Archiv für die Kategorie ‘Telepolis’

Rechtskultur?

Freitag, 15. Juni 2007

Michael Plöse bringt Aussagen der Rechtsanwälte zusammen, die versucht haben, Massenproteste im gesamten Bereich um Heiligendamm bei der G8-Gipfel zu begleiten (Link). Erschütternd, faktenreich, überzeugend. Unter anderem geht es auch um die Polizei, Politik, Medien.

Krieg gegen Israel und seine Darstellung in den Medien 1

Freitag, 14. Juli 2006

Spätestens seit der zweiten Entführung der israelischen Soldaten ist Krieg, und hoffentlich bleibt es bei zwei Fronten. Die Propagandamaschine der terroristischen Organisationen läuft auf Hochtouren. Jede unkritische Weiterleitung ihrer Lügen ist eine Beteiligung an der psychologischen Führung der Kämpfe. Nichts Neues, aber wahr: Viele machen mit.

Ich zähle einige Falschmeldungen weiter unten auf, zuerst aber möchte ich die treffenden Analysen der Lage verlinken, im Glauben, dass es mehr Sinn ergibt.

Die wichtigsten Beiträge sind auf der Homepage der Israelischen Botschaft zu finden. Darunter die Übersetzung eines Artikels aus der Jerusalem Post vom 9.7. von Barry Rubin. Etwas ironisch geschrieben, aber sehr einleuchtend. Zum Beispiel,

- Es gibt kaum moderate Palästinenser im öffentlichen Leben und die wenigen, die es gibt, halten ihren Mund oder geben die militante Mehrheitsmeinung wieder. Mit wenigen Ausnahmen – die an den Fingern abzuzählen sind - kann ein moderater Palästinenser in der Praxis gewöhnlich als jemand definiert werden, der sich in gutem Englisch für den Terror entschuldigt. Das Mantra „Man muss den Moderaten helfen“ kann unter diesen Bedingungen nicht funktionieren. [...]
Palästinenser greifen Israel nicht an, weil Israel sie angreift, sondern weil dies das einzige Programm ist, das sie haben. [...]

- Das Zwischenziel lautet, vorgetäuschte Siege für sich zu beanspruchen. Diese sind in der Realität jedoch nichts anderes als teure Niederlagen. Wenn nach 40jährigem bewaffnetem Kampf der große Triumph der Bewegung darin besteht, dass einmal im Jahr ein israelischer Vorposten zerstört und ein israelischer Soldat entführt wird, dann zeigt dies eine bemerkenswerte Schwäche auf dem Kampffeld. Indem man Israel durch Raketenangriffe Schaden zufügt, dient man keinen palästinensischen Strategiezielen. Das einzige Ziel, das erreicht wird, besteht darin, dass sich die Menschen in Anbetracht dieses Schadens gut fühlen (obwohl sie selbst viel mehr Schaden dadurch erleiden).

Märtyrer zu feiern bedeutet schlichtweg, mit den eigenen Opfern zu prahlen. [...]

- Infrastruktur ist nicht nur unwichtig, sie stört den umfassenden Kampf. Denn wenn sich Palästinenser mit der Schaffung von Arbeitsplätzen, Erziehungs- oder Gesundheitssystemen oder einer erfolgreichen Wirtschaft beschäftigen, macht sie das zufriedener bezüglich ihres Schicksals und weniger willig, für die Sache zu kämpfen und zu sterben. [...]

- Benutze das Leiden deines Volkes, um internationale Unterstützung zu erhalten. Die palästinensischen Führer schrecken nicht vor Zerstörung oder dem Leiden des Volkes zurück. Nachdem gesagt worden war, die Hamas habe die Minen verlegt, die palästinensische Zivilisten letzten Monat getötet haben, meinte eine amerikanische Zeitung, dass die Hamas dem eigenen Volk so etwas doch niemals antun würde.

Im Gegenteil: Es gibt ein langes Muster der Opferung palästinensischen Lebens und Wohlstandes für Propagandazwecke. Kinder werden von offiziellen palästinensischen Medien ermutigt, Terroristen und somit „Märtyrer“ zu werden.

