und direkten Lügen. Kaminer kann bekanntlich nicht zwischen Kafka und Konsalik unterscheiden. Zwischen Wahrheit und Lüge noch weniger.

Wer ist hier der agent provocateur?

Samstag, 1. Dezember 2007

In der Wochenzeitung “Freitag” schreibt ein Kai Ehlers zu “Kasparows Festnahme” (Link):

Wenn Kasparow fünf Tage in Haft geht, weil er die Bannmeile durchbricht, ist damit nicht die Opposition niedergeschlagen, wie behauptet wird, sondern ein Provokateur so behandelt worden, wie er es sich nicht besser wünschen konnte. Und wenn Putin Revanche und Chaos nach den Wahlen fürchtet, ist das begründet, denn Russlands neue Stabilität ist keineswegs gefestigt. Ex-Oligarch Beresowski, der sich rühmt, Kasparaw zu finanzieren, agitiert aus London für den Umsturz; Kasparow seinerseits ist Mitglied des Security Advisory Council der USA. Solcherart Einmischungen einzudämmen, ist für Russland existenziell.

Die Wiederaufnahme von Sprachmustern und Methoden der schönen alten Zeiten, als Stalin noch ein Vorbild für die gesamte Linke war, erfolgt nicht nur in der Rede Putins (Link). Sowohl nach innen als auch nach außen werden tonnenweise Lügen verbreitet, “unabhängige” Journalisten und Medien eingesetzt, uneigennützig aus Liebe zu Russland oder auch weil sie bereit sind, die eine oder andere “Liegenschaft” dort zu vermitteln.

Kasparow wurde aus der Gruppe der Journalisten heraus auf der sicheren Straßenseite auf direkten Befehl hin verhaftet. Er war nicht an irgendwelchen Kampfhandlungen beteiligt. Seine Zeugen wurden nicht angehört, seine Verhaftung nicht protokolliert und später manipulert. Sein Rechtsanwalt wurde zu ihm nicht vorgelassen, bis zum Anfang der Gerichtsverhandlung, die nicht einmal als eine Farce benannt werden kann. Die Richterin hat ihren Urteil nach der Telefonberatung gefasst. Während der gesamten Haftdauer von fünf Tagen schirmte man Kasparow ab, ohne Kontakte, die ihm zustehen. Das sind Fakten!

Wenn Ehlers in vollem Einklang mit Putin Kasparow als einen westlichen Agenten enttarnt, dann folgt er demselben Muster, wie ein Jahr zuvor bei der Besprechung der Ermordung Politkowskajas - als er fragte, wer davon profitiere (Link):

Dabei ist die Frage nach dem Nutznießer der Interventionen [in Irak] klarer zu beantworten als die nach denen des Mordes: Eine Destabilisierung des Kaukasus nützt weder Russland, noch den kaukasischen Völkern, sondern allein denen, die hier ihre globalstrategischen Interessen durchsetzen wollen. Dazu lese man noch einmal Sbigniew Brzezinski, „Die einzige Weltmacht“, oder höre sich die Reden aus dem neo-konservativen Lager der gegenwärtigen US-Regierung an.

Die vorbildliche linke Zeitung verteidigt Putins Plan. Gut zu wissen. Als Beresowski Putin an die Macht brachte, war er noch gut genug, das zu tun. Jetzt auf einmal sind “Liegenschaften” woanders zu bekommen: Qui bono?

Willemsen und Hildebrandt kennen sich im Talmud aus

Sonntag, 18. November 2007

Aus dem November-Heft der Zeitschrift “Konkret” habe ich erfahren, dass Roger Willemsen und Dieter Hildebrandt - zwei Autoren des Bestsellers “Die Weltgeschichte der Lüge” - unter anderem auch eine alte antisemitische Lüge verbreiten. Florian Sendtner hat es recherchiert und eindeutig festgestellt: Die beiden netten Herren geben eine der zahlreichen Talmud-Fälschungen unter dem Beifall der Zuhörer in ihren erfolgreichen Programmen als Wahrheit aus.

