Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Verlegers Irrweg Mittwoch, 23. September 2009

Gespeichert unter: Antisemitismus, Deutschland, Geschichte, Israel, Medien, Rolf Verleger — peet @ 19:08 125373289107Wed, 23 Sep 2009 19:08:11 +0000
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Am 11.9.2009 durfte Rolf Verleger in der Zeitung „Neues Deutschland“ einen weiteren Katechismus der guten Juden präsentieren (Link). Warum auch immer, fand der Artikel keine Aufmerksamkeit. Dem Unglück wollen wir helfen.

Das Schönste verbirgt sich am Ende des Textes. Zuerst wird die Gegenüberstellung zwischen den guten und bösen Juden mühsam aufgebaut. Verleger findet dafür seine Metapher, er spricht von der Position der Stärke und der der Verantwortung. Die Starken sind der Zionismus, die Regierung Israels, die Mehrheit seiner Bürger. Die Verantwortlichen sind Verleger selbst und seine Gesinnungsgenossen, die in Israel eine 4-5% Minderheit bilden und in Deutschland sehr laut bzw. schrill sind und von den deutschen Medien mit der besonderen Behutsamkeit liebevoll vor sich her getragen werden.
Und dann kommts:

Ist dieser Aufsatz antisemitisch?

Aus Sicht der Position der Stärke: Ja. Aus Sicht der Verantwortung: Nein. Er ist vielmehr Ausdruck einer universellen Achtung der Menschenrechte und der traditionellen Ethik des Judentums. Das Judentum war etwas und soll etwas sein, worauf wir stolz sein können. Daher muss der jüdische Staat nach Gerechtigkeit streben. Er muss Leben, Besitz, Kultur und Würde all seiner Bewohner und Nachbarn achten. Dahin müssen wir ihn bewegen.

Verleger gibt unumwunden zu: Seine Position ist aus der Sicht der überwiegenden Mehrheit der Israelis und Juden weltweit antisemitisch. Er weiß aber vom Judentum alles besser und nimmt vollmundig auf sich, alle anderen zu belehren. Der Artikel strotzt nur so von Fehlern, sowohl in der Wiedergabe der ethischen Prinzipien der jüdischen Tradition als auch in der Schilderung der historischen Abläufe. Ganz kurz nur die wichtigsten Irrungen des nicht mehr so jungen Verlegers:

Vertreibung: 700 000 Palästinenser wurden 1948 mit Gewalt und Drohungen aus Israel vertrieben

Viele von ihnen gingen von sich aus, weil ihnen der Krieg gegen und Sieg über die Juden angekündigt wurde. Alle wurden all diese Jahrzehnte hindurch in Flüchtlingslagern gewaltsam von arabischen Regierungen zusammengehalten und für die weiteren Kriege gegen Israel heiß gemacht, anstatt integriert zu werden. Die Hamas hält sie, also ihr eigenes Volk, genauso weiterhin in Flüchtlingslagern.

Enteignung: Grundbesitz und beweglicher Besitz dieser Vertriebenen wurde vom israelischen Staat beschlagnahmt.

Wer bereit war, sofort zurückzukommen, bekam Entschädigung und Wiedergutmachung. Nicht anders als enteigneten Palästinensern ist es den jüdischen Flüchtlingen aus den arabischen Staaten gegangen.

Verdrängung: Seit der Besetzung 1967 baut Israel im Westjordanland Straßen und Städte (»Siedlungen«) für nun ca. 400 000 Israelis – für Palästinenser gesperrt.

Was war da in Jordanien und Syrien, vor 1967 und nach 1967 auch? Was hat zur Besetzung 1967 geführt? Weiß das Verleger noch?

Missachtung: Die israelische Seite boykottiert seit Jahrzehnten die Vertretung der Palästinenser, aktuell die aus freien, allgemeinen und geheimen Wahlen von der Hamas gebildete Autonomiebehörde.

Die Hamas ist eine terroristische Vereinigung, deren Ziel die Vernichtung Israels ist.

Einkesselung: Israel verhindert gewaltsam freien Personen- und Güterverkehr aus und in den Gazastreifen; der Verkehr im Westjordanland, ein Gebiet drei Mal kleiner als Thüringen, quält sich durch über 600 Straßensperren.

Israel öffnet Straßen und Sperren, Übergänge, fördert die wirtschaftliche Entwicklung im Westjordanland, gerade jetzt, gerade unter Netanjahu, seit Monaten.

Verstoß gegen Recht und Gesetz: Israel ignoriert ein Gutachten des internationalen Gerichtshofs und ein Urteil des israelischen obersten Gerichts über die Sperrmauer, die die Bewohner des Dorfes Bil’in von ihren Feldern trennt; friedliche Gegendemonstrationen werden gewaltsam unterdrückt.

Die Mauer, die größtenteils ein Sicherheitszaun ist, verhindert Terrorangriffe, was durch die allgemein zugängliche Statistik jedem bekannt ist. Einzelne Windungen und tatsächliche Fehler werden heute noch im Obersten Gericht verhandelt, weswegen die Mauer immer noch nicht zu Ende gebaut worden ist.

Gefangennahme: Tausende Palästinenser sind ohne rechtliche Anhörung in israelischen Gefängnissen interniert.

Die meisten von den gemeinten Palästinensern sitzen ihre Strafe für Verbrechen nach der Verurteilung ab. Viele von ihnen werden zu Hunderten vorzeitig freigelassen. Sie bekommen Besuch von Verwandten, können studieren, telefonieren, nehmen Teil an dem politischen Leben. Wie war das mit Korporal Gilad Schalit?

Tötung: Im letzten Feldzug gegen Gaza wurden 1400 Menschen umgebracht.

Das war ein Krieg, den die Hamas gegen Israel begonnen und zu verantworten hat. Opfer sind zu bedauern, auch wenn die meisten davon Kriegsteilnehmer waren.
Fazit: Einseitig, voll auf der Seite der palästinensischen Propaganda. Über die übrigen kruden Behauptungen Verlegers vielleicht beim nächsten Mal mehr. Ganz sicher wird er noch oft genug von den friedensbewegten Medienfreunden dazu befragt werden. Ein Fall für die Neuropsychologie, würde ich sagen. Schlimmstenfalls für einen sich nächstbietenden deutschen Preis, mit einem gut ausgesuchten Laudator, wenn ihr versteht, wen ich meine.

 

Der linke Freitag Sonntag, 20. September 2009

Gespeichert unter: Blogging, Deutschland, Freitag, Islam, Martin Walser, Politik, Roger Willemsen — peet @ 20:26 125347839808Sun, 20 Sep 2009 20:26:38 +0000
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Jakob Augstein sucht händeringend eine Nische, ein Profil für sein Ein-Mann-Projekt. Gemeint ist eine linke Boulevardzeitung, wie bekannt. Diesmal soll ein ganzes Land dem Projekt geopfert werden, und zwar Afghanistan. Die Redaktion hat einen pazifistischen Aufruf vorbereitet, der von so bedeutenden Schriftstellern wie Sarah Kuttner, Charlotte Roche, Martin Walser und gar einer Aktivistin mit dem vielversprechenden Namen Gretchen Dutschke unterzeichnet wurde. Die realpolitische Perspektive dieses Manifestes ist so dumm, dass sich einige weniger pazifistische Intellektuelle fanden, den Text zu kritisieren, insbesondere der Perlentaucher-Chef Thierry Chervel. Dieser hat zu Recht zwei Sachen kritisiert, nämlich die Verschmelzung der linken und rechten Ansichten sowie eine feige Naivität. Genauso wie in der Beurteilung der Gefahr, die von der Iran-Regierung ausgeht, wird suggeriert: Lasst uns nur still und ruhig sein, irgendwie wird es schon an uns vorbei gehen, schlimmstenfalls werden die anderen zuerst ausgerottet.

Weil dies zu wenig Zündstoff lieferte, musste Jakob Augstein sofort antworten und zwar im eigenen Medium. Daraus kann man gut sehen, dass es nicht um einen Dialog geht, sondern um – wie gesagt – die Profilierung der eigenen Plattform. Auch die Antwort ist uninteressant. Kein anderer Denker, nicht einmal der andere große Pazifist und Mitunterzeichner Roger Willemsen, hat sich zu Wort gemeldet. In Blogs kamen nur zwei Reaktionen, beide fielen vernichtend negativ aus (Blütenlese, Blogterium).

