Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Ein Videogedicht? Montag, 16. August 2010

Filed under: Blogging,Film,Kunst,USA,YouTube — peet @ 13:51 Uhr
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Seit einigen Tagen wird ein Videoclip verlinkt, mit Begeisterung weiter empfohlen. Die eine Version ist bei Vimeo zu sehen, die andere, etwas reifere bei Youtube:


Autoren sind Daniel Mercadante und Will Hoffman. Bei den Bewertungen und Beschreibungen wird diese Produktion als Videogedicht (“modernes Gedicht“) gelobt, als “eine Art assoziativer Montage” “im Sinne von Eisenstein” klassifiziert. Oder als “a visual interpretation of stream-of-consciousness“. Noch konkreter wird es im Kommentar von der Hoepp (bei iGNANT):

Wie der Titel schon sagt, geht es um Worte und unterschiedliche Bedeutungen. Es fängt mit “Play” an, geht über “Blow”, “Break”, “Split”, “run”, “fly”, “fall”, “light” zu “space”. Ich finds wunderbar, besonders Fly und Fall.

Die Notwendigkeit, die englische Sprache zum Verständnis des Clips mitzubringen, betont auch Cinematze.
Dazu:
1. Die Poesie lebt nicht nur von Reimen. Diese Art, die Haiku- oder Hokku-Technik in die Videomontage zu verwandeln, erinnert mich viel mehr an die übliche Krankheit der Prosachreibenden – Alliteration. Ich mag das auch, all Wortspiele, Klangspiele, Wortdrehungen, Buchstabenumstellungen usw. In der wahren Poesie sind sie ein Sprachmittel von vielen. In der Prosa werden sie normalerweise vom erfahrenen Lektor wegredigiert. Die Entscheidung darüber, ob ein Text poetisch ist, auch wenn es ohne Reime auskommt, ist manchmal schwer, für sich aber kein Problem. Es kommt auf die Intention des Autors an.
In der Videokunst ist dieser “Words”-Clip ein Ereignis, da Bilder assoziiert werden, die eine optische Ähnlichkeit haben. Faszinierend allemal.

2. Eine Montage in der Art von Eisenstein ist das aber nicht, da gerade die dynamische und parallele Montage fehlt. Eher eine Skizze. Es gibt kaum eine Idee, die mehr als nur eine witzige Assoziation wäre. Die Erhebung zum Höheren am Ende des Clips ist toll, keine Frage. Ein Haiku neben einem Poem wie ein Clip im Vergleich zu einem Film wie Beshinwiese (“Beschin lug”)?
3. Als ich den Titel “Words” gesehen habe, dachte ich zuerst irrtümlicherweise an den berühmten Song von F.R.David. Überhaupt die Notwendigkeit, Worte zwischen den Bildern und deren Verknüpfung einzubringen, dazwischen zu schalten, scheint mir ein Problem zu sein. Ich bin der Meinung, optische Reize sollten für sich sprechen. So zum Beispiel, wie es von einem Youtube-Meister mit einfachen Mitteln gepflegt wird, den man unter dem Nicknamen eggman913 kennt (eigentlich Philip Scott Johnson):

Andere Beispiele dieser Art habe ich schon erwähnt. Trotzdem die Vorstellung, bei der Geburt einer neuen Gattung – Videogedicht – dabei zu sein, ist großartig.

 

Ferror: Deutungsschwierigkeiten Samstag, 19. September 2009

Filed under: Israel,Kunst — peet @ 11:58 Uhr
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Vor zwei Wochen kam die Nachricht durch: Zwei israelische Künstlerinnen wollten sieben palästinensische Selbstmordattentäterinnen als christliche Madonnen ausstellen (Link), was zur öffentlichen Empörung geführt habe und zur Zurücknahme dieser Bilder. Auf dem Internet-Plakat kann man einiges erahnen, auf den vorhandenen Fotos leider nur einzelne Beispiele sehen (für die größere Darstellung bitte Bilder anklicken).

Ich habe mir langsam diese Bilder angeschaut und die Empörungsreaktion in den Zeitungsartikeln und Blogs angelesen. Ich sehe in dem Fall vielmehr innerkulturelle Probleme der israelischen Gesellschaft und kann den Grund für die Empörung im deutschsprachigen Raum nicht nachvollziehen.

