Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Wahl in Bremen und interaktive Demokratie Freitag, 11. Mai 2007

Filed under: Bremen,Deutschland,Medien,Politik,TAZ — peet @ 13:27 Uhr
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Politik als Ware – das ist auch ein Produkt, nun wochenlang vermarktet von und durch die Plattform politik.de. Die SPD-Spitze in Bremen hat gerade noch rechtzeitig entdeckt, dass die kandidatenwatch.de-Seite mit allen Begleiterscheinungen viel zu tolerant auf dem rechten Auge ist. Der amtierende Bürgermeister distanzierte sich von der Idee der Plattformbetreiber, alle Parteien gleich zu behandeln. Die TAZ war damit nicht einverstanden (Link).

Inzwischen sind noch zwei Tage vor der Wahl geblieben. Zu der Susanne-Albrecht-Affäre, die eigentlich eine Bild-Zeitung-plus-CDU-Affäre ist, wurde in der Presse schon genug gesagt – bei der Gelegenheit kämpfte die TAZ schon wieder gegen die SPD (Link). Christian Hochhuth von dem Politgeschäft arbeitet an seiner Sache unermüdlich weiter. In mehreren Interneträumen, inclusive „Second Life“, wird mit der Politik hantiert als wäre es eine Boulevard-Veranstaltung, so wie eine Suchaktion nach einem nächsten „Superstar“ für das Geschäft Dieter Bohlens (Link). Die selbstentlarvende Krönung des Unternehmens steht im Netz. Das ist das Chatprotokoll einer Onlinesitzung vom 9.5. (Link). Christoph Dowe [korrigiert! s. Kommentar] schimpft gegen die SPD als „Online-Verweigerer“ und Christian Hochhuth lässt die Teilnehmer plaudern. Am Ende kommt nichts heraus – viel bla-bla. Das wäre schon alles, wenn nicht die Werbung für das hauseigene Produkt, die immer wieder dezent gestreut wäre. Gemeint ist politikforum.de. Dieses Forum arbeitet seit Jahren und ist zu einem Sammelbecken der Rechtsradikalen geworden, die es erfolgreich unterwandert und für sich gewonnen haben. Es ist das sozusagen beste negative Beispiel für die Tätigkeit Hochhuths und C°.

Weder Politiker, die am Chat teilgenommen haben, noch die Presse haben daran etwas ausgesetzt. Klar, weil sie keine Ahnung davon haben.

Ich bringe nur ein Beispiel. Im politikforum.de wird immer wieder gerne abgestimmt, wobei Forumsmitglieder, darunter viele Reps, Radikale verschiedener Sorte, Rassisten und Antisemiten, für ihre Sache kämpfen und auftreten. Auf dem Diagramm kann man sehen, wer da die Mehrheit hat und wie weit die Stimmverteilung von der Realität entfernt ist:

Für die „Welt“ ist das „harmlos“ (Link). Kritischer sehen die Arbeit von politik.de nur die SPD-Leute (Link) und eine Politikwissenschaftsstudentin Julia Spreen (Link):

Internetportale sind für mich aktuell noch keine zufrieden stellende Lösung zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Parteien und Wählern. Wissenschaftler und Praktiker fordern immer wieder mit Nachdruck, dass die Politik die durch das Internet zur Verfügung stehende Interaktivität viel stärker nutzen muss . Wie jedoch eine konkrete Ausgestaltung aussehen soll, das bleibt meist offen. Kandidatenwatch.de ist für mich im jetzigen Format jedenfalls keine Antwort auf diese Frage. 

Einverstanden.

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4 Responses to “Wahl in Bremen und interaktive Demokratie”

  1. Intec Fran Says:

    Mhm,
    ja Kritik ist halt immer einfacher als machen. Bin seit Jahren Mitglied im politikforum. Und wähle … links. Klar sind in einem offenen Forum linke wie rechte Stimmen. Halt etwas komplexer als im SPD Ortsverein zu diskutieren, mal Meinungen zuzulassen und sich mit den Kerlen mal auseinanderzusetzen. Klar, eine rechte Stimme bei über 5 Millionen Beiträgen – da ist die Kritik klar ausgerichtet. Schade, dass offene Ansätze in Deutschland halt lieber plattgeredet werden.

    Ob man nun im neuen Medium SecondLife diskutieren muss – naja, ich finde eher nicht. Ist halt virtuell. Also nicht die Wirklichkeit, insofern vielleicht auch keinen Einfluß auf die Wirklichkeit. Witziges Spiel – aber die Diskussion fand ich fade. Naja, das könnte auch an den Faden Beiträgen der Politiker gelegen haben und nicht an der Software.

    PS: Hättest Du mal die 5 min den Beitrag gelesen. Wer sich dort über die SPD mokiert hat, das war Christoph Dowe von politik-digital.de.

    Also bei allem Sendungsbewußtsein – ein bißchen stärker in die Sachen reinschauen, die man beschreibt schadet nie.

  2. peetgp Says:

    @ Intec
    Danke für die Korrektur zugunsten Christian Dowe (ein schöner Name übrigens). Ich habe die beiden Herren verwechselt. Dir ist es aber auch klar, dass sie dieselbe Linie vertreten.
    Nun zu deiner Kritik an meiner Kritik am Politikforum: Mit deinen 53 Postings in 7 Jahren bist du da ein seltener Leser und beteiligst dich kaum an harten Diskussionen. Ich schlage vor, du drehst zuerst an deiner Nase, bevor du meine Erfahrungen mit demselben Forum in Frage stellst.
    Zuletzt zu deiner Ankündigung, links zu wählen: Vor 7 Jahren wolltest du die PDS verbieten lassen. Ich nehme dir deswegen deine politische Position nicht so ganz ernst ab. Alles klar?

  3. Boing Says:

    nix 2x christian, 1x christoph d. und 1x christian h. LOL

  4. peetgp Says:

    Jede Korrektur ist hier willkommen. *g*


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