Ich ergänze: Auch über die armen leidenden Palästinenser wissen beide Fernseh-Philosophen die Welt zu belehren (Link). Unter den 19 besonders wichtigen Lügen der Weltgeschichte, wo die DDR-Lügen noch vor Hitlers Kriegserklärung stehen, wird als Numero 12 auch die folgende rührende Geschichte erzählt:

Die 9/11-Lüge:

Nach dem Terroranschlag gingen Bilder von jubelnden Palästinensern um die Welt. Die Szene war gekauft. TV-Journalisten hatten ihnen dafür Kuchen versprochen.

Das stimmt nicht. Weder im Plural noch in der Intention. Es wurde massenweise gejubelt, nur für die Kameras wurde es einmal extra wiederholt, damit die Kameraleute es besser aufnehmen können. Einzelheiten siehe z.B in der pdf-Datei von Heiko Lietz (Link) auf der Seite 46:

Die tatsächliche Sachlage, dass es „ohne Ende Jubel“ gegeben habe, sei bei der Diskussion glatt untergegangen. Steinhoff, der im Dezember in der West-Bank mit dortigen Kamerateams gesprochen hatte, konnte ganz vereinzelte Medienberichte bestätigen, dass Arafat alle Kassetten habe einsammeln lassen.

So kennen wir Willemsen inzwischen - auf der “richtigen” Seite, propagandistisch manipulierend auf dem Weg zum ersten Platz auf der Bestsellerliste (Link). Von Knochen zu Kuchen - eine Steigerung. Glückwunsch!

just a world press provocation

Donnerstag, 19. April 2007

Ein russischer Putin-Fan hat mein Posting in einem amerikanischen Forum verlinkt und verbreitet dort die Desinformation über die Demo: “that rally was not a opinion of suppressed people but just a provocation oriented on the world press.” (Link) Die KGB-Jugend lernt mit dem Internet umzugehen. Die Realität sieht anders aus.

A Russian Putin fan refered to my post in an American forum and spreads some disinformation about the protests in Russia. The KGB youth learns to deal with the Internet. The reality looks completely differently.

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Eine deutsche Lanze für Michelle Malkin

Samstag, 3. März 2007

Zufällig habe ich einen gelungenen Blog-Text entdeckt, in dem es über eine mißlungene Diffamierung seitens der FAZ über die bekannte amerikanische Journalistin Michelle Malkin geht (Link). Gut gemacht! Der Blog von Michelle Malkin ist übrigens immer lesenwert! (Link)

Eine Brücke in Jerusalem als Politikum

Sonntag, 11. Februar 2007

Auch wenn ich davon ausgehe, dass die meisten Leser mündig sind und sich in dieser Sache selbständig informiert haben, fasse ich doch lieber kurz zusammen, was dazu gehört.

Eine Touristenattraktion an der Tempelmauer in Jerusalem ist reparaturbedürftig geworden. Entsprechende Ministerien und Behörden haben die Umbaumaßnahmen geplant und untereinander abgesprochen. Die Arbeit wurde aufgenommen. Nun ist der Verteidigungsminister Peretz beleidigt, er wurde zu wenig informiert, meint er. Anstatt die Information, die er braucht, direkt anzufragen, schreibt er einen Offenen Brief. Die Presse ist glücklich, schließlich ist das ein Beweis dafür, dass der Verteidigungsminister mit dem Premier-Minister des Landes gar nicht kommuniziert. Noch mehr haben sich militante Muslimbrüder gefreut und schnell daraus ihre eigene Suppe gekocht. Die Brücke, die hinter der Mauer repariert wird, wurde kurzer Hand zu einer heiligen muslimischen Stätte umdefiniert, die Hetze ging los. An sich nichts Neues, nur berichten darüber so viele Medien und dies so einstimmig falsch, dass es schon wieder übel wird.

In Bremen war besonders eine Unterschrift zum Foto in der Zeitung “Weser Kurier” am 9.2.2007 interessant. Auf dem Foto der dpa sieht man einen Passanten, der an den Bauarbeiten vorbei geht. Die Zeitung empört sich:

Ungeliebte Bagger: Araber protestieren gegen Bauarbeiten nahe Klagemauer und Al-Aksa-Moschee in Jerusalem. Der orthodoxe Jude, der die Bauzäune passiert, scheint davon unbeeindruckt zu sein.

