Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Zwei positive Meldungen Freitag, 9. März 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 11:27 Uhr
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Die eine davon – ein Meinungsartikel von Stephan Hebel in der „Frankfurter Rundschau“ (Link). Es geht dabei um den Pretzien-Fall und das Gerichtsurteil:

Es ist zu hoffen, dass das Urteil wenigstens diesen Nazi-Nachahmern im Miniatur-Format so weh tut, dass sie sich besinnen. Wären sie die einzigen, dann wäre die Sache damit erledigt. Aber leider ist rechtsextremes Gedankengut weiter verbreitet als nur in Pretzien. Es hilft nur eins: Die Politik und jeder Einzelne müssen endlich aufhören, das Problem zu dulden oder kleinzureden. 

Die andere – drei Leserbriefe in der FAZ. Alle drei beziehen sich auf den unsäglichen Artikel von Konrad Löw (Link). Da lobe ich mir die Menschen, die sich dagegen stellen:

Persönliche Eindrücke

Wie in seinem 2005 erschienenen Buch „,Das Volk ist ein Trost‘ – Deutsche und Juden 1933-1945 im Urteil der jüdischen Zeitzeugen“ hat Konrad Löw wieder einmal alles zusammengesucht, was die Deutschen von ihren unter den Nazis begangenen oder geduldeten unmenschlichen Untaten irgendwie entlasten könnte (F.A.Z. vom 1. März). Was er jedoch anführt, sind keine empirisch ermittelten oder wissenschaftlich erarbeiteten Studien, sondern durchweg persönliche Eindrücke und Erfahrungen einzelner Menschen. Mit Leichtigkeit lassen sich ebenso viele, wenn nicht noch mehr Gegenstimmen anführen von jüdischen und anderen Opfern, die nicht die Solidarität und Hilfsbereitschaft von Deutschen erfahren haben, sondern im Gegenteil verraten und verkauft worden sind. Insofern sind und bleiben Löws Behauptungen eine Zumutung – nicht nur für die Opfer.

Ursula Homann, Arnsberg

 

Zeitzeugenberichte

Mit einigem Erstaunen habe ich den Artikel von Konrad Löw „Juden unerwünscht“ (F.A.Z. vom 1. März) zur Kenntnis genommen. Eine historische Tatsachenbehauptung wie „Ausschreitungen gegen Juden fanden“ in der deutschen Bevölkerung „außerhalb der NSDAP kaum Zustimmung“ mit einer Aneinanderreihung von Zeitzeugenberichten belegen zu wollen, ist methodisch völlig unzureichend. Dass diese Erinnerungen von jüdischer Seite kommen, ändert nichts an der Unzulänglichkeit dieses Vorgehens – wer nur lange genug suchte, fände jede Menge Zeitzeugenberichte für die gegenteilige Behauptung. Für die Bearbeitung eines so wichtigen Themas ist methodische Phantasie erforderlich; mit Dilettantismus kommt man ihm nicht bei, mag er auch noch so belesen daherkommen.

Dr. Mark Spoerer, Tübingen

 

Speerspitze

Mit dem Abdruck des Artikels „Juden unerwünscht“ (F.A.Z. vom 1. März) hat sich Ihre Zeitung zur Speerspitze des deutschen Revisionismus gemacht. Schon frühere Artikel wiesen in diese Richtung: polnische Vorbehalte gegenüber dem Bund der Vertriebenen wurden als pathologisch beiseite gewischt, die Restitutionsforderungen von Opfern des Nationalsozialismus und ihren Abkommen als gierig bekämpft und die Flächenbombardierungen durch die Alliierten als rachsüchtige Kriegsverbrechen verdammt.
Julian und Steven Arons, Frankfurt am Main

 

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