Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Lorenz Jäger denkt in Emblemen Mittwoch, 16. August 2006

Filed under: Allgemein — peet @ 15:08 Uhr
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Ein Feuilleton-Redakteur der FAZ namens Lorenz Jäger versteht sehr viel von der Emblematik und lässt seine Leser am 12.8. wissen, was er von dem Foto der israelischen Mädchen hält, die Raketen mit der Inschrift „to nazrala with love from Israel“ bemalt haben. Da er jahrelang Deutsche Literatur in Japan unterrichtete, dachte ich zuerst, er würde Schreibfehler korrigieren und bemängeln. Nein, der sympathische Autor einer enttäuschenden Adorno-Biographie („Er formuliert schnoddrig, langatmig und ausladend. Von Adorno lernte er diesbezüglich nichts, denn der forderte Exaktheit.“ – Link) ist so entzückt, dass er diese Fotos „zu einem der Embleme dieses Konfliktes“ erheben will. Sein kulturgeschichtlich versierter Blick erkennt darin viel mehr als ein normaler Mensch sieht (der Artikel ist bei dem Autor des Blogs Politically Incorrect als pdf-Datei zu sehen – Link):

Dennoch erschrecken diese Fotos in ihrem schreienden Kontrast von blühender Armut und grausamem Kriegswerk mehr als jedes Bild der Zerstörung.

Sensibelchen! Diese Mädchen sind sogar noch schrecklicher. Im Laufe des triefenden Schreibens öffnen sich dem erfahrenen FAZ-Journalisten die Augen:

Als vor ein paar Jahren das Bild eines Berliner Muslims durch die Presse ging, der seine kleine Tochter als Selbstmordattentäterin mit Sprengstoffgürtel ausstaffiert hatte, war man entsetzt. Nun hat man ein Gegenstück.

Nicht zu schnell, bitte. Jäger vergleicht seine Lieblingsmädchen nicht mit wahren Selbstmordattentätern, sondern mit einem Bild von Performancekunst, ganz sicherlich. Die kleine Tochter eines Berliner Muslims hat doch nichts Böses getan. Außerdem liegt Berlin weit entfernt von Frankfurt. Und diese Mädchen haben selbst gemalt – so jung und schon so amoralisch, so hasserfüllt! Und dazu noch in Anwesenheit von ihren Eltern, Soldaten und Offizieren. Und sogar eines Fotografs! Jäger hätte es nie so gemacht. Darauf kann er schwören.

Er bezieht sich, sage ich nur noch zum Schluss, auf die Quellen, die er, offensichtlich bewusst, falsch zitiert. Es waren 12 Fotografen dabei. Es waren mehrere Erwachsene, die Raketen bemalt haben. Erst dann wurden die Mädchen dazu animiert mitzumachen. Nachdem sie Tage im Schutzkeller verbracht haben. Ihre Gesichter spiegelten keinen Hass – vielmehr wirkten die Kinder, als seien sie Teilnehmerinnen an einem Spiel (Die Analyse der Fotos mit mehreren Hinweisen siehe hier und hier.)

Sein Vergleich hinkt deswegen gewaltig – er ist aber auch viel mehr: Nämlich noch ein Emblem antisemitischer Propaganda in der deutschen Presse. Punkt.

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2 Responses to “Lorenz Jäger denkt in Emblemen”

  1. Frankfurter Allgemeines Adorno-Bashing

    Glücklicherweise erstreckte sich die Dominanz der jüdischen Führer aber, wie gesagt, nur auf die erste Hälfte des Jahrhunderts – was an Jägers Haltung den Juden gegenüber aber nichts ändert.

  2. […] und nimmt sich den “leichteren” Gegner vor – die TAZ. Der uns inzwischen gut bekannte Emblematiker Lorenz Jäger wird persönlich und denunziert den Autor des TAZ-Artikels. Christian Semler fragt […]


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