Ich stelle fest: Die Bauarbeiten laufen nahe der Klagemauer, aber nicht in der Nähe der Moschee. Der orthodoxe Jude kann  die Proteste nicht sehen - sie laufen nämlich ganz woanders, denn die Polizei arbeitet und lässt die Randalierer nicht in die Nähe der Bauarbeiten. Die Zeitung wirft also dem orthodoxen Juden vor, dass er der dpa über den Weg lief. Hat die Zeitung so wenig Phantasie? Zum selben Foto würde auch so eine Unterschrift passen: “Der orthodoxe Jude wendet sich von dem Anblick der Bauarbeiten ab aus Solidarität mit den Protesten seitens der UNESCO und Moslembrüder”. Oder: “Der orthodoxe Jude bereitet sich auf die Belagerung der Moschee vor”. Oder: “Ein als orthodoxer Jude verkleideter deutscher Friedenskämpfer besichtigt heimlich Bauarbeiten”. Weitere Varianten kann jeder nach diesem Rezept erfinden. Sie werden alle passen oder auch nicht - je nach der Einstellung.

Genauso wie neulich nach dem Selbstmordattentat in Eliat haben deutsche Zeitungen brav das Foto und den Namen des Mörders auf die erste Seite platziert und ihn zu den Opfern gezählt. Die Namen der israelischen Opfer wurden verschwiegen.

Politische Unkultur

Donnerstag, 26. Oktober 2006

Die Zeitschrift “Cicero”, angeblich für die politische Kultur verantwortlich, will mit der “Bild” konkurrieren und greift zu unkorrekten Methoden, um die Leserschaft zu gewinnen. Die Bilanz: Boulevard der politischen Unkultur.

Ein Journalist namens Jürgen Busche saugt sich eine Denunzierung aus den Fingern und aus den Erinnerungen eines anderen Journalisten namens Joachim Fest - gegen Jürgen Habermas gerichtet. Auf dem Cover sieht man groß “Vergesst Habermas!”, der Artikel heißt “Hat Habermas die Wahrheit verschluckt?”, Busche fragt sich: “Gerücht oder Ungeheuerlichkeit?” Das wäre alles eher etwas für die “Titanic” - leider meint die “Cicero” das wohl im Ernst.

Der Text von Busche ist eine Schande für die Zeitschrift. Wer will, kann ihn lesen (Link). Mich hat die folgende Passage besonders beeindruckt:

Es war kein anderer als der junge Jürgen Habermas, der Anfang der fünfziger Jahre als einer der Ersten und mit Durchschlagskraft in der FAZ auf die Nähe von Heideggers Denken zu den Grundlagen der NS-Ideologie hinwies, nicht ganz zu Recht, aber mit Folgen, die heute noch spürbar sind.

“Nicht ganz zu Recht”! Ein Journalist, der einmal ein Buch über Helmut Kohl publizieren durfte, weiß über Heidegger besser Bescheid als Habermas. Ha-ha!

Der Brief von Habermas an die Redaktion ist dagegen sehr wohl zu empfehlen (Link). Ironisch, klar, würdevoll, schön bissig. Ich zitiere daraus den Anfang und den Abschluss:

Jürgen Busche betätigt sich als Denunziant, indem er auf der Grundlage von längst widerlegten Gerüchten Unwahrheiten insinuiert. Wenn man sich den Kreis derer vergegenwärtigt, von denen man weiß, dass sie das Gerücht kolportiert haben – Fest, Lübbe, Koselleck, und (nun erst?) Busche – erkennt man die erneute Denunziation als das, was sie ist: als Fortsetzung einer politischen Hetze, der ich vonseiten der FAZ insbesondere in den 70er und 80er Jahren ausgesetzt war. Fest hat mir offenbar die Kritik an jenen Vordenkern des NS-Regimes übelgenommen, die er in seinem Blatt rehabilitieren ließ. (…)

Wenn der Umstand, dass ich von Herrn Fest posthum – und von dessen ehemaligem Angestellten Busche genötigt werde, mich über diese Lappalien zu äußern, eines lehrt, dann etwas von der Ranküne, die das Klima der Bundesrepublik Jahrzehnte lang vergiftet hat.

