Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Meggle zu Tränen gerührt: „Ist so etwas an einer Uni verboten?“ Sonntag, 23. April 2006

Eine Veranstaltungsreihe an der Universität Leipzig ging zu Ende. Der Veranstalter Georg Meggle berichtet bei Heise und teilt seinen Bericht in die Abschnitte: Information zuerst, Kommentar danach. Das klingt sehr wissenschaftlich, ja, sehr wissenschaftlich. Nur – mit der Teilung in Paragraphen endet die Wissenschaftlichkeit leider. Das Problem der gesamten Session sowie der Darstellung durch Meggle ist seine unwissenschaftliche, zutiefst persönliche Note sowie die offene Einseitigkeit und Parteinahme.

Die Leipziger Philosophen haben offensichtlich Schwierigkeiten sowohl mit der Ethik als auch mit der Planung: Wird das Fach so vertreten? Werden Gelder so ausgegeben?

Einige Beispiele:

Beide Seiten widersprechen sich. Wir haben also ein echtes Dilemma. Dieses Dilemma manifestiert sich nicht nur bei diesem Thema und nicht nur bei Universitäts- Ringvorlesungen. Das Dilemma zwischen Distanz-Notwendigkeit und Distanzierungs-Unmöglichkeit ist ein ganz allgemeines. Es tritt überall dort auf, wo ein Streben nach Erkenntnis und Verstehen einerseits und ein Verlangen nach (individueller wie kollektiver) Vergegenwärtigung von Vergangenem (in unserem Fall: von vergangenem und gleichwohl nachwirkendem Leid) andererseits miteinander in Konflikt geraten.

Es geht zuerst um die Vorstellung und die Gegenüberstellung von zwei Positionen – etwa so? Welche sind es? Israel und die Palästinensische Autonomie? Nein, es geht um „das Dilemma zwischen Distanz-Notwendigkeit und Distanzierungs-Unmöglichkeit“. Es wird zu Beginn des Artikels postuliert, was sein (durchaus ethisches!) Thema sein sollte. Dieses Thema wird im Verlauf des Berichtes nie wieder, von keinem der Redner aufgenommen und behandelt. Das Thema bleibt also nur im Bewußtsein des Professors existent, der alles geplant und durchgeführt hat. Aha. Und der nicht gemerkt hat, dass die gesamte Reihe zu einem anderen Thema umgedeutet wurde, zum Thema – Ein nettes Gespräch über verschiedene Blicke auf den Konflikt im Nahen Osten.

PS.1 Seine klaren Argumente zur Rechtfertigung der Gegengewalt von Seiten Israels unterstützte der Referent mit zahlreichen Fotos von den Opfern von Selbstmordattentaten. Fotos, die beim Betrachter außer Entsetzen auch reflexartig die Solidarität mit den Opfern und deren Angehörigen auslösen. Bei jedem, der noch einen Rest von menschlichem Mitgefühl hat.

So gibt Georg Meggle den Inhalt des Vortrags eines Vertreters der israelischen Likud-Partei wieder. „Klare“ Argumente und „zahlreiche“ Fotos der israelischen Seite sind dazu da, um eine „reflexartige Solidarität“ auszulösen. Das schreibt er im informativen Abschnitt, das Wort „reflexartig“ verrät die wertende Position des Berichterstatters, die gleich darauf deutlicher wird:

Und die eines vergessen machen: Dass es entsprechende Bilder auch auf der anderen Seite gäbe; mit den gleichen Wirkungen, wenn wir deren Bilder überhaupt zu sehen bekämen. Und zudem verschweigen solche Bilder den gewöhnlichen Alltag: und der ist auf den beiden Seiten ein sehr verschiedener.

Wir werden belehrt, all die unzähligen Fotos der israelischen Opfer, die Meggle und wir jeden Tag sehen (Vorsicht, Ironie!), sollten bei uns keine „reflexartige Solidarität“ auslösen. Zudem leben Israelis besser als Palästinenser, das sollten wir ihnen übelnehmen. Das ist die Meinung des verantwortlichen Profs.

Damit wir noch mehr Verständnis für die missionierende Position des Autors einbringen, springen wir zu seiner Beschreibung des Auftrittes einer friedensengagierten Palästinenserin:

Sumayas Beiträge sind nicht nur wie aus dem Leben gegriffen, sie sind das Leben – und zeigen das Leben unter israelischer Besatzung. Das heißt, mit ihren Worten: Isolation; Trauer; Angst um mich, um die Familie und um die Zukunft; Depression; das Gefühl zu ersticken; Wut, Verzweiflung; Armut; Schuldgefühle; Aggression; Streit in der Familie, in der Klasse, auf der Straße; Unruhe und Schlaflosigkeit; Rachegefühle; Neid; Gefühllosigkeit und Gleichgültigkeit; Früh-Heiraten; Gewalt – auch in den Familien.

