Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Ein Videogedicht? Montag, 16. August 2010

Filed under: Blogging,Film,Kunst,USA,YouTube — peet @ 13:51 Uhr
Tags: , , , , ,

Seit einigen Tagen wird ein Videoclip verlinkt, mit Begeisterung weiter empfohlen. Die eine Version ist bei Vimeo zu sehen, die andere, etwas reifere bei Youtube:


Autoren sind Daniel Mercadante und Will Hoffman. Bei den Bewertungen und Beschreibungen wird diese Produktion als Videogedicht (“modernes Gedicht“) gelobt, als “eine Art assoziativer Montage” “im Sinne von Eisenstein” klassifiziert. Oder als “a visual interpretation of stream-of-consciousness“. Noch konkreter wird es im Kommentar von der Hoepp (bei iGNANT):

Wie der Titel schon sagt, geht es um Worte und unterschiedliche Bedeutungen. Es fängt mit “Play” an, geht über “Blow”, “Break”, “Split”, “run”, “fly”, “fall”, “light” zu “space”. Ich finds wunderbar, besonders Fly und Fall.

Die Notwendigkeit, die englische Sprache zum Verständnis des Clips mitzubringen, betont auch Cinematze.
Dazu:
1. Die Poesie lebt nicht nur von Reimen. Diese Art, die Haiku- oder Hokku-Technik in die Videomontage zu verwandeln, erinnert mich viel mehr an die übliche Krankheit der Prosachreibenden – Alliteration. Ich mag das auch, all Wortspiele, Klangspiele, Wortdrehungen, Buchstabenumstellungen usw. In der wahren Poesie sind sie ein Sprachmittel von vielen. In der Prosa werden sie normalerweise vom erfahrenen Lektor wegredigiert. Die Entscheidung darüber, ob ein Text poetisch ist, auch wenn es ohne Reime auskommt, ist manchmal schwer, für sich aber kein Problem. Es kommt auf die Intention des Autors an.
In der Videokunst ist dieser “Words”-Clip ein Ereignis, da Bilder assoziiert werden, die eine optische Ähnlichkeit haben. Faszinierend allemal.

2. Eine Montage in der Art von Eisenstein ist das aber nicht, da gerade die dynamische und parallele Montage fehlt. Eher eine Skizze. Es gibt kaum eine Idee, die mehr als nur eine witzige Assoziation wäre. Die Erhebung zum Höheren am Ende des Clips ist toll, keine Frage. Ein Haiku neben einem Poem wie ein Clip im Vergleich zu einem Film wie Beshinwiese (“Beschin lug”)?
3. Als ich den Titel “Words” gesehen habe, dachte ich zuerst irrtümlicherweise an den berühmten Song von F.R.David. Überhaupt die Notwendigkeit, Worte zwischen den Bildern und deren Verknüpfung einzubringen, dazwischen zu schalten, scheint mir ein Problem zu sein. Ich bin der Meinung, optische Reize sollten für sich sprechen. So zum Beispiel, wie es von einem Youtube-Meister mit einfachen Mitteln gepflegt wird, den man unter dem Nicknamen eggman913 kennt (eigentlich Philip Scott Johnson):

Andere Beispiele dieser Art habe ich schon erwähnt. Trotzdem die Vorstellung, bei der Geburt einer neuen Gattung – Videogedicht – dabei zu sein, ist großartig.

 

Horst Schlämmer als Spiegel der deutschen Politik Samstag, 22. August 2009

Der Film von Hape Kerkeling über seine langjährige Kunstfigur Horst Schlämmer ist ein Ereignis. Künstlerich amateurhaft konzipiert und geschnitten, mit meist schwachen (oder gar keinen) Schauspielern besetzt, reißt er kaum Masken von den großen politischen Tieren nieder. Es sind sehr wenige gelungene Verballhornungen, die im Gedächtnis bleiben wie beispielhaft blöde Manifeste von gewissen realen Parteivertretern (“bedingungsloses Grundeinkommen”), die unendliche sinnlose Begeisterungsfähigkeit von Bushido, die Pofalla-Parodie, die Merkel-Parodie, die Ulla-Schmidt-Parodie. Ansonsten ist es sehr schade, dass die effektvolle Pressekonferenz Horst Schlämmers nicht einmontiert wurde (obwohl das doch deren Sinn war!). Auch klar ist es, dass die lebendigen Improvisationen Kerkelings immer kunstreicher und wirkungsvoller als der gestellte Film sind, und Horst Schlämmers Fernsehauftritte der letzten Jahre im Film nicht übertroffen werden. Kerkeling erreicht die Höhe des großen Provokateurs Sasha Baron nicht, so schafft er nicht, Rüttgers vorzuführen. Bei Özdemir gibt es nichts vorzuführen, der macht einfach mit, weil er doch so nett ist.

