Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Bericht über den russisch-georgischen Krieg: Lesarten Sonntag, 4. Oktober 2009

Gespeichert unter: Blogging, Deutschland, Die Zeit, Falschmeldungen, Medien, Politik, Russland — peet @ 21:40 125469241409Sun, 04 Oct 2009 21:40:14 +0000
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Die europäische Kommission unter dem Vorsitz der schweizerischen Diplomatin Tagliavini hat einen mehr als 1000-Seiten langen Bericht publiziert. Ein Kunstwerk der Diplomatie, wie aus der Orakelschule, nach dem Motto – wie sage ich etwas, was jeder für sich in seinem Sinne deuten kann.
Die prorussische Presse hat den einen passenden Satz daraus zitiert, die progeorgische Presse den darauffolgenden Nebensatz. Die wenigsten haben den kompletten Bericht geschafft, das waren aber nicht die dafür zuständigen Journalisten. Die Kommission hat versucht, alle Dokumente zusammenzubringen, mit den offiziellen war das auch leicht. Die vorliegenden Publikationen in den Medien wurden aber in entscheidenden Fällen mißachtet. So durfte die Kommission dann mit ruhigem Gewissen sagen, dass sie nicht genug Fakten gesammelt hat, um die Schuldfrage zu klären. In der staats- und völkerrechtlichen Beurteilung der Ereignisse hat die Kommission auch mit zwei Meßlatten gearbeitet – die Georgier durften auf ihrem eigenen Territorium in den abtrünnigen Provinzen keine militärischen Operationen führen, die Russen dagegen durften auf dem fremden Territorium sich stationieren und feindselig wie provozierend handeln.
Eine Auswertung der vorgelegten Positionen beider Kriegsparteien hat die Kommission unterlassen. Wenn diese Positionen einander ausschliessen, könnte das bedeuten, dass die eine Seite lügt. Die Kommission ist sich zu fein, um sich damit zu beschäftigen. Es führt dazu, dass die Fakten des zweiten Teils der Meinung des ersten Teils desselben Berichts widersprechen, ohne dass dies zum Problem für die meisten Medien wurde.
Nur zwei Zitate, aber die wichtigsten:

The shelling of Tskhinvali by the Georgian armed forces during the night of 7 to 8 August 2008 marked the beginning of the large-scale armed conflict in Georgia, yet it was only the culminating point of a long period of increasing tensions, provocations and incidents. Indeed, the conflict has deep roots in the history of the region, in peoples’ national traditions and aspirations as well as in age-old perceptions or rather misperceptions of each other, which were never mended and sometimes exploited.

Wenn man diese Sätze „normal“ liest, hat man klare Sicht auf die diplomatische Kunst – der georgische Beschuss „markiert“ den Beginn der heißen Phase, er ist aber auch nur die Eskalation im langen Prozess.

The Mission is not in a position to consider as sufficiently substantiated the Georgian claim concerning a large-scale Russian military incursion into South Ossetia before 8 August 2008. However, there are a number of reports and publications, including of Russian origin, indicating the provision by the Russian side of training and military equipment to South Ossetian and Abkhaz forces prior to the August 2008 conflict. Additionally there seems to have been an influx of volunteers or mercenaries from the territory of the Russian Federation to South Ossetia through the Roki tunnel and over the Caucasus range in early August, as well as the presence of some Russian forces in South Ossetia, other than the Russian JPKF battalion, prior to 14.30 hours on 8 August 2008.

Auch – einerseits, andererseits. Es gibt Berichte, aber wir wissen nicht, ob wir den glauben sollen. Die russische Regierung will das nicht. Tja…
Die weniger vorsichtigen Formulierungen wählt Heidi Tagliavini in ihrem Kommentar zum Bericht (Link) aus:

Like most catastrophic events, the war of August 2008 had several causes. The proximate cause was the shelling by Georgian forces of the capital of the secessionist province of South Ossetia, Tskhinvali, on Aug. 7, 2008, which was followed by a disproportionate response of Russia. Another factor was the lack of progress, for more than 15 years, in the resolution of the two “frozen conflicts” of Abkhazia and South Ossetia.

As the special representative of the United Nations secretary general in Georgia from 2002 to 2006, I saw a narrow window of hope open and close in the first half of 2005, after which the differences between Russia and the West over Kosovo, and the deterioration of relations between Georgia and Russia, destroyed any prospect for a substantive negotiation.

Russia systematically gave passports to residents of Abkhazia and South Ossetia, asserting responsibility for Russians in what it called its “near abroad” without any consultation with Georgia, whose territorial integrity was thus increasingly challenged.

Meanwhile, Georgia was pressing to accelerate its accession to NATO, and embarking, with the support of the United States, Ukraine and Israel, on a major modernization of its armed forces. Georgia’s military budget grew from 1 percent of G.D.P. to 8 percent, and military bases near Abkhazia and South Ossetia were modernized.

In 2007 and the first half of 2008, cease-fire arrangements made after the first Georgia war came under increasing strains. Russian forces did not refrain from shooting down Georgian drones over Abkhazia, and dangerous incidents provoked by both sides occurred more and more frequently.

Weniger ausgewogen sind diese Erklärungen, manches wird hier ausgeblendet. Die oben zitierten Hinweise auf die „unbestätigten“ Fakten fehlen vollkommen.
Etwas strenger ist Claudia von Salzen in ihrem „Zeit„-Kommentar:

Der Krieg in Georgien war alles andere als unvermeidlich. Saakaschwili ließ sich durch russische Provokationen in diesen Konflikt treiben, auf mahnende Stimmen aus dem Westen hörte er nicht oder wollte er nicht hören. Deshalb feuerten georgische Soldaten die ersten Schüsse ab. Diese Verantwortung bleibt, und Georgien muss sich ihr ehrlich stellen.

Doch auf der anderen Seite hatten Russlands Premier Putin und sein Präsident Medwedew ihrerseits ein Interesse daran, den Konflikt immer weiter auf die Spitze zu treiben: Monatelange Provokationen waren dem Krieg vorausgegangen, und kaum hatte der bewaffnete Konflikt begonnen, marschierten russische Soldaten weit über die Grenze Südossetiens ins georgische Kernland.

Was für Provokationen? Wo waren die russischen Soldaten, bevor sie in den Krieg zogen? Das wird ausgeblendet.
Viel weiter geht Doris Heimann, die in mindestens zwei deutschen Zeitungen ihre Meinung publizierte (z.B. hier):

Der Bericht der EU-Untersuchungskommission zum Georgien-Krieg ist ausgewogen und differenziert. Sensationelle neue Fakten enthält er nicht. Georgiens Präsident Michail Saakaschwili hat den Krieg begonnen, als er in der Nacht zum 7. August 2008 den Befehl zum Angriff auf Zchinwali gab. Seine Behauptung, die Russen hätten vorher eine Invasion in Süd-Ossetien gestartet, war gelogen. Russland überzog seine Reaktion: Moskau hatte zwar das Recht, seine Friedenstruppen zu verteidigen. Das Eindringen russischer Soldaten in das georgische Kernland aber war eine unnötige Eskalation.

