Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Mathias Döpfner sagt das Klarwort Dienstag, 23. November 2010

Erstaunlich: Kein Anderer, sondern eben Mathias Döpfner sagt die notwendigen Worte zum aktuellen Stand und Herausforderungen der Politik in Deutschland (Link):

Das nationalsozialistische Deutschland war eine von einem Diktator geführte Gesellschaft, die auf einer systematisch angelegten Freiheitsberaubung des Individuums basierte. Kollektivistisch, autoritär, ressentimentgeladen, neidgetrieben, rassistisch, nationalistisch, sozialistisch trieb Deutschland auf Vernichtungskrieg und Massenmord zu, ohne dass jemand rechtzeitig einschritt. Die Lektion dieser Erfahrung hätte sein müssen: Nie wieder Unfreiheit, nie wieder Rassismus, nie wieder antidemokratische Autorität. Und vor allem: mehr Wehrhaftigkeit der freien Gesellschaften. Konkret heißt das: Wehret des Anfängen! Und noch konkreter: Wo immer unfreiheitliche Energien auszumachen sind, vor allem dort, wo sie unsere Interessen berühren, muss mit Nachdruck und zur Not als Ultima Ratio auch mit militärischen Mitteln die Freiheit verteidigt werden. Und der beste Weg, die Ultima Ratio nicht eintreten zu lassen, ist es, sie nicht auszuschließen. [...] Der 11. September war das Menetekel eines Heiligen Kriegs gegen unsere westlich-freiheitliche Lebensform. Entweder wir haben die Symbolik des gefallenen World Trade Center verstanden und nehmen den Kampf an. Oder wir sind verloren.

 

Ein Videogedicht? Montag, 16. August 2010

Einsortiert unter: Blogging,Film,Kunst,USA,YouTube — peet @ 13:51 Uhr
Tags: , , , , ,

Seit einigen Tagen wird ein Videoclip verlinkt, mit Begeisterung weiter empfohlen. Die eine Version ist bei Vimeo zu sehen, die andere, etwas reifere bei Youtube:


Autoren sind Daniel Mercadante und Will Hoffman. Bei den Bewertungen und Beschreibungen wird diese Produktion als Videogedicht (“modernes Gedicht“) gelobt, als “eine Art assoziativer Montage” “im Sinne von Eisenstein” klassifiziert. Oder als “a visual interpretation of stream-of-consciousness“. Noch konkreter wird es im Kommentar von der Hoepp (bei iGNANT):

Wie der Titel schon sagt, geht es um Worte und unterschiedliche Bedeutungen. Es fängt mit “Play” an, geht über “Blow”, “Break”, “Split”, “run”, “fly”, “fall”, “light” zu “space”. Ich finds wunderbar, besonders Fly und Fall.

Die Notwendigkeit, die englische Sprache zum Verständnis des Clips mitzubringen, betont auch Cinematze.
Dazu:
1. Die Poesie lebt nicht nur von Reimen. Diese Art, die Haiku- oder Hokku-Technik in die Videomontage zu verwandeln, erinnert mich viel mehr an die übliche Krankheit der Prosachreibenden – Alliteration. Ich mag das auch, all Wortspiele, Klangspiele, Wortdrehungen, Buchstabenumstellungen usw. In der wahren Poesie sind sie ein Sprachmittel von vielen. In der Prosa werden sie normalerweise vom erfahrenen Lektor wegredigiert. Die Entscheidung darüber, ob ein Text poetisch ist, auch wenn es ohne Reime auskommt, ist manchmal schwer, für sich aber kein Problem. Es kommt auf die Intention des Autors an.
In der Videokunst ist dieser “Words”-Clip ein Ereignis, da Bilder assoziiert werden, die eine optische Ähnlichkeit haben. Faszinierend allemal.

