Archiv für die Kategorie ‘Politik’

Abbas als Mazen als…

Samstag, 1. März 2008

Vor einigen Tagen hat sich der friedensliebende Präsident der Palästinenser und der friedensstiftende Fatah-Führer Abbas in einem Interview an eine jordanische Zeitung selbst übertroffen und die Wahrheit gesagt. Der Text ist in Fragmenten bei der “Jerusalem Post” erschienen und einmalig offenkundig (Link):

PA President Mahmoud Abbas on Thursday said that he does not rule out returning to the path of armed “resistance” against Israel and took pride in the fact that he had been the first to fire on Israel and that his organization had trained Hizbullah.

In an interview with the Jordanian daily al-Dustur, Abbas said that he was opposed to an armed struggle against Israel - for the time being.

“At this present juncture, I am opposed to armed struggle because we cannot succeed in it, but maybe in the future things will be different,” he said.

The PA president also expressed pride both in himself and in his organization, Fatah, for trailblazing the path of resistance.

“I had the honor of firing the first shot in 1965 and of being the one who taught resistance to many in the region and around the world; what it’s like; when it is effective and when it isn’t effective; its uses, and what serious, authentic and influential resistance is,” Abbas said.

“It is common knowledge when and how resistance is detrimental and when it is well timed,” he added. “We (Fatah) had the honor of leading the resistance and we taught resistance to everyone, including Hizbullah, who trained in our military camps.”

So einfach ist das, man muss nur lesen können. Sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft werden hier auf dem Präsentierteller serviert.

P.S. Wurde der Text in den deutschen Medien rezipiert? Sorry, eine rhetorische Frage…

Russland-Experte Kaminer

Samstag, 1. März 2008

In der heutigen “Frankfurter Rundschau” kann man Wladimir Kaminer bewundern, wie er sich in die Reihe der Russland-Versteher stellt (Link):

Sicher, es steht wenig zur Wahl. Das heißt aber nicht, dass es keine Demokratie ist. Es ist eine andere Form davon. [...] Ich habe in Moskau sehr viel kritisches Material gelesen, in verschiedenen Zeitungen. Das ist nicht zu vergleichen mit der Atmosphäre in der Sowjetunion. Damals hat das Dissidententum tatsächlich für große Aufregung gesorgt. Es gehörte sehr viel Haltung und eine gewisse Heldenhaftigkeit dazu, sich gegen das Regime zu stellen. Heute werden die Oppositionellen vom Volk oft verspottet. [...] Die Medien waren nie besser gestellt als heute. [...] Der tragische Mord an der Journalistin Anna Politkowskaja hat dem Ansehen Russlands viel mehr geschadet, als ihre Arbeit es je konnte. [...] Ich bin gar kein Fan von Putin. Er war halt die einzige Alternative zu dem, was vorher war.

Eine seltene Mischung aus Unwissenheit, unverdauten Resten offizieller Putin-Propaganda und direkten Lügen. Kaminer kann bekanntlich nicht zwischen Kafka und Konsalik unterscheiden. Zwischen Wahrheit und Lüge noch weniger.

Noch ‘ne Schlammschlacht (5)

Montag, 31. Dezember 2007

In der FR führt uns Volker Schmidt in die Posse ein, an der sich drei Akteure beteiligen - die baden-württembergische SPD , die neorechte “Junge Freiheit” und das “Fakten-Fakten-Fakten-Blatt” “Focus” (Link). Die Hauptrolle spielt dabei der “Focus”-Chef vom Dienst Michael Klonovsky. Einerseits lesenswert, denn die JF entdeckt für sich schmutzige Mechanismen der schönen neuen Welt schneller als die erstarrte Linke. Andererseits traurig, weil die angebliche Mitte nur zuschaut, anstatt sich zu besinnen.

Putins Interview mit der “Time” vorab

Donnerstag, 20. Dezember 2007

Am 12.12.2007 hat Wladimir Putin der Zeitschrift “Time” ein Interview gegönnt, ein riesiger Text. Das Interview ist noch nicht erschienen, aber ist komplett zu lesen (Link). So wird es in Russland heute gemacht. Darunter viele Perlen und sehr viel Selbstbewusstsein, z.B.:

QUESTION: You said that the large number of telephones on the boss’s desk is an old stereotype now. How much into technology are you personally? Do you use e-mail or Blackbury, and do you have your own blog, for example?