- Lüge ohne Ende, belüge nicht nur alle anderen sondern auch dich selbst. Porträtiere Israel immer als falsch und Amerika immer als feindlich. Die Unfähigkeit der Palästinenser, über diese Propaganda hinauszugehen, und die pausenlose Dämonisierung haben – außer in seltenen Zeiten während des Oslo-Prozesses- sichergestellt, dass die Palästinenser nicht erfolgreich im Umgang mit diesen Ländern sind.

So lautet eine Verlierer-Strategie: Zerstöre deine Infrastruktur; mache internationale und sogar arabische Unterstützung durch Extremismus zunichte – niemand ist mehr überrascht, dass nicht einmal arabische Staaten etwas tun, um den Palästinensern aus ihrem Durcheinander herauszuhelfen; werfe Chancen für das Erreichen von Zwischenzielen (einen Staat zu bekommen) weg, um keine Kompromisse bezüglich der Chance auf einen totalen Sieg einzugehen; wiederhole alte Fehler; freue dich über Niederlagen, die Märtyrer hervorrufen; verhöhne die einzige Supermacht der Welt; preise die Anarchie; büße jede Chance ein, die Sympathien der anderen Seite zu erlangen.

Eine solche Selbstmordstrategie kann –wie die Selbstmordanschläge auch - dem Feind Verluste zufügen, ihn jedoch nicht besiegen. In der Tat garantiert das Opfern so vieler möglicher Vorteile, dass die Kluft ständig breiter wird, und zwar zum Vorteil der anderen Seite.

Da jedes Zeichen von Widerstand gegen diesen katastrophalen Zugang an die politische Materie fehlt, scheint es, dass es noch einige Jahrzehnte mehr voller glorreicher Niederlagen und Märtyrertum geben wird. Vielleicht werden es sogar so viele sein, dass selbst diejenigen im Westen, die weiterhin etwas anderes erwarten, verstehen werden, was hier vor sich geht.

In denselben Nachrichten der Botschaft wird eine Information erwähnt, die das noch einmal bekräftigt:

Die Hamas-Regierung hat in den vergangenen Tagen Hunderte Palästinenser aus dem Gazastreifen daran gehindert, zur ärztlichen Behandlung nach Israel auszureisen. Das teilten hochrangige Stellen in der Einheit zur Koordination der Regierungsaktivitäten in den palästinensischen Autonomiegebieten mit.

In der Einheit erklärte man, das Ziel der Hamas sei, den Eindruck zu vermitteln, als gäbe es im Gazastreifen eine humanitäre Krise, um dann Israel die Schuld in die Schuhe schieben zu können. Die Stellen teilten am Samstagabend mit, dass die Hamas in den vergangenen zwei Wochen etwa 460 kranken Palästinensern die Ausreise nach Israel verweigerte. Anstelle von etwa 300 Kranken, die gewöhnlich jede Woche aus dem Gazastreifen nach Israel ausreisen, um dort behandelt zu werden, gestattet die Hamas nur rund 70 Personen pro Woche, israelische Krankenhäuser aufzusuchen.

Vor etwa einer Woche genehmigte die Regierung den Vorschlag von Verteidigungsminister Amir Peretz, eine humanitäre Soforthilfe von 50 Mio. Shekel an die Palästinenser zu überweisen, um die Situation der Zivilbevölkerung zu erleichtern. Nach Angaben der Stellen, weigert sich die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) aber bis heute, das Geld anzunehmen.

Diese Meldung stammt vom 9.7. Ich habe sie nirgenwdo mehr wiedergefunden, sie wird schlichtweg ignoriert.