PS: Man muss Sumaya Farhat-Naser hier stehen gesehen haben: wie eine Tänzerin, die mit leuchtenden Augen lachend die schwarzen Vögel der Dummheit und des Wahnsinns vertreibt. Eine Liebeserklärung, ich weiß. Ist so etwas an einer Uni verboten?

Alles emotional – sowohl die Information als auch der persönliche Kommentar, ohne jegliche Warnung vor „reflexartigen Solidarität“. Alles klar?

Letzten Endes entsteht der Eindruck der typischen Selbsttherapie auf Staatskosten, den der Autor freiwillig bestätigt:

PS.2 Am lehrreichsten waren für mich nicht die Vorlesungen, sondern die persönlichen Begegnungen drum herum: die Vorbereitungsgespräche und die Gespräche danach. Abraham Sion zum Beispiel hatten wir, meine Tochter und ich, bereits im Februar 2005 in einem Cafe in Tel Aviv zu einem langen Vorgespräch getroffen. Ich hatte dabei erzählt, dass ich beim Beginn des 1967er Krieges, da war ich junger Fallschirmjägerleutnant beim Bund, bereit war, mich, so das nötig werden sollte, als Freiwilliger zur Verteidigung Israels zu melden. Ich war überrascht, daraufhin zu hören, dass im Sechstagekrieg tatsächlich deutsche Freiwillige beteiligt gewesen waren. Noch nie habe ich so viel in Geschichte gelernt wie im Kontext dieser Ringvorlesung.

Ich würde sagen, es gibt auch Bücher, u.a. auch im Fach Geschichte. Einige Professoren wissen das offensichtlich noch nicht.

Im anderen Fall warnt Georg Meggle seine Leser schon wieder – aber diesmal ganz andererseits – davor, der Hamas die von ihm propagierende „reflexartige Solidarität“ zu entziehen:

PS: Vor einem Ignorieren dieses Plädoyers kann ich nur warnen. Was wäre das für ein Verständnis von Demokratie, demokratische Wahlen nur dann zu akzeptieren, wenn sie zum gewünschten Ergebnis geführt haben. Mit dieser Haltung würde sich die Forderung einer Demokratisierung des Nahen Ostens – bzw. der gesamten arabischen Welt – nur selbst als das entlarven, was es vielleicht ja auch ist: als Propaganda-Rhetorik.

Das Niveau eines Anfängers, eines aggressiven Laien in der Politologie und Geschichte. Welches Fach will Meggle eigentlich vertreten?

Chomsky, Krippendorff, Beck, Kapitan, Avnery, Honderich, Primoratz – in der Darlegung Meggles sind sie alle lächerlich und einseitig antizionistisch geprägt. Einige davon bestimmt gewollt, die anderen werden uminterpretiert. Neben Chomsky sieht Georg Meggle nur einen auf der gleichen hohen Stufe der Erkenntnis – das ist „der Physiker, Geigenbauer und Auschwitzüberlebende“ Hayo Meyer! Die Krönung der ethischen Philosophie nach Meggle: Deutschland, Israel, Hayo Meyer als drei ethische Postulate! Das sieht so aus:

* (D) Nie wieder Auschwitz!
* (I) Nie wieder Opfer!
* (HM) Nie (so werden) wie die Täter !

Soll man hier weinen oder lachen?

Am Rande sei noch erwähnt, dass Georg Meggle auch den Film „München“ für sich umzuinterpretieren weiß:

Wer selbst zum Täter wird, verliert letztlich seine eigene Seele. (Das ist die Lehre, die uns und den Israelis Spielbergs „Gebet für den Frieden“ – sein neuer Film „München“ – zu recht nahe legt.)

Dieser Prof. ist ein Wunder der Wissenschaft, wahrlich sage ich euch, wahrlich…

Meggle, bleib bei deiner Butter!

 

One Response to “Meggle zu Tränen gerührt: „Ist so etwas an einer Uni verboten?“”

  1. […] will es wissen By peet Noch einmal Georg Meggle (vgl. hier). Wieder mit einer Pseudowissenschaft. Der gute Prof. hat den Antisemitismus entdeckt und plaudert […]


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