Der Kreml wird nun nicht mehr klagen können, dass der Westen den Georgien-Krieg voreingenommen bewertet. Und die georgische Führung muss sich darauf einstellen, dass ihr künftiges Handeln von der internationalen Gemeinschaft sehr viel genauer beäugt wird. Das Bemerkenswerte an dem EU-Bericht ist seine massive Kritik am Versagen der internationalen Institutionen. Uno, OSZE, Nato und EU – sie alle waren vor dem Ausbruch des Konflikts vor Ort. Westliche Diplomaten in Tiflis warnten bereits im Mai 2008, in der georgischen Regierung gäbe es aktive Kriegstreiber. Nun braucht es Jahre, um das beschädigte Verhältnis zu Russland zu kitten.

Was versteht die Journalistin unter „ausgewogen und differenziert“? Warum verschweigt sie mehrere neue Fakten im zweiten und dritten Teil des Berichts, die Russland schwer belasten? Hat sie den Text überhaupt gelesen? Was sind ihre Quellen, wenn sie vom Anfang des Kriegs spricht, von den Lügen? Davon steht im Tagliavini-Bericht nichts. Die Kommission verwendet das Wort Krieg nicht, der Lüge werden eigentlich viel mehr die Russen bezichtigt, auch wenn das nur indirekt passiert. In russischen Deutungen des Berichts trifft man eher auf die Analogien zu der Meinung von Doris Heimann. Kein Wunder, dass sie sich in der ersten Linie „um das beschädigte Verhältnis zu Russland“ Sorgen macht.

Kein Wunder auch, dass die Veschwörungsspezialisten noch viel weiter gehen und die Kommission beschuldigen, die georgische Regierung nicht eindeutig verdammt zu haben (z.B. hier). Basierend auf (durch die Kommission zum Teil widerlegten) russischen Fälschungen wird weiterhin die Putin-Propaganda betrieben. Fast alle deutsche Zeitungen haben den Bericht mit den eindeutigen Titeln kommentiert und sich auf die Seite der russischen Propagandamaschine gestellt: Georgien hat den Krieg begonnen (FAZ); Georgien gab den ersten Schuss ab (Handelsblatt, Spiegel); Georgien feuerte zuerst (Focus, Bild); Georgien begann Kaukasuskrieg (Tagesschau) usw.

Im gewissen Sinne ist der Bericht also besser als seine Verwertung. So weit musste es kommen…

 

Russischer Propagandasieg im Krieg gegen Georgien Samstag, 8. August 2009

Gespeichert unter: Deutschland, Die Welt, FAZ, Falschmeldungen, Medien, Politik, Russland, Süddeutsche Zeitung, Tagesschau, n-tv — peet @ 22:42 124977137710Sat, 08 Aug 2009 22:42:57 +0000
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Bei der Auswertung der zahlreichen Publikationen zum Jahrestag des russisch-georgischen Krieges 2008 fällt sofort auf, dass sich die überwiegende Masse der deutschen Medien auf die Seite Putins-Medwedews stellt. Ohne Respekt vor Fakten, ohne minimales Verständnis für die Folgen des Krieges wird dabei Saakaschwili beschuldigt, diesen Krieg angefangen zu haben. Alle Fakten sprechen dagegen, sie werden ignoriert.

Der „ausgewiesene Russland-Experte“ Gerhard Mangott erfindet in dem „Standard“ (Link):

Ein wesentlicher Grund, warum Saakaschwili im vergangenen Sommer die Konfrontation mit Russland gesucht hat, war die Überlegung, dass es möglicherweise ein sehr enges Zeitfenster für Georgien geben könnte, der NATO beizutreten oder sich ihr längerfristig anzunähern. Es war klar, dass das mit John McCain auch gegen deutschen und französischen Widerstand funktionieren würde, wie dieser mehrfach deutlich gemacht hat. Aber es war im August schon relativ klar, dass die Wahl eher von Obama gewonnen wird. So hat Saakaschwili versucht, durch die Niederschlagung der Separatisten Fakten zu schaffen, die eine Annäherung an die NATO erleichtert hätten.

Gesine Dornblüth bei der „Deutschen Welle“ (Link) schildert die Sichtweise der beiden Seiten, erwähnt aber auch:

Das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete vorab, die Kommission komme zu dem Ergebnis, dass die Georgier den Krieg begonnen hätten.

Manfred Bleskin bei n-tv (Link) ist von der russischen Sicht der Abläufe vollkommen geblendet:

Präsident Michail Saakaschwili verhält sich so, wie vor dem 7. August 2008: Er schwadroniert von – neuerlichem – Krieg. So laut, dass sich US-Vizepräsident Joseph Biden gezwungen sah, den immer lästiger werdenden Verbündeten telefonisch in die Schranken zu weisen.

David Nauer im Tagesanzeiger (Link) geht noch weiter:

Inzwischen steht fest: Den Krieg losgetreten haben die Georgier. In der Hoffnung auf einen schnellen Sieg schickten sie Panzer gegen Zchinwali, feuerten ganze Raketenschwärme auf Wohnhäuser. Die Russen, auch nicht zimperlich, hatten auf eine solche Dummheit der Georgier nur gewartet und schlugen brutal zurück.

Bei allen hinterlistigen Absichten des Kremls: Die Verantwortung für diesen Krieg trägt Georgiens Präsident Michail Saakaschwili. Der einstige Hoffnungsträger ist zum Kriegstreiber verkommen. Er hatte sein ganzes Renommee an die «Heimholung» der abtrünnigen Gebiete geknüpft und war am Schluss bereit, dafür über Leichen zu gehen.

Die anderen Medien versuchen ziwschen zwei Stühlen zu sitzen und schreiben im betont neutralen Ton, dass beide Seiten am Krieg ihre Schuld tragen. So Sonja Zekri in der Süddeutschen Zeitung (Link), Michael Ludwig in der FAZ (Link), Silvia Stöber bei der Tagesschau (Link).
Etwas klarer sieht Alice Bota in der „Zeit“ (Link):

die Lehre aus einer dauerhaften Politik der Verdrängung wäre verheerend: Ist ein Land nur unwichtig genug, darf Russland einfach alles.

Aber auch sie ist überzeugt:

Als Michail Saakaschwili in den ersten Kriegstagen zufällig gefilmt wurde, wie er sich wirr vor Sorge seine Krawatte in den Mund stopfte, dürfte er geahnt haben, dass er im Westen bald schon kein gern gesehener Gast mehr sein würde. Immerhin war er derjenige, der bei Nacht den Befehl zum Angriff auf Südossetien gab und so den Konflikt provozierte.