Peinlich. Diesem Unglück muss man unbedingt zu größerem Ruhm verhelfen – ich setze dieses Schreiben auch bei den FDOG – als eine gewisse Strafe :-)

 

Horst Schlämmer als Spiegel der deutschen Politik Samstag, 22. August 2009

Der Film von Hape Kerkeling über seine langjährige Kunstfigur Horst Schlämmer ist ein Ereignis. Künstlerich amateurhaft konzipiert und geschnitten, mit meist schwachen (oder gar keinen) Schauspielern besetzt, reißt er kaum Masken von den großen politischen Tieren nieder. Es sind sehr wenige gelungene Verballhornungen, die im Gedächtnis bleiben wie beispielhaft blöde Manifeste von gewissen realen Parteivertretern („bedingungsloses Grundeinkommen“), die unendliche sinnlose Begeisterungsfähigkeit von Bushido, die Pofalla-Parodie, die Merkel-Parodie, die Ulla-Schmidt-Parodie. Ansonsten ist es sehr schade, dass die effektvolle Pressekonferenz Horst Schlämmers nicht einmontiert wurde (obwohl das doch deren Sinn war!). Auch klar ist es, dass die lebendigen Improvisationen Kerkelings immer kunstreicher und wirkungsvoller als der gestellte Film sind, und Horst Schlämmers Fernsehauftritte der letzten Jahre im Film nicht übertroffen werden. Kerkeling erreicht die Höhe des großen Provokateurs Sasha Baron nicht, so schafft er nicht, Rüttgers vorzuführen. Bei Özdemir gibt es nichts vorzuführen, der macht einfach mit, weil er doch so nett ist.

Was der Film klar macht, das ist die allgemeine politische Misere Deutschlands. Schlämmer entspricht der Trostlosigkeit des realen politischen Lebens, er spiegelt sie. Damit ist schon alles gesagt. Am Rande will ich eins noch nicht vergessen: Dass die festangestellten Moderatoren der Fernsehnachrichten im Film mitmachen, ist aus meiner Sicht die Verletzung der ethischen Vorschriften, was aber auch nur auf dasselbe hinaus läuft. Bettina Schausten vergisst das, wenn sie den anderen Spiegel vorhält.
Ich verlinke hier noch lesenswerte Kritiken von Rüdiger Suchsland, Peter Zander, Oliver Jungen:

Horst Schlämmer heißt nicht nur fast genauso wie der jetzige Kölner Oberbürgermeister, Fritz Schramma, er sieht auch fast genauso aus und redet fast genauso. Aber blitzgescheit ist er, so gescheit wie sein Hochleistungsdarsteller Hape Kerkeling eben. Und nach dieser Intelligenz, mag sie hier auch weggegrunzt werden, dürstet es das ausgetrocknete Land. Denn es ist nicht der Egoismus der Politik und nicht der Zynismus des Showgeschäfts, der in Kerkelings grundsolidarischem Humor seinen Ausdruck findet, sondern das zutiefst Menschliche, das man ansonsten zu verstecken gelernt hat in der Schamgesellschaft. Denn was macht Horst Schlämmer, dieses schnaufende Lamm Gottes? Er sieht Marotten und nimmt sie an, damit man mit Schlämmer über Schlämmer lacht, nie über die anderen. Horst Schlämmer, zur Schande für alle anderen Mitglieder der Kaste sei es gesagt, wäre der Politiker, dem man sich anvertraut. Denn Horst Schlämmer, das sind wir.

Einen direkten Vergleich zwischen der Kunstfigur Schlämmer und den realen Politikern zieht der Politikberater Michael Spreng durch. Es gibt auch Zeitungen, die bei der Berichterstattung zu dem Thema Fehler machen. Zum Beispiel Jörg Schindler im Kölner Stadt-Anzeiger und genauso in der Frankfurter Rundschau, der Ursula Kwasny zur „immerhin CDU-Bürgermeisterin von Grevenbroich“ leichter Hand kürt. In derselben Zeitung kann Ute Diefenbach den Regisseur des Films Angelo Colagrossi bei der Pressekonferenz nicht identifizieren („ein Italiener, den niemand verstehen kann“).

Extra sei hier noch erwähnt, dass sich offensichtlich auch solche Leute finden, die mit der Spiegel-Bedeutung der Kunstfiguren Kerkelings nicht viel anfangen können. Es gibt darunter hochgebildete Snobs, die auch „Hurz“ für gute Musik halten und sich wundern, dass diese von Kerkeling selbst runtergemacht wird (Link). Es gibt auch Politiker (Ramsauer), die schon im „Zirkus“ das eigentliche Problem der Politik entdecken. Ich glaube, davon wird im Laufe der Tage noch mehr kommen. Das ist einerseits amüsant, andererseits bestätigt noch einmal mehr die triste Atmosphäre im Lande, in dem eine satirische Darstellung der Misstände für schlimmer gehalten wird als diese Misstände selbst. Exemplarisch dafür ist insbesondere der neidische Hajo Schumacher, der sich im Offenen Brief direkt an Horst Schlämmer wendet:

Sie sind nicht relevant. Sie saugen sich einfach nur fest an diesem Land, Sie sind eine Zecke am Allerwertesten der Demokratie. Sie nutzen deren Freiheiten, um sie lächerlich zu machen. Das ist nicht komisch, sondern schwach.

Auf eine verrückte Weise bestätigen solche Invektiven nur, dass der Schlag ins Gesicht die Richtigen trifft. Wie das auch immer mit der Satire ist. Die Folgen werden von Stefan Niggemeier (hier und hier, das Meiste wird wie oft bei ihm in den Kommentaren ausformuliert) besprochen, wobei Hajo Schumacher da erstaunlicherweise mitmacht und sich vorführen lässt. Kerkeling (als Schlämmer) erscheint da auch und macht den Klamauk komplett:

also liebe freunde
isch existieren wirklich – da muss ich dem hajo recht geben!
achim steht auch voll auf hasenpauer als dauerläufer, weiste.
und immer schön wähln gehn oder laufn …
euer horst

und bitte: Streit euch nich meinetwegen, weiste.
Lohnt doch nich, Schätzeleyen

Zum Schluss verlinke ich noch YouTube-Clips, die zu diesem Posting passen. Zuerst die Pressekonferenz zum Film:

Und weil die schönsten Auftritte Schlämmers dazu auch gehören, noch drei davon. Das sind die Preisverleihung 2006 (mit Anke Engelke als Ricky):

Die Begegnung mit Claudia Schiffer und Thomas Gottschalk:

und zuletzt den Klamauk mit Damen Herman und Tietjen:

 

Leif Eriksson: ein Historiker, Germanist und Amerikanist oder ein linkssozi? Sonntag, 26. Juli 2009

Gespeichert unter: Antisemitismus, Blogging, Broder, Deutschland, Freitag — peet @ 15:15 124862133303Sun, 26 Jul 2009 15:15:33 +0000
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Im vorigen Beitrag ging es um die enorme Aktivität eines neuen Bloggers beim „Freitag“, der von seinen vier Beiträgen drei ein und demselben Thema gewidmet hat.
Jetzt möchte ich meine Leser um die Auflösung eines Rätsels bitten: Es gibt zwei Texte. Der eine ist bei der Frankfurter Rundschau online erschienen – als ein Blogkommentar (Link), mit der Einführung:
Kommentar von: linkssozi
Geschrieben am 25. Juli 2009 um 13:08 Uhr
Eriksson1
Der andere ist beim „Freitag“ erschienen, auch ein Blogkommentar (Link), Kommentar N. 22662, mit der einführenden Zeile:

leif eriksson schrieb am 25.07.2009 um 13:11
Eriksson2

Da ich keine Unterschiede zwischen den beiden Texten finde, frage ich, ist das derselbe Autor? Wer ist er, ein linkssozi? Oder ein Historiker, Germanist und Amerikanist? Oder, um Gottes Willen, zwischen 13:08 und 13:11 ein Broderianer?

 

Broder versus Langer: Der Freitag weiss sich zu positionieren Sonntag, 26. Juli 2009

Gespeichert unter: Antisemitismus, Blogging, Broder, Deutschland, Freitag, Israel, Medien, Politik — peet @ 11:37 124860827211Sun, 26 Jul 2009 11:37:52 +0000
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Da Broder inhaltlich meist im Recht ist, kann man ihn nur aus der Sicht einer Klassendame mit Anstands- und Benimmvorwürfen angreifen.
Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Felicia Langer durch den grünen Bürgermeister Tübingens wird in die deutsche Geschichte eingehen als neue Stufe in der politischen und gesellschaftlichen Kampagne gegen Israel. Orwell lässt grüßen.
Broder versucht eine Gegenkampagne zu starten, das wird ihm selbstverständlich sofort vorgeworfen. Wie immer, Aktion und Reaktion werden ausgetauscht.
Nun mischt sich auch noch die Wochenzeitung „Freitag“ ein, das wollen wir hier festhalten: Vor einigen Tagen bot sich wie gerufen die Gelegenheit an, Broder die eine Unanständigkeit vorzuwerfen. Im Netzwerk Achse des Guten wurde ein Kollege Broders, der Journalist Posener, vor die Tür gestellt, aufgrund einer Denunziation. „Der Freitag“ hat daraus eine Story gemacht (Link), gemäß dem härteren Boulevard nach Jakob Augstein. Eine Schlammschlacht, in welcher Broder ganz gewiß nicht gut dasteht. Der Freitag wähnt sich dabei, sehr gut dazustehen.
Gestern abend hat der „Historiker, Germanist und Amerikanist“ Leif Eriksson bei dem Freitag gebloggt (Link) und dabei einen Beitrag Broders aus derselben Achse einfach so komplett hineinkopiert und das ohne Verlinkung (auch gewiß ganz anständig). Dafür mit Empörungs- und Anstandsformeln, wie es sich gehört. Nur diesmal geht das in die Hose, weil diesmal geht es um Inhalte. Darin sagt der Oberbürgermeister Boris Palmer:

Sie tragen dazu bei, dass es in Israel keine kritische Debatte über die Politik des eigenen Staates geben darf.