Die “Cicero” dreht das um, legt nach und setzt die Verleumdung fort:

Habermas beschuldigt nicht Fest, sondern Busche. Eigentlich beschuldigt Habermas nicht, sondern verteidigt sich gegen die Verleumdung. Das “Politmagazin” geht dem nicht nach, sondern gibt einem jeden seine Meinung oder findet einen, der mutig genug ist, um die Verleumdung auszusprechen. Oder wie war es mit den Bild-Parolen? Machen das nächste Heft von “Cicero” Gäste von der “Bild”? Ist es schon soweit?

UPDATE: Wie ich gerade entdeckt habe, hat Markus Schwering schon am 24.10 im “Kölner Stadt-Anzeiger” die Story zu Ende recherchiert (Link). Joachim Fest sieht anschliessend nicht gut aus. Die “Süddeutsche”will dieselbe Recherche erst heute gemacht haben, ohne sich auf Schwering zu beziehen (Link). Lehrreich!

Eine nette Ente

Mittwoch, 25. Oktober 2006

Deutsche Medien berichten über den angeblichen Zwischenfall vor Libanons Küste. Zuerst “Der Tagesspiegel”, dann die anderen. Zum Beispiel auch “Die Süddeutsche” (Link):

Am Dienstag um 10.11 Uhr hätten sechs israelische F-16-Jäger ein deutsches Marineschiff der UNIFIL-Flotte vor Libanons Küste in geringer Höhe überflogen und „Infrarot-Täuschkörper“ abgeworfen. Aus einer der Maschinen seien aus der Bordkanone zwei ungezielte Schüsse in die Luft abgefeuert worden. Es gebe bereits Gespräche mit Israel auf Regierungsebene, sagte Raabe. Beide Seiten seien an einer weiterhin guten Zusammenarbeit interessiert.

In Wahrheit wurden nur Täuschkörper abgeworfen, da ein Hubschrauber von einem deutschen Marineschiff unangemeldet in Richtung der israelischen Grenze flog. Die unerfahrenen deutschen Offiziere haben die Täuschkörper für Raketen gehalten. Die weitere Ente ist ein Selbstläufer. Glückwunsch!

UPDATE: Die “Tagesschau” korrigiert im Bericht vom 26.10 (Link):

Es habe sich herausgestellt, dass ein Marine-Hubschrauber von Bord des Einsatzgruppenversorgers “Frankfurt am Main” aufgestiegen sei. Der Pilot des deutschen Helikopters habe zuvor seine Flugdaten nicht dem israelischen Koordinationshauptquartier mitgeteilt, zudem habe er nicht das Identifikationssystem seines Hubschraubers eingeschaltet, das auf einer vereinbarten Frequenz eine rasche Erkennung des Flugobjekts erlaube.

Die beiden israelischen Kampfflugzeuge hätten auf den Marine-Hubschrauber zugehalten und über die Frequenz, die der deutsche Pilot nicht eingestellt hätte, vergeblich versucht, Kontakt aufzunehmen. Nachdem keine Antwort gegeben worden sei, seien die F-16-Jets auf den Helikopter zugeflogen und hätten - nachdem sie die deutschen Hoheitskennzeichen am Hubschrauber erkannt hätten - abgedreht. Im Verlauf dieses Manövers seien von den Kampfflugzeugen so genannte “Infrarot-Tauschkörper” zur Raketenabwehr abgeworfen worden. Die Deutschen hätten deswegen wohl geglaubt, dass die Jets auf sie geschossen hätten.

Die “Süddeutsche” will davon selbstverständlich nichts gewußt haben (Link).

Ein Quiz nicht nur für Blogger

Freitag, 18. August 2006

Die mediale Manipulation geht weiter, auch nach der heißen Phase des Krieges im Nahen Osten. Ist man vor Lügen gewappnet? Die hier verlinkte Umfrage hilft sich zu testen.

Habt ihr alle Fragen richtig beantwortet?