Galina Bleich und Liliah Check stammen aus Russland, wurden dort zu professionellen Künstlerinnen ausgebildet und Anfang der 90er nach Israel gegangen. Folgerichtig sehen sie die Tradition der Madonnendarstellung anders, sie kommen aus St.Petersburg (mit der berühmten Eremitage) und haben in ihrer klassischen Ausbildung ganz bestimmt die christliche Abendlandkunst in sich als Ausgangsposition aufgenommen. In Israel gut angekommen, sind sie nunmal unter anderem auch von den Ängsten vor Terror betroffen, eine von ihnen war auch direkte Zeugin des Sebstmordattentats. So verarbeiten sie die Terrordrohung. Sie stellen sich die (durchaus feministische oder zumindest Genderdebatte-geprägte) Frage, wie eine Frau (=eine Mutter) morden kann? Sie benennen das Problem “ferror”, “feminist terrorism”. Es ist eine befremdliche Frage und das künstlerische Mittel soll heißen “Verfremdung”. Die politische Kunst darf provozieren.

Galina Bleich, one of the artists, is unapologetic. “I don’t understand how this turned into an insult to bereaved families. We came actually to emphasize the exact opposite. The baby in Madonna’s hands is in danger. This really needs to disturb people. It isn’t just an Israeli problem, but a global one. Therefore, we chose Madonna, who is a symbol of Christianity.
“This issue came up for me after I personally experienced a trauma when I was next to a terror attack on French Hill in Jerusalem. Ever since, I couldn’t stop thinking about it. It isn’t at all a political issue, but a personal issue. We are trying to ask how a woman, who is meant to love and give birth, became a source of hatred and murder. (Link)

Die meisten Betrachter sind unfähig darin eine Kunst zu sehen und fühlen sich persönlich angegriffen. Bezeichnend, dass die meisten Reaktionen typisch männlich aussehen:
If Ms. Bleich and Ms. Check had created a picture of Mohamed Atta nailed to the cross, and put 9/11 statistics on the card showing it, would Americans have been offended? (Link)
Had those “artists” been asked to go the whole nine yards in showing what they’re up to, they would also have displayed their painting of Hitler nailed to a cross, wearing a crown of thorns and a halo around his head (Link)
Es sind also solche Bilder, die hier gemeint sind:

Keine traditionelle Kunst. Zur Debatte steht die postmoderne Mischung aus modernen (nachgemachten) Fotos und Renaissance-Madonnen, unter anderem von Raffael (übrigens aus der Eremitage-Sammlung ), Botticelli, Leonardo.

Nur zeigen Bleich und Check die Perversion der christlichen Friedensbotschaft aus der weiblichen Perspektive heraus. Im Prinzip ist hier eine zweifache Perversion gemeint: christliche Madonnen als Symbol des Friedens als islamische heilige Frauen (was es nicht gibt). Eine Provokation? Natürlich. Ist sie gelungen? Offensichtlich ja.

 

Vergessliche Mona Lisa Freitag, 28. August 2009

Filed under: Kunst,Medien,TV,YouTube — peet @ 8:39 Uhr
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Eine faszinierende Ausstellung in China – lebendig gewordene Gemälde und Skulpturen. Gut und mit gutem Geschmack gemacht:

In den aktuellen Nachrichten wird das Einmalige der Idee betont – noch nie da gewesenes usw.
Mit einem Klick bei youtube lässt sich eine andere Information finden: Dieselbe Ausstellung war schon Anfang 2008 in Seoul (SüdKorea) erfolgreich präsentiert und wurde vor Neuem nach China verkauft (“Wang Hui, who brought the exhibition to China from South Korea, says the show required an investment of more than $7 million”):

Irgendwann wird das Projekt auch nach Europa kommen – sollen wir auch dann von der Einmaligkeit informiert werden?

 

Horst Schlämmer als Spiegel der deutschen Politik Samstag, 22. August 2009

Der Film von Hape Kerkeling über seine langjährige Kunstfigur Horst Schlämmer ist ein Ereignis. Künstlerich amateurhaft konzipiert und geschnitten, mit meist schwachen (oder gar keinen) Schauspielern besetzt, reißt er kaum Masken von den großen politischen Tieren nieder. Es sind sehr wenige gelungene Verballhornungen, die im Gedächtnis bleiben wie beispielhaft blöde Manifeste von gewissen realen Parteivertretern (“bedingungsloses Grundeinkommen”), die unendliche sinnlose Begeisterungsfähigkeit von Bushido, die Pofalla-Parodie, die Merkel-Parodie, die Ulla-Schmidt-Parodie. Ansonsten ist es sehr schade, dass die effektvolle Pressekonferenz Horst Schlämmers nicht einmontiert wurde (obwohl das doch deren Sinn war!). Auch klar ist es, dass die lebendigen Improvisationen Kerkelings immer kunstreicher und wirkungsvoller als der gestellte Film sind, und Horst Schlämmers Fernsehauftritte der letzten Jahre im Film nicht übertroffen werden. Kerkeling erreicht die Höhe des großen Provokateurs Sasha Baron nicht, so schafft er nicht, Rüttgers vorzuführen. Bei Özdemir gibt es nichts vorzuführen, der macht einfach mit, weil er doch so nett ist.