2. Eine Montage in der Art von Eisenstein ist das aber nicht, da gerade die dynamische und parallele Montage fehlt. Eher eine Skizze. Es gibt kaum eine Idee, die mehr als nur eine witzige Assoziation wäre. Die Erhebung zum Höheren am Ende des Clips ist toll, keine Frage. Ein Haiku neben einem Poem wie ein Clip im Vergleich zu einem Film wie Beshinwiese (“Beschin lug”)?
3. Als ich den Titel “Words” gesehen habe, dachte ich zuerst irrtümlicherweise an den berühmten Song von F.R.David. Überhaupt die Notwendigkeit, Worte zwischen den Bildern und deren Verknüpfung einzubringen, dazwischen zu schalten, scheint mir ein Problem zu sein. Ich bin der Meinung, optische Reize sollten für sich sprechen. So zum Beispiel, wie es von einem Youtube-Meister mit einfachen Mitteln gepflegt wird, den man unter dem Nicknamen eggman913 kennt (eigentlich Philip Scott Johnson):

Andere Beispiele dieser Art habe ich schon erwähnt. Trotzdem die Vorstellung, bei der Geburt einer neuen Gattung – Videogedicht – dabei zu sein, ist großartig.

 

Künftiger palästinensischer Staat soll judenrein sein Freitag, 30. Juli 2010

Bei den Verhandlungen innerhalb der Arabischen Liga sagte Abbas am 29. Juli 2010 (Link):

Almost no notice was taken of another pre talks decision that the PA chairman revealed, as he announced clearly that if a Palestinian Authority state is created in Judea and Samaria, no Israeli citizen will be allowed to set foot inside.The PA chairman also stated that he would block any Jewish soldiers from serving with an international force stationed on PA-controlled land.

“I will never allow a single Israeli to live among us on Palestinian land,” Abbas declared.

Mit anderen Worten:

Nach der Gründung des palästinensichen Staates wird es keinem israelischen Bürger erlaubt sein, diesen zu betreten. Kein Jude wird bei den internationalen Kräften dienen dürfen, die im von der Palästinensischen Autonomiebehörde kontrollierten Land stationiert werden sollen.

No comments, um so mehr dass die hier verlinkte Meldung die einzige bleibt, die darüber berichtet: Kein amerikanischer oder deutscher Nachrichtendienst gibt es weiter, aus verständlichen Gründen.

 

Christian Tomuschat soll über Israel richten Dienstag, 27. Juli 2010

Über die Ernennung von Bundesverdienstkreuzträger Christian Tomuschat zum Leiter einer menschenrechtlichen Kommission der UN infolge des unseligen Goldstone-Berichts gibt es zwei Arten zu publizieren. Die eine ist mir aus der amerikanischen und israelischen Medien bekannt. Zum Beispiel, bei “Commentary” schreibt Evelyn Gordon darüber am 25.7.2010 (Link). Sie zitiert den Artikel von Benjamin Weinthal in der “Jerusalem Post” (Link).
Beide Autoren beweisen, dass Tomuschat die Lage im Konflikt seit Jahren und jetzt auch einseitig bewertet und für die Leitung derartigen Kommission ungeignet ist.
Und es gibt die andere Art darüber zu schreiben, die der deutschen Medien – nicht erwähnen, nicht berichten, nicht bewerten. Nur bei der “Achse der Guten” wurde de Artikel von Weinthal verlinkt (Link).

 

Obama hat verstanden Samstag, 10. Juli 2010

Einsortiert unter: Blogging,Israel,Politik,USA — peet @ 9:16 Uhr
Tags: , , , ,

… warum seine Umfragewerte runter sind, insbesondere in Israel. Nein, es geht nicht um seine Aussenpolitik oder konkret um seine Politik gegenüber Israel. Nein, es ist sein Vorname Hussein (ausführlich siehe bei Docstalk). Zwei Autoren bei “Commentary” Jennifer Rubin und Patrik Wehner nehmen den weinerlichen Präsidenten auseinander. Alles Rassisten, er will doch nur das Beste.
Wehner:

These statements combine some of Obama’s worst traits: arrogance, condescension, and detachment from reality.

Obama regards himself much like a teacher who oversees a classroom of sometimes unruly, sometimes dim-witted children. His magnificence is sometimes hidden from them. And so it is left for America’s philosopher-king to explain — in simply, easy-to-understand words — why things are the way they are.

In this instance, the anxiety Israel feels toward for Obama is not rooted in his unwise policies or his disgraceful past treatment of the Israeli prime minister. No, the cause is Obama’s middle name.

In addition, Israelis are a bit too dull to see the miracles that have resulted from Barack the Great’s outreach to the “Muslim world.”