Was der Film klar macht, das ist die allgemeine politische Misere Deutschlands. Schlämmer entspricht der Trostlosigkeit des realen politischen Lebens, er spiegelt sie. Damit ist schon alles gesagt. Am Rande will ich eins noch nicht vergessen: Dass die festangestellten Moderatoren der Fernsehnachrichten im Film mitmachen, ist aus meiner Sicht die Verletzung der ethischen Vorschriften, was aber auch nur auf dasselbe hinaus läuft. Bettina Schausten vergisst das, wenn sie den anderen Spiegel vorhält.
Ich verlinke hier noch lesenswerte Kritiken von Rüdiger Suchsland, Peter Zander, Oliver Jungen:

Horst Schlämmer heißt nicht nur fast genauso wie der jetzige Kölner Oberbürgermeister, Fritz Schramma, er sieht auch fast genauso aus und redet fast genauso. Aber blitzgescheit ist er, so gescheit wie sein Hochleistungsdarsteller Hape Kerkeling eben. Und nach dieser Intelligenz, mag sie hier auch weggegrunzt werden, dürstet es das ausgetrocknete Land. Denn es ist nicht der Egoismus der Politik und nicht der Zynismus des Showgeschäfts, der in Kerkelings grundsolidarischem Humor seinen Ausdruck findet, sondern das zutiefst Menschliche, das man ansonsten zu verstecken gelernt hat in der Schamgesellschaft. Denn was macht Horst Schlämmer, dieses schnaufende Lamm Gottes? Er sieht Marotten und nimmt sie an, damit man mit Schlämmer über Schlämmer lacht, nie über die anderen. Horst Schlämmer, zur Schande für alle anderen Mitglieder der Kaste sei es gesagt, wäre der Politiker, dem man sich anvertraut. Denn Horst Schlämmer, das sind wir.

Einen direkten Vergleich zwischen der Kunstfigur Schlämmer und den realen Politikern zieht der Politikberater Michael Spreng durch. Es gibt auch Zeitungen, die bei der Berichterstattung zu dem Thema Fehler machen. Zum Beispiel Jörg Schindler im Kölner Stadt-Anzeiger und genauso in der Frankfurter Rundschau, der Ursula Kwasny zur “immerhin CDU-Bürgermeisterin von Grevenbroich” leichter Hand kürt. In derselben Zeitung kann Ute Diefenbach den Regisseur des Films Angelo Colagrossi bei der Pressekonferenz nicht identifizieren (“ein Italiener, den niemand verstehen kann”).

Extra sei hier noch erwähnt, dass sich offensichtlich auch solche Leute finden, die mit der Spiegel-Bedeutung der Kunstfiguren Kerkelings nicht viel anfangen können. Es gibt darunter hochgebildete Snobs, die auch “Hurz” für gute Musik halten und sich wundern, dass diese von Kerkeling selbst runtergemacht wird (Link). Es gibt auch Politiker (Ramsauer), die schon im “Zirkus” das eigentliche Problem der Politik entdecken. Ich glaube, davon wird im Laufe der Tage noch mehr kommen. Das ist einerseits amüsant, andererseits bestätigt noch einmal mehr die triste Atmosphäre im Lande, in dem eine satirische Darstellung der Misstände für schlimmer gehalten wird als diese Misstände selbst. Exemplarisch dafür ist insbesondere der neidische Hajo Schumacher, der sich im Offenen Brief direkt an Horst Schlämmer wendet:

Sie sind nicht relevant. Sie saugen sich einfach nur fest an diesem Land, Sie sind eine Zecke am Allerwertesten der Demokratie. Sie nutzen deren Freiheiten, um sie lächerlich zu machen. Das ist nicht komisch, sondern schwach.

Auf eine verrückte Weise bestätigen solche Invektiven nur, dass der Schlag ins Gesicht die Richtigen trifft. Wie das auch immer mit der Satire ist. Die Folgen werden von Stefan Niggemeier (hier und hier, das Meiste wird wie oft bei ihm in den Kommentaren ausformuliert) besprochen, wobei Hajo Schumacher da erstaunlicherweise mitmacht und sich vorführen lässt. Kerkeling (als Schlämmer) erscheint da auch und macht den Klamauk komplett:

also liebe freunde
isch existieren wirklich – da muss ich dem hajo recht geben!
achim steht auch voll auf hasenpauer als dauerläufer, weiste.
und immer schön wähln gehn oder laufn …
euer horst

und bitte: Streit euch nich meinetwegen, weiste.
Lohnt doch nich, Schätzeleyen

Zum Schluss verlinke ich noch YouTube-Clips, die zu diesem Posting passen. Zuerst die Pressekonferenz zum Film:

Und weil die schönsten Auftritte Schlämmers dazu auch gehören, noch drei davon. Das sind die Preisverleihung 2006 (mit Anke Engelke als Ricky):

Die Begegnung mit Claudia Schiffer und Thomas Gottschalk:

und zuletzt den Klamauk mit Damen Herman und Tietjen:

 

Wer will schon ein Kaninchen sein? Sonntag, 14. September 2008

Filed under: Deutschland,Film,Geschichte — peet @ 22:16 Uhr
Tags: ,

Nachdem der Film “Das Kaninchen bin ich” (1965) von Kurt Maetzig im Fernsehen gezeigt wurde, bin ich schwer beeindruckt. Der Streifen wollte das System gar nicht angreifen, sondern nur tauwettermäßig kritisieren, und doch sagt er heute die Wahrheit über damals: Menschen lebten trotz der unmenschlichen Regimepolitik. Es ist sehr bedrückend in dem Realismus der Darstellung, stark auch im Vergleich zur Gestaltung der weiblichen Hauptrollen bei Antonioni und Godard.