Eine empfehlenswerte nüchterne Analyse der aktuellen Lage habe ich bei der NZZ gefunden, von einem vk unterzeichnet. Ansonsten gibt es nur typische Lügen bei Telepolis, diesmal von einem Peter Bürger, wo schon wieder ein Märchen erzählt wird: “Millionen [sic!] Palästinenser mussten aus dem Gebiet des heutigen Israels flüchten”. Spielbergs Film “München” wird für die jüdische Bibel gehalten etc. Thorsten Schmitz empört sich heute im Magazin der “Süddeutschen” über Schwierigkeiten der Juden, die aus Äphiopien nach Israel kamen und von ihm über ihre Probleme ausgefragt wurden. Skurrilerweise widmet die SZ am selben Tag vergleichbaren Schwierigkeiten der Einwanderer in Deutschland zwei volle Seiten. Immerhin fast wie in Israel.

Peter Schäfer im Dienst der Hamas

Donnerstag, 29. Juni 2006

Telepolis bei Heise beschäftigt weiter den bekennenden Vertreter der Hamas. Peter Schäfer gibt es zu bzw. sieht das als seine Aufgabe, deren Propaganda auf Deutsch zu verbreiten:

Von palästinensischer Seite aus stellt sich die Lage allerdings anders dar.

Ein authentischer Bericht mit einem kritischen Kommentar wäre in der Tat eine wichtige und wünschenswerte Quelle. Wie das professionell gemacht werden kann, habe ich schon einmal zitiert. Schäfer ist allerdings nicht nur unkritisch, er macht da voll mit. In seinem neuesten Beitrag zeigt es sich absolut eindeutig:

Hamas beendete am 9. Juni ihren einseitigen Waffenstillstand, nachdem die israelische Marine eine palästinensische Familie am Strand tötete.

Es wurde nachgewiesen, dass diese Darstellung nicht stimmt. Die Explosion erfolgte nicht durch den israelischen Beschuss. Schäfer geht nicht auf die Resultate der Analysen ein, diskutiert sie nicht, wischt sie einfach vom Tisch.

Die Gegendarstellung der Armee wurde mittlerweile durch den Bericht eines israelischen Krankenhauses ausgehöhlt. Die Ärzte fanden israelische Granatsplitter im Körper eines Verletzten.

Bemerkenswert, dass Schäfer, der sonst so gerne seine Texte mit Links versieht, gerade zu dieser Behauptung keinen Hinweis gibt. Die Auflösung ist ganz einfach - es gibt keine Quelle für diese Behauptung, sie ist eine schlichte Lüge. Die bis heute letzte Information über die Aufklärung bestätigt, dass auch Splitter aus dem Körper des zweiten untersuchten Verwundeten der Explosion, der in einem israelischen Krankenhaus behandelt wird, nicht von den israelischen Geschossen stammen.

Major General Meir Kalifi, head of the IDF investigation into the deaths of the Ghalia family, announced that the IDF had definitive proof that an IDF 155 millimeter shell was not fired at the beach. [...] “At this point we cannot say what the source of the shrapnel is; we have a number of different evaluations. There is the possibility that it is a military dud, or a device planted by the Palestinians. Everything is being checked,” Kalifi said. [...] Major General Kalifi added that he met with American expert Mark Garlasco, a military advisor to the Washington-based Human Rights Watch organization. “After talking to him, it became clear that he has no authentic findings,” said Kalifi. Garlasco had alleged that an Israeli shell was behind the blast.

Lieutenant Colonel Eren Toval, who commands the IDF’s technological division, explained: “We carried out a check for metal and found the explosives that were on it. In total we carried out three independent analyses. The result was that the explosive was standard, but not characteristic with Israeli or American explosives in IDF service, and is not an IDF 155 millimeter shell.

Es ist sehr traurig, dass sich das Nachrichtenportal an der Lügenverbreitung beteiligt.

Peter Schäfer “informiert”

Sonntag, 28. Mai 2006

Im neuesten Beitrag zur Situation in den palästinensischen Autonomiegebieten stellt sich Peter Schäfer wieder viel zu deutlich auf die propalästinensische Seite. Auch wenn das nicht mehr neu ist, bleibt es trotzdem kritikwürdig. Er schreibt:

Zum gleichen Zeitpunkt befand sich Ramallah in Trauer. Läden, Restaurants und Cafés waren geschlossen, weil die israelische Armee am Mittwoch um die Mittagszeit ins Stadtzentrum [extern] einrückte, vier Menschen erschoss und über 60 verletzte. Ein Angriff von vielen. So zeigt Israel bisher kein Interesse am Friedensvorschlag der palästinensischen Gefangenen.