Ganz witzig meint sich „Die Welt“, indem sie einerseits auf Saakaschwili schimpft – das übernimmt Manfred Quiring (Link):

Gröber kann man die Tatsachen kaum verdrehen.

und andererseits – im Leitartikel von Richard Herzinger (Link) – die Schuldfrage richtig stellt:

Zum ersten Mal seit dem Ende der Sowjetunion drangen russische Truppen wieder in das Staatsgebiet einer souveränen Nation ein. Und mit der offiziellen Anerkennung der Scheineigenstaatlichkeit der beiden Provinzen durch Russland erfolgte die erste De-facto-Annexion fremden Territoriums durch Moskau seit Ende des Zweiten Weltkriegs. [...] Das Wiederaufflackern des Konfliktes zeigt jedoch drastisch, dass sich auch unter Obama schroffe Interessengegensätze zwischen Russland und dem Westen nicht in Luft aufgelöst haben. Umso mehr darf der Westen in Georgien nicht nachgeben. Er muss mit weitaus offensiveren diplomatischen Mitteln als bisher auf eine Lösung des Streits um die abtrünnigen Provinzen hinwirken, die ein tragfähiges Autonomiestatut für sie mit der Wiederherstellung der territorialen Integrität Georgiens verbindet. Zugleich muss der Westen jedem Anschein entgegentreten, er gebe Georgien an die russische Einflusssphäre preis. Das hätte fatale Auswirkungen auf das Vertrauen anderer einstiger Sowjetrepubliken und Satellitenstaaten, bis hin zu den baltischen und osteuropäischen Ländern, in die westlichen Sicherheitsversprechen. Nato-Generalsekretär Rasmussen, der Russland gemahnt hat, die Souveränität seiner Nachbarn zu respektieren, und US-Vizepräsident Joe Biden, der bei seinem Besuch in Tiflis das Recht Georgiens unterstrich, der Nato beizutreten, haben deshalb die richtigen Signale gesetzt. [...] Es war richtig, dass Joe Biden in seiner Rede vor dem Parlament in Tiflis bei der umstrittenen georgischen Regierung entschiedenere Schritte in Richtung echter Demokratie angemahnt hat. Doch gerade diese könnten unter dem Schirm des Mitgliedschaftsaktionsplans (MAP) der Nato wesentlich intensiviert werden. Die Ukraine und Georgien möglichst bald in den MAP aufzunehmen wäre der Stabilität in der Region förderlich. Ängstliche Rücksicht auf Russlands Dominanzanspruch hingegen bewirkte das Gegenteil.

Ein authentische Stimme der Wahrheit darf nur in der „Presse“ komplett ertönen – im Interview mit dem richtigen Experten Pawel Felgenhauer (Link):

Der Kreml sagt sich, nach einem halben Jahr wird der Westen wieder mit uns sprechen. Nach dem letzten Krieg gab es auch Kritik. Dann hat der Westen sich angepasst und erklärt, mit Russland gebe es wichtige Fragen zu besprechen. Die schwache Antwort des Westens auf den russischen Angriff im vergangenen Jahr spornt Russland zu einer Fortsetzung an. [...] Ich habe persönlich mit Heidi Tagliavini, der Vorsitzenden der EU-Kommission gesprochen, die den Kriegsbeginn im letzten Jahr untersucht. Sie hat mir gegenüber erklärt, dass die Veröffentlichung im deutschen Nachrichtenmagazin „Spiegel“, wonach die EU-Kommission angeblich herausgefunden hat, Georgien habe den Krieg begonnen, nicht den Tatsachen entspreche. Der „Spiegel“-Bericht sei Unsinn und wahrscheinlich von Moskau bezahlt.

Natürlich haben sich auch die Georgier auf den Krieg vorbereitet. Von georgischer Seite war es aber eine Improvisation, ausgelöst durch eine russisch-ossetische Provokation. Russland hat seine militärische Aggression ein halbes Jahr lang vorbereitet.

Es gibt noch mehr solche Stimmen, auch in Russland, sie werden nicht gehört und nicht übersetzt, zum Beispiel von Andrei Illarionov, warum nur?

 

Und so schreibt Ellen Rohlfs, wenn sie nicht gerade Uri Avnery übersetzt Samstag, 10. Januar 2009

Gespeichert unter: Antisemitismus, Deutschland, Falschmeldungen, Israel, Medien, Politik — peet @ 12:12 123158953612Sat, 10 Jan 2009 12:12:16 +0000
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Von vielen verbreiteten Lügengeschichten der letzten Tage hat eine mich besonders erfreut.

Ellen Rohlfs, Übersetzerin und treue Mitkämpferin Avnerys, hat es geschafft, einen leider gekürzten Leserbrief in der „Nordwestzeitung“ unterzubringen. Das Land soll seine Heldinnen an der antisemitischen Front kennen:

Ellen Rohlfs bei der Arbeit

Über die selbst gebastelten Raketen wurde schon genug geschrieben, über ihre Zerstörungskraft, wie auch über die viel stärkeren Raketen, die nach dem Sturm der Grenze zu Ägypten reingeschmuggelt wurden. Darunter Raketen russischer Konstruktion aus iranischer und chinesischer Produktion, mit der Reichweite bis zu 70 km.

Genug wurde auch über den Vorfall mit der sogenannten UN-Schule geschrieben. Über die Leichen von Raketenspezialisten, die namentlich genannt wurden. Die nach dem Abschuss ihrer Raketen direkt zurückbeschossen wurden und auf der Stelle getroffen (dies wurde auch von den palästinensischen Augenzeugen bestätigt). Über deren Munition, die anschließend explodierte und zum Tod der Zivilisten in dem Gebäude geführt hat. Ach was, das sind doch nur „Lügen“, sagt Rohlfs. Schön-schön.

 

Michael Lee White und das Schicksal seines Passes in Russland Dienstag, 2. September 2008

Gespeichert unter: Deutschland, Falschmeldungen, Medien, Politik, Russland, TV, Tagesschau, USA — peet @ 22:02 122039293210Tue, 02 Sep 2008 22:02:12 +0000
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Eine der schönsten Lügen des russisch-georgischen Krieges wird von den deutschen Medien ignoriert. Die Chronologie sieht so aus:

Dezember 2005 – ein Amerikaner namens Michael Lee White fliegt von Moskau nach New York. Während des Fluges ihm wird sein amerikanischer Pass gestohlen (Link).

August 2008 – der stellvertretende russische Generalstabschef Anatoli Nogowizyn zeigt diesen Pass während seiner Pressekonferenz als Beweis für die Beteiligung der amerikanischen Streitkräfte an der Seite Georgiens. Der Pass sei im Kampfgebiet gefunden worden (unzählige Meldungen mehrerer Agenturen).