Wie voreingenommen und zweidimensional wirkt dagegen “Das Leben der anderen”!

 

Der goldene Kompass im Vergleich Sonntag, 30. Dezember 2007

Filed under: Film,Literatur — peet @ 12:25 Uhr
Tags:

Gestern war ich im Kino: “Der goldene Kompass”. Und neulich schaute ich im Fernsehen einen der Harry-Potter-Filme und einen der Herr-der-Ringe-Filme an, was ich früher stets verweigert hatte. Der Vergleich ist wohl nicht komplett, da ich den Narnia-Film nicht gesehen habe, und doch will ich thesenmäßig festhalten:

1. Lyra wirkt agiler, mutiger und selbständiger als Harry Potter und die Hauptfiguren aus dem “Herr der Ringe”-Film. Diese sind elende Versager, die sich nur durch Magie und meist ungeahnt retten können. Dazu kommt noch der meilenweite Unterschied in der schauspielerischen Qualität. Das Mädchen erscheint lebendig und sympathisch, sie kann als Projektion für die Selbstidentifizierung gelten.

2. Lyra kämpft zusammen mit ihrer Truppe gegen das Böse, und zu ihr gehören sowohl Kinder als auch Erwachsene, Tiere, Magier etc. In den zwei anderen Filmen sind es Kinder, die gegen die Erwachsenen auftreten: Eine ganz andere Dimension, die auch viel mehr die Subkultur von Jugendlichen propagiert und vermarktet.

3. Lyra ist ein weibliches Kind und schließt eine Marktlücke, denn alle anderen Hauptfiguren der Fantasy-Welten sind Jungen.

4. Der Film ist nicht ganz frei von Gewaltszenen, insgesamt aber auch für Kinder zumutbar, auch wenn die herzzerreißende Szene in der Trennungsmaschine an die Grenze des zu Ertragenden geht. Die zwei anderen Filme sind zu gewalt- und horrororientiert und vermitteln den Eindruck, als ob deren Autoren im Auftrag der Industrie Kinder zum Konsumieren von Horrorstreifen verleiten wollen.

Ich erspare meinen Lesern diesmal die Auswertung der Kritiken: Ich habe diese vier Thesen in keiner der von mir gelesenen Rezensionen vorgefunden.

Dann muss ich jetzt wohl das gepriesene Buch von Pullman lesen.

 

Bourne III und die Presse Samstag, 8. September 2007

Filed under: Film,Medien — peet @ 14:08 Uhr
Tags: ,

In der Beurteilung des neuen Films über Jason Bourne (“Bourne Ultimatum“) liegen die Verhältnisse überraschend anders als sonst: Die meisten Rezensionen sind voller Begeisterung und Lob – nur wenige, wirklich ganz wenige Autoren erlauben sich Kritik.

Meiner Meinung nach ist dieser Film misslungen. Die Montage ersetzt hier die Filmkunst, dabei auf eine zersetzende Art mit dem Plan, rhythmisch zu wirken. Man kommt fast ohne Personengestaltung aus, fast ohne Sinngebung, ohne mimisches Spiel, ohne Übergänge bei der Story. Was übrigbleibt, ist Aktion, aber auch sie zerfällt durch ein viel zu schnelles Tempo. Die einzige der großangelegten Szenen, welche ich bereit bin zu akzeptieren, ist diejenige in London, die darauffolgenden – in Tanger und New York – sind offensichtlich erst auf dem Bildschirm des Editors entstanden. Ich würde das Resultat als eine Monotonie des Schnittes bezeichnen. Spannung und Brutalität werden hier nicht mit einer Prise von Menschlichkeit ausgeglichen, wie in den ersten zwei Teilen.

Die Presse jubelt allerdings so überschwenglich, dass sich mir der Verdacht aufdrängt, dass die Autoren weniger vom Kino verstehen als von der Vermarktung. Schade.

In der amerikanischen Presse habe ich nur einen einzigen Verriss gefunden, der mir zusagt, nämlich in der Zeitung “Seattle Post-Intelligencer” (Link). William Arnold schreibt:

With virtually every sequence shot like a battlefield documentary — from a jerky hand-held camera framed extremely closely — and edited like an MTV music video, the movie is so surreal it’s just not very involving. As an action extravaganza, it’s busy but dull. […] Greengrass’ effort to make his film the last word in tightly framed, nervous-camera action scenes is fairly disastrous. Most of the sequences are such a mess that we simply can’t tell what’s happening in them. The cumulative effect is boredom.

This semidocumentary style — which tries to put the viewer right in the action, instead of viewing it from outside — is a recent trend that has been increasingly creeping into Hollywood filmmaking since “Batman Begins” in 2005.

And, used more sparingly, it worked for Greengrass in his earlier films “Bloody Sunday” and especially “United 93,” in which the claustrophobic confusion of the visuals eerily re-created the feel of what it must have been like on that ill-fated flight.

