Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Schlammschlachten 2 Sonntag, 29. April 2007

Der Trend, für sich bzw. für seine Firma mit einem Chef-Blog zu werben, festigt sich. Nach dem Blog der Springer-Akademie (dazu mehr in dem Posting zu Schlammschlachten 1) kommen die nächsten: Ein Blog der Tagesschauredaktion (Link) und – seit einigen Tagen – einer des Chefredakteurs der „Welt“ (Link).

Die Zeit wird zeigen, ob das mehr mit einer Parade der Eitelkeiten verbunden ist oder mit der Fehleinschätzung des Mediums. In allen drei Fällen tappen Chefs in eine mediale Falle, munter und zielstrebig. Dieses Sich-selbst-bloßstellen – im neuen Königskleid – ist einerseits eine gute Kolportage-Lektüre, andererseits zeigt es Untiefen heutiger Sitten, wahlweise auch Tiefen heutiger Unsitten. Fein.

Die ersten Angriffe sind online. Mit jep und seinem jepblog hat sich wie gesagt Stefan Niggemeier ausführlich beschäftigt. Kein Wunder beim Bildblogbetreiber. Die am meisten gelesenen Beiträge beim jepblog sind die, in denen beide Herren samt ihrer Armeen aufeinander losgehen.

Im zweiten Fall teilen sich die Meinungen noch. Ich habe daraus schon mal zitiert (Link), mit einem beträchtlichen inhaltlichen Gewinn, auch gegen die ursprüngliche Intention des Originaltextes. Stefan Niggemeier ist offensichtlich mit dem Produkt zufrieden (Link), Fabian Mohr ist dagegen untröstlich (Link) – für mich eher überzeugend.

Der dritte Fall sieht besonders vielversprechend aus:

Warum wird ein Thema Aufmacher und ein anderes nicht? Welche Argumente bewegen die Redaktion bei ihren Entscheidungen? Davon handelt dieser Blog.

Oder:

Zu unseren Regeln gehört, Meldungen anderer Medien nicht ungeprüft weiterzuverbreiten. 

Oder:

Wir sind Makler zwischen den Blöcken, aber kein eigener Machtfaktor mit eigenen Interessen.

Falscher könnte Europas Außenpolitik nicht sein. 

Kommentare zu diesen Offenbarungen von Christof Keese lesen sich zunehmend schärfer. Richtig spannend wird es wohl sein, wenn er darauf antwortet. Nur Geduld… Stefan Niggemeier wartet darauf (Link). :-)

Zum Schluss noch ein Hinweis auf die Recherchekunst von Stefan Niggemeier (Link): Diesmal geht es nicht um die Bild-Zeitung, sondern um die „Süddeutsche“. Darin möchte ich Stefan ausdrücklich unterstützen. Auf seine Fragen (zum typischen Bild-Fall mit Angelina Jolie) hat Hans-Jürgen Jakobs, Chef von sueddeutsche.de, folgendermaßen geantwortet:

Gibt es bei sueddeutsche.de Regeln für den Umgang mit Quellen im Allgemeinen und „Bild” im Besonderen?

Der Umgang mit Quellen unterscheidet sich bei sde nicht von den Prinzipien der Süddeutschen Zeitung oder anderer etablierter Medien. In der Regel werden Nachrichten mit Quellenangaben zitiert, wie auch in dem von Ihnen betrachteten Fall.

Gelten vermeintliche „Bild”-Exklusiv-Meldungen bei sueddeutsche.de grundsätzlich als vertrauenswürdig? Und sogar so vertrauenswürdig, dass die Redakteure auf eine Plausibilitäts-Kontrolle durch eine kurze Google-Suche verzichten können?

Die Meldung beruhte auf einer „Bild”-Geschichte, die am Samstag erschien. Am Wochenende sind in der Regel die Personen aus den Ressorts Panorama und Leben & Stil nicht im Büro. Zu einer gesonderten Überprüfung kam es in diesem speziellen Fall nicht. Die sde-Seite, auf die BildBlog zunächst verlinkt hat, ist längst gelöscht.

Weitere Kommentare sind herrlich und lesenswert. Vielleicht folgt der Chefredakteur der „Süddeutschen“ dem Trend und macht einen Blog auf? *g*

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One Response to “Schlammschlachten 2”

  1. […] Tagen den Trend zu den Blogs bei den Redaktionen als die nächste Stolperfalle angesprochen habe (Link), konnte ich nicht ahnen, dass meine böse Prophezeiung so schnell in die Erfüllung geht. Da habe […]


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