Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Rabbi Sussja noch einmal Dienstag, 16. Mai 2006

Filed under: Allgemein — peet @ 17:33 Uhr
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Nach einer langen Suchaktion habe ich zwei Bücher gefunden, in denen über Rabbi Sussja in etwa dieselben Geschichten aufgeschrieben sind. Aus meiner Sicht zeigt sich in den kleinen und großen Abweichungen die mündliche Tradition der jüdischen Überlieferung. In beiden Büchern sind mehrere Aufzeichnungen auch über andere chassidische Rabbiner gesammelt. An einigen Beispielen will ich diese Nuancen aufzeigen, und zwar an den Geschichten, die ich noch nicht zitiert habe.

Über den Elimelech, den Bruder von Sussja, schreibt Chajim Bloch (Chassidische Geschichten, 1929, zitiert nach der Ausgabe Wiesbaden 1996):

Einst sagte er zu seinem Schüler […]: „Wenn sie nur aufhören wollten, mich zu verfolgen und mich zwei Jahre in Ruhe ließen, brächte ich die Kraft auf, die Ankunft des Messias zu erzwingen und die vollkommene Erlösung herbeizuführen.“ (S.121)

Dieselbe Geschichte bei Eli Wiesel (Chassidismus, 1972, zitiert nach der Ausgabe Freiburg 1988):

„Hätte man mich zwei Jahre lang in Ruhe gelassen, dann hätte ich erreicht, dass der Messias kommt.“ (S.124)

Wiesel erzählt die Pointe prägnanter, traut seinem Leser mehr Hintergrundwissen zu.

Ähnlich sieht es mit der folgenden Geschichte aus. Bei Bloch:

Einst sprach Rabbi Elimelech: „Meine Seele entsinnt sich, wie sie am Berge Sinai gestanden hat und wer beim Empfang der Lehre in ihrer Nähe war.“ (S.123)

Wiesel meistert die Darlegung viel klarer und bildhafter:

„Ich erinnere mich ausgezeichnet an die Offenbarung auf dem Berge Sinai. Ich sehe nicht nur mich selbst dort, sondern auch die Seelen zu meiner Rechten und zu meiner Linken.“ (S. 126)

Zum Schluss noch eine Geschichte, in der Ausführung von Eli Wiesel:

Von allen Schülern des Maggid […] war Rabbi Sussja der einzige, der nicht die Reden des Lehrers wiederholte. Hier der Grund dafür: Sobald der Maggid den Mund öffnete, verfiel Sussja bereits in einen Begeisterungstaumel und stieß solche Schreie aus, dass man ihn hinausschicken mußte. Und wie hätte er wiederholen sollen, was er nicht gehört hatte? (S.119)

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