But it’s not at all suited to an epic action blockbuster. The $100 million spent on “Bourne 3″ seems a waste because most of the movie is just a blur on the screen. It cries out for a few long shots to orient us as to what the heck is going on.

In der deutschen Presse ist nur Jürgen Kiontke in der Zeitung “Jungle World” kritisch (Link):

Bloßes Tempo herzustellen, scheint die letzte Zuflucht des Mainstream­kinos zu sein. Überhaupt ist die Geschwindigkeit das derzeitig Entscheidende des Kinofilms, wie sonst nur, extrem langsam, im Doom Metal: Während die Arthouse-Regisseure ihr Heil ein ums andere Mal im demonstrativen Abfilmen von Stillstand suchen, soll es im Haupt­haus so rasant zugehen, dass der Verstand den Bildern nicht mehr hinterherkommt. […] Es geht um pure Geschwindigkeit, sie hat kein Sujet, und sie erzählt auch nicht von viel mehr als von Mord. […]

Ein weiteres Element der Hochgeschwindigkeit: Einsatz, Optik und Wahrnehmung von Schusswaffen. Früher feuerte der Held oder Bösewicht, und es gab einen großen Knall. Heute scheint die Kamera sich auf die Perspektive des Einschlags zu konzentrieren. Wir stehen zwischen den Getroffenen und neben ihnen, wenn die Kugeln in ihre Körper einschlagen. Es handelt sich um bloße, unvermittelte und rasende Wirkung. Die Kriegs- und Schusswechsel­szenen wirken um ein Vielfaches brutaler und unkon­trollierbarer.

Man erlebt den Tod mit den Getroffenen schneller, als man einen Schützen jemals lokalisieren kann. Entwickelt wurde diese Einschlagsoptik wohl von Steven Spielberg in der Anfangssequenz von »Saving Private James Ryan«, kurioserweise sollten hier die Fotografien des D-Day, der Landung der Alliierten in Frankreich, ihre Entsprechung im Kino erhalten. […]

Etwas neutraler, aber immer noch aburteilend äußert sich Ekkehard Knörer beim Perlentaucher (Link):

Greengrass gönnt dem Betrachter kaum einen Moment der Ruhe und Orientierung, aber gerade diese künstlich hochgepeitschte Dauererregung führt schnell zur Ermüdung. Zwar schreit beinahe jedes Bild dieses Films “Action”; jeder Zusammenhang von Bewegung und Raum zerfasert aber bis hin zur Unlesbarkeit des Geschehens: etwas bewegt sich, Jason Bourne rennt, Jason Bourne springt über Gassen von Fenster zu Fenster, hier ein Verfolger, da ein Verfolger, Jason Bourne kämpft auf Leben und Tod.

Man wird von den Bildern abgewatscht wie ein heillos überforderter Boxer, Schlag folgt auf Schlag. Je länger dies Bilder-Stakkato auf einen niedergeht, desto klarer wird aber eine fatale Inkongruenz. Es ist ein Mangel an innovativen oder originellen Ideen, der hier verdeckt wird von der Mimikry ans Dokumentarische. Hinter der aufgewühlten Bildproduktion liegen die üblichen Versatzstücke von Liebe und Verrat, Abziehbilder böser Geheimdienstaktionen und noch an der Amnesie des Helden ist nichts, das aus unzähligen anderen Geschichten nicht längst vertraut wäre. So tut dieser Film auf höchst künstliche Weise einfach und haspelt sich orientierungslos durch Raum und Aktion. Die hinter der Action gähnende Leere frisst sich aber, je länger das dauert, hinein in die Bilder, in die Figuren und zuletzt auch ins Hirn des Betrachters.

Die anderen zahlreichen Texte zitiere ich nicht, sie sind fast ausnahmslos unkritisch. Zu den Besten von ihnen würde ich Texte von Franz Everschor (Link) und Daniel Bickermann (Link) zählen. Ein Beispiel der plumpen Politisierung liefert Fritz Göttler bei der “Süddeutschen Zeitung” (Link):

Jason Bourne ist der Mann der George-W.-Bush-Ära. […] Ein Subversiver, ein Anarchist – das gilt auch für Greengrass, der ein Linker geblieben ist, auch wenn er sich nun seinen Traum verwirklichen kann, großes Kino in Amerika zu machen. Bourne ist gewissermaßen Politik von unten, von ganz unten. “Die Leute reden von Bush und Blair”, sagt Greengrass, “als würden sich zwei Herrscher auf einem Feld treffen und einfach mal so beschließen, in den Irak einzumarschieren … Ich finde, das ist keine hilfreiche Art, die Welt zu verstehen.”

Nur noch ein Zitat vielleicht doch, denn eine antisemitische Filmbesprechung habe ich noch nie gelesen, jetzt aber (Link):

Vosen ist ein Überzeugungstäter und beileibe nicht das, was man einen unmoralischen, schlechten oder bösartigen Menschen nennen würde. Eher jemand, der aus beruflichen Gründen seine Skrupel beim Concierge in der Empfangshalle des Bürokomplexes abgibt. Hierarchisch vor Vosen und an der Spitze des Systems steht Ezra Kramer, eine weitere Figur mit jüdischem Klang also.