In Wahrheit (unzählige Quellen weltweit sind sich darin einig) kam eine israelische Einheit nach Ramallah, um einen Führer des Islamischen Jihad zu verhaften (diese terroristische Organisation führt ununterbrochen Anschläge gegen Israel aus). Während Soldaten das Haus von Schobaki (Schubaki, nach anderen Quellen) umzingelten, wurden sie angegriffen, mit Steinen beworfen und beschossen. Verstärkung musste eingefordert werden. Nach einer Stunde ergab sich Schubaki und die Armee zog sich zurück. Dabei ergab sich ein skurilles Beispiel für die Zusammenarbeit der Feinde: Al-Jazeera war begeistert über die Möglichkeit, die Straßenkämpfe live zu übertragen. Israelis konnten dank dieser Übertragung die Position der Angreifer orten und sie blockieren.
Also eine Verhaftung, kein Angriff!

Außerdem: Zu dem Friedensvorschlag haben Israelis auch beigetragen, indem sie die Vorschläge der Terroristen, die in lebenslanger Haft nach der gerichtlichen Verurteilung sitzen, an Abbas weitergeleitet haben. Laut Schäfer sagte Abbas über sie Folgendes:

Die Gefangenen sind sauber und nur Gott weiß, wann sie freikommen.

Sauber! Die Gefangenen! Schreibt Peter Schäfer nicht zu propagandistisch? Den Gipfel seiner Nachforschungen bildet sein Interview mit einer besonderen Autorität:

“Die Fatah hat Israel damals anerkannt, und es hat uns überhaupt nichts eingebracht”, so ein Hamas-Mitglied gegenüber Telepolis.

Soll man jede Desinformation publik machen?

Peter Schäfer: kein gutes Aushängeschild

Samstag, 29. April 2006

Vor einigen Tagen habe ich eine freiwillige Sprecherin der Hamas in Andrea Nüsse zu erkennen gemeint. Heute bei Heise erschien mir noch ein Hamas-Korrespondent, diesmal Peter Schäfer. Das droht eine Tendenz zu werden. Arabisten, die in der islamistischen Umgebung arbeiten, wollen sich nicht kritisch, sondern solidarisch stellen, erlauben sich keinen Kommentar und geben als eigene Meinung die Propaganda der Hamas weiter an den unschuldigen deutschen Leser. Wie kann das sein? Zuerst ein paar Beispiele.

Die Hamas wird von der westlichen Staatengemeinschaft boykottiert. Der Eindruck entsteht, dass die Hamas für die innenpolitische Unsicherheit verantwortlich ist.

Der bekannte Umkehrschluss: Weil die Hamas boykottiert wird, entstehe der Eindruck, die Hamas sei veranwortlich für den Chaos in der Palästinensischen Autonomie. Also nicht von der Realität zu der Schlussfolgerung, sondern andersrum. Die ganze Welt sagt: Die Hamas tut nicht das, was eine Regierung tun muss, deswegen soll sie boykottiert werden. Die Hamas und Peter Schäfer sehen das anders, genau umgekehrt.

Hamas-Kader schlugen moderatere Töne an. Etwa seit 2002 lässt man immer wieder durchblicken, dass eine palästinensische Staatsgründung in den von Israel 1967 besetzten Gebieten – also in 22 Prozent des historischen Mandatsgebiets – durchaus in Betracht komme. “Wir sind dazu bereit”, so Samir Abu Aische, der neue Planungsminister, “unser System innerhalb der Grenzen von 1967 aufzubauen. Wenn die Israelis unser Recht zu einem solchen Staat anerkennen, dann können wir über die nächsten Schritte diskutieren.”

