Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Süddeutsche Philosophie Dienstag, 7. August 2012

Richard David Precht ist kein Philosoph, sondern ein plaudernder Populist in der Art eines Roger Willemsen. Er beschuldigt die anderen

die weltfremden Träumer und Phantasten

zu sein. Er wünscht sich

ein Europa nicht der Staatsmänner und Staatsfrauen, der Diplomaten und Repräsentanten, der Banken und des Handels, sondern ein Europa der Bürger.

Linke Bazille oder was? Was sagt die Vierte Internationale dazu? Große Zustimmung von der Seite der Stammleserschaft der Süddeutschen ist ihm sicher. Und dieses Gerede von

unsere westeuropäischen Demokratien […]

Die FAZ wie die Süddeutsche, alles verseucht mit sozialistischem Mist der poststalinistischen Ära.

 

Wozu sind die Aggregatoren gut? Montag, 6. August 2012

Über die Einführung eines neuen Onlinedienstes bei der Süddeutschen Zeitung erzählte heute dessen Chefredakteur Stefan Plöchinger im Interview beim onlinejournalismus.de. Es ging über Aggregatoren und das Ding heißt:

Facebook-Twitter-Presseschau. Leser empfehlen auf…

Aus meiner Sicht werden hier Begriffe ausgetauscht. Einerseits spricht Plöchinger über

besonders oft exklusive oder publizistisch herausragende Geschichten

andererseits werden durch die Klickzahlen bzw. Twitter oder/und Facebook-Verlinkungen weniger Qualitätszeichen verliehen, sondern viel mehr die Aufmerksamkeit gespiegelt, die entsprechende Beiträge, Fotos, Videos erreichen. Meist sind es die anderen Eigenschaften, die dazu führen.

Möchte ich sehen, was die anderen lesen, anklicken, weiterempfehlen? Oder suche ich nach relevanten Nachrichten und ideenreichen Aussagen? Ist das bei der Süddeutschen dasselbe? Wenn Plöchinger das Resultat

unsere Presseschau

nennt, dann ist das für meinen Geschmack noch einmal mehr irreführend. Eine Presseschau finde ich eher beim Perlentaucher. Aggregatoren als einen Dienst betrachtet Plöchinger eher negativ:

Vielleicht baut ihn niemand, weil ihn zu wenige wirklich brauchen?

Er kennt sie offensichtlich auch nicht alle:

Reine Aggregatoren sind eher Nische, abgesehen mal von Google News.

Google News sind wirklich nicht schlecht, auch wenn der Dienst ziemlich umständlich zu bedienen ist. Ich kann gerne ergänzen. Aktuell das Beste findet sich bei Popurls, auch wenn das gewöhnungsbedürftig ist. Newsmap ist unterhaltsam und gut konfigurierbar, nutzbar ist auch DailySource. Weniger ausgegoren sind Buzzrank (zu wenig Relevanz bei 700 Nachrichtengeber), Virato (technische Ungereitheimheiten und nur 5000 Quellen), msnNOW (eher in die Richtung wie die Süddeutsche die Sache versteht, nämlich wer was angeklickt hat). Noch zu wenig habe ich Congoo und News Republic ausprobiert. Aber mit Rivva kann man gut leben, auch wenn der Dienst die Kurzlebigkeit und die Enge der deutschen Blogosphäre spiegelt. Das ist ja nur ein Spiegel, wozu meckern… Viele Dienste sind entstanden und wieder verschwunden. Eigene Nachrichtenansammlungen muss man sich selbst immer noch suchen, eher bei Feeds zusammenbasteln, wie auch in diesem Blog. Das Angebot der SZ ist ein erzwungener Schritt in dem Konkurrenzkampf, aber noch zu wenig hilfreich. Die Bedienung ist nicht bequem, die Übersichtlichkeit nicht von vornerein gegeben, im Vergleich zu Rivva zu anonym. Also noch einmal, was suchen wir, die Klickzahlen oder die Relevanz?

UPDATE: Die weitere Kritik ist noch beim Deutschlandradio zu lesen.

 

Armut nach Thilo Sarrazin und nach Anna Bergmann

Im heutigen Interview, das das österreichische “Standard” mit einer Kulturhistorikerin Anna Bergmann geführt hat, wird Thilo Sarrazin schon wieder für das Übel Deutschlands verantwortlich gemacht. Besonders klar wird das im letzten Satz:

Armut wird als parasitärer Lebensstil gedeutet, der immer mehr als eine negative Charaktertypologie und nicht mehr als ein Ergebnis unserer gesellschaftlichen Misere im Sinne eines Strukturmerkmals des neoliberalen Globalisierungsprozesses wahrgenommen wird.