The truth is that whatever Obama’s outreach to the Muslim community is designed to do, it has — as Jen points out — been a complete failure. Israel’s wariness toward Obama is rooted in his pursuit of an agenda that is as harmful to Israel. But all of this is beyond the realm of comprehension for Obama. For him, it all comes down to his middle name. We have rarely, if ever, seen self-delusion on a scale quite like this.

 

Evelyn: die deutsche Stimme für den Frieden im Nahen Osten Donnerstag, 8. Juli 2010

Einsortiert unter: Antisemitismus,Deutschland,Israel,USA — peet @ 15:38 Uhr
Tags: , , , ,

Die neuesten Perlen von Evelyn Hecht-Galinski:

Machen wir uns nichts vor, was in den USA nur zählt, sind Israel,
der Jüdische Staat und die einzige Demokratie im Nahen Osten und die Israel Lobby im Senat und Kongress.

Die heutigen Feindseligkeiten zwischen Muslimen und
Juden, zwischen Israelkritikern und so genannten Zionisten und Israelunterstützern dürfen nicht in die
antisemitische Ecke gedrängt werden.

 

Elie Wiesel hält Michail Chodorkowski für den politischen Gefangenen Montag, 5. Juli 2010

In den USA hat Elie Wiesel ein Treffen zusammengerufen, mit dem Ziel, die Strategie zu finden, um dem berühmtesten russischen Häftling zu helfen (Link). Michail Chodorkowski (Khodorkowsky) ist zum persönlichen Feind Putins geworden. Aktuell läuft ein zweiter Schauprozess gegen ihn in Moskau. Die deutschen Medien berichten kaum darüber.

 

Saudi Arabien erlaubt Israel, iranische Atomindustrie zu bomben Samstag, 12. Juni 2010

Einsortiert unter: Israel,Medien,Politik,USA — peet @ 5:50 Uhr
Tags: , , , , , ,

Das hat Hugh Tomlinson vor 6 Stunden bei “Times online” geschrieben (Link):

“The Saudis have given their permission for the Israelis to pass over and they will look the other way,” said a US defence source in the area. “They have already done tests to make sure their own jets aren’t scrambled and no one gets shot down. This has all been done with the agreement of the [US] State Department.”

Im Artikel gibt es noch mehr Einzelheiten, es klingt glaubwürdig. Ansonsten zu schön um wahr zu sein? Ich glaube nicht, dass es so weit ist, angesichts der neuen geopolitischen Situation mit der Türkei, Hesbollah, Syrien, geschweige schon von der Hamas.

Interessant auch, dass die US-Google News die sensationelle Nachricht aufgenommen haben. In der deutschen Sprache kann man darüber immer noch nichts lesen.

 

Friedliche Aktivisten bei Reuters Montag, 7. Juni 2010

Im Blog “Little Green Footballs”, den hoffentlich jeder kennt, wird die Manipulation eines Fotos durch Reuters aufgedeckt. Verwundungen, Blutspuren und das Messer wurden entfernt, damit friedliche Aktivisten weiterhin friedlich bleiben. Der mediale Krieg tobt!

 

Helen Thomas anders Montag, 7. Juni 2010

Einsortiert unter: Antisemitismus,Israel,Medien,Politik,USA — peet @ 8:45 Uhr
Tags: , , , ,

Vor vier Jahren war ich von Helen Thomas, der Grand Dame der amerikanischen Journalistik begeistert (Link). Jetzt wurde ich des Besseren belehrt. Für ihren Aufruf, die Juden “zurück” nach Europa zu schicken (bei Youtube nachzuschauen), bekam sie ein ausdrückliches Lob von der Hamas. Das war’s also.

Ach ja, nachzulesen zum Beispiel bei der Huffington Post.

 

Christian Stöcker blamiert den Spiegel Sonntag, 6. Juni 2010

Der Artikel von Christian Stöcker (“Propaganda-Satire blamiert Israels Regierung”) von gestern hat viele erreicht, er wird viel verlinkt und getwittert. Er ist aber auch ein Beispiel für antiisraelische Propaganda und wird in diesem Sinne in die Geschichte der deutschen Journalistik eingehen.