Die BBC will auch dabei sein

Donnerstag, 17. August 2006

Wie im Blog “Drinking from home” in mehreren Postings gezeigt wurde, liefert eine BBC-Korrespondentin Orla Guerin antiisraelische Reportagen, völlig im Geiste der Hisbollah. Besonders deutlich sieht man deren Fokussierung auf die zerstörten Gebäude und die naive Ausblendung der intakten Häuser, wenn man den Verglech zu den Berichten der anderen Korrespondenten aus demselben Gebiet zieht, was der Blogger auch vorführt (Link). Ich betone das Wort naiv, weil während Guerlin über die komplette Zerstörung schwafelt, zeigt die Kamera mehrere Flüchtlinge, die zurück kommen und ihre Häuser unversehrt vorfinden. In ihrer Reportage wohlgemerkt! (Link zur YouTube-Aufzeichnung)

Witzige Fotos

Dienstag, 15. August 2006

Nach der Entlassung des retuschierenden Photographen Adnan Hajj geht eine Welle der Fotomontagen durch das Internet. Einige sind recht gut gelungen. Besonders treffend sind die zwei folgenden, finde ich (Link):

Die Unterschrift lautet:

An Israeli tank fires on a clearly marked, helpless baby transport plane as it takes off from Beirut’s Hummus International Airport. (Adnan Hajj for Reuters)

Die Unterschrift:

Israeli helicopters converge on a group of happy children having a wonderful day and minding their business. (Adnan Hajj for Reuters)

Wie sich die ARD rehabilitiert

Montag, 14. August 2006

Die Unausgewogenheit der Nachrichtensendungen von ARD und ZDF ist ein Faktum. Deswegen antworten deren Chefredakteure auf die Kritik noch bevor die Kritik ankommt. Nachdem die Resultate der Untersuchung zugänglich wurden, hat man kurzer Hand das Angebot auf der Homepage der Tagesschau umsortiert, so dass die besonders schlimmen Beiträge nicht mehr angeboten werden. Sie sind noch da, man muss aber deren Links wissen, um an sie ranzukommen.

Auf jeden Fall war das die erste kosmetische Operation. Als sich die zweite Welle der Kritik auftürmte - in Form eines Interviews mit Salomon Korn im “Spiegel”, hat man augenblicklich die Sendung ZAPP für sich umgedeutet. Das war ein guter Trick und hat offensichtlich gewirkt, denn bis jetzt ist nirgendwo eine Widerlegung zu lesen.

Und heute, sofort nach der dritten Welle mit dem Interview des israelischen Botschafters, hat die ARD ganz schön brav nachgelegt - im “Report” wurde eine der Lügen dementiert, die tagelang von mehreren Medien, aber nicht von der ARD, wiederholt wurden - nämlich über einen erfundenen Einsatz der Chemiewaffen. Reporter haben eine Recherche begleitet und schülerhaft darüber berichtet, schön und gut.

Im Endbericht - sowohl in der Sendung als auch im Manuskript (Link) - wird mehrere Male die provokative Frage gestellt, ob denn Israel so schlimm und so böse sei usw. Die Antwort wird ganz nüchtern zweimal ausgesprochen:

Gewebeproben von acht angeblichen Chemiewaffenopfern aus dem Südlibanon enthalten keine Rückstände von chemischen Kampfstoffen.

Das steht zu Beginn des Textes. Kein Wort darüber, dass der Chefarzt die Lüge verbreitet hat. Kein Versuch, diesen Arzt mit der Widerlegung seiner Lüge zu konfrontieren. Der Leser sei so klug, der Zuschauer noch klüger, die würden schon alles richtig verstehen.

Ich behaupte mal etwas anderes. Sie werden den Titel der Sendung für sich in Erinnerung behalten:

ARD geht Vorwürfen nach

Keine Beweise für Chemiewaffen im Südlibanon

Das steht bei der Tagesschau. Und das lässt sich zweideutig interpretieren. Ein Idiot wird daraus die nächste Verschwörungstheorie spinnen. In voller Ruhe.

Kriegsverbrechen im Libanon?
Die schwierige Suche nach der Wahrheit

 

Das steht beim SWR (Link). Genauso verschwörerisch und nebulös.

Feine Sache.