VLADIMIR PUTIN: To my great shame, I don’t use any of these things. I don’t even use the telephone. My staff does it all for me. They do it all very well and I am very envious of them.

Oder:

Of Ukraine’s 45 million people, 17 million are ethnic Russians, and this is only according to official statistics. Almost 100 percent of people there consider Russian their native language, well, 80 percent perhaps. This is a country we are very close to and we sincerely want to see peace and tranquillity finally come to Ukraine and see them put in place the conditions for consistent development.

Und das Schönste:

QUESTION: And why was Mr Kasparov arrested, even for a short time? And why would you, Mr President, such a popular man, not allow the press and the opposition to proceed freely? In the American context, doing so would have made you even more popular.

VLADIMIR PUTIN: Why do you think Mr Kasparov was speaking English rather than Russian when he was detented? Did this not occur to you? I think that first and foremost his deeds were not aimed at his own people but rather at a Western audience. A person who works for an international audience can never be a leader in his own country. He should think of the interests of his own people and speak in their native language.

Noch Fragen?

Illarionov bleibt dran

Sonntag, 16. Dezember 2007

In der “Washington Post” benennt Andrei Illarionov die Spielchen mit den lupenreinen Demokraten beim Namen. Unter anderem zielt er auf Rice und Merkel (Link):

Rice commended Medvedev, Russia’s first deputy prime minister, as a “very intelligent person” and a politician “of another generation.” For Putin and the Russian siloviki (secret police operatives) who have consolidated power and are maneuvering to ensure that the regime retains control via an undemocratic succession, Rice’s remarks could not have been better timed. Medvedev has not begun campaigning. In fact, Medvedev is not even an official candidate in the March presidential election — he has yet to give his nomination papers to the Central Electoral Commission. [...]

Rice’s endorsement is all the more breathtaking considering it comes in the wake of a parliamentary election that was full of heavy-handed intimidation tactics and that European human rights observers called the dirtiest election yet in the post-Soviet period. [...]

Rice’s endorsement is all the more breathtaking considering it comes in the wake of a parliamentary election that was full of heavy-handed intimidation tactics and that European human rights observers called the dirtiest election yet in the post-Soviet period. [...]

What Rice and German Chancellor Angela Merkel — who has indicated that she “could work well with” Medvedev — are expressing is their acceptance of the underhanded political tactics of the siloviki regime. Having issued their endorsements ahead of the election, they are saying publicly that for them, Putin’s wishes count for much more than all the people’s ballots.

The March presidential election is being buried — by ex-Soviet secret police operatives and by Western leaders who have already accepted an illegitimate heir to the Russian throne. 

Und so sehen echte Provokateure aus

Sonntag, 2. Dezember 2007

Die Situation in Russland bleibt ein Thema für Schlagzeilen und heftige Dispute. Hier bringe ich ein ganz besonderes Video, von einer russischen Seite, die vielleicht bald nicht mehr erreichbar sein wird.

Kurze Beschreibung: Während der Haftzeit Kasparovs haben Behörden keine Demos oder ähnliches erlaubt. Laut Gesetz bleibt dann immer noch eine Möglichkeit für jeweils eine einzelne Person zu protestieren. Diese wurde benutzt, aber auch dann fanden die Wächter von Putins Regime einen Weg, die Spielregeln zu ihren Gunsten zu ändern. Zu der einzeln protestierenden Person wurden Provokateure geschickt, die um sie eine Gruppe bildeten und auf diese Weise eine unerlaubte Demo darstellten. In dem Moment tauchte plötzlich ein Patroullenauto auf und holte diese erste Person ab, die Provokateure wurden mit Dank an Ort und Stelle gelassen, damit sie die nächste zu verhaftende Gruppe bildeten. Das kann man auf diesem Video klar sehen. Zwei junge Männer spielen ihre Rolle gut, der eine trägt Schachutensilien unterm Arm, der andere - einen Sack mit Keksen für Kasparov. Sie lassen sich nicht abwimmeln und sprengen die Situation. Der Gesetzesvertreter nimmt dem Protestierer den Pass ab und verfrachtet ihn ins Auto, die beiden Provokateure werden nach außen aus dem Blick der Kamera mit einer freundlichen Geste geschickt.

