Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Alpha Journalisten Samstag, 21. April 2007

So heißt ein Buch, welches bald, laut der Verlagsmeldung am 3.Mai erscheint. Die ersten zwei Leseproben sehen vielversprechend aus. Im guten alten Klatschtantenton werden eitle Personen dargestellt, hinter denen auch das System deutlich durchschimmert.

Einige Fragmente daraus:

Roger Boyes über Kai Diekmann (Link):
 

Wie jeder kundige Boulevardjournalist sammelt Diekmann Gefälligkeiten und Verpflichtungen von Politikern. Früher oder später löst er die Schuldscheine ein und veröffentlicht die Geschichte, aber manche Politiker stehen noch jahrelang in seiner Schuld.
[…]

Das riecht nach Zynismus. Ist in Wirklichkeit aber Eitelkeit und Größenwahn.

Jeder muss sich auf das Spiel mit Bild einlassen – oder er wird untergehen. Diekmann tarnt es als notwendigen demokratischen Auftrag: »Das ist doch die Aufgabe der Medien, Wachhund der Öffentlichkeit zu sein und Mächtige zu kritisieren.« Außerdem, wie Diekmann richtig bemerkt, buhlen Politiker um die Aufmerksamkeit der Bild und ihrer 11 Millionen Leser. »Wenn Christian Wulff ganz bewusst Politik mit dem schönen Satz gemacht hat: ›Ich bin ein langweiliger Politiker. Ich bin seit 18 Jahren verheiratet‹, war das natürlich indirekt auf seinen Amtsvorgänger Schröder gemünzt, um sich von anderen Politikern abzugrenzen. Er hat auch mit seiner Frau Wahlkampf gemacht, und dann ist es natürlich von öffentlichem Interesse, wenn er sich von seiner Frau trennt und auf einmal eine ganz junge, neue Frau an seiner Seite ist – dafür müssen wir uns interessieren.«

Schön und gut. Aber was wäre, wenn Bild schon sehr lange von dieser Liaison gewusst und sich mit Wulff darauf verständigt hätte, diese brisante Enthüllung erst nach der Wahl an die Öffentlichkeit zu bringen, als sie politisch nicht mehr so heikel war? Könnte es sein, dass hier eine Hand die andere gewaschen hat? Dass es eine Übereinkunft mit Westerwelle gegeben hat, als der sich entschloss, seine Männerliebe öffentlich zu gestehen? Wäre das nicht bewusste Irreführung der Leser – und der Wähler? Wie mächtig doch die Kraft des Schweigens ist.

Alexander Kühn über Franz Josef Wagner (Link):

Diekmann sagt, selbst an nicht so guten Tagen sei die Post noch ein funkelnder Edelstein in seinem Blatt.

Über die Bild-Zeitung haben wir somit schon alles online. Wenn die anderen 28 Helden mindestens genauso wahrhaftig abgebildet sind, dann will ich das Buch lesen. Die Presse als Ware und die gesamte Parade der Eitelkeiten – das sind zwei Themen von Rang.

UPDATE: Noch zwei Beiträge sind im „Tagesspiegel“, wenn auch gekürzt, erschienen – über Maybrit Illner (Link) und über Hans-Ulrich Jörges (Link). Beide Portraits sind weniger gelungen, flacher, eindimensionaler.

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One Response to “Alpha Journalisten”

  1. stylebitch Says:

    Ich mochte auch Wagners leider sehr kurzlebige Kolumne in der mittlerweile völlig bedeutungslosen Max. „Berlin Blues“ hieß die und er erzählte darin, wie er sich durch die Hauptstadt und seinen Kiez bewegte. Vorwiegend nachts, gern angeschickert und entlang an Imbissbuden, im Zwiegespräch mit Säufern, Nutten und anderen Nachtarbeitern. Ob man ihn mag ist dabei völlig unwesentlich, er polarisiert, er ist gradheraus und gern mal Arschloch. In der aalglatten Medienwelt dieser Tage ein willkommenes Relikt. Wie es Udo Röbel einst war, der zu den Gladbecker Geiselgangstern ins Auto stieg und Headlines wie den „Rosa Riesen“ erfand. Großes Anarcho-Kino! Respekt!!


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