Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Augenzeugenberichte aus Rostock Sonntag, 3. Juni 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 13:39 Uhr
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Die Eskalation ist schneller als die Vernunft. Berichte über die Demonstration gestern in Rostock lassen nichts Gutes für die nächsten Tagen ahnen. Hier bei Telepolis von Peter Bürger, ein Gespräch am Rande:

Bei meinem letzten Gespräch mit einem Polizeibeamten vor der Abfahrt des Düsseldorfer Busses wurde mir nun eine besondere Belehrung zuteil.

Der Polizist klärte mich darüber auf, dass wir ja „keine Verfassung“ haben. Es gäbe in diesem Lande „nur ein Grundgesetz“, und das sei uns von Besatzungsmächten nach 1945 gleichsam aufgezwungen worden. 

Hier ein Bericht von Philipp Stern und die anschliessende Diskussion bei indymedia.de, wobei ein Leser bemerkt:

es wurde unwahrscheinlich viel Alkohol konsumiert

sowie

dass sich im Verlauf des „Katz und Maus“ – Spiels am Rande der Innenstadt auch Nazis unter den Teilnehmern befanden.

Hier eine friedliche Schilderung der Ereignisse. Hier noch ein seltsam ruhiger Text. Dagegen nüchtern und sachlich beschreibt ein rebellischer Blogger den Ablauf (Link):

warum die polizei diese massive eskalation zu so frühem zeitpunkt gesucht hat und ausgerechnet die abschlusskundgebung angriff bleibt momentan unklar.

Nach dem Bericht auf der Polizei-Gewerkschafts-Homepage meldet sich ein Leser, offensichtlich ein Polizist (Link):

Ich gehöre zwar nicht zu den eingesetzten Kollegen, die gerade für das G8-Treffen ihren Kopf hinhalten, dennoch kommt in mir bei diesen Bildern und Berichten eine derartige Wut hoch, dass ….

Mir stellt sich immer öfter die Frage, warum machen wir/ich diesen Beruf überhaupt? Überall wo man hört verschlechtert sich das Betriebsklima, weniger Geld auf dem Konto, immer mehr Aufgaben, Kosten Leistungsrechnung, schlechter Zustand von Büros und Ausstattung, etc.

Leider kann ich jetzt nichts anderes mehr machen (nix gescheites gelernt und eine Familie zu ernähren)

PS: Hört sich schlimm an, ist auch schlimm, aber nicht so schlimm, dass man sich um mich ernste Sorgen machen müste!!!

Für weitere Links wäre ich meinen Lesern dankbar. Ich wundere mich, dass es so wenige Augenzeugenberichte im Netz gibt.

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3 Responses to “Augenzeugenberichte aus Rostock”

  1. Marcus Says:

    Hallo zusammen,

    ich selbst bin Polizeibeamter und Gott sei Dank im Moment noch nicht im Bereich Rostock und Heiligendamm eingesetzt.
    Sollte aber die linke Gewalt weiterhin in diessem Maße Opfer unter den Kollegen fordern, ist es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis weitere Einsatzkräfte nachrücken müßen.
    Die Damen und Herren Organisatoren der friedlichen Proteste möchten sich gern von den gewaltbereiten Autonomen distanzieren, doch dies geschieht nur verbal.
    Die Versammlungen und Demonstrationen bilden doch erst das Podest für diesen linken Block, um aus der Menge heraus ihre Gewalttaten zu begehen und nicht selten lässt sich der ein oder andere bis dahin friedlich demonstrierende Bürger von der Gewaltwelle mitreißen.
    Ich habe schon einige Demos als Einsatzkraft miterlebt, aber auch schon als Teilnehmer.
    Viele Demonstrante beschweren sich, dass sich der Einsatz von Wasserwerfern z. B. gegen die gesamte Menge richtet.
    Ja liegt es denn nicht an der friedlichen Menge, sich von den gewaltbereiten Autonomen zu distanzieren?
    Für mich wird jeder, der sich vor diesen autonomen Block stellt und sich nicht zurückzieht, wenn in seiner unmittelbaren Nähe Straftaten gegen Leib und Leben von anderen Menschen (ja, auch Polizeibeamte sind Menschen) begangen werden, zum Mittäter und Mitverantwortlichen, wenn es letztendlich zur Eskalation kommt.
    Ganz klar ist hier aber auch die öffentliche Meinung und die Politik anzuzählen.
    Ich möchte jetzt in keinster Weise meine Hand schützend vor das rechte Lager unserer Gesellschaft halten, aber wenn irgendwo eine noch so kleine rechtsgerichtete Demo ansteht, werden weit vor dem Demonstrationsort Anfahrtskontrollen durchgeführt, Personen in Gewahrsam genommen, Autos durchsucht und alle möglichen Dinge sichergestellt.
    Da geht kein Aufschrei durch die Bevölkerung, wir wären ein Polizeistaat.
    Dabei hat man mit einem Aufmarsch von „Rechten“ weit weniger Probleme als mit den jeweils einhergehenden linksgerichteten Gegendemos.
    So, ich denke für heute habe ich mir genung „Luft gemacht“.
    Vielleicht sollte sich einfach mal die Gesellschaft darüber Gedanken machen, ob es nicht sinnvoll wäre, sich von allen radikalen und gewaltbereiten Gruppierungen zu distanzieren und diese dann auch in der Menge bloßzustellen und der Polizei die Möglichkeit zu geben, gezielt gegen diese Personen vorzugehen.
    In der Hoffnung, dass sich etwas zum Positiven ändert, Euer Marcus

  2. peetgp Says:

    Danke, Marcus, ich will zuerst weiter Berichte aus erster Hand aufsammeln. Dein Kommentar ist für mich sehr wertvoll und ich werde darauf noch antworten.


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