Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Polizeiliche Arbeit nach Marcus Freitag, 8. Juni 2007

Filed under: Allgemein — peet @ 20:08 Uhr
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Aufmerksame Leser haben den Kommentar von Marcus, dem Polizisten, vor einigen Tagen bestimmt gewürdigt, ein Dokument seltener Offenheit (Link). Ich möchte Marcus hier antworten, das ist doch auch eine Würdigung.

Der Kernsatz ist für mich:

Vielleicht sollte sich einfach mal die Gesellschaft darüber Gedanken machen, ob es nicht sinnvoll wäre, sich von allen radikalen und gewaltbereiten Gruppierungen zu distanzieren und diese dann auch in der Menge bloßzustellen und der Polizei die Möglichkeit zu geben, gezielt gegen diese Personen vorzugehen.

Hier wird suggeriert, die Polizei stehe außerhalb der Gesellschaft, sei monolitisch und dazu berufen, schmutzige Arbeit für die Gesellschaft zu erledigen. Ich denke, die Polizei ist im Gegenteil ein Spiegel der Gesellschaft und nicht einheitlich in ihrer Einstellung. Sie ist dafür da, einzelne Menschen und die Gesellschaft als Ganzes zu schützen. Ich kenne Polizisten, die sich privat äußern und zum Schlauchboot-Zwischenfall konkret meinen, das sei die Überschreitung der Verhältnismäßigkeit. Welcher Meinung bist du, Marcus?

Die Gesellschaft kann sich nur per Gerichtsurteil von einer konkreten radikalen und gewaltbereiten Gruppierung distanzieren, sonst ist das Lynchjustiz. Und wenn es eine Lynchjustiz ist, soll die Polizei die Opfer einer solchen Justiz schützen. Nicht wahr, Marcus?

Interessant finde ich auch die Gegenüberstellung von rechten und linken Gewaltgruppierungen. Aus Sicht von Marcus reagiert die Gesellschaft unterschiedlich auf die Mittelungen über den polizeilichen Umgang mit linken und rechten Ultras, und zwar bei den Maßnahmen gegen die Rechten:

Da geht kein Aufschrei durch die Bevölkerung, wir wären ein Polizeistaat.

Damit meint Marcus, wenn die Polizei gegen linke Ultras vorgeht, wird das geschrien. Ich habe dagegen das Gefühl, die Wahrnehmung der Stimmen ist hier unterschiedlich. Ich glaube, beides wird in verschiedenen Schichten der Gesellschaft so und so eingestuft. Die Rechten schreien dagegen, wenn die Rechten misshandelt werden, und die Linken – wenn das der Linken zustößt. Oder muß die Polizei genau hinhören, wer da gerade lauter schreit, und sich danach richten? So Marcus?

Meine polizeilichen Quellen meinen, bei Einsätzen solcher Art, wie in Heiligendamm, leiden die meisten Kollegen an der Unwürdigkeit ihrer Aufgabe und nehmen es sich nicht so zu Herzen, um darin ihre Lebensaufgabe zu sehen. Allerdings, meinen die älteren und erfahrerenen von ihnen, kommt bei der Eskalation und beiderseitigem hormonbedingten Provozieren die Steigerung sehr schnell. Wenn man Polizisten lange genug ausharren und dann mit gewaltbereiten Autonomen zusammenstoßen lässt, kann auch viel passieren, was in keinem Buche stehe.

Ich bleibe bei meiner Meinung, es liege in der Verantwortung der Politik, daran zu denken. Im voraus, wohl gemerkt. Sonst ist die Polizei die letzte am Ende dieser Kette, und leiden tut der einzelne Mensch, in der Regel der unbetroffene, der unschuldige, sowie die gesamte Gesellschaft.

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