Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Schlammschlachten 1 Samstag, 24. März 2007

Sehr-sehr problematisch, darüber zu schreiben, ich weiß. Bei den Recherchen zu medienkritischen Themen stoße ich aber immer wieder auf – aus meiner bescheidenen Sicht – lesenswerte Diskussionen in Blogs, die vielleicht noch nicht jeder mitgekriegt hat, auch wenn sie nicht so ganz neu sind.

Eine erste davon soll hier verlinkt werden ( ich bin davon überzeugt, sie wird nicht die letzte sein). Hier wird – das ist das Unterschiedsmerkmal – der Hauptakzent auf die persönlichen Animositäten gelegt. Inhalte erscheinen fast ausschließlich nur im Hintergrund, obwohl sie viel wichtiger und für Meinungsverschiedenheiten ausschlaggebend sind. Es ist also nicht nur eine Parade der Eitelkeiten und nicht nur ein Streit darüber, wer von sich behaupten kann, er sei eine höhere Moralinstanz.

Es gibt einen hervorragenden Journalisten, Henryk M. Broder. Seine Bücher sind gut, aktuell und bringen nicht nur zum Nachdenken, sondern führen auch zu Diskussionen. Seine Auftritte im Fernsehen sowie im Internet sind mehr ein Nebenprodukt, wie es mir scheint, dafür erzeugen sie allerdings mehr Echo, aus verständlichen Gründen (hier und hier).

Es gibt einen ausgezeichneten Blogger, Stefan Niggemeier, der mit seinem Bildblog einen Meilenstein im deutschen Web gesetzt hat. Ohne das zu wollen, hat er zur Qualitätsverbesserung der Zeitung beigetragen, die dadurch nicht lesenswerter wurde, und ein Produkt geschaffen, welches ein Teil der deutschen Medienlandschaft geworden ist.

Warum auch immer, gefällt dem zweiten die Tätigkeit des ersten nicht. Broder steht Niggemeier sozusagen im Wege. In seinem zweiten Blog greift Niggemeier Broder persönlich an und erlaubt seinen Kommentatoren antisemitische Äußerungen (Link, insgesamt 62 Kommentare).

Das ist noch nicht alles. Die Axel-Springer-Akademie hat neulich einen Weblog installiert, der vom Direktor, Jan-Eric Peters, geführt wird, welcher früher die „Welt“ leitete. In dem Moment, als Niggemeier diesen Blog unter die Lupe nimmt (Link), antwortet Peters in seinem Blog darauf (Link). Kommentare gehen in beide Richtungen sehr bissig und aneinander vorbei (bei Niggemeier 134 Kommentare, bei Peters – 38). Parallel dazu schreibt Thomas Knüwer zum selben Thema inhaltlich bezogen (Link), sein Text wird kaum beachtet (3 Kommentare).

Das ist immer noch nicht alles. Der selbe Artikel von Broder (Link), auf welchen sich Niggemeier bezieht, findet viel später noch einmal eine Reaktion, diesmal von Robert Misik in der TAZ (Link), worauf Broder selbstverständlich auch antworten musste (Link). Ich meine, alle verlinkten Diskussionen bilden eine reife Kolportage-Lektüre. Die thematische Verknüpfung ist nicht immer offensichtlich und den Beiteiligten nicht so ganz ersichtlich. Aber auch daraus kann man viel Denkstoff abgewinnen. Ist es nun nur eine Schlammschlacht?

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3 Responses to “Schlammschlachten 1”

  1. […] Chef-Blog zu werben, festigt sich. Nach dem Blog der Springer-Akademie (dazu mehr in dem Posting zu Schlammschlachten 1) kommen die nächsten: Ein Blog der Tagesschauredaktion (Link) und – seit einigen Tagen – einer des […]

  2. […] Zum Thema selbst habe ich mir erlaubt, alles Notwendige schon vor Monaten auszusprechen (Link). Bei den neuesten Versuchen Niggemeiers, Broder ein Aufmerksamkeitszeichen zu entlocken, sammeln […]

  3. […] Mein erster Kommentar zu der Schlammschlacht vor einem Jahr […]


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