August 2008 – der russische Ministerpräsident Putin erwähnt dies als bewiesen im CNN-Interview und im ARD-Interview mit Thomas Roth (Link),

„weil wir auf die Spuren der US-Bürger in der Zone der Kampfhandlungen gestoßen sind“.

Michael Lee White ist im August 2008 in China und versteht das nicht.

Es gibt keinen einzigen Beitrag zum Thema in deutscher Sprache.

 

Russland-Experte Kaminer Samstag, 1. März 2008

Gespeichert unter: Falschmeldungen, Medien, Politik, Russland, Wladimir Kaminer — peet @ 11:53 120437242011Sat, 01 Mar 2008 11:53:40 +0000
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In der heutigen „Frankfurter Rundschau“ kann man Wladimir Kaminer bewundern, wie er sich in die Reihe der Russland-Versteher stellt (Link):

Sicher, es steht wenig zur Wahl. Das heißt aber nicht, dass es keine Demokratie ist. Es ist eine andere Form davon. [...] Ich habe in Moskau sehr viel kritisches Material gelesen, in verschiedenen Zeitungen. Das ist nicht zu vergleichen mit der Atmosphäre in der Sowjetunion. Damals hat das Dissidententum tatsächlich für große Aufregung gesorgt. Es gehörte sehr viel Haltung und eine gewisse Heldenhaftigkeit dazu, sich gegen das Regime zu stellen. Heute werden die Oppositionellen vom Volk oft verspottet. [...] Die Medien waren nie besser gestellt als heute. [...] Der tragische Mord an der Journalistin Anna Politkowskaja hat dem Ansehen Russlands viel mehr geschadet, als ihre Arbeit es je konnte. [...] Ich bin gar kein Fan von Putin. Er war halt die einzige Alternative zu dem, was vorher war.

Eine seltene Mischung aus Unwissenheit, unverdauten Resten offizieller Putin-Propaganda und direkten Lügen. Kaminer kann bekanntlich nicht zwischen Kafka und Konsalik unterscheiden. Zwischen Wahrheit und Lüge noch weniger.

 

Wer ist hier der agent provocateur? Samstag, 1. Dezember 2007

Gespeichert unter: Falschmeldungen, Freitag, Medien, Politik, Russland — peet @ 16:57 119652826204Sat, 01 Dec 2007 16:57:42 +0000
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In der Wochenzeitung „Freitag“ schreibt ein Kai Ehlers zu „Kasparows Festnahme“ (Link):

Wenn Kasparow fünf Tage in Haft geht, weil er die Bannmeile durchbricht, ist damit nicht die Opposition niedergeschlagen, wie behauptet wird, sondern ein Provokateur so behandelt worden, wie er es sich nicht besser wünschen konnte. Und wenn Putin Revanche und Chaos nach den Wahlen fürchtet, ist das begründet, denn Russlands neue Stabilität ist keineswegs gefestigt. Ex-Oligarch Beresowski, der sich rühmt, Kasparaw zu finanzieren, agitiert aus London für den Umsturz; Kasparow seinerseits ist Mitglied des Security Advisory Council der USA. Solcherart Einmischungen einzudämmen, ist für Russland existenziell.

Die Wiederaufnahme von Sprachmustern und Methoden der schönen alten Zeiten, als Stalin noch ein Vorbild für die gesamte Linke war, erfolgt nicht nur in der Rede Putins (Link). Sowohl nach innen als auch nach außen werden tonnenweise Lügen verbreitet, „unabhängige“ Journalisten und Medien eingesetzt, uneigennützig aus Liebe zu Russland oder auch weil sie bereit sind, die eine oder andere „Liegenschaft“ dort zu vermitteln.

Kasparow wurde aus der Gruppe der Journalisten heraus auf der sicheren Straßenseite auf direkten Befehl hin verhaftet. Er war nicht an irgendwelchen Kampfhandlungen beteiligt. Seine Zeugen wurden nicht angehört, seine Verhaftung nicht protokolliert und später manipulert. Sein Rechtsanwalt wurde zu ihm nicht vorgelassen, bis zum Anfang der Gerichtsverhandlung, die nicht einmal als eine Farce benannt werden kann. Die Richterin hat ihren Urteil nach der Telefonberatung gefasst. Während der gesamten Haftdauer von fünf Tagen schirmte man Kasparow ab, ohne Kontakte, die ihm zustehen. Das sind Fakten!

Wenn Ehlers in vollem Einklang mit Putin Kasparow als einen westlichen Agenten enttarnt, dann folgt er demselben Muster, wie ein Jahr zuvor bei der Besprechung der Ermordung Politkowskajas – als er fragte, wer davon profitiere (Link):

Dabei ist die Frage nach dem Nutznießer der Interventionen [in Irak] klarer zu beantworten als die nach denen des Mordes: Eine Destabilisierung des Kaukasus nützt weder Russland, noch den kaukasischen Völkern, sondern allein denen, die hier ihre globalstrategischen Interessen durchsetzen wollen. Dazu lese man noch einmal Sbigniew Brzezinski, „Die einzige Weltmacht“, oder höre sich die Reden aus dem neo-konservativen Lager der gegenwärtigen US-Regierung an.

Die vorbildliche linke Zeitung verteidigt Putins Plan. Gut zu wissen. Als Beresowski Putin an die Macht brachte, war er noch gut genug, das zu tun. Jetzt auf einmal sind „Liegenschaften“ woanders zu bekommen: Qui bono?

 

Willemsen und Hildebrandt kennen sich im Talmud aus Sonntag, 18. November 2007

Gespeichert unter: Antisemitismus, Deutschland, Falschmeldungen, Medien, Roger Willemsen — peet @ 21:15 119542054609Sun, 18 Nov 2007 21:15:46 +0000
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Aus dem November-Heft der Zeitschrift „Konkret“ habe ich erfahren, dass Roger Willemsen und Dieter Hildebrandt – zwei Autoren des Bestsellers „Die Weltgeschichte der Lüge“ – unter anderem auch eine alte antisemitische Lüge verbreiten. Florian Sendtner hat es recherchiert und eindeutig festgestellt: Die beiden netten Herren geben eine der zahlreichen Talmud-Fälschungen unter dem Beifall der Zuhörer in ihren erfolgreichen Programmen als Wahrheit aus.

Ich ergänze: Auch über die armen leidenden Palästinenser wissen beide Fernseh-Philosophen die Welt zu belehren (Link). Unter den 19 besonders wichtigen Lügen der Weltgeschichte, wo die DDR-Lügen noch vor Hitlers Kriegserklärung stehen, wird als Numero 12 auch die folgende rührende Geschichte erzählt:

Die 9/11-Lüge:

Nach dem Terroranschlag gingen Bilder von jubelnden Palästinensern um die Welt. Die Szene war gekauft. TV-Journalisten hatten ihnen dafür Kuchen versprochen.