Darum geht es, und das macht der Freitag mit. Das ist immer wieder dieselbe irre Überzeugung, man solle von Deutschland her Israel belehren und erziehen. Diese Erzieher wissen zwar nichts über die innere Situation in Israel, nichts über das Ausmaß der Debatten dort. Sie haben keine Ahnung davon, wie rückständig im Vergleich dazu die Kritikfähigkeit der deutschen Politik und Gesellschaft insgesamt ist, sie ereifern sich trotzdem oder gerade deswegen.
Boris Palmer ist für die Kritik unerreichbar, weil er sich im Mainstream der antiisraelischen Krankheit bewegt. Der Freitag macht daraus Boulevard, wie schon viele, die an der Provokationskunst Broders schmarotzen, ohne zu merken, wie sie nur sich selbst entlarven. So, wie Eriksson in seinen vier (!) Beiträgen Giordano und die jüdische Community behandelt, ist keine feine Art. Er ist nicht allein. Auch die Redaktion macht da gerne mit und greift Giordano an, in bester Bild-Manier (Link). Versteht Augstein der Jüngere das unter härterem Boulevard? Klar:

jetzt könnt ihr euch schön weiter über Giordano Bruno streiten und ihn verbrennen oder es bleiben lassen.
(In Wahrheit seid ihr, liebe Redaktion und liebe Community, in der Frage doch eh aller einer Meinung …)

Bon chance!
UPDATE: Nach dem vorläufigen Ende der Langer-Kampagne (Ralph Giordano hat seine Ankündigung zurückgezogen – er behält seine beiden Verdienstkreuze) lohnt es sich, Giordanos Text von 1991 (Link) noch einmal zu lesen. Literarisch etwas blaß, aber immerhin argumentativ und klar.

 

Krauthammer schon wieder Freitag, 19. Juni 2009

Gespeichert unter: Israel, Krauthammer, Lesefutter, Medien, Musik, Politik, USA — peet @ 9:52 124540513909Fri, 19 Jun 2009 09:52:19 +0000
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Charles Krauthammer ist eine schillerne Persönlichkeit unter den Journalisten, er ist ein Meinungsmacher, eine wahre Thinkmachine. Ich verfolge immer  gerne seine Kolumne bei der Washington Post.

Seine neueste Kolumne ist Obama gewidmet (Link):

For all of his philosophy, the philosopher-king protests too much. Obama undoubtedly thinks he is demonstrating historical magnanimity with all these moral equivalencies and self-flagellating apologetics. On the contrary. He’s showing cheap condescension, an unseemly hunger for applause and a willingness to distort history for political effect.

Distorting history is not truth-telling but the telling of soft lies. Creating false equivalencies is not moral leadership but moral abdication. And hovering above it all, above country and history, is a sign not of transcendence but of a disturbing ambivalence toward one’s own country.

Vor einigen Tagen hat die „Jerusalem Post“ ihn interviewt, und den Text möchte ich auch empfehlen (Link):

[...] you defined Jewish music broadly as based on a sensibility rather than DNA. The lineup included the non-Jewish Dmitry Shostakovich’s so-called „Jewish finale,“ itself one of the only pieces that featured recognizably Jewish melodies. What, then, did you mean by a Jewish sensibility?

It’s music that’s either consciously or unconsciously drawn from the folk, the klezmer, the liturgical, the shtetl. Shostakovich, interestingly, absorbed that through his fellow musicians without having experienced it firsthand.

In music it would be drawn from the music of the folk. In literature it’s an interesting question, what’s a Jewish novel? Again, it has to do with whether there’s an attachment to or a feeling of or a concern with the Jewish experience and Jewish destiny, though that’s to put it very broadly and bluntly and crudely.

We’re not going to do Felix Mendelssohn. He was genetically Jewish, but he was so consciously Christian, and he tried to be European. That’s fine – he’s one of the great composers and he’s in the European canon – but he’s not particularly of interest to us simply because he happened to be genetically Jewish.

[...] In Europe I think it is that the era of Holocaust guilt is over. It was a generational phenomenon. Now that it’s over, Europe is reverting to its natural anti-Semitism – not with the virulence obviously that we saw in the early 20th century, but the norm for the 19 centuries before that – Jews as alien, Jews as troublesome, Jews as not quite trustworthy. And it’s writ large for Israel. The Jewish people have lost Europe. Israel’s lost Europe. The one place it hasn’t been lost is America, where there are tens of millions of Americans who are strongly Zionist and many other who are sympathetic. One of the things I try to do is make the case, which I find a very easy case to make, to oppose the fashionable anti-Israeli trend.

[...] How do you see the ultimate resolution?

Everyone knows what the resolution will be. It will be along the lines of the Clinton-Barak proposal in 2000 at Camp David. And I can give you the terms of the agreement on the back of an envelope right now. It will be 5 percent of the West Bank, which will involve some of the larger Israeli settlements, which Israel will take. Israel will give Palestinians equivalent territory out of Israel proper. There will be a Palestinian state, a Jewish state, and Jerusalem will be divided along the lines Ehud Barak offered, and that’s what it’s going to look like. [...]

 

Integration, wie sie bei Springer auszusehen hat Montag, 15. Juni 2009

Gespeichert unter: Blogging, Deutschland, Jan-Eric Peters, Medien, Michel Friedman, Politik — peet @ 21:57 124510302709Mon, 15 Jun 2009 21:57:07 +0000
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Na da habe ich doch noch etwas entdeckt: Bei dem berüchtigten Springer-Akademie-Blog, mehr als jepblog bekannt. Der große Spezialist der großen Kaderschmiede ließ seine Zöglinge am 21.3.2009 bei der Boulevardzeitung B.Z. das Thema „Integration“ groß kochen. Die Kinder waren sehr aufgeregt und anschließend voll des Selbstlobes (Link):

Eine gelungene Mischung von Integrationsgeschichten, in sämtlichen Ressorts, fast durchgehend positiv, aber trotzdem ohne moralischen Zeigefinger.

Ist das nicht niedlich?

Blättern wir das Heft durch (Link).
Zuerst große Politik: Schäuble erzählt Märchen über die gelungene Integration – keine Nachfrage, kein Nachhaken seitens der jungen Garde. Fast durchgehend positiv. Und ohne moralischen Zeigefinger, jep behüte. Dazu folgt noch ein Kommentar eines vielversprechenden jungen Journalisten:

Die ganz überwiegende Mehrheit ist hier politisch, wirtschaftlich und kulturell angekommen.

Ich sage nur: LOL
Es folgen die üblichen Sonntagsworte von Michel Friedman, Bilder-bla-bla über eine WG mit EU-Mitbewohnern, ein Schulzeitungsbericht über ein Box-Studio für Jugendliche, eine typische Bild-Reportage über eine psychisch kranke Finnin, weiteres Bla-bla über die französische Bulette, über eine „Halbperserin“ als „amtierende Miss Berlin“, über eine „VIVA-Moderatorin mit indisch-portugiesisch-ungarischen Wurzeln im Tugend-Check“, über sechs „exotische“ Restaurants. Die ARD-Serie „Türkisch für Anfänger“ wird als Beispiel der gelungenen integrativen Arbeit vorgestellt, obwohl sie „keine überragenden Quoten erreichte“. Viel weiter kann man einen Geschichtsartikel mit dem schlichten Untertitel „Die Hauptstadt ist schon seit Jahrhunderten das Zuhause von Franzosen, Juden, Polen und Russen“ bewundern. Darin glänzt die Aussage:

Die Vertreibungen und Deportationen der Nazizeit zerstören die Immigranten-Kultur Berlins.

Nicht weniger köstlich ist das Frage-und-Antwort-Spiel, das ein besonders raffinierter junger Student erfand:

Warum Klitschko Deutschland liebt? [...]
Hier kann er mehr Geld verdienen als in Kiew [...]

„Sehr gut“ passt zum Thema auch die Erwähnung einer Einbürgerung, und zwar eines Fußballspielers, und zwar – einer rumänischen! Bar jeglicher Ironie ist auch die Geschichte eines erfolgreichen und im Sinne der Integration exemplarischen türkischen Fußballvereins:

Vergangenes Wochenende standen sieben Deutsche, zwei Japaner und ein Gambier in der Startaufstellung – und bloß ein Türke.