Zu dieser Glanzleistung gratuliere ich Sascha Keilholz und die Internetseite critic.de.

 

“Transformers” in der Presse Dienstag, 14. August 2007

Filed under: Film,Medien — peet @ 8:03 Uhr
Tags: ,

Ich bin in diesem Fall eine Geisel meines früheren Textes. Wenn ich schon einmal die Pressekritiken über den Film “Die Insel” analysiert habe (Link), dann muss ich wohl wenigstens etwas zum nächsten Film von Michael Bay kritzeln.

Transformers” ist ein schlechter Film, es lohnt sich nicht, ihn sich anzusehen, wenn man im Besitz eines guten Geschmacks ist. Mein Fehler war es, aus den Ankündigungen zu schließen, Effekte seien toll. Tja, genau das stimmt in erster Linie nicht. Die filmtechnische Umsetzung der Bilder, die digital entstanden sind, geht über die Auffassungsgabe eines Cineasten hinaus. Die Verwandlungen der Roboter und deren Kämpfe miteinander – der eigentliche Sinn des Films – verlaufen viel zu schnell, so dass Bilder auf der Wand so schwammig ineinander fließen, dass man davon kaum was hat. Ich betrachte dies als einen gravierenden und entscheidenden Fehler.

Es gibt darüberhinaus nichts zu berichten.

Jetzt die Presse. Es gibt richtige, zerreißende Kritiken. Ich habe die in diesem Sinne besten erfreulicherweise überall gefunden, in der amerikanischen und deutschen Presse. Einige Fragmente und Links:

…a movie of epically assaultive noise and nonsense. Originating with the shape-shifting toys — created in Japan, rebranded in America — that transform from robots into stuff like cars and planes, then back again, the movie has been designed as the ultimate in shock-and-awe entertainment. The result is part car commercial, part military recruitment ad, a bumper-to-bumper pileup of big cars, big guns and, as befits its recently weaned target demographic, big breasts. […] The movie waves the flag equally for Detroit and the military, if to no coherent end. Last year the director of General Motors brand-marketing and advertising clarified how the company’s cars were integral to the movie: “It’s a story of good versus evil. Our cars are the good guys.” [Manohla Dargis in “New York Times” (Link)]

Transformers is mercilessly inhuman and completely hysterical from frame one. […] Transformers is a showcase for next-level special effects, but its transformations deliver the idea of astonishing virtual engineering without exactly representing it. Each transformation sets off the super- complex shift/flip/pivot of a thousand hydraulics, hatches, gears, and gun barrels in an impressive, but largely unintelligible, blur. The press kit marvels at the construction of Optimus Prime, head of the Autobots, an 18-wheeler tractor-trailer comprising 10,108 moving parts—of which perhaps 500 register to the human eye. I can image warehouses full of animators and designers fastidiously constructing these frame-by-frame mutations, ensuring the proper fit and shine of every steel plate, oblivious to the dissolution of their craftsmanship when accelerated into the larger action. “More than meets the eye” has been delivered far too literally.

When Bay decelerates for the obligatory post-Matrix slo-mo showstoppers, the result is, well, show-stopping: corkscrewing fighter jets flower into automatons—leaf on leaf of deadly hardware snapping into place as they unload missiles or a hailstorm of bullets, then compact back to flight, zipping through the street upending a spectacular path of flaming vehicles in their wake. When graspable, the shit is off the hook, and there’s enough to latch onto in the outrageously sustained finale to send you staggering out of the dark stammering, “Whoa. . . . “

But by and large—and we’re talking really friggin’ humongous here—Bay is ignorant of what Steven Spielberg, serving as a producer, has always understood about action: Any yahoo can yield a couple hundred million dollars and max out the CGI, but it takes old-school filmmaking chops to connect synthetic mayhem to the gut. [Nathan Lee in “Village Voice” (Link)]

Thus far, the summer of 2007 has been full of very loud, very unsatisfying action movies. Transformers tops them all – it’s louder, flashier, and more hollow than anything else out there. At 135 minutes, it drags – sometimes painfully so. The movie is top-heavy with exposition, and the only decent action scenes occur in the final 25 minutes. Despite an epileptic camera, those sequences are impressive from a special effects point-of-view, but they aren’t exciting. That’s because the characters are so poorly developed and the Transformers so singularly uninteresting that the question of who wins or loses doesn’t matter. All the effort behind Transformers went into making the robots look cool; nothing went into developing a compelling storyline. […] Transformers isn’t clean, big-budget fun; it’s clean, big-budget tedium. For Transformers fans, I suppose this is a dream motion picture. For everyone else, it’s a nightmare. [James Berardinelli (Link)]

George Lucas war der erste Filmemacher, der sich die Einnahmen an den Nebenprodukten seiner „Star Wars“-Filme auszahlen ließ. Heute sind Arrangements zwischen Filmstudios und Spielzeugherstellern oft Voraussetzung dafür, dass Filme überhaupt entstehen. Im Falle der Transformers aber verlief die Verwertungskette in umgekehrte Richtung: das Spielzeug ging den Serien, Comics und Filmen voraus. 1984 hatte die Reagan-Regierung das Kinderfernsehen „dereguliert“, Werbebeschränkungen wurden aufgehoben. Eine ganze Reihe von Werbesendungen in Gestalt halbstündiger Trickserien fand daraufhin den Weg ins Fernsehen. Das gute Geschäft findet im Kino seine Fortsetzung. Drei Millionen Transformer-Figuren konnte Hasbro, der zweitgrößte Spielwarenhersteller der Welt, verkaufen – seit Juni dieses Jahres.

