Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Krieg gegen Israel 12 Samstag, 12. August 2006

Filed under: Allgemein — peet @ 21:01 Uhr
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Es haben sich einige Links angesammelt, die empfohlen werden möchten. Von den deutschsprachigen Publikationen nenne ich drei:

Ein Interview mit Henryk M. Broder im „Standard“ vom 9.8. (Link). Daraus – einige Fragmente:

Broder: Die Frage nach der Verhältnismäßigkeit halte ich für vollkommen richtig, die ist weder antiisraelisch noch antisemitisch. Nur dabei wird übersehen, dass es nicht Feuerwerkskörper sind, die von der Hamas oder der Hisbollah abgeschossen werden, sondern richtige Raketen, die auch Menschenleben kosten und vor allem – was für Israel entscheidend ist – ein Drittel des Landes vollkommen lahm legen. Das kann sich ein Land nicht leisten, dass ein Drittel seiner Bevölkerung nicht zur Arbeit oder zur Schule gehen kann. Die Hamas und die Hisbollah können sich das mit Leichtigkeit leisten.

Die Frage der Abwehr ist eine berechtigte Frage, nur Israels Stärke und Israels Kraft beruht auf dem Abschreckungspotential. Wenn Israel nicht vielfach überlegen wäre, würde es gar nicht mehr existieren. Wenn die Araber die Waffen aus der Hand legen würden, wäre Frieden. Wenn Israel die Waffen aus der Hand legen würde, gäbe es kein Israel mehr. Das ist ein entscheidender Unterschied. […]

derStandard.at: Könnten Sie aus dem aktuellen Konflikt ein Beispiel nennen, um aufzuzeigen, wo die Grenze zwischen Antisemitismus und legitimer Israel-Kritik liegen?

Broder: Das Titelblatt vom neuen „Stern“. Sie sehen da einen betenden Soldaten, umrahmt von einigen Bildchen: Eine Kanone, die gerade abgefeuert wird, Frauen bei der Armee. Darunter steht: „Israel, was das Land so aggressiv macht.“ Ich hätte eigentlich mit einem anderen Titelblatt gerechnet, nämlich mit dem Gesicht von Nasrallah und der Unterschrift darunter: „Warum Nasrallah so bösartig ist“.

Aber das ließe sich nicht verkaufen. „Israel und was das Land so aggressiv macht“ allerdings ist eine eindeutige Anknüpfung, eine eindeutige Verbindung zu antisemitischen Klischees: „Der Jud ist schuld.“ Das ist eindeutig antisemitisch und hat mit Israelkritik nichts mehr zu tun.

Das Irre daran ist – da bin ich ziemlich sicher -, dass die Stern-Leute das nicht mal böse meinen, überhaupt nicht. Europa hätte gerne friedliche Juden, die sich brav anstellen, wenn es zur Deportation geht. Die Tatsache, dass die Juden sich dieses Mal nicht endlösen lassen wollen hingegen, zeugt schon von deren Aggressivität.

derStandard.at: Ein Argument, das immer wieder ins Feld geführt wird, ist: „Die Juden müssten es doch besser wissen“.

Broder: Nein, die Europäer müssten es besser wissen. Israel weiß es natürlich besser, Israel weiß, dass Passivität zur Vernichtung führt.

Die Europäer glauben, dass sie aus der Geschichte gelernt haben, die Europäer haben aber nicht aus der Geschichte gerlernt, denn sonst wüssten sie: Man muss gegen das Böse kämpfen und nicht den Kampf als böse verdammen.

Die Leserbeiträge zu diesem Interview auf der internetseite der Zeitung bestätigen wie immer die Treffsicherheit Broders.

Bevor ich zu weiteren Texten übergehe, verlinke ich gerne eine Karikatur (aus dem Blog von Michael Freund), die aus meiner Sicht der Realität entspricht:

Die TAZ brachte ebenfalls am 9.8. einen ruhigen und argumentierenden Versuch von Tjark Kunstreich, die Position Israels für die Leserschaft dieser Zeitung zu erklären. An einem Tag pro, an dem anderen contra, das macht die TAZ seit Jahren inzwischen so deutlich, dass die Nähe zur BILD-Zeitung in der Methode, wie man beliebige Meinungen bedient, um die Auflage sicherzustellen, viel zu offensichtlich ist (Link):

Die taz kann in diesem Zusammenhang das zweifelhafte Lob für sich in Anspruch nehmen, Deutschlands europäischste Zeitung zu sein. Voraussetzung für diesen, in der taz prototypisch geführten Diskurs ist der Doppelstandard, dass für Israel nicht gelten darf, was jeder andere Staat auf der Welt selbstverständlich für sich in Anspruch nimmt. Unheimlich daran ist, dass veröffentlichte Meinung, öffentliche Meinung und Politik weitgehend identisch sind in dem Willen, Israel zu diktieren, wie es auf die Verletzung seiner Staatsgrenze zu reagieren hat.

Diese Kritik erträgt die Zeitung leicht, weil es der Redaktion egal ist. Schon am nächsten Tag legt sie weiter nach, das wollen wir aber nicht unbedingt noch einmal lesen.