Es darf auch nicht die gelungenste Integration fehlen, nämlich eine volle Seite der Bordellanoncen, mit typischen Namen, wie es sich gehört. „Damen aus zwölf Nationen“, schwärmt die junge Redaktion auf der anderen Seite. Dazwischen findet sich ein merkwürdiges Portrait eines Bauunternehmers, über dessen Erfolge wir lesen:

„Cheffe hat’s geschafft“, lobten ihn seine Angestellten. Aus dem Tagesgeschäft seines Betriebs hat sich Yüksel jetzt zurückgezogen. „Ich bin nur noch zwei, drei Tage im Monat in Berlin.“ Dann wohnt er in Schöneberg. Und die übrige Zeit mit seiner türkischen Ehefrau auf der Insel Tenedos in der Ägäis, „fernab von Baustellen“. Aus erster Ehe hat er drei Kinder. Die leben in der Türkei – mit deutschem Pass.

Ein Wunder der Integration, nicht wahr?

Der Umgang mit anderen Kulturen wird folgendermaßen vorgestellt:

Gläserne Reichstagskuppel: Die wurde vom englischen Architekten Sir Norman Foster entworfen. [...]
Der Döner wurde 1971 in Kreuzberg von einem Türken erfunden. [...]
Der amerikanische Polizist William Potts hatte die Idee für die erste elektrische Verkehrsampel. [...]
Der Architekt des Gebäudes [das Neue Museum] ist David Chipperfield aus England.

Darüber der Titel: „Was wir ohne Ausländer nicht hätten“. Alles klar?

Bei der Aufzählung von allerlei ausländischen Merkmalen Berlins wird Carl von Ossietzky leichter Hand zum Franzosen gemacht:

FRANKREICH 13 133 Im Haus der Paris Bar in Charlottenburg lebte einst der Schriftsteller Carl von Ossietzky

Die griechische Verbindung ist noch rätselhafter:

GRIECHENLAND 9582 Mit 48 Stadtgemeinden hat Athen viermal so viele Bezirke wie Berlin

Spanien?

SPANIEN
7044 Der Stern von Schwimm-Star Franziska van Almsick ging 1992 bei den Olympischen Spielen in Barcelona auf

Thailand?

THAILAND 5772 Bei der Tsunami-Katastrophe 2005 starb in Thailand ein Berliner, der in Deutschland wegen versuchter Vergewaltigung gesucht wurde

Kongo?

DR KONGO 310 Unter Reichskanzler Bismarck fand 1884 eine Kongokonferenz in Berlin statt

Togo?

TOGO 207 Von 1884 bis 1914 war Togo deutsche Kolonie

Burundi?

BURUNDI 32 Für 33 Jahre gehörte das heutige Burundi als Urundi zur Kolonie Deutsch-Ostafrika

Ruanda?

RUANDA 27 Auf der Kongokonferenz in Berlin wurde 1884 beschlossen, Ruanda zu einer deutschen Kolonie zu machen

Papua?

PAPUA-NEUGUINEA 4 Zwischen 1899 und 1914 hießen Teile des Inselstaates Deutsch-Guinea

Keine besonderen Gedanken beim Leser dazu?

Was sagen „Experten“ in der Zeitung selbst?
Klaus Schütz:

Ich glaube allerdings nicht, dass sie sich bei uns wirklich elend behandelt fühlen. Aber sie sehen sich benachteiligt. Sie sind nun mal im Durchschnitt mehr arbeitslos als andere. Und ihre Kinder haben wohl auch nicht genug Perspektiven für die Zukunft. Aber es ist nun mal so, dass die Struktur der Berliner Wirtschaft nicht genug industrielle Arbeitsplätze bietet.

Eberhard Diepgen:

Wichtig erscheint mir aber auch ein Mentalitätswandel in der deutschen Öffentlichkeit. Wer die Probleme richtig beim Namen nennt wird allzu leicht als ausländerfeindlich beschimpft. Wir müssen auch Forderungen an die Migranten stellen und durchsetzen. Wer dreißig Jahre in Berlin lebt und immer noch kein Deutsch versteht kann dafür nicht die „böse“ deutsche Gesellschaft verantwortlich machen.

Die Frage dazu „Wie können Deutsche und Migranten besser zusammenleben?“ im Titel wird von der Redaktion mit den Untertiteln beantwortet:

Migranten müssen Beitrag dazu leisten

und

Migranten müssen sich besser integrieren

Na wunderbar.

Dann folgt eine Hetzjagd auf zwei „libanesiche Zwillingsbrüder“, die ganz im Bild-Stil „KaDeWe-Zwillinge“ genannt werden. Und die Moral der Geschichte lautet:

Empörung auch bei Eberhard Schönberg, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Er schimpft: „Im Fall der Zwillinge ist die Integration missglückt, in vielen anderen Fällen auch.“ Schönberg ist überzeugt, dass Integration zwar nicht in der ersten, aber oftmals in der zweiten Generation gescheitert ist.

Wieso müssen die beiden vermutlichen Verbrecher sich integrieren lassen, wenn sie weiterhin staatenlos bleiben sollen? Wenn sie allerdings tatsächliche Verbrecher sind, dann warum sollten sie nicht integriert sein? Gibt es keine deutschen Verbrecher? Andersherum – wenn sie Verbrecher sind und über gute Kenntnisse in der Ausnutzung der rechtlichen Lücken besitzen, sind sie nicht integriert? Über welche Integration redet der Mann? Und warum soll die Integration der ersten Generation, die keine ist, ein Vorbild für die zweite Generation sein? Ist das bei der Gewerkschaft immer noch nicht angekommen? Migranten sollten uns bedienen und unterhalten, das sagt die Statistik, das sagt die B.Z., das meint auch die Springer-Akademie.

Die einzige nützliche Information kommt auf der Seite 21 – über den mehrsprachigen Dienst „Call a doc“. Au weia, ich will den Doc auch :-)

 

stefan-niggemeier.de bessert sich Sonntag, 14. Juni 2009

Gespeichert unter: Blogging, Eva Herman, Israel, Medien, Russland, Stefan Niggemeier, TV, Tagesschau, Wladimir Kaminer — peet @ 13:11 124498507001Sun, 14 Jun 2009 13:11:10 +0000
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Da ich eine Weile blogmäßig inaktiv war, muss ich jetzt viel nachlesen. Inzwischen habe ich meine Liste der Alphablogger fast durch. Eine positive Überraschung möchte ich hiermit vermelden: Bei Stefan Niggemeier hat sich eine inhaltliche Qualitätssteigerung getan. In vorigem Jahr waren da unter anderem einige provozierende Postings, die erwartungsgemäß auch pöbelnde Kommentare nach sich zogen. Ab Januar 2009 sieht das anders aus. Weil Stefan keine Auflistung der besonders gelungenen Beiträgen führt, will ich hier meine Favoriten in dem ersten Halbjahr 2009 hervorheben, in der zeitlichen Folge:

12.1. Beitrag über die Schlamperei bei der „Tagesschau“ (Link), mit der wundervollen Reaktion des allpräsenten Kai Gniffke (Link):

Ich halte die Sache nach intensiver Recherche nicht für so dramatisch [...]

Unterm Strich sei angemerkt, dass die übliche propalästinensische/proisraelische Debatte in den Kommentaren auf akzeptablem Niveau verläuft, wenn man das mediale Umfeld mitbedenkt.

30.1. Information über die Gerichtserfolge, die Eva Herman Schmerzensgeld bescherten (Link). Darunter auch ein gelungener Seitenhieb:

die deutsche Nachrichtenagentur dpa meldet grundsätzlich nichts, was „Bild” nicht gefallen könnte[.]

Oder die Feststellung,

dass eine Meldung, die weder von dpa noch von der „Bild”-Zeitung verbreitet wird, für 98 Prozent der deutschen Medien gar nicht existiert.

Auch hier in den Kommentaren kann man sehen, dass die typische JF-Leserschaft eher gering ihre Widerlichkeiten platzieren kann.

Am 20.3. und am 3.4. – zwei Artikel über die unmenschliche Behandlung der Opfer bei RTL in der Berichterstattung über den Winnenden-Amoklauf (Link und Link). Hohe Empörungswellen, wertvolle Kulturkritik.

19.4. Hinweis (Link) auf die vernichtende Kritik über die unsägliche Politsendung „Hart aber fair“, die Carolin Emcke in der „Zeit“ (Link) publizieren durfte. Die Polemik in Kommentaren ist übrigens lesenwert. Frank Plasberg soll hier dementsprechend erwähnt werden, auch wenn ich es lieber genauso vermeiden würde, wie ich seine prollig-demagogische Sendung vermeide.