Wer ist hier der agent provocateur?

Samstag, 1. Dezember 2007

In der Wochenzeitung “Freitag” schreibt ein Kai Ehlers zu “Kasparows Festnahme” (Link):

Wenn Kasparow fünf Tage in Haft geht, weil er die Bannmeile durchbricht, ist damit nicht die Opposition niedergeschlagen, wie behauptet wird, sondern ein Provokateur so behandelt worden, wie er es sich nicht besser wünschen konnte. Und wenn Putin Revanche und Chaos nach den Wahlen fürchtet, ist das begründet, denn Russlands neue Stabilität ist keineswegs gefestigt. Ex-Oligarch Beresowski, der sich rühmt, Kasparaw zu finanzieren, agitiert aus London für den Umsturz; Kasparow seinerseits ist Mitglied des Security Advisory Council der USA. Solcherart Einmischungen einzudämmen, ist für Russland existenziell.

Die Wiederaufnahme von Sprachmustern und Methoden der schönen alten Zeiten, als Stalin noch ein Vorbild für die gesamte Linke war, erfolgt nicht nur in der Rede Putins (Link). Sowohl nach innen als auch nach außen werden tonnenweise Lügen verbreitet, “unabhängige” Journalisten und Medien eingesetzt, uneigennützig aus Liebe zu Russland oder auch weil sie bereit sind, die eine oder andere “Liegenschaft” dort zu vermitteln.

Kasparow wurde aus der Gruppe der Journalisten heraus auf der sicheren Straßenseite auf direkten Befehl hin verhaftet. Er war nicht an irgendwelchen Kampfhandlungen beteiligt. Seine Zeugen wurden nicht angehört, seine Verhaftung nicht protokolliert und später manipulert. Sein Rechtsanwalt wurde zu ihm nicht vorgelassen, bis zum Anfang der Gerichtsverhandlung, die nicht einmal als eine Farce benannt werden kann. Die Richterin hat ihren Urteil nach der Telefonberatung gefasst. Während der gesamten Haftdauer von fünf Tagen schirmte man Kasparow ab, ohne Kontakte, die ihm zustehen. Das sind Fakten!

Wenn Ehlers in vollem Einklang mit Putin Kasparow als einen westlichen Agenten enttarnt, dann folgt er demselben Muster, wie ein Jahr zuvor bei der Besprechung der Ermordung Politkowskajas - als er fragte, wer davon profitiere (Link):

Dabei ist die Frage nach dem Nutznießer der Interventionen [in Irak] klarer zu beantworten als die nach denen des Mordes: Eine Destabilisierung des Kaukasus nützt weder Russland, noch den kaukasischen Völkern, sondern allein denen, die hier ihre globalstrategischen Interessen durchsetzen wollen. Dazu lese man noch einmal Sbigniew Brzezinski, „Die einzige Weltmacht“, oder höre sich die Reden aus dem neo-konservativen Lager der gegenwärtigen US-Regierung an.

Die vorbildliche linke Zeitung verteidigt Putins Plan. Gut zu wissen. Als Beresowski Putin an die Macht brachte, war er noch gut genug, das zu tun. Jetzt auf einmal sind “Liegenschaften” woanders zu bekommen: Qui bono?

Putin im Klartext

Sonntag, 25. November 2007

Noch deutlicher als vorhin sprach Putin seine Sicht der Dinge aus, und zwar am Mittwoch, dem 21.11.2007 in Moskau. Den Text und schlüssigen Kommentar dazu sucht man vergeblich bei den Zeitungen und Fernsehredaktionen. Bis jetzt habe ich eine deutsche Übersetzung (offensichtlich von der russischen staatlichen Presseagentur) nur in einem TAZ-Blog gefunden. Nun Fragmente daraus (Link):

Wir haben die Souveränität Russlands gefestigt und seine Integrität wiederhergestellt. Die Macht des Gesetzes und die Oberhoheit der Verfassung wiederhergestellt. Trotz der schweren Verluste und Opfer wurde dank dem Mut und der Einheit von Russlands Volk die Aggression des internationalen Terrorismus gegen unsere Heimat abgewehrt. [...]