„Transformers“ zeigt aber auch Spielzeug für Erwachsene. Seit „Top Gun“ hat es im Kino keine derart verherrlichende Feier des US-Militärs mehr gegeben. Michael Bays Beziehungen sind gut: das Militär kann sicher sein, dass es in seinen Filmen glanzvolle Auftritte bekommt. Das Verteidigungsministerium bedankt sich auf seiner Website für die gute Zusammenarbeit: „Die Kooperation mit der Unterhaltungsindustrie gibt dem Militär eine menschliche Seite“, lässt sich Air Force Chief Master Sgt. Mike Gasparetto, zuständig für Anwerbung, zitieren. „Es ist ein großartiges Mittel zur Markenbildung.“ So gelingt „Transformers“ eine unheimliche Kreuzung: es ist Verkaufsmaschine für Kinderspielzeug und Rekrutierungsclip fürs Militär zugleich. […] Es ist ein unförmiger und entsetzlich dummer Film. In den Vereinigten Staaten war er dennoch ein großer Erfolg: 273 Millionen Dollar hat „Transformers“ in nur vier Wochen eingespielt. Michael Bay versteht das Kino fast ausschließlich als Raum zur Entladung von Bild- und Tonsensationen. Konflikte, Expositionen und Entwicklung gibt es kaum. Dem organisch zusammengesetzten Dreiakter, in Hollywood mehr denn je das Maß der Dinge, setzt Michael Bay ein Kino hektischer Überhitzung entgegen. Fortwährend befindet sich seine Kamera in Bewegung, doch die Bilder fließen nicht, sie schlagen ein, oft mehrmals in der Sekunde. Selbst einfache Dialogszenen sind zusammengesetzt aus vielen kurzen Einstellungen, die nur in ungefährer Zeitfolge aneinander anschließen.

Das Resultat ist Michael Bay in Reinform, vor allem im Finale: eine halbstündige Zerstörungsorgie in den Häuserschluchten von Los Angeles, wie gewohnt im warmen Gegenlicht der untergehenden Sonne. Man kann zwar erkennen, wann es beginnt und wann es endet; was hier aber geschieht und warum genau, wer sich wo befindet und in welche Richtung bewegt, das ist nur näherungsweise in eine Ordnung zu bringen. Mit einer Kamera, die meist ganz nah dran ist, einer Tonspur, deren Dauerhagel gewaltig in den Magen fährt – gäbe es nicht hier und da noch Dialog- und Handlungsreste, man könnte fast von einem expressionistischen Film sprechen.

Erst das menschliche Hirn setzt Einzeleindrücke sinnverbindend zusammen. Deshalb halten wir eine Projektion von 24 Bildern in der Sekunde für ein einziges Bewegtbild; deshalb nehmen wir zusammengefügte Sequenzen als einheitliche Szene wahr, selbst wenn sie aus unterschiedlichen Perspektiven aufgenommen wurden. Michael Bays Stakkato verlässt sich auf dieses Talent – wendet sich allerdings an Hirne, deren Auffassungsgabe an Musikclips und Bildschirmspielen geschult ist.

Das berührt die Regeln der Montage fiktionaler Filme grundsätzlich: Statt aus einer logischen Abfolge von Handlungspunkten setzt sich Bays Trümmer-Kino eher aus atmosphärischen Bild- und Tonräumen zusammen, innerhalb derer – ähnlich wie in fünfminütigen Musikclips – die Reihenfolge der Einzelbilder kaum mehr von Belang ist. [Sebastian Handke im “Tagesspiegel” (Link)]

Der Regisseur Michael Bay (Bad Boys 1 + 2, Armageddon, Pearl Harbor) hat den Roboterkampf mit etwa drei Dutzend bekannten Blockbuster-Motiven zu einer sagenhaft kruden Handlung zwischen patriotischem Kriegsfilm, Action-Spektakel und Highschool-Lovestory verrührt. Er bedient sich bei E. T., Robocop und Stirb langsam, klaut die esoterisch wabernde Mächte-Philosophie von Star Wars, die harten Jungs bei der amerikanischen Armee, die seinen Film bereitwillig unterstützte, und die hormongetränkten Highschool-Witze bei American Pie. Neutral gesagt, ist Transformers ein einziger lang gezogener Transformationsprozess und damit ein Kino, das sich selbst zur Metapher wird. [Katja Nicodemus in der “Zeit” (Link)]

Wer mag, kann die allem Diskursiven von Herzen abgeneigte abgrundtiefe Arglosigkeit dieser “Transformers” schätzen, die für alle Zehnjährigen ein Heidenspaß sein müssen.