Was der Film klar macht, das ist die allgemeine politische Misere Deutschlands. Schlämmer entspricht der Trostlosigkeit des realen politischen Lebens, er spiegelt sie. Damit ist schon alles gesagt. Am Rande will ich eins noch nicht vergessen: Dass die festangestellten Moderatoren der Fernsehnachrichten im Film mitmachen, ist aus meiner Sicht die Verletzung der ethischen Vorschriften, was aber auch nur auf dasselbe hinaus läuft. Bettina Schausten vergisst das, wenn sie den anderen Spiegel vorhält.
Ich verlinke hier noch lesenswerte Kritiken von Rüdiger Suchsland, Peter Zander, Oliver Jungen:

Horst Schlämmer heißt nicht nur fast genauso wie der jetzige Kölner Oberbürgermeister, Fritz Schramma, er sieht auch fast genauso aus und redet fast genauso. Aber blitzgescheit ist er, so gescheit wie sein Hochleistungsdarsteller Hape Kerkeling eben. Und nach dieser Intelligenz, mag sie hier auch weggegrunzt werden, dürstet es das ausgetrocknete Land. Denn es ist nicht der Egoismus der Politik und nicht der Zynismus des Showgeschäfts, der in Kerkelings grundsolidarischem Humor seinen Ausdruck findet, sondern das zutiefst Menschliche, das man ansonsten zu verstecken gelernt hat in der Schamgesellschaft. Denn was macht Horst Schlämmer, dieses schnaufende Lamm Gottes? Er sieht Marotten und nimmt sie an, damit man mit Schlämmer über Schlämmer lacht, nie über die anderen. Horst Schlämmer, zur Schande für alle anderen Mitglieder der Kaste sei es gesagt, wäre der Politiker, dem man sich anvertraut. Denn Horst Schlämmer, das sind wir.

Einen direkten Vergleich zwischen der Kunstfigur Schlämmer und den realen Politikern zieht der Politikberater Michael Spreng durch. Es gibt auch Zeitungen, die bei der Berichterstattung zu dem Thema Fehler machen. Zum Beispiel Jörg Schindler im Kölner Stadt-Anzeiger und genauso in der Frankfurter Rundschau, der Ursula Kwasny zur “immerhin CDU-Bürgermeisterin von Grevenbroich” leichter Hand kürt. In derselben Zeitung kann Ute Diefenbach den Regisseur des Films Angelo Colagrossi bei der Pressekonferenz nicht identifizieren (“ein Italiener, den niemand verstehen kann”).

Extra sei hier noch erwähnt, dass sich offensichtlich auch solche Leute finden, die mit der Spiegel-Bedeutung der Kunstfiguren Kerkelings nicht viel anfangen können. Es gibt darunter hochgebildete Snobs, die auch “Hurz” für gute Musik halten und sich wundern, dass diese von Kerkeling selbst runtergemacht wird (Link). Es gibt auch Politiker (Ramsauer), die schon im “Zirkus” das eigentliche Problem der Politik entdecken. Ich glaube, davon wird im Laufe der Tage noch mehr kommen. Das ist einerseits amüsant, andererseits bestätigt noch einmal mehr die triste Atmosphäre im Lande, in dem eine satirische Darstellung der Misstände für schlimmer gehalten wird als diese Misstände selbst. Exemplarisch dafür ist insbesondere der neidische Hajo Schumacher, der sich im Offenen Brief direkt an Horst Schlämmer wendet:

Sie sind nicht relevant. Sie saugen sich einfach nur fest an diesem Land, Sie sind eine Zecke am Allerwertesten der Demokratie. Sie nutzen deren Freiheiten, um sie lächerlich zu machen. Das ist nicht komisch, sondern schwach.