Das stimmt nicht. Weder im Plural noch in der Intention. Es wurde massenweise gejubelt, nur für die Kameras wurde es einmal extra wiederholt, damit die Kameraleute es besser aufnehmen können. Einzelheiten siehe z.B in der pdf-Datei von Heiko Lietz (Link) auf der Seite 46:

Die tatsächliche Sachlage, dass es „ohne Ende Jubel“ gegeben habe, sei bei der Diskussion glatt untergegangen. Steinhoff, der im Dezember in der West-Bank mit dortigen Kamerateams gesprochen hatte, konnte ganz vereinzelte Medienberichte bestätigen, dass Arafat alle Kassetten habe einsammeln lassen.

So kennen wir Willemsen inzwischen – auf der „richtigen“ Seite, propagandistisch manipulierend auf dem Weg zum ersten Platz auf der Bestsellerliste (Link). Von Knochen zu Kuchen – eine Steigerung. Glückwunsch!

 

just a world press provocation Donnerstag, 19. April 2007

Gespeichert unter: Blogging, Falschmeldungen, In eigener Sache, Medien, Russland, USA — peet @ 6:18 117696350906Thu, 19 Apr 2007 06:18:29 +0000
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Ein russischer Putin-Fan hat mein Posting in einem amerikanischen Forum verlinkt und verbreitet dort die Desinformation über die Demo: „that rally was not a opinion of suppressed people but just a provocation oriented on the world press.“ (Link) Die KGB-Jugend lernt mit dem Internet umzugehen. Die Realität sieht anders aus.

A Russian Putin fan refered to my post in an American forum and spreads some disinformation about the protests in Russia. The KGB youth learns to deal with the Internet. The reality looks completely differently.

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Eine nette Ente Mittwoch, 25. Oktober 2006

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Deutsche Medien berichten über den angeblichen Zwischenfall vor Libanons Küste. Zuerst „Der Tagesspiegel“, dann die anderen. Zum Beispiel auch „Die Süddeutsche“ (Link):

Am Dienstag um 10.11 Uhr hätten sechs israelische F-16-Jäger ein deutsches Marineschiff der UNIFIL-Flotte vor Libanons Küste in geringer Höhe überflogen und „Infrarot-Täuschkörper“ abgeworfen. Aus einer der Maschinen seien aus der Bordkanone zwei ungezielte Schüsse in die Luft abgefeuert worden. Es gebe bereits Gespräche mit Israel auf Regierungsebene, sagte Raabe. Beide Seiten seien an einer weiterhin guten Zusammenarbeit interessiert.

In Wahrheit wurden nur Täuschkörper abgeworfen, da ein Hubschrauber von einem deutschen Marineschiff unangemeldet in Richtung der israelischen Grenze flog. Die unerfahrenen deutschen Offiziere haben die Täuschkörper für Raketen gehalten. Die weitere Ente ist ein Selbstläufer. Glückwunsch!

UPDATE: Die „Tagesschau“ korrigiert im Bericht vom 26.10 (Link):

Es habe sich herausgestellt, dass ein Marine-Hubschrauber von Bord des Einsatzgruppenversorgers „Frankfurt am Main“ aufgestiegen sei. Der Pilot des deutschen Helikopters habe zuvor seine Flugdaten nicht dem israelischen Koordinationshauptquartier mitgeteilt, zudem habe er nicht das Identifikationssystem seines Hubschraubers eingeschaltet, das auf einer vereinbarten Frequenz eine rasche Erkennung des Flugobjekts erlaube.

Die beiden israelischen Kampfflugzeuge hätten auf den Marine-Hubschrauber zugehalten und über die Frequenz, die der deutsche Pilot nicht eingestellt hätte, vergeblich versucht, Kontakt aufzunehmen. Nachdem keine Antwort gegeben worden sei, seien die F-16-Jets auf den Helikopter zugeflogen und hätten – nachdem sie die deutschen Hoheitskennzeichen am Hubschrauber erkannt hätten – abgedreht. Im Verlauf dieses Manövers seien von den Kampfflugzeugen so genannte „Infrarot-Tauschkörper“ zur Raketenabwehr abgeworfen worden. Die Deutschen hätten deswegen wohl geglaubt, dass die Jets auf sie geschossen hätten.

Die „Süddeutsche“ will davon selbstverständlich nichts gewußt haben (Link).

 

Die BBC will auch dabei sein Donnerstag, 17. August 2006

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Wie im Blog „Drinking from home“ in mehreren Postings gezeigt wurde, liefert eine BBC-Korrespondentin Orla Guerin antiisraelische Reportagen, völlig im Geiste der Hisbollah. Besonders deutlich sieht man deren Fokussierung auf die zerstörten Gebäude und die naive Ausblendung der intakten Häuser, wenn man den Verglech zu den Berichten der anderen Korrespondenten aus demselben Gebiet zieht, was der Blogger auch vorführt (Link). Ich betone das Wort naiv, weil während Guerlin über die komplette Zerstörung schwafelt, zeigt die Kamera mehrere Flüchtlinge, die zurück kommen und ihre Häuser unversehrt vorfinden. In ihrer Reportage wohlgemerkt! (Link zur YouTube-Aufzeichnung)

 

Wie sich die ARD rehabilitiert Montag, 14. August 2006

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Die Unausgewogenheit der Nachrichtensendungen von ARD und ZDF ist ein Faktum. Deswegen antworten deren Chefredakteure auf die Kritik noch bevor die Kritik ankommt. Nachdem die Resultate der Untersuchung zugänglich wurden, hat man kurzer Hand das Angebot auf der Homepage der Tagesschau umsortiert, so dass die besonders schlimmen Beiträge nicht mehr angeboten werden. Sie sind noch da, man muss aber deren Links wissen, um an sie ranzukommen.

Auf jeden Fall war das die erste kosmetische Operation. Als sich die zweite Welle der Kritik auftürmte – in Form eines Interviews mit Salomon Korn im „Spiegel“, hat man augenblicklich die Sendung ZAPP für sich umgedeutet. Das war ein guter Trick und hat offensichtlich gewirkt, denn bis jetzt ist nirgendwo eine Widerlegung zu lesen.

Und heute, sofort nach der dritten Welle mit dem Interview des israelischen Botschafters, hat die ARD ganz schön brav nachgelegt – im „Report“ wurde eine der Lügen dementiert, die tagelang von mehreren Medien, aber nicht von der ARD, wiederholt wurden – nämlich über einen erfundenen Einsatz der Chemiewaffen. Reporter haben eine Recherche begleitet und schülerhaft darüber berichtet, schön und gut.