Andererseits ist es für denkende Menschen auch wieder nicht so einfach, über das infantile Menscheln hinwegzusehen, das den Film und auch die Roboter immer dann überkommt, wenn gerade keine Verwandlungs- und Zerlegungsvorgänge anstehen. (Es wird einem dann auch klar, warum Steven Spielberg hier als führender Produzent tätig war.) Es bleibt von den “Transformers” zuletzt summa summarum nicht mehr als mitunter ohrenbetäubender Lärm um nichts. Man sieht jeden Dollar, der in dem Film steckt, aber man sieht auch, wie er sich Szene für Szene in totale Substanzlosigkeit zersetzt. Das ist schon ein Schauspiel, auf seine Art. Aber eher nicht für erwachsene Menschen. [Ekkehard Knörer beim “Perlentaucher” (Link)]

Hier erlaube ich mir doch noch einen Kommentar: Warum um Gottes Willen soll dieser Film an die Kinder herangelassen werden? Warum soll er einer falsch verstandenen Jugendsubkultur entsprechen oder sie fördern? Was soll das? Genauso nebenbei werden Kinder in einer ansonsten sehr gut geschriebenen Kritik von Martin Thomson (Link) behandelt:

Indes sollte sich der Besucher dieses filmischen Kinderkarussels zwei Fragen stellen, von deren Beantwortung er den Erwerb einer Kinokarte abhängig macht: erst einmal, wie sehr er sich in der Lage sieht, sein geistiges Alter herunterzuschrauben um dem Film mit der notwendigen Faszination entgegentreten zu können und zweitens, für wie beschützenswert er seine Nostalgie im Angesicht eines ausgewachsenen Kindes erachtet, das den Spielplatz gegen den Regiestuhl getauscht hat, um freundliche Plastikfiguren aus der Kinderschublade für aufwendige Computeranimationen eines viel zu teuren Films zu mißbrauchen.

In vielen Leserkommentaren und Blogeintragungen zeigen sich Bewunderer des Films als aggressive Analphabeten und ewig pubertierende Popcornkonsumenten. Mir scheint das keine Frage des Alters zu sein. Bezeichnend sind in diesem Sinne Zuschriften beim “Stern” (Link) oder bei der “Welt” (Link). Dieses gerne zahlende Publikum wird auch von vielen Textern werbemäßig bedient – zum Beispiel von Jürgen Armbruster (Link):

Natürlich ist „Transformers“ kein Shakespeare. Das möchte der Film aber auch gar nicht sein. Es gibt das teure 5-Gänge-Menü im Sterne-Restaurant und es gibt Eiscreme. „Transformers“ ist schmackhafte, dickmachende Eiscreme, die insbesondere im Sommer einfach immer hin und wieder sein muss. Was Michael Bay hier abliefert, ist relativ nah dran am perfekten Sommerblockbuster und ein echter Männerfilm bzw. ein Film für das Kind im Manne. Popcornkino in Reinkultur. Vorwerfen kann man dem Film unter dem Strich eigentlich nicht viel. Wahrscheinlich wurde „Transformers“ mit minimalen Abzügen sogar der beste Film, der sich aus diesem Stoff hätte machen lassen. Produzent Tom DeSanto bringt die Sache auf den Punkt: „I think it’s going to be something the audience has never seen before. In all the years of movie-making, I don’t think the image of a truck transforming into a 20-foot tall robot has ever been captured on screen.“ Wie recht er da hat. Die ersten Einspielergebnisse lassen auf einen Monsterhit schließen, so dass es nur wenig verwundert, dass bereits jetzt die Vorbereitungen für einen zweiten Teil laufen. Und warum eigentlich nicht? So lange das sicherlich kommende Sequel ein ähnlich knallendes Abenteuer wie diese „Transformers“ werden, sind wir gerne dabei…

Genauso oder gar schlimmer schreibt Michael Kohler in der “Frankfurter Rundschau” (Link):

Michael Bays’ spektakuläre Endzeitvision ist ein erstaunlich vielfältiges Erlebnis, das sich nach dem Vorbild seiner Heldenfiguren beständig transformiert: Es schickt markige Grüße aus der Kindheit, macht ewigjunge Männerfantasien wahr, mildert sein Kriegsgeschrei mit ironischen Ausflügen in die Teenagerkomödie und wird zwischenzeitlich sogar richtig philosophisch.

Noch schlimmer, ungezügelter wirbt Thorsten Hanisch (Link):

