Archiv für die Kategorie ‘Götz Aly’

1968-Buch von Götz Aly scheint…

Freitag, 7. März 2008

…gut zu sein: Die Zeitung “Freitag” tobt und findet bei der Buchkritik keine Argumente dagegen, nur Spucke und Galle (Link). Kein seltenes Beispiel einer negativen Besprechung, die sich positiv auswirkt, selbstverständlich gegen den Willen des Authors. Rudolf Walther ist unter anderem dafür bekannt, dass er die Kritik der antiisraelischen Fälschungen als “frivol propagandistisch” abtut…

Götz Aly rechnet weiter mit den 68er ab

Montag, 28. Januar 2008

Auch wenn es eine gut angelegte Werbung für das neue Buch von Götz Aly ist, das zuerst gelesen werden soll, um sich zu entscheiden, ob man diese Kampagne mitmacht, ist das schon der zweite Artikel vom ihm zum Thema ‘68er und heute’ (der erste war ein Interview). Diesmal - in der Berliner Zeitung und dem Inhalt nach - eine Sammelrezension. Unter anderem eine vernichtende Kritik des Buchs von Jutta Dithfurth über Ulrike Meinhof, viele Pointen und insgesamt lesenswert (Link). Am Ende:

Es hatte 30 Jahre gedauert, bis im Deutschen Bundestag das zentrale Problem der 15- bis 25-Jährigen von 1968 ausgesprochen werden konnte. Sie waren der Konfrontation um die NS-Verbrechen ihrer Eltern ausgewichen, suchten stattdessen die Völkermörder in Washington und skandierten in völliger Besinnungslosigkeit “USA-SA-SS”. Statt die familiäre Auseinandersetzung zu führen, stellten sie lieber das “System” in Frage. Statt sich mit dem allgegenwärtigen familiären Spuren des Nationalsozialismus zu beschäftigen, erklärten sie die liberal-demokratische Bundesrepublik für “faschistisch”. Das aber wird in den Büchern zu 1968 allenfalls zufällig gestreift. Stattdessen dominiert das analytisch schwache, blumige und gelegentlich sündenstolze Erzählen über eine wilde Jugend.

Von Götz Aly erscheint im März: “Unser Kampf. 1968 - ein irritierter Blick zurück”

UPDATE: In der “Frankfurter Rundschau” erschien noch ein großer Artikel von Götz Aly zum selben Thema (Link). Die “Bewegung” von 68er wird ausführlich mit der von 33 verglichen, zum Teil brisant. Am Ende wird das letzte Wort Kiesinger überlassen:

Bundeskanzler Kiesinger durchschaute das Spiel sofort. Ohne Abitur, als kleiner Leute Kind hatte er es dank der Begabtenförderung der Weimarer Republik zum Volljuristen gebracht und war 1933 der NSDAP beigetreten, weil er, wie er sagte, “national und nationalistisch nicht genügend klar unterschieden” hatte. Ihm erschien die moralisch verbrämte Überheblichkeit verdächtig, mit der sich die 68er-Studenten hauptsächlich für Konflikte engagierten, “die ihre Wurzel im Ausland haben”, gerade so als gäbe es in Deutschland nicht genug zu besprechen. Seiner Ansicht nach folgten sie der “merkwürdigen Illusion”, sie könnten so “aus der deutschen Geschichte fliehen”.

Dann konfrontierte er seine Berater mit der Frage: “Schwingt da nicht - gewissermaßen als Kehrseite - die Einstellung mit, ‚Am deutschen Wesen muss die Welt genesen’?” Da es still in der Runde blieb, antwortete er selbst: “Ich sehe darin eine schulmeisterliche, missionarische Umkehrung unseres früheren extremen Nationalismus.” Die Kraft, so auch öffentlich zu reden, fand Kurt Georg Kiesinger nie.

Götz Aly sieht die 68-er anders

Samstag, 29. Dezember 2007

In der TAZ von heute erlaubt Katharina Rutschky, sich von Götz Aly vorführen zu lassen. Vor diesem Hintergrund erscheinen seine Argumente und nachdenkliche Weise, sich selbst zu hinterfragen, besonders ehrlich und überzeugend. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre, insbesondere angesichts eines Schwalls der sinnlosen Plaudereien zum Thema in der Presse.