Hier, wie an vielen anderen Stellen, baut Schäfer an dem friedliebenden Bild der Hamas. Die Auflistung der Originaläußerungen zeigt die Wahrheit, nämlich, nach dem altbekannten Vorbild Arafats erzählen Hamas-Politiker jedem auswärtigen Zuhörer, was er hören will. Und bei sich zu Hause wird Klartext gesprochen:

Khaled Mashal, Al-Rai Al-Aaam, 26. März 2006:
„Nein zu Verhandlungen mit Israel, Nein zur Anerkennung Israels und Nein zur Aufgabe palästinensischer Rechte”.

Ismail Haniyeh, palästinensischer Ministerpräsident, in der arabischen Zeitung Alsharoq, am 1. März 2006:
„Zu den Grundlinien unserer neuen Regierung gehört es, dass wir uns nicht den Bedrohungen der internationalen Gemeinschaft ergeben und wir die Anerkennung Israels ablehnen“.

Mahmoud Al-Zahar, palästinensischer Außenminister, am 3. März 2006:
„Ich träume davon, eine große Weltkarte in meinem Haus in Gaza aufzuhängen, auf der Israel nicht erscheint.“

Genauso wird die aktuelle Geschichte über den vorerst gescheiterten Versuch der Hamas ausgemalt, einen Terroristen zum Befehlsinhaber der neuen Truppe zu ernennen. Schäfer geht aber noch weiter:

Extremisten von Fatah und Islamischer Dschihad werfen der Hamas aber jetzt vor, nicht mehr für die Sache Palästina zu kämpfen. Der Selbstmordanschlag des Dschihad von vor zwei Wochen in Tel Aviv wurde von der Hamas deshalb als “Selbstverteidigung” bezeichnet, obwohl man die Tat nicht begrüßte.

Die Hamas wird also im Laufe des Artikels so moderat, dass die Fatah im Vergleich zu ihr zu Extremisten bestempelt werden darf. In der Wahrheit bleibt die Hamas so wie sie war:

Ahmad Al-Jaabari, auf der Hamas-Website, am 5. April 2006:
„Unser (gewaltsamer) Widerstand in Palästina wird fortgesetzt und wird unter keinen Umständen beendet werden. Die Al-Qassam-Brigaden werden den Marsch für die totale Befreiung des Bodens ihrer geliebten Heimat Palästina vom Mittelmeer bis zum Jordanfluss fortsetzen.“

Nur will Peter Schäfer davon nichts erzählen. Das Schönste erzählt er aber fast am Schluss:

Die Fatah übernimmt so die Haltung der internationalen Gemeinschaft.

Das ist aus der Sicht von Peter Schäfer ganz schlimm, genauso wie aus der Sicht der Hamas:

Der jetzige breite Boykott des Wahlsiegers allerdings ist kein gutes Aushängeschild für die westliche Auslegung von Demokratie.

Peter Schäfer schreibt in diesem Stil für viele deutsche Zeitungen, u.a. für die “Junge Welt”, “Neues Deutschland”. Für seinen anderen Arbeitgeber, die Friedrich-Ebert-Stiftung findet er einen anderen, ausgeglicheneren Ton. Von Arafat lernen - unterschiedliche “Wahrheit” sagen lernen?.. Kein gutes Aushängeschild, in der Tat.

Meggle zu Tränen gerührt: “Ist so etwas an einer Uni verboten?”

Sonntag, 23. April 2006

Eine Veranstaltungsreihe an der Universität Leipzig ging zu Ende. Der Veranstalter Georg Meggle berichtet bei Heise und teilt seinen Bericht in die Abschnitte: Information zuerst, Kommentar danach. Das klingt sehr wissenschaftlich, ja, sehr wissenschaftlich. Nur - mit der Teilung in Paragraphen endet die Wissenschaftlichkeit leider. Das Problem der gesamten Session sowie der Darstellung durch Meggle ist seine unwissenschaftliche, zutiefst persönliche Note sowie die offene Einseitigkeit und Parteinahme.