Inzwischen weiß die Welt, wer die 9 Toten sind, die Opfer des eigenen Vorhabens auf dem Hauptschiff der “Free Gaza”-Aktion. Bei Stöcker sind die türkischen Islamisten weiterhin bloß “neun Passagiere”. Alle wissen: Die Flotte wurde mit dem Ziel geschickt, die Seeblockade zu brechen, d.h. als eine kriegerische Einmischung auf der Hamas-Seite. Bei Stöcker wird die “Hilfsflotte” “attackiert”. Die veröffentlichten Videos (sowohl von den in Beschlag genommenen Kameras des Schiffes und dessen Besatzung als auch der israelischen Marine) stellen den Ablauf und die Art der Konfrontation dar. Bei Stöcker “sollen” sie die Sicht der israelischen Armeeführung ”zeigen”. Auch die Kontrolle über ein weiteres Schiff verlief nur “augenscheinlich friedlich”, nicht einfach friedlich, wie schon mehrere davor. Darüber darf der Leser nichts erfahren.

Die Satire des latma-Studios gefällt Christian Stöcker nicht. Das ist verständlich. Sie zielt auf den Jornalismus, wie er ihn betreibt, und trifft Christian Stöcker offensichtlich direkt. Das ist auch gut so.

Auch bei der Beschreibung der Inszenierung erwähnt er noch einmal Bilder, “die zeigen sollen, wie Israels Soldaten angegriffen wurden.” Nicht zeigen, sondern eben zeigen sollen. Feine Sache.

Weil Christian Stöcker daraus nicht mehr herausholen kann, greift er die Art der Verbreitung und der Finanzierung dieses Clips an. Nun sollte gerade er besser wissen, dass die eigentliche Verbreitung dieses Videos via Internet gelaufen ist und nicht durch die Empfehlung des israelischen Presseamts. Das kann er auch nicht zugeben, er muß eine Connection zwischen dem israelischen Militär und der amerikanischen Finanzwelt herstellen, das tut er.

Die Uno, der Menschenrechtsrat, viele europäischen Politiker stellen sich auf die Seite der Hamas, Christian Stöcker kann sich ganz sicher in dieser Mitte fühlen. Auch er hat mitgemacht.

Nur wird er nie an die journalistische Größe einer Caroline Glick herankommen, die er abwertend der “konservativen” “Jerusalem Post” ganz korrekt zuordnet. Sie ist eine hervorragende Kolumnistin. Er dagegen “soll” einen Journalisten zeigen.

Er wird sich wohl wundern, dass ein anonymer Autor der anderen Youtube-Satire unbekannt bleiben möchte. Dieser Passus ist bestimmt zu kompliziert für ihn. Ich meinerseits wende mich an die unbekannten Autoren dieses weiteren Clips mit dem Angebot, deren Arbeit gerne mitzufinanzieren. Einfach so, damit Christian Stöcker sich ärgert.

 

Jerusalem, Siedlungen, Obama Mittwoch, 17. März 2010

Einsortiert unter: Israel,Medien,USA — peet @ 23:50 Uhr
Tags: , , , ,

Die Medien sind voll der antiisraelischen Propaganda. Das Thema ist der bekannte Zwischenfall auf der diplomatischen Ebene im Bezug auf die Siedlungen. Die Hintergründe liegen viel tiefer. Drei Links zu den Artikeln, die die wahre Lage und kausale Verbindungen beschreiben:

von Evelyn Gordon
von Rick Richman
von Yossi Klein Halevi

 

Inge Günther mit der Hamas-Poesie Montag, 17. August 2009

Noch eine unermüdliche Hamas-Propagandistin bei der Frankfurter Rundschau. Trotz Dutzende der kritischen Berichte in der deutschen Blogosphäre. Inge Günther macht ihren Job, wir machen unseren. Zwei Realitäten. Die arme Leserschaft.
Nur einige Stellen, damit alles klar ist (Link):

Die Hamas funktioniert erstens als uneingeschränkte Ordnungsmacht und verfolgt vor allem nationale Ziele.

Geschickt formuliert: “nationale Ziele”. Ein Euphemismus für die “Vernichtung Israels”.

Schon aus Eigeninteresse gibt sie zweitens eine Art Bollwerk gegen den ultraradikalen globalen Dschihad ab. Eine Unterscheidung, die reichen sollte, um mit den palästinensischen Islamisten zu sprechen.

Nein, mit den Terroristen sollte man nicht sprechen, auch wenn eine nette Journalistin ihnen verfallen ist.

