Archiv für die Kategorie ‘Sprueche’

Es brodert bei Niggemeier

Dienstag, 4. März 2008

Zum Thema selbst habe ich mir erlaubt, alles Notwendige schon vor Monaten auszusprechen (Link). Bei den neuesten Versuchen Niggemeiers, Broder ein Aufmerksamkeitszeichen zu entlocken, sammeln sich Hunderte von Interessenten. Antisemitische Wortmeldungen sind selten, einige wagen es sogar, Niggemeier selbst für seine Haltung und für die Erschaffung einer unwürdigen Plattform  für den tobenden Mob zu kritisieren. Wie auch immer, einer der Kommentatoren gehört offensichtlich zu dem besonderen Volk, welches an Broder Briefe schreibt. Der Kommentator rühmt sich mit Broders Antwort auf den “empörten” Leserbrief und zitiert diese Antwort voller Stolz (Link):

ich bin erschüttert. gerade auf ihre bewertung kam es mir ganz besonders an.

Herrlich!

Walsers Stück

Samstag, 1. März 2008

In der “Frankfurter Rundschau” von heute wird Martin Walser für seinen neuen Roman hoch gelobt (Link):

Walsers Lebensthema, der Kampf um Anerkennung, verbindet sich hier mit den Motiven der Liebe und des Alters. Vieles bleibt in der Schwebe. Nur der letzte Satz scheint eindeutig. “Als er aufwachte, hatte er sein Teil in der Hand, und das war steif. Da wusste er, von wem er geträumt hatte.” Wer so, nicht nur im Alter, träumt, hält bereits ein Stück Unsterblichkeit in der Hand.

Findet sich eine Stimme, meinetwegen eine weibliche Stimme, die das peinlich und der Literatur unwürdig nennen würde? Die sich nicht an dem Lobchor beteiligt? Die von der deutschen Literatur etwas mehr abverlangt als die Selbstbedienung Walsers Eitelkeit?

Aufgeschnappt über Horowitz

Dienstag, 11. Dezember 2007

Vladimir Horowitz war wie bekannt der Inbegriff eines Stars, ein hervorragender Pianist. In dem “New Yorker” erzählt sein Manager (Konzertagent) Peter Gelb eine wunderschöne Geschichte aus seinen letzten Jahren mit Horowitz (Link):

 I had dinner with them once a week,” Gelb says. “Part of my duties was to talk to them and take them out. I had always called him Mr. Horowitz, but his friends called him Volodya. At one point, shortly before Horowitz died, he was in a very expansive, affectionate mood, and he said to me, ‘You know, you’re like a member of our family. I don’t think you should call me Mr. Horowitz anymore. You should call me Maestro.’ ”

Schon wieder Schäuble

Samstag, 10. November 2007

Mit einem wunderbaren Bonmot hat sich Wolfgang Schäuble wieder verewigt. Laut der TAZ sagte er in Bezug auf das nicht weniger wunderbare neue demokratische Gesetz zur Sicherung der Demokratie durch die Einschränkung der Demokratie (Link):

Wir hatten den größten Feldherrn aller Zeiten, den GröFaZ, und jetzt kommt die größte Verfassungsbeschwerde aller Zeiten.

Das ist erstens sehr witzig, der Innenminister nimmt Harald Schmidt die Arbeit ab. Die Politik macht Witze mit Gesetzen und ist selbstkritisch genug, um darüber milde zu lächeln, weil sie das Publikum in dem Theater nicht ernst nimmt. Auf diese Weise wird die Haltung “Immer nur lächeln” vorgelebt und aufgeboten. Herrenmenschen bestimmen, wer was und wie sagt: Hier gilt es, Ruhe zu bewahren und dankbar zu sein.

Zweitens zeigt Schäuble eine absolute Überzeugung des Souveräns in dem eigenen Recht, nach dem Motto: Wir machen schon alles richtig, und hier und da gibt es kleine Geister, die etwas dagegen meckern, die wir selbstverständlich nicht einmal zur Kenntnis nehmen, um sie nicht aufzuwerten.

Drittens platziert er sich genau dazwischen - zwischen Hitler und dem Verfassungsgericht. Der erste würde zu Unrecht groß tituliert, genauso lächerlich wird auch die Beschwerde über die Politik Schäubles sein: Also hört auf, mich bei meiner großartigen Arbeit zu stören.

Zum Vergleich die Meinung von Thomas Knüwer (Link):

Sollte dieses Zitat stimmen, hätte Schäuble durchblicken lassen, was er von demokratischen Institutionen wie dem Bundesverfassungsgericht hält: nichts.

Ich bestätige, was Kommentatoren auf seiner Blogseite feststellen: Es gibt kaum Reaktionen, weder in Zeitungen noch in Blogs (vgl. in diesem Blog mal früher).

Huber spricht

Sonntag, 28. Oktober 2007

In der heutigen Sendung “Tacheles” bei “Phönix” hat Bischof Huber gesagt:

Die Grundrechte sind Gott sei Dank sekular.