Auf eine verrückte Weise bestätigen solche Invektiven nur, dass der Schlag ins Gesicht die Richtigen trifft. Wie das auch immer mit der Satire ist. Die Folgen werden von Stefan Niggemeier (hier und hier, das Meiste wird wie oft bei ihm in den Kommentaren ausformuliert) besprochen, wobei Hajo Schumacher da erstaunlicherweise mitmacht und sich vorführen lässt. Kerkeling (als Schlämmer) erscheint da auch und macht den Klamauk komplett:

also liebe freunde
isch existieren wirklich – da muss ich dem hajo recht geben!
achim steht auch voll auf hasenpauer als dauerläufer, weiste.
und immer schön wähln gehn oder laufn …
euer horst

und bitte: Streit euch nich meinetwegen, weiste.
Lohnt doch nich, Schätzeleyen

Zum Schluss verlinke ich noch YouTube-Clips, die zu diesem Posting passen. Zuerst die Pressekonferenz zum Film:

Und weil die schönsten Auftritte Schlämmers dazu auch gehören, noch drei davon. Das sind die Preisverleihung 2006 (mit Anke Engelke als Ricky):

Die Begegnung mit Claudia Schiffer und Thomas Gottschalk:

und zuletzt den Klamauk mit Damen Herman und Tietjen:

 

Wahlkampfsexus Freitag, 14. August 2009

Die aktuelle Orgie der Publikationen zum Plakat von Vera Lengsfeld dreht sich um ein kulturelles Phantom. Die meisten Schreiber haben keine Zeit für Recherche und glauben, dies Kunstprodukt sei einmalig. Davon halten es wiederum die meisten für eine politische Aussage und empören oder freuen sich, je nach eigenem Blickwinkel. Männer argumentieren mit Katharina der Großen (Link) und Canetti (Link), Frauen gehen auf die Palme (Link), zum Teil gar mit Sloterdijk. Der Rest hält das für Pornographie oder findet es ekelhaft.
Noch keine einzige Publikation, wo die Meinung eines Werbungs- (eine Ausnahme!) oder Kunst- oder zumindest Medienexperten gefragt worden wäre. Schauen wir uns doch die folgende Reihe der Produkte an. Zuerst ein “Titanic”-Cover von 1994

Zwei klare Botschaften sind daraus zu lesen. Eine Frau, in diesem Fall die ehrliche und gewissenhafte inzwischen ehemalige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher, wird es in der sexistisch geprägten Männergesellschaft schwer haben, eine einwandfreie politische Karriere zu entwickeln. Und: Die Boulevard-Methoden (einer Bild-Zeitung et C°) erschaffen den (fetischisierten) Warencharakter einer Frauenkörperdarstellung und verhindern eine politische Aussage sowie Wahrnehmung. Unterm Strich eine harte kulturpolitische Kritik.

Im selben Jahr kam das Plakat mit Thomas Krüger heraus
Thomas Krueger Plakat
Die Aussage: Der sei ehrlich und witzig, hat nichts zu verbergen, fähig zur Selbstironie.

Autoren des Plakats spielen aktiv mit der Darstellung des Adam in der christlichen Ikonographie, zum Beispiel bei Hugo van der Goes
oder gar bei Jan van Eyck:

 
Unterm Strich – typisch postmodernes Spiel mit Inhalten und Epochen, frei von politischen Aussagen, im bewußten Widerspruch zur Person des dargestellten Politikers. Vergessen wir aber nicht, dass dieser mediale Auftritt Thomas Krüger zu seiner Politkarriere verholfen hat und er muss sich dafür nicht schämen. Auch von der Presse wurde er nicht in die Ecke gestellt.

Im Jahre 1997 wurde viel über die Plakataktion einer Protestpartei in Belgien geredet:

Nee Plakat1
Wie bekannt, später wurden aus 400.000 Jobs 40.000 Blowjobs gemacht, mit noch größerem medialen Erfolg. Wie auch beim Titanic-Beispiel oben, wird hier mit dem Sexismus eine Parodie auf das Politgeschäft betrieben, mit solchen unsinnigen Versprechen wie dem aktuellen Slogan des SPD in Deutschland (4.000.000 Jobs). Noch viel früher (1987) kam die Pornodarstellerin Ilona Staller ins italienische Parlament mit der entsprechenden Selbstentblößung. In diesem Fall also völlig ernsthaft.