Im Endbericht – sowohl in der Sendung als auch im Manuskript (Link) – wird mehrere Male die provokative Frage gestellt, ob denn Israel so schlimm und so böse sei usw. Die Antwort wird ganz nüchtern zweimal ausgesprochen:

Gewebeproben von acht angeblichen Chemiewaffenopfern aus dem Südlibanon enthalten keine Rückstände von chemischen Kampfstoffen.

Das steht zu Beginn des Textes. Kein Wort darüber, dass der Chefarzt die Lüge verbreitet hat. Kein Versuch, diesen Arzt mit der Widerlegung seiner Lüge zu konfrontieren. Der Leser sei so klug, der Zuschauer noch klüger, die würden schon alles richtig verstehen.

Ich behaupte mal etwas anderes. Sie werden den Titel der Sendung für sich in Erinnerung behalten:

ARD geht Vorwürfen nach

Keine Beweise für Chemiewaffen im Südlibanon

Das steht bei der Tagesschau. Und das lässt sich zweideutig interpretieren. Ein Idiot wird daraus die nächste Verschwörungstheorie spinnen. In voller Ruhe.

Kriegsverbrechen im Libanon?
Die schwierige Suche nach der Wahrheit

 

Das steht beim SWR (Link). Genauso verschwörerisch und nebulös. Feine Sache.

 

Zwischen „Stern“ und „EU Referendum“ Donnerstag, 10. August 2006

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Die wichtigsten Fragmente aus der Stern-Publikation sind die folgenden (Link):

Keiner der anwesenden Journalisten oder Fotografen hatte den Eindruck, Teil eines Hisbollah-Schauspiels zu sein. Nick Blanford, seit zwölf Jahren im Libanon und für „London Times“ und „Time“ als einer der Ersten am Ort, sagt: „Die Rot-Kreuz-­Leute haben die Leichen nacheinander aus dem verschütteten Keller getragen. Am Anfang kamen die Ambulanzen gar nicht bis zum zerstörten Gebäude durch. Die Männer mussten die Leichen etwa 500 Me­ter weit tragen. Deshalb gibt es viele Bilder von Helfern mit Kindern auf dem Arm.“

Auch Tim Fadek, für die Agentur Pola­ris in Kana, konnte kein Indiz für eine
In­szenierung entdecken: „Alle waren aufge­regt, und es herrschte ziemliches Chaos. Als dann die Leichen aus dem Keller getra­gen wurden, waren auch die Sanitäter mit den Nerven am Ende. Wenn sie einmal ein Kind in eine Kamera hielten, dann nicht als Pose, sondern schlicht aus Ärger und Verzweiflung: Seht, was mit unseren Kin­dern geschehen ist!“

Das sieht ungefähr so aus:

Keine Inszenierung selbstverständlich. Diese 10 Fotographen sind nur ein bisschen aufgeregt. Das andere Fragment bezieht sich auf die Aussagen des „Helfers“:

„green helmet“ heißt mit bürgerlichem Namen Salam Daher. Er ist 38 Jahre alt, lebt in Marjayoun, hat drei Söhne und ar­beitet seit 1986 für den libanesischen
Kata­strophenschutz. Er ist kein Mitglied der Hisbollah. Normalerweise hilft er bei Waldbränden, Verkehrsunfällen oder Na­turkatastrophen. Daher erfuhr er vom
Bom­bardement um ein Uhr in der Nacht, konnte aber erst morgens um sieben nach Kana fahren, da israelische Kampfjets die Straße beschossen. Vom stern zu den Inszenierungsvorwürfen befragt, sagt er: „Es ist lächerlich. Ich habe mehr als zehn Kin­der aus den Trümmern gezogen, bin am Ende ja fast selbst zusammengebrochen.
Überall waren Fotografen, man konnte kaum richtig arbeiten. Einmal habe ich ein Kind hochgehalten, damit alle ein Bild machen konnten – aber doch nur, damit ich danach Ruhe hatte, um weiter nach Überlebenden zu suchen!“

Die Videoaufzeichnung vom NDR, die von einem Kommentator des vorherigen Postings empfohlen wurde (Link), spricht eine andere Sprache. Eine bessere Widerlegung gibt es nicht. Ausserdem ist dieser einfacher Helfer, der mal da mal hier ein bisschen hilft, ganz anderes Kaliber und zwar

the civil defence chief in southern Lebanon (Link).

Ich glaube, die Aufregung kann man vergessen. Dieses Stern-Interview war nichts – keine Argumente, keine professionelle Arbeit. Die Enthüllung lässt sich nicht zu einer Verschwörungstheorie herunterspielen. Schließlich kann jeder die Fakten selbst sehen.

 

Die „Süddeutsche“ berichtet Dienstag, 8. August 2006

In der heutigen Ausgabe gibt es folgende große Schlagzeile:

40 Tote bei Angriff auf Hula

Libanons Premier wirft Israel Staatsterrorismus vor

Online (seit dem 7.8. um 14:20) steht ein ganz anderer Text mit einem ganz anderen Titel (Link):

40 Tote bei Luftangriff,

Premier bricht in Tränen aus

Kein Dementi weit und breit, „ein entsetzliches Blutbad“ wird ausgemalt. Der Israel-Korrespondent der Zeitung Thorsten Schmitz schreibt bei der SZ-Online (nicht bei der „Süddeutschen“!) dazu (Link):

Widersprüchliche Angaben gab es zu einem israelischen Angriff auf das südlibanesische Dorf Hula. Dabei seien bis zu 40 Menschen getötet worden, sagte der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora bei der Sitzung der Außenminister der Arabischen Liga in Beirut. Am frühen Abend dementierte der Regierungschef jedoch diese Zahl und verwies auf Polizeiangaben, die von einem Todesopfer sprachen.

„Widersprüchliche Angaben“, aha. Seit dem späten Montag, seit 23 Stunden (07.08., 18.00 Uhr) wissen alle, die Nachrichten lesen können, dass es nur ein Opfer gab, nur nicht die „Süddeutsche“, nur nicht ihr Israel-Korrespondent! Warum?

Weil die Zeitung sehr beschäftigt ist. Man muss Fotos sorgfältig auswerten und darf keine inszenierten „Kana-Massaker“-Fotos dabei auslassen (Link), auf kein Dementi reagieren und munter weiter Lügen verbreiten (Link):

56 Menschen wurden bei dem Luftangriff getötet – darunter 37 Kinder. Foto: dpa

Auf keinen Fall dabei einen Hisbollah-Kämpfer mit einer Waffe zeigen – nur israelische Soldaten, Waffen und ihre Opfer. Von 104 Fotos zeigen höchstens 4 Bilder verängstigte Israelis, mehr nicht.