Der Hamas selbst scheint mehr denn je daran gelegen, aus der internationalen politischen Isolation auszubrechen. Seit geraumer Zeit kehrt ihre Führung, inklusive Exilchef Khaled Meschal, die pragmatische Seite raus. Sie signalisiert, dass sie sich mit einer Zwei-Staaten-Lösung arrangieren könnte, und richtet den Blick dabei nach Washington aus, weg vom Iran.

Das stimmt nicht, eine glatte Lüge.

Mit der Niederschlagung einer El-Kaida-Zelle hat die Hamas gezeigt, wo sie im Kampf gegen den globalen Terror steht – ein Angebot an Obama.

Sehr erfinderisch, ganz in der Logik der Hamas. Selbst darauf gekommen, Frau Hamas-Botschafterin?

Damit verknüpft ist allerdings auch eine Warnung, wohin es führen könnte, wenn sich der abgeschnürte, kriegszerstörte Gazastreifen weiter radikalisiert. Vielen jungen Militanten dort ist die Hamas längst zu lahm, zu etabliert. Wenn die Welt nicht reagiert, wird sie eines Tages noch die Hamas vermissen.

Stockholm-Syndrom? Aha. Was mich allerdings wundert, und das mit einer gewissen Prise Zinismus, warum die Hamas-Freundin eine ziemlich große Zahl der Toten und Verwundeten nicht extra beklagt? Haben sie etwa keine Menschenrechte? Sind es keine Palästinenser?

Ansonsten alles in Ordnung, Frau Günther? Wann verreisen Sie nach Gaza? Oder ist es in Jerusalem bequemer?

 

Wahlkampfsexus Freitag, 14. August 2009

Die aktuelle Orgie der Publikationen zum Plakat von Vera Lengsfeld dreht sich um ein kulturelles Phantom. Die meisten Schreiber haben keine Zeit für Recherche und glauben, dies Kunstprodukt sei einmalig. Davon halten es wiederum die meisten für eine politische Aussage und empören oder freuen sich, je nach eigenem Blickwinkel. Männer argumentieren mit Katharina der Großen (Link) und Canetti (Link), Frauen gehen auf die Palme (Link), zum Teil gar mit Sloterdijk. Der Rest hält das für Pornographie oder findet es ekelhaft.
Noch keine einzige Publikation, wo die Meinung eines Werbungs- (eine Ausnahme!) oder Kunst- oder zumindest Medienexperten gefragt worden wäre. Schauen wir uns doch die folgende Reihe der Produkte an. Zuerst ein “Titanic”-Cover von 1994

Zwei klare Botschaften sind daraus zu lesen. Eine Frau, in diesem Fall die ehrliche und gewissenhafte inzwischen ehemalige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher, wird es in der sexistisch geprägten Männergesellschaft schwer haben, eine einwandfreie politische Karriere zu entwickeln. Und: Die Boulevard-Methoden (einer Bild-Zeitung et C°) erschaffen den (fetischisierten) Warencharakter einer Frauenkörperdarstellung und verhindern eine politische Aussage sowie Wahrnehmung. Unterm Strich eine harte kulturpolitische Kritik.

Im selben Jahr kam das Plakat mit Thomas Krüger heraus
Thomas Krueger Plakat
Die Aussage: Der sei ehrlich und witzig, hat nichts zu verbergen, fähig zur Selbstironie.

Autoren des Plakats spielen aktiv mit der Darstellung des Adam in der christlichen Ikonographie, zum Beispiel bei Hugo van der Goes
oder gar bei Jan van Eyck:

 
Unterm Strich – typisch postmodernes Spiel mit Inhalten und Epochen, frei von politischen Aussagen, im bewußten Widerspruch zur Person des dargestellten Politikers. Vergessen wir aber nicht, dass dieser mediale Auftritt Thomas Krüger zu seiner Politkarriere verholfen hat und er muss sich dafür nicht schämen. Auch von der Presse wurde er nicht in die Ecke gestellt.

Im Jahre 1997 wurde viel über die Plakataktion einer Protestpartei in Belgien geredet:

Nee Plakat1
Wie bekannt, später wurden aus 400.000 Jobs 40.000 Blowjobs gemacht, mit noch größerem medialen Erfolg. Wie auch beim Titanic-Beispiel oben, wird hier mit dem Sexismus eine Parodie auf das Politgeschäft betrieben, mit solchen unsinnigen Versprechen wie dem aktuellen Slogan des SPD in Deutschland (4.000.000 Jobs). Noch viel früher (1987) kam die Pornodarstellerin Ilona Staller ins italienische Parlament mit der entsprechenden Selbstentblößung. In diesem Fall also völlig ernsthaft.