Darunter:

1967 siezten sich die deutschen Studenten ja noch. Da war man Fräulein Schmidt und Herr Aly. Man trug Faltenrock oder Krawatte und Jackett und kriegte einen Nervenzusammenbruch, wenn man zum Professor in die Sprechstunde musste. Aber all die Befreiungsschriften von damals sind Müll, unerträglich. Nicht nur die Theorie, auch die Schriften zu den Kinderläden. Es steht kein vernünftiger Satz drin, nichts, was man heute noch mit Gewinn lesen könnte. [...]

In Berlin war das das SDS-Trio Rudi Dutschke, Bernd Rabehl und Christian Semler. Natürlich haben wir damals “Die Rebellion der Studenten” gelesen. Aber da stehen Dinge drin, da zieht es Ihnen die Schuhe aus. Da sagt Dutschke sinngemäß: Wenn wir nach dem Tod von Benno Ohnesorg den Widerstand nicht fortsetzen, machen wir uns zum Juden. Stellen Sie sich vor, ein brandenburgischer Bürgermeister würde heute sagen: Wenn wir den Widerstand gegen eine Müllverbrennungsanlage oder ein Ausländerheim nicht fortsetzen, machen wir uns zum Juden. Der Kerl würde morgen im politischen Orkus verschwinden. Aber damals war Dutschke ein Vorbild. Das Radikale war schön. Man konnte die Welt erklären und hatte immer Recht. Das war wunderbar. Wenn man sich heute anschaut, womit wir diesen eigenen kulturellen Raum füllten, erfasst einen das Grauen. [...]

Die Mehrheit der Studenten an der Freien Universität waren Krawallschwaben. Sie kamen aus dem süddeutschen Raum, aus relativ autoritären Elternhäusern. Es waren regelrechte Repressionsflüchtlinge. Und diese süddeutschen Staaten, die reformunfähig waren, Bayern, Baden-Württemberg, auch Nordrhein-Westfalen, haben ihr Rebellionspotenzial in dieses relativ freie, reformerisch-sozialdemokratisch regierte Westberlin abgeschoben. Sie haben das Problem ausgelagert. [...]

Die Frage ist doch, warum junge Deutsche auf Agnolis Parlamentarismuskritik, die inhaltlich und lebensgeschichtlich beim Faschismus anschloss, so abgefahren sind. Und warum wir Mahnungen von Löwenthal, Dahrendorf und anderen überhört haben. Und warum heute niemand weiß, dass 1968 das Jahr mit den meisten NS-Prozessen in der Geschichte der Bundesrepublik und den meisten lebenslänglichen Verurteilungen war. 1968 enden 30 riesige Prozesse, 23 mit lebenslanger Haftstrafe. 1968 sind an die 3.000 neue Ermittlungsverfahren neu eröffnet worden. Doch für die Studentenbewegung war das kein Thema. Es gab kein Teach-in dazu, Sie finden in keiner linksradikalen Zeitung dazu Artikel. [...]

1967/68 war Ausdruck einer Gesellschaftskrise der Republik, die Studenten zeigten die deutlichsten Symptome dieser Krise. Die Gesellschaft hat sich in dieser Krise erneuert - im Erziehungssystem, im Schulwesen, in dem, was man unter Pressefreiheit versteht, in der Offenheit der eigenen Geschichte gegenüber. [...]

Die Revolte war nur das Symptom. Die Achtundsechziger haben daran keine besonderen Verdienste.

Noch einmal “Der Untergang”

Samstag, 4. Februar 2006

Christina Maria Berr erzählt in der “Süddeutschen” vom 1.2.2006 über eine Podiumsdiskussion, bei welcher sie Götz Aly und Romuald Karmakar zugelauscht hat:

So kritisierte Aly, der im vergangengen Jahr mit seinem Buch “Hitlers Volksstaat” für Debatten sorgte, das Dokudrama “Speer und Er” von Heinrich Breloer: “Der Film ist aus historischer Sicht Geschichtsklitterung.” Im Film “Der Untergang” von Bernd Eichinger und Oliver Hirschbiegel findet Aly nur die darin vorkommenden Geschichtslügen interessant. “Unter historiographischen Gesichtspunkten ist es vollkommener Blödsinn.” Ein positives Beispiel ist ihm stattdessen “Der Pianist” von Roman Polanski, die Geschichte um die Deportation eines Pianisten ins Warschauer Ghetto. “In diesem Film stimmt jedes Detail.”