Die Leipziger Philosophen haben offensichtlich Schwierigkeiten sowohl mit der Ethik als auch mit der Planung: Wird das Fach so vertreten? Werden Gelder so ausgegeben?

Einige Beispiele:

Beide Seiten widersprechen sich. Wir haben also ein echtes Dilemma. Dieses Dilemma manifestiert sich nicht nur bei diesem Thema und nicht nur bei Universitäts- Ringvorlesungen. Das Dilemma zwischen Distanz-Notwendigkeit und Distanzierungs-Unmöglichkeit ist ein ganz allgemeines. Es tritt überall dort auf, wo ein Streben nach Erkenntnis und Verstehen einerseits und ein Verlangen nach (individueller wie kollektiver) Vergegenwärtigung von Vergangenem (in unserem Fall: von vergangenem und gleichwohl nachwirkendem Leid) andererseits miteinander in Konflikt geraten.

Es geht zuerst um die Vorstellung und die Gegenüberstellung von zwei Positionen - etwa so? Welche sind es? Israel und die Palästinensische Autonomie? Nein, es geht um “das Dilemma zwischen Distanz-Notwendigkeit und Distanzierungs-Unmöglichkeit”. Es wird zu Beginn des Artikels postuliert, was sein (durchaus ethisches!) Thema sein sollte. Dieses Thema wird im Verlauf des Berichtes nie wieder, von keinem der Redner aufgenommen und behandelt. Das Thema bleibt also nur im Bewußtsein des Professors existent, der alles geplant und durchgeführt hat. Aha. Und der nicht gemerkt hat, dass die gesamte Reihe zu einem anderen Thema umgedeutet wurde, zum Thema - Ein nettes Gespräch über verschiedene Blicke auf den Konflikt im Nahen Osten.

PS.1 Seine klaren Argumente zur Rechtfertigung der Gegengewalt von Seiten Israels unterstützte der Referent mit zahlreichen Fotos von den Opfern von Selbstmordattentaten. Fotos, die beim Betrachter außer Entsetzen auch reflexartig die Solidarität mit den Opfern und deren Angehörigen auslösen. Bei jedem, der noch einen Rest von menschlichem Mitgefühl hat.

So gibt Georg Meggle den Inhalt des Vortrags eines Vertreters der israelischen Likud-Partei wieder. “Klare” Argumente und “zahlreiche” Fotos der israelischen Seite sind dazu da, um eine “reflexartige Solidarität” auszulösen. Das schreibt er im informativen Abschnitt, das Wort “reflexartig” verrät die wertende Position des Berichterstatters, die gleich darauf deutlicher wird:

Und die eines vergessen machen: Dass es entsprechende Bilder auch auf der anderen Seite gäbe; mit den gleichen Wirkungen, wenn wir deren Bilder überhaupt zu sehen bekämen. Und zudem verschweigen solche Bilder den gewöhnlichen Alltag: und der ist auf den beiden Seiten ein sehr verschiedener.

Wir werden belehrt, all die unzähligen Fotos der israelischen Opfer, die Meggle und wir jeden Tag sehen (Vorsicht, Ironie!), sollten bei uns keine “reflexartige Solidarität” auslösen. Zudem leben Israelis besser als Palästinenser, das sollten wir ihnen übelnehmen. Das ist die Meinung des verantwortlichen Profs.

Damit wir noch mehr Verständnis für die missionierende Position des Autors einbringen, springen wir zu seiner Beschreibung des Auftrittes einer friedensengagierten Palästinenserin:

Sumayas Beiträge sind nicht nur wie aus dem Leben gegriffen, sie sind das Leben – und zeigen das Leben unter israelischer Besatzung. Das heißt, mit ihren Worten: Isolation; Trauer; Angst um mich, um die Familie und um die Zukunft; Depression; das Gefühl zu ersticken; Wut, Verzweiflung; Armut; Schuldgefühle; Aggression; Streit in der Familie, in der Klasse, auf der Straße; Unruhe und Schlaflosigkeit; Rachegefühle; Neid; Gefühllosigkeit und Gleichgültigkeit; Früh-Heiraten; Gewalt – auch in den Familien.