Wenn der heutige Entwicklungskurs des Landes fortgesetzt und das wirtschaftliche Wachstumstempo beibehalten werden, ist Russland fähig, binnen der nächsten zehn Jahre eine der fünf führenden Wirtschaften der Welt zu werden. [...]

Der (nach Abzug der Inflation) ausgezahlte Reallohn ist auf das Dreifache gestiegen. Dank der aktiven Sozialpolitik sinkt die Sterblichkeit. Erstmalig in den letzten Jahren nehmen die Geburtenzahlen zu. [...]

So sieht der von uns erarbeitete Plan aus. [...]

Jene, die uns gegenüberstehen, wollen die Realisierung unseres Planes nicht. Denn sie haben ganz andere Aufgaben und etwas ganz anderes mit Russland vor. Sie brauchen einen schwachen, kranken Staat. Sie brauchen eine desorganisierte und desorientierte, eine zerteilte Gesellschaft, um hinter ihrem Rücken ihre Geschäfte zu deichseln, um den Kuchen auf unsere Kosten zu vernaschen. Und leider finden sich innerhalb des Landes noch Leute, die sich gleich Schakalen um ausländische Botschaften und ausländische diplomatische Vertretungen herumtreiben und mit der Unterstützung von ausländischen Stiftungen und Regierungen rechnen - nicht mit der Unterstützung des eigenen Volkes. [...]

Die Macht begeht tatsächlich Fehler bei ihrer Arbeit und kann und muss deshalb kritisiert werden. Übrigens sehen auch wir selbst die Probleme, wir arbeiten an ihrer Lösung.

Dabei aber rufen die politischen Spekulationen um diese Schwierigkeiten zumindest Befremden hervor. Und das seitens welcher Kräfte? Seitens der Menschen, die jahrzehntelang Russland lenkten und Ende der 80er Jahre die Menschen ohne die elementarsten Dienstleistungen und Waren ließen: ohne Zucker, ohne Fleisch, ohne Salz, ohne Streichhölzer. Der Menschen, die durch ihre Politik zweifellos den Zerfall der Sowjetunion vorbereitet hatten.

Oder Spekulationen von Leuten, die erst etwa vor zehn Jahren sowohl im Föderationsrat als auch in der Regierung die Schlüsselpositionen kontrollierten. Das sind die Leute, die in den 90er Jahren auf ihren hohen Posten zum Schaden der Gesellschaft und des Staates handelten, weil sie die Interessen der oligarchischen Strukturen bedienten und nationales Vermögen verschleuderten. Aber heute belehren sie uns, wie wir zu leben haben, dabei machten unter anderem sie die Korruption zum Hauptinstrument der politischen und ökonomischen Konkurrenz. Das sind die Leute, die von Jahr zu Jahr nicht ausbilanzierte, absolut verantwortungslose Haushalte annahmen, die letzten Endes in Finanzkrise, Verfall sowie eine vielfache Senkung des Lebensniveaus der Bürger unseres Landes gipfelten.

Waren es denn nicht diese unsere Opponenten, die die einheimische Landwirtschaft verächtlich ein “schwarzes Loch” nannten und die Notwendigkeit einer staatlichen Stützung des Dorfes verneinten?

Und gerade sie brachten seinerzeit die Finanzierung der Wissenschaft und der Verteidigungsindustrie auf Null und bestanden auf einer absolut unbegründeten, radikalen Reduzierung unserer Streitkräfte.

Das sind jene Leute, die jahrelang die Kindergelder, Renten und Löhne nicht auszahlten. Jene, die in der schwersten Periode der terroristischen Intervention gegen Russland verräterisch zu Verhandlungen, im Grunde aber zu einer Abmachung mit den Terroristen aufriefen, mit Leuten, die unsere Kinder und Frauen ermordeten. Jene Leute, die hierbei auf das Gewissenloseste und Zynischste mit den Opfern spekulierten.

Kurzum, das sind all die Leute, die Ende des vorigen Jahrhunderts Russland zur massierten Armut und allgemeinen Bestechlichkeit führten: zu all dem, wogegen wir bisher kämpfen.