17.5. Brandmarkung (Link), die der plumpe Entertainer Wladimir Kaminer redlich verdient hat. Einige halten ihn für einen Schriftsteller…

In der medialen Kulturkritik ist es sehr leicht, über alles zu meckern und sich auf das große Podest zu stellen. Stefan Niggemeiers Auftritt bekommt Züge einer dringlichen und zu unterstützenden moralischen Botschaft, wendet sich gegen die mächtigen Bosse der Presse und bekommt langsam exemplarischen Charakter – wird sein Kreuzzug von der Branche verdaut und einverleibt oder weggestoßen? Wenn er sich das ganze Jahr lang kein einziges Mal verbrodert, wäre ihm das Beste zu wünschen :-)

 

Obama und seine Rede in Kairo Freitag, 12. Juni 2009

Gespeichert unter: Blogging, Deutschland, Israel, Krauthammer, Medien, Politik, USA — peet @ 22:08 124484450410Fri, 12 Jun 2009 22:08:24 +0000
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Bis jetzt hab ich vermieden, mich über den Präsidenten Obama zu äußern. Die medial erzeugte Obamania war von Anfang an klar, seine eigene Position viel weniger. Die ersten Monate seiner Regierung haben gezeigt, dass er die Politik seines Vorgängers fortsetzt, nur oft mit anderen Worten. Insofern darf man gespannt sein, wann die Medien und mit ihnen auch das gemeine Volk davon Wind bekommen. Vorerst aber scheint dieselbe Obamania zu herrschen, sie macht viele blind und verunmöglicht eine Diskussion.

Nach der Rede in Kairo ist aber eine deutliche Wende festzustellen. Ein Teil der Medien wagt es ganz offen, Obama zu kritisieren. Argumente sind klar und unterm Strich bedeuten sie: Der neue Präsident hat sich neue und politisch unerfahrene wie geschichtlich ungebildete Berater geholt, ohne sie ist er stumm, mit ihnen macht er Fehler. Wie er in dieser Rede das Thema Israel angeht, zeigt das sehr deutlich, wie das auch die zeitgleich hoch gegangene Protestwelle im amerikanischen Kongress tut.

Positiv ist außerdem anzumerken, dass sich diesmal einige deutsche Blogger sehr schnell und aktiv (im Unterschied zu journalistischen Profis) eingemischt haben. Man kann sich also im englisch- und deutschsprachigen medialen Raum gut informieren – man muss es nur wollen.

Nach bekanntem Muster folgen nun einige Beispiele und Links.

Ed Morrissey weist darauf hin (Link), dass

Obama defended American positions on Israel and Afghanistan with more strength than he does here at home. [...] However, I don’t hear anything in this speech that Bush didn’t say himself.

Ähnlich sieht das „Wall Street Journal“ die Lage, der redaktionelle Artikel heißt „Barack Hussein Bush“ (Link):

The President also stooped to easy, but false, moral equivalence, most egregiously in comparing the U.S. role in an Iranian coup during the Cold War with revolutionary Iran’s 30-year hostility toward the U.S. He also compared Israel’s right to exist with Palestinian statehood. But while denouncing Israeli settlements was an easy applause line, removal of those settlements will do nothing to ease Israeli-Palestinian tensions if the result is similar to what happened when Israel withdrew its settlements from Gaza. We too favor a two-state solution — as did President Bush — but that solution depends on Palestinians showing the capacity to build domestic institutions that reject and punish terror against other Palestinians and their neighbors.

Hanging over all of this is the question of Iran. In his formal remarks, Mr. Obama promised only diplomacy without preconditions and warned about a nuclear arms race in the Middle East. Yet surely Iran was at the top of his agenda in private with Mr. Mubarak and Saudi Arabia’s King Abdullah, both of whom would quietly exult if the U.S. removed that regional threat. They were no doubt trying to assess if Mr. Obama is serious about stopping Tehran, or if he is the second coming of Jimmy Carter.

It is in those conversations, and in the hard calls the President will soon have to make, that his Middle East policy will stand or fall.

Am kräftigsten widerspricht dem Präsidenten Melanie Phillips in einem wie gewohnt ausgezeichneten Artikel (Link):

Obama has equated genocidal terrorism by the Palestinians with the civil rights movement in America and the true resistance against apartheid in South Africa. Thus the moral bankruptcy of the moral relativist. [...] there was some positive stuff in this speech – but it was outweighed by the United States President’s shocking historical misrepresentations, gross ignorance, disgusting moral equivalence between aggressors and their victims, and disturbing sanitising of Islamist supremacism.

In short, deeply troubling.

Richard Landes schließt daraus - eher rhetorisch als im Ernst (Link):

I suggest that President Obama demand, publicly, and in the same strong terms with which he addresses the Israelis, that the PA begin immediately building settlements for Palestinian refugees on the lands available to them in the West Bank, so that they can begin living decent lives. This would be an enormous boon to the Palestinian economy, it would mobilize the significant talents the Palestinians have in the building industry, and would signal to the Israelis that the “right of return” — i.e., the demand that Israel commit demographic suicide — is not lurking in the background of the “Arab Peace Plan.”

Nothing prevents the Palestinians from doing this. They would surely get a great deal of (Western) funding to do it. And it would embody President Obama’s call for Arab governments that are “by the people and for the people.”

Nicht weniger stark ist auch der Auftritt von Charles Krauthammer (Link):

In his much-heralded „Muslim world“ address in Cairo yesterday, Obama declared that the Palestinian people’s „situation“ is „intolerable.“ Indeed it is, the result of 60 years of Palestinian leadership that gave its people corruption, tyranny, religious intolerance and forced militarization; leadership that for three generations rejected every offer of independence and dignity, choosing destitution and despair rather than accept any settlement not accompanied by the extinction of Israel.

That’s why Haj Amin al-Husseini chose war rather than a two-state solution in 1947. Why Yasser Arafat turned down a Palestinian state in 2000. And why Abbas rejected Olmert’s even more generous December 2008 offer.

In the 16 years since the Oslo accords turned the West Bank and Gaza over to the Palestinians, their leaders built no roads, no courthouses, no hospitals, none of the fundamental state institutions that would relieve their people’s suffering. Instead they poured everything into an infrastructure of war and terror, all the while depositing billions (from gullible Western donors) into their Swiss bank accounts.

Obama says he came to Cairo to tell the truth. But he uttered not a word of that. Instead, among all the bromides and lofty sentiments, he issued but one concrete declaration of new American policy: „The United States does not accept the legitimacy of continued Israeli settlements,“ thus reinforcing the myth that Palestinian misery and statelessness are the fault of Israel and the settlements.

Blaming Israel and picking a fight over „natural growth“ may curry favor with the Muslim „street.“ But it will only induce the Arab states to do like Abbas: sit and wait for America to deliver Israel on a platter. Which makes the Obama strategy not just dishonorable but self-defeating.

Eine ausführliche kritische Analyse bietet Gudrun Eussner (Link). Sie referiert dabei zum Teil mehrere Quellen. Unter anderem:

Als selbstverständlich geht aus der Rede hervor, daß die Araber in allen Fällen durch die Israelis vertrieben worden sind, warum sie in Flüchtlingslagern warten, über die Jahre subventioniert mit Millionen und Milliarden Dollar und Euro, anstatt von ihren muslimischen Glaubensbrüdern in die arabischen Staaten eingebürgert zu werden, ist nicht der Rede wert. [...] Vergleich und Gleichsetzung der Ansprüche Israels und der Palästinenser durchziehen die Rede, es gibt weder Ursache noch Wirkung, es gibt keine Geschichte. [...] Die Präsidentschaft Barack Hussein Obamas ist eine einzige Lüge, angefangen bei seiner bis heute nicht im Original veröffentlichten Geburtsurkunde über Ergebnisse seiner Studienzeit, seine politischen und privaten Freundschaften bis zur Zusicherung, er werde sich immer dafür einsetzen, daß Ostjerusalem zu Israel gehöre und Jerusalem ungeteilt bleiben solle.

Witzig ist die Reaktion von Martin Kramer (Link):

“Peoples of Egypt, you will be told that I have come to destroy your religion; do not believe it! Reply that I have come to restore your rights, to punish the usurpers, and that I respect more than the Mamluks God, His Prophet, and the Quran.” So spoke Bonaparte when he arrived in Egypt, in a proclamation of July 2, 1798. Substitute “Islam” for Egypt, “we Americans” for I, and “violent extremists” for the Mamluks, and you’ve got the core message of President Obama’s speech.
[...] There is the Third Worldism: Muslims are victims of our colonialism (Obama has read Fanon) and the Cold War (has he been reading Khalidi again?) The primacy of the West is over: “Any world order that elevates one nation or group of people over another will inevitably fail.” There is the implicit comparison of the Palestinians to black Americans during segregation, a familiar trope (Carter and Condi went for it too). Israel comes across as an anomaly. There is no appreciation of Israel as a strategic asset—its ties to the United States are “cultural and historical,” and thus not entirely rational. (That validates Obama’s other former Chicago colleague, Mearsheimer.) All of this has the ring of conviction—and of a Third Worldist sensibility.
[...] Were I a Muslim, this 6,000-word manifesto would have me worried stiff. This man wants to be my president as much as he is America’s.

Auch witzig ist die Idee von Yaacow Lozowick, er meint sie allerdings ernst (Link):

A wise Israeli Prime Minster such as we don’t have, would have gone on air two minutes after Obama’s speech and said „As the elected leader of Israel and foremost political figure in the Jewish world, I welcome President Obama’s speech wholeheartedly. He speaks for us, too, in our joint aspirations for peace dignity freedom and well-being in the Middle East and everywhere. We will do whatever we can to assist him in realizing his fine vision“.