Kunstreich weiter:

Nicht nur wird der demokratische Staat Israel mit terroristischen, auf totale Herrschaft setzenden Organisationen gleichgesetzt – was sich im Interesse politischer Lösungen auf Verhandlungsebene manchmal nicht umgehen lässt -, vielmehr erhält dadurch auch der Kampf gegen Israel als jüdischen Staat politische Anerkennung. So zerstritten die islamistischen Fraktionen im Nahen Osten auch sind, sie sind sich einig im Ziel der Vernichtung Israels. Indem die Europäische Union unter französischer Ägide terroristische Aktionen wie die Entführung und Ermordung von Soldaten auf israelischem Boden zum politisch zu lösenden Konflikt adelt, trägt sie zur Vereinheitlichung jener Kräfte bei, die einen Ausgleich mit Israel kategorisch ablehnen. […]

Nicht zuletzt erinnert die Reaktion auf die Außerkraftsetzung individueller Menschenrechte im Zeichen des Antisemitismus, des Rassismus und der Verfolgung politischer Gegner an das Appeasement: Sie wird bagatellisiert und zu einer Frage der Kultur verniedlicht. Letzteres bezieht sich nicht nur auf die Länder des Nahen Ostens, sondern auch auf den Umgang mit der Einwanderung nach Europa: Für Menschen, die vor islamischer Herrschaft flüchten, ist Europa längst kein sicherer Ort mehr. Das Appeasement mit dem politischen Islam fordert auch hier schon Opfer, siehe Theo van Gogh und Ayaan Hirsi Ali. Genau jenes Klima ist es, in dem sich die Vollstrecker einer islamischen Gerechtigkeit wohl fühlen. Auf Demonstrationen unter Beteiligung deutscher Friedensbewegter wird „Tod den Juden“ gerufen, ohne dass die Friedensfreunde es für nötig halten, das überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, geschweige denn, sich davon zu distanzieren. […]
Es ist, als bestätige sich die antisemitische Unterstellung vom Anderssein der Juden darin, dass es überall Antisemiten gibt. Eben darin aber zeigt sich, dass Israel sich nicht nur bedroht fühlt, sondern dass es in seiner Existenz bedroht ist. Und solange nicht die Frage gestellt wird, was die Gegner Israels eigentlich so maßlos aggressiv macht, wird sich daran nichts ändern. So lange aber bleibt auch Israels Vorgehen alternativlos.

Viel komplizierter ist es, mit einem großen Artikel von Dan Bar-On umzugehen, den die TAZ am 20.7. brachte (Link). Falls ich die Zeit dafür finde, werde ich ihn ausführlicher analysieren. Vielleicht findet sich einer, der mir diese Aufgabe abnimmt. :-)

Völkerrechtlich behandeln J. Peter Pham und Michael I. Krauss die Rolle der Hisbollah – selbstverständlich absolut anders als die „Tagesschau“ (Link). Sie verurteilen Verbrechen der Terroristen und nennen ihre Taten beim Namen.

Was dagegen der liebenswürdige Erbe Arafats, sein Nachfolger Abbas, dazu meint, ist auch nicht ohne (Link):

MR. ABBAS: The Arab people’s resistance leads to the same issue. This means that anyone who defies the occupation is going to the same target and will get the same result. Therefore, we definitely perceive the resistance in Lebanon as noble Arab resistance. There is no doubt about that.

It is fighting forcefully and it gave a good example of resistance. However, in the end, other processes might appear in different directions. For instance, there is an agenda in Lebanon. If this agenda is authorized, it will deal with the Lebanese process. There isn’t any corresponding Palestinian agenda, therefore this might take place after some time.

Ein nettes Beispiel für die Beteiligung Kofi Annans an den laufenden Kämpfen im Nahen Osten bringt Joseph Klein (Link):

Indeed, Kofi Annan has the blood of civilians and UN observers on his own hands, because he failed to take action when he had the chance to save lives. For example, he personally rebuffed an advance warning to the UN from the Israeli Defense Force (“IDF”) that the UN should help remove innocent civilians from certain villages where fighting was expected to ensue. Here is what this self-righteous ‘humanitarian’ said in response to a question at a press briefing on July 30th: “It’s not the time to undertake to evacuate villages. And besides, as I said, such requests would normally come from a government.”

Zwei Analysen des Kriegsaublaufs wie Überblicke der Perspektiven aus der israelischen Sicht bringt der heutige Tag. Einmal ein Interview mit Yossi Kuperwasser, der den Nachrichtendienst der israelischen Armee leitet (Link):

After the war Hezbollah will have a weaker or stronger political status, but its military status will be entirely different. It will not be on the border with Israel. It will not continue to be a threat to Israel. […]

Hezbollah will be disarmed. The government of Lebanon will disarm Hezbollah, and if not, Israel will have to do it. Israel will reach Beirut in the end if necessary. You ask me if that is possible? yes, it is. We have to reach a situation in which the international pressure and the Israeli military pressure and the Lebanese political pressure bring Hezbollah to understand that it cannot go on presenting itself as the defender of Lebanon. […]

Not one person has been added to the Hezbollah fold. We may have added people who hate Israel, but not to the Hezbollah fold. The Lebanese are not dumbbells: they know why they are suffering. […]

Nasrallah tried five times to abduct a soldier and four times it was prevented, and awareness was high. In principle, I assume there was no specific, concrete warning. There was a strategic warning. [..]

Hamas, like Hezbollah, wants … the annihilation of the State of Israel. Let’s not get confused here. Even if Hezbollah is disarmed, it will not change that goal. […] Fatah’s goal was based on a national conception. In nationalism one can make compromises at critical moments. Hamas is a movement that views itself as religious. It is dogmatic, and the prospect of it being flexible in its approach is extremely low. Hamas is committed to the establishment of a Palestinian state in the entire territory of historical Palestine. They are ready to adopt the phased program, to establish a state in the 1967 borders and leave open the question of 1948 for a time. In these conditions, there is no place for Israel to talk to Hamas.

Sehr interessant ist es diese Meinung eines hochinformierten Generals mit der Analyse eines Bloggers themiddle zu vergleichen, der zu grundsätzlich anderen Schlüssen kommt und nicht weniger überzeugend wirkt (Link). Der Text ist ziemlich lang, ich finde ihn sehr aufschlussreich.

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