Nur keine Illusionen, sehr geehrte Freunde! All diese Leute sind nicht von der politischen Bühne abgetreten. Ihre Namen finden Sie unter den Kandidaten und Sponsoren einiger Parteien. Sie wollen Revanche nehmen, wieder über die Macht und die Einflusssphären verfügen. Und allmählich das auf Korruption und Lüge aufgebaute oligarchische Regime restaurieren. Sie lügen auch heute. Nichts werden sie vollbringen, keinem etwas Gutes tun. Auch nicht den Rentnern, die von ihnen in den vergangenen Jahren vielfach ausgeraubt wurden. Jetzt haben sie noch vor, auf die Straße zu gehen. Sie haben etwas von den westlichen Fachleuten gelernt, in den Nachbarrepubliken geübt, jetzt werden sie hier Provokationen verüben.

Alles in allem denke ich, dass niemand mehr Zweifel hat: Diese Herrschaften können nur eins, wenn sie wieder an die Macht kommen: erneut Millionen Menschen bestehlen, sich die Taschen vollstopfen, aber das mit dem ihnen gewöhnlich eigenen Glanz und Zynismus tun. Daran zweifelt niemand.

Heute sehen alle, dass Russland gewaltige Reserven akkumuliert hat. Einige Leute möchten am liebsten wieder alles wegnehmen, aufteilen und dann alles bis auf den Grund zerstören, wie sie das schon mehr als einmal taten; und andere möchten erneut alles stehlen und in die Klauen bekommen. [...]

Man lese und staune. Soviel zum Thema Demokratie, Kunst der Propaganda, Geschichte Russlands und heute. Garry Kasparow, einer der größten Schachspieler der Weltgeschichte, sitzt jetzt fünf Tage für den Gang mit der Protestpetition gegen alles, was diese Rede verkörpert, ab. Die Welt schweigt.

Nahostplan der Vernunft

Samstag, 24. November 2007

Im “Economist” lese ich den besten Friedensplan für die Krise im Nahen Osten, die sich nicht lösen will (Link):

Three years ago Mr Bush said in a public letter to Ariel Sharon that it would be unrealistic to expect Israel to evacuate all the dense settlement blocks it has planted in the West Bank. Fine. But since most settlers live close to the old border, he can now tell Israel that it cannot keep more than a few percentage points—say 5% or so—of the West Bank, and that it must offer the Palestinians land from its own side in compensation. On refugees, Mr Bush should say, as Bill Clinton did, that their right to “return” should be exercised in the new Palestine and not in pre-1967 Israel: that is a bitter pill but it is the logic of a peace based on partition. And Israel too must accept a bitter potion: Jerusalem, the beating heart of both peoples, will have to be the capital of both.

Seit je das Beste zum Thema, und das in einem Editorial.

Gabriele Krone-Schmalz hat “ferngesteuerte Querulanten” entdeckt

Samstag, 24. November 2007

Im Lichte der Russland-Beiträge in diesem Blog scheint mir ein Interview mit Gabriele Krone-Schmalz bei n-tv brisant - eine richtige Selbstenthüllung (Link). Mit einer naiven Ironie sagt der Sender eigentlich die Wahrheit, ohne es zu wissen:

Gabriele Krone-Schmalz blickt anders auf Russland als viele Journalisten sonst.

Die Frage wäre in der Tat: Wessen Sprache bedient sie sich? Zum Beispiel, über Jelzin:

Jelzin hat sicherlich auch seine Verdienste, das will ich nicht bestreiten, aber es war allerhöchste Zeit, ihn abzulösen.

Er wurde nicht abgelöst, das hätten einige Institutionen gerne gehabt, genau die, die jetzt an der Macht sind. Genauso in vielen weiteren suggestiven Aussagen, die mit keinen Fakten belegt werden können:

Putin war nach Jelzin sicher das Beste, was Russland passieren konnte. Er hat den Menschen Zuversicht und Selbstvertrauen gegeben.

Welchen Menschen? Ich glaube, einer ganz bestimmten Gruppe von Menschen, die sich gerne als vox populi ausgibt. Mit den Befragungsresultaten würde ich vorsichtig umgehen.