Let the Arabs wriggle and squirm. Why should we be defensive after such a positive speech? Of course much of what he asked for will never happen. Let the enemies of the vision stand forth and reject it. How did we paint ourselves into their camp?

Dagegen klar und deutlich spricht Caroline Glick ihre Meinung aus, und zwar in der “Jerusalem Post“ (Link):

Unfortunately, a careful study of his statements shows that Obama was actually accepting the Arab view that Israel is a foreign – and therefore unjustifiable – intruder in the Arab world. Indeed, far from attacking their rejection of Israel, Obama legitimized it.

The basic Arab argument against Israel is that the only reason Israel was established was to soothe the guilty consciences of Europeans who were embarrassed about the Holocaust. By their telling, the Jews have no legal, historic or moral rights to the Land of Israel.

This argument is completely false. The international community recognized the legal, historic and moral rights of the Jewish people to the Land of Israel long before anyone had ever heard of Adolf Hitler. In 1922, the League of Nations mandated the „reconstitution“ – not the creation – of the Jewish commonwealth in the Land of Israel in its historic borders on both sides of the Jordan River.

But in his self-described exercise in truth telling, Obama ignored this basic truth in favor of the Arab lie. He gave credence to this lie by stating wrongly that „the aspiration for a Jewish homeland is rooted in a tragic history.“

He then explicitly tied Israel’s establishment to the Holocaust by moving to a self-serving history lesson about the genocide of European Jewry.

Even worse than his willful blindness to the historic, legal and moral justifications for Israel’s rebirth, was Obama’s characterization of Israel itself. Obama blithely, falsely and obnoxiously compared Israel’s treatment of Palestinians to white American slave owners’ treatment of their black slaves. He similarly cast Palestinian terrorists in the same morally pure category as slaves. Perhaps most repulsively, Obama elevated Palestinian terrorism to the moral heights of slave rebellions and the US civil rights movement by referring to it by its Arab euphemism, „resistance.“

BUT AS disappointing and frankly obscene as Obama’s rhetoric was, the policies he outlined were much worse. While prattling about how Islam and America are two sides of the same coin, Obama managed to spell out two clear policies. First, he announced that he will compel Israel to completely end all building for Jews in Judea, Samaria, and eastern, northern and southern Jerusalem. Second, he said that he will strive to convince Iran to substitute its nuclear weapons program with a nuclear energy program.

Obama argued that the first policy will facilitate peace and the second policy will prevent Iran from acquiring nuclear weapons. Upon reflection, however, it is clear that neither of his policies can possibly achieve his stated aims. Indeed, their inability to accomplish the ends he claims he has adopted them to advance is so obvious, that it is worth considering what his actual rationale for adopting them may be.

The administration’s policy toward Jewish building in Israel’s heartland and capital city expose a massive level of hostility toward Israel. Not only does it fly in the face of explicit US commitments to Israel undertaken by the Bush administration, it contradicts a longstanding agreement between successive Israeli and American governments not to embarrass each other.

Moreover, the fact that the administration cannot stop attacking Israel about Jewish construction in Jerusalem, Judea and Samaria, but has nothing to say about Hizbullah’s projected democratic takeover of Lebanon next week, Hamas’s genocidal political platform, Fatah’s involvement in terrorism, or North Korean ties to Iran and Syria, has egregious consequences for the prospects for peace in the region.

As Fatah leader Mahmoud Abbas made clear in his interview last week with The Washington Post, in light of the administration’s hostility toward Israel, the Palestinian Authority no longer feels it is necessary to make any concessions whatsoever to Israel. It needn’t accept Israel’s identity as a Jewish state. It needn’t minimize in any way its demand that Israel commit demographic suicide by accepting millions of foreign, hostile Arabs as full citizens. And it needn’t curtail its territorial demand that Israel contract to within indefensible borders.

In short, by attacking Israel and claiming that Israel is responsible for the absence of peace, the administration is encouraging the Palestinians and the Arab world as a whole to continue to reject Israel and to refuse to make peace with the Jewish state.

[...] By his words as well as by his deeds, not only has Obama shown that he is not a friend of Israel. He has shown that there is nothing that Israel can do to make him change his mind.

Ira Stoll ist auch traurig. Sein Text bei „Commentary“ ist insofern besonders wertvoll, dass es auch durch Selbstkritik glänzt (Link):

This places the Palestinian Arabs as the victims, equating their plight to that of enslaved American blacks, Poles subjected to Communist tyranny, or blacks under apartheid. In these analogies, the assumption, just barely left unsaid, is that Israeli Jews are the oppressors. Never mind that that doesn’t accurately portray the moral or historical situation. It isn’t even accurate. Violence is not a dead end. American slavery was ended by the Civil War. “America’s founding” was accomplished not by a peaceful insistence on ideals but by a war of independence. And, sadly, were it not for ongoing terrorist attacks against American and Israeli targets, President Obama would not be in Egypt comparing the Palestinian Arab cause to that of the captive nations of Eastern Europe or American blacks.

During the campaign I had actually defended Obama against those who felt he would be a disaster for Israel. This speech makes me think that may have been a mistake. The only chance now is that this speech will be mere rhetoric, like so much in the Middle East, intended only for public consumption. But if Obama really means it, it is bad news for the Jews in Israel and America, not to mention for American national security.

Die deutsche Presse ist insgesamt voll in der Obamania, es sind kaum kritische Töne zu entdecken. Der einzige, der etwas mehr wagt, ist Richard Herzinger in der Welt (Link).:

Erst bei näherem Hinsehen aber kommen Zweifel auf, ob all das tatsächlich so gut zusammenpasst, wie es Obamas welthistorisches Großgemälde suggeriert. [...] Dass Obama auf seiner Reise zwar abstrakt für Demokratie und Frauenrechte warb, aber damit keine konkrete Kritik an den Unterdrückungspraktiken arabischer Diktaturen verband, nährt einen Verdacht: Hinter dem spektakulären Bekenntnis zum kulturellen Dialog könnte sich doch nur die Rückkehr zur alten „realistischen“ Schule amerikanischer Außenpolitik verbergen, derzufolge man es mit Menschenrechten nicht allzu genau nehmen muss, solange man sich dafür den einen oder anderen strategischen Verbündeten warmhalten kann.

Am Ende wird trotzdem alles wieder zurückgenommen:

Doch auch wo Obama vereinfacht und Widersprüche übergeht, geschieht dies weder aus Naivität noch aus opportunistischer Gefälligkeit heraus.

Die „Deutsche Welle“ ist gespalten (Link): Mirjam Gehrke meint, der Präsident habe „alles richtig gemacht“. Inhaltlich nichts Konkretes, bedauert allerdings ihr Kollege Bernd Riegert. Patrick Martin von der trotzkistischen Internetseite WSW beklagt, dass Obama über „das jüngste Abschlachten von Palästinensern durch Israel in Gaza“ geschwiegen habe (Link).
Glücklich über die Rede sind Uri Avnery (ausgerechnet bei Hagalil – Link) sowie Gideon Levy (in Haaretz – Link). Fern der Realität ist wie immer der unermüdliche „Experte“ Udo Steinbach (Link):

Ganz vorn steht das israelisch-palästinensische Problem. Hier ist klar, was erfolgen muss. Da hat sich Obama auf einen umgehenden Siedlungsstopp festgelegt. Wenn dieser durch einen entsprechenden Druck erfolgt – und ohne Druck wird es nicht gehen -, dann wird auch die palästinensische Seite bereit sein, ihre Hausaufgabe zu machen, das heißt, eine neue legitime Führung zu suchen.

Zwei Beispiele fehlerhafter Äußerungen Obamas bringen spanische und französische Medien, berichtet der Spiegel (Link).

Gründlich informiert seine Leser heplev (Link), zum Teil mit denselben Autoren wie ich in diesem Posting und sogar mit deutscher Übersetzung, extra hat er auch den Artikel von Krauthammer übersetzt (Link); eine richtige Stimmung erzeugt auch Liza (Link). Besonders beeindruckend scheint mir aber der Text von Joachim Steinhöfel zu sein, eine seltene Erscheinung im deutschen Blogolande (Link):

Nun ist Obama gewiss kein Bush. Er kann seine Politik deutlich besser verkaufen. Was nichts daran ändert, dass die Rede von geradezu sprachlos machender Naivität und mit Platitüden gesättigt war. Noch schlimmer als die bemerkenswerte Unbefangenheit, mit der Obama die Geschichte der Region verfälscht, ist der Umstand, dass ihm ein moralischer Kompaß fehlt. Er feiert(e) den moralischen Relativismus. Alle sind schuld und keiner ist schuld. [...] Der Holocaust war schlimm, aber das gelte auch für die Besetzung Palästinas durch Israel. Dem Präsidenten fehlen jegliche moralischen Kategorien. Kein Wort über die Kriege, die die Araber gegen Israel begonnen haben, kein Wort darüber, dass die Palästinenser 2000 das Angebot eines eigenen Staates ausgeschlagen und mit Terror (der Intifadah) auf die ausgestreckte Hand der Israelis geantwortet haben. Die Palästinenser stellt Obama in der Rede als Opfer mit den schwarzen Sklaven in Amerika gleich. Als wären sie Sklaven Israels und die Juden die Unterdrücker. Die Palästinenser müssen der Gewalt abschwören und Israel anerkennen, Israel müsse mit dem Siedlungsbau aufhören. Es ist alles gleich schlimm und alles das Gleiche. Es gibt keine moralischen Unterschiede, egal ob man ein Haus auf umstrittenen Grund und Boden baut oder Zivilisten mordet und die Anhänger einer Religion vernichten will. [...]