Denn sobald die ersten Roboter auftauchen, werden die Knie weich. Und wenn die Action beginnt, sollten nicht nur Fans der Serie anfangen zu weinen vor Freude.
Bay und Produzent Spielberg haben Wort gehalten: Die zahlreichen Internet-Clips vermitteln nur eine leise Ahnung, von dem, was da auf der Leinwand abgefackelt wird. Für Filme wie TRANSFORMERS werden Kinos gebaut, solch eine wuchtige Materialschlacht gab’s seit STARSHIP TROOPERS nicht mehr zu sehen, die Qualität der Effekte dürfte den Maßstab so hoch wie anno dunnemals der selige TERMINATOR 2 – TAG DER ABRECHNUNG legen, hier sieht sieht man die Dollars endlich mal wieder auf der Leinwand und nicht nur auf den Papier, wie es zuletzt so oft PIRATES OF THE CARIBBEAN – AM ENDE DER WELT, SPIDER-MAN 3, GHOST RIDER, fast alles aus dem Hause Lee Tamahori…) der Fall war. Das Tolle ist auch: Michael Bay, quasi Erfinder der trendigen Wackel-Kamera hält sich hier vergleichsweise zurück, man kann die fantastische Arbeit der Effektleute würdigen, nur gelegentlich wird’s wieder recht zackig.
TRANSFORMERS ist ein audiovisuell überwältigendes Erlebnis mit Herz, Eventkino wie es sein sollte, für das man gerne den Obolus an der Kinokasse entrichtet und das nicht am Tag drauf wieder vergessen sein wird.

Ähnlich auch Zoran Gojic im “Merkur-Online” (Link). Etwas ausgeglichener, aber trotzdem Werbung:

Man merkt schnell, dass außer den Metamorphosen der Maschinenwesen nichts originell an dem Film ist. Es ist geradezu so, dass sich „Transformers“ alle Augenblicke selbst zu einem anderen Film auseinanderfaltet, mal zu „Godzilla“ oder „King Kong“, mal zu „Terminator“ oder „RoboCop“, mal zu „Christine“ oder „Herbie“. Und dann faltet er sich wieder zusammen und ist ein ganz normaler doofer Michael-Bay-Film, in dem jeder ein Held sei und das Mädchen kriegen kann, wenn er nur bereit ist, Opfer fürs Vaterland zu bringen. Der Unterschied ist nur, dass diesmal nicht Jerry Bruckheimer, sondern Steven Spielberg ihn produziert hat und er deshalb ans Gute im Spielzeug glaubt. [ Michael Althen in der FAZ (Link)]

Genauso scheinheilig sieht es aus bei der Besprechung auf der “Molodezhnaja.ch”-Seite (Link). Einen einzigen bescheidenen Versuch, sich gegen Lobhudeleien in der Presse zu wehren, fand ich nur bei Michael Meier in den “Nürnberger Nachrichten” (Link):

Die Unfähigkeit Bays, sein technisches Wunderwerk wenigstens notdürftig dramaturgisch zu unterfüttern, steht für das Totalversagen der Regie. Fällt den sichtlich faszinierten Kids im Publikum eigentlich nicht auf, dass Sam (Shia LaBeouf), der jugendliche Held, immer wieder für längere Zeit völlig aus der Handlung verschwunden ist?

Erstaunlicherweise findet diese in den USA top-platzierte Monstrosität zuweilen auch bei der Kritik Anklang. Von der «zerstörerischen Kraft medialer Vernetzung» und dem «Charme der Gigantomie» ist die Rede sowie von soziographischen Analysen der Herren Bay und Spielberg (Produktion). Anstatt zu konstatieren, was zu hören und zu sehen ist: Grottenschlechte Dialoge, ein grafisch überzüchtetetes Fast-Nichts an Story und Nullkommanix an Spannung.

Das oben von mir angesprochene optisch-technische Problem des Films sieht auch der ansonsten nicht gerade subtil ideologiesierende Kritiker der Zeitung “Junge Welt” Peer Schmitt (Link):

Was nützen die aufwendigsten Effekte digitaler Animation, wenn die Transformationen der Gestalten aus unzähligen Bauteilen so schnell geschnitten werden, daß man gar keine Zeit hat, die Details überhaupt wahrzunehmen? Der Anblick wirrer Haufen von Bauteilen allein überwältigt nicht, wenn technische Überwältigung das Ziel war. Eine Einstellung dauert in diesem Film nicht länger als ein Augenblinzeln. Um alles mitzukriegen, bräuchte man Flugfähigkeit und Facettenaugen. »Transformers« hat also nicht nur Nichtmenschen als Helden, der Film ist eher für Insekten gedacht. Daher auch die geordnete Arbeitsteilung in der »Transformers«-Welt: Krieger, Arbeiter und Pin-up-Poster (der Ort für die Frau).

Alles in allem hat die Presse ihre Aufgabe in diesem Fall bewältigt, wer will, kann sich informieren. Man muss nur wissen, wo. :-)

 

Anna Magnani singt Donnerstag, 17. Mai 2007

Filed under: Blogging,Film,Musik — peet @ 21:26 Uhr
Tags: , ,

Das ist eine berühmte Aufnahme, die jedoch kaum zu finden ist. Seit einigen Tagen ist sie im italienischen Mediablog von diciche zu genießen (Link). Anna Magnani tröstet verwundete und sterbende Soldaten des Ersten Weltkrieges mit dem neapolitanischen Lied “O surdato innamorato” (1915). Meine Empfehlung – mit der älteren Aufnahme von Beniamino Gigli zu vergleichen. Wer den Film “La Sciantosa” (1970) nicht kennt, findet zwei Worte über ihn bei imdb (Link). Der Text des Liedes ist auch zu verstehen (Link).

Im verlinkten Blog sind übrigens viele schöne Fotos und allerlei Kunst zu bewundern.

 

 
Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 25 Followern an