Eine scheußliche Sendung, in der jegliche Kirchenkritik heruntergespielt wurde, wurde auf diese Weise schon wieder irgendwie lustig. Sie heißt übrigens “Talkshow der evangelischen Kirche”. Brrr.

Daniel Barenboim über die deutsche Kultur

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Im Interview an die dpa sagte Daniel Barenboim gestern (Link):

die ganze Debatte über die Rolle von Kulturinstitutionen in Deutschland finde ich leider sehr primitiv und - ehrlich gesagt- völlig unverständlich. Letzten Endes ist der größte Beitrag, den Deutschland für die Welt leistet, die Unterstützung von Bildung und Kultur.

Ich würde zwei Kleinigkeiten korrigieren:

Der zweite Satz stimmt seit vielen Jahrzehnten nicht mehr und kann auch nicht wieder so sein. So würde ich umschreiben:

die ganze Debatte über die Rolle von Kulturinstitutionen in Deutschland finde ich leider sehr primitiv und - ehrlich gesagt- völlig verständlich. Letzten Endes war der größte Beitrag, den Deutschland für die Welt leistete, die Unterstützung von Bildung und Kultur.

Soft cushions and comfy chair und andere Grausamkeiten

Sonntag, 17. Juni 2007

In dem “Weser Kurier” von gestern lese ich einen durchaus klugen und klaren Beitrag von Charles A. Landsmann über den Putsch der Hamas. Bei allem Respekt kann ich aber eine Stelle nicht einfach so überspringen (es geht um die Ähnlichkeiten zwischen der Hamas und der Fatah, konkret am Beispiel einer Person - Mohammed Dahlan wird ausführlich beschrieben):

Dahlan, der die entsprechenden Befehle Arafats kompromiss- und rücksichtslos durchführte, wurde damals der grausamen Behandlung der Häftlinge beschuldigt. Er soll persönlich angeordnet haben, den Islamisten ihre Bärte abzurasieren.

Monty Python und the Spanish Inquisition lassen grüßen (”Poke her with the soft cushions!.. Put her in the Comfy Chair!..”).

Darfur und Israel als Stichworte

Samstag, 26. Mai 2007

Von Idan Gazit (Link).

UPDATE: Eine Reihe von Interpretationen bietet David Bogner an, in seinem Blog “Treppenwitz” (Link).

Die TAZ liest gerne

Samstag, 12. Mai 2007

Die TAZ kündigt eine neue Artikelreihe an (Link):

Beginnend mit diesem Artikel, bitten wir in unregelmäßiger Reihe taz-Autoren, ein Buch, das sie einst beeindruckte, noch einmal zu lesen

taz-Autoren lesen von sich selbst aus nur einmal. Gut zu wissen. Kein Wunder, dass Detlef Kuhlbrodt im ersten Artikel aus den “Dämonen” Dostojewskis nur das eine herausliest:

Beim neuen Lesen dachte ich eher an den amoklaufenden Studenten als an die RAF.

Glückwunsch! 

Vaclav Havel mit menschlichem Gesicht

Samstag, 28. April 2007

Die heutige SZ glänzt mit einem Interview mit Vaclav Havel (Link). Mittendrin, beim Thema “wir und die russischen Bären” sagt der Präsident-Dichter:

Ein freundlicher Umgang ist nie ein Fehler, aber man darf nicht lügen. Man darf es nicht verbergen, wenn einen Morde an Journalisten und solche verschiedenartigen merkwürdigen Dinge beunruhigen. Das ist etwas, das man offen ansprechen muss, wenn auch mit menschlichem Gesicht. Und da wäre vielleicht zu sagen, dass es zwar nett ist, wie wunderbar sich Bundeskanzler Schröder mit den Putins angefreundet hat, aber ich gestehe gleichzeitig, dass mir Bedenken kommen wegen der Rohrleitung durch die Ostsee, die Polen umgehen soll. Das kann in diesem ganzen Teil Europas Unruhe hervorrufen oder zumindest zur Unruhe beitragen.
 

Das ist schon eine Klasse für sich, aber trotzdem: Weil der eine oder andere zu schnell liest, wiederhole ich hier noch einmal seinen besonders hübschen Satz:

Das ist etwas, das man offen ansprechen muss, wenn auch mit menschlichem Gesicht.

Schön gesagt!

Sprachgefühl in großen Mengen

Mittwoch, 14. März 2007

Die TAZ hat uns heute einen schönen Spruch beschert (Link). Eine freie Publizistin schreibt dort:

Das Wort zum Sonntag ist im allgemeinen kein Thema, geschweige denn eine Sendung, die größere Mengen von Libido bei mir freisetzt. Geht vermutlich vielen so.

So eine Libido muss nicht jeder haben. Ich hoffe, meinen Lesern geht es besser als Hilal Sezgin. :-)

Sprachkünste einer “Emma”

Montag, 12. März 2007

Soeben habe ich einen schönen Spruch auf der Startseite der Zeitschrift “Emma” online, Heft 2/07, gefunden (Link):

Zwei von drei Webloggerinnen sind Frauen. 

Liebe FrauInnen! Ist das nicht schön?