Noch mehr beschäftigt sich die Zeitungsredaktion mit der Suche nach „guten Juden“, die Prantls Kritik (Link) bestätigen müssen. Und wie durch ein Wunder – so einer wird sogar im Zentralrat gefunden, sein interner Brief wird als pdf-Datei bereitgestellt, mit seinem Foto, seiner mailadresse und Telefonnummer, damit keiner zweifelt (Link). Der Mann redet blödes Zeug und ist genauso verängstigt wie schon zwei Frauen vor ihm, die die Zeitung sorgsam ausgesucht hat, damit Tony Judt nicht alleine da steht (siehe entsprechende Kategorien in diesem Blog). Sogar die solidarische Unterstützung seitens Avnery wird nicht verschwiegen. Unten steht der Link zum Artikel von Prantl!

Wenn man so ein Glück hat und schon drei deutsche Juden gefunden hat, die genauso wie Avnery und Avenarius denken, kann man sich denn überhaupt noch um die Genauigkeit kümmern? 40 oder 1 Opfer – wer will das noch wissen?

 

Krieg gegen Israel 8 Samstag, 29. Juli 2006

Gespeichert unter: Antisemitismus, Deutschland, Falschmeldungen, Israel, Medien, Politik — peet @ 13:26 115417958301Sat, 29 Jul 2006 13:26:23 +0000
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Ein ganz besonderes Kapitel dieses Kriegs ist die Rolle der UNO und persönlich des Generalsekretärs Kofi Annan. Sowohl bei der ersten Story als auch bei der aktuell zweiten Story glänzt Annan durch das Unkenntnis der Sachlage und eine voreilige einseitige Deutung der Ereignisse. Eine unrühmliche Fortsetzung der langen Tradition, wie die UNO Israel behandelt.

Nun sind vier tote Militärbeobachter der UNO beim Einsturz des beschossenen Hauses der Inspektion zu bedauern. Über diese zweite Geschichte haben schon viele geschrieben, ich verweise auf den Bericht von Gudrun Eussner (Link) und auf den redaktionellen Kommentar der „New York Daily News“ (Link), auf das Foto (hier – mit einer lesenswerten Diskussion dazu – und hier) aus dem Buch von Jed Babbin, auf welches der Autor selbst am 18.7.2006 hingewiesen hat (Link), also fast zehn Tage vor dem Zwischenfall. Man sieht sich an die alte Videoaufzeichnung von 2004 erinnert (Link), auch wenn es dabei um die „friedliche Zusammenarbeit“ zwischen der UNO und militanten Palästinensern im Gazagebiet handelte. Weitere Infos sind genauso berauschend (Link).

Eine aufschlussreiche Auflistung der Angriffe der Hisbollah auf Israel seit 2000 bringt Mitchell Bard (Link).

Den Wunsch, dass Israel in diesem Krieg siegt, äußert der Kommentar der Zeitung „Washington Times“ (Link).

For all the blathering about Israel’s „disproportionate“ response in defending itself (and the reality that from a public-relations perspective, it can be good to be a victim), and notwithstanding Americans’ moral sentiments, they also prefer to be with a winner. Moreover, even Israel’s enemies in the Middle East and Europe begrudgingly respect Israel’s hardwon record of invincibility on the battlefield since her founding.

In the long run, Israel does itself no favors by listening to those — both civilians and military — whose response to state-supported terrorism consists of half-measures that ensure Islamofascists an opportunity to survive and fight another day.

If a large-scale Israeli ground operation proves necessary to do the job against Hezbollah, Mr. Olmert should go forward — with strong support from Washington.

Die „Haaretz“ stellt die Meinungen der führenden Offiziere des israelischen Armeenachrichtendienstes und des Mossad gegenüber, die ziemlich auseinander gehen (Link):

The heads of two Israeli intelligence agencies disagree over how much the IDF assault has damaged Hezbollah, although both say the group has been weakened.

The Mossad intelligence agency says Hezbollah will be able to continue fighting at the current level for a long time to come, Mossad head Meir Dagan said.

However, Military Intelligence chief Amos Yadlin disagrees, seeing Hezbollah as having been severely damaged.

The IDF believes that at least 200 Hezbollah operatives have been killed since the fighting began more than two weeks ago, a military source said Friday.

Both intelligence chiefs agree that Hezbollah remains capable of command and control and still holds long-range missiles in its arsenal, they said at a security cabinet meeting Thursday.

Die „Süddeutsche“ übersetzt heute den jüngst erschienenen Artikel von Alan M. Dershowitz (vom 20.7.2006, Link) und lässt dabei nur ein kleines Fragment aus:

Israel will — and should — take every precaution to minimize civilian casualties on the other side. On July 16, Hasan Nasrallah, the head of Hezbollah, announced there will be new „surprises“ and the Aska Martyrs Brigade said that it had developed chemical and biological weapons that could be added to its rockets. Should Israel not be allowed to pre-empt their use?

Dagegen sieht das Ende des Textes nach einer authorisierten Ergänzung aus, da sie im Original nicht vorhanden ist:

Vor einigen Wochen hatte die israelische Regierung noch angekündigt, sich auch aus weiten Teilen der Westbank zurückzuziehen. Aber wie kann von Israel erwartet werden, damit fortzufahren, wenn es im Gegenzug nur mehr Terrorismus und mehr internationale Verurteilung erhält – bloß weil es Terroristen verfolgt, die die geräumten Gebiete als Abschussrampen benutzen?

Die Diskussion zu dem Text kann man auf der Homepage von Dershowitz lesen (Link).

 

Krieg gegen Israel und seine Darstellung in den Medien 1 Freitag, 14. Juli 2006

Gespeichert unter: Deutschland, Falschmeldungen, Israel, Lesefutter, Medien, Politik, Süddeutsche Zeitung — peet @ 7:45 115286312707Fri, 14 Jul 2006 07:45:27 +0000
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Spätestens seit der zweiten Entführung der israelischen Soldaten ist Krieg, und hoffentlich bleibt es bei zwei Fronten. Die Propagandamaschine der terroristischen Organisationen läuft auf Hochtouren. Jede unkritische Weiterleitung ihrer Lügen ist eine Beteiligung an der psychologischen Führung der Kämpfe. Nichts Neues, aber wahr: Viele machen mit.

Ich zähle einige Falschmeldungen weiter unten auf, zuerst aber möchte ich die treffenden Analysen der Lage verlinken, im Glauben, dass es mehr Sinn ergibt.

Die wichtigsten Beiträge sind auf der Homepage der Israelischen Botschaft zu finden. Darunter die Übersetzung eines Artikels aus der Jerusalem Post vom 9.7. von Barry Rubin. Etwas ironisch geschrieben, aber sehr einleuchtend. Zum Beispiel,

- Es gibt kaum moderate Palästinenser im öffentlichen Leben und die wenigen, die es gibt, halten ihren Mund oder geben die militante Mehrheitsmeinung wieder. Mit wenigen Ausnahmen – die an den Fingern abzuzählen sind – kann ein moderater Palästinenser in der Praxis gewöhnlich als jemand definiert werden, der sich in gutem Englisch für den Terror entschuldigt. Das Mantra „Man muss den Moderaten helfen“ kann unter diesen Bedingungen nicht funktionieren. [...]
Palästinenser greifen Israel nicht an, weil Israel sie angreift, sondern weil dies das einzige Programm ist, das sie haben. [...]

