Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Drei alte Juden Montag, 26. März 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 14:58 Uhr
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Fast am selben Tag sind drei Interviews erschienen, in welchen ich den Bezug zu einem immer wiederkehrenden Thema erkenne, und alle drei betrachten die Lage anders. Wer von ihnen hat Recht? Alle drei?

Isaak Behar, dem die Polizeischule in Berlin für die Gespräche auf eine merkwürdige Weise dankte, sagte Folgendes (Link):

Wie schätzen Sie die Gefahr des Rechtsextremismus heute ein? Wird genug dagegen getan?


Nein, es ist eine Minute nach zwölf. Man hat es lange Zeit nicht ernst genommen, und es hat sich hochgeschaukelt, mit dem Ergebnis, daß die Rechtsextremen heute in der Mitte der Gesellschaft sind, in Parlamenten vertreten sind und an manchen Orten zehn Prozent der Wählerstimmen erhalten. Sie sind auch brutaler geworden; sie begnügen sich nicht mehr damit, Friedhöfe zu schänden und Hakenkreuze an Fassaden zu malen.

Wie geht man nach Ihren Erfahrungen am besten dagegen vor?

Wenn ich das wüßte. Ich kann Ihnen nur eins sagen: Den Antisemitismus und die Fremdenfeindlichkeit zu bekämpfen ist eine Kollektivaufgabe. Jeder einzelne Bürger ist aufgerufen zu erkennen, daß der Mensch, der neben ihm steht, ein Mensch ist – egal, welche Hautfarbe er hat, ob er rechts oder links wählt, ob er diese oder jene Religion für sich in Anspruch nimmt, welcher ethnischen Herkunft er ist. Der Mensch als solcher verdient Respekt –Existenzrespekt.
Interview: Sebastian Wessels 

Charlotte Knobloch, die neulich durch ihren Vergleich der aktuellen Situation mit der Zeit „vor 1933“ überraschte, musste sich wieder positionieren (Link):

Sie haben im Herbst letzten Jahres für Schlagzeilen gesorgt, als Sie äußerten, vieles was Juden jetzt erleben, erinnere Sie an die Zeit ab 1933. Für diesen Vergleich gab es nicht wenig Kritik, halten Sie ihn dennoch aufrecht?

Selbstverständlich, leider. Ich wäre gerne von etwas anderem überzeugt. Aber ich habe die Zeit damals miterlebt, ich kenne die Situation und weiß viel über Dinge, die Gemeindemitglieder heute erleben. Hoffen wir nicht, dass wir noch solche Erlebnisse besprechen müssen, die ich als Kind erlebt habe.

Das sind seismographisch wichtige Alarmmeldungen, die Sie geben. Haben Sie den Eindruck, die Gesellschaft nimmt das auch ernst genug – oder überhaupt wahr?

Ich bin sehr optimistisch, dass die Mehrheit in unserer Gesellschaft mit mir einverstanden ist.
[Von Holger Kulick] 

Yitzhak Ehrenberg, einer der angesehensten Rabbiner Deutschlands, wurde von Jens Anker zu seiner Meinung befragt (Link):

In den vergangenen Wochen gab es auch in Berlin neue antisemitische Anfeindungen und Übergriffe. Nimmt der Antisemitismus in Deutschland zu?

Das kann ich nicht sagen. Ich finde es jedenfalls schade. Das sind Menschen, die mit sich selbst unzufrieden sind. Wer mit sich selbst zufrieden ist, respektiert auch andere Menschen. Ich fühle mich in Deutschland aber sicher. Natürlich, der Antisemitismus ist da, und man muss ihn mit allen Mitteln bekämpfen.

Wie kann das geschehen?

Das muss schon in der Kita und den Schulen anfangen, in denen mehr Wert auf Toleranz und Respekt gelegt werden muss. Neulich hatte ich ein ganz anderes Erlebnis. Ich bin mit der S-Bahn gefahren und neben mir saß ein junger Mann, der nervös wurde, als er mich sah. Nach einer Weile stand er auf, kam zu mir und sagte: Ich möchte mich im Namen des deutschen Volkes für die Taten bei Ihnen entschuldigen. Auch so etwas erlebt man.

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