 

Charles Krauthammer versus Tariq Ramadan – ein virtueller Streit Freitag, 2. Januar 2009

Gespeichert unter: Israel, Krauthammer, Medien, Politik, USA — peet @ 18:38 123092151506Fri, 02 Jan 2009 18:38:35 +0000
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Ohne voneinander zu wissen, haben Charles Krauthammer und Tariq Ramadan heute gegensetzliche Einstellungen zum Israels Krieg gegen die Hamas mit allerletzter Deutlichkeit ausformuliert. Krauthammer wird oft als pro-israelischer Falke betrachtet, Ramadan – als ein moderater europäischer Muslim. Erst im Kontrast der beiden Texte sieht man, dass diese Klischees unwahr sind. Krauthammer spricht die manchmal bittere und traurige Wahrheit aus, um für die Gerechtigkeit zu sorgen, Ramadan versteckt dagegen den ideologischen Kampf für die Weltherrschaft des Islam hinter dem scheinheiligen Aufruf zur Gerechtigkeit.

Krauthammer (Link):

Israel is so scrupulous about civilian life that, risking the element of surprise, it contacts enemy noncombatants in advance to warn them of approaching danger. [...] counting on the moral scrupulousness of Israel, Hamas figures civilian proximity might help protect at least part of its arsenal. [...] knowing that Israelis have new precision weapons that may allow them to attack nonetheless, Hamas hopes that inevitable collateral damage — or, if it is really fortunate, an errant Israeli bomb — will kill large numbers of its own people for which, of course, the world will blame Israel.

For Hamas, the only thing more prized than dead Jews are dead Palestinians. [...] there is equal clarity regarding the asymmetry of ends. Israel has but a single objective in Gaza — peace: the calm, open, normal relations it offered Gaza when it withdrew in 2005. Doing something never done by the Turkish, British, Egyptian and Jordanian rulers of Palestine, the Israelis gave the Palestinians their first sovereign territory ever in Gaza.

What ensued? This is not ancient history. Did the Palestinians begin building the state that is supposedly their great national aim? No. No roads, no industry, no courts, no civil society at all. The flourishing greenhouses that Israel left behind for the Palestinians were destroyed and abandoned. Instead, Gaza’s Iranian-sponsored rulers have devoted all their resources to turning it into a terror base — importing weapons, training terrorists, building tunnels with which to kidnap Israelis on the other side. And of course firing rockets unceasingly.

The grievance? It cannot be occupation, military control or settlers. They were all removed in September 2005. There’s only one grievance and Hamas is open about it. Israel’s very existence.

Nor does Hamas conceal its strategy. Provoke conflict. Wait for the inevitable civilian casualties. Bring down the world’s opprobrium on Israel. Force it into an untenable cease-fire — exactly as happened in Lebanon. Then, as in Lebanon, rearm, rebuild and mobilize for the next round. Perpetual war. Since its raison d’etre is the eradication of Israel, there are only two possible outcomes: the defeat of Hamas or the extinction of Israel.

Israel’s only response is to try to do what it failed to do after the Gaza withdrawal. The unpardonable strategic error of its architect, Ariel Sharon, was not the withdrawal itself but the failure to immediately establish a deterrence regime under which no violence would be tolerated after the removal of any and all Israeli presence — the ostensible justification for previous Palestinian attacks. Instead, Israel allowed unceasing rocket fire, implicitly acquiescing to a state of active war and indiscriminate terror.

Hamas’s rejection of an extension of its often-violated six-month cease-fire (during which the rockets never stopped, just were less frequent) gave Israel a rare opportunity to establish the norm it should have insisted upon three years ago: no rockets, no mortar fire, no kidnapping, no acts of war. As the U.S. government has officially stated: a sustainable and enduring cease-fire. If this fighting ends with anything less than that, Israel will have lost yet another war. The question is whether Israel still retains the nerve — and the moral self-assurance — to win.

Ramadan (Link):

Listening to the feelings expressed by Muslims around the world one gets a sentiment of anger and revolt mixed with a deep sense of helplessness. The current massacres are but a confirmation of the well-known: the „international community“ does not really care about the Palestinians, and it is as if the state of Israel, with the support of the US and some European countries, has imposed a state of intellectual terror. Among the presidents and kings, nobody dares to speak out; nobody is ready to say the truth. All are paralysed by fear.

While the Israeli-Palestinian conflict is sometimes perceived, and experienced, as critical to the relationship between the west and Islam, many Muslims no longer know how to react. Is it a pure political conflict? What does Islam have to do with it? Should we make it an Islamic concern to call upon the ummah?

Muslims around the world are facing three distinctive phenomena. First, in the Muslim-majority countries or in the west, they see they can expect no reaction from governments, especially from the Arab states. Theirs is the guilty silence of the accomplice, the hypocrisy, the contempt for Palestinian lives. Second, western media coverage is alarming, with the majority buying the Israeli story: two equally powerful belligerents, with the victim of aggression (Israel) acting in self-defence. What a distortion! Yet the third phenomenon is interesting: while 73% of Europeans were backing Israel in 1967, more than 67% are supporting the Palestinians today. With time, understanding and sensitivity have moved: populations are not blindly following the games and hypocritical stands of their political elites.

Considering these factors, Muslims around the world, and especially western Muslims, should clarify their position. While refusing to turn the Israeli-Palestinian war into a religious conflict, they should not deny its religious dimension, and thus formulate an explicit stand. From an Islamic viewpoint, it should be clear that their resistance is not against Jews (antisemitism is anti-Islamic); to target innocent civilians must be condemned on both sides; and the objective should be for Jews, Christians and Muslims (with people of other religions or no religion) to live together with equal rights and dignity.

The Palestinians are never going to give up; and Israel, for all its awesome firepower, has not won the conflict. Muslims around the world should be a driving force of remembrance and resistance. Not as Muslims against Israel, the west or the hypocritical Arab states, but more widely, and constructively, for justice with all (religious or not) who refuse to be brainwashed or reduced to powerless spectators. It is time to create broad alliances and synergies around clear political objectives.

If the Middle East is teaching Muslims anything, it is to stop acting in isolation and return to the universal values they share with their fellow citizens. They should realise they are in and with the majority. Demonstrations and articles are crucial but we need to go further. To launch a global movement of non-violent resistance to the violent and extremist policy of the state of Israel has become imperative. The violence inflicted, in front of us, upon a population of one and a half million humans makes our silence, our division and even our limited emotional reaction undignified, insane and inhumane. A true and dignified resistance requires commitment, patience and a long-term strategy of information, alliance and huge, non-violent democratic participation.

Bezeichnend sind hier wie dort die Auslassungen. Krauthammer spricht kaum über das Elend der Palästinenser, er sagt auch kein Wort über das zumindest problematische Verhältnis von Israelis zu ihren eigenen arabischen Mitbürgern, sein Thema ist die Hamas. Ramadan erwähnt weder die Terroristen und ihre Methoden noch die Politik der arabischen Staaten, die Palästinenser in den Flüchtlingslagern jahrzehntelang für den Kampf mit Israel züchten. Der Unterschied ist letzten Endes gravierend – Krauthammer will den Frieden, auch auf Kosten von vielen menschlichen Opfern, Ramadan will die Konsolidierung des Islam, die Rückeroberung des gesamten Nahen Ostens, die Vernichtung Israels. Krauthammer sagt klar, was er will; Ramadan verschleiert seine Gedanken.

Man kann allerdings davon ausgehen, dass Krauthammers Position viel Unterstützung findet und Ramadans Position wenig. Krauthammer unterstützt den Krieg um friedenswillen, Ramadan will den Frieden, um den Krieg vorzubereiten. Für die aggressiven und moderaten Islamisten ist Ramadans Verschleierung nicht akzeptabel. Er bedient hier das lesende Publikum Europas, das bereit ist, durch die „Guardian“-Brille die Welt zu sehen. Es wäre interessant zu erfahren, wie die normalen Muslime das sehen. Mal schauen.

 

Joachim Kaiser als Schoßkind Freitag, 12. Dezember 2008

Gespeichert unter: Deutschland, Geschichte, Joachim Kaiser, Medien, Personen, Süddeutsche Zeitung — peet @ 23:01 122912288011Fri, 12 Dec 2008 23:01:20 +0000
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In der „Süddeutschen Zeitung“ wird Joachim Kaiser sehr gut behandelt, nicht nur zum Jübiläum. So darf er auch interviewt werden, und dabei über alles mögliche plaudern. Einiges wirkt auf mich persönlich etwas unangenehm. Daraus zwei Stellen, die besonders unangenehm sind (Link):

Wir jungen deutschen Nachkriegs-Intellektuellen kannten wegen der Nazizeit die Bedeutung der jüdischen Intellektualität kaum. Wir hatten die Zwanzigerjahre nicht erlebt und jüdische Intellektuelle nie kennengelernt. Es wirkte dann ungeheuerlich, bei Adorno oder eben Aichinger diese jüdische Geistigkeit zu erleben.