2002 hat die Grüne Partei mit dem Plakat für die Gleichberechtigung der Lesben, Schwulen und Heteros Wirbel gemacht:

Grüne 2002 Plakat

Auch hier sieht man eine Anlehnung an die alte Malerei, und zwar an das berühmte Gemälde von 1594:

Schon wieder gehen hier die Aussage und Intention völig auseinander. Auf dem Gemälde sind keine lesbischen Frauen dargestellt – die Berührung weist auf die Schwangerschaft hin. Die erotische Andeutung kommt von der Art der Beziehung, in der die Frauen leben, nämlich als Maitressen. Auf dem Plakat wird das pervertiert und die Erotik der gleichgeschlechtlichen Liebe wird in den Vordergrund geholt. Weil auf dem Plakat die Darstellung der Heteros fehlt, ist die Aussage mitnichten die des Begleittextes. Es wird vielmehr gesagt, dass sich die Lesben und die Schwulen durch ihr sexuelles Leben definieren, was der einzige Grund sei, sie politisch zu unterstützen. Tja…

Wer noch weniger Geld (für die Arbeit mit postmodern denkenden Fotographen) und kaum Geschmack hat, greift in die Kiste der eigenen Erfahrungen mit der bildenden Kunst. So die Junge CSU in der Stadt Grafing, die ihre Inspiration 2008 in Modezeitschriften holte

JU CSU Grafing Plakat

Bieder und geschmacklos, politisch selbstentwertend. Die Junge Union Wittmund ist noch sexbesessener, ihre Quellen sind noch eindeutiger:

JU Wittmund Plakat 1JU Wittmund Plakat 2

 
Auf das letzte Bild haben sich die Grünen in Kaarst eine nicht weniger sinnlose Antwort ausgedacht:

Grüne Kaarst Plakat

Das schwarze weibliche Körper mit weißen weiblichen Händen angefasst, ach, ach. Das soll offensichtlich den politischen Gegner kritisieren, nämlich den Sexismus und den Rassismus der CDU. Die Autoren des Plakats sehen sich selbst dabei völlig unschuldig.

Im Vergleich zu dieser Fetischisierung der Massenware sieht das Plakat von und mit Vera Lengsfeld harmlos aus:

Lengsfeld Werbung
Immerhin präsentiert sie ihr eigenes Gesicht, ihren Körper und ihren Schmuckgeschmack: Lengsfeld in Sankt Petersburg

Die Ideengeberin des Plakats bedient sich bei Angela Merkel, deren souveränen Art so zu sein, wie sie ist, ihren Bekanntheit, suggeriert eine Nähe zwischen den beiden und erzeugt daraus einen “Wir”-Slogan gegen die männlich dominierte Welt. Auf dem Plakat bieten Frauen mehr oder haben viel zu bieten. Ein Spiel mit dem Sexismus, welches sexistisch anläuft. So in etwa wie der Kampf der Emma-Herausgeberin für die Pornographie für Frauen.
Insofern ist das noch ein eitler Versuch, auf sich aufmerksam zu machen.
Ähnlich wie die Protestaktion im Bundestag, die Vera Lengsfeld schon einmal durchgeführt hat (“In einer Bundestagsdebatte zum Zweiten Golfkrieg 1991 drückte sie auf außergewöhnliche Weise ihre Kritik daran aus, indem sie eine Minute ihrer Redezeit mit Schweigen füllte, bis ihr Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth das Wort entzog“). Die Verbindung des eigenen Körpers mit der Eitelkeit entspricht in etwa dem oben zitierten Plakat mit und für Thomas Krüger. Es geht hier also nur um die Aufmerksamkeit des verehrten Publikums.

Auch deswegen irrt sich Carolina Fetscher, wenn sie sagt (Link):

Aber ambitioniert ist die Idee auf alle Fälle, die hartgesottene Kreuzberger Klientel mit einem Touch „Titanic“ gewinnen zu wollen.

Den große Unterschied zwischen dem “Titanic”-Cover und diesem Plakat sollten wir klar sehen. Dort eine brutale Kritik der Gesellschaft auf Kosten einer Frau, hier ein angepasstes Flehen um Aufmerksamkeit, auch um den Preis der Sebstausstellung und -leugnung.
Erstaunlicherweise im selben Stadtbezirk mit Vera Lengsfeld plakatieren sich noch zwei komische politische Tiere. Halina Wawzyniak, immerhin stellvertretende Vorsitzende ihrer Partei, verteidigt ihr Plakat
halina_plakat
mit einfachen Worten (Link):

das plakat bin halt ich, was sagt denn ein gesicht aus? soll ich wirklich, nur weil es vielleicht mehr wähler/innen anspricht rüschenbluse anziehen? und ja, diese mediengesellschaft funktioniert leider so, dass ich durch dieses plakat die möglichkeit habe, meine positionen rüber zu bringen.

