Sendungsbewusstsein

Kritische Auseinandersetzung mit den Medien

Finkelstein wurde DePault Sonntag, 17. Juni 2007

Die Geschichte um die professoralen Träume Norman Finkelsteins, Liebling heutiger Antisemiten weltweit, ist zu einem vorläufig guten Ende gekommen: Er ist raus aus dem Spiel, das heißt die DePaul-Universität in Chicago ist an ihm nicht weiter interessiert. Der Anfang dieser Bataille wurde in diesem Blog vorgestellt (Link).

Wie immer, soll hier kurz auch die Reaktion der deutschen Medien begutachtet werden. In der einzigen Zeitung fand die Misere ein Nachspiel – Christoph von Marschall hat für den „Tagesspiegel“ die Story in eine seltsame Verpackung gebracht (Link). Das Wort „israelkritisch“ ist bei ihm deutlich ein Euphemismus für „antisemitisch“. Finkelstein scheint ein unschuldiges Lamm zu sein, die jüdische Weltverschwörung droht aus allen Ecken zu strömen. Ansonsten seien das alles nur Reibereien unter „jüdischen Intellektuellen“, nicht weiter schlimm. Beim Thema Tony Judt war ein Beitrag von demselben Journalisten ausgewogener (Link). Warum jetzt voll aus den Rudern?

Die positive Darstellung entdecken wir bei heplev (Link), der auch bei PI (Link) darüber mit Zitaten gut informiert. Da bei dem PI keine Zensur der Kommentare stattfindet, können sich auch Antisemiten da günstig austoben, was bei einem solchen Anlass kein Wunder ist. Insbesondere Nr.8 ist für eine Sammlung antisemitischer Sprüche druckreif:

Wie Ihr seht, ich kritisiere in der Sache, von Anti- oder Philo-Semitismus keine Spur. (Ob das von Euch akzeptiert wird?).

Ach ja, die Einordnung des Holocaust: Als eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte, das ein gutes Beispiel von mehreren als Mahnung für alle Menschen ist, wohin es kommen kann, wenn man sich ideologisch vergaloppiert.

Noch weiter geht politblog.net selbstverständlich (Link). Diesen letzten verlinke ich in diesem Fall ausnahmsweise, empfehle allerdings, nach der Lektüre die Hände zu waschen.

Ich erwarte weitere Beschimpfungen seitens LanceThruster & Co im Namen des „international bekannten Politologen“ (Marschall). :-)

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6 Responses to “Finkelstein wurde DePault”

  1. Beobachter Says:

    Kannst du vielleicht kurz erläutern, wo der von Dir zitierte Kommentar auf PI antisemitisch ist? Mir erschließt sich das nicht.

  2. peetgp Says:

    1. „Die Einordnung des Holocaust“ – dazu sei es gekommen, weil man sich „ideologisch vergaloppiert“ habe.
    2. Der Holocaust an sich sei „ein gutes Beispiel von mehreren“.
    3. Sich erteilte lustvoll provozierende Absolution, keine Spur von Antisemitismus im Schilde getragen zu haben, = eine typische Visitenkarte der Antisemiten.

  3. Beobachter Says:

    Danke peetgp für deine Antwort.
    Was hältst Du von „Als eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte[…]“?
    Ohne diesen einleitenden Satzteil könnte man unterstellen, der Poster suche den Holocaust zu verharmlosen. Diesen Teil lässt Du bei Deiner Bewertung allerdings aus – warum?

  4. peetgp Says:

    Ich habe die Frage beantwortet, drei Argumente kurz formuliert, wie gewünscht. Wurden sie akzeptiert, widerlegt oder ignoriert? Oder ist es eine klärende Gegenfrage? Aaah so!
    Der „einleitende Satzteil“ spielt mit der Singularität des Holocausts genauso wie die anderen Satzteile. Die Neue Rechte hat diese Spielchen mehrfach durchexerziert.

  5. Uni Chicago

    Die “jüdisch-amerikanische Weltverschwörung” hat ein neues Opfer, die Antisemiten einen akademischen Märtyrer und notorische Israelkritiker müssen mit der bereits vorhandenen, gut bezahlten Wissenschaftlerschar auskommen : Finkelstein…

  6. […] Kampf Dershowitz’ gegen Finkelstein ist nach der neuesten Niederlage des letzteren (Link) zu einem lesenswerten Internetauftritt des ersten geführt. Der englische “Guardian” […]


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