Wie es für heutige Geisteswissenschaftler leider üblich ist,  gedeutet werden nicht Fakten der Kultur, sondern Interpretationen. Eine nicht genehme Deutung wird als richtig oder falsch beschildert, argumentiert dagegen wird gar nicht. Anders gesagt, es werden Argumentationsfehler des Gegners aufgelistet, der Gegner selbst wird reichlich beschimpft, die Realität nicht aber neu analysiert, Hypothesen werden nicht einmal ausprobiert oder zumindest angesprochen.
Dass nicht Sarrazin, sondern die sozial-staatliche Förderung die generationsübergreifende Armut fördert, wird dabei ausgeblendet.

 

Curiosity, beste Quellen und die Erde

Filed under: USA — peet @ 20:13 Uhr
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Bei der Unmenge von Meldungen, Twitterverweisen, die meistens gefakte Witze sind, muss man lange suchen, bis man die echten Bilder der Landung der “Curiosity” findet. Ich verlinke sie hier:

Die eigene NASA-Aufnahme, mit mehr Applaus und Euphorie und weniger von der eigentlichen Landung, aber mit schön markierten wichtigen Momenten, so dass man alles filtern kann (nur nicht bei WordPress einbetten).

Die eigene Twitter-Seite der NASA zum Thema mit allen wichtigen Meldungen.

Die interessanten Fotos werden erst viel später kommen, etwa innerhalb einer Woche. So gefällt mir viel besser ein Foto aus dem Jahr 2007, mit dem Blick von Mars auf die Erde und den Mond:

Erklärungen sind bei der NASA zu bewundern. Schade, dass die Live-Animation der Landung, im ersten Video auf dem rechten Monitor sichtbar, nicht extra aufgenommen wurde. Sie wäre beinahe noch spektakulärer als die inzwischen wohl bekannte Animation, die in drei Varianten bei Youtube usw. verbreitet wird.

 

Es merkelt Freitag, 3. August 2012

Filed under: Deutschland,Europa,FAZ,Politik — peet @ 19:51 Uhr
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In der heutigen FAZ empört sich Gertrud Höhler, die ehemalige Beraterin von Helmut Kohl, über den “autoritären Sozialismus”, den sie als System Merkels sieht. Ein schwülstiger pseudoliterarischer Stil, eher typisch für “Die Zeit”, aber immerhin richtig. Es fehlt nur die Einordnung in die geschichtliche Entwicklung. Merkel hat gut gelernt, sowohl von Kohl als auch von Gerhard Schröder, überhaupt ist ein nicht zu stoppender Verfall der europäischen Ideen in Sicht, eine Merkel kann das nicht verhindern, sie macht einfach nur mit. Und vom “Zerfall der Demokratie” zu schwatzen, wie es Höhler tut, heißt, in meinen Augen, nicht viel von der Demokratie zu verstehen.

Besonders lustig finde ich allerdings die selbstentlarvende Replik Sigmar Gabriels, der über diesen Artikel begeistert twitterte:

ein entlarvender Beitrag

Ja, ja, selber aber nicht anders. Populisten unter sich…

 

Welcher online-Übersetzer ist besser? Sonntag, 29. Juli 2012

Filed under: Blogging,Umfragen — peet @ 23:12 Uhr
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Es sind schon mehr als 500 Postings und mehr als 140.000 Lesungen aufgezählt. Aus diesem Anlass und nicht nur zur allerseitigen Unterhaltung folgt hier eine Umfrage.

Das Thema ist durchaus aktuell und wird uns alle noch sehr lange beschäftigen. Mit welchem translator online werden wir besser bedient?

Google     PROMT     Bing     Babylon     WorldLingo

Mehr habe ich nicht gefunden. Und nicht vergessen, Babel Fish wurde 2012 eingestellt.

 

Holm Putzke hat bis zu NY Times geschafft Samstag, 28. Juli 2012

“The New York Times” informiert ihre Leserschaft über die Beschneidungsdebatte und bringt eigene Beiträge zum Thema, darunter als erster erschien ein Text von Holm Putzke (am 11.7.2012). Mit dem Titel

Let Boys Decide at 16

Ein Kommentar ist besonders köstlich und wurde auch von der Redaktion favorisiert:

The yiddish word for foreskin is PUTZ…a derogative sometimes used to indicate a stupid person. PUTZKE is the diminutive of the word. Isn’t THAT amusing?!

Mir gefällt’s.

 

 
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