Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Eine nette Ente Mittwoch, 25. Oktober 2006

Deutsche Medien berichten über den angeblichen Zwischenfall vor Libanons Küste. Zuerst „Der Tagesspiegel“, dann die anderen. Zum Beispiel auch „Die Süddeutsche“ (Link):

Am Dienstag um 10.11 Uhr hätten sechs israelische F-16-Jäger ein deutsches Marineschiff der UNIFIL-Flotte vor Libanons Küste in geringer Höhe überflogen und „Infrarot-Täuschkörper“ abgeworfen. Aus einer der Maschinen seien aus der Bordkanone zwei ungezielte Schüsse in die Luft abgefeuert worden. Es gebe bereits Gespräche mit Israel auf Regierungsebene, sagte Raabe. Beide Seiten seien an einer weiterhin guten Zusammenarbeit interessiert.

In Wahrheit wurden nur Täuschkörper abgeworfen, da ein Hubschrauber von einem deutschen Marineschiff unangemeldet in Richtung der israelischen Grenze flog. Die unerfahrenen deutschen Offiziere haben die Täuschkörper für Raketen gehalten. Die weitere Ente ist ein Selbstläufer. Glückwunsch!

UPDATE: Die „Tagesschau“ korrigiert im Bericht vom 26.10 (Link):

Es habe sich herausgestellt, dass ein Marine-Hubschrauber von Bord des Einsatzgruppenversorgers „Frankfurt am Main“ aufgestiegen sei. Der Pilot des deutschen Helikopters habe zuvor seine Flugdaten nicht dem israelischen Koordinationshauptquartier mitgeteilt, zudem habe er nicht das Identifikationssystem seines Hubschraubers eingeschaltet, das auf einer vereinbarten Frequenz eine rasche Erkennung des Flugobjekts erlaube.

Die beiden israelischen Kampfflugzeuge hätten auf den Marine-Hubschrauber zugehalten und über die Frequenz, die der deutsche Pilot nicht eingestellt hätte, vergeblich versucht, Kontakt aufzunehmen. Nachdem keine Antwort gegeben worden sei, seien die F-16-Jets auf den Helikopter zugeflogen und hätten – nachdem sie die deutschen Hoheitskennzeichen am Hubschrauber erkannt hätten – abgedreht. Im Verlauf dieses Manövers seien von den Kampfflugzeugen so genannte „Infrarot-Tauschkörper“ zur Raketenabwehr abgeworfen worden. Die Deutschen hätten deswegen wohl geglaubt, dass die Jets auf sie geschossen hätten.

Die „Süddeutsche“ will davon selbstverständlich nichts gewußt haben (Link).

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2 Responses to “Eine nette Ente”

  1. Hauke Theunert Says:

    Vielleicht hätte der Autor dieses Kommentars die weitere Entwicklung der Berichterstattung abwarten sollen, bevor einen dermaßen polemischen Ton anschlägt. So wie sich die Sache inzwischen darstellt, scheint er selbst einer Ente aufgesessen zu sein. Jedenfalls hat er die Darstellung von israelischer Seite ziemlich unkritisch übernommen. Der Spiegel berichtet am 27.Oktober, dass die israelische Luftwaffe ihre Darstellung des Vorfalls inzwischen korrigiert hat und die deutsche Marine ihre Darstellung des Vorfalls bis dato nicht revidiert hat. Da der ganze Zwischenfall über einem deutschen Aufklärungsschiff stattgefunden hat, ist dieser Vorfall wohl auch gefilmt worden. Bleibt zu hoffen, dass die Bilder veröffentlicht werden, damit in Zukunft nicht eine Ente der andern folgt. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Medien bedeutet nicht, wie der Autor des Kommentars „Eine nette Ente“, die einen Medienberichte UNREFLEKTIERT gegen die anderen auszuspielen. Selbstverständlich stütze ich mich bei meinem Kommentar auch nur auf Medienberichte und ich als Medienkonsument maße mir nicht an zu behaupten, dass die Darstellung des Spiegels die Endgültige in diesem Fall ist. Im Folgenden habe ich einen Auszug aus dem Bericht von Pierre Heumann angefügt. (Der vollständige Bericht findet sich unter folgendem Link:http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,445123,00.html)
    „Immerhin korrigierte die israelische Luftwaffe inzwischen ihre Darstellung des Zwischenfalls: Ein Sprecher des israelischen Militärs sagte, das deutsche Schiff habe sich nicht wie zuvor behauptet an der libanesisch-israelischen Seegrenze befunden. „Es war in internationalen Gewässern, nicht in israelischen“, sagte er. Zunächst hatte Israel den Zwischenfall damit erklärt, ein deutscher Hubschrauber sei nahe der israelischen Grenze von der „Alster“ aufgestiegen; diesen hätten die Kampfflugzeuge identifizieren wollen. Jetzt gab der Sprecher zu, dass dies ein ganz anderer Vorfall mit einem anderen Schiff war – und bot plötzlich eine neue Erklärung für den Zwischenfall mit der „Alster“: Im Gebiet der „Alster“ fänden Trainingsflüge israelischer Kampfflugzeuge statt. Diese Flüge seien es wohl gewesen, die man auf dem deutschen Schiff am Dienstag registriert habe.
    Ob und warum es Schüsse in der Nähe des deutschen Schiffs gab, erklärt dies allerdings immer noch nicht. Die Marine legte heute noch mal nach: Weil die „Alster“ ein Aufklärungsschiff sei, „haben wir glücklicherweise alles akribisch auf Video mit guten Zeiss-Objektiven aufnehmen können und schon nach Berlin geschickt“, sagte Vizeadmiral Hans Joachim Stricker, der Befehlshaber der Flotte, während eines Vortrags beim Forum 2006 der Clausewitz-Gesellschaft in Flensburg. Strickers Zusammenfassung des Vorfalls: „Es ist tatsächlich alles so passiert, wie es von der deutschen Seite bekannt gegeben worden ist.“
    Zwar habe der „israelische Verteidigungsminister Recht, wenn er sagt, die deutschen Einheiten sind nicht beschossen worden“, sagte Stricker. Aber es sei auch richtig, dass das israelische F-16-Kampfflugzeug „geschossen hat“. Stricker bezeichnete den Vorfall als „unfreundlichen Akt“.[…]“

  2. peetgp Says:

    Na-na, geht die Polemik denn weiter? Mit „Spiegel“ vom 27.10? :-)
    Ich empfehle – als den aktuellen Stand der Information – einen Artikel von Ulrich W. Sahm und vorsichtiger mit „Spiegel“-Kommentaren umzugehen.


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