- Das Zwischenziel lautet, vorgetäuschte Siege für sich zu beanspruchen. Diese sind in der Realität jedoch nichts anderes als teure Niederlagen. Wenn nach 40jährigem bewaffnetem Kampf der große Triumph der Bewegung darin besteht, dass einmal im Jahr ein israelischer Vorposten zerstört und ein israelischer Soldat entführt wird, dann zeigt dies eine bemerkenswerte Schwäche auf dem Kampffeld. Indem man Israel durch Raketenangriffe Schaden zufügt, dient man keinen palästinensischen Strategiezielen. Das einzige Ziel, das erreicht wird, besteht darin, dass sich die Menschen in Anbetracht dieses Schadens gut fühlen (obwohl sie selbst viel mehr Schaden dadurch erleiden).

Märtyrer zu feiern bedeutet schlichtweg, mit den eigenen Opfern zu prahlen. [...]

- Infrastruktur ist nicht nur unwichtig, sie stört den umfassenden Kampf. Denn wenn sich Palästinenser mit der Schaffung von Arbeitsplätzen, Erziehungs- oder Gesundheitssystemen oder einer erfolgreichen Wirtschaft beschäftigen, macht sie das zufriedener bezüglich ihres Schicksals und weniger willig, für die Sache zu kämpfen und zu sterben. [...]

- Benutze das Leiden deines Volkes, um internationale Unterstützung zu erhalten. Die palästinensischen Führer schrecken nicht vor Zerstörung oder dem Leiden des Volkes zurück. Nachdem gesagt worden war, die Hamas habe die Minen verlegt, die palästinensische Zivilisten letzten Monat getötet haben, meinte eine amerikanische Zeitung, dass die Hamas dem eigenen Volk so etwas doch niemals antun würde.

Im Gegenteil: Es gibt ein langes Muster der Opferung palästinensischen Lebens und Wohlstandes für Propagandazwecke. Kinder werden von offiziellen palästinensischen Medien ermutigt, Terroristen und somit „Märtyrer“ zu werden.

- Lüge ohne Ende, belüge nicht nur alle anderen sondern auch dich selbst. Porträtiere Israel immer als falsch und Amerika immer als feindlich. Die Unfähigkeit der Palästinenser, über diese Propaganda hinauszugehen, und die pausenlose Dämonisierung haben – außer in seltenen Zeiten während des Oslo-Prozesses- sichergestellt, dass die Palästinenser nicht erfolgreich im Umgang mit diesen Ländern sind.

So lautet eine Verlierer-Strategie: Zerstöre deine Infrastruktur; mache internationale und sogar arabische Unterstützung durch Extremismus zunichte – niemand ist mehr überrascht, dass nicht einmal arabische Staaten etwas tun, um den Palästinensern aus ihrem Durcheinander herauszuhelfen; werfe Chancen für das Erreichen von Zwischenzielen (einen Staat zu bekommen) weg, um keine Kompromisse bezüglich der Chance auf einen totalen Sieg einzugehen; wiederhole alte Fehler; freue dich über Niederlagen, die Märtyrer hervorrufen; verhöhne die einzige Supermacht der Welt; preise die Anarchie; büße jede Chance ein, die Sympathien der anderen Seite zu erlangen.

Eine solche Selbstmordstrategie kann –wie die Selbstmordanschläge auch – dem Feind Verluste zufügen, ihn jedoch nicht besiegen. In der Tat garantiert das Opfern so vieler möglicher Vorteile, dass die Kluft ständig breiter wird, und zwar zum Vorteil der anderen Seite.

Da jedes Zeichen von Widerstand gegen diesen katastrophalen Zugang an die politische Materie fehlt, scheint es, dass es noch einige Jahrzehnte mehr voller glorreicher Niederlagen und Märtyrertum geben wird. Vielleicht werden es sogar so viele sein, dass selbst diejenigen im Westen, die weiterhin etwas anderes erwarten, verstehen werden, was hier vor sich geht.

In denselben Nachrichten der Botschaft wird eine Information erwähnt, die das noch einmal bekräftigt:

Die Hamas-Regierung hat in den vergangenen Tagen Hunderte Palästinenser aus dem Gazastreifen daran gehindert, zur ärztlichen Behandlung nach Israel auszureisen. Das teilten hochrangige Stellen in der Einheit zur Koordination der Regierungsaktivitäten in den palästinensischen Autonomiegebieten mit.

In der Einheit erklärte man, das Ziel der Hamas sei, den Eindruck zu vermitteln, als gäbe es im Gazastreifen eine humanitäre Krise, um dann Israel die Schuld in die Schuhe schieben zu können. Die Stellen teilten am Samstagabend mit, dass die Hamas in den vergangenen zwei Wochen etwa 460 kranken Palästinensern die Ausreise nach Israel verweigerte. Anstelle von etwa 300 Kranken, die gewöhnlich jede Woche aus dem Gazastreifen nach Israel ausreisen, um dort behandelt zu werden, gestattet die Hamas nur rund 70 Personen pro Woche, israelische Krankenhäuser aufzusuchen.

Vor etwa einer Woche genehmigte die Regierung den Vorschlag von Verteidigungsminister Amir Peretz, eine humanitäre Soforthilfe von 50 Mio. Shekel an die Palästinenser zu überweisen, um die Situation der Zivilbevölkerung zu erleichtern. Nach Angaben der Stellen, weigert sich die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) aber bis heute, das Geld anzunehmen.

Diese Meldung stammt vom 9.7. Ich habe sie nirgenwdo mehr wiedergefunden, sie wird schlichtweg ignoriert.

Eine empfehlenswerte nüchterne Analyse der aktuellen Lage habe ich bei der NZZ gefunden, von einem vk unterzeichnet. Ansonsten gibt es nur typische Lügen bei Telepolis, diesmal von einem Peter Bürger, wo schon wieder ein Märchen erzählt wird: „Millionen [sic!] Palästinenser mussten aus dem Gebiet des heutigen Israels flüchten“. Spielbergs Film „München“ wird für die jüdische Bibel gehalten etc. Thorsten Schmitz empört sich heute im Magazin der „Süddeutschen“ über Schwierigkeiten der Juden, die aus Äphiopien nach Israel kamen und von ihm über ihre Probleme ausgefragt wurden. Skurrilerweise widmet die SZ am selben Tag vergleichbaren Schwierigkeiten der Einwanderer in Deutschland zwei volle Seiten. Immerhin fast wie in Israel.