Meines Erachtens ist die wichtigste Perspektive für Russland das Installieren rechtsstaatlicher Strukturen. Denn zuerst braucht man die politischen Instrumente, dann kann man auf ihnen spielen. [...] Es reicht, wenn verlässliche, rechtstaatliche Regeln und Menschenrechte verankert sind.

Mit dem Spielen auf einer Flöte kannten sich schon einige falsche Freunde eines Prinzens aus. Genauso hier - nichts als mit der Rechtsstaatlichkeit spielen wollen die Machthaber Russlands. Weder Verlässlichkeit noch Menschenrechte sind in Sicht. Sind wir hier im russischen Staatsfernsehen?

Allerdings findet man in den Zeitungen die gesamte Bandbreite von Meinungen, inklusive scharfer Kritik an der Regierungspolitik. Und ausgerechnet der kritischste Radiosender “Echo Moskwy” gehört Gasprom, dem entscheidenden Machtfaktor in Russland.

Ach, wie schön. Wie groß ist die Auflage dieser Ausgaben? Wieviele von ihnen wurden schikaniert und geschlossen? In wievielen Städten Russlands kann man den genannten Sender empfangen?

So geht es weiter und weiter. Das Interview gipfelt in der Offenbarung der Journalistin über “ferngesteuerte Querulanten” in der politischen Opposition. Noch genauer kann man den Standpunkt des Machtapparates gegenüber Kritikern nicht wiedergeben. Glückwunsch! Es gibt allerdings noch einen weiteren Knüller:

Wie groß ist der Einfluss der Oligarchen auf seine [Putins] Politik?
 
Nach meinem Geschmack immer noch zu groß.

Wie schade, dass Krone-Schmalz hier keinen einzigen Namen nennt. Kann sie das? Ich glaube, das kann sie nicht. Es gibt nämlich keinen Einfluss der Oligarchen mehr, sie sind entmachtet und eingeschüchtert. An ihrer Stelle stehen andere Freunde  des Staates, die den Text bei n-tv bestimmt gut finden. Somit kann man nicht nur die brave Journalistin beglückwünschen, sondern auch den Sender. Darf man fragen, wie es zu dem Interview kam? :-)

Was Broder darf, was Friedman nicht kann

Montag, 19. November 2007

Seit Michel Friedman mit Horst Mahler auf den Seiten der Zeitschrift “Vanity Fair” gesprochen hat und insbesondere seit der bissigen Verurteilung dieses Textes von Henryk Broder bei Spiegel online (Link), hört eine Menge von Lesern nicht auf, auf ein sich zunehmend zu einem Popanz auswachsendes Interview Broders aus dem Jahre 1992 anzuspielen. Ich habe etwas länger gewartet, dass einer dieser moralischen Apostel den Text einmal einbringen und analysieren würde. Nein, es wird nur drum-herum nebulös gemeckert. Da wurde ich doch neugierig und habe heute den Text vom 19.5.1992 aus der TAZ gelesen.

Broder spricht darin mit Franz Schönhuber, lässt ihn über die feinen Unterschiede zwischen Faschisten und Nationalsozialisten schwafeln, sich von den ungebildeten und nicht feinen Parteimitgliedern oder Jörg Haider distanzieren. Und doch gibt es da Momente, wo Broder sich durchsetzt und Schönhuber dorthin bringt, wo er ihn haben will. Ich zitiere:

Wie halten Sie es mit Edmund Stoiber, der vor einiger Zeit von der “durchraßten Gesellschaft” gesprochen hat?

Wenn ich so etwas gesagt hätte, wäre ich wahrscheinlich eingesperrt worden. Es ist unglaublich, die Heuchelei der etablierten Parteien. Jeder Satz, den ich in der Frage des Asyls vor fünf Jahren gesagt habe, wurde als chauvinistisch, rassistisch, faschistisch verschrien. Heute findet kein Mensch etwas dabei, wenn Herr Gauweiler sagt, das Boot ist nicht nur voll, das Boot droht zu kentern. Oder wenn Herr Farthmann von der SPD meint, man sollte die Asylanten beim Kopf und am Hintern packen und rausschmeißen. Das geht weit über das hinaus, was ich jemals gedacht und gefordert habe. Ich habe nie von der “durchraßten Gesellschaft” gesprochen, dieser Satz ist per se falsch und auch inhuman. Ich bin auch bei meinen Parteifreunden öfter angeeckt, wenn ich auf die Frage “Wer soll ein Deutscher sein?” gesagt habe: “Wer einen deutschen Paß hat, unabhängig von der Hautfarbe”, das heißt, es kann ein Schwarzer genau so Deutscher sein wie ein Gelber oder was auch immer.