Der massive Einsatz von Photoshop lässt ihren Körper zum Fetisch verkommen, das stört die Politikerin der Linken nicht. Sie fügt sich, weil alle so tun, und sie verzichtet auch auf eigenes Gesicht. Die Werbephilosophie setzt sich durch.

Die beiden netten Damen werden gegen ihren männlichen Gegner verlieren, obwohl sie auf ihre Weiblichkeit setzen oder gerade deswegen, jede Wette! Auch wenn Plakate, die Christian Ströbele von Gerhard Seyfried bekommt, in ihrer Comic-Art, ziemlich dumm sind:
Ströbele Seyfried1 Ströbele Seyfried 2
Oder anders gesagt, sie sind genauso dumm wie der eitle Politiker selbst, nur stört es offensichtlich weniger. Sein zweifelhaftes Charisma wiegt immer noch mehr.

Zum Schluss seien noch einige Worte zum Plakat für und mit Angela Merkel erlaubt. Genauso wie ihr altes Plakat 2005 (Link), setzt ihre Agentur auch heute auf die nette Menschlichkeit der Bundesmutter:
Merkel Plakat

Im Grunde braucht Merkel keine Kampagne, sie kann unter diesen Umständen nur gewinnen. Im Unterschied zu Obama muss sie nicht einmal viel reden, es genügt, wenn sie schweigt, weil die anderen eben zu viel Blödsinn reden. Ihr Lächeln auf dem Plakat verbindet einen ungewöhnlichen Profilblick mit einem Obama-angelehnten Slogan. Wir dürfen allerdings nicht vergessen, dass Obama auch nach dem teuersten Wahlkampf aller Zeiten da steht, wo seine Inkompetenz ihn führt. “Yes, we can.” Und ob. Auch dieser Slogan ist eine Lüge. Seine Umfragewerte sind jetzt schon genauso tief, wie die seines Vorgängers. Die Enttäuschung an der Politik-Maschinerie wird sich weiter verbreiten. Die Politik hat kaum fähige und charismatische Personen zu bieten, das Politgeschäft wird an die Berater und Designer abgegeben. Alles geht auseinander, in diese Uneigentlichkeit. Und da hilft kein Sexus, ob mit oder ohne Oberkörper. (Die Zustände in der Schweiz sind vielleicht etwas weniger bekannt, als die in Russland.)

 

Im Geiste Kalaschnikows Samstag, 24. November 2007

Filed under: Kunst,Russland — peet @ 10:58 Uhr
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Besser kann man den heutigen Geist Russlands nicht verewigen: In Ischewsk (Izhevsk) wird ein Kongress-Zentrum gebaut, welches drei in den Himmel ausgerichtete AK-47 Kalaschnikows (Kalashnikov)darstellt.

Aus der Perspektive von oben:

Einerseits streng postmodern, andererseits die Besinnung auf das Wichtigste: die Macht der Waffen, die Glorifizierung der Vergangenheit und des todbringenden Exportartikels, zusammen mit dem Stern der Roten Armee. Den Namen des Architektes konnte ich leider nicht herausbekommen.
Wie auch immer, nomen est omen, oder in diesem Fall eher andersherum – omen est nomen.

 

Animierte Architektur Montag, 28. Mai 2007

Filed under: Kunst,YouTube — peet @ 14:56 Uhr
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Die Konkurenz zwischen den Kulturen produziert Weltwunder. Die heutige Generation kennt das meist erst aus dem Spiel “Civilisation”. Nun kann man am Beispiel Dubai-Stadt sehen, wie ein neues Weltwunder entsteht.

Hier eine schnelle Einführung:

Hier mehr über den rotierenden Wolkenkratzer:

Besonders beindruckend finde ich den Tanz in letzen Sekunden der Animation. Einzelheiten, Fotos und weitere Links sind hier gesammelt. Der Architekt von dem Twirling Tower heißt David Fisher. Aus seiner Homepage kann man Details der “dynamischen Architektur” besser verstehen (Link).

Noch ein ambitioniertes Projekt wird in Dubai gebaut -The Pad (Link). Im iPad Tower sind Innenräume dynamisch, im Unterschied zum Twirling Tower. So nennt der Architekt James Law seinen Stil “Cybertecture” (Link):

Wir können dankbar sein, dass wir wenigstens ein Phaeno von Zaha Hadid in Wolfsburg haben:

Ich bewundere diese Mischung aus Arche Noah und Enterprise. :-)

 

 
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