PS: Man muss Sumaya Farhat-Naser hier stehen gesehen haben: wie eine Tänzerin, die mit leuchtenden Augen lachend die schwarzen Vögel der Dummheit und des Wahnsinns vertreibt. Eine Liebeserklärung, ich weiß. Ist so etwas an einer Uni verboten?

Alles emotional - sowohl die Information als auch der persönliche Kommentar, ohne jegliche Warnung vor “reflexartigen Solidarität”. Alles klar?

Letzten Endes entsteht der Eindruck der typischen Selbsttherapie auf Staatskosten, den der Autor freiwillig bestätigt:

PS.2 Am lehrreichsten waren für mich nicht die Vorlesungen, sondern die persönlichen Begegnungen drum herum: die Vorbereitungsgespräche und die Gespräche danach. Abraham Sion zum Beispiel hatten wir, meine Tochter und ich, bereits im Februar 2005 in einem Cafe in Tel Aviv zu einem langen Vorgespräch getroffen. Ich hatte dabei erzählt, dass ich beim Beginn des 1967er Krieges, da war ich junger Fallschirmjägerleutnant beim Bund, bereit war, mich, so das nötig werden sollte, als Freiwilliger zur Verteidigung Israels zu melden. Ich war überrascht, daraufhin zu hören, dass im Sechstagekrieg tatsächlich deutsche Freiwillige beteiligt gewesen waren. Noch nie habe ich so viel in Geschichte gelernt wie im Kontext dieser Ringvorlesung.

Ich würde sagen, es gibt auch Bücher, u.a. auch im Fach Geschichte. Einige Professoren wissen das offensichtlich noch nicht.

Im anderen Fall warnt Georg Meggle seine Leser schon wieder - aber diesmal ganz andererseits - davor, der Hamas die von ihm propagierende “reflexartige Solidarität” zu entziehen:

PS: Vor einem Ignorieren dieses Plädoyers kann ich nur warnen. Was wäre das für ein Verständnis von Demokratie, demokratische Wahlen nur dann zu akzeptieren, wenn sie zum gewünschten Ergebnis geführt haben. Mit dieser Haltung würde sich die Forderung einer Demokratisierung des Nahen Ostens – bzw. der gesamten arabischen Welt – nur selbst als das entlarven, was es vielleicht ja auch ist: als Propaganda-Rhetorik.

Das Niveau eines Anfängers, eines aggressiven Laien in der Politologie und Geschichte. Welches Fach will Meggle eigentlich vertreten?

Chomsky, Krippendorff, Beck, Kapitan, Avnery, Honderich, Primoratz - in der Darlegung Meggles sind sie alle lächerlich und einseitig antizionistisch geprägt. Einige davon bestimmt gewollt, die anderen werden uminterpretiert. Neben Chomsky sieht Georg Meggle nur einen auf der gleichen hohen Stufe der Erkenntnis - das ist “der Physiker, Geigenbauer und Auschwitzüberlebende” Hayo Meyer! Die Krönung der ethischen Philosophie nach Meggle: Deutschland, Israel, Hayo Meyer als drei ethische Postulate! Das sieht so aus:

* (D) Nie wieder Auschwitz!
* (I) Nie wieder Opfer!
* (HM) Nie (so werden) wie die Täter !

Soll man hier weinen oder lachen?

Am Rande sei noch erwähnt, dass Georg Meggle auch den Film “München” für sich umzuinterpretieren weiß:

Wer selbst zum Täter wird, verliert letztlich seine eigene Seele. (Das ist die Lehre, die uns und den Israelis Spielbergs “Gebet für den Frieden” – sein neuer Film “München” – zu recht nahe legt.)

Dieser Prof. ist ein Wunder der Wissenschaft, wahrlich sage ich euch, wahrlich…

Meggle, bleib bei deiner Butter!