Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Warten auf Beckett Samstag, 8. April 2006

Filed under: Die Welt,Humor,Literatur,NZZ,Theater — peet @ 14:45 Uhr
Tags: , , , ,

In Zeitungen von heute steht viel zum Jubiläum von Samuel Beckett. Einige Literaten sind selbstredend, ich meine, sie sagen mehr über sich selbst (ich zitiere aus der „Welt“ und NZZ):

Elfride Jelinek

Beckett ist für mich der Autor der radikalen Reduktion. Das macht ihn zu einem sehr männlichen Autor, denn die Souveränität, etwas wegzunehmen, indem man erschafft, hat die Frau nicht und bekommt sie auch nicht.

Joachim Unseld

Mir ist vom Whiskey und der Hitze schon etwas mulmig, Beckett ist nichts anzumerken. Das Zimmer ist völlig verraucht und unser Gespräch inzwischen weit entfernt vom Thema Literatur beim Sport gelandet. „Bum Bum Becker“ hat es ihm angetan, zum Beispiel. Welchen Sport ich mache. Schwimmen. Und seit neuestem für die Gesundheit Yoga. Beckett zeigt sich amüsiert: Da würde man doch auf dem Kopf stehen und ob ich das könne? Ich nicke. Er fragt: „Hier?“ – „Wie: Hier?“, frage ich zurück. „Na, hier eben.“ Und er deutet lächelnd vor sich auf den Dielenboden. „Hier?“ frage ich erneut „Aber ja!“ bestimmt er: Ich habe nichts anderes zu tun, als mich in einem Pariser Altersheim und mit drei Gläsern Whiskey im Blut vor dem großen Autor und Nobelpreisträger Samuel Beckett auf den Kopf zu stellen. Beckett betrachtet den Kopfstand mit fachmännischem Interesse. Darauf stoßen wir – zurück auf den Füßen – gleich nochmal an.

Jean-Philippe Toussaint

Anfang der achtziger Jahre schrieb ich einen Brief an Samuel Beckett. Ich erklärte ihm, dass ich mich als Schriftsteller versuchte, fügte an, vermutlich wendeten sich viele Unbekannte an ihn, und statt ihn um sein Urteil über einen meiner Texte zu bitten, schlug ich ihm eine Partie Fernschach per Brief vor, bei der ein Theaterstück von mir auf dem Spiel stehen sollte. Gewänne ich, würde er das Stück lesen und mir seine Meinung dazu sagen; gewänne er, würde ich selber mit ausgeruhtem Kopf das Stück nochmals durchgehen. Mein Brief endete so: Falls ja, 1. e4. Postwendend antwortete Beckett: Schwarz gibt auf. Schicken Sie das Stück. Herzlich, Samuel Beckett.

Ich schickte ihm das Stück, und nach einer oder zwei Wochen meldete er sich erneut: Er hatte das Stück gelesen und riet mir, es zu kürzen.

So viel zu Beckett. :-)

Advertisements
 

One Response to “Warten auf Beckett”

  1. Wir verdanken Samuel Beckett den besten Anfang eines Romans („Murphy“): „Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues.“


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s