Sie haben einmal gesagt: “Eigentlich regieren wir ,Republikaner’ schon ein wenig mit.”

Ja, nach den letzten Wahlerfolgen sind wir praktisch mit auf der Regierungsbank. Ich sitze dort wie eine Schattenfigur, ohne dort zu sein. Was die Parteien heute in der Frage der Verbrechensbekämpfung, über die Änderung des Asylrechts sagen, sagen sie nicht aus eigenem Antrieb, sondern weil es mich gibt und weil die “Republikaner” erfolgreich sind.

Diese Direktheit der Parallelen vermisse ich beim Friedman-Mahler-Gespräch. Mahler kann bei Friedman alles tun, was er will, es wird nur und ausschließlich widerliches Zeug ausgesprochen. Broder dagegen spielt ziemlich geschickt mit der Eitelkeit Schönhubers. Er hält die Fäden des Gesprächs in der Hand. Er lässt Schönhuber das aussagen, was auch in den Geschichtsbüchern steht, nur in diesem Fall als Zeuge von innen:

ich bin ein Handwerkersohn. Mein Vater war Nationalsozialist aus einem ganz einfachen Grunde: Er war ein Anhänger von Strasser, weil er damals auf die soziale Komponente der NSDAP setzte…

… auf den sogenannten linken Flügel.

Er setzte auf diesen Flügel. Strasser sprach von der antikapitalistischen Sehnsucht des deutschen Volkes. Das hat meinem Vater imponiert. Ich bin kein Volksführer der oberen Zehntausend, ich vertrete das Volk.

Oder:

Ich kam vom Krieg wieder, kann mich noch erinnern, wie ich die ersten Nächte in München im Englischen Garten schlief und von Polizisten verjagt wurde. Ich wollte studieren, konnte aber nicht. Ich wollte eigentlich ganz was anderes werden: Ich wäre so gerne Historiker geworden, nun werde ich vielleicht, wenn’s hochkommt, eine Fußnote der Geschichte. Gut, ist auch was. Ich lernte damals Leute aus dem SPD-Lager kennen, aus dem Kreis um Schumacher. Ich kann mich noch genau an den berühmten Auftritt von Schumacher erinnern, als er den Satz sagte, “Herr Adenauer, Sie sind der Kanzler der Alliierten!” Es hat mir gefallen, daß Schumacher patriotisch dachte. Und so stand ich damals als Journalist auf der linken Seite, was mir heute immer wieder vorgehalten wird.

Das sind auch heute noch Themen von Broder, nicht von Reps wohlgemerkt.

Nicht alle Provokationen gelingen Broder dabei:

Ich sehe mich nicht als klassischen Politiker, ich sehe mich als einen Visionär. [...]

Marx war ein Visionär, Hitler ebenso. Visionär heißt, daß einer weit nach vorne blickt, mehr nicht.

Ich meine noch etwas anderes. Ich habe in den Auseinandersetzungen innerhalb der Partei wirklich an mich geglaubt. Die Leute fragten, wie schafft er das, von den Medien angegriffen, in der Partei gejagt?

Hier konnte Schönhuber sich herausreden, Broder dagegen sieht platt aus. Hier auch:

Stimmt es, daß viele ehemalige SED-Leute sich nun bei den “Republikanern” anmelden?

Das müßte ich noch verifizieren. Ich hielte es aber für verhängnisvoll, wenn wir eine Art “zweite Entnazifizierung” machen würden, wenn wir also die Mitglieder der Blockparteien akzeptieren würden, aber nicht die Leute, die in der SED waren. Ich halte die Blockflöten für genauso schlimm. Ich bin nicht bereit, Tausende von Menschen auszugrenzen, allerdings verlange ich von jedem eine schriftliche Erklärung, daß er nicht bei der Stasi war.

