Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Zwischen „Stern“ und „EU Referendum“ Donnerstag, 10. August 2006

Die wichtigsten Fragmente aus der Stern-Publikation sind die folgenden (Link):

Keiner der anwesenden Journalisten oder Fotografen hatte den Eindruck, Teil eines Hisbollah-Schauspiels zu sein. Nick Blanford, seit zwölf Jahren im Libanon und für „London Times“ und „Time“ als einer der Ersten am Ort, sagt: „Die Rot-Kreuz-­Leute haben die Leichen nacheinander aus dem verschütteten Keller getragen. Am Anfang kamen die Ambulanzen gar nicht bis zum zerstörten Gebäude durch. Die Männer mussten die Leichen etwa 500 Me­ter weit tragen. Deshalb gibt es viele Bilder von Helfern mit Kindern auf dem Arm.“

Auch Tim Fadek, für die Agentur Pola­ris in Kana, konnte kein Indiz für eine
In­szenierung entdecken: „Alle waren aufge­regt, und es herrschte ziemliches Chaos. Als dann die Leichen aus dem Keller getra­gen wurden, waren auch die Sanitäter mit den Nerven am Ende. Wenn sie einmal ein Kind in eine Kamera hielten, dann nicht als Pose, sondern schlicht aus Ärger und Verzweiflung: Seht, was mit unseren Kin­dern geschehen ist!“

Das sieht ungefähr so aus:

Keine Inszenierung selbstverständlich. Diese 10 Fotographen sind nur ein bisschen aufgeregt. Das andere Fragment bezieht sich auf die Aussagen des „Helfers“:

„green helmet“ heißt mit bürgerlichem Namen Salam Daher. Er ist 38 Jahre alt, lebt in Marjayoun, hat drei Söhne und ar­beitet seit 1986 für den libanesischen
Kata­strophenschutz. Er ist kein Mitglied der Hisbollah. Normalerweise hilft er bei Waldbränden, Verkehrsunfällen oder Na­turkatastrophen. Daher erfuhr er vom
Bom­bardement um ein Uhr in der Nacht, konnte aber erst morgens um sieben nach Kana fahren, da israelische Kampfjets die Straße beschossen. Vom stern zu den Inszenierungsvorwürfen befragt, sagt er: „Es ist lächerlich. Ich habe mehr als zehn Kin­der aus den Trümmern gezogen, bin am Ende ja fast selbst zusammengebrochen.
Überall waren Fotografen, man konnte kaum richtig arbeiten. Einmal habe ich ein Kind hochgehalten, damit alle ein Bild machen konnten – aber doch nur, damit ich danach Ruhe hatte, um weiter nach Überlebenden zu suchen!“

Die Videoaufzeichnung vom NDR, die von einem Kommentator des vorherigen Postings empfohlen wurde (Link), spricht eine andere Sprache. Eine bessere Widerlegung gibt es nicht. Ausserdem ist dieser einfacher Helfer, der mal da mal hier ein bisschen hilft, ganz anderes Kaliber und zwar

the civil defence chief in southern Lebanon (Link).

Ich glaube, die Aufregung kann man vergessen. Dieses Stern-Interview war nichts – keine Argumente, keine professionelle Arbeit. Die Enthüllung lässt sich nicht zu einer Verschwörungstheorie herunterspielen. Schließlich kann jeder die Fakten selbst sehen.

Advertisements
 

3 Responses to “Zwischen „Stern“ und „EU Referendum“”

  1. Herrje Says:

    Da hält die Kamera voll drauf und die Reporter wissen natürlich selbst, dass es auch einen Krieg der Bilder gibt, an dem man sich als Fernsehreporter auch gern beteiligt. Aber zynisch ist natürlich nur der Einheimische, der im Wissen darum tote Kinder in die Kamera hält, nicht aber die Reporter selbst, die genauso schamlos ihre Kamera in die toten Gesichter halten und in den persönlichen Besitztümern der Toten stöbern.

  2. Karoline D. Says:

    38 Jahre alt? Dann sehen die Menschen im Libanon aber frueh gealtert aus…..Die Herren sehen auch viel zu wohl genaehrt und ausgeruht fuer Helfer im Dauereinsatz aus. nie truebt ein fleckchen ihre weisse weste……..die kinder sind – bis auf eines, das womoeglich einzige authentische kinderopfer dieses raketeneinschlags – sauber gewaschen und zeigen teilweise anzeichen von totenstarre. es gibt hinweise, sie koennten – wie auch immer zuvor zu tode gekommen – in der nacht mit kuehlwagen aus einer leichenhalle im nahe gelegenen tyrus herbei geschafft und in den keller gelegt worden sein, um als stumme schauspieler fuer eine hisbollywood-inszenierung zu dienen. und die reporter wollen glauben, was sie sehen, weil sie von der hisbollah nicht vom berichten ausgeschlossen werden wollen. Auf keinem der fotos sieht man uebrigens irgendwelche klagenden eltern – nur die allgegenwaertigen blitzsauberen helfer white t-shirt und green helmet. waren es wirklich, wie z.b. wie die prowestlichen, saekular-christlichen blogge von libanoscope andeuten, elternlose, behinderte kinder aus einer art heim? das wuerde so manches erklaeren……wer seinen kindern sprengstoffguertel umbindet, um sie ins paradies zu bomben, der tut auch so was……ich wuesste nicht, dass israelis ihre kinder so behandeln……


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s