Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

vox populi II Montag, 19. März 2007

Wie vorausgesagt, in den Zeitungen erscheinen weitere antisemitische Leserbriefe. Der Trigger – Publikationen über die Äusserungen der Bischöfe – arbeitet reibungslos. Gestern also zwei Stück (der zweite ist besonders hübsch) – im „Tagesspiegel“ (Link):

Moralisch versagt

Berichterstattung über kritische Äußerungen deutscher Bischöfe in Israel

Ob man die Äußerungen der katholischen Bischöfe zu Israels Palästinapolitik unpassend, undiplomatisch oder als persönliche Meinung gerechtfertigt findet, mag jeder selbst entscheiden. Die Äußerung des Generalsekretärs vom Zentralrat der Juden ließ mich jedoch aufhorchen. Er sagt: „Die Nachfahren von Holocaust-Opfern zu Tätern zu machen, ist nicht akzeptabel.“ – Warum kann ein Opfer nicht zum Täter werden? Haben die Nachfahren von Holocaust-Opfern einen Freibrief für ihr gegenwärtiges Tun? Ein friedensbewegter Israeli sagte mir im Jahr 2000, er schäme sich für seine Landsleute, weil aus dem Volk der Opfer nun ein Volk der Täter geworden sei.– Es ist gut, dass es gelegentlich auch diese Sicht gibt!

Claudia Metzner, Berlin-Zehlendorf

Wann werden es die Israelis und Juden lernen, dass wir Deutschen ein Recht auf freie Meinungsäußerung haben, ohne dass immer und immer wieder ein Bezug auf die Vergangenheit genommen wird? Wann werden sie endlich registrieren, dass wir es satt haben, immer wieder an den Holocaust erinnert zu werden? Wann werden sie erkennen, dass die ständige Erinnerung an das Vergangene dazu führt, dass man es nicht mehr wahrhaben will? Die kritischen Äußerungen der deutschen Bischöfe bei ihrem Besuch im Heiligen Land sind doch nur die Reflektionen der unmittelbaren Erlebnisse von Menschen, denen man wohl eine objektive Betrachtungsweise zugestehen sollte. Wenn Schimon Stein diese nun ins Abseits stellt und ihnen unterstellt, sie hätten alles vergessen, nichts gelernt und moralisch versagt, so ist das mehr als ein Affront gegenüber den Bischöfen, es ist eine glatte Unverschämtheit. Wenn dann auch noch der Zentralrats-Vizepräsident Graumann von Antisemitismus spricht, ist das Maß voll. Ich frage mich, warum wir uns das immer wieder gefallen lassen müssen, ohne dass sich einmal Gegenstimmen erheben. Ist irgendwann einmal der Punkt erreicht, wo wir die Dinge ohne Berücksichtigung der besonderen Belange der Juden betrachten können? Die Zeit ist reif dafür, es gibt auf dieser Welt andere Probleme, Israel hat ein gerüttelt Maß an Anteil daran und sollte dafür sorgen, das in seinem Bereich diese Probleme gelöst werden, bevor es immer wieder andere anklagt oder beschuldigt.

Gerhard Roscher, Berlin-Lichterfelde 
 

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