Es war klar, dass es sich um jüdische Geistigkeit handelte. Die man sehr bewunderte.

Die identifizierbar war? Wissen Sie, meine Mutter hieß Abramowski. Der Name klingt nicht gerade germanisch. Ich bin sogar von sehr vielen Leuten für jüdisch gehalten worden, was ich übrigens immer gern als Kompliment genommen habe. Ich hoffe, dass ich ein bisschen was von einem jüdischen Intellektuellen habe. Ich rede auch mit den Händen. Und ich war ein ausgesprochenes Schoßkind von denen. Die haben ja intelligente junge Leute gern.  <…>

1945 sind keine Ideale mehr zusammengebrochen. Es kann keinen halbwegs intelligenten Menschen gegeben haben, der so ahnungslos war, dass er nicht spätestens nach Stalingrad 1943 anfing, ans Ende zu denken. Das ist auch der Zwist, den ich mit meinem Freund Günter Grass habe, der äußerte, er habe erst 1945 bei den Nürnberger Prozessen erkannt, dass Hitler kein feiner Mann war und die Nazis doch irgendwie Dreck am Stecken hatten. Stalingrad ist der eigentliche Einschnitt gewesen. Da wurde mir klar, dass der Krieg verloren ist. Die Existenz danach war wie ein dunkler Tunnel und die einzige Frage: Wie kommst du hier jemals raus?

Fein formuliert, aber unterm Strich ekelhaft.

 

Hitler- und Judengeschäft bei „Freitag“ Sonntag, 30. November 2008

Gespeichert unter: Antisemitismus, Dan Bar-On, Deutschland, Freitag, Geschichte, Medien — peet @ 14:31 122805548502Sun, 30 Nov 2008 14:31:25 +0000
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Beide Themen verkaufen sich immer gut, das weiß auch die „Freitag“-Redaktion. Und beides unter einem Hut noch besser. So hat die Wochenzeitung jetzt, also am 28.11.2008 einen Artikel aus der „Guardian“ vom 6.8.2008 übersetzt. Warum so spät? Tja, warum überhaupt, das wäre die richtige Frage.

Tanya Gold schreibt darin über ihre Begegnungen mit Konvertiten, mit deutschen Täter-Nachkommen, die nach Israel gingen und dort zum Judentum konvertierten. In der typischen für die „Guardian“ leicht aufgeregten israelneugierigen Sprache, mit leichtem Anti-Ton, mit der Verwunderung, warum denn diese Menschen überhaupt bereit sind, interviewt zu werden, wo sie doch im Geiste leicht krank sind. Alles leicht und unverbindlich, nett plauderig.

In der deutschen Übersetzung sind zwei Unebenheiten schwerwiegend. Erstens bezieht sich Tanya Gold ständig auf die Telefonate mit Dan Bar-On, dem großen Mann der israelischen Psychologie, der mit seiner TRT-Methode eine Epoche geschrieben hat. Das kann sie nicht wissen, sie plappert nur nach. Nur ist er leider am 4.9.2008 gestorben. Das wird nicht einmal erwähnt, peinlich.

Zum zweiten, klingen alle Leichtigkeiten Golds in der deutschen Sprache und im Kontext der Zeitung anders, noch peinlicher eigentlich.

Es bleibt noch zu erwähnen, dass die englische Originalfassung von Yaacov Lozowick nüchtern und klug auseinandergenommen wurde (Link):

the idea that people want to belong to a victim group, because being a victim carries moral weight. I suppose if you believe that circumstances make of us what we are and human choice is at best of secondary importance, it’s better to be weak and incapable of bettering your condition, than strong and perhaps responsible for your deeds. After all, the end result is that people are flawed, and realilty is never perfect, so the less responsibility you have, the more you can shove onto some others who are stronger, the better.

Aber das ist für die „Freitag“ zu kompliziert, sorry.

 

Die Akademie der Schlammschlachten (6) Sonntag, 15. Juni 2008

Gespeichert unter: Blogging, Broder, Jan-Eric Peters, Medien, Stefan Niggemeier — peet @ 12:01 121353127812Sun, 15 Jun 2008 12:01:18 +0000
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Broder und Niggemeier - dieser Kampf erstreckt sich schon über mehrere Runden. Zuerst erschien das nur merkwürdig, dann ekelig. Ich benannte dieses mediale Kapitel  als „Schlammschlachten“, verfolgte in gewissen Abständen die Blogeinträge und Kommentare und habe doch eine weitere „Qualitätssteigerung“ verpasst. Jan-Erik Peters, der die Axel-Springer-Akademie leitet, hat darin die ausgezeichnete Chance entdeckt, die beiden für die „Bild“-Sache zu verwerten. Er spielte die beiden gegeneinander aus, mit zugegeben großer Kunst und beträchtlichem Erfolg. Das Schema ist ganz einfach: Niggemeier arbeitet mit seinem Bildblog gegen die „Bild“, Niggemeier hat aber auch Broder zu einem massiven Gegenangriff provoziert, Broder hat gegen Niggemeiers Bildblog gebloggt. Das ist die Vorlage. Jetzt kommt der niedliche Vermittler und bittet Broder um den Abdruck bei der „Welt“ - alles ganz solide und sogar distanziert kritisch. Am Tage der Publikation verbloggt der zufriedene Schlammschlächter das Resultat und sammelt Punkte – „Bild“ gegen den Qualitätsjournalismus 2:0. Eine wahre Schule der „Bild“-Intrige. So spielt man seine Feinde aus und steht immer noch unschuldig da. Die beiden bewerfen einander unermüdlich weiter mit Dreck.

Links:

Broder über den Bildblog, mit zum Teil erstaunlich guten, Broder gegenüber zurecht kritischen Kommentaren

Peters’ Blogeintrag, mit überwiegend unsachlichen Kommentaren

Mein erster Kommentar zu der Schlammschlacht vor einem Jahr

 

Es brodert bei Niggemeier Dienstag, 4. März 2008

Gespeichert unter: Blogging, Stefan Niggemeier — peet @ 22:25 120466955310Tue, 04 Mar 2008 22:25:53 +0000
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Zum Thema selbst habe ich mir erlaubt, alles Notwendige schon vor Monaten auszusprechen (Link). Bei den neuesten Versuchen Niggemeiers, Broder ein Aufmerksamkeitszeichen zu entlocken, sammeln sich Hunderte von Interessenten. Antisemitische Wortmeldungen sind selten, einige wagen es sogar, Niggemeier selbst für seine Haltung und für die Erschaffung einer unwürdigen Plattform  für den tobenden Mob zu kritisieren. Wie auch immer, einer der Kommentatoren gehört offensichtlich zu dem besonderen Volk, welches an Broder Briefe schreibt. Der Kommentator rühmt sich mit Broders Antwort auf den „empörten“ Leserbrief und zitiert diese Antwort voller Stolz (Link):

ich bin erschüttert. gerade auf ihre bewertung kam es mir ganz besonders an.

Herrlich!

 

Russland-Experte Kaminer Samstag, 1. März 2008

Gespeichert unter: Falschmeldungen, Medien, Politik, Russland, Wladimir Kaminer — peet @ 11:53 120437242011Sat, 01 Mar 2008 11:53:40 +0000
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In der heutigen „Frankfurter Rundschau“ kann man Wladimir Kaminer bewundern, wie er sich in die Reihe der Russland-Versteher stellt (Link):

Sicher, es steht wenig zur Wahl. Das heißt aber nicht, dass es keine Demokratie ist. Es ist eine andere Form davon. [...] Ich habe in Moskau sehr viel kritisches Material gelesen, in verschiedenen Zeitungen. Das ist nicht zu vergleichen mit der Atmosphäre in der Sowjetunion. Damals hat das Dissidententum tatsächlich für große Aufregung gesorgt. Es gehörte sehr viel Haltung und eine gewisse Heldenhaftigkeit dazu, sich gegen das Regime zu stellen. Heute werden die Oppositionellen vom Volk oft verspottet. [...] Die Medien waren nie besser gestellt als heute. [...] Der tragische Mord an der Journalistin Anna Politkowskaja hat dem Ansehen Russlands viel mehr geschadet, als ihre Arbeit es je konnte. [...] Ich bin gar kein Fan von Putin. Er war halt die einzige Alternative zu dem, was vorher war.

Eine seltene Mischung aus Unwissenheit, unverdauten Resten offizieller Putin-Propaganda und direkten Lügen. Kaminer kann bekanntlich nicht zwischen Kafka und Konsalik unterscheiden. Zwischen Wahrheit und Lüge noch weniger.