2002 hat die Grüne Partei mit dem Plakat für die Gleichberechtigung der Lesben, Schwulen und Heteros Wirbel gemacht:

Grüne 2002 Plakat

Auch hier sieht man eine Anlehnung an die alte Malerei, und zwar an das berühmte Gemälde von 1594:

Schon wieder gehen hier die Aussage und Intention völig auseinander. Auf dem Gemälde sind keine lesbischen Frauen dargestellt – die Berührung weist auf die Schwangerschaft hin. Die erotische Andeutung kommt von der Art der Beziehung, in der die Frauen leben, nämlich als Maitressen. Auf dem Plakat wird das pervertiert und die Erotik der gleichgeschlechtlichen Liebe wird in den Vordergrund geholt. Weil auf dem Plakat die Darstellung der Heteros fehlt, ist die Aussage mitnichten die des Begleittextes. Es wird vielmehr gesagt, dass sich die Lesben und die Schwulen durch ihr sexuelles Leben definieren, was der einzige Grund sei, sie politisch zu unterstützen. Tja…

Wer noch weniger Geld (für die Arbeit mit postmodern denkenden Fotographen) und kaum Geschmack hat, greift in die Kiste der eigenen Erfahrungen mit der bildenden Kunst. So die Junge CSU in der Stadt Grafing, die ihre Inspiration 2008 in Modezeitschriften holte

JU CSU Grafing Plakat

Bieder und geschmacklos, politisch selbstentwertend. Die Junge Union Wittmund ist noch sexbesessener, ihre Quellen sind noch eindeutiger:

JU Wittmund Plakat 1JU Wittmund Plakat 2

 
Auf das letzte Bild haben sich die Grünen in Kaarst eine nicht weniger sinnlose Antwort ausgedacht:

Grüne Kaarst Plakat

Das schwarze weibliche Körper mit weißen weiblichen Händen angefasst, ach, ach. Das soll offensichtlich den politischen Gegner kritisieren, nämlich den Sexismus und den Rassismus der CDU. Die Autoren des Plakats sehen sich selbst dabei völlig unschuldig.

Im Vergleich zu dieser Fetischisierung der Massenware sieht das Plakat von und mit Vera Lengsfeld harmlos aus:

Lengsfeld Werbung
Immerhin präsentiert sie ihr eigenes Gesicht, ihren Körper und ihren Schmuckgeschmack: Lengsfeld in Sankt Petersburg

Die Ideengeberin des Plakats bedient sich bei Angela Merkel, deren souveränen Art so zu sein, wie sie ist, ihren Bekanntheit, suggeriert eine Nähe zwischen den beiden und erzeugt daraus einen “Wir”-Slogan gegen die männlich dominierte Welt. Auf dem Plakat bieten Frauen mehr oder haben viel zu bieten. Ein Spiel mit dem Sexismus, welches sexistisch anläuft. So in etwa wie der Kampf der Emma-Herausgeberin für die Pornographie für Frauen.
Insofern ist das noch ein eitler Versuch, auf sich aufmerksam zu machen.
Ähnlich wie die Protestaktion im Bundestag, die Vera Lengsfeld schon einmal durchgeführt hat (“In einer Bundestagsdebatte zum Zweiten Golfkrieg 1991 drückte sie auf außergewöhnliche Weise ihre Kritik daran aus, indem sie eine Minute ihrer Redezeit mit Schweigen füllte, bis ihr Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth das Wort entzog“). Die Verbindung des eigenen Körpers mit der Eitelkeit entspricht in etwa dem oben zitierten Plakat mit und für Thomas Krüger. Es geht hier also nur um die Aufmerksamkeit des verehrten Publikums.

Auch deswegen irrt sich Carolina Fetscher, wenn sie sagt (Link):

Aber ambitioniert ist die Idee auf alle Fälle, die hartgesottene Kreuzberger Klientel mit einem Touch „Titanic“ gewinnen zu wollen.