Ein bißchen seltsam ist es schon, wenn ehemalige Staatskommunisten ihre politische Heimat jetzt bei den “Republikanern” entdecken.

Ein überzeugter Kommunist ist mir lieber als ein Blockflötist. Und wenn ich mir die so anschaue da drüben, die Herren von den Blockparteien, das ist wirklich die letzte Garnitur, moralisch und charakterlich. Mit denen nicht.

Unterm Strich durfte der erfahrene Politkämpfer Schönhuber in diesem Gespräch viel weniger offen reden als der notorisch krankhafte Neonazi Mahler bei Friedman. Die Frage ist, was vom Gesichtspunkt der öffentlichen Wirkung “besser” ist? Sollte sich Broder heute für dieses Interview schämen, wie ihm von den meisten Nicht-Lesern unterstellt wird?

Beide erreichen hier nicht das Niveau einer Oriana Fallaci (darauf sollte ich vielleicht noch einmal zurückkommen!). Der Unterschied zwischen dem Profi Broder und dem Laien Friedman ist trotzdem eindeutig. Broder nutzt Schönhuber für seine Zwecke aus. Dagegen spielt Mahler Friedman aus.

Noch ein Thema wäre hier auch der Rahmen, in welchem ein Text steht. In der damals schon pseudolinken TAZ waren die Angriffe Broders auf Marx, die SPD, die gezogenen Parallelen im politischen Establishment zwischen Stoiber und Schönhuber nicht nur Reizworte, sondern auch eine individuelle Farbe, eine Position, zu der er auch heute noch steht. In der “Vanity Fair” sehen das Grußwort Mahlers und all der darauf folgende Mist nur als Marketinggag, als ein Quotentreiber aus, egal was die Redaktion dazu sagt oder tut.

Das Einzige, was man Broder in diesem Zusammenhang vorwerfen kann, ist sein Schweigen in Bezug auf die Anspielungen seiner Leserschaft. Er hätte den Text mit ein paar Kommentaren auf eine seiner Seiten stellen können.

Schon wieder Schäuble

Samstag, 10. November 2007

Mit einem wunderbaren Bonmot hat sich Wolfgang Schäuble wieder verewigt. Laut der TAZ sagte er in Bezug auf das nicht weniger wunderbare neue demokratische Gesetz zur Sicherung der Demokratie durch die Einschränkung der Demokratie (Link):

Wir hatten den größten Feldherrn aller Zeiten, den GröFaZ, und jetzt kommt die größte Verfassungsbeschwerde aller Zeiten.

Das ist erstens sehr witzig, der Innenminister nimmt Harald Schmidt die Arbeit ab. Die Politik macht Witze mit Gesetzen und ist selbstkritisch genug, um darüber milde zu lächeln, weil sie das Publikum in dem Theater nicht ernst nimmt. Auf diese Weise wird die Haltung “Immer nur lächeln” vorgelebt und aufgeboten. Herrenmenschen bestimmen, wer was und wie sagt: Hier gilt es, Ruhe zu bewahren und dankbar zu sein.

Zweitens zeigt Schäuble eine absolute Überzeugung des Souveräns in dem eigenen Recht, nach dem Motto: Wir machen schon alles richtig, und hier und da gibt es kleine Geister, die etwas dagegen meckern, die wir selbstverständlich nicht einmal zur Kenntnis nehmen, um sie nicht aufzuwerten.

Drittens platziert er sich genau dazwischen - zwischen Hitler und dem Verfassungsgericht. Der erste würde zu Unrecht groß tituliert, genauso lächerlich wird auch die Beschwerde über die Politik Schäubles sein: Also hört auf, mich bei meiner großartigen Arbeit zu stören.

Zum Vergleich die Meinung von Thomas Knüwer (Link):

Sollte dieses Zitat stimmen, hätte Schäuble durchblicken lassen, was er von demokratischen Institutionen wie dem Bundesverfassungsgericht hält: nichts.

Ich bestätige, was Kommentatoren auf seiner Blogseite feststellen: Es gibt kaum Reaktionen, weder in Zeitungen noch in Blogs (vgl. in diesem Blog mal früher).