Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Statistischer Beweis für No-Go-Areas Samstag, 5. Mai 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 12:19 Uhr
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Gestern wurde der Bericht des Statistischen Bundesamtes (Link) über die Migranten 2005 veröffentlicht. Einige Medien geben den kurzen Überblick. Online wird aber auch das Original angeboten, eine 339-Seitenstarke  pdf-Datei (Artikelnummer: 2010220057004). Ich zitiere daraus:

2005 betrug die Zahl der Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland 15,3 Mio., was 18,6% der Bevölkerung entspricht. Davon machen Ausländerinnen und Ausländer mit 7,3 Mio. oder 8,9% der Bevölkerung nur etwas weniger als die Hälfte aller Personen mit Migrationshintergrund aus, die Deutschen mit 8,0 Mio. oder 9,7% der Bevölkerung etwas mehr als die Hälfte. Mit 10,4 Mio. stellen die seit 1950 Zugewanderten – „die Bevölkerung mit eigener Migrationserfahrung“ – gut zwei Drittel aller Personen mit Migrationshintergrund; unter ihnen sind die Ausländerinnen und Ausländer mit 5,6 Mio. gegenüber den Deutschen mit 4,8 Mio. deutlich in der Mehrheit. Demgegenüber machen die in Deutschland geborenen Ausländerinnen und Ausländer mit 1,7 Mio. nur 2% der Bevölkerung aus, während die 2,6 Mio. in Deutschland geborenen Deutschen mit Migrationshintergrund 3,2% der Bevölkerung stellen. […]
Personen mit Migrationshintergrund sind deutlich jünger als jene ohne Migrationshintergrund (34,2 gegenüber 46,5 Jahre), weitaus häufiger ledig (45,7% gegenüber 37,8%), und der Anteil der Männer unter ihnen ist höher (50,8% gegenüber 48,5%). Bei den unter 5jährigen stellen sie knapp ein Drittel der Bevölkerung insgesamt. […]
Die Zahl der binationalen Ehen (ein Ehepartner deutsch, der andere ausländisch) liegt bei rund 1,3 Mio. (6,6% aller Ehen). Andererseits gibt es insgesamt 1,9 Mio. Ehen zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund (9,7% der Ehen); diesen stehen 2,9 Mio. bzw. 14,8 Mio. Ehen gegenüber, bei denen beide oder keiner einen Migrationshintergrund hat (14,8% bzw. 75,6% der Ehen). In einem Viertel aller Ehen hat so zumindest ein Ehepartner einen Migrationshintergrund. […]
Mit 14,7 Mio. leben knapp 96% aller Personen mit Migrationshintergrund im früheren Bundesgebiet und in Berlin. Am höchsten ist ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung in Großstädten, vor allem in Stuttgart mit 40,1%, in Frankfurt am Main mit 39,5% und in Nürnberg mit 37,3%. Dabei ist in Stuttgart, Frankfurt am Main und München der Ausländeranteil besonders hoch, in Augsburg, Nürnberg und Wuppertal hingegen der Anteil der Deutschen mit Migrationshintergrund. Bei den unter 5jährigen liegt in 6 Städten der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund über 60%, in Nürnberg (67,0%), Frankfurt am Main (64,6%), Düsseldorf (63,9%), Stuttgart (63,6%), Wuppertal (62,0%) und Augsburg (60,2%). […]
Erwerbstätige mit Migrationshintergrund sind doppelt so häufig als Arbeiterinnen und Arbeiter tätig wie Erwerbstätige ohne Migrationshintergrund (48,5% gegenüber 24,4%), Angestellte und Beamte sind unter ihnen entsprechend selten. Sie gehen ihrer Tätigkeit vor allem im produzierenden Gewerbe und im Handel und Gastgewerbe nach. Hier sind zusammen 63,7% aller Menschen mit, aber nur 50,4% der Menschen ohne Migrationshintergrund tätig. […]

Noch einmal deutlich werden No-Go-Verhältnisse aus der Abbildung 3:

 

Am Ende der Broschure wird noch ein Versuch unternommen, zwischen den Generationen der Migranten zu unterscheiden. Verschiedene Modelle werden vorgestellt. Die Autoren favorisieren das dritte von drei Modellen und setzen es bei der Rechnung um:

Alles klar?

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5 Responses to “Statistischer Beweis für No-Go-Areas”

  1. Hr. Text Says:

    Und was soll Ihr Beitrag der geneigten Leserschaft mitteilen?
    Dass es in den ’neuen‘ Ländern verhältnissmäßig wenige Mitbürger mit Migrationshintergrund gibt? Der Osten als No-Go für Migranten?

  2. peetgp Says:

    Genauer gesagt, dass 96% der Migranten und deren Nachkommen im Westen des Landes sind, und 4% – im Osten. Ist das „verhältnismäßig“?

  3. Hr. Text Says:

    Aber wen wundert das? Mitte der 50er schloß die Bundesregierung das erste Abwerbeabkommen mit Italien. Weitere folgten bis in die späten 60er-Jahre.
    Mir ist nicht bekannt, ob die ehemalige DDR derartige Abkommen hatte – vermutlich jedoch nicht.

    Und heute? Wer macht denn freiwillig ‚rüber? Der einschlägigen Presse darf man entnehmen, dass die ‚Nationalen‘ in den neuen Bundesländern keine unbedeutende Rolle spielen.

  4. […] Statistischer Beweis für No-Go-Areas (sebew.wordpress.com) Gestern wurde der Bericht des Statistischen Bundesamtes (Link) über die Migranten 2005 veröffentlicht. Einige Medien geben den kurzen Überblick. […]

  5. rrho Says:

    Das Problem ist wohl, daß das als statistischer Beweis nicht taugt. Da vor der Wende der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in den „alten“ Bundesländern deutlich höher gewesen sein dürfte als in den „neuen“, zeigt die Karte vor allem, daß kaum jemand von ihnen in die „neuen“ Bundesländer umgezogen ist. Daß das wohl auch an den dortigen gesellschaftlichen Verhältnissen liegt (was u.a. sowohl die politischen Meinungen als auch die hohe Arbeitslosigkeit meint), ist zwar offensichtlich, aber mit den hier zitierten Statistiken nicht abgebildet.


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