Den große Unterschied zwischen dem “Titanic”-Cover und diesem Plakat sollten wir klar sehen. Dort eine brutale Kritik der Gesellschaft auf Kosten einer Frau, hier ein angepasstes Flehen um Aufmerksamkeit, auch um den Preis der Sebstausstellung und -leugnung.
Erstaunlicherweise im selben Stadtbezirk mit Vera Lengsfeld plakatieren sich noch zwei komische politische Tiere. Halina Wawzyniak, immerhin stellvertretende Vorsitzende ihrer Partei, verteidigt ihr Plakat
halina_plakat
mit einfachen Worten (Link):

das plakat bin halt ich, was sagt denn ein gesicht aus? soll ich wirklich, nur weil es vielleicht mehr wähler/innen anspricht rüschenbluse anziehen? und ja, diese mediengesellschaft funktioniert leider so, dass ich durch dieses plakat die möglichkeit habe, meine positionen rüber zu bringen.

Der massive Einsatz von Photoshop lässt ihren Körper zum Fetisch verkommen, das stört die Politikerin der Linken nicht. Sie fügt sich, weil alle so tun, und sie verzichtet auch auf eigenes Gesicht. Die Werbephilosophie setzt sich durch.

Die beiden netten Damen werden gegen ihren männlichen Gegner verlieren, obwohl sie auf ihre Weiblichkeit setzen oder gerade deswegen, jede Wette! Auch wenn Plakate, die Christian Ströbele von Gerhard Seyfried bekommt, in ihrer Comic-Art, ziemlich dumm sind:
Ströbele Seyfried1 Ströbele Seyfried 2
Oder anders gesagt, sie sind genauso dumm wie der eitle Politiker selbst, nur stört es offensichtlich weniger. Sein zweifelhaftes Charisma wiegt immer noch mehr.

Zum Schluss seien noch einige Worte zum Plakat für und mit Angela Merkel erlaubt. Genauso wie ihr altes Plakat 2005 (Link), setzt ihre Agentur auch heute auf die nette Menschlichkeit der Bundesmutter:
Merkel Plakat

Im Grunde braucht Merkel keine Kampagne, sie kann unter diesen Umständen nur gewinnen. Im Unterschied zu Obama muss sie nicht einmal viel reden, es genügt, wenn sie schweigt, weil die anderen eben zu viel Blödsinn reden. Ihr Lächeln auf dem Plakat verbindet einen ungewöhnlichen Profilblick mit einem Obama-angelehnten Slogan. Wir dürfen allerdings nicht vergessen, dass Obama auch nach dem teuersten Wahlkampf aller Zeiten da steht, wo seine Inkompetenz ihn führt. “Yes, we can.” Und ob. Auch dieser Slogan ist eine Lüge. Seine Umfragewerte sind jetzt schon genauso tief, wie die seines Vorgängers. Die Enttäuschung an der Politik-Maschinerie wird sich weiter verbreiten. Die Politik hat kaum fähige und charismatische Personen zu bieten, das Politgeschäft wird an die Berater und Designer abgegeben. Alles geht auseinander, in diese Uneigentlichkeit. Und da hilft kein Sexus, ob mit oder ohne Oberkörper. (Die Zustände in der Schweiz sind vielleicht etwas weniger bekannt, als die in Russland.)

 

In Bremen gibt es den Qualitätsjournalismus auch Donnerstag, 30. Juli 2009

Einsortiert unter: Blogging,Bremen,Deutschland,Medien,USA — peet @ 10:47 Uhr
Tags: , , , , , ,

Thomas Spang hat im “Weser Kurier” Schirrmacher gemacht (Link):

Da die Blogger, Nachrichten-Aggregatoren und andere Trittbrettfahrer im Internet selten journalistische Eigenleistungen erbringen und damit auf die Vorarbeit der klassischen Medien angewiesen bleiben, verspricht der Vorstoß der Zeitungsseite mit dem weltweit größten Internet-Verkehr in der Welt Erfolg zu haben.

Es geht um die “New York Times” und um den “Weser Kurier” selbst. Der Leser kommt selbst zu der Feststellung, wer hier ein Trittbrettfahrer ist. :-) Gespannt sein kann man in diesem Sinne auch auf den bevorstehenden Online-Aufritt des “Weser Kuriers”… Auf die Kooperation mit der Touristikbranche insbesondere und weitere Auftragspublikationen zugunsten des Qualitätsmarketings… *g*

 

 
Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.